Juli  1909.  377

Dreizehn  Jahre  lang  sei  sein  Vater  Mitglied  des  Bundesrats  gewesen.
Und  wenn  er  in  seinen  Erinnerungen  noch  weiter  zurückgehe,  so  stehe  die
Eschenheimer  Gasse  vor  seinem  Auge,  in  Frankfurt  a.  M.,  wo  er  seine  Kindheit
  verlebt  habe.  Er  sehe  den  damaligen  Gesandten  v.  Bismarck-Schönhausen
  vor  sich,  den  großen  nachmaligen  ersten  Kanzler,  wie  er  in  das
Palais  des  alten  Bundestages  eintrete.  Und  jetzt  sei  der  Bundesrat  ein
Eckstein  in  dem  Gebäude  des  neuen  Reichs.  Zwölf  Jahre  sei  er,  Fürst
Bülow,  Bevollmächtigter  zum  Bundesrat  gewesen.  Er  habe  sich  immer
angelegen  sein  lassen,  die  persönlichen  Beziehungen  zu  den  Mitgliedern
des  Bundesrats  zu  pflegen  und  auf  die  Zustimmung  und  Unterstützung
des  Bundesrats  stets  hohes  Gewicht  gelegt.  Er  wisse,  wie  lebendig  und
tief  gewurzelt  der  Reichsgedanke  im  Bundesrat  sei  und  wie  die  Bevollmächtigten
  zum  Bundesrat  vom  Boden  der  föderativen  Reichsverfassung
aus  den  Reichsgedanken  hoch  hielten.  Solange  dem  so  sei,  könnten  wir  mit
Ruhe  in  die  Zukunft  blicken.  Er  übergebe  mit  vollem  Vertrauen  die  Geschäfte
  an  Herrn  v.  Bethmann,  ein  Vertrauen,  das  nicht  nur  begründet  sei
auf  der  Anerkennung  der  hohen  Begabung  seines  Nachfolgers,  sondern
auch  auf  der  Achtung  vor  dessen  Charaktereigenschaften.  Er  bitte  die  um
ihn  versammelten  Vertreter  der  Bundesregierungen,  diesen  seinen  Dank
für  die  ihm  bewiesene  wohlwollende  Gesinnung  zu  übermitteln.  Er  bitte
sie  vor  allem,  den  Souveränen,  die  sie  verträten,  und  den  Senaten  der
drei  Hansestädte  seinen  Dank  für  das  Vertrauen  auszusprechen,  daß  er  stets
bei  ihnen  gefunden  habe.  Er  bäte  sie  alle,  ihm  ein  freundliches  Andenken
zu  bewahren.

LXXXIV.  Kundgebungen  beim  Abschied.

a)  Fürstlichkeiten.

Se.  Majestät  der  König  von  Rumänien  hatte  an  den  Fürsten  Bülow  folgendes
Telegramm  gerichtet:  Schloß  Pelesch,  15.  Juli  1909.  Mit  dem  lebhaftesten  Bedauern
sehe  ich  Euere  Durchlaucht  aus  dem  hohen  Amte,  dem  Sie  in  so  hervorragender  Weise
vorgestanden,  scheiden.  Sie  dürfen  mit  der  größten  Befriedigung  auf  die  langen  Jahre
zurückblicken,  während  welcher  Sie,  oft  unter  recht  schwierigen  Umständen,  für  die
Kräftigung  und  Wohlfahrt  des  Deutschen  Reiches  gewirkt  haben.  Die  innigen  Beziehungen,
die  mich  seit  langen  Jahren  mit  meinem  alten  Vaterlande  eng  verbinden  und  deren
Pflege  Euerer  Durchlaucht  besonders  am  Herzen  gelegen,  sichern  Ihnen  auch  in  Zukunft
meine  freundschaftlichsten  Gesinnungen.  Empfangen  Sie  meinen  aufrichtigen  Dank  für
das  warme  Interesse,  daß  Sie  unausgesetzt  meinem  Lande  entgegengebracht,  das  die
weise  Politik,  die  Euere  Durchlaucht  mit  fester  Hand  geleitet,  zu  würdigen  weiß.  Als
Erinnerung  an  unsere  langjährigen  persönlichen  Beziehungen  bitte  ich  Euere  Durchlaucht
den  Orden,  der  meinen  Namen  trägt,  freundlich  aufnehmen  zu  wollen.  Ihrer  Frau
Gemahliu  empfehle  ich  mich  angelegentlichst.  Carl.