346  LXII.  Die  Restgüterfrage.

Frieden  des  Reichs  zu  schirmen  und  gegen  alle  Wechselfälle  sicherzustellen,
ist  nicht  nur  die  militärische,  sondern  auch  die  finanzielle  Bereitschaft
erforderlich.  Ein  Weg  zur  Verständigung  kann  gefunden  werden,
weil  er  gefunden  werden  muß.

(Zustimmung.)

Und  auch  die  Landwirtschaft  soll  nicht  vergessen,  wie  sehr  gerade  sie  unter
unseren  schlechten  Kreditverhältnissen  im  Reich  und  Staat  zu  leiden  hat,
welchen  Nachteil  ihr  die  uns  aufgedrungene  Diskontpolitik  gebracht  hat.
Die  Hauptaufgaben,  die  großen  Aufgaben,  die  sich  die  deutsche  Landwirtschaft
  gestellt  hat  —  ich  erinnere  nur  an  die  Entschuldungsfrage,  an  die
so  hochwichtige  innere  Kolonisation,  an  eine  planmäßige  Arbeiteransiedlung
  —  stehen  und  fallen,  das  ist  meine  feste  Uberzeugung,  mit  der  Reichsfinanzreform.
  Deshalb  nehme  ich  bestimmt  an,  daß  die  Landwirtschaft
in  dieser  Ehren-  und  Existenzfrage  des  Deutschen  Reiches  im  eigenen  Interesse
  und  im  Interesse  der  Allgemeinheit,  im  Interesse  unseres  deutschen
Vaterlandes  nicht  versagen  wird.
(Lebhafter  Beifall.)

In  dieser  Zuversicht  erhebe  ich  mein  Glas,  ich  danke  Herrn
Grafen  Schwerin-Löwitz  aufrichtig  für  seine  freundlichen  Worte,  ich  danke
Ihnen  allen  für  die  liebenswürdige  Aufnahme.  Ich  trinke  auf  das  Wohl
der  deutschen  Landwirtschaft  und  ihrer  Vertretung,  des  Deutschen  Landwirtschaftsrats.
  Der  Landwirtschaftsrat  lebe  hoch,  die  deutsche  Landwirtschaft,
  sie  blühe  und  gedeihe!

LXII.  Die  Restgüterfrage  in  Posen  und  Westpreußen.

Am  26.  Februar  1909  empfing  der  Reichskanzler  eine  Deputation  des  Bundes  der
Landwirte,  bestehend  aus  dem  Provinzialvorsitzenden  des  Bundes  der  Landwirte  für
Posen,  Major  Endell,  dem  stellvertr.  Vorsitzenden  der  Landwirtschaftskammer  für  Posen,
v.  Unruh-Klein-Münche,  dem  Abgeordneten  v.  Wentzel-Belencin,  dem  Frhru.
v.  Wangenheim-Kl.  Spiegel  und  dem  Reichstagsgeordneten  Dr  Roesicke.  Die
Deputation  trug  dem  Fürsten  v.  Bülow  Wünsche  in  bezug  auf  die  Ansiedlungspolitik
vor,  die  sich  vornehmlich  auf  eine  vermehrte  Bildung  von  Restgütern  richteten  und  sich
im  wesentlichen  an  die  vom  Bunde  der  Landwirte  der  Provinz  Posen  in  einer  Versammlung
  am  20.  Jannar  d.  J.  gefaßte  Resolution  anschlossen.

Fürst  Bülow  antwortete  darauf:

Meine  Herren,  ich  danke  Ihnen  für  Ihr  Erscheinen.  Ihre  Ausführungen
waren  mir  von  großem  Interesse.  Ich  habe  mir  über  den  Gegenstand,