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        Leitfaden 
der 
Preußischen Geschichte 
von 
Professor Dr. W. Pierson. 
  
Herausgegeben 
von 
Prof. Dr. John Pierson. 
Siebzebnute Auflage. 
  
Mit den Standbildergruppen in der Sieges-Allee zu Berlin 
und einer geschichtlichen Karte des brandenburgisch-preußischen Staates von 
Professor H. Kiepert. 
  
— -.(—.—–—.— 
—. 
Berlin 1910. 
Verlag von Leonhard Simion Af.
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        Inhalt. 
Seits 
I. Die Mark Brandenburg von den ältesten Zeiten bis zurr Be- 
sitnahme durch die Hohenzollern (—14150) 1 
Die Vorzeit . 1 
". Brandenburg unter den ballenstädtischen (anhaltinischen 
oder askanischen) Markgrafen 1134—1319 7 
Albrecht der Bär (1134—1170) . 7 
Albrechts Nachfolger aus dem Hause Ballenstädt 8 
8. Brandenburg unter den bayrischen oder Wittelsbacher 
Markgrafen E und unter den n luremburgif chen 
Kurfürsten (1373—1415) 14 
Die Luxemburgger 17 
II. Die hohenzollerischen . Kurfürsten bis zur Chroniesteigin 
Friedrich Wilhelms des Großen (1415—1610) .. . 20 
Kurfürst Friedrich I. (1415—1440) .. . .. 20 
Friedrich II. der Eiserne 440—1470) .. 28 
Albrecht Achilles (1470—1486) und Seham Cicero 
(1486—1499y) .... 26 
Joachim I. Nestor (1499—1535) 28 
Joachim II. Hektor und Hans von Küstrin **7- 30 
Johann Georg (1571—1590) 32 
Joachim Friedrich (1598—1608) 33 
Verfall des mittelalterlichen Wesens in Staat und 
Kirche. Aufkommen neuer Formem 34 
Johann Sigismund (1003—1019) 37 
Klevne 88 
Das Land Preußen als * und als 1d 
zogtum (—16180 . .."38 
Georthlhelm(l6191640).. 43 
III. Vom Regierungsantritt des Großen K Kurfürsten bis zur Er- 
hebung Preußens zum Königreich (1640—1701) . 46 
Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst (1640 1688) 46 
Kurfürst Friedrich III. (später König Friedrich I.) 
1688—1713. 59 
IV. Von der Erhebung Preußens zum Königreich bis zur *2 
besteigung Friedrichs des Großen 1701—17410 61 
Friedrich I. (als König) (1701—17190) 61 
Friedrich Wilhelm I. (1713—1740) .. .63
        <pb n="3" />
        IV 
V. Friedrich der Große (1740—17860) 
Erster Schlesischer Krieg (1740—1712) 
Zweiter Schlesischer Krieg (1744—1745) 
Der Siebenjährige Krieg (1756—1763) 
Ursachen des Krieges, Friedrichs SEen in Sasen 
Der Feldzug von 1757 . 
Die Feldzüge von 1758 und 1759. 
Der Feldzug von 1760 
Die Feldzüge von 1761 und 1762. Ende des Krieges 
Vom Hubertusburger Frieden bis zum Tode Friedrichs des 
Großen 1763—1786. 
VI. Vom Tode Friedrichs des Großen, bis zum au der alten 
Monarchie 1786—1806 
Friedrich Wilhelm II. (1786—1797) 
Friedrich Wilhelm III. (1797—1840) 
VII. Preußens Wiedergeburt und Befreiungeriieg 1807—1815. 
Die Wiedergeburt " 
Der Befreiungskrieg 1818 
Der Frühlingsfeldzug 
Der Sommerfeldzug 
1814. .. . 
Der Wiener Kongreß 
Der Feldzug von 1815 
VIII. Vom Schluß des Wiener Kongresses 1815 bis zur Thron= 
besteigung Wilhelms I. 1861. . 
Friedrich Wilhelms III. ji * 
1815—1840 
Friedrich Wilhelm IV. (1840—1861) 
Die Negentschaft 1858—1861 
IX. Wilhelm 1. 
Der Deutsche Krieg von 1806. 
Schleswig-Holstein 
Hannover 
Hessen-Nassau . 
Der Französische Krieg von 1870—1871 
Wilhelm 1. nach 1871. — Friedrich III. N“ 
Wilhelm II. (1888 bis jetzt) . 
Anhang. Wachstum des brandenburgisch- preußishen Stactes 
Zeittafel der preußischen Geschichte . 
I. Bis zum Großen Kurfürsten 2 
II. 1640—1701 . .... 
JIISett1701.. . . 
Die Standbilder der Sieges- Allce in Berlin 
Das Haus Hohenzollern (genealog. Übersicht). 
95 
95 
100 
106 
106 
112 
115 
119 
125 
127 
131 
133 
133 
139 
142 
143 
144 
147 
151 
152 
157 
162 
165 
166 
170 
170 
178 
181 
201 
Historische Karte des brandenburgisch-preußischen Staates unter 
den Hohenzollern.
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        I. Die Mark Brandenburg von den ältesten 
Zeiten bis zur Besitznahme durch die Hohenzollern 
(—14s5). 
1. Die Vorzeit. 
§ 1. In dem Tieflande zwischen Elbe und Weichsel hausten 
in der Urzeit die Sueven, das größte und kriegerischste aller 
deutschen Völker. Sie zerfielen in zahlreiche Stämme, die unter 
erblichen Königen lebten, aber zu Krieg und religiösen Festen 
verbündet waren. Den Mittelpunkt des Suevenbundes bildete 
ein Heiligtum in einem Walde an der Havel; hier und an der 
Spree wohnte der älteste und edelste Stamm der Sueven, die 
Semnonen; westlich von diesen bis zum Harz die Langobarden, 
in Pommern die Rugier und Burgunder, an der Netze und 
Warthe die Goten. 
Durch Tapferkeit, Freiheitsliebe und Sittenstrenge zeichneten 
sich alle Germanen aus; es galten bei ihnen gute Sitten mehr, 
als anderwärts gute Gesetze. « 
Die älteste Staatsform im nordöstlichen Deutschland ist das 
erbliche Königtum; darin unterschieden sich die Ostgermanen 
von den Westgermanen, denen im Kriege ein gewählter Heer- 
führer (Herzog), im Frieden die angesehensten Geschlechtshäupter 
als Fürsten vorstanden. Ueberall jedoch nahm das Volk durch 
regelmäßige Versammlungen der freien Grundbesitzer an der 
Beratung der Gemeindesachen teil. 
Die Sueven sollen nach Cäsar 100 Gaue bewohnt (ein Gau 
umfaßte mehrere Hundertschaften von Hofbesitzern) und jähr- 
Pierson, Leitf. d. preuß. Gesch. 5"“ 1
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        — 2 — 
lich 100 000 Krieger ins Feld gestellt haben. Sie fochten meist 
zu Pferde; ihre Waffen, von Stein, Bronze und Eisen, bestanden 
in Spieß, Schwert und Schild. Krieg, Jagd und Spiel machten 
die Beschäftigung der Freien aus, die niemals die Wehr von sich 
ließen. Den Acker, der Getreide, Rüben, Kohl trug, bebauten die Un- 
freien (Kriegsgefangene, Verbrecher und Nachkommen unterjochter 
Volksstämme). Städte gab es nicht; ungeheure Kiefernwälder und 
Sümpfe bedeckten das rauhe Land. Das Vieh war unansehnlich, 
aber zahlreich; sehr mannigfach der Wildstand (Bären, Wölfe, 
Elens, Auerochsen, Füchse, Hirsche, Wisente u. a.). Vielweiberei 
war selten; man ehrte die Frauen und hielt die Ehe heilig. 
Die Götter — der Allvater Wodan, der Kriegsgott Zin, 
der Donnergott Donar, die Freude und Fruchtbarkeit spendenden 
Gottheiten Freir und Freia und bei Hamburg (7) die Mutter Erde 
(Nerthus) — wurden durch Opfer verehrt, welche die Priester 
unter heiligen Bäumen darbrachten. Den gefallenen Helden trug 
eine Siegesgöttin (Walküre) zu den Göttern nach Walhalla. 
§ 2. Als im Jahre 375 n. Chr. die hunnische Völker- 
wanderung sich von Asien über Europa ergoß, verließen auch 
die Sueven massenweise ihre alten Sitze und wanderten nach 
dem schöneren Süden und Westen aus. In das entvölkerte Land 
drangen dann die Nachbarn im Osten, die Wenden, ein. Saale 
und Elbe bildeten zwischen ihnen und den Deutschen jahrhunderte- 
lang die Grenze oder Mark. 
Auch die Wenden zerfielen in eine Menge von Völker- 
schaften: Sorben zwischen Bober und Saale; Ljutizen (oder 
Wilzen) an der Havel und Peene; Obotriten in Mecklenburg 
und Vorpommern. Den Wenden stammverwandt saßen weiter 
im Osten die Pomoren (Pommern) zwischen der Netze und Ostsee, der 
unteren Weichsel und Oder, die Polen zwischen Netze, Karpathen, 
Oder und Bug: sämtlich Glieder der großen Völkerfamilie der 
Slawen, zu der auch die Tschechen in Böhmen und die Russen 
gehören. 
In ihrer äußeren Erscheinung (untersetzte, kräftige, mittelgroße 
Gestalten mit braunem Haar, breiter Nase, kleinen, braunen, 
feurigen Augen, angetan mit langen Gewändern), wie in mancher 
gesellschaftlichen Einrichtung (Vielweiberei, der sklavischen Stelluug 
der Frauen, die nicht selten beim Tode ihres Mannes mitver- 
brannt wurden), hatten die Wenden, wie alle Slawen, asiatisches 
Gepräge. Wahrheitsliebe, Ausdauer in jeder Art von Beschwerden,
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        — 3 — 
sorglose Genügsamkeit und Gastfreundschaft waren ihre Tugenden; 
eigentümlich aber war den Wenden eine ungemein rührige Tätig- 
keit. Sie brachten das alte Suevenland in höhere Kultur, bauten 
außer den vorgefundenen Kulturpflanzen Weizen, Hirse, Mohn, 
Gartengewächse, Obst, trieben starke Bienenzucht, hielten zahlreiches, 
treffliches Vieh, wohnten nicht, wie Sueven und Sachsen, zerstreut 
auf Gehöften, sondern in Dörfern und Städten, die mit ring- 
lermigen Befestigungen (Gard: Star-gard u. a.) umgeben waren. 
Der Uberschuß des Ertrages ihrer Landwirtschaft und ihres Fisch- 
fanges, sowie einiger Gewerbe (besonders Weberei) diente zum 
Tauschhandel, der besonders an der Seeküste stark im Schwange 
war. Die Richtung und Schiffbarkeit der Flüsse (Spree, Havel, 
Elbe, Oder) machten das nach Nord= und Ostsee offene Land zum 
Schauplatz eines regen Verkehrs. Der Hauptsitz des Seehandels 
war die Wendenstadt Julin oder Wollin, deren Hafen 300 Schiffe 
faßte. Hier trafen sich deutsche, dänische, flawische, byzantinische 
Kaufleute, um wendische Leinwand, preußischen Bernstein, russisches 
Pelzwerk gegen fränkische, griechische, italienische Metallwaren, 
Glasperlen, Münzen u. a. Zierat einzutauschen. Zu Lande ging 
um das Jahr 1000 eine Haupthandelsstraße von Hamburg nach 
Julin, von da nach Gyddanisk (Danzig) und durch Preußen 
(über Samland) nach Ostrogard (Nowgorod) in Rußland, wohin 
die Kaufleute aus Kiew ihre morgenländischen Waren brachten. 
— Die Wenden verehrten als höchsten Gott den Belbog (den 
weißen, guten Gott); der Urheber alles Finstern und Schlim- 
men war CzZernybog (der schwarze Gott). Der Sonnengott 
Swantewit, der Spender der Fruchtbarkeit, hatte in Arkona 
auf Rügen, Triglaw (der „dreiköpfige“ Herr des Himmels, der 
Erde und der Unterwelt) in Stettin und Brandenburg, der Kriegs- 
gott Radegast zu Rethre in Mecklenburg einen Haupttempel, 
wo selbst Menschenopfer dargebracht wurden. Wie die alten Deut- 
schen glaubten auch die Wenden an ein Fortleben im Jenseits 
und an die höhere Seligkeit der als Helden Gefallenen. Nichts 
geschah, ohne daß man zuvor den Willen der Götter befragt 
hätte; die Priester übten daher einen ungemessenen Einfluß. 
Die älteste Staatsform war die Gleichheit aller freien Grund- 
besitzer, deren jeder unumschränkt über seine Familie und seine 
Knechte gebot; aus den gewählten Gemeindevorstehern ging indes 
allmählich ein Adel hervor (die Friedensrichter, Zupane) und 
aus den Kriegsführern (Woiwoden) ein durch Reichtum und 
Ansehen gewaltiger Knäs (Fürst). — In steten Fehden der 
Stämme unter einander und mit den Deutschen erhielt sich die 
kriegerische Tüchtigkeit und ein starkes Nationalgefühl. 
1
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        — 4 — 
g 3. Nachdem der fränkische König und römische Kaiser 
Karl der Große (768— 814) alle deutschen Stämme dem 
Christentum und seinem Reiche unterworfen, begann auf dessen 
ganzer östlichen Grenze von den bayrischen Alpen bis zur Niederelbe 
ein Bekehrungs= und Unterjochungskrieg gegen die heidnischen Sla- 
wen. Derselbe wurde nach dem Zerfall des karolingischen Welt- 
reichs und der Gründung eines deutschen Reiches (843 im Ver- 
trage zu Verdun) am lebhaftesten und erfolgreichsten in Nord- 
deutschland betrieben. Hier wohnte das durch Zahl und zähe 
Tapferkeit stärkste deutsche Volk, die Sachsen, zwischen Ems 
und Elbe, Nordsee und Thüringerwald. Herzog Heinrich von 
Sachsen, der als deutscher König Heinrich I. (919—936), auch 
die anderen deutschen Stämme, nämlich die Franken, Schwaben, 
Bayern, Lothringer, beherrschte, schützte Süd= und Mitteldeutschland 
(durch den Sieg bei Riade an der Unstrut 933) vor den Raub- 
zügen der Ungarn (Magyaren) und sicherte Norddeutschland, in- 
dem er hier feste Plätze gründete und besonders die Grenzen 
(Marken) mit Burgen und Kriegsvolk versah. 
Im dritten Jahrhundert nach Christi Geburt vereinigten sich 
die meisten deutschen Stämme zu vier großen Völkerbünden: aus 
dem alten Suevenbunde ging der Bund der Goten hervor, die 
von der Oder und Weichsel aus ihre Herrschaft bis zum Schwar- 
zen Meere ausbreiteten; die westlichen Norddeutschen zwischen Elbe 
und Ems bildeten den Sachsenbund; am Main und Nieder- 
rhein waren die Franken, im südwestlichen Deutschland die 
(suevischen) Alemannen einig. 
Heerkönige, die Führer dieser kriegerischen Vereine, stifteten 
in der Zeit der Völkerwanderung auf dem eroberten Boden des 
römischen Weltreichs germanische Reiche (z. B. das Westgoten- 
reich in Spanien, das Vandalenreich in Afrika 439), von denen 
das fränkische in Gallien unter den Merowingern und Karolin- 
gern zur größten Macht gelangte. Der fränkische König Karl 
der Große unterjochte 774 die Langobarden in Italien, 772— 
785 die Sachsen und erneuerte 800 die römische Kaiserwürde. 
Das Christentum, von Italien, Frankreich und Irland durch 
römische Missionäre (Bonifatius + 754) nach Deutschland ver- 
breitet, trug zur politischen Einigung der deutschen Nation 
das meiste bei. Es vermittelte ihr auch die höhere Kultur der 
Romanen. Zugleich aber schlug das fränkische Lehnswesen 
(Feudalwesen) in Deutschland Wurzel. Der König lieh, um seine
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        — 5 — 
persönliche Macht zu mehren, seinen Kriegsleuten als Sold für 
Dienste Grundbesitz, wofuͤr sie ihm zu besonderer Treue verpflichtet 
waren. In dasselbe Verhältnis setzten sich auch andere weltliche 
und geistliche Große zu geringeren Leuten, der Stärkere zum 
Schwächeren; nur mühsam behauptete der freie Besitzer sein Gut 
als unabhängiges Eigentum (Allod)); oft erkaufte er Sicherheit 
und andere Vorteile nur mit der Verwandlung desselben in ein 
chen. 
Wie das Sachsenland am längsten den alten Glauben fest- 
gehalten, so blieb es auch am längsten bei der alten Sitte und 
Weise des Lebens. Erst Heinrich I. gewöhnte sein Volk an 
engeres Zusammenleben und einheitliches Wirken. Bis auf seine 
Zeit gab es im östlichen Deutschland keine Städte. Er befestigte 
Marktflecken und baute Burgen als Zufluchtsorte für die Be- 
wohner des platten Landes in Kriegszeiten und verpflichtete jeden 
neunten Mann des zur Burg gehörigen Gebietes, in ihr zu 
wohnen und sie zu bewachen; um die Burg erwuchs dann bald 
eine Stadt (z. B. Quedlinburg). 
§ 4. Im Jahre 928 eroberte Heinrich I. Brannibor (Bran- 
denburg), die Hauptfeste der wendischen Heveller an der 
Havel; dann zwang er die Sorben wie die Ljutizen zur Tribut- 
zahlung. 
Sein Sohn, Kaiser Otto der Große (936—973), setzte 
das Werk des Vaters fort und befestigte es, indem er zur Be- 
kehrung der Heiden in den Slawenländern Bistümer stiftete: das 
Bistum Havelberg 946, Brandenburg 949, Zeitz (später 
nach Naumburg verlegt), Merseburg und das Erzbistum 
Magdeburg 968. 
Aber nur das Schwert schützte hier die deutsche Pflanzung. 
An Königs und Kaisers Statt führte es und herrschte über alles 
Volk in den wendischen Marken der Markgraf. Als solchen 
hatte Otto der Große den klugen und tapfern Gero eingesetzt. 
Dieser breitete die deutsche Herrschaft bis zur Oder aus und 
schlug mit starker Hand alle Aufstände der Eingeborenen nieder. 
Nach Geros Tode 965 bildete der Kaiser aus dem weiten 
Gebiete, das jener verwaltet hatte, drei Amtskreise — die Nord- 
mark (später Altmark geheißen) vom Harz bis zur unteren 
Havel, die Lausitz oder Ostmark und die Mark Meißen — und 
belehnte damit verschiedene Grafen. Seitdem wuchs bei den 
Wenden die Hoffnung, das harte Joch der Sachsen abzuschütteln.
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        — 6 — 
Im Jahre 983 erhoben sich die Obodriten und Ljutizen zu einem 
wütenden Aufstande, bezwangen die sächsischen Besatzungen, er- 
schlugen die deutschen Priester, vernichteten alles Christliche in 
ihrem Lande und drangen verwüstend selbst über die Elbe vor. 
Mit Mühe behaupteten die Grafen der Nordmark (aus den 
Häusern Walbeck und Stade) wenigstens das linke Ufer dieses 
Stromes. Aber das Havelland blieb ihnen verloren; 150 Jahre 
lang lebten dort die Wenden wieder in alter Freiheit und in 
dem alten Götzendienst. Die Kämpfe, welche die deutschen Kaiser 
aus fränkischem Stamme (die Salier 1024—1125) mit den 
sächsischen Fürsten und den römischen Päpsten führten, erleich- 
terten es den Wenden, sich der Sachsen zu erwehren. 
Beim Aussterben der Karolinger (911) war Deutschland ein 
Wahlreich geworden. Die Herzöge der Stämme (unter den 
Karolingern königliche Statthalter, berufen zur Verteidigung gegen 
äußere Feinde und zur Aufrechterhaltung des inneren Friedens, 
dann erbliche Vertreter ihrer Stammesgenossen), ferner die Pfalz- 
grafen (königliche Beamte, Verwalter der obersten Gerichtsbarkeit 
und Aufseher der Kroneinkünfte und Pfalzen) und die Bischöfe 
(deren vornehmste die Erzbischöfe von Mainz, Trier, Köln, Bre- 
men, Salzburg waren), übten für die Nation das Wahlrecht. 
Doch blieb man gern bei derselben Dynastie, und so herrschten 
über Deutschland bis zu ihrem Aussterben das sächsische Haus 
(919—1024) und das salische (1024—1125). 
Die Verbindung der deutschen Königskrone mit der römischen 
Kaiserwürde (seit 962), d. h. mit der Schirmvogtei über die 
abendländische Kirche und dem Königtum in Italien, förderte 
zwar die Bildung, erweckte aber auch in den Kaisern das Stre- 
ben nach unumschränkter (imperatorischer) Gewalt, wogegen 
sich die deutschen Fürsten mit Hilfe der zwischen den Stämmen 
bestehenden Eifersucht und im Bunde mit der römischen Hierarchie 
empörten. Die sächsischen Fürsten schlugen 1115 den Franken 
Heinrich V. aus Norddeutschland hinaus, und seitdem war die 
Macht der Landesfürstenschaft in Deutschland nicht mehr zu 
brechen. Der dann folgende, ein Jahrhundert lange Kampf der 
schwäbischen (staufischen) Kaiser mit den Päpsten schwächte zu 
Gunsten der Fürsten Thron und Reich vollends.
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        2. Brandenburg unter den ballenstädtischen 
(anhaltinischen oder askanischen) Markgrafen 1134—1319. 
Albrecht der Bär (1134—1170). 
§ 5. Der preußische Staat ist aus dem brandenburgischen 
erwachsen, und der Mann, der den brandenburgischen Staat 
begründete, war Graf Albrecht von Ballenstädt, wegen 
seiner Tapferkeit der Bär genannt. Für treue Kriegsdienste, 
die er dem Kaiser Lothar (1125—1137) in Jtalien geleistet, 
ward er von diesem im Jahre 1134 mit der Nordmark be- 
lehnt. Dieses kleine Gebiet vergrößerte nun Albrecht zunächst 
durch Eroberung der Priegnitz, indem er einen Zwiespalt be- 
nutzte, der unter den Ljutizen und Obodriten ausgebrochen war. 
Die wichtigste Erwerbung machte er indes mit Hilfe des Christ 
gewordenen Hevellerfürsten Pribislaw von Brandenburg, 
der ihn zum Erben seines Landes (zwischen Havel und Rhin) 
einsetzte. Daher nannte sich Albrecht seit 1136 Markgraf von 
Brandenburg. Nach Pribislaws Tode (1150) ergriff er Besitz; der 
Kaiser aber, Konrad III. von Hohenstaufen (1138—1152), erhob 
dieses neue Gebiet (die später sogenannte Mittelmark) zu einem 
reichsunmittelbaren Herzogtum, und sein Nachfolger Friedrich I. 
verband mit demselben die Erzkämmererwürde des deutschen 
Reichs. Durch Kreuzzüge gegen die Wenden behauptete Albrecht 
seinen Besitz, unterdrückte auch einen Aufstand der Heveller unter 
einem Verwandten Pribislaws, dem Polenfürsten Jaczo (1157), 
und zwang die Besiegten zur Taufe (Sage vom Schild- 
horn). Um aber das Christentum und seine Herrschaft 
auf die Dauer zu befestigen, siedelte er viele Deutsche im 
Lande an. Er lieh seinen Kriegern, die ihm bei der Eroberung 
geholfen, zum Dank und damit sie ihm auch ferner bei Hof und 
im Felde dienten, den Adligen Rittergüter und Burgen, den ge- 
meinen Soldaten kleinere Grundstücke. Außerdem rief er aus 
Holland, Friesland, Westfalen, Flandern Bauern und Bürger 
herbei und wies ihnen gegen Zins Grundbesitz zu freiem Eigen- 
tum an. Auch Mönche und Priester, Johanniter= und Tempel- 
ritter zog er ins Land, damit sie ihm hülfen die Wenden Christo 
zu unterwerfen. Da rodeten die Einwanderer Wälder aus, leg-
        <pb n="11" />
        — 8 — 
ten Sümpfe trocken oder setzten sich in verlassene wendische Höfe, 
gründeten Dörfer und Städte neu oder machten die alten deutsch. 
Allmählich verschwand nicht bloß der heidnische Götzendienst, son- 
dern zum Teil auch die wendische Art und Sitte. 
Albrechts Nachfolger aus dem Hause 
Ballenstädt. 
8 6. Wie der Stammuvater begonnen, so setzten die Ballen- 
städter (oder wie sie nach anderen Besitzungen auch hießen, die 
Anhaltiner oder Askanier) das Werk der Eroberung und 
Besiedelung rüstig fort. Immer weiter breiteten sie die Mark 
Brandenburg längs der Havel und Spree aus. Doch hatten sie 
dabei nicht bloß mit den heidnischen Wenden, sondern auch mit 
christlichen Nachbarfürsten manchen Kampf zu bestehen. Zum 
Kaiser, dessen Statthalter in der Mark sie waren, hielten sie 
immer treu. So half Otto I. (1170—1184), Sohn und Nach- 
folger Albrechts des Bären, dem Kaiser Friedrich Rotbart 
(1152—1190) den treulosen Herzog Heinrich den Löwen von 
Sachsen und Bayern bezwingen. Es heißt, er empfing nun die 
Lehnshoheit über Mecklenburg und Pommern. Aber auch 
der König von Dänemark streckte nach diesen flawischen Ländern 
seine Hand aus, und es kam darüber zwischen ihm und Ottos I. 
Söhnen, Otto II. (1184—1205) und Albrecht II. (1205— 
1220), zu langen Kämpfen. Pommern selbst, 1181 vom Kaiser 
zum Herzogtum erhoben, suchte sich frei zu erhalten. Die 
Markgrafen richteten hier wenig aus. 
Es scheint, daß Otto II. auch in einen Streit mit der Kirche 
geriet und dabei den kürzeren zog. Es heißt, er habe einen 
Kreuzzug nach Palästina gelobt, aber wegen des Dänenkrieges 
nicht ausgeführt und sei deshalb vom Erzbischof von Magdeburg 
mit dem Banne belegt, d. h. aus der Kirchengemeinschaft aus- 
gestoßen worden. Da nun das fromme Volk damals jeden Ex- 
kommunizierten wie einen Verpesteten mied, so habe der Mark- 
graf sich vor dem Erzbischof demütigen und seine Lösung vom 
Banne mit Geld und Gut erkaufen müssen. Gewiß ist nur so 
viel, daß er (1196) seine ballenstädtischen Familienbesitzungen 
an das Erzstift Magdeburg abtrat und als bloße Lehengüter 
wiedererhielt.
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        — 9 — 
§ 7. Johann I. (1220—1266) und Otto III. (1220— 
1267), Albrechts II. Söhne, sind ein leuchtendes Beispiel brüder- 
licher Eintracht. Unter der Vormundschaft ihrer weisen und 
kraftvollen Mutter Mathilde erwuchsen sie zu schönen, stattlichen 
Rittern und führten dann (seit 1226) ein Menschenalter gemein- 
schaftlich die Regierung, einer des andern Schild, nach außen 
mit der Umsicht und Tapferkeit, nach innen mit der klugen 
Sorgfalt Albrechts des Bären. Von den Wenden erwarben sie 
den Barnim und Teltow, von den pommerschen Herzögen (die 
auch ihre Lehnshoheit anerkennen mußten) das mecklenburgische 
Stargard (12360) und die Uckermark (1250). Sie drangen auch 
über die Oder vor, eroberten dort das Land Lebus und die 
Gegend von Soldin, Küstrin, Königsberg (1260). 
Zum Unterschied von der Mark Brandenburg (Mittelmark) 
und von der Nordmark (Altmark) wurden diese neuen Besitzungen 
die Neumark genannt. Hier saß eine polnische Bevölkerung 
in dem spärlich bebauten, halbwilden Lande. Die Markgrafen 
führten daher deutsche Kolonisten hin, gründeten Frank- 
furt a. O. (1253), Landsberg a. W. und andere Ansiedelungen, 
welche das Deutschtum und die brandenburgische Herrschaft ein- 
bürgerten. Nicht mindere Pflege wurde den älteren Pflanzungen 
zu teil. Unermüdlich waren die Markgrafen, das deutsche Wesen 
überall emporzubringen. Etwa um das Jahr 1232 machten sie 
das wendische Dorf Kölln am linken und das deutsche Dorf 
Berlin am rechten Spreeufer zu deutschen Städten, die bald 
ansehnlich wurden, weil hier von altersher zwischen Slawen und 
Deutschen ein lebhafter Handelsverkehr herrschte. Da die Mark- 
grafen sahen, wie die Mönche des Ceisterzienserklosters Lehnin 
in der Zauche, welches Otto I. (1180) zum Erbbegräbnis seiner 
Familie gegründet hatte, nicht bloß beteten, sondern auch sehr 
fleißig arbeiteten, also daß die Klostergüter den Landwirten rings 
zum Muster dienten, so beschlossen sie, auch solche Klöster zu 
stiften, und bauten Chorin und Strausberg. 
Kurz vor ihrem Tode (Johann starb 1266, Otto 1267) 
teilten die Brüder ihr Land unter ihre Kinder; so entstanden 
zwei markgräfliche Linien, von Johann die ältere (stendalsche), 
von Otto die jüngere (salzwedelsche). Aber die zahlreichen 
Fürsten, die ihnen entstammten (19 im Jahre 1280), hielten 
allzumal eben so treulich zusammen, wie ihre Väter getan,
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        — 10 — 
und dadurch kam das Haus Ballenstädt zu immer größerer 
Macht, während anderwärts eine Länderteilung der Ruin des 
Staates und des Fürstengeschlechts zu werden pflegte. 
§ 8. Der älteste Markgraf war Erzkämmerer und Haupt 
der Familie; doch hatten die anderen mündigen Fürsten teil an 
der Regierung. Zunächst war das Familienoberhaupt Johann II. 
(1266—1281). Er war ein wackerer, angesehener Fürst und wurde 
deshalb auch bei der Kaiserwahl Rudolfs von Habsburg (1273) 
mit hinzugezogen. Otto IV. mit dem Pfeile (1266—1308) 
ist als Minnesänger berühmt; doch dichtete er seine Lieder nicht 
in der Mundart der Mark, wo man niederdeutsch (plattdeutsch) 
sprach und Kunst und Wissenschaft noch sehr wenig pflegte, son- 
dern in der oberdeutschen (hochdeutschen) Zunge, die in dem 
gebildeteren Süden herrschte. Das Schwert handhabte er nicht 
minder fröhlich als die Zither. Einst überzog er das Erzstift 
Magdeburg, weil es seinen Bruder Erich nicht zum Erzbischof 
erwählt hatte, mit Fehde; aber der Erzbischof holte aus dem 
Dom das Banner des heiligen Mauritius, und die Bürger, rasch 
darum gesammelt, zogen dem Markgrafen entgegen, schlugen 
ihn bei Frohse 1278 und nahmen ihn selbst gefangen. Mit 
4000 Mark (Pfund) Silbers, die seine getreue Gattin Helwich 
mit Hilfe eines alten Dieners Johann von Buch herbeischaffte, 
wurde er losgekauft. Kaum frei geworden, erneuerte er den Kampf, 
erhielt bei Staßfurt einen Pfeil in den Schädel, dessen Spitze 
man lange nicht herausziehen konnte, und setzte später doch Erichs 
Wahl durch. Im Verein mit seinen Verwandten vergrößerte er 
die Hausmacht durch Kauf der Mark Landsberg (zwischen Mulde 
und Saale) und der Niederlausitz (vom thüringer Landgrafen 
Albrecht dem Unartigen und dessen Sohne Dietzmann). 
§9. Waldemar der Große (1308—19) überstrahlte durch 
gewaltige Thatkraft und ungestüme, nie verzagende Tapferkeit 
wie durch Klugheit und königliche Pracht alle andern deutschen 
Fürsten seiner Zeit. Dem Deutschtum verschaffte er neuen Raum, 
indem er Pommerellen (das pommersche Land zwischen Per- 
sante und Weichsel mit der Hauptstadt Danzig) den Polen 
entriß und den östlichen Teil dem deutschen Orden überließ, den 
westlichen zur Mark fügte (1309). Auch seine übrigen Nachbarn, 
die Fürsten von Meißen, Magdeburg, Mecklenburg u. a., em-
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        — 11 — 
pfanden die Schwere seines Armes, und als er für die Stadt 
Stralsund gegen den rügischen Fürsten Witzlaw ins Feld zog, 
vereinigten sie sich mit den Königen von Dänemark, Polen, 
Schweden zu seinem Sturze. Mit dreifacher Uebermacht brachen 
die Verbündeten in die Mark ein, schlugen Waldemar in 
einem harten Kampfe (bei Gransee 1316), konnten aber des 
Helden doch nicht Meister werden und mußten ihm einen ehren- 
vollen Frieden zu Templin 1317) zugestehen. Er war auf 
dem Gipfel seines Ruhmes, als der Tod plötzlich den erst Acht- 
undzwanzigjährigen hinraffte (1319). Er war der letzte Mark- 
graf von Brandenburg aus dem Hause Ballenstädt; mit seinem 
minderjährigen Vetter, Heinrich von Landsberg, starb (1320) 
auch der letzte männliche Sproß dieser Dynastie. 
§ 10. Nachdem das deutsche Volk einmal das Christentum 
angenommen, hing es dem neuen Glauben mit glähender Liebe 
an, und die Bekämpfung und Bekehrung der heidnischen Nach- 
barn schien ihm eine heilige Pflicht. So trieb der fromme 
Eifer immer aufs neue bewaffnete Kreuzfahrer und predigende 
Glaubensboten über die Elbe und Oder. Aber auch weltliche 
Vorteile lockten: die Kultur hatte in Deutschland, besonders am 
Rhein, bis zum Beginn des 12. Jahrhunderts bereits so große 
Fortschritte gemacht, und die Bevölkerung so zugenommen an Zahl 
und Unternehmungslust, daß viele Bauern, Handwerker und Kauf- 
leute, zumal aus den Niederlanden, gern in die Slawenländer 
auswanderten, wo Grund und Boden und manches nützliche Vor- 
recht fast umsonst zu haben war. Diese Umstände erleichterten 
es den Grenzfürsten ungemein, ihre Herrschaft nach Osten auszu- 
dehnen. An der unteren Elbe tat dies am großartigsten Hein- 
rich der Löwe, der Mecklenburg und Pommern unterwarf. 
Die Fürsten dieser flawischen Länder, bald überzeugt, daß das 
Christentum die staatliche Ordnung befestige, begünstigten dessen 
Eindringen und das Deutschtum. So konnte Bischof Otto von 
Bamberg, „der Apostel der PHommern“, 1124 zu Stettin 
das Bild des Götzen Triglaw wegnehmen und viele Tausende 
taufen. Während hier die Religion und die höhere Bildung der 
Deutschen durch die einheimischen Fürsten selbst, die sich bald zu 
den deutschen Reichsfürsten zählten, eingebürgert wurden, geschah 
die Germanisierung in den brandenburgischen Marken mit 
Hilfe des Schwertes. Dem siegreichen Krieger folgten auf der 
Ferse der taufende Priester und der deutsche Kolonist. 
Zuerst siedelte der Markgraf die Krieger av, lieh ihnen
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        Rittergüter von 5—6 Hufen, mit umzäunten Wohnungen 
(Zaunjunker) oder Burgen (Schloßgesessene); dafür mußten sie 
ihm zu jeder Fehde bewaffnet zu Roß mit ihren Knechten Kriegs- 
dienst leisten. Dörfer gründete er mit Hilfe von Unternehmern. 
Ein solcher erhielt ein Gebiet von 30 bis 60 Hufen; davon nahm 
er ein Stück für sich als erbliches Lehngut mit der Verpflichtung 
des Reiterdienstes, das übrige verteilte er als freies Eigentum an 
andere Kolonisten, die dafür dem Markgrafen Zins zahlten. Der 
Unternehmer war der Erbschulze des neuen Dorfes. Streitig- 
keiten der Dorfgemeinde schlichtete das Dorfgericht, dessen Beisitzer 
oder Schöffen Bauern, dessen Vorsitzender der Erbschulze war. 
Die Schulzen mehrerer Dörfer bildeten unter Vorsitz des mark- 
gräflichen Vogtes das Landgericht, welches dreimal im Jahre 
tagte (Dreiding). 4 
Die Bauern waren frei, auch in den von Bischöfen, Abten, 
Städten, Edelleuten gegründeten Dörfern; nur hatten sie für ihr 
Gut dem Grundherrn des Orts bestimmte mäßige Abgaben in 
Getreide oder Spanndiensten (mit Pferd und Wagen) zu leisten. 
Die geringsten Ansiedler (Gärtner, Kleinbauern), die Kossäten, 
leisteten bestimmte Handdienste. 
Städte wurden in ähnlicher Weise angelegt: der Unternehmer 
verteilte ein vom Markgrafen gekauftes Gebiet von 100—300 
Hufen in Parzellen an Kolonisten, war Stadtschulze und damit 
erblicher Stadtrichter; die andern Ansiedler zahlten für ihre Grund- 
stücke einen Zins (½/ an den Schulzen, ½ an den Landesherrn). 
Die Bürger, alle frei und wehrhaft, verteidigten ihre Stadt 
selbst. Sie verwalteten sie auch selber und zwar durch einen ge- 
wählten Rat von 12 Personen, sowie durch ein Schöffenge- 
richt aus Bürgern und dem Stadtschulzen (später Bürgermeister). 
Zum Zeichen der Selbständigkeit und Wehrhaftigkeit der Gemeinde 
stand neben dem Rathause eine „Rolandssäule“". 
Das Schöffengericht verhandelte öffentlich und mündlich vor 
dem Rathaus der Stadt oder auf der Feldmark des Dorfs. Den 
Blutbann (die oberste Gerichtsbarkeit, besonders in hochpein- 
lichen Sachen) übte der Markgraf, als Stellvertreter des Kaisers, 
durch Vögte im Hofgericht; später verlieh er ihn vielerorten an 
Vasallen und Städte. 
Für die Bauern galt Landrecht, für die Städter Stadtrecht 
(brandenburgisches — insofern hieß Brandenburg die Mutter der 
märkischen Städte), für die Vasallen Lehnsrecht, überhaupt säch- 
sischer Rechtsbrauch (der Sachsenspiegel Eikes von Repkow 
um 1230).
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        — 13 — 
Die Gewerksgenossen bildeten die Innung; die vornehmsten 
Gewerke waren die der Fleischer, Bäcker, Schuster, Wollenweber 
(„Viergewerke"). 
Die Kaufleute tauschten märkische Produkte (Tuch, Leinwand, 
Hopfen, Waid und Erzeugnisse des Ackerbaues) gegen pommersche 
Heringe, preußischen Bernstein, polnisches und russisches Pelzwerk, 
hallesches Salz aus. Den Handel gegen Räuber und Zoll- 
schranken zu schützen, traten viele märkische Städte seit Walde- 
mars Zeit dem von Lübeck gestifteten Hansabund bei. 
Der Markgraf stand an Kaisers Statt und hatte das Wen- 
denland erobert; daher war er für die weltlichen Besitzungen der 
Geistlichkeit auch deren Lehnsherr; selbst die Bischöfe (von 
Havelberg, Brandenburg, Lebus, — erstere beide ursprünglich 
reichsunmittelbare Fürsten) konnten gegen seine Macht nicht auf- 
kommen. Gefährlicher war die Feindschaft des Metropoliten, 
des Erzbischofs von Magdeburg, zu dessen Sprengel die Mark 
gehörte. Doch gewann die Hierarchie hier nie so viel Einfluß, 
wie im eigentlichen Deutschland („im Reich"). — Die ältesten 
Klosterorden waren in der Mark die Prämonstratenser 
und die Cisterzienser; dann kamen die 1216 gestifteten Bettel- 
mönche, Franziskaner (Graumönche) und Dominikaner (Schwarz- 
mönche). 
Außer dem Grundzins, den Gerichtssporteln, dem 
Münzregal, den Zöllen bezog der Markgraf auch den Zehn- 
ten, der anderwärts der Kirche geleistet ward, und hatte dadurch 
sehr große Einkünfte. Trotzdem mangelte es ihm oft an Geld. 
Viel kostete die Dienerschaft, vom vornehmen Hofgesinde (Truch- 
seß oder Küchenmeister, Schenk, Marschall, Kämmerer oder Schatz- 
meister) bis zum Heide= und Landreiter hinab. Reichgewordene 
markgräfliche Dienstmannen (Ministerialen), die sich wieder 
die persönliche Freiheit erkauft hatten und also Freiherren ge- 
worden waren, wurden Stammväter vieler noch heute blühender 
Adelsfamilien. 
War nun der Markgraf in Geldnot, so verpfändete oder ver- 
kaufte er einen Teil seiner Einkünfte und Rechte, oder er bat das 
Land um Hilfe. Im letzteren Fall berief er die drei Stände 
(die hohe Geistlichkeit, den Lehnsadel und die städtischen Behör- 
den) zu einem Landtag. Dieser bewilligte oder verweigerte die 
Bitte (Bede). Willkürlich durfte der Landesherr keine Steuer 
auflegen, so mächtig er auch als oberster Kriegsherr, oberster Rich- 
ter und oberster Kirchenvogt war. 
So stand es um die deutsche Bevölkerung in den Markenz 
die flawische war schlimmer daran. Von ihrem Adel, den Albrecht
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        — 14 — 
der Bär dem deutschen gleichgestellt hatte, verlassen, auf dem 
Lande mit Abgaben belastet, in den Städten von den Deutschen 
verdrängt, geriet sie in tiefe Verachtung, wo sie ihr Volkstum 
festhielt. Meist ließ sie es fahren und nahm deutsches Wesen an. 
Auch das Land selber bekam ein anderes Aussehen: an Stelle 
des wendischen Feldsteinbaues trat der niederländische Backstein- 
bauz die hölzernen Befestigungen der Städte verwandelten sich seit 
1250 in steinerne Mauern und Türme, wie der adlige Krieger 
in einen eisengepanzerten Ritter. Und in den Gärten und auf 
den Feldern sah man neben den alten Kulturpflanzen neue (z. B. 
die Rebe, den Krapp), die mit den deutschen Bauern gekommen 
waren, wie neue Kunstfertigkeiten mit den deutschen Bürgern. 
