Juni  1909.  363

In  dieser  Zuversicht  werde  ich  unverzagt  an  dem  begonnenen  Reformwerk
weiter  arbeiten  und  freue  mich,  dabei  der  Unterstützung  der  nationalliberalen
Partei  sicher  zu  sein.
Reichskanzler  Fürst  Bülow.

Der  Redaktion  der  „Kreuzzeitung“  antwortete  der  Fürst  auf  ihre  Glückwünsche:

Besten  Dank  für  Ihre  Glückwünsche  zur  Vollendung  meines  60.  Lebensjahres,
  die  mich  erfreut  haben.  Auch  im  neuen  Jahrzehnt  soll  meine  Arbeit
unter  dem  Wahrspruch  Ihres  Blattes  stehen  „Vorwärts  mit  Gott  für  König
und  Vaterland“,  einer  ernsten  Mahnung  aus  großer  Zeit.

Reichskanzler  Fürst  v.  Bülow.

LXXII.  Beppelin.

Als  Graf  Zeppelin  seine  erste  große  Fernfahrt,  die  mit  einer  geringfügigen  Beschädigung
  des  Luftschiffs  geendet  hatte,  vollendet  hatte,  telegraphierte  ihm  der  Reichskanzler:


Berlin,  1.  Juni  1909.
Exzellenz  Graf  Zeppelin,
Friedrichshafen.

Von  Herzen  hätte  ich  Euerer  Erzellenz  eine  glückliche  Vollendung
Ihrer  Fahrt  gewünscht.  Doch  will  mir  das  dem  Luftschiff  zugestoßene
Unglück,  da  sein  kühner  Lenker  uns  unversehrt  erhalten  blieb,  gering  erscheinen
  gegenüber  dem  großen  Erfolg,  den  diese  von  der  ganzen  Welt
bewunderte  Luftreise  darstellt.

Von  Verschiebung  der  Einladung  1)  habe  ich  weitere  Mitteilung
gemacht.

(gez.)  Reichskanzler  Fürst  Bülow.

LXXIII.  Beglüchwünschung  des  Ministerialdirektors  Dr.  Thiel.

An  den  Ministerialdirektor  Wirklichen  Geheimen  Rat  Dr.  Thiel  richtete  zu  seinem
70.  Geburtstag  der  Reichskanzler  das  nachstehende  Telegramm  ?:

Euere  Cxzellenz  bitte  ich  heute,  wo  Sie  in  voller  Rüstigkeit  das  biblische
Alter  erreichen,  meine  herzlichsten  Glückwünsche  entgegenzunehmen.  Möge
Ihrc  reiche  praktische  Erfahrung  dem  preußischen  Staate  und  der  deutschen
Landwirtschaft,  die  ihr  schon  viel  verdanken,  noch  lange  zu  Gebote  stehen.

1)  des  Grafen  an  den  Reichstag;  Zeppelin  hatte  dic  notwendig  werdende  Verschicbung
  dem  Reichskanzler  angezeigt.
2)  „Nordd.  Allgem.  Zeitung“  3.  Juni  1909.