380  LXXXIV.  Abschied.

Fürst  Bülow  erwiderte  darauf:

Euer  Hochwohlgeboren  und  dem  Hauptvorstande  des  Deutschen  Ostmarkenvereins
  danke  ich  aufrichtig  für  die  freundlichen  an  mich  gerichteten
Abschiedsgrüße.  Es  ist  mir  eine  Beruhigung,  daß  in  dem  Augenblicke,  wo
ich  aus  dem  Amte  des  Reichskanzlers  und  Ministerpräsidenten  scheide,
nicht  nur  das  Deutschtum  in  unserer  Ostmark  im  Vorschreiten  ist,  sondern
auch  das  Verständnis  der  Nation  für  die  preußische  Ostmarkenpolitik
wächst.  Daraus  schöpfe  ich  die  zuversichtliche  Hoffnung,  daß  wir  auch  auf
diesem  Gebiete  aus  unseren  Fehlern  in  der  Vergangenheit  gelernt  haben,
und  daß  wir  für  alle  Zukunft  an  einer  stetigen,  planmäßigen  und  energischen
  Arbeit  für  die  Stärkung  des  Deutschtums  in  den  Grenzbezirken
festhalten  werden,  die  nicht  auf  schnellen,  sondern  auf  dauernden  Erfolg
zielt.  Mit  der  Versicherung  besonderer  Hochachtung  habe  ich  die  Ehre  zu
sein  Euer  Hochwohlgeboren  ergebener

(gez.)  Bülow.
c)  Landwirtschaft.

Der  Präsident  des  Deutschen  Landwirtschaftsrats  Graf  v.  Schwerin-Löwitz
hatte  an  den  Fürsten  ein  Telegramm  gerichtet,  in  dem  er  den  Kanzler  der  unvergänglichen
und  ungeteilten  Dankbarkeit  aller  deutschen  Landwirte  versicherte.  Fürst  v.  Bülow  antwortete
  darauf  folgendes:

Berlin,  den  12.  Juli  1909.
Dem  Präsidenten  des  Deutschen  Landwirtschaftsrats
Herrn  Grafen  v.  Schwerin-Löwitz.
Reichstag.

Für  Ihr  freundliches  Telegramm  bitte  ich  Sie  meinen  herzlichsten
Dank  entgegennehmen  und  diesen  Dank  dem  Deutschen  Landwirtschaftsrat
übermitteln  zu  wollen.  Was  meine  Politik  für  die  Landwirtschaft  wie  überhaupt
  für  den  Schutz  der  nationalen  Arbeit  erstrebt  und  erreicht  hat,  das
wird  nach  meiner  Uberzeugung  nicht  den  Interessen  einzelner  Erwerbsstände,
  sondern  der  ganzen  deutschen  Volkswirtschaft  dienen.  Um  dieser
Politik  die  Stet  gkeit  zu  sichern,  die  nötig  ist,  um  ihre  Früchte  reifen  zu
lassen,  habe  ich  mich  bemüht,  in  ihr  das  rechte  Maß  innezuhalten  und  Ubertreibungen
  zu  vermeiden.  Gerade  deswegen  kann  ich  mich  des  Dankes,
den  Sie,  verehrter  Graf,  mir  namens  der  deutschen  Landwirtschaft  aussprechen,
  aufrichtig  freuen  und  mich  der  Hoffnung  hingeben,  daß  die  unter
Führung  des  großen  ersten  Kanzlers  beschrittenc  wirtschaftspolitische  Bahn
noch  lange  von  den  gesetzgebenden  Faktoren  des  Reiches  innegehalten
werden  kann  und  wird.

(gez.)  Reichskanzler  Fürst  Bülow.