  
3. Brandenburg unter den bayrischen oder Wittelsbacher 
Markgrafen (1324— 1373) und unter den luxemburgischen 
Kurfürsten (1373—1415). 
§ 11. Als das Heldengeschlecht Albrechts des Bären in der 
Mark erlosch, war der Staat, den er gegründet, der größte und 
mächtigste in ganz Norddeutschland. Aber verwaist fiel er nun 
den habsüchtigen Nachbarfürsten zur Beute, die rings Stücke von 
ihm abrissen. Auch im Innern griff wüste Unordnung um sich; 
denn der Herrscher, der alles zusammengehalten, fehlte. Dies 
Zwischenreich (Interregnum 1319—1323) rasch zu enden, 
wäre das Amt des Kaisers gewesen. Aber gerade damals wütete 
im deutschen Reiche selber der Bürgerkrieg; der bayrische Herzog 
Ludwig von Wittelsbach und der österreichische Herzog Friedrich 
von Habsburg rangen dort um die Krone. Erst als Ludwig 
der Bayer seinen Gegner (bei Mühldorf 1322) besiegt hatte, 
konnte er als anerkannter Kaiser sich auch der Mark annehmen. 
Aber längst arbeiteten die Kaiser nicht mehr für des Reiches, 
sondern für ihrer Familie Bestes; so gab auch Ludwig die Mark 
nicht, wie deren Vorteil erheischte, den Verwandten der branden- 
burgischen Ballenstädter, den Askaniern von Anhalt und Sachsen, 
sondern er zog sie als erledigtes Reichslehen ein und be- 
lehnte mit ihr 1324 seinen ältesten Sohn Ludwig. Da dieser 
noch ein Knabe war, so verwaltete er selbst als Vormund für 
ihn die Markgrafschaft.
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        — 15 — 
Deren Unglück hob nun jetzt erst recht an. Denn Kaiser 
Ludwig der Bayer, der sich mit dem Papste verfeindet hatte, 
wurde in den Bann getan, und um die Wittelsbacher aus ihrer 
neuen Erwerbung zu verdrängen, rief der Papst die Nachbarn, 
besonders die raublustigen Polen, gegen die Marken auf. Da 
brach ein polnisches Heer in die Neumark ein, sengte und brannte, 
mordete und übte jeden Frevel, zerstörte an 200 Dörfer und 
schleppte über 6000 Menschen als Sklaven mit sich fort (1325). 
Auch unter den Märkern selbst war wegen des Streites 
zwischen Kaiser und Papst Unfriede; in Berlin kam es zu einem 
Auflaufe, wobei der Propst Nikolaus von Bernau, der ein 
Haupt der Päpstlichen war, erschlagen wurde. Ebenso erhoben 
sich die Bürger von Frankfurt a. O., indem sie die päpstlich 
gesinnten Priester verjagten. Dafür wurden beide Städte mit 
dem Bann und Interdikt belegt, d. h. es durfte in ihnen kein 
Gottesdienst gehalten, keine Kirchenglocke geläutet, keine Taufe, 
eheliche Einsegnung und christliche Bestattung vollzogen werden. 
Erst nach Jahren kauften die Bürger mit vielem Gelde sich von 
dieser Kirchenstrafe los. 
Neue Not kam über das Land, als Kaiser Ludwig 1342 
aus Habgier den Wunsch der Erbin von Tirol Margareta 
Maultasch (so genannt nach ihrem Geburtsort, einem Schloß 
in Tirol) erfüllte, indem er sie von ihrem untüchtigen Gemahl, 
dem Prinzen Johann von Luxemburg, schied und an seinen Sohn, 
den Markgrafen Ludwig, verheiratete. Denn wegen dieses Bruchs 
der Kirchengesetze schleuderte der Papst von neuem seinen Bann- 
strahl gegen die Wittelsbacher, und die Luxemburger, damals 
das mächtigste deutsche Fürstenhaus, das auch über Böhmen 
herrschte, empörten sich und schickten böhmische Heere ab, die 
Marken zu verwüsten. Noch schlimmer ging es dem Markgrafen, 
als 1347 sein Vater starb, und der Luxemburger Karl (IV.) 
Kaiser wurde. Dazu verwüstete noch eine entsetzliche Pest, der 
schwarze Tod (1348), die Länder. 
§* 12. Markgraf Ludwig der Altere, wie er zum 
Unterschiede von seinem gleichnamigen jüngeren Bruder genannt 
wurde, (1324—1351), kümmerte sich um die Leiden der Mark 
nicht viel; er hielt sich fast immer in seinem Bayern und Tirol 
auf. Um so härter mußte die Brandenburger ihr Los dünken,
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        — 16 — 
daß sie unter wittelsbachische Hoheit gefallen. Mit Schmerz ge- 
dachten sie des Glücks der alten Zeit, als sie unter Waldemar 
dem Großen in Ruhe und Wohlstand, Ehre und Ansehen lebten. 
Da erscholl plötzlich die Kunde, Waldemar sei wieder da, sei 
nicht gestorben und begraben, sondern heimlich, ein kirchliches 
Vergehen zu büßen, nach Palästina gepilgert und nunmehr heim- 
gekehrt, sein Volk zu erlösen. In der That war ein alter Pil- 
ger im Frühling 1348 beim Erzbischof von Magdeburg erschienen, 
hatte sich für den Markgrafen Waldemar ausgegeben und war 
wegen seiner Ahnlichkeit mit demselben von dem Erzbischof und 
vielen Nachbarfürsten, vor allen von den askanischen Fürsten 
von Anhalt und Sachsen, als solcher anerkannt worden. Jubelnd 
fiel ihm überall das Volk zu; er spendete reichlich Rechte, Frei- 
heiten und andere Vorteile, wie er auch die Askanier zu seinen 
Erben einsetzte. Gern erklärte sich Kaiser Karl IV. aus Haß 
gegen die Wittelsbacher für ihn, gab, nachdem ein Fürstengericht 
sich für Waldemars Echtheit ausgesprochen, diesem die Mark 
zu Lehen und half ihm wider Ludwig, dem nur wenige Städte 
(z. B. Treuen-Briezen) treu blieben. Da aber die barrische 
Partei in Deutschland einen Gegenkaiser ausstellte, so hielt es 
Karl IV. für geraten, mit ihr Frieden zu machen, und gab den 
„falschen Waldemar“ wieder preis. Dieser galt nun als Be- 
trüger (was er wahrscheinlich auch gewesen ist; er soll Jakob 
Rehbock geheißen haben), und Ludwig ward von neuem mit der 
Mark belehnt. Er trat dieselbe 1351 seinen Brüdern Ludwig 
dem Römer und Otto ab und zog sich nach Bayern zurück. 
§* 13. Ludwig der Römer (1351—1365), ein ernster, 
thatkrästiger Mann, verdrängte den falschen Waldemar bald ganz 
aus der Mark; es blieb diesem nichts übrig, als zu verzichten 
und nach Dessau zu seinen angeblichen Verwandten, den Fürsten 
von Anhalt, zu ziehen; hier starb er, fürstlich gehalten, 1357. 
Aber auch die Wittelsbacher sollten das Erbe Waldemars 
des Großen nicht behalten; Karl IV. gedachte es an sein eigenes 
Haus zu bringen. Schon hatte er bei den Wirren zwischen dem 
falschen Waldemar und Ludwig dem Altern erst von dem einen, 
dann von dem andern sich die Lausitz abtreten lassen; nun 
streckte er seine Hand nach den übrigen Marken aus. Die Zwie-
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        — 17 — 
tracht der Wittelsbacher, die nicht, wie einst die Ballenstädter, 
fest zusammenhielten, erleichterte ihm seine Absicht. Die bayri— 
schen Herzöge beneideten die brandenburgischen Markgrafen, 
denen die Goldene Bulle (ein von Karl 1V. erlassenes Reichs- 
gesetz 1356) kurfürstlichen Rang gab, indem hinfort nur die 
Erzbischöfe von Mainz, Trier, Köln, der Herzog von Sachsen, der 
Pfalzgraf bei Rhein, der König von Böhmen und der Mark- 
graf von Brandenburg den Kaiser zu küren berufen waren. 
So gelang es dem schlauen Karl IV., nach Ludwigs des Rö- 
mers Tode dessen Bruder Otto den Faulen (1365—1373) 
mit Geld zu bewegen, daß er ihm die Regierung in der Mark 
überließ, und als Otto sich endlich aufraffte, zwang ihn der 
Kaiser mit Gewalt zu dem Vertrage von Fürstenwalde 1373, 
in welchem Otto dem Sohne Karls IV., dem jungen König 
Wenzel von Böhmen, die Mark förmlich abtrat. 
Die Luxemburger. 
§ 14. Karl IV., als Vormund Wenzels, regierte nun 
(1373—1378) auch die Mark mit derselben Sorgfalt und Weis- 
heit, die er in seinem Böhmen bewiesen. Er ließ viele Raub- 
ritter und Wegelagerer, die während der langen Zerrüttung auf- 
gekommen waren, an den Landstraßen aufhängen, half überhaupt 
der Rechtspflege wieder auf, verschönerte Tangermünde, wel- 
ches er zum Mittelpunkt eines großen Handelsverkehrs zwischen 
Böhmen und der Nordsee bestimmte, durch prachtvolle Bauten 
und verzeichnete, um eine ordentliche Verwaltung zu ermöglichen, 
alle Grundstücke, Einkünfte, Erträge in einem „Landbuch der 
Mark“, welches noch jetzt vorhanden ist. Aber er starb schon 
1378, und unter seinem Nachfolger Sigmund (der älteste Sohn 
Wenzel bekam Böhmen) wurde das Elend des Landes ärger 
denn zuvor. 
Sigmund (1378—1415), ein geistreicher, ritterlicher 
Fürst, aber leichtsinnig, verschwenderisch und unstät, erstrebte 
lieber den Glanz einer Königskrone (er ward auch wirklich 1387 
durch Heirat König von Ungarn), als daß er die Marken fleißig 
gepflegt hätte. Er suchte nur Geld herauszupressen und ver- 
pfändete sie zuletzt an seinen Vetter Jobst von Mähren 
(1388—1411); die Neumark verkaufte er gar G105 an den 
Pierson, Leitf. d. preuß. Gesch.
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        — 18 — 
deutschen Orden. Jobst aber schickte Statthalter nach Branden- 
burg, die ebenfalls nur Geld für ihn schaffen sollten und sonst 
alles gehen ließen, wie es gehen mochte. Da war bald jeder- 
manns Hand wider jeden, die Nachbarn plünderten die Grenz- 
lande, und auf allen Straßen lauerten die Raubritter. Am 
großartigsten und frechsten betrieben die Brüder Dietrich und 
Hans von Quitzow das Raubhandwerk. Sie besaßen viele 
Burgen, zumeist im Havelland; von hier aus verheerten sie im 
Bunde mit dem Erzbischof von Magdeburg, den Grafen von 
Ruppin und anderen Herren das Land, zerstörten Dörfer und 
Städte, und nachdem sie Jobst von Mähren einen Teil der 
Beute abgegeben, verschwelgten sie das Gut der beraubten 
Bauern und Bürger ungestraft. Kaum daß die größeren Städte 
sich hinter ihren festen Mauern der Räuber erwehrten oder ihre 
Freundschaft mit Geld erkauften; die kleinen Leute gingen zu 
Grunde. Die Felder verödeten, Handel und Wandel lag dar- 
nieder, Land und Menschen verwilderten. 
§ 15. Dierömische Hierarchie, durch Gregors VII. (1077) 
Einrichtungen (Kardinalkollegium, Cölibat, Abschaffung der Si- 
monie und der Laien-Investitur) von der weltlichen Macht unab- 
hängig geworden, erreichte unter Innocenz III. (1215) den Gipfel 
ihrer Macht; der Papst galt als Stellvertreter Gottes und hielt 
sich als solcher für befugt, auch über Könige und Kaiser zu richten. 
Der Kaiser dagegen, als weltliches Haupt der Christenheit und 
Schirmvogt der Kirche, beanspruchte in allen weltlichen Dingen 
die höchste Autorität, die ihm, zumal in Italien, vom Papste 
streitig gemacht wurde. So entstand zwischen beiden Gewalten 
ein jahrhundertelanger Kampf, der die Macht des Kaisers ver- 
zehrte und den römischen Stuhl erschütterte. Die deutschen Fürsten 
benutzten ihn, um ihre Hilfe zu den Römerzügen und wider die 
Gegenkaiser teuer zu verkaufen oder im Bunde mit den Päßpst- 
lichen sich eigenmächtig königliche Rechte und Güter anzumaßen. 
So erhielten sie fast alle Regalien (Heerbann, Blutbann u. a.). 
Nur wenige standen wie die ballenstädtischen Markgrafen von 
Brandenburg stets treu zum Kaiser; letztere aber, als Stellvertreter 
des Königs und Eroberer des Wendenlandes, hatten hier schon 
früh landesfürstliche Macht. Am Ende der Hohenstaufenzeit (1254) 
war Deutschlands Zersplitterung in eine Unzahl von geist- 
lichen und weltlichen Landesfürstentümern entschieden.
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        Seitdem gaben es die Kaiser auf, ihr Amt als „Mehrer des 
heiligen römischen Reichs deutscher Nation“ im Irnteresse des 
Ganzen zu verwalten, und zogen es vor, auf Kosten des Reichs 
und vermittelst der noch übrigen kaiserlichen Befugnisse (Ober- 
lehnshoheit, Gerichtsbarkeit über die Reichsfürsten, Anführung des 
Reichsheeres, Berufung des Reichstags u. a.) ihre Hausmacht 
zu vergrößern. Die Krone ward dadurch wieder begehrenswert 
und der Zankapfel von Gegen kaisern (Ludwig dem Bayer und 
Friedrich von Osterreich). Erledigte Reichslehen aber wurden nicht 
mehr mit Rücksicht auf das Beste des Landes oder des Reiches, 
sondern der kaiserlichen Familie vergeben. So fiel die Mark 
Brandenburg 1323 dem unmündigen Ludwig von Bayern zu und 
ward 1373 mit Böhmen vereinigt. Unter den Luxemburgern wie 
unter den Wittelsbachern hatte sie das Schicksal eines Neben- 
landes und diente fremden Interessen. Ihr Herr betrachtete sie 
als bloße Geldguelle. 
Die märkischen Stände suchten nun die Verwahrlosung der 
Landesinteressen dadurch zu beschränken, daß sie neue Steuern 
verweigerten (Landtag von Berlin 1345) oder dem Mark- 
grafen einen kontrollierenden Finanzrat (Hofmeister) zur Seite 
setzten (1355). Gewöhnlich aber verkauften sie ihre Geld- 
bewilligungen für landesherrliche Rechte und Sonder- 
privilegien. So kamen Blutbann, Münzrecht, Judenschutz in 
die Hände der Vasallen und Städte. 
§ 16. Bei der Schwäche und Nachlässigkeit des markgräf- 
lichen Regiments griffen Selbsthilfe, Fehde- und Faustrecht 
so um sich, nahm die Wegelagerei des zum Teil verarmten Adels 
so zu, daß jeder, der sich nicht selber schützen konnte, verloren 
war. Besonders schmolzen die zahlreichen freien Bauern- 
schaften zusammen; die Lehnschulzenämter und selbst die Län- 
dereien vieler Dorfgemeinden gerieten in die Gewalt des Adels, 
der mit ihnen seine Rittergüter vergrößerte. In den Städten, 
wo der Nährstand wehrhaft geblieben war und sich hinter festen 
Mauern eng zusammenschloß, rettete man die alte Freiheit und 
mehrte sogar vielfach den Wohlstand. Denn wenn auch die Un- 
sicherheit der Straßen den Verkehr schädigte, und die Ver- 
bindung mit der Hansa, in welcher die märkischen Städte zum 
„wendischen Quartier" (Vorort Lübeck) gehörten, gegen das Uber- 
maß von Raubrittertum, Stellmeiser= und Fehdewesen im Lande 
nur wenig half, so öffnete diese Verbindung doch dem märkischen 
Handel ein weiteres Marktgebiet. Wie Lübecker, Breslauer, 
Danziger, Stettiner Kaufleute, so machten nun auch solche von 
2*
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        — 20 — 
Frankfurt a. O., Berlin, Burg, Salzwedel unter bewaffnetem 
Geleit große Reisen; selbst bis nach Nowgorod („Gäste“). 
Die alten Geschlechter in den Städten (meist reiche Grund- 
besitzer und Kaufleute) hatten sich die Alleinbesetzung der Rats- 
stellen und des Bürgermeisteramts angeeignet. Nachdem aber die 
Zünfte wohlhabender geworden, nötigten sie, ihrer Bedeutung 
als Kern der städtischen Streitmacht sich bewußt, die Geschlechter, 
ihnen einen Anteil am Rat und Regiment der Städte einzu- 
räumen. Irn sich hielt jede Innung den strengsten Zunftzwang 
aufrecht und jeder Stand, jede Zunft hatte genau bestimmte und 
besondere Freiheiten und Rechte, außer welchen niemand weder 
Recht noch Ehre noch Freiheit besaß. 
Bei der Entartung des Adels, der immer allgemeiner sich 
auf den leichten Erwerb des Stegreiftums legte, bei der Roheit 
und Unwissenheit eines großen Teils der Geistlichkeit und 
dem fortwährenden Kriegszustande konnten Bildung und gute 
Sitte nicht gedeihen; die Mark blieb auch hierin gegen die an- 
grenzenden deutschen Länder zurück. Der Aberglaube dagegen 
hatte freies Spiel (Geißelbrüder und Judenverfolgung 1349, 
Wunderblut zu Wilsnack 1383). 
U. Die hohenzollerschen Kurfürsten bis zur 
Thronbesteigung Friedrich Wilhelms des Großen 
1415—1640. 
Kurfürst Friedrich I. (1415—1440). 
§ 17. In Schwaben, zwischen Donau und Neckar, liegt ein 
Berg, der hohe Zoller; da baute einst der Ahnherr der Könige 
von Preußen sein Schloß. Seine Nachkommen, die Grafen 
von Zollern, mehrten in Schwaben und Franken ihr Gutjz einer 
derselben, Friedrich I., wurde um das Jahr 1191 des Kaisers 
Burggraf zu Nürnberg, wo er dessen Rechte und Einkünfte 
zu verwalten hatte. Von seinen beiden Söhnen erbte der ältere, 
Konrad, das Burggrafentum und die fränkischen Güter, der jün-
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        — 21 — 
gere, Friedrich, die schwäbischen Besitzungen; von jenem stammen 
die preußischen Könige, von diesem die Fürsten von Hohenzollern 
ab. Dieser Name, statt des einfachen Zollern, ist von der älteren 
Linie erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts angenommen worden. 
Die zollerschen Burggrafen von Nürnberg versahen ihr 
Amt immerdar in Treue zu Kaiser und Reich, und da sie zu- 
gleich ihr eignes Besitztum klug und sparsam vergrößerten, so 
nahmen sie an Ansehen und Reichtum so zu, daß Kaiser Karl IV. 
sie 1363 zu deutschen Reichsfürsten erhob. Unter diesen ragte 
am Anfang des 15. Jahrhunderts Burggraf Friedrich VI. 
von Nürnberg durch Weisheit und feine Bildung hervor; 
dieser staatskluge Mann hatte dem Luxemburger König Sig- 
mund von Ungarn mit Rat und Tat die wichtigsten Dienste ge- 
leistet, namentlich auch dessen Wahl zum Kaiser durchsetzen hel- 
fen (1410); dafür beschloß Sigmund den Freund würdig zu 
belohnen. 
Er setzte ihn 1411 als Statthalter (Verweser) mit landes- 
herrlichen Rechten über die Mark Brandenburg. Die Quitzows 
verhöhnten zwar den „Nürnberger Tand“; „und wenn's auch 
ein ganzes Jahr sollt“ Burggrafen regnen, so würden sie solche 
doch nicht in der Mark aufkommen lassen“. Aber Friedrich bot 
die wohlgesinnten Städte und Nachbarn auf, borgte auch vom 
thüringer Landgrafen schweres Geschütz („die faule Grete“ 
der Sage) und zog damit vor die Burgen der Aufsässigen. Ihr 
Widerstand wurde gebrochen; die Quitzows mußten fliehen, und 
die andern baten um Gnade (1414). Darnach übergab er die 
Statthalterschaft seiner Gemahlin, „der schönen Else“, und kehrte 
zum Kaiser zurück, der seiner wieder sehr bedurfte. Denn er 
hatte nach Kostnitz (Konstanz) eine große Kirchenversammlung 
(Concilium) ausgeschrieben, um die verderbte und unter drei 
Päpsten gespaltene Kirche an „Haupt und Gliedern“ zu refor- 
mieren, auch die Lehre des böhmischen Predigers Johann Hus 
zu untersuchen. Aber die Römischen verbrannten Hus als Ketzer; 
die Mißbräuche, gegen welche dieser geeifert, ließen sie bestehen. 
Friedrichs Rat half hier wenig, und da der Kaiser meinte, daß 
jener als Kurfürst ihm in allen Dingen noch mehr würde nützen 
können, auch bedachte, wie stiefväterlich er selbst immer an der 
Mark gehandelt, und wie dieselbe gerade einen so tüchtigen Lan- 
desvater brauche, als Friedrich sich eben erwiesen, so trat er ihm
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        — 22 — 
nunmehr die Mark Brandenburg mit der Kurwürde und 
dem Erzkämmereramt als erblichen Besitz ab (durch Ur- 
kunde vom 30. April 1415). Am 21. Oktober 1415 leisteten 
demnach die märkischen Stände im „hohen Hause“ zu Berlin 
dem Zollern Friedrich die Erbhuldigung, wogegen er ihre 
Rechte zu achten beschwor. Am 18. April 1417 aber ward er 
zu Kostnitz vor versammeltem Konzil und Reichstag vom Kaiser 
feierlich belehnt. Bald darauf kam Kaiser und Reich in große 
Bedrängnis. Denn als Sigmund nach seines Bruders Wenzel 
Tode das Königreich Böhmen erbte, empörten sich die hussi- 
tischen Böhmen, und es entstand ein Krieg, in welchem die 
Hussiten voll Begeisterung für ihren Glauben und ihre Nationa- 
lität furchtbar gegen ihre deutschen Nachbarn wüteten (1419— 
1434). Auch Kurfürst Friedrich, als Reichsfeldherr, konnte nichts 
ausrichten; denn die Söldner und Kreuzfahrer, aus denen das 
Reichsheer bestand, liefen voll Schrecken vor den rasenden Tabo- 
riten davon. Jetzt aber brachen die böhmischen Horden unter 
ihrem Feldherrn Prokop auch in die Mark ein mit greulicher 
Verwüstung, steckten hundert Dörfer in Brand und berannten 
Bernau (1432). Doch die Bürger verteidigten sich tapfer, und 
auch der märkische Heerbann eilte herbei. Da kehrten die Hus- 
siten um und zogen nach Böhmen zurück. Bald darauf bewog 
der Kurfürst den Kaiser, daß er mit den Hussiten Frieden machte. 
Dieser Krieg und die Geschäfte des Reichs, in dem der 
Kurfürst ja eine der sieben Säulen war, zogen ihn von der 
Regierung der Mark sehr ab; doch nützte er ihr dadurch, daß 
er die Pommern zwang, Angermünde wieder herauszugeben. 
Am häufigsten und liebsten hielt er sich indes in seinen frän- 
kischen Besitzungen (Ansbach und Bayreuth) aufj hier starb 
er auch (auf der Kadolzburg) 1440. 
Durch die Goldene Bulle waren den sieben Kurfürsten große 
Vorrechte verliehen worden; sie hatten den Rang vor allen Reichs- 
ständen, und ohne ihren Beirat durfte der Kaiser nichts Wichtiges 
im Reiche vornehmen. Die Kur war an bestimmte unteilbare 
Länder geknüpft, für Brandenburg an die Kurmark (Mittelmark). 
Viel mehr aber als Ehre und Würde erhielt Friedrich I. bei seiner 
Belehnung 1417 nicht. Sigmund konnte ihm nicht mehr geben, 
als er in Brandenburg selbst besaß. Der äußere Bestand war 
gering (Altmark, Priegnitz, Mittelmark und ein Teil der Ucker-
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        — 23 — 
mark, im ganzen 381 Quadratmeilen mit 170 000 Einwohnern); 
die Hälfte des Waldemarschen Reichs befand sich in der Gewalt 
der Nachbarn. Im Lande selbst hatten Vasallen und Städte den 
größten Teil der landesherrlichen Rechte, Einkünfte und Befug- 
nisse an sich gebracht, und Friedrich mußte nach dem Herkommen 
bei der Huldigung den Ständen ihre wohlerworbenen Rechte be- 
stätigen. Seine Macht war also sehr beschränkt. Dazu kam, 
daß ihn die Angelegenheiten des Reichs, zu dessen Verweser er 
1418 von Sigmund war ernannt worden, sehr in Anspruch 
nahmen, und weil er weder das Interesse des deutschen Reichs, 
noch den Vorteil Brandenburgs unbedingt der Hauspolitik Sig- 
munds unterordnete, so erkaltete ihre Freundschaft, und der Kaiser 
lieh ihm nicht mehr die Unterstützung seiner Autorität gegen die 
Nachbarn, die im Besitz brandenburgischer Grenzlande waren 
Gz. B. gegen Pommern, Mecklenburg). Auch gab er 1423 nach 
dem Aussterben der anhaltinischen Kurfürsten von Sachsen-Witten- 
berg dieses Reichsland nicht an einen Zollern, sondern an den 
Wettiner Friedrich den Streitbaren von Meißen, der ihm eifrig 
gegen die Hussiten geholfen. Friedrich I. sah sich daher außer 
stande, soviel für die Mark zu tun, als sie bedurfte. Er verließ 
sie 1426 für immer, nachdem er sie unter die Statthalterschaft 
seines ältesten Sohnes Johann gegeben, und residierte fortan in 
seinen weit schöneren fränkischen Fürstentümern. Diese standen in 
viel höherer Kultur, hatten eine gebildetere Bevölkerung und lie- 
ferten beträchtlichere Machtmittel. 
Friedrich II. der Eiserne (1440—1470). 
§ 18. Friedrich der Eiserne (oder Eisenzahn) war der zweite 
Sohn des Kurfürsten Friedrichs I. und erhielt die Mark, während 
seine Brüder Ansbach und Bayreuth erbten. Den Beinamen hat 
er von der zähen Ausdauer erhalten, mit der er seine Absichten 
verfolgte. Doch war er dabei besonnen und milde. In der 
Zeit der Zerrüttung hatten die Nachbarn viele brandenburgische 
Länder, und die Stände viele markgräfliche Rechte an sich ge- 
bracht; diese Besitztümer wollte nun Friedrich der Eiserne wieder 
gewinnen. Durch Beharrlichkeit, und indem er je nach den Um- 
ständen bald das Schwert zückte, bald unterhandelte oder Geld 
zahlte, erreichte er auch sein Ziel. Insbesondere erwarb er 
1450 vom Erzbistum Magdeburg die Grafschaft Stolberg- 
Wernigerode, sowie den Verzicht auf die alte Lehnshoheit, 
kaufte 1455 vom deutschen Orden die Neumark zurück und er-
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        — 24 — 
hielt 1462 von Böhmen die lausitzischen Städte Kottbus, Peitz, 
Teupitz, Bärwalde nebst der Anwartschaft auf Beeskow und 
Storkow. Dagegen gelang es ihm nicht, nach dem Aussterben 
der Herzöge von Pommern-Stettin 1464 dies Land als erledigtes 
Lehen einzuziehen; die Pommern wollten von seiner Lehnshoheit 
nichts wissen, schlugen die Angriffe der Brandenburger allemal 
ab, und die Herzöge von Pommern-Wolgast behaupteten sich in 
dem Erbe. 
Wie sein Vater den Adel gebändigt, so unterjochte Friedrich II. 
die Städte. Diese hatten von den früheren Markgrafen so viele 
Privilegien erkauft, daß sie fast ganz unabhängig waren, und in 
manchen derselben der Landesherr so viel wie nichts zu sagen hatte. 
Am mächtigsten und trotzigsten waren die Schwesterstädte Berlin 
und Kölln an der Spree (seit 1307 unter einem gemeinsamen 
Bürgermeister und Rat vereinigt). Ohne ihre Erlaubnis durfte 
der Kurfürst nicht mit bewaffnetem Gefolge in ihre Tore ziehen; 
diese und viele andere Freiheiten hatte er nach Brauch und 
Gesetz bei der Huldigung ihnen, wie jedem Stande die seinigen, 
bestätigen müssen. Aber die Uneinigkeit der Bürger brachte sie 
zu Fall. Im Streite zwischen dem Magistrat und den Bürger- 
schaften riefen 1442 die Zünfte den Kurfürsten als Schiedsrichter 
herbei, und ehe man sich's versah, bemächtigte er sich mit Trup- 
pen eines Tores und der Stadt, richtete hier die Verwaltung 
nach seinem Sinne ein, und als dann die Bürger sich gegen den 
Verfassungsbruch empörten, baute er sich an der Spree zwischen 
Kölln und Berlin ein festes Schloß (1451), von welchem er fortan 
die Bürger in Gehorsam hielt. So konnte er nun mit mehr 
Macht für das Wohl des ganzen Staates sorgen. 
Den Adel suchte er dadurch fester an sich zu ketten, daß er 
für ihn den „Schwanenorden“ stiftete (1443), einen frommen 
Verein, dessen Mitglieder sich zu rechtem adeligem Wandel und 
christlicher Eintracht verpflichteten. 
Von Natur still und ernst, wurde Friedrich durch mancher- 
lei Mißgeschick und die Schwäche des Alters so trüb gestimmt, 
daß er 1470 zu gunsten seines Bruders Albrecht abdankte und 
sich nach Franken zurückzog; dort starb er im folgenden Jahre. 
Friedrich II. hatte mit noch größeren Schwierigkeiten zu 
kämpfen als sein Vater; denn nach dem Testament desselben 
mußte er einen Teil der Mark (Altmark und Priegnitz) seinem
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        — 25 — 
Bruder Friedrich dem Fetten abtreten (der 1463 starb). Aber 
da ihn die fränkischen Lande, welche seine anderen Brüder 
erhalten hatten, nicht abzogen, so hielt er 30 Jahre lang in 
der Kurmark aus und arbeitete mit der ihm eigenen Zähig- 
keit an der Wiederherbeibringung der verlornen Länder, Do- 
mänen und Rechte. Dies wurde ihm von den Nachbarn, 
welche die Zollern als Emporkömmlinge beneideten, auf alle 
Weise erschwert. Der Übermacht Böhmens, welches in Georg 
Podiebrad einen ebenso tatkräftigen Herrscher hatte, mußte 
er Vorsicht und Gewandtheit entgegensetzen; doch vermochte 
er nicht, die schon erworbene Lausitz ganz zu behalten. — 
Noch weniger glückte es ihm gegen Pommern. Während 
seiner ganzen Regierung zog sich hier die Fehde hin, ohne 
daß er Pasewalk und andere früher märkische Gebiete wieder- 
bekommen konnte. 1464 beim Aussterben der Stettiner 
Linie wollte eine brandenburgisch (deutsch) gesinnte Partei, 
den Bürgermeister von Stettin Albrecht Glinde an der 
Spitze, ihm das Erbe zuwenden. Aber die pommersche 
Partei überwog; das verwandte Wolgast erbte. Ein ver- 
heerender Krieg zwischen Pommern und Brandenburg folgte, 
ohne daß Friedrich seine Ansprüche durchsetzen konnte. 
Hierbei war ihm auch die Ungunst der Stettiner Bürger- 
schaft hinderlich, die seine Nichtachtung städtischer Freiheiten 
fürchtete. 
Denn ebenso eifrig wie nach außen suchte er seine Macht 
im Innern zu vergrößern. Viele Befugnisse und Domänen 
löste er mit Geld wieder ein; anderes nahm er mit Gewalt zu- 
rück, so (z. B. in Berlin) das Offnungsrecht und den Blutbann. 
Die Gründung Berlins, wie der meisten Städte im 
Wendenlande, geschah durch Germanisierung und Ausbau einer 
schon bestehenden wendischen Ortschaft. Das deutsche Wesen 
drängte hier schon im 13. Jahrhundert das wendische hinaus; 
mit Kölln verbunden, erhob sich Berlin rasch durch Handel 
und Gewerbe zu Wohlstand und Macht und eiferte in Frei- 
heitsliebe den unmittelbaren Städten des Reiches nach. Den 
Bürgerzwist benutzte der Kurfürst 1442, um den beiden 
Städten wieder eine gesonderte Verwaltung und eine Ver- 
fassung zu geben, wonach die Zünfte Anteil am Rate be- 
kamen, der Fürst aber das Bestätigungsrecht des Rates er- 
hielt. Ihre Auflehnung dagegen (den „Berliner Unwillen",) 
unterdrückte er um so leichter, da der Landtag ihm beistimmte. 
Seit 1448 setzte er die städtischen Behörden ein. 1451 
bezog er das Schloß zu Kölln a. Sp., und Berlin-Kölln
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        — 26 — 
ward fürstliche Residenz und Hauptstadt des Kurstaats, 
mit dem es dann so mächtig gewachsen ist. 
Albrecht Achilles (1470—1486) und Johann Cicero 
(1486—1499). 
§ 19. Kurfürst Albrecht, wegen seiner Heldenkraft und 
ungestümen Tapferkeit Achilles genannt, war nicht bloß das 
Muster eines stolzen Ritters, wie sein Hof auf der Kadolz- 
burg im Ansbachischen das glänzendste Vorbild für prachtvolle 
Fürstensitze, sondern auch ein kluger Regent. Freilich gefielen 
ihm Land und Leute der Mark nicht sehr; der Adel war hier 
noch ohne Bildung und feine Sitte, die Krämer (wie er die 
Bürger zu nennen pflegte) hier nicht einmal reich. Als gar die 
Stände ihm eine neue Steuer, die Bierziese, verweigerten und 
bloß ein für allemal 100 000 Gulden bewilligten, wurde er noch 
verdrießlicher. Er überließ die Regierung in den Marken seinem 
Sohne Johann und kehrte nach Franken zurück. Der Mangel 
an Geldmitteln hinderte noch mehr seinen Statthalter; Johann 
selbst litt oft Not und konnte wenig für das Land tun;z in 
einem Kriege mit dem schlesischen Herzog Hans von Sagan 
über den Besitz des Fürstentums Glogau rettete ihn nur die Da- 
zwischenkunft des Kurfürsten selber. Dieser eilte aus Franken 
herbei, schlug das schlesische Heer bei Krossen (1478) und er- 
warb im Vertrage von Kamenz 1482 statt Glogaus wenigstens 
Krossen, Züllichau, Sommerfeld und Bobersberg. 
Noch weit mehr machte sich Albrecht Achilles um Branden- 
burg durch sein Hausgesetz (Dispositio Achillea) 1473 ver- 
dient; er bestimmte nämlich seinem ältesten Sohne die Mark, 
zweien jüngeren Söhnen die fränkischen Fürstentümer und setzte 
zugleich fest, daß die Mark Brandenburg ungeteilt dem 
Kurfürsten gehören, das Burggrafenamt Nürnberg aber nur zwei 
regierende Herren (zu Ansbach und zu Bayreuth) haben sollte. 
Dadurch wurde die Zersplitterung der zollernschen Hausmacht ver- 
hindert, und die kurfürstliche Familie zu bleibendem Wohnsitz in 
der Mark genötigt. 
Nach Albrechts Tode (1486) kam zum ersten Mal ein 
zollernscher Kurfürst auf den Thron, der ein rechter Branden- 
burger war. Johann, unter den Märkern aufgewachsen, dachte 
und fühlte wie sie und schätzte das Land. Sparsamkeit und
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        — 27 — 
Ordnung zeichneten sein Regiment aus; doch bewilligten die 
Stände auch jetzt nur widerwillig die Bierziese; die Stendaler 
empörten sich geradezu und mußten mit Gewalt unterworfen 
werden. Das Geld des Landes hielt er indes so gut zu Rate, daß 
er 1490 die Herrschaft Zossen kaufen und bald neue Uberschüsse 
sammeln konnte. Diese bestimmte er zur Stiftung einer Univer-= 
sität in Frankfurt a. O. Denn Johann kannte den 
Wert der Bildung und sah mit Schmerz, daß die Märker in 
allen Wissenschaften weit hinter den meisten andern Deutschen 
zurückstanden. Doch erlebte er die Vollendung jenes großen 
Werkes nicht mehr; er starb 1499 zu Arneburg, 43 Jahre alt; 
sein Leichnam ward im Kloster Lehnin beigesetzt. 
Obwohl Friedrich I. den Adel, Friedrich II. die Städte ge- 
demütigt, so behielten die Stände doch immer noch große Rechte 
(besonders die Steuern zu bewilligen oder zu verweigern und 
deren Verwendung zu bestimmen). Sie brachten im Kriege auch 
selber die Wehrmacht auf; Hof, Geistlichkeit, Ritterschaft und 
(nach „Sprachen"“ gruppiert) die Städte leisteten jeder sein Kon- 
tingent; so kam einmal (1479) von der Mark ein Heer von 
21 000 Mann zusammen; darunter auch schon einige Zünfte Ge- 
schützleute. — Da die Zollern im 15. Jahrhundert größtenteils 
noch in Franken residierten und in der Mark ihre Hauptbeschäf- 
tigung war, erst nach außen und innen Macht zu gewinnen, so 
besserte sich das aus dem 14. Jahrhundert überkommene Ubel 
nur wenig; der „arme Mann“, der Bauer geriet vielmehr in 
immer größere Knechtschaft und Armut, zumal er auf dem Land- 
tag unvertreten war. Der Adel war noch immer sehr verwildert, 
enthielt viele „Landbeschädiger". Die Städte, die außer ihrer 
Unabhängigkeit auch das Stapelrecht und die Zollfreiheit verloren, 
kamen in Handel und Wandel allmählich zurück. Die geistige 
Bildung war noch immer sehr kümmerlich; die Universität daher, 
die Johann Cicero zu gründen begann, hier noch mehr als ander- 
wärts am Platze. Wie sehr die Verstärkung der landesherrlichen 
Macht not tat, bewies die Fruchtlosigkeit der Reichsinstitutionen 
Maximilians I. Er setzte mit den Kurfürsten 1495 den ewigen 
Landfrieden und zur Schlichtung der Streitigkeiten unter den 
Reichsfürsten das Reichskammergericht ein, teilte auch, um 
des letzteren Urteile leichter vollziehen zu können, Deutschland in 
10 Kreise (den niedersächsischen, obersächsischen, zu welchem die 
Mark gehörte, westfälischen, kurrheinischen, oberrheinischen, schwä-
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        — 28 — 
bischen, fränkischen, bayrischen, österreichischen, burgundischen). 
Aber wirksam zeigten sich nur die Maßregeln der Landesfürsten 
selber. 
Joachim I. Nestor (1499— 1535). 
5 20. Auch Joachim I. zeichnete sich, wie sein Vater, durch 
gelehrte Bildung und Beredsamkeit unter den deutschen Fürsten 
aus, deren (lateinischer) Sprecher er auf den Reichstagen oft 
war (daher Nestor genannt). Seinen Untertanen bewies er 
sich als strenger Richter und sorgsamer Landesvater. Bei seinem 
Regierungsantritt war er erst 15 Jahre alt, und ein Teil des 
Adels wagte es daher, das alte Unwesen der Fehden und Wege- 
lagereien zu erneuern. Einige verleitete zu ihren Gewalttaten 
die Not, andere trieb Rauf= und Raublust. Verordnungen wider 
die Landbeschädiger fruchteten nichts; selbst von den Hofleuten 
ging mancher bei Nacht auf Wegelagerei. Da griff der junge 
Kurfürst mutig und fest zu, ließ durch seine und der Stände 
Landreiter die Räuber fangen und ihrer viele hinrichten. „Adlig 
Blut“ (antwortete er einem fürstlichen Fürsprecher) „hab' ich nicht 
vergossen, sondern Räuber und Mörder nach Verdienst bestraft.“ 
So säuberte er das Land. Damit aber kein Grund zur Selbst- 
hilfe bleibe, gründete er ein höchstes Gericht, bei welchem auch 
der Vornehmste belangt werden konnte, das Kammergericht 
(1516), besetzt mit 4 kurfürstlichen und 8 ständischen Richtern. 
Dagegen verhängte er, im Sinne des unduldsamen Volks, 
eine große Verfolgung über die Juden. Ihrer 38, angeklagt, 
geweihte Hostien zerschnitten und beim Passahfest Christenkinder 
geschlachtet und deren Blut zu Arzneien verwendet zu haben, 
wurden zu Berlin verbrannt, die übrigen aus der Mark ver- 
jagt (1510). 
Das von seinem Vater vorbereitete Unternehmen, in der 
Mark eine Hochschule als Pflegestätte der Wissenschaft zu gründen, 
führte Joachim I. durch; 1506 weihte er die Landesuniversität 
zu Frankfurt a. O. ein. 
Um überall selbst nach dem Rechten zu sehen, bereiste er 
öfter das Land und da er die Abnahme der städtischen Wohl- 
fahrt bemerkte, erließ er 1515 eine allgemeine Städteordnung,
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        — 29 — 
die manche Verbesserung (z. B. gleiches Maß und Gewicht) 
einführte. 
