Juli  1909.  379

und  liberalen  Fraktionen,  die  in  großen  nationalen  Fragen  für  unser  politisches
  Leben  immer  wieder  notwendig  werden  wird,  mögen  auch  zeit—
weilige  Gegensätze  sie  verhindern.  Ich  wünsche  der  nationalliberalen  Partei
eine  Zukunft,  die  ihren  in  der  Vergangenheit  erworbenen  großen  Verdiensten
  um  die  Belebung  des  nationalen  Gedankens  im  deutschen  Volke
und  um  den  Ausbau  unserer  politischen  Einheit  entspricht.

Fürst  v.  Bülow.

Auf  ein  persönliches  Abschiedstelegramm  des  Abg.  Bassermann  dankte  der  Fürst
wie  folgt:
Berlin,  den  17.  Juli  1909.
Sehr  verehrter  Herr  Bassermann!

Die  Abschiedsgrüße,  die  Sie  als  Führer  der  nationalliberalen  Partei
mir  zugerufen  haben,  und  die  mich  in  diesen  ernsten  Tagen  sehr  wohltuend
berührten,  habe  ich  schon  telegraphisch  erwidert.  Es  ist  mir  aber  ein  Bedürfnis,
  Ihnen  auch  persönlich  noch  einmal  zum  Ausdruck  zu  bringen,
wie  wertvoll  mir  Ihre  Mitarbeit  in  der  ganzen  Zeit  meiner  Kanzlerschaft
war,  und  wie  dankbar  ich  erkenne,  daß  zwischen  uns  die  Politik  auch  persönliche
  Bezichungen  geknüpft  hat,  auf  deren  Fortsetzung  ich  glaube  hoffen
zu  dürfen.  Sie  verweisen  mich  auf  das  Urteil  der  Geschichte.  Ich  bin  unbescheiden
  genug,  dies  Urteil  mit  Ruhe  zu  erwarten.  Es  wird  mir  aber,  wenn
die  Erregung,  die  uns  alle  noch  beherrscht,  sich  gelegt  hat,  eine  Freude  sein,
im  Gedankenaustausch  mit  einem  weitblickenden  Zeitgenossen  wie  Sie,
verehrter  Herr  Bassermann,  die  Ereignisse  der  letzten  Jahre  am  geistigen
Auge  nochmals  vorüberziehen  zu  lassen  und  zu  prüfen,  ob  ich  auf  dem
rechten  Wege  war.  Ich  hoffe,  daß  Sie  mir  diese  Freude  machen  werden,
und  bitte  auch  Ihrer  Frau  Gemahlin  und  Ihrem  Fräulein  Tochter
meine  und  meiner  Frau  beste  Empfehlungen  zu  übermitteln.  In  aufrichtiger
  Wertschätzung  Ihr  sehr  ergebener

Bülow.

Ostmarkenverein.

Der  Hauptvorstand  des  Deutschen  Ostmarkenvereins  sandte  an  den  Fürsten  eine
Kundgebung,  in  der  es  u.  a.  hieß:  Mit  klarem  Blick  haben  Euere  Durchlaucht  die  geradezu
ausschlaggebende  Bedeutung  der  Ostmarkenfrage  für  den  Bestand  und  die  Sicherheit
des  Deutschen  Reiches  wie  der  preußischen  Monarchie  erkannt;  mit  sicherer  Hand  und
warmem  Herzen  haben  Sie  diejenige  OÖstmarkenpolitik  unentwegt  durchzuführen  und
für  die  Zukunft  festzulegen  gewußt,  die  allein  zur  dauernden  Sicherung  der  deutschen
Vorherrschaft  in  den  Ostmarken  führen  wird.  In  der  Geschichte  des  seit  Jahrhunderten
währenden  Kampfes  um  die  Ostmark  wird  der  Name  Fürst  v.  Bülow  als  treuer  Vorkämpfer
  für  das  Deutschtum  einen  ersten  Platz  erhalten!