362  LXXI.  60.  Geburtstag.  —  LXXII.  Zeppelin.  —  LXXIII.  Glückwunsch.

namentlich,  daß  Sie  in  dieser  Beziehung  mit  Vertrauen  und  Zuversicht
in  die  Zukunft  blicken.  Der  Deutsche  im  Osten  soll  vor
allem  nicht  den  Mut  sinken  lassen.  Er  soll  den  Kopf
hoch  halten.  Ich  habe  einmal  die  Ostmarkenfrage  als  die  wichtigste
Frage  unserer  inneren  Politik  bezeichnet.  Ich  werde  nach  wie  vor  es  als
meine  Pflicht  betrachten,  einzutreten  für  die  Erhaltung  und  Stärkung  des
Deutschtums  in  der  Ostmark,  für  die  wirtschaftliche  und  kulturelle  Hebung
dieser  Provinzen,  die  dem  patriotischen  Deutschen  gerade  deshalb  teuer
sind,  weil  wir  um  sie  jahrhundertelang  einen  harten  und  schweren  Kampf
haben  führen  müssen.  Die  Geschichte  Ihrer  Stadt  beweist  aber  auch  auf
jeder  Seite,  daß  ihre  Wohlfahrt  steht  und  fällt  mit  den  Geschicken  des  großen
Vaterlandes,  mit  der  Wohlfahrt  und  Blüte  des  Reiches,  und  deshalb
wundere  ich  mich  nicht,  daß  auch  Sic  den  Sorgen  Ausdruck  gegeben  haben,
die  das  deutsche  Volk  jetzt  in  der  Frage  der  Reichsfinanzreform
erfüllen.  Die  Finanzreform  ist  eine  Lebens=  und  Schicksalsfrage  für  das
deutsche  Volk.  Sie  war  es  schon  im  Mttelalter,  sie  ist  es  heute  mehr  wie  je.
Mit  mir  wünschen  und  hoffen  Sie,  daß  die  Lehren  der  Vergaugenheit
  nicht  spurlos  an  uns  vorübergegangen  sein
mögen,  daß  der  Gemeinsinn  sich  stärker  erweise  als  die
Kurzsicht,  daß  praktischer  Sinnden  Sieg  davontragenmöge
über  blutleere  Doktrinen,  daß  vor  allem  Einigkeit  und
gemeinsames  Zusammenwirken  die  Rechthaberei  und
Eigenbrödelei  in  den  Hintergrund  dränge,  die  uns  in  der
Vergangenheit  so  tiefe  Wunden  geschlagen  haben.  Ich
bin  überzeugt,  daß  die  Bürger  von  Bromberg,  die  sich  bei  den  letzten
Wahlen  so  tapfer  gehalten  haben,  auch  in  der  Frage  der  Reichsfinanzreform,
unbekümmert  um  Parteischablone  und  Sonderinteressen,  dafür  eintreten
werden,  daß  der  finanziellen  Bedrängnis  gesteuert  wird,  bevor  sie  sich  zu
einer  für  unser  Ansehen  in  der  Welt  wie  für  die  innere  Festigkeit  des  Reiches
verderblichen  und  nicht  wieder  gut  zu  machenden  Schädigung  auswächst.

Auf  das  Glückwunschtelegramm  der  nationalliberalen  Reichstagsfraktion  erging  zu
Händen  ihres  Vorsitzenden,  des  Abg.  Bassermann,  vom  Kanzler  folgende  Drahtantwort:

Der  nationalliberalen  Reichstagsfraktion  danke  ich  aufrichtig  für  die
freundlichen  Glückwünsche  zur  Vollendung  meines  60.  Lebensjahres.
Stärker  als  die  Sorge  um  die  sich  türmenden  Schwierigkeiten  ist  in  mir
der  feste  Glaube  an  des  deutschen  Volkes  Zukunft.  Wir  können  und  werden
nicht  daran  scheitern,  daß  wir  die  reichen  Kräfte  unserer  Nation  für  unsere
Finanzwirtschaft  bisher  nur  unzureichend  zu  organisieren  verstanden.