Mehr nützten der lange Frieden und die Sicherheit, die 
unter seinem Regiment herrschten. Denn obwohl auch er die 
Erweiterung der Landesgrenzen erstrebte, so that er es doch nur 
auf friedlichem Wege. So erwarb er 1524 die durch Aussterben 
ihrer Grafen erledigte Herrschaft Ruppin. Den jahrhundertelangen 
Streit mit Pommern, ob dessen Herzöge reichsunmittelbare deutsche 
Fürsten oder Lehnsleute Kurbrandenburgs sein sollten, beendete 
er durch den Vertrag von Grimnitz 1529; er verzichtete darin 
auf die Lehnshoheit und erhielt dafür die feierliche Anerkennung 
des brandenburgischen Erbrechts auf Pommern. — Eine andere 
Anwartschaft erwarb er seinem Hause durch seine Vermählung 
mit Elisabeth, Tochter des Herzogs Johann von Schleswig- 
Holstein und Königs von Dänemark (1502). Denn 1508 setzte 
Johann seine Tochter zur Erbin ein, falls er oder sein Sohn 
Christian (II.) ohne männliche Nachkommen stürben; und 1517 
erteilte demmach der Kaiser Maximilian 1. dem Kurfürsten 
Joachim die Belehnung mit Schleswig-Holstein für jenen Fall. — 
Trotz seiner Bildung war Joachim in manchen aus dem Mittel- 
alter überkommenen Vorurteilen befangen; er trieb z. B. eifrig 
die Sterndeuterei (Astrologie). Als einen Anhänger des Alten 
bewies er sich auch gegenüber der Reformation, die damals 
in Deutschland ihren Anfang nahm. 
§ 21. In der römischen Kirche hatten sich im Laufe der 
Zeit viele Mißbräuche eingeschlichen; auch führten viele Priester 
ein ärgerliches Leben. Eine Verbesserung (Reformation) der 
Kirche war im 15. Jahrhundert auf Kirchenversammlungen ver- 
sucht worden, aber gescheitert. Großes Argernis erregte dann 
im Anfang des 16. Jahrhunderts in Deutschland namentlich der 
Handel mit dem Sündenablaß, wie ihn besonders der Domini- 
kaner Tezel betrieb. Da erhob sich 1517 Martin Luther, 
eines Bergmanns Sohn (geb. 10. November 1483 zu Eisleben, 
seit 1505 Augustinermönch, seit 1512 Doktor der Gottesge- 
lahrtheit und Schloßprediger zu Wittenberg) und griff zunächst 
diesen Ablaßhandel an. In 95 Thesen (Sätzen), die er am 
31. Oktober 1517 an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg 
anschlug, zeigte er, daß nur wahre Reue die Vergebung der
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        — 30 — 
Sünden bewirken könne, und daß durch Geld niemand von 
Gottes Strafe loskomme. Dann griff er noch andere Lehren und 
Bräuche der römischen Kirche als irrig und unrecht an, und da 
der Papst ihn als Ketzer in den Bann tat, so verbrannte er 
am 10. Dezember 1520 die Bannbulle öffentlich zu Wittenberg. 
Hierauf vom Kaiser zur Verantwortung auf den Reichstag zu 
Worms (1521) beschieden, verteidigte er sich daselbst so mutig 
(„Hier steh' ich; ich kann nicht anders; Gott helfe mir, Amen!“), 
daß ihm viele beistimmten. Sachsen und Hessen wurden luthe- 
risch, und auch anderwärts verbreitete sich seine Lehre schnell. 
Vergebens drohte Kaiser Karl V.; die Lutherischen protestierten 
gegen die feindlichen Beschlüsse des Reichstags zu Speier (daher 
Protestanten genannt) 1529 und vertrauten auf Gott („eine 
feste Burg“). 1530 bekannten sie zu Augsburg vor Kaiser und 
Reich ihren Glauben in einer von Melanchthon verfaßten 
Schrift und verbanden sich wider die römische Partei in dem 
Schutzbündnis zu Schmalkalden (1531). 
Zu den heftigsten Gegnern der Reformation gehörte Joachim J. 
Er meinte, die Kirche zu bessern sei die Sache des Papstes, des 
Kaisers und der Kurfürsten, aber nicht eines Mönchleins. Er 
zürnte Luther auch darum, weil sein eigener Bruder, Erzbischof 
Albrecht von Mainz und Magdeburg, ein Hauptunternehmer 
des Ablaßhandels gewesen war. Sodann fürchtete er im Gefolge 
der Reform allgemeinen Umsturz, wie denn in der That 1525 
ein großer Aufstand der deutschen Bauern gegen ihre tyran- 
nischen Herren stattgefunden hatte. Aber vergebens versuchte er 
dem Strome zu wehren. Auch in der Mark nahm das Volk 
eifrig Luthers Lehre an und richtete den Gottesdienst vielerorten 
heimlich danach ein. Selbst Joachims Gemahlin Elisabeth ward 
lutherisch, worüber er so ergrimmte, daß sie von Berlin entwich 
und zu ihrem Oheim, dem Kurfürsten von Sachsen, floh (1528). 
Doch beharrte Joachim I. bei seinem Sinne und befahl auch 
seinen Söhnen, Joachim und Johann, pöäpstlich zu bleiben. 
Joachim 1I. Hektor und Hans von Küstrin 
(1535—1571). 
§ 22. Der Goldenen Bulle Karls IV. zuwider hatte 
Joachim I. seine Länder geteilt, dem ältesten Sohne die Kur-
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        mark und dem zweiten die Neumark gegeben. Aber obwohl sehr 
verschiedenen Charakters — Joachim II. gutmütig, milde, pracht- 
liebend, verschwenderisch, Johann rauh und streng, sparsam und 
ordentlich — hielten die Brüder doch einträchtig zusammen. 
Beide hingen dem Luthertum an. Johann führte nach seiner 
entschiedenen Art zuerst die Reformation in seinem Lande ein; 
Joachim ging dann ebenfalls entschlossen vor und trat, nachdem 
er die Umänderung im stillen vorbereitet, öffentlich zur evange- 
lischen Kirche über. Am 1. November 1539 empfing er zu 
Spandau das heilige Abendmahl in beiderlei Gestalt aus den 
Händen des brandenburgischen Bischofs Mathias von Jagow. 
Am 2. November folgten Berlin und Kölln; es folgte dann das 
ganze Land seinem Beispiel. 1540 ließ er eine allgemeine Kir- 
chenvisitation abhalten, wobei sich fand, daß eine große Un- 
wissenheit im Volke herrschte. Diese zu heben wurden nun auch für 
das Volk Schulen eingerichtet, auf daß nach Luthers Wunsch jeder 
Christenmensch selber die Bibel, die jener (auf der Wartburg 
1521 beginnend) ihm verdeutscht hatte, lesen, auch einen kurzen 
Begriff der christlichen Lehre aus dem kleinen Katechismus 
erhalten könne. Zur Ausstattung der Kirchen und Schulen aber 
diente ein Teil der Güter, welche Klöstern und Stiftern gehört 
hatten und jetzt eingezogen wurden. 
Joachim II. (obwohl als Kurprinz wegen seiner Tapferkeit 
in einem Türkenkriege Hektor benannt) war ein friedliebender 
Fürst; aber durch Verträge, wobei ihm sein kluger Kanzler 
Lampert Distelmeier vorzügliche Dienste leistete, hat er zu 
den größten Erwerbungen seines Hauses die Aussicht eröffnet. 
1537 schloß er mit dem schlesischen Herzog Friedrich von Lieg- 
nitz, Brieg und Wohlau eine Erbverbrüderung und be- 
wog 1569 den König von Polen, ihm die Mitbelehnung mit 
dem Herzogtum Preußen zu erteilen. 
Recht und Gesetz handhabte auch Joachim II. mit Festig- 
keit; als ein Kaufmann von Kölln a. d. Spree, Hans Kohl- 
hase, der mit Kursachsen eine Fehde führte, auch gegen den 
eigenen Landesherrn zur Selbsthilfe griff, ließ er ihn 1540 fan- 
gen und hinrichten. Damit endete das alte Faustrecht völlig. 
Im Schutz des Friedens gediehen Gewerbe und Handel immer 
mehr; die Wohlhabenheit aber verleitete viele Bürger zum Luxus 
(„Pluderhosen"), so daß Joachim scharfe Gesetze wider die Uppig-
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        — 32 — 
keit gab. Er selbst ging freilich mit dem Beispiel des Luxus voran. 
Prachtbauten, Prunkfeste, glänzende Turniere und Jagden 
im Berliner Tiergarten, reiche Geschenke an seine Diener und 
Freundinnen (z. B. Anna Sydow, „die schöne Gießerin") koste- 
ten ihm große Summen; nur weniges nützte zugleich (wie der 
Dom neben der Hofburg in Kölln a. Sp. und die Festungswerke 
zu Spandau, die er anlegte). Seine leeren Kassen zu füllen, 
nahm er für Geld die Juden wieder in das Land auf, machte 
den Juden Lippold zu seinem Münzmeister, und wenn die Not 
am größten war, wandte er sich an die Stände, die denn auch 
halfen, aber sich versprechen ließen, er werde keine wichtige 
Sache im Lande ohne ihren Beirat und ihre Bewilligung aus- 
führen. 
Markgraf Hans war ein besserer Haushalter; er verwandte 
sein Geld zu nützlichen Dingen (Bau von Landstraßen, Brücken, 
der Festungswerke von Küstrin und Peitz, Kauf der Herrschaften 
Storkow und Beeskow 1555) und sammelte Schätze, während 
der Kurfürst Schulden machte. 
Die beiden Brüder starben fast zu gleicher Zeit (im Januar 
1571), und seitdem sind die Marken nicht mehr von einander 
getrennt worden. 
Johann Georg (1571—1598). 
§ 23. Hans von Küstrin hinterließ keinen Sohn; die Mar- 
ken wurden daher unter dem Sohne Joachims II., dem Kur- 
fürsten Johann Georg, wieder vereinigt. Er war ein wirt- 
schaftlicher und einsichtiger Mann, doch streng und kalt in seinem 
Wesen. Er begann damit, daß er die Günstlinge seines Vaters, 
denen er dessen Verschwendung schuld gab, hart bestrafte. Anna 
Sydow kam auf die Festung Spandau; Lippold, als reicher 
Wucherer verhaßt, wurde, weil er Zauberei getrieben haben sollte, 
grausam hingerichtet, die ganze Judenschaft wieder des Landes 
verwiesen. Sodann tilgte Johann Georg durch bessere Finanzwirt- 
schaft und mit Hilfe der Stände die vorgefundenen Schulden. Die 
Leistungsfähigkeit des Landes wurde besonders durch Einwan- 
derung verfolgter Reformierten aus den Niederlanden verstärkt; 
denn diese Ansiedler brachten Kunstfleiß und Arbeitskraft mit. 
Dauernde Verdienste erwarb sich Johann Georg durch die Stiftung
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        — 33 — 
des „Berlinischen Gymnasiums zum grauen Kloster“ 1574, durch 
den Neubau des Schlosses zu Kölln a. Sp. und in der äußeren 
Politik durch enge Familienverbindung mit dem herzoglich preu— 
ßischen Hause, indem er seinen Enkel, den Prinzen Johann 
Sigismund, mit Anna, der ältesten Tochter des gemütskranken 
Herzogs Albrecht II. von Preußen und der Prinzeß Eleonore 
von Kleve vermählte. 
Joachim Friedrich (1598—1608). 
§ 24. Gegen das Testament seines Vaters, welches eine 
Teilung der Marken unter die Söhne versügte, berief sich 
Joachim Friedrich auf das Hausgesetz des Albrecht Achilles und 
entschädigte seine jüngeren Stiefbrüder Christian und Joachim 
Ernst mit Hilfe des alten kinderlosen Markgrafen Georg Fried- 
eich von Ansbach-Bayreuth. Dieser setzte im Geraer Haus- 
vertrag 1598 jene beiden Prinzen zu seinen Erben im Bayreuth 
und Ansbach und den Prinzen Johann Georg, einen jüngeren 
Sohn Joachim Friedrichs, zum Erben in seinem schlesischen 
Fürstentum Jägerndorf ein, wogegen die Unteilbarkeit der 
Marken nochmals allseitig anerkannt wurde. 
Indessen rückte die Aussicht auf Erwerbung Preußens 
immer näher; denn Albrecht II. hatte keine Söhne, und der 
König von Polen übergab 1605 die Vormundschaft über den 
gemütskranken Herzog, sowie die Statthalterschaft des Landes 
dem Kurfürsten Joachim Friedrich. Da nun der zollernsche Staat 
so weithin zu wachsen versprach, auch der Landesherr jetzt nach 
Einführung der Reformation und den Veränderungen im Kriegs- 
und Gerichtswesen eine Menge von Geschäften zu besorgen hatte, 
die früher Sache der Gemeinden, der Stände und der Kirche 
selbst gewesen waren, so beschloß Joachim Friedrich, die ganze 
Verwaltung unter die Ausfsicht gelehrter und sachverständiger 
Oberbeamten zu stellen, die auf Lebenszeit für einen und den- 
selben Amtskreis angestellt wären. Die Behörde, die er zu die- 
sem Zweck gründete (1605), hieß das Geheime Staatsrats- 
Kollegium und beschäftigte sich besonders mit der Überwachung 
der Finanzen, der Sorge für Handel und Gewerbe und dem 
Kriegswesen; der oberste Rat des Fürsten blieb der Kanzler. 
Weil aber tüchtige Beamte durch hohe Schulen gebildet werden 
Pterson, Leitf. d. preuß. Gesch.
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        — 34 — 
müssen, so stiftete Joachim Friedrich noch ein Gymnasium (zu 
Joachimsthal 1607). 
Auch seine (erste) Gemahlin, die fromme und wirtschaftliche 
Kurfürstin Katharina, Tochter Johanns von Küstrin, hat ihr 
Andenken durch eine heilsame Stiftung verewigt: auf dem Mol- 
kenmarkt in Berlin ließ sie Milch, Butter, Käse, die sie selbst 
gewann, verkaufen, und von ihren Ersparnissen gründete sie zu 
Kölln a. Sp. die Schloßapotheke, in welcher arme Leute unent- 
geltlich Arznei erhielten. 
Verfall des mittelalterlichen Wesens in Staat und 
Kirche. Aufkommen neuer Formen. 
§ 25. Wie die geographischen Entdeckungen im 15. Jahr- 
hundert den Gesichtskreis der europäischen Völker erweiterten, den 
Handel zum Weltverkehr machten und die politische Stellung der 
Nationen sehr veränderten, so bewirkten große Erfindungen und 
das Wiederaufleben der altklassischen Studien zu derselben Zeit, 
daß die mittelalterlichen Einrichtungen in Staat und Kirche nicht 
mehr genügten. Die im 14. und 15. Jahrhundert aufgekommene 
Neuerung, den Krieg mit Fußvolk zu führen (Schweizer, Hussiten, 
Landsknechte), sodann der Gebrauch des Feuergewehrs gestalteten all- 
mählich das Kriegswesen völlig um: das Rittertum verfiel; der 
Krieg wurde ein Handwerk; an Stelle des Lehnsheeres trat das Söld- 
nerheer. Dies hatte große politische Folgen: die Stände leisteten 
die Wehrpflicht immer häufiger nur mit Geld; ihre Wehrhaftig- 
keit verminderte sich; die Macht des Fürsten wuchs. Zugleich 
wandte sich der Nährstand ausschließlich seinen friedlichen Beschäf- 
tigungen, und der Mann von Talent (besonders aus dem Adel) 
den Studien und der Beamtenlaufbahn zu; jener bedurfte nun 
vor allem des starken Schutzes, dieser des Berufs des Staates, 
beide mehr als früher des Fürsten. 
Die Erfindung der Buchdruckerkunst (1450 durch Johann 
Gutenberg zu Mainz) erleichterte den geistigen Verkehr, machte 
die Kenntnisse weniger zum Gemeingut vieler, verbreitete Auf- 
klärung in weitere Kreise. Es wurde mehr geschrieben, 
gelesen, gedacht. Zugleich trat eine große wissenschaftliche Um- 
wälzung ein: das Studium des Altertums (nach Italien 
durch gelehrte, 1453 aus Konstantinopel geflüchtete Griechen ver- 
pflanzt, in Deutschland durch ausgezeichnete „Humanisten“ einge- 
bürgert) weckte den Geist der Forschung und Prüfung; man
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        — 35 — 
untersuchte die Gründe des Glaubens und Wissens. Da aber 
die damalige Kirche solche Kritik nicht vertrug, so kam die Ge- 
lehrsamkeit aus dem Alleinbesitz der Geistlichkeit an die Laien. 
Hierzu trug die Stiftung neuer Universitäten viel bei, die den 
Wetteifer entzündeten und außer Geistlichen nunmehr hauptsächlich 
Staatsbeamte bildeten. Die geistige Bewegung richtete sich gegen 
die herrschenden Vorurteile, zunächst gegen den Glaubenszwang 
und die Ubergriffe der päpstlichen Hierarchie, überhaupt gegen die 
Mißstände der Kirche und drängte auf deren Reformatien. 
Der Mißbrauch, den in den letzten Jahrhunderten des 
Mittelalters die Päpste mit ihrer Macht trieben: daß sie viele 
geistliche Stellen statt durch Wahl der Kapitel nach eigener Will- 
kür und für Geld besetzten; daß sie bei jeder Besetzung eines 
geistlichen Amts die Einkünfte des ersten Jahres (Annaten) für 
sich nahmen; daß sie geistliche Rechtssachen den Bischöfen entzogen 
und in Rom, meist für Geld, entschieden; daß sie aus dem Ab- 
laß (nach den Lehren vom Fegefeuer und vom überschüssigen Ver- 
dienst Christi und der Heiligen) eine Geldquelle machten; kurz, 
daß sie das Geistliche mit dem Weltlichen vermengten; dieser 
Mißbrauch veranlaßte zur Untersuchung der Berechtigung des 
Papsttums überhaupt. Luther fand dasselbe in der heiligen 
Schrift nicht begründet, und er setzte diese unbedingt über die 
mündliche Tradition und die Beschlüsse von Päpsten und Konzi- 
lien. Sein Prinzip war: die einzige Erkenntnisquelle der chrift- 
lichen Glaubenswahrheit ist die Bibel, und nur durch den Glau- 
ben (Sola Fide), nicht durch Werke werden wir selig. 
Da jeder Epvangelische die Bibel lesen, der Geistliche sie auch 
in der Ursprache verstehen sollte, so kam durch die Reformation 
das Schulwesen, sowohl das elementare wie das gelehrte, sehr 
in Aufschwung. Dies, sowie die Freiheit der Forschung auch in 
religiösen Dingen und die von hier aus bald in alle Wissen- 
schaften dringende Kritik, beförderte die Aufklärung und das 
geistige Leben in den protestantischen Ländern. Was hier die 
Geistlichkeit, besonders durch Säkularisation der Kirchengüter, an 
weltlicher Macht verlor, gewann hauptsächlich der Fürst (als 
oberster Bischof der Kirche und als Regent des Staates). 
Zur Verstärkung der landesfürstlichen Gewalt führte ferner die 
Umgestaltung des Rechtswesens. Auf den Universitäten ward das 
römische Recht (codex Justioianeus) gelehrt, welches den 
Fürsten die absolute Macht, wie sie die alten Imperatoren ge- 
habt, zuerkannte und nur von studierten Richtern gehandhabt 
werden konnte. Durch dieses fremde Recht wurden die deutschen 
Rechtsbräuche, durch das Schreibwesen die Offentlichkeit und Münd- 
3*
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        — 36 — 
lichkeit verdrängt, — wie die Freunde desselben sagten zum 
Nutzen besserer Ordnung; denn die Rechtspflege sei unbehilflich 
geworden und leide unter der großen Verschiedenheit des oft un- 
zureichenden Herkommens. 
In der Mark kam das neue Wesen um so leichter auf, weil 
hier die mittelalterlichen Formen nie einen großen Inhalt und 
starke Wurzeln gehabt. Adel und Städte waren ohne den Reich- 
tum und die großen Erinnerungen des Rittertums und Bürgertums 
im Reich; die Geistlichkeit hatte im Markgrafen stets den Herrn 
gefühlt; die landesherrliche Macht konnte daher ohne viel Gefahr 
die Verschmelzung der Sonderstagten im Staate zu einem Ganzen 
vornehmen. Schon Joachim I. waltete tatsächlich fast unum- 
schränkt, wie er denn auch eine ungemein hohe Vorstellung von 
seiner landesherrlichen Würde und Autorität hatte und daher eine 
Reformation von unten als Rebellion betrachtete. Joachim II., 
ein milder Charakter, ließ wegen seiner steten und meist selbstver- 
schuldeten Geldnot die ständische Macht wieder aufkommen; unter 
den folgenden, besser geordneten Verwaltungen nahm der Fürst 
die Zügel des Staates wieder fester in die Hand. Joachim Fried- 
rich legte durch die Errichtung einer Art von Staatsministerium 
den ersten Grund zu der bureaukratischen Staatsverwaltung, 
deren Idee ist, daß der Fürst mit seinen Beamten planmäßig 
nicht bloß die allgemeinen Staatssachen, sondern auch die beson- 
deren Angelegenheiten der Gemeinden leitet. 
Diese Bevormundung war nötig, da die Stände, insbeson- 
dere der Adel und die städtischen Patrizier, zwar nach oben ihre 
Macht verloren, aber nach unten desto stärker drückten. Die 
Masse des Volks, zumal der Bauernstand, geriet in immer 
größere Knechtschaft und Not; alle Lasten des Staats, durch 
Söldner= und Beamtentum sehr vermehrt, wurden von den oberen 
Ständen fast ganz auf die unteren gewälzt. 
Zwei Aufgaben fielen hier also den Hohenzollern zu, indem 
sie sich dem Absolutismus näherten: den morschen Feudalstaat des 
Mittelalters durch ein zweckmäßiges neues Staatswesen zu ersetzen 
und jedem im Staat das Seine zu geben oder wiederzuverschaffen; 
— durch die erste wurden sie die Vertreter des Zeitgeistes, durch 
die zweite die Anwälte des armen Mannes. Die Neuzeit vertraten 
sie auch auf dem kirchlichen Gebiete. Seit 1539 ist der Pro- 
testantismus ein Hauptlebenselement ihrer Politik gewesen. Für 
das evangelische Deutschland hatte dies um so segensreichere Fol- 
gen, als der Augsburger Religionsfriede 1555 zwar 
zwischen Lutheranern und Katholiken einen langen Waffenstill- 
stand festsetzte, aber durch die unheilvolle Bestimmung „cujus
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        — 37 — 
regio, eius religio“ das Glück der Voͤlker in das Belieben der 
Dynastieen stellte. Der Glaubenseifer äußerte sich damals bei 
allen Parteien in Unduldsamkeit gegen Andersgläubige; auch 
Johann Georg schloß sich (1580 in der Konkordienformel) 
der Richtung des strengsten Luthertums an. Aber seit die bran- 
denburgischen Hohenzollern 1613 zur reformierten (kalvinistischen) 
Lehre übergetreten waren, wurde ihnen Duldsamkeit, bei ener- 
gischem Festhalten des protestantischen Prinzips, fast zur zweiten 
Natur, weil sie mit der Tatsache zu rechnen hatten, daß die 
große Mehrzahl ihrer Untertanen lutherisch war. 
Johann Sigismund (1608—1619). 
§. 26. Als Johann Sigismund den Tod seines Vaters er- 
fuhr, befand er sich auf der Reise nach Preußen, eilte aber nur 
desto mehr dorthin, um die Vormundschaft über den Herzog, die 
sein Vater gehabt, und die Belehnung mit dem Herzogtum von 
dem Könige von Polen zu erlangen. Trotz mancher Schwierig- 
keiten gelang ihm dies (1611), und nach dem Tode Albrechts II. 
Friedrich 1618 konnte er Preußen mit Brandenburg ver- 
einigen. 
Die zweite große Erwerbung, die er machte, war Kleve. 
Im Jahre 1609 starb der letzte Herzog von Jülich-Kleve-Berg, 
Wilhelm, kinderlos; seine älteste Schwester Maria Eleonore war 
die Gemahlin Albrecht Friedrichs von Preußen und Mutter 
Annas, der Gemahlin Johann Sigismunds, der deshalb die 
Hinterlassenschaft beanspruchte. Aber der Sohn der jüngeren 
Schwester des Herzogs Wilhelm, der Prinz Wolfgang von Pfalz- 
Neuburg, machte ebenfalls Ansprüche auf das Erbe. In diesen 
Streit drohten die Nachbarn, die reformierten Holländer und die 
katholischen Spanier, sowie der Kaiser sich zu mischen: für den 
Pfalzgrafen, welcher katholisch geworden war, nahmen die Katho- 
liken Partei; für den Kurfürsten, der zum reformierten Glau-- 
ben übertrat (1613), die Kalvinisten. Daher vereinigten sich 
die beiden im Vertrage zu Kanten (1614) dahin, daß die Erb- 
schaft geteilt wurde: Brandenburg erhielt das Herzogtum Kleve 
nebst den westfälischen Grafschaften Mark und Ravensberg, 
Pfalz-Neuburg die Herzogtümer Jülich und Berg. 
So herrschte nun Hohenzollern auch an der Memel und 
am Rhein.
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        — 38 — 
Kleve. 
§ 27. Das Herzogtum Lothringen (am linken Rheinufer 
von Basel abwärts) zerfiel im 10. Jahrhundert in die Herzogtümer 
Oberlothringen (an der Mosel) und Niederlothringen (zwischen 
Niederrhein und Schelde); diese zersplitterten sich dann wieder in 
viele selbständige Grafschaften, deren älteste Kleve war. Letztere 
erheiratete Graf Adolf IV. von der Mark (von Hamm bis zur 
oberen Wipper), dessen Nachkomme Adolf VI., 1417 auf dem 
Kostnitzer Konzil zum Herzog von Kleve erhoben, die Herrschaft 
Ravenstein an der Maas eroberte. Adolfs Urenkel Johann III. 
heiratete die Erbin von Jülich (an der Roer, zwischen Erft und 
Maas, seit 1357 ein Herzogtum), Berg (rechts am Rhein zwi- 
schen Ruhr und Sieg, seit 1380 Herzogtum) und Ravensberg 
(Grafschaft am Teutoburger Walde). 
Das Land Preußen als Ordensstaat und als 
Herzogtum (—1618). 
§+ 28. An der Bernsteinküste zwischen Weichsel und Memel 
und binnenwärts bis zur Drewenz und über die masurischen 
Seeen saß seit Urzeiten ein Volk litauischen Stammes. Den Rö- 
mern war es unter dem germanischen Namen Astier (Ostleute) 
bekannt; die zunächst Wohnenden hießen es Pruzzen oder Prussen, 
welches Wort dann in der Aussprache der Deutschen Preußen 
lautete. In vielen Dingen ähnelten die alten Preußen den 
Germanen: auch sie hatten schlanke, kraftvolle Körper, blaue 
Augen, starken Haarwuchs; auch sie wohnten nur in Dörfern 
und Höfen, liebten übermäßig die Trinkgelage und waren wegen 
ihrer Tapferkeit und Freiheitsliebe gefährliche Feinde; und auch 
sie verehrten ihre Götter (Perkunos Donnergott, Patrimpos 
Gott der Fruchtbarkeit und Freude, Pakollos Gott des Todes 
und Verderbens) nicht in Tempeln, sondern in heiligen Hainen. 
Dagegen glichen sie den Slawen darin, daß auch bei ihnen die 
Frau des Mannes Sklavin war, von ihm dem Vater abgekauft 
und neben anderen Frauen geheiratet. Eigentümlich war den 
Preußen ein mildtätiger, menschenfreundlicher Sinn und gut- 
mütige Heiterkeit. Sie trieben außer Ackerbau und Viehzucht 
einige Gewerbe und an den Küsten, besonders im bernsteinreichen 
Samland, starken Handel. In jedem der 11 Gaue (Kulm und 
Pomesanien am rechten Weichselufer, Pogesanien, Warmien oder
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        — 39 — 
Ermland und Natangen am frischen Haff, Barten zwischen Alle und 
Angerapp, Sudauen und Galinden längs der masurischen Seeen, 
Samland zwischen dem Frischen und Kurischen Haff, Nadrauen 
und Schalauen am Kurischen Haff) gab es einen oder mehrere 
Häuptlinge mit landesfürstlicher Macht; in den Volksversamm- 
lungen entschieden meist die Edeln (reiche, angesehene Geschlechter). 
Großen Einfluß übten die Priester (Waidelotten) und beson- 
ders deren Oberster, der Kriwe im Romowe, einem Heiligtum 
in Nadrauen. Die Toten wurden verbrannt, die Asche in tö- 
nernen Urnen beigesetzt; das jenseitige Leben hielt man für eine 
gleichmäßige Fortsetzung des irdischen. 
Die Bekehrungsversuche der slawischen Nachbarn (Bischof 
Adalbert von Prag # 997; Erzbischof Brun f 1009; Bischof 
Christian, früher Mönch zu Oliva, 1212) waren ebenso frucht- 
los wie ihre kriegerischen Angriffe und reizten die Preußen nur 
zu wilden, verheerenden Einfällen in das Gebiet der Masuren, 
Polen, Pommern. Da baten Bischof Christian und der polnische 
Herzog Konrad von Masovien 1226 den deutschen Orden 
um Hilfe. 
Der Orden „des deutschen Hauses unserer lieben 
Frauen zu Jerusalem“ (daher auch Marienritter oder Deutsch- 
herren genannt) war 1190 im Lager vor Akkon aus einer 
Spitalstiftung lübischer und bremischer Kaufleute vom Schwaben= 
herzog Friedrich festgestellt, 1198 aber rittermäßig eingerichtet 
worden, mit den Gelübden der Rittermönche (Armut, Gehorsam, 
Keuschheit, Bekämpfung der Ungläubigen, Krankenpflege) und dem 
Abzeichen des schwarzen Kreuzes auf weißem Mantel, und 
kam bald, besonders unter seinem vortrefflichen Hochmeister 
Hermann von Salza, zu großer Blüte. 1230 schickte dieser 
nun eine Schar von Rittern unter dem Landmeister Hermann 
Balk ab, um das Heidenland Preußen, welches Kaiser und 
Papst dem Orden geschenkt, zu erobern. 
Vom Kulmerlande aus drangen die Ritter vor, besiegten, 
durch deutsche Kreuzfahrer unterstützt, einen Gau nach dem andern 
und sicherten jede neue Eroberung durch Ansiedlung deutscher 
Einwanderer in festen Städten und Burgen. Doch widerstanden 
die Preußen mit solcher Ausdauer und Tapferkeit, daß der blu- 
tige Kampf ein halbes Jahrhundert (bis 1283) währte. Ahnlich 
wie in der Mark Brandenburg die Wenden wurden auch hier
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        — 40 — 
die Unterworfenen von den Deutschen allmählich verdrängt 
oder deutsch gemacht. 
Nachdem jede Aussicht, den Türken Palästina abzugewinnen, 
verschwunden war, verlegte der Hochmeister 1309 seine Residenz 
nach Preußen; das prachtvolle Schloß in Marienburg war 
fortan des Ordens Haupthaus. Von hier aus herrschte er mit 
Weisheit und Kraft, beraten von den hohen Ordensbeamten, 
den Gebietigern, über das Land; Komture befehligten unter 
ihm die einzelnen Burgen. Der Kampf gegen die heidnischen 
Litauer im Osten hielt die kriegerische Tüchtigkeit der Ritter 
aufrecht (Sieg bei Rudau 1370); ihre Weltentsagung machte, 
daß sie vom Lande wenig bedurften; unparteiisch waltete der 
Orden über den Ständen, schützte jeden in seiner Freiheit und 
Habe, übte ein musterhaftes Regiment. Die goldene Zeit des 
Ordens war unter Winrich von Kniprode 1351—1382; wie 
ein Garten Gottes blühte das Preußenland. Am Anfang des 
15. Jahrhunderts erstreckte sich der Ordensstaat von der Oder 
bis zur Düna; der Schwertbrüderorden, der Livland er- 
obert und bekehrt hatte, war 1237 dem deutschen Orden bei- 
getreten. 
Der Glaubenskrieg hörte aber auf, als Großfürst Jagiello 
von Litauen sein Volk 1386 bekehrte und mit Polen zu einem 
Reiche vereinigte. Seitdem erschlaffte der Orden. Die Sitten- 
zucht wurde locker und die Regierung selbstsüchtig. Adel und 
Städte murrten über die Willkür und Habsucht der Ordens- 
ritter, und als diese 1410 in der Schlacht bei Tannenberg 
(bei Osterode) von den Polen und Litauern eine große Nieder- 
lage erlitten, ging die Macht des Ordens zu grunde. Zwar 
rettete der tapfere und kluge Komtur Heinrich von Plauen 
die Marienburg, die Jagiello fruchtlos belagerte. Auch kostete 
der Frieden (zu Thorn 1411) außer Geld nur Samogitien (das 
untere, nordwestliche Litauen). Aber die Ordensbrüder wollten 
die Reformen, die Heinrich als Hochmeister ihnen zumutete (zu- 
mal den ständischen „Landrat"), nicht ertragen, setzten ihn ab, 
warfen ihn sogar in den Kerker. Die Unzufriedenheit der schwer 
besteuerten Stände wuchs. 1440 bildeten sie zu Marienwerder 
den „Preußischen Bund“ zur Verteidigung ihrer Rechte gegen 
die Übergriffe des Ordens und erklärten 1454 diesem den Krieg; 
zugleich riefen sie den König Kasimir von Polen zu Hilfe. Ver-
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        — 41 — 
lassen von seinen Söldnern, die er nicht bezahlen konnte, mußte 
der Orden besiegt endlich einen Frieden (zu Thorn 1466) schließen, 
worin er das westliche Preußen (genauer: Pommerellen mit 
Danzig, das Kulmerland und Elbing) nebst Ermland an 
Polen abtrat und Ostpreußen (genauer: die Bistümer Pome- 
sanien und Samland) nur als polnisches Lehen behielt. 
Vergebens versuchten die Hochmeister sich der polnischen Lehns- 
hoheit zu entziehen; der Zoller Markgraf Albrecht von Ans- 
bach bat vergebens 1524 im deutschen Reich um Hilfe; dagegen 
erhielt er von Luther den Rat, den veralteten Ordensstaat in ein 
weltliches Fürstentum umzuwandeln. Er befolgte diesen Rat. 
Im Vertrage zu Krakau 1525 erkannte er den König von Polen 
als seinen Lehnsherrn an und empfing von ihm die Belehnung 
mit (Ost-) Preußen als einem erblichen Herzogtum. Darauf 
löste er mit Zustimmung der meisten Ordensritter den Orden auf 
und trat, sowie das Land, zur lutherischen Kirche über. Eine 
treffliche Stütze erhielt das neuerwachte geistige Leben in Preußen 
durch die Universität, die Herzog Albrecht 1543 in seiner 
Hauptstadt Königsberg gründete. — In dem polnisch gewor- 
denen Westpreußen entdeckte damals Kopernikus die wichtige 
Tatsache, daß sich die Erde um die Sonne dreht. 
Auf Albrecht I. folgte 1568 sein Sohn Albrecht II. 
Friedrich. Dieser verfiel sehr bald in eine Gemütskrankheit, 
welche durch Arger, den ihm die Regimentsräte (ein adliger 
Ständeausschuß) bereiteten, noch verschlimmert wurde. Nun 
schaltete der Adel als Herr im Lande, sah aber sein Regiment 
gefährdet, wenn es den Kurfürsten von Brandenburg gelang, das 
Herzogtum zu erwerben. Diese erreichten indes nach fünfzigjäh- 
rigem Bemühen ihr Ziel; durch große Geldgeschenke, zu denen 
die märkischen Stände willig beitrugen, bewogen sie den polni- 
schen König und Reichstag, ihnen 1569 die Anwartschaft, 1605 
die Vormundschaft, 1611 die Belehnung zu erteilen, infolge deren 
sie 1618 ungehindert das Herzogtum erbten. 
§ 29. Das Land Preußen ist mehr als jede andere Grenz- 
provinz mit Hilfe des ganzen deutschen Volkes dem Deutschtum 
gewonnen worden. Denn von allen Enden des Reichs kamen die 
Kreuzfahrer und die Ordens-Novizen; die Ansiedler indes gehörten 
vorzugsweise dem sächsischen Stamme an. Gleich der Mark Bran- 
denburg mit dem Schwert erobert und mit dem Pfluge gesichert,
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        — 42 — 
wurde Preußen doch noch rascher germanisiert, weil die alten Preu- 
ßen gewaltigeren Widerstand leisteten (Herkus Monte) und daher 
massenhafter vertilgt oder verdrängt wurden, als dort die Wenden. 
Selbst ihre Sprache ist (seit 300 Jahren) vollständig ausge- 
storben. Die mit dem Schwert Unterjochten mußten sich taufen 
lassen, zinsen und fronen; die sich der Herrschaft des Ordens 
und der Taufe freiwillig unterwarfen, besonders die adligen Wi- 
tinge, erhielten vor ihren Landsleuten manche Vorrechte. 
Die deutsche Ansiedlung geschah wie in der Mark durch 
Unternehmer, nur daß die Städte (da es bei den alten Preußen 
dergleichen kaum gab) völlig neu angelegt wurden, meist um eine 
Ordensburg herum: 1232 Thorn und Kulm, 1237 Elbing, 1255 
Königsberg (Ottokar von Böhmen). Die binnenländischen er- 
hielten vom Orden kulmisches oder magdeburgisches, die an der 
Küste gelegenen lübisches Stadtrecht. 
Auch die Dorfgemeinden empfingen in der „Kulmischen 
Handfeste" eine Verfassung, die ihnen große Rechte und Frei- 
heiten gewährleistete. Adlige Einzöglinge erhielten ebenfalls erb- 
lichen Grundbesitz und die Gutsgerichtsbarkeit, leisteten dagegen 
dem Orden Kriegsdienst innerhalb der Landesgrenzen. Die Ab- 
gaben, welche Bürger und Bauern dem Orden zahlten, waren 
gering, weil derselbe wenig brauchte und den Krieg meist mit sei- 
nen Rittern und mit abenteuerlustigen Kreuzfahrern („Gästen") 
zu führen vermochte. Dennoch ward er zugleich mit dem Lande 
rasch reich, konnte königlich hofhalten, Länder kaufen (Esthland 
1346 von den Dänen, die zur Verbindung mit Deutschland nötige 
Neumark 1402), als Seemacht auftreten (1398 eroberte er Got- 
land, erstürmte Wisby, das Nest der Vitalienbrüder). Der Wohl- 
stand der Bauern (zumal im fetten Marschboden des Weichsel- 
werders, das 1288 bis 1294 abgedeicht worden) war sprichwörtlich. 
Die Städte trieben mit Getreide, Wachs, Honig, Bernstein einen 
höchst einträglichen Handel über See nach Westeuropa;z vor allen 
blühte Danzig auf, der Hauptstapelplatz des Weichselhandels und 
Vorort des preußischen Quartiers in der Hansa, der außer Danzig 
noch Thorn, Kulm, Elbing, Braunsberg und Königsberg seit der 
Mitte des 14. Jahrhunderts angehörten. Danzig, schon am Ende 
des 10. Jahrhunderts erwähnt, wo es unter polnischer Herrschaft 
stand, war bis 1309 Hauptstadt von Pommerellen. Nachdem 
dann der Orden es in Besitz genommen, wurde es sehr bald durch 
starken Zuzug deutscher, besonders lübischer Kaufleute völlig 
germanisiert. — Die Landesbischöfe (von Kulm, Pomesanien, 
Ermland und Samland) waren reich mit Grundbesitz ausgestattet, 
standen aber unter dem Hochmeister als dem Landesherrn. —
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        — 43 — 
Gern ließ sich „Neu-Deutschland“, so lange der Orden die 
deutsche und christliche Pflanzung gegen die heidnischen, raub- 
und eroberungslustigen Litauer zu schützen hatte, dessen Herr- 
schaft gefallen. Dieselbe war nach den „Statuten" Werners 
von Orsele (1329) eine gemäßigte Monarchie. Der Hoch- 
meister gebot im Notfall unbedingt, war aber dem General-= 
kapitel der Gebietiger verantwortlich. Die obersten Gebietiger 
waren der Marschall (Feldherr), der Spittler (Aufseher der 
Krankenpflege), der Treßler (Schatzmeister), der Trappier (Klei= 
dermeister). 
Als aber der Orden seinen Hauptberuf, den Krieg gegen die 
Heiden, erfüllt hatte und in Verfall geriet, forderten die Stände 
nach deutscher Sitte Anteil am Regiment, am nachdrücklichsten 
die westpreußischen Edelleute (Eidechsenbund 1398) und Städte. 
Nachdem die Aufständischen den „Westpreußischen Städte- 
krieg" (1454—1466) erfolgreich bestanden, erhielten sowohl die 
treugebliebenen Stände zum Lohn vom Orden, wie die abge- 
fallenen kraft ihres Vertrages mit Polen große Privilegien. 
Danzig wurde fast Freistaat unter polnischem Schutz und er- 
reichte in diesem Verhältnis als Haupthafen des polnischen Reichs 
eine Handelsblüte und Macht, wie nur sehr wenige andere deutsche 
Städte des Mittelalters. 
Auch die geistigen Bestrebungen gediehen; der Preuße Niko- 
laus Kopernikus (geboren 1473 zu Thorn, gestorben 1543 als 
Domherr zu Frauenburg) entdeckte das wahre Sonnensystem, und 
dem Luthertum feiel das königliche wie das herzogliche Preu- 
ßen zu. 
Aber in jenes drang doch allmählich polnisches Wesen ein, und 
in diesem hätten die Stände die völlige Vereinigung mit der 
Republik Polen um den Preis gesicherter Ständeprivilegien gern 
gestattet. So war Neudeutschland auf dem Wege, nachdem es 
an das Slawentum seine politische Selbständigkeit verloren, an 
dasselbe auch noch seine Nationalität einzubüßen. Davor es 
gerettet und Preußen dem Deutschtum erhalten zu 
haben ist das Verdienst der Hohenzollern; die Hälfte 
der Arbeit thaten sie, indem sie 1618 Ostpreußen mit Branden- 
burg vereinigten. 
Georg Wilhelm (1619—1640). 
§ 30. Unter Johann Sigismunds Sohne, dem schwachen 
Georg Wilhelm, brach alles Elend und Unheil des Dreißig- 
jährigen Krieges ungehemmt über die Marken herein.
