376  LXXXIII.  LXXXIV.  Abschied.

Volk  unter  Überwindung  aller  Hindernisse  und  Gefahren  in  steigendem
Wohlstand,  in  Sammlung  und  ungebeugter  Kraft  seine  Bahnen  weiter
verfolgen  und  seine  Stellung  in  der  Welt  behaupten  möge.“

LXXXIII.  Der  Abschied  vom  Bundegrat.

Am  15.  Juli  überreichte  eine  Deputation  des  Bundesrats  zum  Abschied  dem  Fürsten
eine  Adresse,  die  der  neue  Reichskanzler  v.  Bethmann  Hollweg  mit  einer  Ansprache  übergab.

Die  Adresse  hatte  folgenden  Wortlaut:

Durchlauchtigster  Fürst!

„Mit  tiefem  Bedauern  nimmt  der  Bundesrat  davon  Kenntnis,  daß
Euer  Durchlaucht  aus  der  Stellung  als  Reichskanzler  und  damit  auch
aus  dem  Vorsitz  im  Bundesrat  scheiden.

Zwölf  Jahre  hat  der  Bundesrat  Euer  Durchlaucht  als  sein  Mitglied
verehren,  neun  Jahre  sich  Ihrer  Leitung  erfreuen  dürfen.  Diesen  ganzen
Zeitabschnitt  durchzieht  die  von  Erfolgen  gekrönte  Wirksamkeit,  welche
Euer  Durchlaucht  als  Berater  Seiner  Majestät  des  Kaisers  auf  dem
Gebiete  der  auswärtigen  Politik,  in  der  Ordnung  der  deutschen  Wirtschaftsverhältnisse
  und  Handelsbeziehungen  und  in  der  inneren  Gesetzgebung
  entfaltet  haben.  Nicht  minder  die  sorgliche  Pflege,  die  Sie  den
Interessen  aller  Bundesstaaten  angedeihen  ließen.  Die  Sicherheit,  bei
Euer  Durchlaucht  ein  gleiches  Verständnis,  wie  für  das,  was  dem
Reichskörper  frommt,  so  auch  für  die  Lebensbedingungen  jedes  einzelnen
Bundesglieds  zu  finden,  hat  dem  Zusammenwirken  des  Bundesrats  mit
seinem  Vorsitzenden  den  festen  Halt  des  Vertrauens  gegeben.

Wenn  sich  jetzt  das  Band  gemeinsamer  Arbeit  löst,  so  geleite  Euer
Durchlaucht  das  Bewußtsein,  daß  die  glänzende  Periode  Ihres  Schaffens
und  Kämpfens  bei  dem  Bundesrat,  der  Ihnen  seinen  ehrerbietigen  Abschiedsgruß
  darbringt,  in  dankbarem  Gedächtuis  bewahrt  bleibt.“

Fürst  Bülow  erwiderte  darauftd):

Er  danke  dem  Reichskanzler  v.  Bethmann  Hollweg  für  seine  Worte
und  allen  Anwesenden  für  ihre  freundliche  Gesinnung.  Die  ihm  überreichte
Adresse  bereite  ihm  deshalb  eine  aufrichtige  Freude,  weil  er  sie  als  einen
Beweis  dafür  ansehe,  daß  es  ihm  gelungen  sei,  sich  das  Vertrauen  des
Bundesrats  zu  erwerben.  Vertrauensvolle  Fühlung  mit  dem  Bundcsrat
zu  unterhalten,  sei  ihm  vom  ersten  Tage  seiner  Amtsführung  an  ein  Bedürfnis
  gewesen.  Darauf  hätte  ihn  schon  sein  Lebensgang  hingewiesen.

1)  Kreuzzeitung  16.  Juli  1909.  Nicht  in  direkter  Rede  veröffentlicht.