368  LXXX.  Abschied.  —  LXXXI.  Beglückwünschung.

die  treue  und  treffliche  Unterstützung,  die  ich  während  meiner  Amtsführung
bei  Ihnen  gefunden  habe.  Ich  brauchenucht  zu  sagen,  wie  sehr  ich  mich  den
Beamten  meiner  Reichskanzlei,  vor  allem  meinem  verehrten  Freunde
v.  Loebell,  verpflichtet  fühle,  die  in  täglicher  anstrengender  Arbeit  meine
nächste  Umgebung  gebildet  haben.  Ich  brauche  nicht  näher  auszuführen,
wie  wichtig  für  mich  als  Reichskanzler  meine  Stellung  im  preußischen  Staatsministerium
  war,  und  wie  gern  ich  meine  Beziehungen  zu  dieser  Behörde
gepflegt  habe.

An  die  Herren  des  Auswärtigen  Amtes  habe  ich  noch  ein  besonderes
Wort  zu  richten.  Mehr  als  ein  Menschenalter,  fast  36  Jahre,  sind  dahingegangen,
  seit  ich  in  jungen  Jahren  in  das  Auswärtige  Amt  eingetreten
bin,  an  dessen  Spitze  damals  als  Staatssekretär  des  Außern  mein  seliger
Vater  stand.  Zwei  Jahrzehnte  später  bin  ich  selbst  Staatssekretär  geworden:
seit  dem  26.  Juni  1897,  wo  Seine  Majestät  der  Kaiser  mich  mit  der  Leitung
des  Auswärtigen  Amtes  zu  betrauen  geruhte,  habe  ich  die  auswärtigen
Geschäfte  des  Reiches  geführt.  Auch  nach  meiner  Ernennung  zum  Reichskanzler
  habe  ich  an  dem  engeren  Verhältnis  zu  Ihnen  festgehalten.  Von
Jugend  auf  mit  dem  Auswärtigen  Amt  verwachsen,  bin  ich  ganz  besonders
in  der  Lage,  zu  wissen,  wie  viel  Arbeit  in  Ihrer  Behörde  geleistet  wird.
Für  seinen  Anteil  an  dieser  Arbeit  danke  ich  jedem  einzelnen  von  Ihnen.
Ich  bitte  Sie  alle,  mir  ein  freundliches  Audenken  zu  bewahren.  Ich  sage
Ihnen  Lebewohl  mit  dem  Wunsche  und  mit  der  Zuversicht,  daß  das  Auswärtige
  Amt,  den  Blick  gerichtet  auf  die  mahnende  Gestalt  des  größten
deutschen  Mannes,  des  ersten  deutschen  Reichskanzlers,  der  ihm  seinen
Stempel  aufgedrückt  hat,  stets  auf  dem  Posten  bleiben  wird  für  Deutschlandes
Interessen,  für  Ehre  und  Wohlfahrt  unseres  Volfes,  für  Kaiser  und  Reich!

LXXXI.  Beglückwünschung.

Der  Staatssekretär  des  Reichsjustizamts,  Wirkliche  Geheime  Rat  Dr  Nieberding,
beging  am  12.  Juli  das  fünfzigjährige  Jubiläum  seines  Eintritts  in  den  Staatsdienst.
Der  Reichskanzler  richtete  an  ihn  folgendes  Telegramm:

In  aufrichtiger  Verehrung  gedenke  ich  Euerer  Exzellenz  am  heutigen
Tage,  an  dem  sich  ein  halbes  Jahrhundert  seit  Ihrem  Eintritt  in  den  Staatsdienst
  vollendet.  Schwere  Arbeit  schließt  dieser  Zeitraum  ein,  aber  auch
reichen  Erfolg.  Denn  für  immer  wird  der  Name  Cuerer  Erzellenz  verknüpft
  sein  mit  dem  großen  Werke,  das  dem  deutschen  Volke  die  Einheit
seines  bürgerlichen  Rechts  brachte.  Möge  Euerer  Exzellenz  bewährte
Kraft  noch  lange  dem  Reichsdienst  erhalten  bleiben.

Reichskanzler  Fürst  Bülow.