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        — 44 — 
Der Religionshaß zwischen den Katholiken und den Pro- 
testanten in Deutschland, von unduldsamen Priestern immer- 
während geschürt, mußte zum Bürgerkriege führen, als es den 
Jesuiten gelang, im Kaiserhause festen Fuß zu fassen. Grund 
zum Streite gab der „Geistliche Vorbehalt“, ein Artikel des 
Augsburger Religionsfriedens, nach welchem geistliche Länder, 
auch beim Übertritt ihrer Fürsten, katholisch bleiben sollten; 
ferner der Umstand, daß jener Vertrag zwar den Lutherischen, 
aber nicht den Kalvinisten Religionsfreiheit und gleiches Recht 
mit den Katholiken gab. Beide Teile rüsteten; es schlossen pro- 
testantische Stände mit einander einen Kriegsbund, und ebenso 
katholische. Aber während die evangelische Union (1608) un- 
vollständig und unwirksam blieb, bildete die katholische Liga 
unter Herzog Max von Bayern eine starke Macht. 1618 begann 
mit den böhmischen Unruhen der Dreißigjährige Krieg. 
Die protestantischen Böhmen, vom Kaiser bedrückt, empörten sich, 
wählten den Kurfürsten Friedrich von der Pfalz zum König, 
wurden aber vom Kaiser Ferdinand II. mit Hilfe der Liga unter- 
jocht, und nachdem die katholische Kirche mit Gewalt in den 
österreichischen Erblanden wiederhergestellt worden, ließ Ferdinand 
dasselbe durch den ligistischen General Tilly auch in Süd= und 
Mitteldeutschland vornehmen. Einige kleine protestantische Fürsten 
(Christian von Braunschweig, Ernst von Mansfeld) wider- 
standen vergebens; die großen von Sachsen und Brandenburg 
sahen angstvoll zu. So fielen 1626 die Heere Tillys und 
des kaiserlichen Generals Wallenstein auch über Norddeutsch- 
land her, besiegten den Dänenkönig Christian IV., der es schützen 
wollte, und schickten sich an, des Kaisers Restitutionsedikt 
(1629) auszuführen, welches Magdeburg, Minden, Merseburg 
und viele andere ehemals geistliche Länder wieder katholisch machen 
sollte. Da erschien den Protestanten ein Retter: Gustav Adolf, 
König von Schweden, landete auf Ruden an der Peene- 
mündung 1630, verjagte die Kaiserlichen aus Pommern, zwang 
seinen unschlüssigen Schwager Georg Wilhelm von Brandenburg, 
sowie den ebenso unfähigen Kurfürsten von Sachsen, sich mit ihm 
zu verbünden, konnte zwar das von Tilly belagerte Magdeburg 
nicht mehr retten, welches im Mai 1631 von den Kaiserlichen 
erstürmt wurde und in Flammen aufging, richtete dann aber 
durch den Sieg von Leipzig (September 1631) in ganz Deutsch-
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        — 45 — 
land den zu Boden geschlagenen Protestantismus wieder auf. 
Nachdem er bei Lützen 1632 gefallen war, setzte Schweden im 
Bunde mit den meisten süd- und westdeutschen Protestanten den 
Kampf fort; die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg aber 
schlossen 1635 zu Prag mit dem Kaiser Frieden, in welchem 
Sachsen die Lausitz gewann. Georg Wilhelm bewog zu die- 
sem Schritt teils die gegründete Furcht, daß die Schweden 
Pommern in dauerndem Besitz behalten würden, teils die öster- 
reichische Gesinnung seines Ministers, des katholischen Grafen 
Adam von Schwarzenberg. Dennoch wurde die Mark nach 
wie vor von beiden kriegführenden Parteien mit gleicher Wild- 
heit verwüstet. Nachdem der schwedische Feldherr Baner 1636 
bei Wittstock die Kaiserlichen geschlagen, rächte er des Kurfürsten 
Abfall entsetzlich an dem Lande. Dann kamen wieder die kaiser- 
lichen Soldaten und wüteten ganz ebenso mit Raub und Brand, 
Folter, Mord und Greuel jeder Art gegen das unglückliche Volk. 
Niemand war da, der es schützte. Der Kurfürst schwankte tat- 
los hin und her; die Stände feilschten, wenn er von ihnen Geld 
zur Anwerbung von Söldnern forderte, obwohl doch die Mans- 
feldischen, Dänen, Schweden, Kaiserlichen allemal das Hundert- 
fache raubten und zerstörten, als zum ordentlichen Schutze des 
Landes verweigert worden war. Oder die wenigen schlechtbe- 
zahlten Söldner drückten das eigene Land, das zu verteidigen sie 
zu schwach waren. Sich selbst aber zu schützen gegen diszipli- 
nierte Truppen, dazu reichte der Rest von Wehrhaftigkeit, der 
noch in dem Adel und den Bürgern geblieben war, nicht aus; 
der Bauer besaß nicht einmal ordentliche Waffen mehr. Endlich 
starb Georg Wilhelm (1640); aber das Land war ein Trümmer= 
haufen, fast eine Einöde geworden, und der schreckliche Krieg 
raste noch immerfort. 
§ 31. Am Ende des 16. Jahrhunderts waren vier Fünftel 
des deutschen Volkes protestantisch; die Evangelischen überwogen 
selbst in den kaiserlichen Erblanden. Was sie zu Fall brachte 
und dem Katholizismus in Süd= und Westdeutschland wieder zur 
Herrschaft verhalf, war vornehmlich der Haß, die Uneinicgkeit 
zwischen Kalvinisten und Lutheranern. Durch des luthe- 
rischen Kursachsens Abfall erhielt der strengkatholische Habsburger 
Ferdinand II. die Kaiserkrone 1619 und den Sieg über den refor- 
mierten Friedrich von der Pfalz und von Böhmen 1620; in
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        — 46 — 
Brandenburg trug der religiöse Widerwillen der lutherischen 
Stände gegen den reformierten Kurfürsten viel dazu bei, die Wi- 
derstandskraft des Staates lahm zu legen. Wie viel selbst kleine 
deutsche Gemeinwesen, wenn sie einmütig alles daran setzten, für 
Glauben und Freiheit noch leisten konnten, bewies 1628 Stral- 
sun ds siegreicher Widerstand. Daß aber die evangelischen Stände 
im ganzen Reich den Waffen der Liga und des Kaisers so schnell 
und völlig erlagen, hatte seinen Grund in dem Mangel an einem 
großen, alle überragenden und mit sich fortreißenden Führer; als 
sich ein solcher in Gustav Adolf fand, lag alsbald wieder der 
Katholizismus am Boden. 
Die Barbarei, mit welcher der Krieg geführt wurde, (z. B. 
vom Heere Tillys bei der „Magdeburger Hochzeit“ 20.—23. Mai 
1631), war zum Teil eine Folge des religiösen Fanatismus, zum 
Teil die Wirkung des Söldnerwesens. Denn die Haufen 
vaterlandsloser, verwilderter Soldknechte, welche für Geld jeder 
Fahne dienten, kannten zwischen ihren Lüsten und dem Gut und 
Blut des wehrlosen Volkes keine Schranke als die Gewalt, und 
nur Gustav Adolf hielt gute Mannszucht. Die andern Heer- 
führer, besonders Wallenstein mit seinen 100 000 Blutsaugern, 
ernährten den Krieg durch den Krieg, und zuletzt wurde nicht die 
Vernichtung des feindlichen Heeres, sondern die Aussaugung 
möglichst weiter Landstriche der Zweck der militärischen Be- 
wegungen. Selbsthilfe der gequälten Bevölkerung war hoffnungs- 
los, weil Dresfur, Bewaffnung, Taktik den Soldaten ein allzu 
großes Ubergewicht gaben. Nur im Leiden zeigte sich das Volk 
noch stark: für seinen evangelischen Glauben ließ es vielerorten 
(besonders in Schlesien vor General Dohna dem „Selig- 
macher") Haus und Hof im Stich und wanderte ins Elend. 
II. Vom Regierungsantritt des Großen Kurfürsten 
bis zur Erhebung Preußens zum Königreich, 
1640—1701. 
Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst (1640—1688). 
5*# 32. Friedrich Wilhelm war 20 Jahre alt (geboren 
16. Februar 1620 Tneuen Stils] zu Berlin), als er, der starke 
Sohn eines schwachen Vaters, die Regierung der hohenzollernschen
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        — 47 — 
Staaten antrat. Sie waren durch den langen Krieg in einem 
jammervollen Zustande: Städte und Dörfer in der Mark lagen 
wüst, auf viele Meilen fand man weder Menschen noch Vieh, 
weder Hund noch Katze; Waldung und Wild statt Acker und 
Menschen. Was noch an Volk übrig war, fristete in Armut und 
Roheit sein Leben; Land und Leute waren ruiniert und verwil- 
dert, ein Spielball fremder Kriegsknechte. Damit verglich der 
junge Kurfürst den blühenden Zustand des hochgebildeten und 
reichen Hollands, wo er seine ersten Jünglingsjahre verlebt hatte, 
und er setzte sich eine ähnliche Kultur zum Ziele seiner Re- 
gierung. Er bedachte dann, wie schwach seine Länder in ihrer 
äußern und innern Zusammenhanglosigkeit waren, und er 
beschloß, sie zu einem einigen, ganzen Staate zu verbinden. Weil 
aber die Zeit eisern war, und Macht vor Recht galt, so mußte 
er mit List und Gewalt das Gute, das er sich vornahm, erstreben 
und aufs Schwert gestützt sich in und außer dem Lande zum 
Meister der Dinge machen. Diese großen Aufgaben zu lösen, 
brachte er nichts mit auf den Thron als seine großen Eigen- 
schaften: entschlossene Tatkraft, zähe Ausdauer, Selbstbeherrschung 
und scharfblickende Erfindsamkeit. An Bildung des Geistes und 
Heldenmut des Charakters vielen überlegen, übertraf er alle in 
der Kunst, aus den Umständen allemal für sich den möglichsten 
Vorteil zu ziehen. 
Zunächst galt es überhaupt nur Herr des Landes zu werden. 
Denn Schwarzenberg hatte die kurfürstlichen Truppen dem Kaiser, 
als dem Verbündeten Georg Wilhelms, Treue schwören lassen. 
Der Kurfürst duldete dies Verhältnis nicht und entließ die Re- 
gimenter, deren Obersten nicht ausschließlich ihm den Eid leisten 
wollten. Sodann bildete er aus den übrigen ein stehendes Heer; 
es sollte fortan die Hauptstütze des Staates sein. Da es aber 
vorerst noch klein war, so schloß er mit den Schweden einen 
Waffenstillstand und wußte den Kaiser (Ferdinand III.) zu be- 
schwichtigen, so daß beide ihn in Ruhe ließen, bis er sein Heer 
auf 8000 Mann gebracht hatte. Parteilos, aber bewaffnet, übte 
er nun auf die Friedensverhändlungen, die zwischen Schweden, 
Frankreich und den ihnen verbündeten evangelischen Deutschen 
einerseits, dem Kaiser und den Katholiken andrerseits zu Osna- 
brück und Münster in Westfalen begannen, einen merklichen 
Einfluß. Er forderte standhaft, daß die Schweden ihm Pommern
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        — 48 — 
herausgeben sollten, dessen letzter Herzog Bogislaw XIV. 1637 
gestorben war; aber die Schweden ließen, obwohl sie sein Erb- 
recht anerkannten, ihre Beute nicht fahren. Endlich einigte man 
sich im Westfälischen Frieden 1648 dahin, daß der Kurfürst 
Hinterpommern und das Bistum Kammin und statt des übri- 
gen Pommerns die Bistümer Halberstadt, Minden und das 
Erzbistum Magdeburg erhielt; diese längst evangelisch gewor- 
denen Stifter wurden nunmehr in weltliche Fürstentümer ver- 
wandelt (säkularisiert). Den reformierten Reichsständen erteilte 
jener Friede gleiche Rechte mit den lutherischen und katholischen, 
allen aber gab er das Recht, unter sich und mit fremden Mäch- 
ten Bündnisse zu schließen und Krieg zu führen, außer gegen 
Kaiser und Reich. Die (1189) deutschen Landesherren waren seit- 
dem vom Kaiser fast ganz unabhängig, die Zerrissenheit Deutsch- 
lands besiegelt und das Ausland übermächtig. Zumal die Fran- 
zosen, durch den Raub des Elsaß nicht gesättigt, fügten der deut- 
schen Nation immer neuen Schimpf und Schaden zu. Das Keiser- 
haus Habsburg aber, welches den Dreißigjährigen Krieg ver- 
schuldet hatte, benutzte seine Stellung in Deutschland fortan 
nur noch dazu, auf Kosten desselben die österreichischen Staaten 
zu vergrößern. 
§ 33. Von den i. J. 1648 gemachten Landerwerbungen ist 
die pommersche die wichtigste gewesen. Pommern besaß schon 
durch seine Lage zwischen der Mark Brandenburg und der See 
(nach welcher es von den Slawen benannt wurde: pomore „am 
Meer"“) für den Staat einen hohen Wert, höhern aber noch durch 
die zähe Kernkraft und ungemeine militärische Tüchtigkeit seiner 
Bevölkerung. Lange behaupteten die alten Pommern ihre Selb- 
ständigkeit unter einheimischen Fürsten, zuerst gegen die Polen, 
die ihnen nur Pommerellen abringen konnten, dann gegen die 
Brandenburger. Dem Christentum und Deutschtum wandten sie 
sich meist freiwillig zu; doch herrscht in einem kleinen Teile 
Hinterpommerns, bei den Kassuben, noch jetzt die alte, slawische 
Sprache. Im 13. Jahrhundert breitete sich der Name Pommern 
westlich der Oder bis zum Müritzsee und Ryckfluß aus, wo Ljuti- 
zen und Obodriten ebenfalls germanisiert waren. Dies ganze Ge- 
biet mit den Hauptorten Stettin und Demmin beherrschte um 
1270 Herzog Barnim I. Seine Söhne teilten es 1295 so, daß 
der ältere Bogislaw IV. Pommern-Wolgast (das Land nörd- 
lich der Peene und Ihna), der jüngere Otto I. Pommern-
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        — 49 — 
Stettin erhielt. 1335 erbten die Herzöge von Wolgast nach 
dem Aussterben der Fürsten von Rügen diese Insel und das dazu 
gehörige Festland (Bart). 
Die flawischen Rugier, ein tapferes Volk, waren einst arge 
Seeräuber; nur mit Hilfe Heinrichs des Löwen, dem damals 
auch Mecklenburg und Pommern gehorchten, gelang es 1168 den 
Dänen, Rügen zu unterwerfen, wo sie den Tempel des Swan- 
tewit zu Arkona verbrannten. Die Rugier wurden nun Christen, 
ihre Fürsten dänische Vasallen. 1209 gründete Fürst Jaromar 
von Rügen die Stadt Stralsund, welche rasch durch Handel 
aufblühte und besonders durch Beitritt zum Hansabund eine selb- 
ständige Stellung errang. 
Nach dem Aussterben der Herzöge von Stettin 1464 und dem 
Erlöschen einer Nebenlinie des Hauses Wolgast vereinigte 1478 
Bogislaw X. ganz Pommern unter seiner Herrschaft. Früh 
verwaist, war er in größter Vernachlässigung zu Rügenwalde auf- 
gewachsen, bis dort ein Bauer, Hans Lange aus Lanzig, sich des 
Knaben annahm. Herzog Bogislaw regierte mit Kraft und 
Weisheit, wie er denn das grausame Strandrecht abschaffte, nach- 
dem er selbst auf einer Meerfahrt zum Heiligen Lande in Not 
geraten war. Nach seinem Tode 1523 wurde das Land wieder 
geteilt; doch beschloß ein allgemeiner pommerscher Landtag zu 
Treptow a. R. 1534 auf Antrag der Fürsten Philipps I. von Wol- 
gast und Barnims Xl. von Stettin für ganz Pommern die Ein- 
führung der Reformation nach Luthers Lehre, die dann be- 
sonders der Geistliche Dr. Bugenhagen verbreitete. 
1532 wurden die Grenzen zwischen den Herzogtümern Wolgast 
und Stettin so bestimmt, daß jenes im allgemeinen das Land 
westlich der Oder und Swine umfaßte; doch gehörten die Städte 
Stettin und Garz noch zum Herzogtum Stettin. Als nach dem 
Tode des letzten pommerschen Herzogs Bogislaws XIV. und nach 
langem Streit zwischen Brandenburgs Recht und Schwedens 
Macht der Westfälische Frieden auch hier einen Vergleich schuf, 
gewöhnte man sich, das Land links von der Oder und Swine 
mit Stettin Vorpommern, das Land rechts von der Oder und 
Swine Hinterpommern zu nennen. 
Das Bistum Kammin (zu welchem auch Kolberg, Köslin, Nau- 
gard gehörten) war 1124 von Otto von Bamberg ursprünglich 
zu Julin gestiftet. 1175 nach Zerstörung Julins durch die Dänen 
wurde es nach Kammin verlegt. 1536 nahm es Luthers Lehre an. 
Das Erzstift Magdeburg (mit Halle, Neuhaldensleben, 
Wolmirstedt, Möckern, Luckenwalde) wurde 1561 lutherisch, indem 
Erzbischof Sigismund, ein Sohn des Kurfürsten Jrachime II., 
Plerson, Leitf. d. preuß. Gesch.
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        — 50 — 
mit Zustimmung des Domkapitels hier die Reformation, der die 
Hauptstadt längst anhing, allgemein durchführte. Da im Prager 
Frieden 1635 die „Administration“ des Erzstifts dem Herzog 
August von Sachsen zugesprochen war, so konnte der große Kur— 
fürst erst nach dessen Tode 1680 unmittelbaren Besitz ergreifen. 
Die Stadt Magdeburg, die früher tatsächlich wie eine freie 
Reichsstadt dagestanden, suchte diese Selbständigkeit vergebens zu be- 
haupten; sie mußte dem Kurfürsten endlich doch huldigen (1666). 
Das Bistum Halberstadt (zwischen Unstrut, Saale, Elbe 
und Oker) war 814 von Ludwig dem Frommen gestiftet. 1591 
trat es der lutherischen Lehre bei und wurde dann von braun- 
schweigischen Prinzen „administriert", unter denen Herzog Christian 
durch seine Taten im Dreißigjährigen Kriege berühmt ist. 
Das Bistum Minden, von Karl d. Gr. gestiftet und von 
der Weserbiegung bis zur Hunte gelegen, nahm 1566 auf gemein- 
samen Beschluß des Bischofs, des Domkapitels und der Stände 
die Reformation an. 
§*# 34. Der Staat, der die deutsche Nation aus ihrer Zer- 
rüttung heraus und wieder zu Ehren und Macht gebracht hat, 
ist der preußische Staat, und dessen eigentlicher Gründer ist 
der Große Kurfürst gewesen. Er bildete aus den zerstreuten 
hohenzollernschen Besitzungen eine starke norddeutsche Macht 
zum Schutz für alle Evangelischen gegen die Katholiken und 
zum Schutz für alle Deutschen gegen die Fremden. Die Mittel 
waren: ein starkes stehendes Heer, schwere Besteuerung 
und, damit das Land die Last tragen könne, eine weise Ver- 
waltung. Weil aber die Stände sein großes und schönes Ziel 
nicht würdigten, verletzte er notgedrungen ihre Vorrechte und 
regierte unumschränkt. 
Durch unablässige Werbung brachte er sein Heer bis zum 
Jahre 1655 auf 26 000 Mann; bei der Einrichtung und Füh- 
rung desselben halfen ihm am besten General Otto von Sparr, 
der Schöpfer des brandenburgischen Geschützwesens, und der 
Feldmarschall Georg Derfflinger, der Schöpfer der branden- 
burgischen Reiterei. Den Unterhalt der Truppen gründete der 
Kurfürst hauptsächlich auf die Accise, eine Verbrauchsstener, die, 
auf alle Lebensmittel und Handelsgegenstände gelegt, alle Unter- 
tanen gleichmäßig traf, daher von dem Volke ohne Murren, aber 
von der Ritterschaft nur mit großem Widerstreben getragen wurde. 
Denn den Privilegierten ging ihr Vorrecht über das Wohl des
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        — 51 — 
Ganzen. Eben darum beachtete der Kurfürst ihren Wider- 
spruch nicht. 
Dagegen suchte er auf alle Weise die Wunden, die der Dreißig- 
jährige Krieg dem Lande geschlagen, zu heilen und Wohlstand 
und Bildung zu befördern. Er berief in die verödeten Bauern- 
höfe Kolonisten aus Friesland, Holland und der Schweiz, er- 
leichterte es jungen Anfängern im Handwerk Meister zu werden, 
legte zur Hebung des Handels Straßen und Kanäle an (den 
Friedrich-Wilhelms-Kanal bei Müllrose zwischen Oder und 
Spree 1662—1668), führte die Post ein, die nun (seit 1649) 
sein Reich von Memel bis Kleve verband. Um die geistigen 
Kräfte seines Volkes zu wecken und zu pflegen, stellte er die halb- 
verwüsteten Schulen wieder her, gründete auch (1655) eine refor- 
mierte Universität zu Duisburg und in Berlin die jetzt könig- 
liche Bibliothek. Viele niederländische Künstler zog er ins Land, 
damit sie den Glanz seines Hofes erhöhten und in den Märkern 
Liebe zum Schönen entzündeten. Bei allen diesen Bemühungen 
für Ackerbau, Gewerbe und Handel, Wissenschaft und Kunst 
half ihm als einsichtiger Ratgeber der Oberpräsident Otto 
von Schwerin. Aber das Meiste und Beste that der Kurfürst 
selber; er regierte persönlich, gleichsam als die Seele des Staa- 
tes, und seine Arbeitsamkeit war unermüdlich. 
§ 35. Dabei beobachtete er aufmerksam rings die Welt- 
händel, um für seinen Staat Schaden zu vermeiden und Vor- 
teil zu gewinnen. Als im Jahre 1654 zwischen dem kriegs= und 
eroberungslustigen Könige Karl X. Gustav von Schweden 
und dem polnischen Könige Johann Kasimir ein Krieg ausbrach, 
und beide Teile sich um den Beistand des Kurfürsten bewarben, 
wollte dieser anfangs neutral bleiben, damit seine Hilfe im Preise 
steige. Aber Karl X. führte den Krieg gegen Polen mit solchem 
Glück, daß er den Kurfürsten nötigen konnte (im Königsberger 
Vertrage, Januar 1656) statt der polnischen die schwedische 
Lehnshoheit über Preußen anzuerkennen. Bald erhoben sich in- 
des die Polen wieder, und nun konnte Brandenburg den Aus- 
schlag geben. Der Kurfürst schloß zu Marienburg (Juni 1656) 
mit Karl X. ein Bündnis, wonach ihm für den Fall, daß Polen 
erobert würde, der souveräne Besitz der Woiwodschaften Posen 
und Kalisch zustand. Vergebens drohten die Polen „den unge- 
4
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        — 52 — 
treuen Vasallen mit Stumpf und Stiel auszurotten“, der Kur- 
fürst vereinigte seine Truppen (8600 Mann) mit denen des Schwe- 
denkönigs (9000 Mann); die beiden rückten vor Warschau und 
besiegten hier in einer dreitägigen Schlacht vom 28.—30. Juli 
1656 n. St. 40 000 Polen und Tataren, wobei die Tapferkeit 
der Brandenburger und die Kriegskunst ihrer Führer, besonders 
Sparrs, den Ausschlag gaben. Nachdem aber die Sieger trium- 
phierend in Warschau eingezogen waren, hielt der Kurfürst inne, 
und obwohl ihm Karl X. im Vertrage zu Labiau (November 
1656) die volle Landeshoheit im Herzogtum Preußen bewilligte, 
so unterstützte er jenen doch nur wenig, weil nun auch der Kaiser, 
Dänemark, Holland und Rußland gegen Schweden auftraten, und 
besonders weil er nicht wollte, daß letzteres ihm allzu mächtig 
werde. Vielmehr vertrug er sich (September 1657) zu Wehlau 
mit Polen dahin, daß Preußen von der polnischen Lehns- 
hoheit befreit und für ein unabhängiges (souveränes) Her- 
zogtum erklärt wurde. Außerdem nötigte er die Polen (im 
Bromberger Vertrage November 1657) ihm die Herrschaften 
Lauenburg und Bütow abzutreten und Elbing und Draheim 
zu verpfänden. Dagegen bekämpfte er, nun mit Polen, Oster- 
reich, Holland, Dänemark im Bunde, die Schweden, die fast ganz 
Dänemark erobert hatten, auf das nachdrücklichste; 1659 setzten 
verbündete Truppen auch nach Fühnen über und besiegten hier 
die Schweden bei Nyborg. Nach dem plötzlichen Tode Karls X. 
ward zu Kloster Oliva bei Danzig am 3. Mai 1660 ein Frie- 
den abgeschlossen, in welchem niemand etwas gewann außer dem 
Kurfürsten, dem alle Teile die Verträge von Labiau, Wehlau, 
Bromberg bestätigten. So hatte er durch kluge Staatskunst und 
mit dem Schwerte seinem Hause in Preußen die Souveränität 
erworben und dadurch seinen Staat dem Ziele, Deutschlands 
Vormacht zu werden, um einen großen Schritt näher gebracht. 
§ 36. Sein hoher Rang verstärkte sein Selbstbewußtsein. 
Er kümmerte sich immer weniger um die alten Rechte der 
Stände, sondern legte nun erst recht willkürlich schwere 
Steuern auf. Dagegen empörten sich 1661 die preußischen 
Stände; das Haupt der Mißvergnügten war der Königsberger 
Schöppenmeister Hieronymus Rode, ein kühner, tatkräftiger 
Mann. Städte und Adel verlangten, der Kurfürst solle ihre
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        — 53 — 
Rechtsbriefe unverletzt lassen, und besonders, er solle nicht auf 
eigne Faust Steuern erheben. Sie baten den König von Polen, 
sie wie früher bei ihren Freiheiten zu schützen, und schickten sich 
an, Gewalt mit Gewalt abzuwehren. Aber der Adel ließ die 
Städte im Stich, und Rodes Wirkeifer teilten die wenigsten; 
so konnte der Kurfürst, als er 1662 selbst nach Königsberg kam, 
sich Rodes Person bemächtigen (den er in lebenslänglicher Haft, 
zuletzt in der Festung Peitz, hielt) und die Königsberger zur 
Unterwerfung zwingen. Nachdem er dann den Ständen ihre 
alten Privilegien bestätigt, empfing er (18. Oktober 1663) ihre 
feierliche Huldigung. Trotz seines Versprechens band er sich indes 
doch nicht an die Verfassung und regierte unumschränkt. Die 
Umtriebe, die der preußische Oberst von Kalckstein deshalb 
gegen ihn anspann, erstickte er mit Gewalt, indem er denselben 
durch seinen Gesandten in Warschau greifen und nach Preußen 
schaffen ließ, wo Kalckstein 1672 als Hochverräter hingerichtet 
wurde. 
So zwang der Große Kurfürst auch in allen andern Dingen, 
wo die Untertanen zum Schaden des Ganzen veraltete Satzungen 
geltend machten, oder ihre Freiheit zur Sondersucht ausartete, 
ihnen seinen Willen auf. Er verletzte die Zunftgesetze, die 
den Eintritt in ein Gewerk erschwerten und ganze Klassen als 
„unehrlich“ ausschlossen; er nahm 1661 die Socinianer in Preu- 
ßeen, 1670 die Juden in die Mark auf. Das gegenseitige Ver- 
ketzern der verschiedenen christlichen Bekenntnisse duldete er nicht; 
er befahl den Predigern, sich jeder Schmähung Andersgläubiger 
auf der Kanzel zu enthalten, und als einige Geistliche, darunter 
der fromme Liederdichter Paul Gerhardt in Berlin, die Frei- 
heit des Predigtamtes in keiner Weise durch den Fürsten be- 
schränken lassen wollten, setzte er sie ab (1665). Daß er aber 
religiöse Duldung nicht aus Gleichgiltigkeit, sondern um der nöti- 
gen Eintracht willen forderte, bewies der Kurfürst, indem er 
den ihm 1667 angetragenen polnischen Thron ablehnte, weil er 
dann hätte katholisch werden müssen. 
§+ 37. Während Friedrich Wilhelm überall im Staate das 
morsche Alte umhieb und seiner neuen Pflanzung Luft und Licht 
schaffte, zog wieder ein schweres Kriegswetter über Deutschland 
herauf. König Ludwig XIV. von Frankreich, der mächtigste
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        — 54 — 
Fürst seiner Zeit, setzte sich die Unterjochung aller Nachbarstaaten 
zum Ziele, und da diese klein oder in schlechter Verfassung wa- 
ren, so drohte allen Beraubung und Knechtschaft. Da warf sich 
ihm der Große Kurfürst entgegen. Als 1672 Ludwigs Heere 
Holland eroberten, und die andern Fürsten still saßen, sprach 
Friedrich Wilhelm rasch entschlossen: „Wenn des Nachbars 
Haus brennt, gilt's dem eigenen und was neutral zu sein 
ist, habe ich schon vor diesem erfahren; man wird dabei allemal 
übel traktiertet. Ich habe auch verschworen, mein lebe- 
lang nicht neutral zu sein, und würde mein Gewissen damit 
beschweren.“ Mit 17.000 Mann eilte er an den Rhein, und 
die Franzosen mußten Holland fahren lassen. Jetzt kamen auch 
die österreichischen Truppen herbei, hemmten aber (nach dem ver- 
räterischen Befehl des Kaisers Leopold) die Tätigkeit des Kur- 
fürsten, weshalb dieser, zumal auch die Holländer ihm die ver- 
sprochenen Hilfsgelder nicht zahlten, mit Frankreich Frieden schloß 
(zu Vossem 1673). Die furchtbare Verwüstung der Pfalz durch 
die Franzosen brachte indes den Kurfürsten abermals gegen 
Ludwig XIV. ins Feld. Nachdem er sich mit dem Keiser, 
Spanien und Holland verbündet, erschien er 1674 wieder mit 
seinem Heere am Rhein. Um sich seiner zu entledigen, hetzte 
ihm nun Ludwig die Schweden ins Land; im Dezember 1674 
fielen sie aus Vorpommern in die Mark ein und verheerten die- 
selbe furchtbar. Zusammenrottung der Bauern gegen sie („Wir 
sind Bauern von geringem Gut Und dienen unserm Kurfürsten 
mit unserm Blut“) nützte wenig; der Kurfürst selber mußte helfen. 
Anfang Juni 1675 eilte er plötzlich aus seinen Quartieren in 
Franken herbei. Mit 5600 Reitern und 1200 erlesenen Fußsol- 
daten, die auf Wagen fortgeschafft worden, stand er in der Nacht 
zum 25. Juni (15. Juni a. St.) unerwartet vor Rathenow, 
überfiel die schwedische Besatzung der Stadt, durchbrach mit die- 
sem glücklichen Handstreich die schwedische Armee an der Havel, 
ereilte am 28. Juni (18. Juni a. St.) bei Fehrbellin am Rhin 
die feindliche Hauptmacht (11 000 Mann unter General Wran- 
gel) und schlug sie in einer heißen Schlacht völlig. Des Land- 
grafen Friedrich von Hessen-OHomburg „mit dem silbernen Bein“ 
Ungestüm und Derfflingers Umsicht waren hervorstechende Ver- 
dienste, der Heldenmut vom Kurfürsten bis zum letzten Fußknecht 
allgemein. (Sage von Froben.)
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        — 55 — 
Nachdem er so sein Land errettet, brach der Kurfürst in Vor- 
pommern ein, eroberte hier eine Feste nach der andern, 1677 
auch Stettin, 1678 Stralsund, jagte dann, als die Schwe- 
den von Livland her in Preußen einfielen, mitten im Winter 
ihnen auch dort nach, zum Teil über das gefrorene Frische 
Haff (25. Januar 1679) und über das Kurische (29. Januar); 
nur wenige entrannen ihm. Aber aus Neid und Selbstsucht 
ließen ihn der Kaiser und die deutschen Fürsten im Stich, 
schlossen mit Frankreich einen Frieden (zu Nimwegen 1678), nach 
welchem Schweden die verlorenen Länder wiedererhalten sollte, 
und da Friedrich Wilhelm allein es mit der Ubermacht Lud- 
wigs XIV. nicht aufnehmen konnte, so mußte er im Vertrage 
zu St. Germain en Laye (1679) den Schweden Vorpommern 
wieder zurückgeben. So bestand der Gewinn dieses siegreichen 
Feldzuges nur in der Ehre; aber Brandenburgs Ruhm erhöhte 
nicht wenig dessen Einfluß und Geltung in der Welt. Selbst 
der Zar der Moskowiter und der Chan der Tataren bewarben 
sich um des Großen Kurfürsten Freundschaft. 
§ 38 Die Treulosigkeit und Undankbarkeit seiner Verbün- 
deten, besonders des Kaisers Leopold, der auch beim Aussterben 
der Herzöge von Liegnitz, Brieg und Wohlau 1675 deren Län- 
der, ohne Rücksicht auf die brandenburgischen Erbansprüche, ein- 
zog, erbitterten den Kurfürsten so, daß er 1682 mit Frankreich 
einen Freundschaftsvertrag einging. Doch dauerte dieser Bund 
nicht lange. Um Deutschlands und der Protestanten willen trat 
Friedrich Wilhelm bald davon zurück, weil Ludwig fortfuhr, 
beide zu kränken. 1685 hob derselbe das Edikt von Nantes 
auf, welches die französischen Reformierten (Hugenotten) bis- 
her geschützt hatte, und verfolgte alle, die nicht katholisch werden 
wollten, verbot ihnen sogar die Auswanderung. Da erließ 
Friedrich Wilhelm eine öffentliche Bekanntmachung (November 
1685), worin er die französischen Protestanten einlud, sich vor 
ihrem Verfolger in sein Land zu retten, und ihnen Schutz und 
Unterstützung jeder Art verhieß. Es kamen ihrer 20 000, flei- 
ßige, geschickte und gebildete Leute, die sich in den brandenbur- 
gischen Staaten und besonders in der „Französischen Kolonie“ 
zu Berlin ansiedelten. 
Um auf die Dauer Europas religiöse und politische Freiheit
        <pb n="59" />
        — 56 — 
vor Frankreichs Übermacht zu schützen, schloß der Große Kurfürst 
mit seinem Neffen, dem Statthalter von Holland, Prinzen 
Wilhelm von Oranien, einen Bundesvertrag, in welchem er 
ihm zur Vertreibung des katholischen Königs Jakob II. Stuart 
von England brandenburgische Hilfstruppen versprach. So unter- 
stützt, konnte Wilhelm 1688 sich auf den englischen Thron 
schwingen, was sein Oheim freilich nicht mehr erlebte. 
Mit dem Kaiser schloß der Kurfürst 1686 zur Sicherung 
Deutschlands, von welchem Ludwig XIV. die Pfalz abzureißen 
trachtete, einen Allianzvertrag, entsagte auch gegen Abtretung des 
Kreises Schwiebus seinen Ansprüchen auf die schlesischen Herzog- 
tümer und schickte ihm 7000 Mann Hilfstruppen nach Ungarn. 
Dort kämpften diese unter General v. Schöning mit großem 
Ruhm gegen die Türken, von denen die Brandenburger wegen 
ihrer Tapferkeit Feuermänner genannt wurden. Der Wiener 
Hof aber bewies dem Hause Hohenzollern immer wieder schnöde 
Undankbarkeit. Friedrich Wilhelms Jugendgemahlin, die fromme 
Luise Henriette von Oranien (Tochter des holländischen Erb- 
statthalters Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien), im Andenken 
geblieben auch durch das von ihr gestiftete (Oranienburger) 
Waisenhaus, war ihm nach einundzwanzigjähriger, glücklicher Ehe 
1667 gestorben, und er hatte dann eine holsteinische Prinzessin 
Dorothea geheiratet. Als er nun 1686 in einem Testament sei- 
nen Söhnen zweiter Ehe einige Landesteile zu erblichem Besitz 
(wenn auch im Grunde nur als Statthalterschaften) bestimmte und 
dies vom Kaiser bestätigen ließ, wußte letzterer den Unwillen des 
Kurprinzen über das Testament zu benutzen und veranlaßte den- 
selben zu einer heimlichen Verzichtleistung auf Schwiebus. Da- 
gegen versprach er ihm, jene nachteilige Verfügung später nicht 
aufrecht zu halten. 
In der inneren Verwaltung des Staates schritt der 
Kurfürst immer auf demselben Wege weiser Staatskunst fort. 
Zum Unterhalt des kostspieligen Heeres, des prächtigen Hofhalts 
und der zahlreichen Beamtenschaft mußte das Land regelmäßig 
und stark besteuert werden. Aber der Kurfürst war auch uner- 
müdlich, dem Nährstand immer neue Erwerbszweige (z. B. Tabaks- 
spinnerei und selbst Tabaksbau) zu stiften und die alten zu pfle- 
gen. Er trieb überall zu Fleiß und Ordnung; er befahl z. B., 
kein Bauer dürfe heiraten, der nicht wenigstens 6 Obstbäume
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        — 57 — 
veredelt und 6 Eichen gepflanzt. Er brachte mit Hilfe der ein— 
gewanderten Franzosen die Gewerbe, mit Hilfe der Holländer 
(Raule) den Seehandel empor. Sein Staat sollte auch eine 
Seemacht werden; daher gründete er eine kleine Kriegsflotte, 
mit der er 1681 gegen Spanien, das ihm rückständige Hilfsgelder 
vorenthielt, einen Seekrieg unternahm (Gefecht am Kap St. Vin- 
cent). Auf der Goldküste in Guinea und auf Arguin in Sene- 
gambien ließ er eine brandenburgische Niederlassung anlegen 
(1683 Großfriedrichsburg); er empfing dorther huldigende 
Negerhäuptlinge. An der Nordsee faßte er 1682 durch Besetzung 
von Emden Fuß, wohin ihn die ostfriesischen Stände gegen ihre 
Fürstin zu Hilfe gerufen. 
Nach 48jähriger, unausgesetzter Arbeit für das innere und 
äußere Gedeihen des Staates starb der Große Kurfürst am 9. Mai 
1688 (an der Wassersucht). Er hat die hohenzollerischen Staa- 
ten, die er verwüstet und ohnmächtig überkam, zu einem einigen, 
aufblühenden, starken Staate gemacht und demselben den Schutz 
Deutschlands und des Protestantismus als Aufgabe gesetzt; er 
hat des Landes Umfang und Bevölkerung fast um die Hälfte 
lauf 2015 Quadratmeilen und 1⅛ Millionen Einwohner), die 
Einkünfte um das Vierfache (auf 2½ Million Taler) vermehrt, 
ein berühmtes Heer errichtet (28 000 Mann) und eine durch 
Absolutismus und Souveränität starke Monarchie geschaffen. 
Dafür heißt er mit Recht der Große. 
Der Dreißigjährige Krieg, in welchem Deutschland etwa zwei 
Drittel seiner Bevölkerung und den größten Teil seines leiblichen 
und geistigen Wohlstandes verlor und hinter die andern Kulturvölker 
zurückkam, hatte am schwersten die untern Stände getroffen. Der 
Bauer, in der Mark einst frei, kam nun meist in die Knechtschaft 
des Adels, der jetzt durch „Bauernlegung“ die Einbußen ersetzte, 
welche die Reformation ihm durch Beseitigung vieler Pfründen 
zugefügt. Der „Junker" kaufte die verarmten Bauern aus, riß 
wüste Höfe an sich, siedelte arme Leute als Leibeigene an und übte 
fast überall durch Setzschulzen oder persönlich im Dorfe die Po- 
lizei und das Untergericht aus (Patrimonial-Gerichtsbarkeit). Mehr 
als je wälzte er die Hauptlast der Staatsabgaben auf den Bauer.
        <pb n="61" />
        Auch in den Städten schoben die großen und privilegierten 
Besitzer (besonders der Rat) die meisten Lasten dem ärmeren 
Bürger zu, den sie doch an die mittelalterlichen Zunftschranken 
gefesselt hielten. 
Die ständischen Rechte bestanden also größtenteils in der Aus- 
beutung der Masse des Volks durch wenige Privilegierte. Die 
ständischen Pflichten aber, zumal zur Landesverteidigung, hatten 
sich als ganz ungenügend erwiesen. Darum war die Aufrichtung 
des Absolutismus nötig und heilsam, um alle Untertanen in 
gleichmäßiger und gerechter Verteilung der Lasten dem Ganzen 
dienstbar zu machen. Er war es auch, um die zerstörte Kultur 
wieder herzustellen. Der Monarch mußte das Volk erst wieder 
zu Ordnung, Zucht und Fleiß erziehen; nur mit Gewalt konnte 
der Große Kurfürst, selbst in Berlin, die nötigsten gemeinnützigen 
Anstalten ins Leben führen (Straßenpflaster, Feuerlösch-, Reini- 
gungs-, Laternen-Ordnung und dergl.). 
Gewerbe und Handel waren so herabgekommen, daß sie von 
selbst nicht wieder aufblühen und mit der ausländischen Industrie 
wetteifern konnten; daher mußte der Staat für die Einzelnen 
eintreten, der Fürst bevormundend die Tätigkeit des Volkes lei- 
ten. Des Großen Kurfürsten von Frankreich (Colbert) entlehntes 
Merkantilsystem brachte durch Errichtung privilegierter Fa- 
briken, Einführung fremder Industriezweige, Schutz-Zolltarife, 
Ein= und Ausfuhrverbote und Herstellung wirksamer Verkehrs- 
anstalten (Post, Land= und Wasserstraßen) den Gewerbfleiß und 
Handel wieder in Schwung und Geld in die Staatskassen. 
Da das westliche Europa in der Kultur weit voranstand, so 
hatte die Einwanderung von dort für den Staat die günstigsten 
Folgen. Besonders die französischen Reformierten gaben den Ein- 
geborenen ein gutes Beispiel rühriger und geschickter Industrie; 
sie führten auch den Grundsatz der Arbeitsteilung ein. Ein 
Piemontese (Philipp von Chieze) baute den Friedrich-Wilhelms- 
Kanal; ein Holländer (Benjamin Raule)h schaffte die Flotte her- 
bei und leitete Marine= und Koloniewesen. Auch in der Kunst 
herrschte der holländische Geschmack. 
Das durch den Dreißigjährigen Krieg gebrochene deutsche Natio- 
nalgefühl erhielt bei Fehrbellin die erste Genugtuung; aber durch 
die undeutsche Politik des Kaisers und der andern auf Branden- 
burg eifersüchtigen deutschen Fürsten (im Frieden zu Nimwegen) 
wieder zu Boden geworfen, verkümmerte es völlig. So duldete 
das zwiespältige Reich die „Reunionen“ Ludwigs XIV., sogar den 
Raub Straßburgs (1681). Die Ausländerei, besonders das 
Franzosentum, beherrschte auch die Mode und verdarb die Sprache
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        (Kauderwelsch). Dagegen stemmten sich die Schlesische Dichter- 
schule (Martin Opitz, geboren 1597, gestorben 1639, Andreas 
Gryphius 1616—1664, Friedrich von Logau 1604—1655) 
und die Königsberger (Simon Dach),. Wertvolle Erzeugnisse 
der deutschen Litteratur jener Zeit waren nur das evangelische 
Kirchenlied (Paul Gerhardt) und die philosophischen Werke des 
Mystikers Jakob Böhme in Görlitz (1575—1624). 
Bei dem Verfall des deutschen Lebens war die Gründung des 
brandenburgisch-preußischen Staates die Rettung der deutschen 
Nation. 
Kurfürst Friedrich III. (später König Friedrich I.) 
1688—1713. 
§ 39. Von den drei Söhnen Friedrich Wilhelms aus der 
Ehe mit Luise von Oranien überlebte ihn nur der mittlere, 
Friedrich (geb. 1657 zu Königsberg). Dieser Prinz hatte einen 
schwächlichen, etwas verwachsenen Körper und stand auch an 
Geistesgaben seinem großen Vater nach; er liebte den Glanz und 
Prunk, und seine Gutmütigkeit war leicht zu mißbrauchen. Doch 
war er auch ein thätiger Freund der Künste und Wissenschaften, 
und sein Ehrgeiz hat den Staat erhöhen helfen. 
In den ersten Jahren seiner Regierung gab er sich der 
Leitung seines Jugendlehrers, des edlen und klugen Eberhard 
von Danckelman, hin, der nun als Oberpräsident den Staat 
geschickt und redlich verwaltete. Aber Danckelmans schroffes 
Wesen und die Vorwürfe, die er dem Kurfürsten über dessen 
verschwenderische Hofhaltung machte, verletzten diesen so, daß er 
ihn auf unbegründete Beschuldigungen hin 1697 absetzen und 
ins Gefängnis werfen ließ. Sein Günstling ward nun der un- 
würdige Kolbe v. Wartenberg, ein Höfling, der sich und 
seine Anhänger auf Kosten des Staates bereicherte und die Ge- 
schäfte vernachlässigte. 
Als Friedrich III. den Thron bestieg (zu dessen Vorteil er 
unter Entschädigung seiner Stiefbrüder das Testament seines 
Vaters unvollzogen ließ), wurden Deutschland und die protestan- 
tische Religion von Ludwig XIV. schwer bedroht. Die Fran- 
zosen verwüsteten die Pfalz und bekämpften Wilhelm von 
Oranien (nun König von England) durch einen Einfall in 
Holland. Der Kurfürst, deutschgesinnt und mutvoll, stellte sich
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        — 60 — 
wie sein Vater wieder zuerst vor den Riß, führte 1689 sein 
Heer nach dem Niederrhein, erstürmte Bonn und blieb auch 
in der Folge während des ganzen Krieges, den Deutschland, 
Holland, England, Spanien gegen die raubsüchtigen Fran- 
zosen führten, deren eifrigster Feind. Auch gegen die Türken 
schickte er dem Kaiser Hilfstruppen, die zu den Siegen bei 
Salankemen (1691) und Zenta (1697) das meiste beitrugen. 
Aber die Uneinigkeit seiner Verbündeten und die Selbstsucht des 
Kaisers machten Friedrichs patriotische Hingebung fruchtlos; im 
Frieden zu Ryswick (1697) behielt Ludwig das Elsaß. 
§ 40. Dennoch fuhr Friedrich III. fort, dem österreichischen 
Hause die wichtigsten Dienste zu leisten; er sagte dem Kaiser auch 
für den drohenden Spanischen Erbfolgekrieg ein Hilfsheer von 8000 
Mann zu. Dagegen versprach ihm dieser (im Wiener Kron- 
traktat 1700), ihn als König in Preußen anzuerkennen, falls er 
sich dazu kröne. Denn das war des Kurfürsten glühendster Wunsch, 
seit der Prinz von Oranien (1688) die englische, der Kurfürst 
von Sachsen (1697) die polnische Krone erhalten hatte. Er 
wollte keinem an Würde und Ehre nachstehen. Da er nun im 
Herzogtum Preußen souverän, in den andern Provinzen aber 
(wenigstens formell) von Kaiser und Reich abhängig war, so 
knüpfte er die neue Würde an jenes Land. Nachdem er sich 
am 15. Januar 1701 in Königsberg hatte zum „König in 
Preußen“ ausrufen lassen und am 17. zum Andenken daran 
den Ritterorden des schwarzen Adlers gestiftet (mit dem Wahl- 
spruch Zuum cuique, Jedem das Seine), geschah am 18. mit 
unerhörter Pracht die Krönung; zum Zeichen, daß er keinem 
auf Erden die königliche Würde danke, sondern sie sich selbst ge- 
geben, setzte er selbst sich und seiner Gemahlin (Sophie Char- 
lotte) die Krone auf. Alle hohenzollerischen Untertanen erhielten 
damit den gemeinsamen Preußennamen, dieselbe schwarz- 
weiße Fahne und fühlten sich um so leichter als eigne und 
einige Nation; der junge hohenzollerische Staat aber strebte, 
seit er den anspornenden Titel Königreich trug, um desto eifriger 
zur Größe. 
5J 41. Die Erhebung Preußens zum Königreich war 
eine große Tat; denn sie fügte zur inneren Einheit des 
Staates die äußerliche (in Namen und Abzeichen); und indem
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        — 61 — 
dadurch allen Untertanen die gleiche Staatsangehörigkeit zum 
Bewußtsein kam, bildete sich in ihnen desto schärfer eine eigene 
Nationalität, die preußische, aus. Auch wurde mit dem König- 
reich jetzt leichter der ganze Staat souverän, und die Unterordnung 
der deutschen Lande Hohenzollerns unter das Kaiserhaus Habs- 
burg hörte tatsächlich auf. 
Eine glorreiche Feuertaufe erhielt die schwarzweiße Königs- 
fahne im Spanischen Erbfolgekriege; jene Siege trugen viel dazu 
bei, daß die Staatsangehörigen die neue Nationalität mit Stolz 
empfanden. 
Für Herrscher und Volk war zugleich ein neuer und scharfer 
Sporn zum Fortschritt gegeben; sollte Preußen mit Ehren ein 
Königreich sein, so mußte es an Macht und Tüchtigkeit wachsen. 
Zu derselben Zeit erhielt es durch den Abfall der kursächsischen 
Wettiner vom evangelischen Glauben (1697) mehr als je den 
Beruf, als Haupt und Hort der Protestanten in Deutsch- 
land aufzutreten. Friedrich I. war dieser Aufgabe wert; er nahm, 
wie sein Vater, verfolgte Glaubensgenossen (besonders Franzosen 
und Pfälzer) bei sich auf und zeigte auch den freisinnigsten 
Gelehrten (Pufendorf, Thomasius) eine großherzige Libe- 
ralität. 
IV. Von der Erhebung Preußens zum Königreich 
bis zur Thronbesteigung Friedrichs des Großen, 
1701—1740. 
Friedrich I. (als König) 1701—1713. 
#*— 42. Nachdem der Kaiser, das vornehmste Haupt der 
christlichen Welt, die preußische Königswürde anerkannt, thaten 
es ohne Zögern auch die meisten andern Fürsten; nur der Papst 
protestierte heftig und verstummte erst, als preußische Truppen 
(1705) gegen den Kirchenstaat zogen. Denn in Jtalien, wie in 
Deutschland und Belgien, ließ König Friedrich I. während des 
ganzen Spanischen Erbfolgekriegs (1701—1713) sein Heer
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        — 62 — 
für die österreichischen Habsburger gegen das Haus Bourbon 
kämpfen, welches sich beim Erlöschen der spanischen Habsburger 
in den Besitz der Erbschaft gesetzt hatte. Auch die Seemächte, 
England und Holland, halfen dem Kaiser gegen Ludwig XIV., 
und die Franzosen erlitten durch den englischen General Marl— 
borough und den kaiserlichen Feldherrn Prinzen Eugen von Sa- 
voyen viele schwere Niederlagen. In allen Hauptschlachten aber 
fochten die Preußen, zumeist unter dem jungen Kriegshelden 
Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau (geb. 1676), mit hohem 
Ruhme; ihnen größtenteils verdankte man den Sieg bei Höch- 
städt und Blenheim (1704) über Franzosen und Bayern und die 
ebenso glänzenden Siege über die Franzosen bei Ramillies und 
bei Turin (1706), bei Oudenarde (1708), bei Malplaquet 
(1709). Die Uneinigkeit der Verbündeten rettete jedoch Frank- 
reich abermals. Der Friede zu Utrecht 1713 (nach Friedrichs I. 
Tode) verschaffte dem Kaiser nur einen Teil des spanischen Er- 
bes (Belgien, Neapel und andere italienische Länder), dem Kö- 
nigreich Preußen aber die allgemeine Anerkennung seiner Würde 
und den Besitz von Ober-Geldern (an der Maas). 
Friedrich selbst erwarb 1695 vom Kaiser (nachdem er ihm 
Schwiebus abgetreten) die Anwartschaft auf das Fürstentum 
Ostfriesland, 1698 von Kursachsen durch Kauf Quedlinburg 
und Nordhausen, 1703 von Polen als verfallenes Pfand das 
elbingische Landgebiet, aus der oranischen Erbschaft (ihm 
zustehend als nächstem männlichen Verwandten Wilhelms III. 
von Oranien) 1702 Lingen und Mörs und 1707 Neuschatel 
und Valengin, durch Kauf 1707 die Grafschaft Tecklenburg. 
§ 43. Die langen Kriege vermehrten zwar den Ruhm, 
aber auch die Last der Nation; denn das stehende Heer betrug 
mindestens 30 000 Mann, oft mehr, und daneben ward noch 
eine Art Landwehr (Miliz) eingerichtet; auch der glänzende Hof- 
staat kostete dem Lande schwere Opfer; dazu kam eine Pest 
(1709—1711), die in Ostpreußen mehr als 200 000 Menschen, 
ein Drittel der Bevölkerung, hinraffte. Um so weniger waren 
die großartigen Prachtfeste zu billigen, in denen Friedrich es dem 
Versailler Hofe Ludwigs XIV. gleich zu tun suchte. Verdienst- 
voll waren seine Bemühungen für Kunst und Wissenschaft. 
Er gründete 1692 die lutherische Universität Halle, die an dem
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        — 63 — 
gelehrten Professor Thomasius und dem frommen Prediger 
Francke die ausgezeichnetsten Pfleger erhielt. 
August Hermann Francke (1663 zu Lübeck geboren, ge- 
storben 1727 zu Halle) ist weltberühmt durch seine Stiftungen 
des Gottvertrauens und der Menschenliebe; ohne Geld, nur durch 
Almosensammeln gründete er in Halle eine Armenschule, aus 
dieser ein Pädagogium und Waisenhaus (1698), dazu ein 
Lehrerseminar, eine Töchterschule, ein Krankenhaus, ein Witwen- 
hospital; alles zum Zweck des geistigen und leiblichen Wohls 
armer Christen. Der ihm am meisten gab, war der edle Frei- 
herr von Canstein, welcher auch zur Verbreitung der Bibel 
unter den Armen die „Cansteinsche Bibelanstalt des halleschen 
Waisenhauses“ gründete. 
Weniger Fortgang hatte anfangs die Societät (Akademie) 
der Wissenschaften, die Friedrich nach dem Plane des Philo- 
sophen Leibniz (1700) in Berlin errichtete. Auch für die 
Künste ward (1699) eine Akademie in Berlin gestiftet; sie blüh- 
ten besonders durch die berühmten Meister Schlüter (Schöpfer 
der Reiterstatue des Großen Kurfürsten und zum Teil des König- 
lichen Schlosses in Berlin) und Eosander von Göthe. 
Dicht= und Tonkunst und Weltweisheit wurden am meisten 
von Friedrichs zweiter Gemahlin, Sophie Charlotte, gepflegt. 
Diese geistvolle und feingebildete Fürstin (geboren 1668 als 
hannöversche Prinzessin, gestorben 1705) sammelte in ihrem 
Schloß zu Lützow (Charlottenburg) Denker und Künstler um 
sich und regte durch ihr Beispiel die höheren Kreise zu feiner 
Sitte und wissenschaftlichen Neigungen an. 
Friedrich Wilhelm I. (1713—1740). 
*s 44. Friedrichs I. und Sophie Charlottens Sohn Fried- 
rich Wilhelm (am 15. August 1688 in Berlin geboren) hatte 
weder des Vaters Neigung zu Pracht und Förmlichkeit, noch 
der Mutter Sinn für Kunst und höhere Wissenschaft; er achtete 
nur das handgreiflich Nützliche und beurteilte es nach seinem 
gesunden Menschenverstand. Von Sitten rauh und derb, von 
Charakter gerad und stark, setzte er rücksichtslos seinen Willen 
durch, und da er ein heftiges Temperament hatte, so schaltete er 
als ein Despot, aber zum Vorteil des Staates.
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        — 64 — 
Als er König geworden, schaffte er sofort die ganze Pracht 
des Hofhalts ab und richtete ihn einfach bürgerlich ein. Spar- 
samkeit war die Losung. Wenn der kleine preußische Staat 
etwas bedeuten sollte, so mußte er viel Soldaten und Geld 
haben. Darum trieb der König das Volk zum Arbeiten und 
Sparen, wie er selbst tat. „Räsonnier Er nicht!“ fuhr er 
den an, der nicht unbedingt gehorchte, oder er prügelte gar 
drauf los. 
Mit Leib und Seele war er Soldat; rastlos verbesserte und 
vermehrte er seine Truppen; er hat das Heer bis auf 83000 
Mann gebracht. Sein Feldmarschall, der „Alte Dessauer“, 
half ihm durch Erfindung des eisernen Ladestocks und des Gleich- 
schritts, sowie durch unausgesetztes Exerzieren und sehr harte 
Zucht, es zu dem bestgeschulten in der Welt zu machen. Unter 
seinen „Blauen Kindern“ liebte Friedrich Wilhelm am meisten 
die „Langen Kerle“ und schaffte solche durch unmäßige Geld- 
summen oder auch mit Gewalt herbei. 
Da sich nicht genug Leute zum harten Soldatenstande an- 
werben ließen, führte der König 1733 das Kantonsystem ein; 
danach erhielt jedes Regiment einen Bezirk (Kanton) im Lande 
zugewiesen, wo es nach Bedarf die junge Mannschaft ausheben 
durfte. Doch waren die höheren Stände und die Reichen aus- 
genommen, ebenso die einzigen Söhne oder die ihres Vaters 
Wirtschaft übernehmen wollten. 
§ 45. Friedrich Wilhelm war ein vortrefflicher Haushalter 
und brachte die ganze Verwaltung in die genaueste Ordnung. 
Durch Wind und Wetter fuhr er im Lande umher, sah überall 
seinen Beamten scharf auf die Finger, und damit die Geschäfte 
in einen und denselben regelmäßigen Zug kämen, setzte er (1723) 
über alle Kriegs= und Finanzsachen eine Oberbehörde, das Gene- 
raldirektorium, dessen Aufseher er selber war. — Von alters- 
her waren die Lehngüter steuerfrei; dies Vorrecht hob der König 
1717 auf, und als die Ritterschaft murrte, und ein Graf Dohna 
in einer französisch abgefaßten Beschwerdeschrift den Ruin des 
Landes prophezeite, antwortete Friedrich Wilhelm spottend: „Tout 
le pays Ssera ruiné? Nihil Kredo, aber das Kredo, daß die 
Junkers ihre Autorität wird ruiniert werden.“ „Ich stabiliere“, 
hatte er schon vorher geäußert, „die Souveraineté wie einen 
Rocher de Bronce.“
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        — 65 — 
Den Wohlstand und die Leistungsfähigkeit des Volks erhöhte 
er im allgemeinen dadurch, daß er es zu Fleiß und Mäßigkeit 
anhielt, im besonderen durch seine Sorge für Ackerbau und 
Gewerbe. Eine Menge fremder Ansiedler zog er in die wüst 
liegenden Teile des Landes. Als der Salzburger Erzbischof 
Firmian seine lutherischen Untertanen schwer bedrückte, drohte 
Friedrich Wilhelm, dafür die Katholiken in Preußen ebenso zu 
behandeln, und zwang dadurch den Erzbischof, die protestan- 
tischen Salzburger auswandern zu lassen. Ihrer 18 000 
gingen im Jahre 1732 auf Friedrich Wilhelms Einladung nach 
dem ostpreußischen Litauen, wo ihnen der König um Memel, 
Tilsit, Gumbinnen Höfe anwies und Kirchen und Schulen baute; 
er nötigte auch den Erzbischof, ihnen den Erlös ihrer salzbur- 
gischen Güter nachzuschicken (4 Millionen Gulden). Er selbst 
gab Millionen her für diese und ähnliche Kolonieen; als er starb, 
waren in Ostpreußen und Litauen, welches letztere er fast ver- 
ödet vorgefunden, 60 000 Hufen Landes, 12 Städte, 332 Dörfer, 
49 Domänen neu angebaut. 
Auch in den übrigen Provinzen hatte er viele öde Ort- 
schaften wieder belebt, andere vergrößert (besonders Potsdam). 
In Berlin zwang er jeden Reichen Häuser zu bauen („der Kerl 
hat Geld, muß bauen“); hier siedelte er auch verfolgte böhmische 
Protestanten, meist Weber, an. 
Unter den Gewerben blühte durch ihn am meisten die 
Wollenmanufaktur auf, für welche er 1713 das berühmte 
„Lagerhaus“ (eine großartige Tuchfabrik) in Berlin gründete. 
Von den Handelskolonieen in Afrika hielt er nichts, weil 
sie ihm mehr kosteten als einbrachten; er verkaufte sie 1720 an 
die Holländer. Auch den Juden war er abhold. 
Nach dem damals herrschenden Merkantilsystem meinte 
auch er, der Stein der Weisen liege darin, daß das Geld im 
Lande bleibe, und von auswärts neues hereinfließe. Darum 
verbot er den Gebrauch vieler ausländischer Waren und ließ 
solche konfiszieren. 
Auch das Recht handhabte er despotisch, doch ohne An- 
sehen der Person. Ein vornehmer Beamter von altem Adel 
hatte Geld unterschlagen und meinte, einen preußischen Edel- 
mann hänge man nicht, er werde das Geld ersetzen; aber der 
König ließ ihn auf der Stelle an den Galgen hängen. 
Pierson, Leitf. d. preuß. Gesch.
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        — 66 — 
Unordnung, Liederlichkeit und Müßiggang verfolgte Friedrich 
Wilhelm überall; er übte selbst die Polizei und beaufsichtigte auch 
das Privatleben; Taugenichtse und Schwindler wurden wie Ver- 
brecher aufgegriffen und ins Zuchthaus gebracht; die Pariser 
Moden verhöhnt, unanständige Tracht nicht geduldet. 
Die Religion lag ihm sehr am Herzen, und er hielt die 
Leute dazu an, gleich ihm fleißig in die Kirche zu gehen; aber 
scheinheiliges Wesen, Wortklauben oder gar Gezänk zwischen 
Lutherischen und Reformierten war ihm verhaßt. Er baute viele 
Kirchen und wohltatige Anstalten (1721 das Potsdamer Mili- 
tärwaisenhaus, 1727 die Berliner Charit#). Eifrig nahm er sich 
der im Ausland bedrückten Protestanten an. Als die Jesuiten 
in Thorn 1724 mit Hilfe der polnischen Regierung die evan- 
gelische Bürgerschaft mißhandelten und die Häupter derselben 
hinrichten ließen, wendete er durch seine Einsprache wenigstens 
für die Zukunft größeren Druck ab. 
Für Gelehrsamkeit that er nichts, aber viel für die Bildung 
des gemeinen Mannes, besonders durch Anlegung zahlreicher 
Volksschulen; er befahl, alle Kinder vom 5. bis 12. Jahre in 
die Schule zu schicken, damit jedermann im Lesen, Schreiben, 
Rechnen und in Gottes Wort bewandert sei. 
So erzog er die Nation streng und weise zu tüchtiger Kraft, 
zu Arbeitsamkeit und ehrbarem Wandel in der Furcht Gottes 
und des Königs. 
– 
§ 46. Friedrich Wilhelms I. Regierung war im ganzen 
friedlich. Doch gelang ihm mit seinem guten Heere und seinen 
vollen Kassen eine wichtige Eroberung. Als er den Thron be- 
stieg, wütete an Preußens Grenzen der Nordische Krieg (1700— 
1721). Karl XII. von Schweden, bei Pultawa 1709 vom 
russischen Zaren Peter dem Großen geschlagen, war nach der 
Türkei geflohen. Während er hier vergebens die Türken gegen 
Rußland hetzte, verheerten die Russen im Bunde mit Polen, 
Sachsen und Dänemark das schwedische Pommern und legten 
sich vor Stettin. Da schloß Friedrich Wilhelm, um sein eigenes 
Land zu schützen, mit ihnen den Vertrag zu Schwedt (1713), 
kraft dessen ihm gegen Zahlung der Belagerungskosten Stettin 
zu vorläufiger Verwahrung überliefert wurde. Aber Karl XII., 
jetzt rasch heimgekehrt, forderte Stettin ohne weiteres zurück, und
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        — 67 — 
nun erklärte ihm Friedrich Wilhelm offen den Krieg. Leopold 
von Dessau fiel 1715 in Rügen ein und besiegte hier Karl XII.; 
dieser mußte nach Schweden fliehen, und da alle seine noch 
übrigen Plätze in Deutschland (zumal Stralsund) in die Gewalt 
der Verbündeten gerieten, er selbst aber 1718 umkam, so schloß 
seine Nachfolgerin Ulrike Eleonore 1720 mit Preußen zu Stock- 
holm einen Frieden, in welchem Vorpommern bis zur Peene 
(die wichtige Festung und Seehandelsstadt Stettin mit den 
Odermündungen, Usedom, Wollin, auch Damm und Gollnoy) 
für 2 Millionen Taler an Preußen abgetreten wurde. 
Friedrich Wilhelm verstand sich sonst auf die auswärtigen 
Angelegenheiten nicht so gut wie auf die inneren. Seine biedere 
deutsche Gesinnung wurde vom Wiener Hofe arg gemißbraucht. 
Derselbe wußte ihn durch ein paar gewandte Männer, den kai- 
serlichen Gesandten von Seckendorf und den bestochenen Ge- 
neral von Grumbkow, beides Günstlinge des Königs, zu seinem 
Schaden immer auf die Seite des Kaisers zu bringen. So gab 
Friedrich Wilhelm den 1725 zu Herrenhausen geschlossenen 
Bund mit Frankreich und England auf und unterzeichnete zu 
Wusterhausen 1726 einen Vertrag mit Osterreich. Kraft des- 
selben erkannte er des Kaisers (Karls VI.) Pragmatische 
Sanktion an, ein Hausgesetz, nach welchem beim Ableben des 
Kaisers dessen Tochter Maria Theresia die österreichischen Länder 
erben sollte. Dagegen versprach ihm der Kaiser die Erbfolge im 
Herzogtum Berg. Von der österreichischen Partei gegen seinen 
Schwager Georg II. von England aufgereizt, verheiratete Fried- 
rich Wilhelm sodann seine beiden ältesten Kinder nicht mit den 
Kindern Georgs, wie seine Familie wünschte, sondern mit den 
Erben unbedeutender deutscher Fürsten. Ebenso richtete er sich 
im Polnischen Erbfolgekriege (1733—35) nach den Wün- 
schen des Kaisers, indem er zuließ, daß das deutsche Reich für 
Osterreich und Rußland gegen Frankreich Partei ergriff, daß die 
Russen 1734 Danzig eroberten und statt Stanislaus Lesczinskis 
den Kurfürsten August III. von Sachsen zum polnischen Könige 
machten; nachher schloß dann der Kaiser, ohne ihn zu fragen, 
mit Frankreich einen Frieden, der das deutsche Reichsland Loth- 
ringen den Franzosen übergab. Auch die Erbfolge in Berg ver- 
schaffte der Kaiser nicht den Hohenzollern, sondern einer anderen 
Dynastie. Da gingen dem Könige endlich die Augen auf; er 
5
        <pb n="71" />
        — 68 — 
erkannte, wie fruchtlos alle seine Opfer für Osterreich gewesen, 
und er rief erbittert, auf den Kronprinzen Friedrich zeigend: 
„Da steht einer, der mich rächen wird!“ 
§ 47. In seinem Privatleben gab Friedrich Wilhelm ein 
an Fürstenhöfen damals seltenes Beispiel von biederer Deutsch- 
heit und strenger Sittlichkeit. Ausschweifungen duldete er in 
seinem Hause so wenig wie bei andern. Seine einzige Erholung 
waren die Jagd und das Tabak kollegium, eine Abendge- 
sellschaft, wo er mit seinen Vertrauten (Leopold von Dessau, 
Grumbkow, Seckendorf und andern hohen Offizieren) Tabak 
rauchte, Bier trank und ernste oder spaßhafte Gespräche führte. 
Die feineren Lebensgenüsse schätzte er nicht und kargte mit den 
erlaubten; mit Härte, oft tyrannisch zwang er seiner Frau (der 
feingebildeten Sophie Dorothea von Hannover) und seinen 
Kindern seinen Willen auf. Den Kronprinzen Friedrich, der 
an den mechanischen kirchlichen und militärischen Ubungen, die 
seine Lehrer mit ihm anstellten, kein Gefallen fand, dagegen sich 
heimlich verbotene Genüsse erlaubte, prügelte er noch als Acht- 
zehnjährigen, so daß dieser (1730 bei Gelegenheit einer Reise nach 
dem Rhein) in seiner Verzweiflung den Versuch machte, nach Eng- 
land zu fliehen. Der Versuch mißglückte aber, und der König ließ 
den Kronprinzen als Deserteur vor ein Kriegsgericht stellen, dann 
auf die Festung Küstrin in Haft bringen, einen Vertrauten und 
Mitschuldigen desselben, von Katte, sogar enthaupten. Eine Zeit 
lang saß der Kronprinz dort im Gefängnis; dann mußte er bei 
der Domänenkammer daselbst arbeiten und kam erst wieder frei, 
als er den Plan, eine englische Prinzessin zu heiraten, aufgab 
und sich nach dem Willen des Vaters mit Elisabeth von Braun- 
schweig-Bevern verlobte (1732). 
Durch allzu große Anstrengungen, besonders auf den In- 
spektionsreisen nach Ostpreußen, sowie durch sein jähzorniges 
Wesen rieb Friedrich Wilhelm seinen von Natur starken Körper 
auf; er starb an der Wassersucht den 31. Mai 1740. Er hinter- 
ließ dem Nachfolger als Frucht seiner langen Arbeit ein vor- 
trefflich geschultes und reichlich ausgestattetes, schlagfertiges Heer 
von 83 000 Mann, einen baren Schatz von 8 Millionen Ta- 
lern, einen festgefugten Staat (2145 QO.-M. mit 2 486 000 E.) 
und eine zu mannhaftem Tun erzogene Nation.
        <pb n="72" />
        — 69 — 
8 48. Die 100 Jahre, die dem Westfälischen Frieden folgen, 
sind die eigentliche Zeit der Kabinettspolitik und der rein dynasti- 
schen, der Erbfolgekriege. Das Volk galt fast überall auf dem 
Festlande nur als willenlose Masse. Aber während die übrigen 
deutschen Fürsten den Staat für ihre Vergnügungen oder im In- 
teresse der Vornehmen ausbeuten ließen, übte Friedrich Wilhelm 
die Despotie persönlich und zum Besten des Ganzen aus. 
Er forderte allen schwere Leistungen ab, doch nicht um sie zu 
vergeuden, sondern zur Herstellung großartiger Machtmittel. 
Indem er den Soldatenstand zum ersten im Staate erhob 
und nicht bloß ein großes Heer hielt, sondern auch dessen Bestand 
durch Verstärkung der Steuerkraft und musterhafte Finanzwirt- 
schaft sicherte, machte er Preußen zu einem Militärstaat. Er 
prägte aber auch der Nation den militärischen Charakter ein, 
teils. durch seine strenge Sittenzucht und die allgemeine Subordi- 
nation, an die er hoch und niedrig gewöhnte, teils durch Aus- 
bildung des spezifischen Preußentums. Die einfache deutsche 
Tracht, anderwärts von der französischen verdrängt, kam unter 
ihm als eigene preußische Mode auf; die alten deutschen Tu- 
genden der Schlichtheit und derben Biederkeit, verbunden mit 
einer straffen Haltung des Willens, nüchterne Verständigkeit und 
zähe Tatkraft, Genauigkeit und Ordnung auch im Kleinsten und 
ein abgehärteter Kriegersinn wurden durch ihn preußische Eigen- 
tümlichkeiten („Friedrich-Wilhelms-Männer“"). 
Die Verwaltung, die den Militärstaat erhielt, arbeitete mit 
der Regelmäßigkeit einer Maschine — die Folge von Friedrich 
Wilhelms praktischem Genie und strenger Aufsicht; den alten 
Schlendrian tilgte er überall aus. Die (von ihm 1723 eingeführte) 
„Oberrechnungskammer“ prüfte jede Ausgabe streng. 
Die Staatseinnahmen zerfielen in Kriegs= und Domänen= 
gefälle. Die Kriegsgefälle bestritten den Unterhalt des Heeres; 
es waren: die Kontribution (eine Grundsteuer), das Kavallerie- 
geld (eine Abgabe des platten Landes zur Verpflegung der in die 
Städte verlegten Reiterei), die Kriegsmetze (eine Abgabe in Geld 
vom Kornertrag), das Lehnpferd (eine Abgabe der Lehnguts- 
besitzer statt des ehemaligen Kriegsdienstes), die Accise, die nur 
von den Städten getragen wurde, und die Rekrutenkasse, zu deren 
Besten der König Titel verkaufte und die Juden beschatzte. 
Die Domänengefälle bestritten die übrigen Staatsausgaben; 
außer dem Ertrage der Krongüter gehörten dazu die Einkünfte 
vom Salz-, Berg-, Hütten- und Postregal. 
Durch Hebung der Kultur brachte der König die Staats- 
einnahmen im ganzen zuletzt auf 7 Millionen Taler jährlich, 
wovon vas Heer fast 6 Millionen verbrauchte.
        <pb n="73" />
        — 70 — 
Im Militärwesen bestand Friedrich Wilhelms Verdienst 
teils in der vollendeten Dressur der Truppen, wobei ihm Leopold 
von Anhalt-Dessau, der Schöpfer der modernen Taktik, zumal 
was die Infanterie betraf, am meisten half, teils in der Herstellung 
eines tüchtigen Offizierkorps. Er selbst besetzte auch die 
unteren Stellen in demselben und nicht für Geld, wie es ander- 
wärts geschah, sondern nach der Brauchbarkeit. Da der Kriegs- 
dienst damals noch allgemein für den natürlichen Beruf des Adels 
galt und der Bauernsohn in dem Junker die Gutzherrschaft ehrte, 
so eigneten sich die Edelleute vorzugsweise zur militärischen Führer- 
schaft; der König nahm aber besonders auch darum die Offiziere 
gern aus dem grundbesitzenden Adel, weil bei diesem die verab- 
schiedeten, die damals noch keine Pension bekamen, leichter wie- 
der ein Unterkommen auf den Gütern fanden. Die 1653 zu 
Kolberg gestiftete Ritterakademie verlegte der König nach Berlin 
und bildete sie zum Kadettenhause um, als eine Pflanzschule des 
Offizierkorps. 
Ein großer Teil der Gemeinen bestand auch nach Einführung 
des Kantonsystems aus Angeworbenen, die nur durch furchtbare 
Strenge in Zucht gehalten werden konnten. Auch die vollkom- 
mene Dressur hielt man nur durch maßloses Prügeln für erreich- 
bar. Der schwere und mühsame Dienst, der größtenteils sich auf 
Außerlichkeiten richtete (Kamaschendienst), die harte Behandlung 
und der knappe Sold machten den Soldatenstand sehr drückend; 
die Ehre, die ihm Friedrich Wilhelm gab, war für die unteren 
Offiziere und die Gemeinen ein um so nötigerer Ersatz. Denn nur 
die höheren Offiziere hatten guten Sold, auch durch ihren Handel 
mit langen Kerlen und bei der Rekrutierung reiche Nebenein- 
künfte. Musterhaft dagegen war die Pünktlichkeit und Sorgfalt 
aller Lieferungen; das Notwendige mangelte dem Soldaten 
nie. Auch das Festungswesen brachte der König auf einen guten 
Fuß; er verstärkte die Werke von Magdeburg, Stettin, Kolberg, 
Küstrin, Spandau u. a. 
Einen neuen Pfeiler der Macht errichtete er, indem er, die 
Überschüsse jedes Verwaltungsjahres aufsammelnd, den preußischen 
Staatsschatz gründete. 
Friedrich Wilhelms auf das Nützliche und Wesentliche gerich- 
teter Sinn fand an dem damaligen geistlosen und pedantischen 
Gelehrtentum keinen Gefallen. Er verachtete alle höhere Wissen- 
schaft und Kunst, die freilich in Deutschland damals nur geschmack- 
und gehaltlose Werke hervorbrachten. Aber er verlieh dem Staats- 
wesen eine solche Tüchtigkeit und Stärke, daß er mit Recht 
Preußens größter „innerer König“ heißt.
        <pb n="74" />
        V. Friedrich der Große, 1740—1786. 
§* 49. Friedrich II. wurde am Sonntag den 24. Januar 
1712 zu Berlin geboren. Seine Wärterin war Frau von Ro- 
coulle, eine französische Reformierte, von der er zuerst die Vor- 
liebe für die französische Sprache empfing, sein Erzieher dann 
der General von Finckenstein, sein eigentlicher Jugendlehrer der 
Franzose Duhan du Jandun, der ihm Liebe zur Literatur 
und Kunst einpflanzte. Der Vater wollte aus ihm einen guten 
Soldaten, einen guten Haushalter und einen guten Christen 
machen; die geistlose Abrichtung aber, die er zu diesem Zweck 
mit ihm vornehmen ließ, erregte nur den Widerwillen des Prin- 
zen. Doch stählte die strenge väterliche Zucht und besonders 
sein Leiden in Küstrin Friedrichs Charakter; hier lernte er auch 
den Wert der Arbeit und Ordnung kennen. 
Mit Elisabeth von Bevern 1733 verheiratet, die ihm 
sein Vater bestimmt hatte und die er zwar nicht liebte, aber we- 
gen ihrer Tugend und Anhänglichkeit schätzen lernte, durfte er 
dann (seit 1736 in Rheinsberg bei Neu-Ruppin) ein den 
Wissenschaften, den schönen Künsten und der Freundschaft mit 
geistreichen Männern (Kaiserling, Camas, Jordan) geweihtes 
Leben führen. Durch eifriges Studium ber Staatskunst, Ge- 
schichte und Weltweisheit, wie durch praktische Übung in Ver— 
waltungs= und militärischen Geschäften bereitete er sich hier für 
das königliche Amt vor. 
Dienstag am 31. Mai 1740 trat er es an. Wie er es zu 
verwalten gedachte, verkündete er selbst sofort: „Das Interesse 
des Landes," sprach er, „st auch mein eigenes; sollten sich beide nicht 
mit einander vertragen, so soll der Vorteil des Landes den Vor- 
zug haben.“ Was sein Vater Tüchtiges geschaffen, ließ er be- 
stehen; die Verwaltung, das Kriegswesen blieben im ganzen un- 
verändert, Sparsamkeit und Arbeit auch seine Losung. Er übte 
und vermehrte unablässig das Heer. Mifbräuche schaffte er ab, 
wie im Gerichtsverfahren die Folter, im Militär die Über- 
schätzung der „Langen Kerle“, bei Hof die Übertreibung der Jagd- 
lust, die durch Wildschaden den Landmann beschwerte. Kunst 
und Wissenschaft brachte er wieder zu Ehren, wie er denn mit 
Hilfe des französischen Mathematikers Maupertuis die Berliner
        <pb n="75" />
        — 72 — 
Akademie der Wissenschaften neu einrichtete und den von 
seinem Vater verjagten Philosophen Wolf nach der Universität 
Halle zurückrief. Er gab unbedingte Denk= und Glaubens- 
freiheit: „Die Religionen,“ befahl er, „müssen alle tolerieret 
werden, und muß die Regierung nur das Auge darauf haben, 
daß keine der anderen Abbruch tue. In meinen Staaten 
muß ein jeder nach seiner Fagon selig werden.“ Nie- 
mandem gewährte er einen Einfluß auf seine Regierung; mit 
nicht vor und nicht nach ihm erreichter Arbeitskraft prüfte und 
leitete er selbst alles im Staate. 
§ 50. Mit Friedrichs Thronbesteigung beginnt das Zeitalter 
der Aufklärung. Der Kampf, den die englischen Skeptiker und 
nach ihnen die französischen Schöngeister (besonders Voltaire) 
gegen die in Kirche und Staat herrschenden Meinungen unter- 
nahmen, war zum Teil gegen wirkliche Irrtümer und Torheiten 
gerichtet. Diesen Bestrebungen der Philosophen verlieh Friedrich 
Ansehen und Nachdruck, indem er ihre Grundsätze vom Throne 
herab verkündigte. Der Lehre vom göttlichen Recht der unum- 
schränkten Fürsten setzte er (im „Antimachhiavell" 1741) das natür- 
liche Recht der menschlichen Freiheit entgegen. Er war in der 
Welt der erste Fürst, der unbedingte, allgemeine Religions- 
freiheit gab. Auch Preßfreiheit gewährte er 1740, mußte 
dieselbe indes wegen des Mißbrauchs, den das noch unreife 
Schriftstellertum damit trieb, bald darauf durch eine sehr milde 
Zensur ersetzen. Schmähschriften, die gegen ihn persönlich ge- 
richtet waren, pflegte er unbeachtet zu lassen. — Friedrich Wil- 
helm I. hatte nur das Nützliche gepflegt, Friedrich der Große 
setzte auch das Schöne in seine Rechte ein. Er verbreitete Ge- 
schmack für Kunst durch seine Schönbauten (v. Knobelsdorf — 
Opernhaus, Invalidenhaus, Domkirche, Paläste von Sanssouci 
und in Potsdam, Tiergarten), durch Begünstigung von Theater 
und Oper, insbesondere durch sein eigenes Mitwirken bei den 
Hofkonzerten. Die Achtung und Liebe, die er den schönen Künsten 
und Wissenschaften bezeigte, die Tatsache, daß ein so großer König 
selber Flöte blies, selber Mitarbeiter der Akademie war („Ge- 
schichte meiner Zeit"“, Oden und anderes), brachte geistige Bestre- 
bungen in Ansehen. Die französischen Denker, Künstler und Dichter, 
die nach Berlin strömten, fanden unter den Deutschen Nachahmer, 
dann Nebenbuhler; Berlin wurde der Mittelpunkt des geistigen 
Lebens in Norddeutschland, Preußen durch Friedrich den Großen 
der Staat der Intelligenz.
        <pb n="76" />
        — 73 — 
Erster Schlesischer Krieg (1740—1742). 
§ 51. Im Innern wohlgeordnet, hatte Preußen nach außen 
noch nicht das rechte Verhältnis; mit seinen 2100 Quadratmeilen 
und 2½ Millionen Einwohnern war es zu groß für ein Kur- 
fürstentum, zu klein für ein Königreich. Friedrich beschloß, es 
zu einem wirklichen Großstaat zu machen. Der Tod Kaiser 
Karls VI. (20. Oktober 1740) gab ihm dazu die gewünschte Ge- 
legenheit. Die österreichischen Staaten waren in schlechtem Ver- 
teidigungszustand, und Maria Theresias Vetter, Kurfürst Karl von 
Bayern, besaß Ansprüche auf das Erbe; ein Erbfolgestreit war 
daher vorauszusehen. Friedrich wollte unter diesen Umständen 
die Rechte seines Hauses auf Teile Schlesiens geltend machen; 
er rückte mit 30 000 Mann plötzlich dort ein (16. Dezember 
1740), hielt unter dem Jubel der bisher hart gedrückten evan- 
gelischen Schlesier am 3. Januar 1741 seinen feierlichen Einzug 
in Breslau und war in kurzem im Besitz des ganzen Landes. 
Zugleich bot er der Königin von Ungarn, Maria DTheresia, 
seine Hilfe gegen alle Feinde an, wenn sie ihm Schlesien oder 
doch ein gutes Stück davon abtrete. Sie aber, von England 
unterstützt, wies seine Forderung stolz zurück und rüstete. 
Im Meärz erschien der österreichische Feldmarschall Neip- 
perg, um die Preußen wieder aus Schlesien hinauszuwerfen. 
Montag den 10. April 1741 traf er sie bei Mollwitz (unweit 
Brieg. Beide Teile hatten die gleiche Zahl (19 000 Mann), 
die Osterreicher mehr Kavallerie, die Preußen mehr Infanterie. 
Anfangs erfolgreich andringend, mußte das österreichische Heer 
zuletzt vor der unerschütterlichen Standhaftigkeit und dem „hölli- 
schen“ Gewehrfeuer des preußischen Fußvolks, welches General 
Graf von Schwerin kommandierte, die Flucht ergreifen. Dieser 
Sieg schaffte dem preußischen Königreich Ansehen in der Welt 
und ermunterte die Feinde Osterreichs; Frankreich, Bayern, Spa- 
nien, Sardinien, Sachsen schlossen einen Bund, um die öster- 
reichische Erbschaft zu erobern. Dagegen halfen England und 
Holland der Habsburgerin gegen die Bourbonen. So brach 
(1741) der Österreichische Erbfolgekrieg aus. Doch gab 
Maria Theresia noch nichts verloren. Schlesien wiederzugewinnen, 
mußte ihr Schwager Prinz Karl von Lothringen ihr bestes Heer 
gegen die in Böhmen eingefallenen Preußen führen. Friedrich
        <pb n="77" />
        — 74 — 
stand mit 28 000 Mann am 17. Mai 1742 bei Czaslau und 
Chotusitz an der oberen Elbe, als ihn Prinz Karl mit 30 000 
angriff. Diesmal tat es die preußische Reiterei, die von Fried- 
rich neu gebildet worden, der Infanterie gleich; der junge König 
zeigte sich als umsichtiger und entschlossener Feldherr. So er- 
rangen die Preußen wieder den Sieg. Maria Theresia gab nun 
nach; im Frieden zu Breslau (11. Juni 1742) trat sie Nieder- 
und Oberschlesien bis zur Oppa mit der Grafschaft Glatz, 
680 Quadratmeilen mit 1 400 000 Einwohnern, an Preußen ab. 
Der König hatte dadurch seinen Staat um mehr als ein 
Drittel an Umfang, Bevölkerung, Einkünften, Streitkräften ver- 
größert und seinen Ruf als geschickter und tatkräftiger Feldherr 
und Unterhändler begründet. 
§ 52. Die juristischen Gründe, auf welche Friedrich seine Er- 
oberung Schlesiens stützte, wurden zumeist darum angefochten, 
weil Ferdinand I. als König von Böhmen und Lehnsherr des 
Herzogs Friedrich von Liegnitz dessen Erbvertrag mit Joachim II. 
(1537) aufgehoben hatte; allein Ferdinand war Richter in eigener 
Sache, und sein Spruch ein Machtspruch gewesen. Ebenso eigen- 
mächtig hatte Kaiser Ferdinand II. 1623 nach Achtung des Mark- 
grafen Johann Georg von Brandenburg das diesem gehörige 
Fürstentum Jägerndorf eingezogen. Die hohenzollerischen Erb- 
ansprüche betrafen übrigens nur einen Teil Schlesiens; das Besitz- 
recht Preußens auf seine schlesischen Lande gründet sich auf die 
Verträge, die Friedrich nach seinen siegreichen Kriegen mit Oster- 
reich schloß. 
Schlesien (von Sleza, der kleinen Lohe, und dem Slesie 
[Sobtenberg], wo ein polnisches Nationalheiligtum lag, benannt) 
hatte zuerst germanische Bevölkerung, Quaden und Lygier; in der 
Völkerwanderung drangen Polen ein. Als Teil des polnischen 
Reichs wurde es dann von Herzögen aus dem Geschlecht des 
Bauern Piast beherrscht. 965 bekehrte Miesko I. von Polen 
seine Völker zum Christentum. 1052 wurde das älteste Bistum 
Schlesiens von Smogra (bei Namslau) nach Wratislaw (Bres- 
lau) verlegt. 1163 trennte Friedrich Rotbart Schlesien von Po- 
len ab; es herrschten hier nun die piastischen Herzöge selbständig. 
Dieselben begünstigten die Germanisierung des Landes, welche 
durch Einwanderung Deutscher (wie in Pommern) geschah. Um 
die Burgen und Kastellaneien erhoben sich im 12. und 13. Jahr- 
hundert deutsche Städte. Sie erhielten 1261 Magdeburger 
Recht. Im 14. Jahrhundert war deutsche Sprache und Sitte
        <pb n="78" />
        — 75 — 
schon die herrschende. Durch Erbteilung entstand eine große Zahl 
kleiner Fürstentümer, die allmählich in Lehnsabhängigkeit vom 
Königreich Böhmen gerieten. 
Karl IV. verleibte 1355 Schlesien völlig der böhmi- 
schen Krone ein, wodurch es — wenigstens mittelbar — ans 
deutsche Reich kam. Mit Böhmen fiel Schlesien 1526 durch Wahl 
der Stände dem Hause Habsburg zu. Doch behielt es seine 
ständischen Rechte. Der Landtag jedes Fürstentums (aus Adel, 
Geistlichkeit, Städten bestehend) hatte das Recht, Steuern zu be- 
willigen oder zu verweigern, und die Gesetze zu geben. Allge- 
meine Angelegenheiten ganz Schlesiens ordnete der Fürstentag 
(bestehend aus den Herzögen und den Abgeordneten der Ritter- 
schaften, Geistlichkeit und Städte). In der ersten Hälfte des 
16. Jahrhunderts nahm der größte Teil des Landes Luthers 
Lehre an. Im Dreißigjährigen Kriege aber vernichteten die Habs- 
burger durch Jesfuiten und Soldaten die Glaubensfreiheit und das 
politische Recht der Bevölkerung. Den Bedrückungen der Evan- 
gelischen steuerte nur vorübergehend Karls Xll. Intervention 
(1707 Altranstädter Vertrag). Die katholische Geistlichkeit und 
Herrschaft fuhr fort, Kinder gemischter Ehen mit Gewalt katho- 
lisch zu machen, den Gottesdienst der Evangelischen zu beschränken, 
zu verfolgen. Nur das wohleingerichtete Schulwesen und die all- 
gemeine Verbreitung der deutschen Bibel — beides Erbstücke der 
Reformation — retteten den evangelischen Glauben vor gänzlicher 
Zerstörung. Außer den Mönchen und Priestern herrschte der Adel 
über das Volk. Die materiellen Interessen wurden von der 
österreichischen Regierung nicht minder vernachlässigt wie die 
geistigen. 
Friedrich der Große stürzte die Priester= und Adelsherrschaft, 
führte Gewissensfreiheit, Gleichheit vor dem Gesetz, rasche Justiz, 
gute Verwaltung ein und brachte Ackerbau, Handel und Gewerbe 
schnell empor. In kurzem verdreifachte sich der Wohlstand und 
die Ertragsfähigkeit. Diese Wohltaten machten, daß Schlesien 
(1813) an Ergebenheit für das Haus Hohenzollern mit den älte- 
ren Provinzen wetteiferte. 
§ 53. Beim Aussterben der Fürsten von Ostfriesland 
1744 brachte König Friedrich auch dieses Land mit dem wich- 
tigen Hafen Emden an sich. Hier, wie in Schlesien, wo er alles 
sofort auf preußischen Fuß eingerichtet, war das Volk der neuen 
Herrschaft froh.
        <pb n="79" />
        — 76 — 
Der germanische Volksstamm der Friesen war einst über die 
ganze Nordseeküste von der Weser bis zur Schelde verbreitet; von 
diesen Ursitzen aus besiedelte er auch die Inseln und Küsten des 
westlichen Schleswig. Im steten Kampfe mit den Fluten, deren 
er sich durch Deiche und Dämme zu erwehren suchte, verlor er 
viel Boden; im Süden gegen die Stämme des Hinterlandes 
schützten die weiten Moore. Nachdem Karl d. Gr. Friesland mit 
dem fränkischen Reiche vereinigt, folgte der größere Teil der Frie- 
sen den Geschicken der Niederlande und ist jetzt holländisch; das 
an der Ems gelegene Ostfriesland dagegen bewahrte bis tief 
ins Mittelalter hinein seine Selbständigkeit und kam dann zum 
deutschen Reiche. Noch im 14. Jahrhundert lebten die Friesen, ein 
Volk von Bauern und Fischern, nach ihren eigenen Gesetzen, ohne 
Adel und Fürsten, und berieten die gemeinsamen Angelegenheiten 
in Volksversammlungen am Upstalsboom bei Aurich. Innerer 
Hader und die Unruhen der Seeraub treibenden Vitalienbrüder 
begünstigten um 1400 die Erhebung von Häuptlingen, erblichen, 
auf festen Burgen seßhaften Gerichtsherren, besonders der Cirk- 
sena zu Gretsiel. Letztere wurden vom deutschen Kaiser 1454 zu 
Reichsgrafen ernannt und mit Ostfriesland belehnt, 1654 zu 
Reichsfürsten erhoben. Da sie indes durch Erwerbung des 
Harlingerlandes an der Nordsee östlich von Ostfriesland (1604) 
in Schulden und in lange Streitigkeiten mit ihren Ständen und 
den Nachbarn gerieten, so mischte sich 1682 der Große Kurfürst 
ein und besetzte in kaiserlichem Auftrag Emden, das er zu einem 
brandenburgischen Seehandlungsplatze zu machen suchte. Als 1744 
das Haus Cirksena mit Karl Edzard ausstarb, ergriff Fried- 
rich d. Gr. sofort auf Grund der 1695 dem Kurfürsten Fried- 
rich III. erteilten Anwartschaft von dem Fürstentum Ostfriesland 
Besitz. Dasselbe blühte nun unter preußischer Verwaltung treff- 
lich auf. Für Preußen war diese Erwerbung (54 O.-M. mit 
970000 E.) hauptsächlich wegen der Lage des Landes an der 
Nordsee von Wert. « 
Zweiter Schlesischer Krieg (1744—1745). 
§ 54. Unterdessen gewann Maria Theresia, ihres gefähr- 
lichsten Feindes ledig und von den Ungarn, sowie von England, 
kräftig unterstützt, über die Franzosen und deren Schützling Karl 
von Bayern (den sie als Karl VII. zum deutschen König und 
römischen Kaiser hatten krönen lassen) solche Erfolge, daß sie, jetzt 
auch mit Sachsen im Bunde, dem preußischen Könige begründete
        <pb n="80" />
        — 77 — 
Besorgnis für Schlesien einflößte. Er nahm daher die Unter- 
stützung des Kaisers zum Anlaß, zog im August 1744 mit 
80 000 Mann vor Prag und eroberte diese Stadt sowie ganz 
Böhmen. Doch von den Sachsen im Rücken, von den aufstän- 
dischen Bauern ringsum bedroht, auch durch Mangel und schlech- 
tes Herbstwetter bedrängt, räumte er bald wieder dieses Land 
und kam, da den Osterreichern und Sachsen von Nußland Trup- 
pen versprochen, von den Seemächten Hilfsgelder gezahlt wurden, 
in eine um so gefährlichere Lage, als Bayern nach Karls VII. 
Tode mit Maria Theresia sich vertrug. Letztere setzte schon mit 
August III. von Sachsen und Polen eine Teilung Preußens fest. 
Aber Friedrich und sein Heer verzagten nicht: „Es ist keiner 
unter uns,“ schrieb er aus dem Kriegslager in Schlesien nach 
Berlin, „keiner, der sich nicht lieber das Rückgrat brechen ließe, 
als einen Fußbreit Erde aufzugeben.“ Und wie nun Karl von 
Lothringen mit 75.000 Osterreichern und Sachsen über das Rie- 
sengebirge gen Schweidnitz herankam, fiel Friedrich morgens am 
4. Juni 1745 bei Hohenfriedberg und Striegau mit 60 000 
Mann über ihn her und schlug in 4 Stunden erst die Sachsen, 
dann die Osterreicher in die Flucht. Der General v. Geßler 
mit einem Dragonerregiment eroberte allein 66 Fahnen. Rings 
im schlesischen Lande, soweit man den Kanonendonner hörte, sie- 
len die Protestanten auf die Kniee und baten Gott um den Sieg 
der evangelischen Sache. Friedrich folgte dem geschlagenen Feinde 
nach Böhmen, wo derselbe sich verstärkte, und besiegte ihn noch- 
mals bei Soor (unfern Trautenau) am 30. September 1745, 
obwohl die Osterreicher hier 35.000, die Preußen nur 19.000 
Mann zählten. Den Plan der Feinde, ein anderes österreichisches 
Heer unter General v. Grünne im Verein mit sächsischen Trup- 
pen aus der Lausitz nach Berlin zu schicken, vereitelte er dadurch, 
daß er diesen sächsischen Heerhaufen bei Katholisch-Henners- 
dorf (unweit Görlitz) am 23. November zersprengte. Das säch- 
sische Hauptheer aber, das unter dem Feldmarschall Grafen 
Nutowski auf den Felshöhen von Kesselsdorf (bei Dresden) 
stand, wurde hier am 15. Dezember 1745 vom Alten Dessauer 
angegriffen und, nachdem die Preußen über Schnee und Eis die 
Felsen und Batterieen erstürmt, gänzlich in die Flucht ge- 
schlagen. Am 18. zog Friedrich in Dresden ein, wo Sachsen 
und Osterreich um den Frieden unterhandelten; derselbe wurde
        <pb n="81" />
        — 78 — 
hier am 25. Dezember 1745 abgeschlossen: Maria Theresia ver- 
zichtete nochmals auf Schlesien und Glatz, wogegen Friedrich 
ihren Gemahl, Franz von Lothringen, als Kaiser anerkannte; 
August III. zahlte an Preußen eine Million Thaler Kriegskosten. 
So ging Friedrich auch aus dem zweiten Schlesischen Kriege mit 
Ruhm bedeckt hervor; man nannte ihn bereits den „Großen.“ 
Die Kabinettspolitik, die seit Richelieu im Verkehr der 
Staaten herrschte, bediente sich unbedenklich auch verwerflicher 
Mittel, wie der Zweideutigkeit und des Vertragsbruches. Dies 
entschuldigt Friedrich den Großen, wenn er dem Auslande 
gegenüber ebenfalls die Regel befolgte, lieber andere zu hinter- 
gehen als sich täuschen zu lassen; zumal die Franzosen, die er 
durch sein Losbrechen 1744 gerettet und die ihn dann im Stiche 
gelassen, durften ihm nichts vorwerfen. Eigentümlich aber war ihm 
die seltene Eigenschaft des wahrhaft großen Staatsmanns: weise 
Mäßigung; „man muß wissen zu rechter Zeit inne zu halten“, 
nach diesem seinem Grundsatz handelte er bei allen Friedens- 
schlüssen (z. B. 1745) und in seiner Führung der Kriege. 
Während des ersten Schlesischen Krieges konnte er die österreichische 
Monarchie zertrümmern (Januar und September 1741). „Aber 
wie unverzeihlich,“ sprach er, „wäre es gewesen, das Joch von 
Osterreich zu brechen und sich dafür französische Ketten zu 
schmieden?“ 
§ 55. In den elf Friedensjahren, welche folgten, erregte 
Friedrichs Tun nicht geringere Bewunderung. Es zeugte von 
erhabenstem Pflichtgefühl; „der Fürst,“ erklärte er, „ist der 
erste Diener des Staats und wird gut genug bezahlt, um 
ordentlich zu arbeiten.“ Kaum fünf Stunden Schlaf gönnte er 
sich; jede Landschaft, jedes Regiment musterte er persönlich. 
Seinem Blick entging nichts. Er rüstete und sparte immerfort. 
Den Nährstand zu heben, siedelte er Einwanderer aus dem säch- 
sischen Voigtland, der Pfalz und vom Rhein in wüsten Plätzen 
an, entwässerte (1747—1756) den Nieder-Oderbruch, bestrafte 
Beamte und Gutsherren, welche ihre Bauern plackten, pflanzte 
neue Erwerbszweige an (z. B. Baumwollen-Spinnerei und -We- 
berei, Kattundruckerei), baute den Plauenschen Kanal (1743 
bis 1745), den Finow-Kanal (1744—1746), den Swine- 
Kanal und die Stadt Swinemünde (1746); überall trieb 
und besserte er, zumal in Schlesien, das unter der habsburgischen 
Regierung arg verwahrlost worden war. Die Rechtspflege, bisher
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        — 79 — 
schleppend und kostbar, ließ er durch den Justizminister Cocceji von 
Grund aus reformieren und befahl den Richtern, bei Entschei- 
dung der Rechtssachen sich auch durch königliche Verord- 
nungen nicht stören zu lassen; denn ihre höchste Pflicht sei die 
Gerechtigkeit, auf die sie geschworen. Gleichheit vor dem Ge- 
setz war auch bei der Behandlung der Religionsparteien sein 
Grundsatz. Die katholischen Geistlichen, die bisher in Schlesien 
geherrscht, verloren, sowie der schlesische Adel, ihre Gewalt über 
die anderen Stände; sie wurden nicht bedrückt, mußten aber dem 
König unbedingt gehorchen, wie jeder andere Staatsbürger. 
Über die gemischten Ehen verordnete Friedrich der Große (1743), 
daß die Söhne in der Religion des Vaters, die Töchter in der 
Religion der Mutter erzogen würden. Die vielen katholischen 
Feiertage verminderte er; den Evangelischen in Schlesien gab er 
die Freiheit des Gottesdienstes und überhaupt die Rechte wieder, 
die ihnen unter habsburgischem Zepter versagt gewesen. — Er 
weckte in den Deutschen auch den Sinn für geschmackvolle Schrift- 
stellerei. Denn obwohl er selbst seine Gedichte und Abhand- 
lungen französisch schrieb und fast nur Gefallen an französischen 
Gelehrten und Dichtern fand (besonders an Voltaire, der 
1750—1753, mit Ehren und Geschenken überhäuft, bei ihm lebte), 
so reizte doch sein Beispiel viele, z. B. den Dichter Ewald 
v. Kleist, sich ähnlich im Deutschen zu versuchen. 
Die Zeit von 1745—1756 ist die Blütezeit der fridericia- 
nischen Verwaltung. Die beiden ersten Schlesischen Kriege, meist 
in Feindesland geführt, hatten dem eigenen Lande keine Wunden 
geschlagen; der König konnte daher gleichmäßig und regelmäßig 
die Arbeiten des Friedens fördern und sich, ohne das Volk zu 
überlasten, auf neuen Krieg vorbereiten. Den Charakter der 
hohenzollernschen Selbstherrschaft, überall im Lande persönlich 
nachzusehen, immer neue Hilfsquellen aufzufinden und für das 
wohlgeordnete Ganze nutzbar zu machen, prägte Friedrich am 
schärfsten aus. Die kunstvolle Maschinerie des Staates schien 
ihm am sichersten auf scharfe Absonderung der Stände be- 
gründet, die auch mit der Sitte des Volks übereinstimmte. Der 
Adel, der sich zu bürgerlichem Gewerbe damals weder eignete noch 
herablassen mochte, lieferte die Offiziere, hatte, falls persönliche 
Befähigung zur Geburtsehre hinzukam, bei Besetzung der höheren 
Stellen im Civil wie im Militär den Vorzug und wurde sorg- 
fältig bei seinem Grundbesitzstande erhalten. Aber auch der Bauer
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        — 80 — 
sollte nicht ausgekauft werden; durch strenge Beaufsichtigung der 
Amtsleute und Gutsherren milderte Friedrich dessen gedrückte Lage. 
Dem Bürger nützte er durch Einführung vieler neuen Erwerbs- 
zweige, besonders in Schlesien, dessen Industrie durch seine bis 
ins Einzelnste gehende Fürsorge außerordentlich gefördert wurde. 
Ebenso rasch brachte er den Oderhandel und Stettins Verkehr in 
die Höhe, zum Teil durch seine höchst nützlichen Kanalbanten. 
Das größte Verdienst jedoch erwarb er sich — mit Hilfe des 
Ministers Cocceji — um die Justiz; er trennte sie von der 
Verwaltung, vertraute sie wissenschaftlich Befähigten an, gab 
eine zeitgemäße, neue Gerichtsordnung (codex Fridericianus 
1747), führte das Institut der Auskultatoren und Referendarien 
ein, erneuerte und hob den ganzen preußischen Juristenstand. 
In den Gang der Gerichte griff er nur ein, um die alten grau- 
samen Strafen zu mildern, und stets zu gunsten der Armen und 
Gedrückten. Über Personen und Eigentum hatten seit dieser 
Reform nur noch die Gesetze Gewalt; so machte Friedrich der 
Große den Militärstaat Preußen auch zu einem Rechtsstaat. 
Indem er dem Volke auf dem Gebiet der Sitte, des Den- 
kens, Redens und Glaubens Freiheit gab, kam das unter Fried- 
rich Wilhelm I. erstarrte geistige Leben in Fluß. Auch der Bür- 
gerstand fing an, in Wissenschaft und Kunst aufzustreben; damals 
wurde für ihn die erste Realschule gegründet (1747 von 
I. Hecker in Berlin). Friedrich selbst, französisch gebildet und 
von den geschmacklosen Erzeugnissen der damaligen deutschen Lite- 
ratur abgestoßen, zog immer die feine französische Bildung vor. 
Das Gute, was Deutsche auf anderen Gebieten als dem Schrift- 
tum leisteten, wußte er zu schätzen; die deutsche Musik (S. Bach, 
Graun, Händel, Quantz, Benday) liebte er vor allem. 
Der Siebenjährige Krieg (1756—1763). 
Ursachen des Krieges. Friedrichs Einfall in Sachsen. 
§ 56. Maria Theresia konnte den Schmerz um den Ver- 
lust Schlesiens nicht verwinden, und auch die anderen Mächte 
sahen Preußens Größe ungern. Zwei deutsche Großmächte an 
ihren Grenzen zu haben war den Russen sowie den Franzosen 
unbequem; die Schweden fürchteten für Vorpommern, die deut- 
schen Fürsten für ihre Kleinstaaten. Alle beleidigte Friedrichs 
persönliche Uberlegenheit und der Spott, den er über die Schwä-
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        — 81 — 
chen und Laster seiner Mitfürsten, besonders der Kaiserin Elisa— 
beth von Rußland, des Königs August III. von Polen (Kur- 
fürsten von Sachsen) und des Königs Ludwig XV. von Frank- 
reich ergoß. Maria Theresia gelang es daher mit Hilfe ihres 
gewandten Ministers Grafen Kaunitz einen geheimen Bund von 
fast ganz Europa gegen Friedrich den Großen zu stande zu 
bringen. Zuerst verband sie sich mit Elisabeth und August III., 
den sein Minister Graf Brühl, ein erbitterter Feind Friedrichs, 
ganz beherrschte. Durch einen sächsischen Kanzlisten Menzel 
erhielt Friedrich davon Kunde und traf nun auch seine Maß- 
regeln. Im Jahre 1755 brachen zwischen Frankreich und Eng- 
land in Nordamerika und zur See Streitigkeiten aus, und 
Georg II. bot, um Hannover zu schützen, Friedrich dem Großen 
ein Bündnis zu gegenseitiger Verteidigung an. Dieser nahm es 
an (16. Januar 1756 Vertrag zu Westminster). Andrerseits 
gewann nun Maria Theresia Ludwig XV. ganz für sich und 
durfte darauf rechnen, daß für französisches Geld auch die 
Schweden und die deutschen Fürsten helfen würden. Ihr Plan 
war: Osterreich sollte Schlesien, Polen oder Rußland Ostpreußen, 
Sachsen Magdeburg, Schweden Stettin und Hinterpommern, 
Frankreich Kleve erhalten, und Friedrich so zum bloßen Mark- 
grafen von Brandenburg herabgedrückt werden. Er beschloß aber, 
nicht zu warten, bis sie mit ihren Rüstungen fertig wären, son- 
dern begann selber den unvermeidlichen Krieg. 
Sein Heer, das er auf 150 000 Mann gebracht, war schlag- 
fertig; am 29. August 1756 fiel er mit 70 000 Mann in Sach- 
sen ein. Dieses reiche und den Eingang nach Böhmen beherr- 
schende Land mußte er haben, um den Krieg mit Osterreich 
bestehen zu können. Er schloß das sächsische Heer, das bei Pirna 
ein festes Lager bezogen, ein, schlug mit 24000 Mann den 
österreichischen Feldmarschall Browne, der mit 33 000 Mann zum 
Entsatz nach Böhmen herankam, bei Lobositz (1. Oktober) und 
zwang die Sachsen (durch die Kapitulation von Pirna 16. Ok- 
tober) sich zu ergeben. Er steckte sie, 14 000 Mann, unter seine 
Truppen, ließ den König August mit seinem Günstling Brühl 
nach Polen abreisen und bewies durch Veröffentlichung der ge- 
heimen Akten des Dresdener Archivs, daß sein Friedensbruch 
eine Handlung der Notwehr war. Kursachsen ward nun wie 
eine preußische Provinz verwaltet. 
Pierson, Leitf. d. preuß. Gesch. 6
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        — 82 — 
Während des Winters vollendeten die Feinde ihre Rüstungen; 
in Frankreichs Sold traten die Schweden und die deutschen 
Fürsten, mit Ausnahme derer von Braunschweig, Hessen-Kassel, 
Gotha, welche für englisches Geld ihre Soldaten zum Schutze 
Hannovers abschickten; der deutsche Reichstag in Regensburg 
beschloß gegen Friedrich als einen Friedensbrecher die Exe- 
kution. 
In welchem Geiste der große König den Kampf mit halb 
Europa aufnahm, erhellt aus der geheimen Weisung, die er 
(10. Januar 1757) an seinen Minister Grafen Finckenstein rich- 
tete; er befiehlt darin: „Wenn ich das Unglück hätte, vom Feinde 
gefangen zu werden, so verbiete ich, daß man auf meine Person 
die geringste Rücksicht nehme, oder daß man im allergeringsten 
darauf achte, was ich etwa aus der Gefangenschaft schreibe. 
Wenn mir ein solches Unglück begegnet, so will ich mich für den 
Staat opfern, und man soll alsdann meinem Bruder Gehorsam 
leisten, welchen, sowie die Minister und Generale, ich mit ihrem 
Kopfe dafür verantwortlich mache, daß man für meine Befreiung 
weder eine Provinz noch Lösegeld anbiete, daß man vielmehr 
den Krieg fortsetze und alle Vorteile benutze, ganz so als hätte 
ich niemals in der Welt existiert.“ 
Der Feldzug von 1757. 
§. 57. Im Frühling 1757 rückten rings 434 000 Mann 
(nämlich 175 000 Osterreicher, darunter 13.000 bayrische, württem- 
bergische und sächsische Söldner, 105 000 Franzosen, 32 000 
deutsche Reichssoldaten, darunter 10 000 von Frankreich gemie- 
tete Bayern und Württemberger, 100 000 Russen, 22 000 Schwe- 
den) gegen Friedrich den Großen, der nur 200 000 Mann hatte. 
Dieser suchte sich der Übermacht dadurch zu erwehren, daß er 
die Feinde einzeln angriff, um rasch einen nach dem andern 
zurückzuwerfen. Zuerst fiel er die Osterreicher an, deren 72 000 
unter Karl von Lothringen und Browne bei Prag standen; mit 
64 000 Mann schlug Friedrich sie hier Freitag am 6. Mai in 
einer mörderischen Schlacht, in der Schwerin den Heldentod fand; 
13 000 Osterreicher und ebenso viele Preußen wurden getötet oder 
verwundet. Das geschlagene Heer warf sich nach Prag; es zu 
entsetzen, sammelte der österreichische Feldmarschall v. Daun an
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        — 83 — 
der oberen Elbe eine starke Truppenmasse. Er stand mit 53 000 
Mann in einer sehr festen Stellung auf den Bergen bei Kolin. 
Dennoch griff ihn Friedrich (am 18. Juni) mit nur 34 000 
Mann an und hatte bereits den Sieg in Händen, als ihm der— 
selbe infolge von Fehlern, die bei Ausführung seines Schlacht- 
planes begangen wurden, wieder entschlüpfte. Zum ersten Male 
besiegt, trat er den Rückzug nach Sachsen an. Schlag auf 
Schlag fiel das Unglück über ihn her: die Russen unter Apraxin 
besetzten Ostpreußen, nachdem sie (30. August bei Großjägers- 
dorf) ein kleines preußisches Heer unter v. Lehwaldt über- 
wunden; die Franzosen besetzten Kleve, schlugen die hannöversch- 
englische Armee bei Hastenbeck (26. Juli), entwaffneten sie 
durch eine Abkunft, welche der verzagte englische Anführer, 
der Herzog von Cumberland, am 8. September in Kloster 
Zeven abschloß, und drangen nach Sachsen vor; die Osterreicher 
siegten über ein preußisches Korps bei Moys (unweit Görlitz) 
7. September, und der General desselben, v. Winterfeld, 
Friedrichs Liebling, fiel dabei; eine österreichische Streifschar 
unter Hadik drang (16. Oktober) bis Berlin vor; die Schwe- 
den brandschatzten in Vorpommern und der Uckermark. Fried- 
rich blieb ungebeugt; „vom Schiffbruch bedroht,“ schrieb er, „werde 
ich, dem Sturme trotzend, als König denken, leben und sterben.“ 
Zuerst zog er, Sachsen zu befreien, gegen die Franzosen 
und Reichstruppen; sie lagerten, 43 000 Mann unter den Prin- 
zen von Soubise und von Hildburghausen, zwischen Unstrut und 
Saale; Friedrich mit 21000 Mann nahm in ihrem Angesicht 
Stellung beim Dorfe Roßbach. Hier wollten sie ihn, Sonnabend 
am 5. November, wie in einem Sack fangen; er aber fiel plötzlich 
über sie her und warf sie über den Haufen; sein Reitergeneral, 
der verwegene v. Seydlitz, ließ sie nirgends stand halten. 
Unter dem Jubel des deutschen Volks flohen sie in panischem 
Schrecken bis zum Main und Rhein. Friedrich aber schwenkte 
eilig um nach Schlesien, auch dieses Land zu retten, welches die 
Osterreicher mittlerweile erobert hatten. Er fand sie mehr als 
80 000 Mann stark bei Leuthen (unweit Breslau), befehligt 
von Karl von Lothringen. Der König hatte nur 32 000, die 
der Feind spöttisch die „Berliner Wachtparade“" nannte. Sofort — 
Montag am 5. Dezember — griff er an; seine überlegene Feld- 
herrnkunst und die heroische Tapferkeit der Preußen errangen 
6“
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        — 84 — 
binnen drei Stunden den glänzendsten Sieg; mit Verlust von 
10 000 Toten und Verwundeten, 21 000 Gefangenen, 116 Ka- 
nonen, 59 Fahnen floh das zertrümmerte Heer der Osterreicher 
aus Schlesien zurück. „Nun danket alle Gott!“ sangen auf 
dem Schlachtfelde abends die Preußen, während der König, 
dem flüchtigen Feinde nachsetzend, in Lissa übernachtete. (Sage 
von seiner Gefahr daselbst). Seine Generale Zieten und 
Fouqué säuberten rasch das ganze Land vom Feinde. — Auch 
im Norden schlug das Glück um; Lehwaldt jagte die Schweden 
bis Stralsund; Georg II. schloß, auf seines Ministers Pitt und 
seines für Friedrich begeisterten Volkes Andringen, sich noch enger 
an Preußen an, zahlte Hilfsgelder und gab das hannöversch- 
englische Heer unter den Befehl des preußischen Generals Prin- 
zen Ferdinand von Braunschweig, der es neu einrichtete 
und trefflich führte. 
Um dem Könige die Verteidigung des Staates zu erleich- 
tern, errichteten die pommerschen Stände damals auf eigene 
Kosten eine Landmiliz; dieses schöne Beispiel von Vaterlandsliebe 
wurde in der Mark und im Magdeburgischen nachgeahmt. 
Die Feldzüge von 1758 und 1759. 
§ 58. Nachdem Friedrich, zum Teil durch harte, aber not- 
wendige Bedrückung Sachsens, Anhalts, Mecklenburg-Schwe- 
rins, zum größern Teil durch den Patriotismus seiner Unter- 
tanen, besonders der Pommern und Brandenburger, im Winter 
die Lücken seines Heeres ergänzt hatte, führte er den Feldzug 
von 1758 mit 175 000 Mann (darunter 30 000 des Prinzen 
Ferdinand) gegen 316 000. Während Ferdinand die Franzosen 
auf sich nahm und sie bei Krefeld am 23. Juni schlug, erwehrte 
sich Friedrich der übrigen. Die Eroberung von Olmütz gelang 
ihm bei der Ubermacht der Osterreicher nicht; nach fruchtloser 
Belagerung (Ende April bis 1. Juli) brachte er sein Heer durch 
einen meisterhaften Rückzug aus Mähren durch Böhmen unver- 
letzt nach Schlesien, wandte sich dann gegen die Russen, welche 
unter Fermor die Neumark barbarisch verwüsteten, und schlug 
sie am 25. August bei Zorndorf unweit Küstrin. Das meiste 
Verdienst an diesem Siege, der mit 32 000 über 52 000 Mann 
erfochten worden war, hatte der General Seydlitz mit seiner
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        — 85 — 
Reiterei. Unterdes deckte des Königs Bruder, Prinz Heinrich, 
geschickt und umsichtig Sachsen gegen das österreichische Heer unter 
Daun. Diesen zum Rückzug aus der Lausitz nach Böhmen zu 
nötigen, bezog Friedrich, der den Feind allzu gering achtete, dicht 
vor Dauns festem Lager ein offenes bei Hochkirch (unfern 
Bautzen). Hier wurde er in der Nacht zum 14. Oktober von 
Daun überfallen; mit beispielloser Mannszucht hielten die Preu- 
ßen den nächtlichen Kampf gegen die Übermacht (37.000 gegen 
67 000) aus. Am Morgen mußte der König sich mit großem 
Verlust an Menschen (auch Feldmarschall Keith siel hier) und 
ohne Geschütz zurückziehen. Dennoch wußte er sowohl Schlesien 
als auch Sachsen zu behaupten. 
Im nächsten Jahre 1759 rückten die Verbündeten mit 
350 000 Mann ins Feld. Während aber die Franzosen, vom 
Prinzen Ferdinand bei Minden am 1. August geschlagen, nichts 
ausrichteten, gelang es den Osterreichern und Russen nach einem 
Siege der letzteren über den preußischen General v. Wedell bei 
Kay (unfern Züllichauh am 23. Juli, sich bei Frankfurt a. O. 
zu vereinigen und 88 000 Mann stark unter Laudon und Ssal- 
tyukow bei Kunersdorf am 12. August dem halb so kleinen, an- 
fangs siegreichen, aber vom König überanstrengten preußischen 
Heere eine furchtbare Niederlage beizubringen. Doch raffte sich 
Friedrich bald wieder auf, da die Feinde ihren Sieg nicht zu 
benutzen wußten, und verlor nur Dresden, welches General 
v. Schmettau ohne Not den Osterreichern und Reichstruppen 
übergab (9. September). Um Dresden wiederzugewinnen, schickte 
Friedrich den General v. Finck mit 12 000 Mann in Dauns Rücken 
nach Maxen (bei Pirna); dort wurde aber Finck samt seinen 
Truppen von Dauns dreifacher Übermacht eingeschlossen und ge- 
fangen (21. November). Das übrige Sachsen war durch die 
Tapferkeit des Generals Wunsch und die Kriegskunst des 
Prinzen Heinrich dem Könige erhalten worden. 
Der Feldzug von 1760. 
§59. Da die Verbündeten über 60 Millionen Menschen 
beherrschten, Friedrich aber kaum 5, so wurde es jenen leicht, 
ihm immer schwerer, die verbrauchten Truppen und Vorräte zu 
ersetzen. Er mußte daher Sachsen immer härter bedrücken und
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        — 86 — 
beim Rekrutieren in Pommern und Brandenburg schon die Halb- 
erwachsenen nehmen, auch seine Werber immer weiter ins deutsche 
Reich schicken; dennoch brachte er für den Feldzug von 1760 nur 
90 000 Mann zusammen. Gegen ihn zogen diesmal 130 000 
OSsterreicher, 120 000 Russen, 20 000 Reichssoldaten, 10 000 
Schweden, während Ferdinands Heer 75 000 Mann betrug und 
115 000 Franzosen abzuwehren hatte. 
Nachdem der König (vom 14. bis 30. Juli) vergeblich 
Dresden bombardiert, eilte er, vor sich ein österreichisches 
Heer unter Daun, hinter sich ein anderes unter Lacy, nach 
Schlesien, wo Laudon mit vierfacher Übermacht den General 
v. Fouqué (den „preußischen Bayard“) nach neunzehnstündigem 
Kampfe bei Landeshut (23. Juni) übermannt hatte und sich mit 
den Russen zu vereinigen trachtete. Als Friedrich bei Liegnitz an- 
kam, wollten ihn die Osterreicher daselbst umzingeln und ver- 
nichten. Er aber fiel hier früh morgens am 15. August mit 
15 000 Mann unerwartet über Laudons 30 000 her und schlug 
sie in die Flucht. So rettete er Schlesien wieder. Ein Hand- 
streich gegen Berlin, welches am 9. Oktober von dem russischen 
General Tottleben und dem österreichischen Lacy eingenommen 
wurde, brachte diesen nur Geld ein (wobei der Berliner Kauf- 
mann Gotzkowski durch eigene Opfer öffentliche Verluste ab- 
wandte); Friedrichs Bewegungen scheuchten den Feind schon am 
12. wieder von Berlin fort. Der König zog nun nach Sachsen, 
um die Osterreicher auch von hier zu vertreiben. Am 3. No- 
vember griff er mit 45 000 Mann und 250 Kanonen den Feld- 
marschall Daun bei Torgau an, welcher dort 50000 Mann 
mit 400 Kanonen in einer sehr festen Stellung auf den Bergen 
zwischen der Stadt und dem Dorfe Süptitz befehligte. Die Schlacht 
war hartnäckig und mörderisch; der König selbst wurde durch eine 
Kugel verwundet und betäubt. Kaum wieder zu sich gekommen, 
rief er: „An meinem Leben liegt heut am wenigsten, laßt uns 
unsere Schuldigkeit tun! Weh dem, der sie nicht tut!“ und 
griff immer wieder von neuem an. Endlich spät abends, als 
sein rechter Flügel unter Zieten die Süptitzer Höhen erstürmt 
hatte, war die Schlacht von den Preußen gewonnen. Sachsen 
fiel nun wieder in Friedrichs Gewalt.
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        — 87 — 
Die Feldzüge von 1761 und 1762. 
Ende des Krieges. 
§ 60. Preußens Feinde hofften indes auf seine Erschöpfung. 
In der Tat betrug das preußische Heer im Frühling 1761 
nur 96 000 Mann, größtenteils Neulinge. Diesmal beschränkte 
sich Friedrich daher ganz auf die Verteidigung, ließ Sachsen 
durch den Prinzen Heinrich decken und schützte Schlesien, indem 
er mit 57 000 Mann bei Bunzelwitz (unweit Schweidnitz) ein sehr 
festes Lager bezog. Hier schlossen ihn die Russen und Oster- 
reicher, 132000 Mann unter Buturlin und Laudon, ein 
(20. August bis 10. September), wagten aber nicht, ihn anzu- 
greifen, und zogen wieder ab. Doch gelang es Laudon, die 
Festung Schweidnitz am 30. September zu überrumpeln, und 
den Russen, das durch Oberst von der Heyde mit Hilfe der 
Bürgerschaft heldenhaft verteidigte Kolberg (16. Dezember) ein- 
zunehmen. Die Schweden wurden auch in diesem Jahre vom 
Obersten v. Belling zurückgejagt. Der Plan eines Verräters, 
des schlesischen Barons v. Warkotsch, die Person des Königs 
in Woiselwitz bei Strehlen (1. Dezember) den Osterreichern in 
die Hände zu spielen, mißlang. Ein harter Verlust war Eng- 
lands Abfall, dessen neuer König Georg III. an Preußen jetzt 
keine Subsidien mehr zahlte. 
Da wurde Friedrichs mißliche Lage durch den Tod der 
Kaiserin Elisabeth (5. Januar 1762) wesentlich gebessert. 
Ihr Nachfolger, Peter III., ein Verehrer Friedrichs des Großen, 
machte sofort mit ihm Frieden und Freundschaft (5. Mai); auch 
Schweden schloß nun (22. Mai) Frieden. Der König konnte 
155 000 Osterreichern und Reichssoldaten 120 000 Mann ent- 
gegenstellen. Ein russisches Korps von 20 000 Mann unter 
Tschernyschew sollte ihm helfen, wurde aber, nachdem Peter III. 
von seiner Gemahlin Katharina gestürzt worden war, von dieser 
zurückberufen. Inzwischen schlug Friedrich den Feldmarschall 
Daun bei Burkersdorf (21. Juli), und nachdem letzterer noch 
einmal bei Reichenbach (16. August) von den Preußen eine 
Niederlage erlitten, zwang der König den tapfern österreichischen 
General Guasco in Schweidnitz zur Ubergabe (9. Oktober). 
Aus Sachsen wurden die Osterreicher und Reichstruppen, welche 
Haddik und Prinz Stolberg führten, durch den Sieg des Prin-
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        — 88 — 
zen Heinrich bei Freiberg (29. Oktober), wo Seydlitz den Tag 
entschied, hinausgedrängt. Darauf schickte der König den Ge- 
neral von Kleist zu einem verheerenden Streifzuge nach Fran- 
ken und Schwaben und bis vor Regensburg und nötigte dadurch 
die deutschen Kleinstaaten um Frieden zu bitten. Die Franzosen 
aber, vom Prinzen Ferdinand bei Wilhelmsthal (24. Juni) ge- 
schlagen und (31. Oktober) aus Kassel vertrieben, schlossen am 
3. November 1762 zu Fontainebleau mit dem auch zur See 
ihnen überlegenen England Frieden und verließen Deutschland. 
Da die Bundesgenossen nicht mehr für Osterreich fechten 
wollten, und dieses allein gegen Friedrich den Großen zu schwach 
war, so bot Maria Theresia dem Könige Frieden an, welcher 
auch am 15. Februar 1763 zu Hubertusburg zu stande kam: 
Friedrich behielt Schlesien und Glatz, wie vor dem Kriege, und 
gab August III. Sachsen zurück. Der unsterbliche Ruhm und 
Preußens anerkannte Großmachtstellung waren der Lohn des 
Siegers. 
§ 61. Die große Fürstenverbündung gegen Friedrich den 
Großen bedrohte in ihm zugleich die aufdämmernde Auf- 
klärung, den Protestantismus und Deutschlands Be- 
stand. Friedrich rettete im Siebenfährigen Kriege die erste vor 
den unduldsamen Anhängern des Alten, den zweiten vor den bi- 
gotten Habsburgern und Bourbonen, den dritten vor den Russen, 
Schweden und Franzosen. Die öffentliche Meinung war daher 
sein Bundesgenosse, und das preußische Feldlager für jeden Deutsch- 
gesinnten der wahre Hort der deutschen Nation. Zahlreich liefen 
die von ihren Fürsten schnöde verkauften Deutschen zu ihm über, 
und Rekruten kamen aus allen Enden des Reichs. Aber bei 
weitem die meisten und tüchtigsten Krieger lieferten ihm die eige- 
nen hochbegeisterten Untertanen. Besonders die Pommern und 
Brandenburger, vornehmlich der Adel und Bauernstand, leisteten 
Unerhörtes; manche adlige Familie verlor in diesem Kriege 20 
und mehr Mitglieder (54 v. Kleist fielen, 20 v. Belling u. s. w.); 
manches Dorf ward leer von Mannschaft. Nicht allein Friedrich 
der Große, sondern ebenso gut das preußische Volk hat den Sieben- 
jährigen Krieg geführt und gewonnen. 
Friedrichs Mittel, durch die er siegte, waren: die neue 
Kriegskunst, die er erfand, indem er zuerst die Waffen dem 
Gelände anpaßte, den Kreis der großen Operationen erweiterte 
und den Angriff als die beste Verteidigung handhabte; — die
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        — 89 — 
geschickte Ausnutzung aller ihm zugänglichen materiellen Hilfs- 
quellen: harte, aber durch strenge Mannszucht und gleichmäßige 
Verteilung der Last erträgliche Bedrückung der eroberten Länder, 
besonders Kursachsens (laus dem er an barem und Lieferungen 
im ganzen 45 Millionen Taler zog) und Mecklenburg-Schwerins 
(8 Millionen), während die Kroaten, Panduren, Russen, Fran- 
zosen u. s. w. durch barbarische Plünderung und zwecklose Zer- 
störung in Freundes Land viel mehr schadeten; die englischen 
Hilfsgelder (4½/ Millionen Taler jährlich von 1758—1761); 
leichtere Geldprägung („Ephraimiten"); — andrerseits die 
Begeisterung, welche seine Person und seine Sache dem Volke 
und Heere einflößten, und welche zu übermenschlichen Anstrengungen 
spornte. Ihm half endlich, daß er, der größte Feldherr des Jahr- 
hunderts und seiner kleineren Streitmacht unumschränkter Herr, 
einem ohne rechten einheitlichen Plan und oft ungeschickt Krieg 
führenden Bunde gegenüber stand. Auch waren Frankreichs, 
des deutschen Reichs und Schwedens Kriegsverfassungen in Ver- 
fall, und das Feldherrntalent des Prinzen Ferdinand überwog die 
numerische Ubermacht der Franzosen. Desto tüchtiger waren frei- 
lich die, an Zahl auch allein überlegenen, Armeen Osterreichs und 
Rußlands; ihre Abwehr bildete den Hauptgegenstand des Krieges 
und war die schwierige Aufgabe des (oft gichtkranken) Königs. 
Seine verdientesten Gehilfen waren hierbei: sein Bruder Hein- 
rich (geb. 1726 zu Berlin, 1802); Kurt Christoph Graf 
v. Schwerin (geb. 1684); Friedr. Wilhelm v. Seydlitz (geb. 
1721 zu Kalkar, k. 1773); Hans Joachim v. Zieten (geb. 
1699 zu Wustrau bei Ruppin, 1786); der Schotte James 
Keith; Moritz von Dessau (Sohn des 1747 gestorbenen 
Leopold). 
Den ungeheuren Soldatenmassen des Bundes entsprach die 
Größe ihres Geldaufwandes: Frankreich zahlte an Osterreich und 
die verbündeten deutschen Fürsten über 100 Millionen Livres 
Hilfsgelder; wie alle Bundesglieder stürzte es sich durch diesen 
Krieg in tiefe Schulden (677 Millionen Livres); Österreich 
machte deren für 154 Millionen Gulden. An Menschen verlor 
Europa über eine Million, Preußen hiervon fast die Hälfte; 
Nord= und Mitteldeutschland waren verwüstet. Friedrich dem 
Großen kostete der Krieg 180 000 Soldaten, 1500 Offiziere, 
125 Millionen Daler; dennoch erhöhte er weder die Steuern, 
noch machte er Schulden, sondern er allein behielt „den letzten 
Taler in der Tasche“, war 1763 gerüstet zu einem neuen, 
großartigen Feldzug und baute, seine Finanzkraft zu zeigen und 
Arbeiter zu beschäftigen, sofort ein kostbares Palais (bei Sans-
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        — 90 — 
souci). Diese Tatsache verstärkte außerordentlich die Meinung 
von seiner Macht. 
Die Folgen des Siebenjährigen Krieges waren: allgemeine An- 
erkennung Preußens als einer europäischen Großmacht; Ubergang 
der Führerschaft in Deutschland an Preußen; starkes, stolzes 
Selbstgefühl der preußischen Nation; ein großartiger Aufschwung 
der Geister im protestantischen Deutschland, insbesondere auf 
literarischem Gebiet: „Der erste wahre und höhere Lebensgehalt,“ 
sagt Goethe, „kam durch Friedrich den Großen und die Taten 
des Siebenjährigen Krieges in die deutsche Poesie." 
Vom Hubertusburger Frieden 
bis zum Tode Friedrichs des Großen (1763—1786). 
§ 62. Friedrichs erste Sorge nach dem Frieden war, sein 
verwüstetes Land wieder in Blüte zu bringen. Er gab Millionen 
her, den verarmten Gutsbesitzern wieder aufzuhelfen, verteilte 
Saatkorn und Pferde unter die Landleute, baute verbrannte 
Ortschaften wieder auf, führte den Kartoffelbau ein, förderte 
auch Gewerbe und Handel auf alle Weise. Rasch kam das 
Fabrikwesen in die Höhe; die Berliner Porzellanfabrik 
(1761 gegründet) bekam in Deutschland, die schlesische Lin- 
nenweberei in der ganzen Welt Ruf. Zum Nutzen des Kauf- 
manns gründete der König 1765 die königliche Bank, 1772 die 
Seehandlungs-Gesellschaft in Berlin. — Seine Gerechtig- 
keitsliebe, durch die Geschichten vom Potsdamer Windmüller und 
vom Wassermüller Arnold weltberühmt, schützte die Armen und 
Geringen vor Unbill und schuf das (1784 unter Leitung des 
Großkanzlers v. Carmer ausgearbeitete) Allgeme ine Preu- 
ßische Landrecht. 
Um seinem Staate die Großmachtstellung, die er ihm er- 
obert, zu bewahren, mußte sein Heer (150 000—200 000 Mann) 
immer schlagfertig, und sein Schatz immer voll sein. Daher 
arbeitete und sparte er noch eifriger als vordem. Frühmorgens 
saß er schon über den Geschäften; um sie gehörig verrichten zu 
können, lernte er, da ihm 1782 die Gicht in die rechte Hand 
trat, noch mit der linken leserlich schreiben. Dabei beschränkte 
er, je älter er wurde, desto mehr seine persönlichen Bedürfnisse: 
Erholung fand er, nachdem ihm allmählich die Jugendfreunde 
gestorben, und seit das Alter ihm auch sein Flötenspiel versagte, nur
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        noch in Lektüre und Schriftstellerei. So verlangte er denn auch 
von den Untertanen viel. Um den Steuerertrag zu mehren, 
erhöhte er die Zölle auf Luxuswaren, gab der Regierung den 
Alleinhandel (das Monopol) mit Kaffee und Tabak und führte 
eine strengere Acciseverwaltung, die „Regie“ (1766), ein, die 
besonders durch die Plackerei, welche die Zollbeamten übten 
CKaffeeriecher“), sehr drückend und verhaßt war. Dagegen hat 
er zur Beförderung des Ackerbaues, Handels und Gewerbes 
binnen 20 Jahren (von 1763—1783) 24 Millionen Taler her- 
gegeben, die er zum großen Teil sich an seinem Hofhalt absparte. 
Sein Geld und seine Soldaten erhielten ihn auch bei allen 
Fürsten in solcher Achtung, daß er den Staat noch einmal durch 
eine wichtige Provinz erweitern konnte. 
§ 63. Schon lange spielten die Russen in dem zerrütteten 
polnischen Reiche die Herren, besonders seit die Kaiserin 
Katharina II. 1764, nach Augusts III. Tode, ihren Günstling 
Stanislaus Poniatowski zum König von Polen gemacht hatte. 
Auch konnte niemand den Polen helfen. Denn einen Bürger- 
stand gab es hier nicht, der Bauer war leibeigen, und die herr- 
schenden Stände, Adel und Priesterschaft, waren in Selbstsucht 
und Uppigkeit versunken und immer in feindliche Parteien ge- 
spalten. So hatte die Nation keine Kraft. Der König aber, 
dessen Amt durch Wahl vergeben ward und von den Edelleuten 
fast zu einem leeren Ditel herabgedrückt worden war, sah ratlos 
zu. Uberdies war die Bevölkerung nur zum Teil polnischer 
Abkunft. Die Russen betrachteten daher Polen als ihre sichere 
Beute und behandelten den polnischen König wie einen Unter- 
gebenen ihrer Kaiserin. Zwar erhob sich hiergegen ein Teil des 
polnischen Adels, und auch die Türkei erklärte (wegen einer 
Grenzverletzung) 1768 an Rußland den Krieg. Aber die Russen 
siegten und wollten die den Türken abgenommenen Donaufürsten- 
tümer Moldau und Walachei behalten. Dies hinwieder konnte 
Osterreich nicht zugeben, und so drohte auch ein Krieg mit dieser 
Macht. In denselben wäre auch Preußen hineingezogen worden; 
denn Friedrich hatte, um sich gegen die Feindschaft der übrigen 
Großmächte zu sichern, 1764 einen Bund mit Rußland geschlossen. 
Um nun diesen Krieg zu vermeiden, trat er als Friedensver- 
mittler dazwischen. Man einigte sich dahin, daß die Nussen die
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        Donaulande räumten und sich mit einem Teile Polens begnügten, 
einen anderen Teil aber an Osterreich und Preußen kommen 
ließen. Nach dem Teilungsvertrage vom 5. August 1772 
(den der polnische Reichstag im folgenden Jahre genehmigen 
mußte) nahm jede der drei Mächte den ihr zunächst liegenden 
Strich von Polen, und zwar Rußland Litauen, Osterreich Gali- 
zien, und Preußen das untere Weichselland — doch ohne Danzig 
und Thorn — nämlich Westpreußen (Pommerellen, Kulm, 
Elbing) mit dem Netzedistrikt und Ermland, 645 Quadrat- 
meilen mit 600 O00 Einwohnern. So war dies deutsche Land 
nach dreihundertjähriger Fremdherrschaft dem Deutschtum wieder- 
gewonnen, und die Lücke im preußischen Staate zwischen Ost- 
preußen und Brandenburg-Pommern, in welche sonst die Russen 
eingedrungen wären, glücklich ausgefüllt. Dies große Verdienst 
vermehrte Friedrich noch durch die Wohltaten, die er der neuen 
Provinz zu teil werden ließ. Nachdem er sich am 27. September 
1772 in Marienburg hatte huldigen lassen (nunmehr als König 
„von“ Preußen, weil ihm jetzt das ganze gehörte), erlöste er die 
westpreußischen Protestanten von der Herrschaft der römischen 
Kirche, führte unparteiische Rechtspflege ein, verbesserte das Schul- 
wesen und die ganze Verwaltung, legte 1773—1774 den Brom- 
berger Kanal an, 1776 die Festung Graudenz, machte die 
Warthe= und Netzebrüche urbar, siedelte hier viele Hunderte 
von deutschen Familien an, verwandelte die Jesuitenkollegien in 
Gymnasien und widmete überhaupt dieser Provinz eine landes- 
väterliche Fürsorge, die sie seit Jahrhunderten entbehrt hatte. 
§ 64. Auch im deutschen Reiche stieg sein Ansehen immer- 
fort. Er spielte hier die erste Rolle und duldete nicht, daß 
Preußens damaliger Todfeind, Osterreich, hier wieder zur alten 
Macht kam. Maria Theresias Sohn, Kaiser Joseph II., wollte 
für Schlesien Ersatz in Bayern suchen. Als hier die bayrische 
Linie des Hauses Wittelsbach ausstarb (Dezember 1777), ließ er 
Truppen einrücken und bewog den Erben, Kurfürst Karl Theodor 
von Pfalz-Sulzbach, ihm einen großen Teil von Bayern abzu- 
treten (Januar 1778). Aber sofort erklärte ihm Friedrich der 
Große den Krieg und fsiel in Böhmen ein, um dem Herzog 
Karl von Pfalz-Zweibrücken, dem nächsten Verwandten des Kur- 
fürsten, Bayern zu erhalten. Da Maria Theresia einen neuen
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        großen Kampf vermeiden wollte, so mußte Joseph II. nachgeben; 
der Friede zu Teschen (1779), in welchem die Ssterreicher 
Bayern mit Ausnahme eines Grenzstrichs am Inn wieder heraus- 
gaben, beendete diesen Bayrischen Erbfolgekrieg; zu einer 
Schlacht war es nicht gekommen („Kartoffelkrieg“). 1785 rettete 
Friedrich den Wittelsbachern Bayern noch einmal; denn da Kaiser 
Joseph seine Umtriebe erneuerte, so vereitelte Friedrich dieselben, 
indem er die Fürsten fast aller deutschen Mittel= und Kleinstaaten 
veranlaßte, sich mit ihm zu einem Bunde zu vereinigen, dem 
„Deutschen Fürstenbunde,“ der unter Preußens Führung die 
Aufrechterhaltung des Bestehenden im Reiche bezweckte, worauf 
dann der Kaiser von seinem Plane abstand. » 
So blieb Friedrich der Große bis zuletzt Osterreich, das 
er für Preußens natürlichen Widersacher erklärte, überlegen. 
Donnerstag am 17. August 1786 starb der König, nachdem 
er 46 Jahre lang und selbst in der Krankheit, die zumal sein 
Greisenalter quälte (Gicht, Wassersucht), seine Arbeit nicht einen 
Tag versäumt hatte. „Wann wird wieder ein so großer König 
das Zepter führen?" sprach sein Feind, Fürst Kaunitz in Wien. 
Friedrich der Große hinterließ den Staat von 2145 Quadrat- 
meilen und 2½ Millionen Einwohner auf 3524 Quadratmeilen 
und 5⅝ Millionen Einwohner, die Einkünfte von 7 auf 
20 Millionen Taler, das Heer von 83 000 auf 200 000 Mann 
vergrößert und einen Schatz von 55 Millionen Taler. Er hat 
Preußen zu einer Großmacht, die Schlesier und Westpreußen zu 
Preußen, die Preußen zu einer weltberühmten Nation gemacht. 
Das polnische Reich vor 1772 hatte keine nationale Einheit; 
von seinen 13 Millionen Einwohnern auf 13000 Quadratmeilen 
waren nur etwa 5 Millionen Polen, die der Hauptmasse nach 
an der oberen und mittleren Weichsel und Warthe saßen. Den 
weiten Osten hatten im Süden zwischen San und Dujepr russische 
Stämme, im Norden zwischen Narew und Düna Litauer inne; 
im Nordwesten, an der unteren Weichsel bildeten Deutsche die 
Mehrzahl. In der Kultur hinter den Deutschen, im Staats- 
wesen auch hinter den Russen weit zurückgeblieben, hatten die 
Polen zur Beherrschung fremder Völker keinen Beruf, zur Be- 
hauptung ihrer eigenen Unabhängigkeit nicht die Kraft. 
Durch die erste Teilung Polens riß Friedrich ein deutsches 
Land aus der Gewalt des Slawentums, rettete Westpreußen vor 
der Polonisierung, der es zum Teil bereits erlegen war. Seine
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        — 94 — 
Politik verletzte auch hier das formale Recht, brachte aber wichtige 
deutsche Lebensinteressen wieder zu gebührender Geltung. Die 
Untaten der polnischen Katholiken gegen die Evangelischen muß- 
ten hier nun aufhören; aber auch für die katholischen West- 
preußen war es ein Segen, daß die alte polnische Wirtschaft ein 
Ende nahm; das Land blühte auf unter der preußischen Ver- 
waltung (Domhardt, v. Brenckenhoff). Dagegen warf sich Fried- 
rich im Bayrischen Erbfolgekriege und bei der Stiftung des deut- 
schen Fürstenbundes zum Beschützer der deutschen Reichsverfassung 
gegen Joseph II. auf, weil jedes Wachstum Österreichs in 
Deutschland ein Nachteil für Preußen war. Die Richtschnur 
seines Tuns war in diesen wie in allen Fällen einzig und allein 
die Macht und Größe, die Wohlfahrt und Sicherheit des preu- 
ßischen Staates. 
§ 65. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ging in 
den Köpfen und Sitten des Volks eine große Veränderung vor. 
Das Bedürfnis nach geistiger Bildung steigerte sich und wurde 
allgemein, der Mittelstand ihr Träger. Selbst die dienende 
Klasse in den Städten ergriff die Lust zu lesen und sich zu be- 
lehren. überall entstanden Leihbibliotheken. In den Schulen 
führte man eine weniger pedantische Methode ein und trieb auch 
Realien. Die Hauptstadt war der große Herd der ästhetisch-lite- 
rarischen Bewegung. Hier veröffentlichte Nikolai die berühmten 
Literaturbriefe (1759—1765), an denen Lessing mitgearbeitet, 
und deren Fortsetzung, die „Allgemeine Deutsche Bibliothek“". 
Lessing selbst, der Schöpfer der wissenschaftlichen Kritik und der 
Erneuerer der deutschen Prosa, lebte und schrieb viel in Berlin; 
und die Perle seiner Dichtung, „Minna von Barnhelm“, 
ist ein preußisches Nationaldrama. Von den Heroen der klassi- 
schen Literatur Deutschlands gehörten durch Geburt Preußen an: 
Klopstock (geb. 1724 in Quedlinburg), Herder (geb. 1744 in 
Mohrungen), Winckelmann (geb. 1717 in Stendal). Eigentlich 
preußische Schriftsteller waren: Ewald von Kleist (geb. 1715), 
der Dichter des „Frühlings“, der bei Kunersdorf fiel, und Gleim, 
der Sänger der „Lieder eines preußischen Grenadiers“ (geb. 1719, 
1 1803 in Halberstadt); Th. G. v. Hippel, der Humoristiker 
(geb. 1741 zu Gerdauen); Hamann (geb. 1730 in Königsberg), 
der „Magus des Nordens". WMissenschaftliche Größen waren: 
Cocceji, Carmer, Svarez; Lieberkühn, Euler, Dohm, Achard; 
der Weltumsegler Reinhold Forster; der hallesche Philolog 
F. A. Wolf; die Philosophen Garve, Engel, Moses Mendels- 
sohn. Von weltgeschichtlicher Bedeutung: Immanuel Kant
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        — 95 — 
(geb. 1724, X 1804 in Königsberg), der Gründer der neueren 
Philosophie („Kritik der reinen Vernunft“ 1781; „Kritik der 
praktischen Vernunft“, „Kritik der Urteilskraft" 1790). Ein- 
heimische Künstler: der Maler Antoine Pesne (+F 1757), Daniel 
Chodowiecki, der „preußische Hogarth“ (geb. 1726 zu Danzig, 
1 1801 zu Berlin); Karl Heinrich Graun (geb. 1701 zu Wahren- 
brück bei Liebenwerda, I 1759 zu Berlin; „Tod Jesu“ 1754), 
Benda, Reichardt; Händel nur durch Geburt Preuße (geb. 1685 in 
Halle). — Berlin, durch prächtige Bauten und Anlagen (z. B. 
die Heldengallerie auf dem Wilhelmsplatz) sehr verschönert, seit dem 
Siebenjährigen Kriege Fabrikstadt, als Residenz Friedrichs des 
Großen der Sammelplatz vieler Fremden und besonders vieler 
Franzosen, erhielt großstädtischen Charakter. Aber zugleich niste- 
ten sich französische Sitten und Laster ein; die Aufklärung 
entartete vielfach zur Freigeisterei, der Schönheitssinn zur 
Genußsucht; Sittenverderbnis trat an die Stelle der alt- 
väterischen Zucht und Ehrbarkeit. Auch in den Provinzen gab 
es unvergleichlich mehr Aufklärung und geistige Rührigkeit als zu 
Friedrich Wilhelms I. Zeit, aber, besonders bei den höheren 
Ständen, auch mehr Uppigkeit und Sittenlosigkeit. Ge- 
meinsam war allen eine fast abgöttische Verehrung des Königs 
und ein sehr hoher Nationalstolz. 
VI. Vom Tode Friedrichs des Großen bis zum 
Fall der alten Monarchie (1786—1800). 
Friedrich Wilhelm II. (1786—1797). 
§ 66. Friedrich der Große hinterließ keine Kinder; es folgte 
ihm daher in der Regierung sein Neffe Friedrich Wilhelm 
(geb. 1744), ein milder und großmütiger, aber den Lebens- 
genüssen zu sehr geneigter Mann, der unwürdige Günstlinge 
großen Einfluß gewinnen ließ. Doch besaß der neue König an- 
fangs die Liebe des Volks, weil er die Regie und das Tabaks- 
und Kaffeemonopol abschaffte. Zur Hebung des Unterrichts- 
wesens errichtete er 1787 ein Oberschulkollegium; um 
der Freigeisterei zu steuern, ließ er durch ein Religionsedikt 
1788) den Geistlichen und Lehrern die alte Rechtgläubigkeit zur
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        — 96 — 
Pflicht machen; durch ein Zensuredikt zog er der Presse die 
engsten Schranken. 
In der auswärtigen Politik handelte er anfangs nach dem 
Rat eines tüchtigen Ministers, des von Friedrich dem Großen 
gebildeten Grafen Hertzberg, bald aber nach seinen persönlichen 
Stimmungen. Als seine Schwester, die Gemahlin des hollän- 
dischen Erbstatthalters Prinzen von Oranien, bei einem Auf- 
stande der Holländer eine Kränkung erfuhr, besetzte er, ohne 
Widerstand zu finden, ganz Holland und schaffte dem Erbstatt- 
halter dort seine Rechte wieder (1787). Preußen hatte von die- 
sem kostspieligen Kriegszuge keinen Vorteil. Ebenso wenig nützte 
der König seinem Staate durch sein Verhalten zu Osterreich. 
Dasselbe führte im Bunde mit Rußland Krieg gegen die Türken, 
während Belgien und Ungarn gegen die habsburgische Herrschaft 
sich empörten, und Polen und Schweden die Waffen zu ergreifen 
drohten. Friedrich Wilhelm rüstete, um hieraus für Preußen 
einen Vorteil zu ziehen, gab aber den Plan wieder auf und ver- 
mittelte im Vertrage zu Reichenbach (1790) zwischen Oster- 
reich und der Türkei einen Frieden. 
§ 67. Die Französische Revolution (1789), in welcher 
die Franzosen die drückenden Vorrechte des Adels und der Geist- 
lichkeit, sowie die unumschränkte Monarchie abschafften, erbitterte 
Friedrich Wilhelm II., und als jene in ihrem Freiheitstaumel 
ihren König Ludwig XVI. und dessen Gemahlin Maria An- 
toinette auch persönlich beschimpften, beschloß er, von den franzö- 
sischen Emigranten (ausgewanderten Prinzen und Edelleuten) 
aufgereizt, als Wiederhersteller des königlichen Ansehens und 
Unterdrücker der Demokratie in Frankreich aufzutreten. Nach 
Entlassung Hertzbergs und einer Zusammenkunft mit Kaiser 
Leopold II., dem Bruder Marie Antoinettens (in Pillnitz 1791), 
verbündete er sich mit Osterreich (1792), und als die fran- 
zösische Regierung diesem nun den Krieg erklärte, zog er als 
dessen Bundesgenoß das Schwert gegen Frankreich. 
Der Einfall der Preußen in die Champagne, sowie 
das drohende Manifest ihres Befehlshabers, des Herzogs Karl 
von Braunschweig, reizte jedoch nur die Wut der Franzosen, 
die sich massenhaft den Fremden entgegenstellten. Nach der 
Kanonade von Valmy (20. September 1792), wo der Herzog
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        — 97 — 
von Braunschweig sich unentschlossen gezeigt, und nachdem Ge- 
neral Dumouriez die Osterreicher bei Jemappes geschlagen (No- 
vember 1792) und die Niederlande erobert hatte, begannen die 
Franzosen ihrerseits Deutschland anzugreifen. Die Hinrichtung 
Ludwigs XVI. (21. Januar 1793) und der Sieg der Jakobiner 
in Paris veranlaßte alle Nachbarn Frankreichs zu einer großen 
Verbündung gegen dies revolutionäre Land, und die Deutschen 
gewannen mehrere Erfolge; die Preußen namentlich eroberten 
(23. Juli 1793) Mainz, siegten bei Pirmasens über Moreau 
(14. September), bei Kaiserslautern (28. November) über 
Hoche. Aber die Uneinigkeit der Verbündeten rettete Frankreich; 
denn während Preußen und Osterreich wegen der polnischen 
Angelegenheiten mit einander zerfielen und den franzöfischen 
Krieg lau und planlos führten, gewann der Wohlfahrtsausschuß 
der französischen Republik Zeit, die ganze Nation zu bewaffnen. 
Daher halfen auch die neuen Siege der Preußen bei Kaisers- 
lautern (23. Mai 1794 unter Möllendorf und 18.—20. Sep- 
tember unter Hohenlohe und Blücher) nichts. Osterreichs Treu- 
losigkeit und die Zerrüttung der preußischen Finanzen, die frei- 
lich Friedrich Wilhelm durch seine falsche Politik selbst ver- 
schuldet hatte, bewogen den König, sich von diesem unersprießlichen 
Kriege zurückzuziehen. Am 5. April 1795 schloß er mit der fran- 
zösischen Republik den Frieden zu Basel, in welchem er den 
Franzosen vorläufig das linke Rheinufer überließ und Nord- 
deutschland nach Maßgabe einer „Demarkationslinie“ für neutral 
erklärte. Beim Eintritt des allgemeinen Friedens sollte Preußen, 
falls es sein überrheinisches Gebiet (43 Quadratmeilen) nicht 
wieder erhalte, diesseit des Rheins entschädigt werden. 
§ 68. Der Verlust an Geltung und Ansehen, den der un- 
rühmliche Ausgang seiner Unternehmungen in den Verträgen 
von Reichenbach und von Basel dem preußischen Staate zufügte, 
wurde durch große Erwerbungen in Polen nur zum Teil auf- 
gewogen. Es gab in Polen zwei Adelsparteien: die eine ver- 
suchte das Reich durch eine verbesserte Verfassung zu retten und 
hoffte auf Preußens Schutz, den sie jedoch nicht, wie dieses 
wünschte, durch Abtretung der deutschen Städte Danzig und 
Thorn erkaufen wollte; die andere stand im Solde Rußlands 
und rief ein russisches Heer ins Land. Die Patrioten unter 
Pierson, Leitf. d. preuß. Gesch. 7
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        — 98 — 
Kosciuszko wurden von den Russen bei Dubienka (17. Juli 
1792) besiegt; damit Rußland nun nicht ganz Polen verschlinge, 
ließ auch Friedrich Wilhelm Truppen einrücken und vereinigte 
sich mit der Kaiserin Katharina zur Zweiten Teilung Polens 
(im Vertrage zu Grodno 22. Juli 1793). In diesem Vertrage, 
den der polnische Reichstag anerkennen mußte, nahm Rußland 
das östliche Polen, Preußen aber außer Danzig und Thorn 
das sogenannte Großpolen, im ganzen ungefähr 1000 Quadrat- 
meilen mit 1 100 000 Einwohnern; diese neue Provinz (deren 
Kern etwa das heutige Großherzogtum Posen umfaßte) erhielt 
den Namen Südpreußen. 
Im März 1794 empörten sich die Polen und vertrieben 
ihre russischen Unterdrücker. Friedrich Wilhelm warf den Auf- 
stand zwar durch den Sieg bei Szczekocyn (über Kosciuszko 
6. Juni 1794) nieder, hob aber die Belagerung Warschaus wie- 
der auf und überließ den Russen die völlige Bezwingung des 
Landes. Diese, geführt von Suworow, besiegten Kosciuszko bei 
Maciejowice (10. Oktober 1794), erstürmten Praga, besetzten 
Warschau und vernichteten das polnische Reich durch die Dritte 
Teilung Polens (24. Oktober 1795). In derselben nahmen 
Rußland und Osterreich für sich das meiste und nötigten dann 
Friedrich Wilhelm, sich mit dem Rest (Masovien, Warschau, 
Bialystok — 860 Quadratmeilen mit einer Million Einwohner —) 
zu begnügen; er nannte diese Besitzungen „Neuostpreußen“ 
und „Neuschlesien“. 
In Deutschland vergrößerte er den Staat durch einen Vertrag 
mit dem letzten Markgrafen von Ansbach und Bayreuth, nach 
welchem diese Fürstentümer 1792 an Preußen abgetreten wurden. 
Obwohl nun unter Friedrich Wilhelm Preußen an Umfang 
und Bevölkerung sehr wuchs, von 3524 auf 5537 Quadrat- 
meilen von 5⅜ Millionen Einwohnern auf 82/, so war doch 
seine Macht, als er (1797) starb, im Sinken; denn jener 
Zuwachs belastete den deutschen Staat mit polnischem Volk, 
und die rechte Kraft war vergeudet. Friedrich Wilhelm hatte 
nicht bloß den Schatz Friedrichs des Großen verbraucht, son- 
dern noch 35 Millionen Taler Schulden gemacht; und was 
noch schlimmer war, da nicht mehr strenge und kluge Aussicht 
gehalten wurde, so verfielen Heer und Beamtenschaft, wenn auch 
die Truppenzahl auf 235 000 Mann stieg. Ein anderes Übel
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        — 99 — 
war die Üppigkeit des Hofes; sie beförderte auch bei den Unter— 
thanen die Sittenlosigkeit. 
s 69. Unter den Großmächten damals bei weitem die kleinste 
und von einem politisch noch unmündigen Volke bewohnt, konnte 
Preußen seine hohe Stellung in der Welt nur so lange behaupten, 
als Friedrichs des Großen Genie, Arbeitskraft und Arbeitslust die 
Monarchie beseelten. Alles kam auf die Persönlichkeit des 
Regenten an. Daher geriet der Staat sofort in Verfall, als mit 
Friedrich Wilhelm II. ein Fürst den Thron bestieg, der sich statt 
vom Staatswohl von seinen persönlichen Neigungen bestimmen ließ, 
dem die Arbeit des persönlichen Regierens zu lästig oder zu schwer 
war, und der Günstlingen wie Bischoffwerder und Wöllner Macht 
im Staate gab. Damit fiel er von der heilsamen Überlieferung 
seiner Vorgänger ab, wie auch sein Privatleben nicht hohen- 
zollenscher Art war. Und weil das Beispiel des Hofes in 
patriarchalisch regierten Staaten für die Nation maßgebend ist, 
so verbreiteten sich unter dieser Regierung die Genußsucht und 
ein schlaffes, zerfahrenes Wesen in der ganzen höheren Gesell- 
schaft und bis in den Bürgerstand. 
Nach außen zeigte sich der Abfall von Friedrichs Über- 
lieferung darin, daß eine Gefühlspolitik an Stelle der Interessen- 
politik trat. Der Wendepunkt war die Reichenbacher Konvention; 
in ihr gab Friedrich Wilhelm die Gegnerschaft zu Öster- 
reich auf und geriet in dessen Schlepptau, während Hertzberg 
geraten hatte, im Bunde mit den empörten Nationalitäten 
(Belgien, Ungarn, Polen) die Zertrümmerung Osterreichs zu unter- 
nehmen. 
Dennoch konnte der Bund der deutschen Großmächte nicht 
einmal Polens Vernichtung und Rußlands Vordringen ab- 
wenden, teils weil jene, von der schlauen Zarin eifrig gegen 
Frankreich gehetzt, ihre Kräfte nach dem Westen gewendet hatten, 
teils weil die polnische Nation durch eigene Schuld ihren Ruin 
vollendete. 
Während die Erwerbung von Danzig und Thorn im In- 
teresse des Deutschtums und des Weichselhandels von Westpreußen, 
die Erwerbung Posens zur Sicherheit der Grenzen des Staates 
notwendig war, enthielt der Besitz des übrigen Polens für Preu- 
ßen viel Nachteil und Gefahr. Es verlor dadurch an Ein- 
heitlichkeit des Volkstumes in Sprache, Sitte und Glauben; es 
hatte dort unruhige, ungebildete, von einem preußenfeindlichen 
Adel und Klerus geleitete Bevölkerungen im Joch zu halten. 
77
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        — 100 — 
Diese unrichtige Lösung der polnischen Frage wurde dem preu- 
ßischen Könige aufgenötigt durch ihr Zusammentreffen mit dem 
französischen Kriege, der einen großen Teil der Staatskräfte lahm- 
legte, durch Osterreichs Abfall, welches ihm in Polen entgegen- 
arbeitete und sich dann wider ihn mit der Zarin verbündete, und 
durch Rußlands Ubermacht, das, während Deutschland die Fran- 
zosen bekämpfte, im Osten ungehindert schalten konnte. 
Der Friede zu Basel brachte über Preußen zum ersten Male 
den Vorwurf einer undeutschen Politik; doch hatten weder die 
deutschen Kleinstaaten noch der Kaiser ihre Pflicht im Reichskriege 
gethan. Franz II. verhandelte vielmehr insgeheim mit dem Wohl- 
fahrtsausschuß und trieb dadurch Friedrich Wilhelm vollends zum 
Abschluß seines Sonderfriedens. 
Friedrich Wilhelm III. (1797—1840). 
§ 70. Friedrich Wilhelms II. ältester Sohn und Nach- 
folger, Friedrich Wilhelm III. (geb. am 3. August 1770 zu 
Potsdam), war ein sittenreiner, ehrbarer und wohlwollender 
Mann, ausgezeichnet zwar nicht durch rasche Entschlossenheit und 
selbstvertrauende Tatkraft, aber durch einen verständigen Sinn, 
Pflichtgefühl, Liebe zur Ordnung, Sparsamkeit, Gerechtigkeit. 
Mit seiner Gemahlin, der schönen, geistreichen und tugendhaften 
Königin Luise (geb. als Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz 
am 10. März 1776), führte er ein schlichtes, gemütliches Leben, 
ein Muster eines echt deutschen Familienvaters. Dies Vorbild 
wirkte läuternd auf die entsittlichten höheren Kreise der Nation 
und gewann alle Herzen. Auch die ersten Regierungshandlungen 
des Königs fanden beim Volke allgemeinen Beifall. Er entfernte 
die Günstlinge seines Vaters aus ihren einflußreichen Stellen, 
hob das Religionsedikt auf, das nur Heuchelei befördert habe, 
und brachte durch Wirtschaftlichkeit die Finanzen in bessere 
Ordnung. Eine gründliche Reform des Staates und Heeres 
nahm er aber nicht vor, weil man beide, als Erbstücke von 
Friedrich dem Großen, für unübertrefflich hielt. Darin lag nun 
eine große Selbsttäuschung; denn im Laufe der Zeit waren die 
Einrichtungen beider veraltet, während die französische Revo- 
lution auswärts ganz neue Anstalten und Mächte geschaffen hatte. 
In Frankreich nämlich hatte man nach Beseitigung der 
Standesvorrechte alle Einwohner zu gleichberechtigten Staats-
        <pb n="104" />
        — 101 — 
bürgern gemacht und jedem Talent ohne Rücksicht auf Geburt, 
Alter oder Glauben den Zutritt zu den höchsten Ämtern im Civil 
und Militär eröffnet. Dadurch waren rasch die fähigsten Köpfe 
nach oben gekommen und hatten besonders im Kriegswesen groß- 
artige Verbesserungen eingeführt, so daß die französischen Trup- 
pen sich viel leichter und rascher bewegten und in weit größeren 
Massen schnell auf einen Punkt versammelt werden konnten, als 
die feindlichen Heere, welche nach alter Art zusammengesetzt und 
eingerichtet waren. Und während bei diesen oft unfähige Männer 
kommandierten, wurden die Franzosen von kraft= und talentvoller, 
Generalen geführt. Unter diesen ragte Napoleon Bonaparte 
(geb. 1769 zu Ajaccio in Korsika) durch außerordentliche Willens- 
kraft, Einsicht und Gewandtheit hervor. Seine glänzenden Siege 
Aber die Osterreicher (1797) gewannen ihm die Ergebenheit der 
Armee; mit deren Hilfe machte er sich unter dem Namen eines 
ersten Konsuls zum Herrn der Republik (1799). Seine Herrsch- 
sucht strebte jetzt auch die andern Staaten zu bemeistern und auf 
ihre Kosten für sich und Frankreich immer mehr Ruhm und 
Beute zu erringen. 
Friedrich Wilhelm ahnte wohl die große Gefahr, die ihm 
von diesem Manne drohte, und er war gegen die Schäden seines 
Heeres und Staates nicht blind; aber er liebte das Neuern nicht 
und ließ daher alles beim alten, weil er hoffte, wenn er sich 
immer neutral halte, werde Napoleon ihn nicht angreifen. So 
konnte dieser desto leichter mit Osterreich fertig werden, das er 
im Jahre 1800 noch einmal besiegte und zum Frieden von 
Luneville (1801) zwang, in welchem Italien (außer Venedig), 
die Schweiz und Holland und das deutsche Land links vom 
Rhein an Frankreich kamen. Die Franzosen spielten nun im 
deutschen Reich die Herren; nach ihrer Anordnung entschädigten 
sich die deutschen Fürsten im Regensburger Reichsdeputa- 
tions-Hauptschluß (1803) durch Einziehung geistlicher Güter; 
so bekam auch Preußen Ersatz für seine linksrheinischen Be- 
sitzungen, nämlich für Kleve, Geldern, Mörs, die nun fran- 
zösische Provinzen wurden, die Bistümer Hildesheim, Pader- 
born, Teile von Münster, Erfurt, das Eichsfeld, Essen, 
Mühlhausen, Nordhausen, Goslar und andere kleine Ge- 
biete Thüringens und Westfalens. Es gewann dabei an Land 
und Leuten, verlor aber an Ansehen in der Welt.
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        — 102 — 
8 71. Auch als Napoleon (1803) den Baseler Frieden 
brach und, um England beizukommen, Hannover besetzte, beharrte 
Friedrich Wilhelm bei seiner Neutralität und lehnte, von seinem 
Minister von Haugwitz und seinem Kabinettsrat Lombard schlecht 
beraten, den Beitritt zu einem neuen Bunde Englands, Oster- 
reichs und Rußlands ab. Napoleon, seit 1804 erblicher Kaiser 
der Franzosen, drang nun immer gewaltiger vor; von Bayern, 
Württemberg, Baden unterstützt, eroberte er 1805 Osterreich, 
schlug das österreichisch-russische Heer bei Austerlitz und nötigte 
Franz II. (der 1804 den Titel Kaiser von ÖOsterreich ange- 
nommen) zu dem schimpflichen Frieden von Preßburg. Friedrich 
Wilhelm aber, dessen neutrales Ansbacher Gebiet durch franzö- 
sische Truppen verletzt worden, hatte jetzt eine neue Demütigung 
zu erdulden. In einem Vertrage mit Frankreich (15. Februar 
1806) mußte er Ansbach, Wesel, Neuschatel abtreten, dem 
englischen Handel seine Häfen schließen und durfte dafür das 
Kurfürstentum Hannover nehmen. 
Dennoch half ihm seine Nachgiebigkeit gegen Napoleon nichts. 
Diesen gelüstete es längst, die Monarchie und Armee Friedrichs 
des Großen über den Haufen zu werfen, und er kränkte daher 
absichtlich den König fortwährend. Am 12. Juli 1806 brachte 
er die süddeutschen Staaten durch die Stiftung des Rhein- 
bundes ganz unter seine Botmäßigkeit; die Fürsten derselben 
machte er dafür, daß sie ihm Kriegsdienst leisteten, zu Souve- 
ränen, gab ihnen höhere Titel (denen von Bayern und Württem- 
berg den Königstitel) und mehr Land und Leute. Das Deutsche 
Reich löste sich damit auf, und Franz II. legte die deutsche 
Kaiserkrone nieder. Die norddeutschen Fürsten, die sich mit 
Preußen zu einem ähnlichen Bunde hatten vereinen sollen, wur- 
den von Napoleon insgeheim davon abgemahnt; ebenso betrog 
und höhnte er den König, indem er Hannover den Engländern 
und Preußisch-Polen den Russen anbot, wenn sie einen Frieden 
auf seine Bedingungen eingingen. Alles dies zeigte dem Könige, 
daß der Krieg unvermeidlich sei; er entschloß sich daher, das 
Schwert zu ziehen; freilich jetzt zur Unzeit. Denn weil die 
Heere des ihm verbündeten Rußlands noch weit entfernt waren, 
und Osterreich und England jetzt ihrerseits untätig zusahen, so 
hatte Preußen (nur von Sachsen unterstützt) im wesentlichen 
allein den ungleichen Kampf zu bestehen. Es war schlecht
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        — 103 — 
gerüstet und ohne tüchtige Führer. Nur 100 000 Mann 
(darunter 20 000 Sachsen) brachte es, als der Krieg Anfang 
Oktober 1806 in Thüringen begann, dort ins Feld. Dagegen 
hatte Napoleon aufs schnellste hier eine übermacht von 220 000 
Mann (ein Fünftel davon Rheinbundstruppen) vereinigt, und 
während die preußischen Feldherren, der einundsiebzigjährige 
Herzog von Braunschweig und der Fürst von Hohenlohe, 
unentschlossen hin und her berieten, besetzte er die Pässe des 
Thüringer Waldes, wo des Königs Vetter Prinz Louis Ferdi- 
nand im Gefecht bei Saalfeld (10. Oktober) eine Niederlage 
erlitt und tapfer kämpfend fiel. Darauf griffen die Franzosen 
am 14. Oktober bei Jena und Auerstädt, 100 000 Mann 
stark unter Napoleon und Davoust, das preußische Hauptheer 
(70 000 Mann unter Hohenlohe und Braunschweig) an und be- 
siegten die tapfer kämpfenden, aber schlecht geführten Truppen 
vollständig. Jetzt bemächtigte sich ein panischer Schrecken fast 
aller höheren Offiziere und Beamten, und von dem nicht für 
möglich gehaltenen Schlage wie betäubt und gelähmt, gaben sie 
alles verloren und lieferten ohne weiteres Truppen und Festungen 
dem Feinde aus. Ohne Schwertstreich kapitulierten noch im Ok- 
tober die Kommandanten von Erfurt, Spandau, Stettin und im 
offenen Felde Fürst Hohenlohe und v. Massenbach bei Prenzlau; 
dann im November die Befehlshaber von Küstrin, Magdeburg, 
Hameln. Nur der General von Blücher rettete seine Ehre, schlug 
sich mit einem kleinen Haufen bis Lübeck durch und konnte erst 
nach heftiger Gegenwehr von der Ubermacht zur Ubergabe 
(bei Ratkau am 7. November) genötigt werden. Die unteren 
Offiziere und das Volk hätten wohl Widerstand versucht; aber 
es fehlte die rechte Leitung. Der Gouverneur von Berlin er- 
mahnte vielmehr: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!“ So konnten 
die Franzosen schon am 24. Oktober ungehindert in Berlin ein- 
ziehen, die Verwaltung des Staates an sich nehmen und dessen 
Hifsquellen für sich ausnutzen. 
Unterdessen eilte der König über die Oder und Weichsel, 
um den Rest seines Heeres mit den Truppen zu vereinigen, 
welche sein Freund und Bundesgenoß, Kaiser Alexander von 
Rußland, herbeiführte. Aber bei den Russen waren Oberbefehl 
und Einrichtung des Heeres nicht besser bestellt. Sie gaben die 
Weichsel preis und drängten immer rückwärts. Die Tapferkeit
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        — 104 — 
der Russen unter Bennigsen und der Preußen unter Lestocq 
wehrte dann zwar die französische Übermacht in der blutigen, 
doch unentschiedenen Schlacht bei Preußisch-Eilau (7. und 8. Fe- 
bruar 1807) ruhmvoll ab, und Napoleon hielt es für geraten, 
dem Könige einen Sonderfrieden anzubieten, den dieser aus 
Treue gegen Alexander ablehnte. Bald jedoch zeigte es sich, daß 
die Russen den preußischen Staat weder retten konnten, noch 
wollten. Ihre Streitmacht war zu gering. Am 14. Juni 1807 
brachte ihnen Napoleon bei Friedland eine schwere Nieder- 
lage bei, und nun verloren sie die Lust an diesem Kriege. 
Friedrich Wilhelm mußte sie gewähren lassen; er war auf den 
äußersten Winkel seines Landes beschränkt. Die Feigheit oder 
Kopflosigkeit seiner obersten Diener hatte auch Schlesien dem 
Feinde ausgeliefert; die Kommandanten von Glogau, Breslau, 
Schweidnitz hatten kapituliert; im ganzen Staate hielten sich nur 
die Festungen Kolberg (v. Schill, Nettelbeck, v. Gneisen au), 
Graudenz (v. Courbière), Kosel (Neumann), Silberberg, 
Glatz (Graf Götzen). Das wichtige Danzig, von der Besatzung 
tapfer verteidigt, aber bald des Pulvers ermangelnd, hatte sich 
(27. Mai) ergeben. Auch das Vertrauen auf Alexanders Treue 
täuschte. Er ließ sich bei einer persönlichen Zusammenkunft mit 
Napoleon (am 25. Juni in Tilsit) von diesem durch das glänzende 
Bild einer Teilung der Weltherrschaft unter die beiden Kaiser des 
Occidents und Orients blenden und schloß mit ihm auf Kosten 
seines Bundesgenossen Frieden. Preußen mußte an Rußland 
den Kreis Bialystok, an Frankreich die Provinzen westlich 
der Elbe und alles polnische Land nebst Danzig und Thorn 
abtreten, ferner Napoleons Kontinentalsystem annehmen, 
d. h. allen Handel mit England abbrechen, und endlich sehr 
schwere Kriegskosten (140 Millionen Francs) zahlen, bis zu deren 
Berichtigung 150 000 Franzosen im Lande verblieben und es ent- 
setzlich aussogen. Zu schwach zum Widerstande unterzeichnete 
Friedrich Wilhelm am 9. Juli 1807 diesen Frieden zu Tilsit, 
der ihm die Hälfte seiner Länder und dem Staate seine Groß- 
machtstellung raubte. 
§ 72. Die Niederlage bei Jena war an sich weder schimpf- 
lich, noch unerhört; selbst die Franzosen wunderten sich, wie Sol- 
daten, die man so kärglich halte, die man prügele, und die, wenn 
sie invalid oder zu Krüppeln geschossen wären, betteln müßten,
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        — 105 — 
sich dennoch so tapfer schlügen, und die preußischen Offiziere hatten 
bei Jena ihren Mut durch die große Zahl der Gefallenen (270) 
bewiesen. Aber was darauf folgte, ist beispiellos und erklärt sich 
nur aus der eigentümlichen Natur des alten preußischen Staates. 
Er war einzig und allein auf die Armee gebaut, und diese zu 
blinder Subordination erzogen. Daher kam alles auf die Führer 
an. Diese aber waren nicht mit Friedrichs des Großen Bilick 
ausgewählt worden. Die wichtigsten Posten beim Heere, wie beim 
Civil, hatte der König schwachen Greisen oder unbegabten Män- 
nern gelassen, die nach der Anciennität aufgerückt waren. Eine 
andere Ursache des jähen Falles war der maßlose Hochmut der 
Betroffenen. Nicht bloß die leitende Klasse, sondern auch das 
Volk hielt die Armee für unüberwindlich und keiner Verbesserung 
bedürftig. Und doch waren die Schäden derselben sehr groß: die 
Wehrverfassung war veraltet; man brachte die Soldaten noch 
durch Fremdenwerbung und aus dem einheimischen Proletariat 
zusammen, drillte sie durch Prügel zu Ererziermaschinen, trieb 
einen pedantischen Kamaschendienst; im Felde waren die Trup- 
pen schwer bepackt und durch großen Troß gehemmt; Aus- 
rüstung und Bewaffnung waren mangelhaft, die Verpflegung 
und der Sold unzureichend. Die Offizierstellen standen fast 
nur dem Adel offen, die meisten Oberbefehlshaber waren In- 
validen. Von der neuen napoleonischen Kriegskunft verstand 
man nichts und wies zeitgemäße Neugestaltungen zurück. 
Auf den maßlosen Dünkel folgte dann als natürlicher Rück- 
schlag ein maßloser Schrecken. Den Ruin vollendete der Umstand, 
daß die Nation, gewohnt nichts ohne Kommando zu thun, dem 
Feinde keinen Widerstand entgegensetzte, da die Regierung ihr 
Ruhe befahl. Generale und Beamte, sich selbst überlassen, ver- 
zagten, und der König sah sein Heil nur noch bei den Russen, 
weil seine Generale und Beamten nichts leisteten. 
Indem aber der König über die Weichsel floh und sich unter 
den Schutz der Russen stellte, gab er selbst die großen Vertei- 
digungsmittel preis, welche noch in den deutschen Provinzen, be- 
sonders in Schlesien, vorhanden waren. Aus dem Osten seines 
Reiches konnte er wenig Kraft ziehen; denn hier war der größte 
Teil der Untertanen polnisch und daher unzuverlässig; auch fielen 
beim ersten Erscheinen Napoleons (Ende November 1806 in 
Posen) die Polen sofort diesem zu. Die Russen aber, welche in 
Friedrich Wilhelm einen König ohne Land sahen, hielten es für 
vorteilhafter, sein Interesse aufzuopfern, als (gemäß dem Vertrage 
von Bartenstein 26. April 1807) den Angriffskrieg fortzusetzen, 
zu welchem sie nicht hinlänglich gerüstet waren.
        <pb n="109" />
        — 106 — 
Der Tilsiter Friede dehnte den Rheinbund bis an die Elbe, 
Frankreichs Herrschaft bis an die Weichsel aus. Denn die abge- 
tretenen deutschen Provinzen Preußens gab Napoleon als ein 
Königreich Westfalen seinem Bruder Jerome und die pol- 
nischen als ein Großherzogtum Warschau dem Kurfürsten 
von Sachsen, den er auch zum König machte; beide Fürsten 
mußten dafür in den Rheinbund treten. Das Königreich Sachsen 
(dem auch die „Republik“ Danzig untergeben wurde) hatte nun- 
mehr (mit Warschau) etwa denselben Umfang, wie das Königreich 
Preußen, welches nur 2869 Quadratmeilen mit 4 938 000 Ein- 
wohnern behielt. 
— 
VII. Preußens Wiedergeburt und Befreinngskrieg 
1807—1815. 
Die Wiedergeburt. 
§ 73. Zerstückelt, beschimpft und von dem übermütigen 
Sieger geknebelt und ausgesogen, lag Preußen im tiefsten Elend 
darnieder; aber das Unglück läuterte, stählte den König und das 
Volk. Friedrich Wilhelm beschloß jetzt, den Staat von Grund aus 
neu zu gestalten, und berief (am 4. Oktober 1807) zu diesem Zwecke 
als obersten Minister den Freiherrn Karl vom und zum Stein 
(geb. 26. Oktober 1757 in Nassau, # 1831), einen Mann, be- 
geistert für Vaterland und Freiheit, Recht und Ehre, und gleich 
fähig, alte Mißbräuche kühn auszurotten, wie neues Leben klug zu 
pflanzen. Seine Absicht war, der Nation rechte Liebe zum Vater- 
lande und unbezwingliche Kraft zu dessen Verteidigung einzuflößen, 
und sein Mittel, nach Beseitigung aller drückenden Vorrechte jedem 
Staatsbürger Gleichheit vor dem Gesetz, möglichste Freiheit seiner 
Kräfte, Teilnahme an der Verwaltung der Gemeindesachen und da- 
durch an der Lenkung der Geschicke des ganzen Staats zu geben. 
Der König ging auf seine Ratschläge ein, und so wurde zuerst der 
Zustand der Bauern verbessert; sie waren noch größtenteils un- 
frei, und die Acker, die sie bebauten, gehörten meist nicht ihnen, 
sondern ihren Herren. Aus dieser elenden Lage hat Friedrich 
Wilhelm III. den Bauernstand befreit. Zuerst hob er (durch 
Gesetz vom 9. Oktober 1807 über den erleichterten Besitz und den 
freien Gebrauch des Grundeigentums) ihre Erbuntertänigkeit 
unter die Gutsherrschaft auf: der Bauer durfte fortan ohne guts-
        <pb n="110" />
        — 107 — 
herrliche Genehmigung erbliche Grundstücke verkaufen, sich ver— 
heiraten und fortziehen. Zugleich zerbrach dies Gesetz die hem— 
menden Schranken zwischen den Ständen, welche bisher dem 
Edelmann und dem Bauer das bürgerliche Gewerbe, dem Bürger 
den Landbau verwehrt hatten. Darauf hob der König (durch Ver- 
fügung vom 28. Oktober 1807) auf seinen eigenen Landgütern 
(Domänen) alle Leibeigenschaft und Fronen auf und verlieh 
(27. Juli 1808) allen Insassen — zuvörderst im eigentlichen 
Preußen — ihre Grundstücke als freies Erbeigentum. Durch 
diese großmütige That schuf er dort auf einem Gebiet von 195 
Quadratmeilen 47000 freie Bauernhofsbesitzer. So begann er 
dem Bauernstand zur Freiheit auch den Besitz zu geben. 
Sodann wurde auch ein freies Bürgertum geschaffen. 
Durch die Städteordnung vom 19. November 1808 erhielten 
die Städte das Recht, ihre Angelegenheiten (die Gemeindelasten, 
Kirchen= und Schulsachen, Armenpflege, Bauwesen, Polizei) selbst 
zu verwalten. Die Bürger wählten die Stadtverordneten, diese 
den Magistrat, welcher ausführte, was die Stadtverordneten be- 
schlossen; der König behielt sich nur die Oberaufsicht und das 
Recht, den Magistrat zu bestätigen, vor. 
Auch die obere Staatsverwaltung ordnete Stein ganz 
neu; er beseitigte die geheime Kabinettsregierung und vereinigte 
alle Zweige der Verwaltung im Ministerium. Der König bestätigte 
diese Einrichtung durch Verordnung vom 24. November 1808. 
Durch äußerste Sparsamkeit, in welcher der König mit 
rühmlichem Beispiel voranging, und durch Verkauf vieler 
Domänen gelang es, die Summen aufzubringen, die Napoleon 
für die Räumung des Landes forderte; am Ende des Jahres 
1808 zogen die Franzosen endlich ab. 
Der nächste Zweck der Steinschen Reform war, den preu- 
Kischen Staat stark und geschickt zu machen zu einem neuen Kriege, 
um das Joch Napoleons zu brechen und die alte Größe wieder- 
zugewinnen. Gleich nach dem Frieden setzte daher der König eine 
Kommission ein zur Untersuchung und Verbesserung des Heer- 
wesens. Dieselbe bestand aus den tüchtigsten Offizieren der 
Armee, v. Gneisenau, v. Grolman, v. Boyen; an ihrer 
Spitze aber stand der General Gerhard Scharnhorst (geb. 
12. Nov. 1755 zu Bordenau in Hannover), ein Kriegslehrer von 
großen, tiefen Gedanken und stiller, unerschütterlicher Ausdauer. 
Er gründete eine neue Wehrverfassung. Das ganze Volk
        <pb n="111" />
        — 108 — 
sollte wehrhaft gemacht werden, ein Volk in Waffen an Stelle des 
geworbenen Söldnerheeres treten; statt des Stocks sollten Ehr- 
gefühl und Vaterlandsliebe die Treiber sein, und Lohn und Ehre 
nur dem Verdienste zufallen. Kleidung, Ausrüstung, Übung der 
Truppen wurden nach den Bedürfnissen der Zeit verbessert, 
Fremdenwerbung abgeschafft; durch die neuen Kriegsartikel (vom 
3. Aug. 1808) die Prügelstrafe aufgehoben, die Beförderung ohne 
Rücksicht auf die Geburt, nur nach der Befähigung angeordnet. 
Auch das Volk ging in sich. Die Leichtsinnigen und Ge- 
nußsüchtigen in den oberen Ständen, die Stumpffinnigen in den 
unteren wurden durch das allgemeine Elend zur Selbsterkenntnis 
gebracht. In Berlin lehrte der Philosoph Fichte (in seinen 
„Reden an die deutsche Nation“, im Winter 1807 bis 1808), 
wie jeder die Selbstsucht von sich tun und für das Ganze wir- 
ken müsse. So predigte auch Schleiermacher in Berlin die 
Hingebung fürs Vaterland, und Moritz Arndt aus Rügen be- 
feuerte durch seine Schriften den Haß wider die Welschen. Die 
Professoren an der 1810 gestifteten Universität Berlin und 
an der Universität Breslau (1811 von Frankfurt a. O. dorthin 
verlegt) führten ihre Schüler denselben Weg. In Königsberg 
aber stifteten die Vaterlandsfreunde 1808 einen Verein, den 
„Tugendbund“, der den Zweck hatte, edle, patriotische Ge- 
sinnungen zu verbreiten. 
&amp;+#l 74. Napoleon bemerkte bald, daß Preußen anfing, sich 
zu ermannen; aus einem aufgefangenen Briefe Steins ersah er 
dessen Ziel, und um Preußens Wiedergeburt im Keime zu er- 
sticken, legte er diesem Staate neue Lasten auf; der König mußte 
(im Pariser Vertrage 8. September 1808) den Franzosen 
die Festungen Glogau, Küstrin und Stettin als Pfand für die 
willkürlich erhöhten Kontributionen einräumen und durfte fortan 
nicht mehr als 42 000 Soldaten halten. Notgedrungen nahm 
nun Stein seine Entlassung (24. November 1808) und ging, 
da ihn Napoleon durch eine Achtserklärung verfolgte, nach Oster- 
reich, dann nach Rußland. 
Im Frühling 1809 erhob sich Osterreich, durch das Beispiel 
der Spanier ermutigt, noch einmal zum Kampfe gegen Napoleon. 
Friedrich Wilhelm blieb neutral, weil der russische Kaiser es mit 
Frankreich hielt. Da versuchte der Major Ferdinand von Schill
        <pb n="112" />
        — 109 — 
in Norddeutschland einen Volksaufstand gegen die Franzosen 
herbeizuführen. Am 28. April 1809 zog er mit seinem Husaren- 
regiment auf eigene Faust aus Berlin nach der Elbe und rief 
die Deutschen zum Kampf auf. Aber es kamen nur einige preu- 
ßische Soldaten; denn der König verdammte Schills Tat. Mit 
1500 Mann zog nun Schill planlos hin und her. Nachdem er 
bei Dodendorf (5. Mai) einen Teil der Truppen Jeromes ge- 
schlagen, warf er sich nach Stralsund, wo er am 31. Mai von 
6000 Holländern, Oldenburgern und Dänen nach heftigster Gegen- 
wehr übermannt und mit vielen der Seinen getötet wurde; von 
den Gefangenen wurden auf Napoleons Befehl 14 Gemeine 
und (zu Wesel 16. September) die 11 Offiziere als „Banditen“ 
erschossen. 
Nachdem Napoleon den Kaiser von Osterreich 1809 aber- 
mals bezwungen und sich dann durch Verheiratung mit dessen 
Tochter noch mehr Ansehen gegeben hatte, war seine Macht so 
groß, daß ihm nichts mehr schien widerstehen zu können. Sein 
Reich erstreckte sich von den Pyrenäen bis zur Ostsee und vom 
Canal bis nach Neapel. Um so sorgfältiger suchte Friedrich 
Wilhelm Napoleons Haß durch Fügsamkeit zu beschwichtigen; er 
löste den Tugendbund auf und kehrte mit seinem Hofstaat von 
Königsberg nach Berlin, ins Bereich der Franzosen, zurück 
(Dezember 1809) und entließ (doch nur zum Schein) Scharn- 
horst. Aber die Reform des Staates setzte er fort. Er be- 
traute mit ihr jetzt den Freiherrn Karl von Hardenberg 
(geb. 1750 in Hannover, 1822), einen freisinnigen, wohlmei- 
nenden und gewandten Staatsmann. Unter dem Titel eines 
Staatskanzlers übernahm dieser im Juni 1810 die Leitung 
der Geschäfte und behandelte sie in Steins Sinne. Unter sei- 
nem Beirat schaffte der König die Vorrechte des Gutsadels und 
der Zünfte ab: durch Edikte vom 27. und 30. Oktober 1810 
wurden alle Steuerbefreiungen aufgehoben, die Klöster 
und geistlichen Stifter eingezogen, die Stellung des 
Gesindes verbessert, am 2. November 1810 die Gewerbe- 
freiheit eingeführt. Das segensreichste aber war das Gesetz 
vom 14. September 1811 „über die gutsherrlichen und bäuer- 
lichen Verhältnisse“; es gab dem Bauer überall einen Teil 
des Ackers, den er bisher nur als Pächter des Ritterguts- 
herrn bebaute, zum freien Eigentum und verfügte auch Ab- 
lösung der Fronen und Handdienste. Seitdem war der
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        — 110 — 
preußische Bauer ein freier Gutsbesitzer. — Ein Edikt 
vom 11. März 1812 verlieh den Juden staatsbürgerliche Rechte. 
— An der Verbesserung des Heeres arbeitete Scharnhorst im 
verborgenen; auf seinen Rat umging der König Napoleons Ge— 
bot, und indem er die Rekruten immer nur 6 Wochen lang ein— 
exerzieren ließ („Krümper“), machte er rasch einen sehr großen 
Teil des Volkes wenigstens einigermaßen wehrhaft, ohne die 
Truppenzahl (42 000) des stehenden Heeres zu überschreiten. — 
Unterdessen wuchs der Ingrimm des Volks wider die Fran— 
zosen immerfort. Der frühe Tod der allverehrten und geliebten 
Königin Luise (19. Juli 1810), den man dem Schmerze über 
das Unglück des Vaterlandes beimaß; der freche Übermut, mit 
welchem die Franzosen König und Volk und jeden Einzelnen 
behandelten; die endlosen Erpressungen, die sie verübten; die 
Tyrannei, mit der sie durch ihr Kontinentalsystem Gewerbe 
und Handel lähmten und die gewohnten Genüsse (Kaffee, Tabak) 
abschnitten oder übermäßig verteuerten; — alles dieses reizte zur 
Wut, und jeder Einzelne sah ein Ende seines Druckes und 
Elends nur noch in der Zertrümmerung der Franzosenmacht und 
in der Wiederherstellung der Größe und Würde des Staats. 
So stählte sich der Wille der Nation; und nicht bloß die Ju- 
gend, für die Ludwig Jahn (Gymnasiallehrer in Berlin) 1811 
die Turnkunst als Vorübung zum Kriege erfand, sondern auch 
das reife Alter sehnte sich nach dem Kampfe. Zugleich wuchs 
die Liebe zum Könige; das gemeinsame Unglück machte ihn der 
Nation teuer. Die Würde, mit der er es trug, und die Stand- 
haftigkeit, mit der er unehrenhafte Mittel gegen die Geldnot 
(Staatsbankerott oder Landabtretung) von sich wies, machten ihn 
hochachtenswert. 
§ 75. Friedrich Wilhelm gab zur Stein-Scharnhorst-Harden- 
bergschen Reform manchen wichtigen Gedanken selber an; aber 
sein Hauptverdienst besteht darin, daß er sie gegen den Willen einer 
sehr starken Opposition bei Hofe und im Lande durchführte. Die 
Gegner waren: 1) die ritterschaftliche Partei. Diese, meist 
aus Landedelleuten (von der Marwitz, von Mock) bestehend, wollte 
für das Vaterland Opfer bringen, aber ihre Standesvorrechte 
(Grundsteuerfreiheit, Herrschaft über die Bauern, Alleinbesitz der 
Offizierstellen, hohen Amter und Pfründen) festhalten. Sie fein- 
dete die Reformer als „Revolutionärs“ an und protestierte, auch
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        — 111 — 
in einer Versammlung von Notabeln (ständischen Deputierten), 
die Hardenberg 1811 einberief, gegen die Gleichheit der Stände, 
die Mobilisierung des Eigentums, die Gewerbefreiheit, und über- 
haupt gegen die ganze neuernde Gesetzgebung. 
2) Die französische Partei. Zu ihr gehörten alle die, welche 
aus Schwäche der Einsicht oder des Charakters auf keinen Fall 
mit Napoleon brechen wollten und in den Reformministern ge- 
fährliche Unruhstifter sahen. Auch sie nannten Steins und Har- 
denbergs Tätigkeit revolutionär. 
Die preußische Reform von 1808—1812 unterschied sich 
von der französischen Revolution von 1789 dadurch, daß sie maß- 
voll und mit möglichster Schonung des Bestehenden den Staat 
volkstümlich erneuerte, daß sie die Gewalt des Monarchen nicht 
beschränkte, aber den Gemeinden (zunächst den Städten) die 
Selbstverwaltung wiedergab und die mittelalterlichen 
Schranken zwischen den Ständen durchbrach; daß sie den Mili- 
tärstaat völlig zum Rechtsstaat ausbildete und das Söldner- 
heer in ein rechtes Nationalheer umschuf. Auch eine Volks- 
vertretung (auf ständischer Grundlage) wollte Stein einrichten, 
drang aber damit nicht durch. 
Nach Steins Abgang kam die ganze Reform unter dem Mil- 
nisterium Altenstein ins Stocken. Hardenberg führte dieselbe mit 
Hilfe der Bureaukratie weiter, deren Macht er vermehrte und in 
seiner, des Staatskanzlers, Hand vereinigte. Das Steinsche Gesetz 
vom 9. Oktober 1807 hatte die Bauern nur erst zu freien Men- 
schen gemacht; das Hardenbergsche vom 14. September 1811 gab 
ihnen auch Besitz. Stein, Scharnhorst, Hardenberg waren keine 
gebornen Preußen, aber frühzeitig in preußischen Dienst getreten. 
Stein bekämpfte bereits vor dem Kriege (in einer Denkschrift 
an den König Anfang Mai 1806) die Macht der geheimen 
Kabinettsräte als ein Haupthindernis des Ministeriums, in wel- 
chem er damals den Finanzen vorstand. Er rettete nach der 
Schlacht bei Jena die Staatskasse von Berlin nach Königsberg. 
An Haugwitz' Stelle zum obersten Minister ernannt (29. No- 
vember 1806), wiederholte er seine Vorschläge, wurde aber (4. Ja- 
nuar 1807) sehr ungnädig entlassen. Großherzig diese Kränkung 
vergessend, folgte er mit patriotischem Eifer dann der Zurück- 
berufung und traf am 30. September 1807 in Memel ein. 
Scharnhorst, Sohn eines hannöverschen Bauern, kam 1772 
in die Kriegsschule des Grafen Wilhelm von der Lippe zu Stein- 
hude, machte als hannöverscher Offizier den Feldzug von 1793 
mit, ward 1801 preußischer Artillerieoberst, schlug sich in dem Kriege
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        — 112 — 
von 1806—1807 mit Auszeichnung und wurde dann von dem 
Könige, der in ihm das praktische Genie, sowie den gelehrten 
Theoretiker erkannte, mit der Militär-Reorganisation beauftragt. 
Hardenberg trat 1792 in preußische Dienste; als Verwal- 
tungsbeamter in Ansbach und als Diplomat bei der Unter- 
handlung des Baseler Friedens bewies er angenehme Formen und 
geschäftliche Talente. Steins gewaltige Energie fehlte ihm. Doch 
erreichte er viel durch Gewandtheit und im besondern durch An- 
stellung liberaler Beamten. Der volkswirtschaftliche Teil der Re- 
form ist zumeist sein Werk. 
Treffliche Mitarbeiter an der Reform waren im Civil die 
Minister und Räte von Schrötter, von Schön, Stägemann, 
von Klewiz, die Regierungspräsidenten Sack, Merkel, von Vincke; 
im Militär besonders Gneisenau. August Neithardt von Gnei- 
senau (geb. am 27. Oktober 1760 zu Schilda bei Torgau, 
1831), diente 20 Jahre unbeachtet als preußischer Subaltern- 
offizier (von 1786— 1806), bis ihn die glänzende Verteidigung 
Kolbergs berühmt machte. Er zählte (mit Stein, Scharnhorst, 
Blücher) zu den eifrigsten Anhängern der Kriegspartei, die schon 
1809 losschlagen wollte. 1811 nahm er nebst Boyen, Clause- 
witz und vielen anderen Offizieren seine Entlassung und ging nach 
England, um nun dort gegen Napoleon zu wirken. 
Der Befreiungskrieg. 
1813. 
§# 76. Endlich schlug die Stunde der Befreiung. Napo- 
leons unersättliche Herrschsucht duldete nicht, daß noch Rußland 
und England aufrecht standen. Auch diese zu unterwerfen, 
unternahm er nach gewaltiger Rüstung 1812 einen Krieg gegen 
Rußland;z er gedachte zuerst dieses, dann das britische Indien 
zu erobern. 450 000 Mann führte er herbei; Preußen und 
Osterreich mußten sich ihm anschließen und Hilfstruppen stellen; 
beim Durchmarsche hausten die Franzosen in Preußen wie in 
Feindesland. Die Russen wichen vor ihnen in das Innere ihres 
weiten Reiches zurück, wurden, wo sie stand hielten, besiegt, ver- 
loren auch Moskau. Aber hier ereilte Gottes Gericht Napo- 
leon. Die Stadt geriet in Brand (15. September), und die 
Russen baten nicht um Frieden; bald rissen Mangel und Not 
bei den Franzosen ein; zu spät (18. Oktober) trat Napoleon den 
„Rückzug“ an. Der furchtbare russische Winter und der Hun-
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        — 113 — 
ger vernichteten sein Heer. Er selbst entfloh nach Paris; von 
seiner großen Armee kamen nur jammervolle Trümmer nach 
Polen und Preußen zurück. 
Aber auch die Russen waren erschöpft, und halb Europa 
noch in Napoleons Gewalt. Da erhob sich Preußen zu dessen 
Sturze. Das preußische Hilfskorps unter General v. Yorck stand, 
15 000 Mann stark und in bester Verfassung, am Memel; 
es sollte den Franzosen den Rücken decken. Aber Yorck erkannte, 
daß jetzt oder nie der Zeitpunkt zur Rettung des Vaterlandes 
da sei, und schloß auf eigene Verantwortung am 30. Dezember 
1812 zu Poscherun bei Tauroggen mit dem russischen General 
Diebitsch eine „Konvention“, nach der er die Feindseligkeiten gegen 
die Russen einstellte. Nun mußten die Franzosen das Land bis 
zur Weichsel räumen, und das Volk von Ostpreußen stand auf. 
Am 11. Januar 1813 versammelten sich, von Yorck und dem 
Regierungspräsidenten v. Auerswald berufen, Abgeordnete der 
Stände dieser Provinz in Königsberg und erklärten Gut und 
Blut opfern zu wollen, „damit der Untergang des preußischen 
Namens verhütet werde.“ Auf sie gestützt, behielt Yorck sein 
Kommando bei, obwohl der König seine „Konvention“ mißbilligte 
und sogar seine Absetzung aussprach. Die Provinz Preußen han- 
delte also auf eigene Hand. Auf Antrieb Steins, der als Bevoll- 
mächtigter des Zaren herbeieilte, trat am 5. Februar in Königs- 
berg ein allgemeiner Landtag von Ost= und Westpreußen 
(diesseits der Weichsel) und von Litauen zusammen. Dieser 
nahm am 7. Februar eine vom Grafen Alexander Dohna vor- 
gelegte „Verordnung über Landwehr und Landsturm“ an und 
beschloß, 30 000 Mann zur Verteidigung der Provinz zu be- 
waffnen; ebenso viele hatte diese Provinz (mit 1 Million Be- 
wohnern) bereits für die bestehenden Truppen unter Yorck und 
Bülow aufgebracht. Auch eine „Nationalkavallerie“ aus Frei- 
willigen forderte und erhielt Yorck. Wetteifernd drängten sich 
alle Stände, mit Geld und Mannschaften beizusteuern. 
Hans Ludwig von Borck (aus einer pommerschen Familie, 
geb. 26. September 1759 zu Potsdam, 1830) hatte unter 
Friedrich dem Großen, dann in holländischen Diensten am Kap 
und in Ceylon, seit 1806 wieder im preußischen Militärdienst 
sich überall durch kalte Entschlossenheit und zähe Tapferkeit hervor- 
gethan. Sein Wesen war schroff und rauh; seine pollische Über- 
Vierson, Leltf. d. preuß. Gesch.
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        — 114 — 
zeugung streng aristokratisch und der Reformpartei feindlich; aber 
voll glühender altpreußischer Vaterlandsliebe führte er die große 
Tat mutig und folgerecht aus, die seine Einsicht als notwendig 
begriffen hatte. 
§&amp; 77. Unterdessen reifte in Friedrich Wilhelm, der am 
22. Januar 1813 von Potsdam, aus dem Bereich der Fran- 
zosen, nach Breslau übergesiedelt war, der Entschluß, mit seinem 
ganzen Volke in den wagnisvollen Kampf gegen Napoleon zu 
gehen. Am 3. Februar erließ er einen Aufruf zur Bildung 
freiwilliger Jägerkorps. Unermeßliche Begeisterung des 
Volks flammte sofort auf; mit demselben Eifer wie in der Pro- 
vinz Preußen erhob sich in den drei übrigen Provinzen, Schle- 
sien, Brandenburg, Pommern, alle Mannschaft der gebildeten 
Stände, Jünglinge und Familienväter, um auf eigene Kosten 
freiwillig Soldat zu werden. Voran gingen mit der Stellung 
von Freiwilligen die großen Städte und auf dem Lande der 
Adel. Auch Geld und Geldeswert (selbst Trauringe), Pferde 
und Kriegsbedarf aller Art wurden massenhaft dem Vaterlande 
dargebracht. Diese Opferfreudigkeit ermutigte den König zum 
entscheidenden Schritt; er schloß mit dem Kaiser Alexander 
von Rußland ein Bündnis (zu Kalisch 28. Februar 1813), 
um Deutschland von der Fremdherrschaft zu befreien, erklärte 
Frankreich den Krieg (16. März) und erließ am 17. März den 
„Aufruf an mein Volk“, der die gesamte Kraft der preu- 
ßischen Nation aufbot. Zugleich erschien eine von Scharnhorst 
entworfene „Verordnung über die Bildung der Landwehr und 
des Landsturms“, und zum Zeichen, daß dies ein heiliger Krieg 
sei, stiftete der König (10. März) zur Auszeichnung für die 
Helden desselben das eiserne Kreuz und gab den Wahlspruch 
aus: „Mit Gott für König und Vaterland“. Als allgemeines 
Ehrenzeichen wurde eine Nationalkokarde mit den preußischen 
Farben Schwarz-Weiß eingeführt. Da erhob sich wie ein Mann 
das ganze Volk, der Bauer wie der Bürger und Edelmann, alles 
griff zu den Waffen, ganz Preußen ward ein Kriegslager. Preu- 
ßen war klein, war ausgesogen, zählte kaum 5 Millionen Ein- 
wohner, bestand nur aus 4 Provinzen, aber diese vier — 
Preußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien — brachten 277.000 
Streiter auf, alle Landeskinder, alle entschlossen, den preußischen 
Staat wieder frei und groß zu machen oder zu sterben!
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        — 115 — 
Daß Friedrich Wilhelm III. im März 1813 gegen Napoleon 
losbrach, war ein großer Entschluß: er setzte damit die Existenz 
des preußischen Staates wie der hohenzollerischen Dynastie aufs 
Spiel. Sein Zaudern erklärt sich aus der Gewagtheit des Schrit- 
tes: die russischen Streitkräfte waren vorerst nicht beträchtlich, die 
preußischen noch unentwickelt; Osterreich hielt sich neutral, der 
Rheinbund stand zu Napoleon; das kleine, verarmte Preußen 
mußte die Hauptarbeit tun. 
Es tat sie auch. Aber die preußische Diplomatie wußte aus 
diesem Umstande nicht recht Vorteil zu ziehen. Hardenberg hatte 
schon im Kalischer Vertrage Preußens Interesse schlecht gewahrt: 
in demselben wurde als Zweck des Krieges die Herstellung 
Preußens im Umfange von 1805 anerkannt; aber Rußland 
behielt sich die polnischen Länder vor und gab dafür nur unbe- 
stimmte Aussichten auf deutsche Erwerbungen. Doch war es der 
preußischen Nation damals schon genug, daß es überhaupt nur 
„losging"“. — Die Scharnhorstsche Landwehr unterschied sich 
dadurch von derjenigen, die der Königsberger Landtag im Auge 
gehabt, daß sie keine Stellvertretung zuließ, und daß sie überall, 
nicht bloß innerhalb der heimischen Provinz, gegen den Feind ver- 
wendet werden sollte. Nach der Verordnung vom 17. März 
hoben die Gemeinden die wehrhaften Männer vom 17. bis 40. Le- 
bensjahre aus und bekleideten sie; die Offiziere bis hinauf zum 
Hauptmann wählte der Kreis, die höheren der Staat, der auch 
die Waffen und den Unterhalt hergab. Obwohl das Land auch 
an Geld, Pferden, Kriegsbedarf die gewaltigsten Opfer brachte 
(Opfer, die um so schwerer wogen, da es von 1807—1812 für 
Napoleon über 300 Millionen Taler bar oder in natura 
hatte leisten müssen), so waren die Landwehrleute 1813 doch nur 
sehr kärglich ausgerüstet und erlagen daher weit massenhafter den 
Strapazen als die Linientruppen, die man zunächst hatte bedenken 
müssen. 
Der Frühlingsfel dzug. 
§ 78. Ehe die Hunderttausende, die in Preußen zu den 
Waffen griffen, sämtlich feldmäßig ausgerüstet und eingeübt sein 
konnten, mußten noch ein paar Monate vergehen. Mittlerweile 
hatten die augenblicklich verfügbaren russischen und preußischen 
Linientruppen den Kampf aufzunehmen. Aber die verbündeten 
Monarchen hofften, daß die übrigen Deutschen sich ebenfalls wie die 
Preußen erheben, und Napoleon dadurch zunächst auf Frankreichs 
8 *
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        — 116 — 
eigene Kräfte beschränkt bleiben würde. Sie erließen (26. März 
von Kalisch aus) einen „Aufruf an die Deutschen“, worin 
Deutschlands Fürsten und Völker ermahnt wurden, sich ihnen 
wider Napoleon anzuschließen. Dies geschah aber nicht. 
Die Rheinbundstaaten blieben dem französischen Kaiser treu. 
Auch die Freischar, die, vom preußischen Major v. Lützow in 
Breslau errichtet, die gebildete Jugend des außerpreußischen 
Deutschlands um sich sammeln sollte, erhielt von dort nur sehr 
wenig Zuzug, den meisten noch aus den früher preußischen Land- 
schaften. Vergebens auch ließen deutschgesinnte Dichter (wie 
Arndt und der Lützower Theodor Körner aus Dresden) ihre 
feurigen Lieder erschallen; nicht einmal das zunächst gelegene 
Königreich Sachsen, welches die Verbündeten nach Vorcks Siege 
über Napoleons Stiefsohn, den Vicekönig Eugen (bei Möckern 
5. April), besetzt hatten, ergriff ihre Partei. 
So kam es, daß Napoleon, der inzwischen mit äußerster 
Tatkraft neue gewaltige Truppenmassen ausgehoben und ge- 
rüstet, durch die Streitmacht der deutschen Rheinbundsfürsten 
verstärkt, wieder mit Ubermacht ins Feld rücken konnte. Ende 
April zog er mit 200 000 Franzosen und Rheinbündnern nach 
Sachsen. Als er an der Spitze von 130 000 Mann durch die 
Ebene zwischen der Saale und weißen Elster marschierte, griff 
ihn am 2. Mai bei Großgörschen das russisch-preußische Heer 
an. Es zählte nur 70 000 Mann, und sein Oberfeldherr, der 
russische General v. Wittgenstein, führte es ungeschickt. Dennoch 
siegte anfangs die ungestüme Tapferkeit der Truppen, namentlich 
der von Yorck, Blücher, Kleist geführten Preußen, die wie Ver- 
zweifelte fochten, und obwohl Napoleon immer neue Verstärkungen 
ins Gefecht brachte, das Schlachtfeld bis in die Nacht behaup- 
teten. Aber die Ubermacht war zu groß; die Verbündeten mußten 
zuletzt doch den Rückzug antreten. Ohne dem Feinde irgend ein 
Siegeszeichen zu lassen, marschierten sie in größter Ordnung ab. 
18 000 Franzosen und Rheinbündner, 8000 Preußen und 2000 
Nussen waren gefallen. 
Napoleon setzte sich nun in den Besitz aller Streitmittel 
Sachsens und folgte dann den Verbündeten in die Lausitz. 
Diese erwarteten ihn bei Bautzen, in dessen Nähe Vorcks Korps 
(bei Weißig 19. Mai) ein glänzendes Gefecht mit der Vorhut 
des Feindes bestand. Am 20. Mai erschien Napoleon mit 170,000
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        — 117 — 
Mann vor Bautzen und lieferte hier den Verbündeten (83 000 
Mann) eine zweitägige Schlacht, in der wiederum die Fehler der 
russischen Oberleitung gegenüber Napoleons Feldherrnkunst und 
das Mißverhältnis der Zahl den Heldenmut der Truppen und 
der preußischen Generale fruchtlos machten. Doch nach furcht- 
barem Gemetzel (es blieben 20 000 Franzosen, Italiener und 
Rheinbündner, 14 000 Preußen und Russen) behielt Napoleon 
abermals nur das Blutfeld ohne Trophäen. Und wie ungebeugt 
der Mut der Preußen war, bewiesen sie ihm durch zwei Schlap- 
pen, die sie seinen Generalen beibrachten. Bei Hainau närlich 
überfiel und sprengte Blücher am 26. Mai ein französisches 
Korps unter Maison, das ihm unvorsichtig zu nah gekommen 
war, und bei Luckau schlug der zum Schutze der Mark bestellte 
Bülow am 4. Juni den auf Berlin marschierenden General 
Oudinot zurück. An demselben Tage schloß Napoleon zu Poisch- 
witz bei Jauer mit den Verbündeten einen Waffenstillstand, 
zunächst auf sechs Wochen. Beide Teile hatten denselben nötig, 
um ihre Rüstungen zu beendigen und mit ganzer Macht den 
Krieg fortführen zu können. 
Es war bestimmt, daß alle Streifkorps der Verbündeten 
bis zum 12. Juni auf das rechte Elbufer zurückgekehrt sein 
müßten. Diese Bedingung des Waffenstillstandes wurde von dem 
sich in Napoleons Rücken umhertummelnden Lützow nicht erfüllt, 
und Napoleon benutzte die Unvorsichtigkeit desselben, indem er 
die kleine Freischar am 17. Juni bei Kitzen am Floßgraben 
(unweit Lützen) durch 4000 Franzosen und Württemberger über- 
fallen und zersprengen ließ; nur wenige, darunter Lützow und 
Körner, entkamen. 
In Preußen benutzte man die Zeit der Waffenruhe aufs 
beste. Hier trat jetzt die Landwehr schlagfertig auf den Platz; 
nach Empfang des heiligen Abendmahls, unter dem Geläut der 
Kirchenglocken und den Segenswünschen der Frauen und Kinder 
zog sie aus, 140 000 Mann, einfach gerüstet und gekleidet im 
blauen Rock, der Kragen bei den Preußen rot, bei den Pom- 
mern weiß, bei den Brandenburgern krapprot, bei den Schlesiern 
gelb, auf dem Kopf eine Mütze mit einem Blechkreuz, das die 
Umschrift trug „Mit Gott für König und Vaterland“. Die 
Landwehr war nicht so gut bewaffnet, wie das etwa gleich zahl- 
reiche Linienmilitär, aber von eben derselben Kampflust beseelt
        <pb n="121" />
        — 118 — 
und entschlossen, was ihr noch fehlte, sich vom Feinde zu er- 
obern. 
Unterdessen versuchte Osterreich auf einem Gesandtenkongreß 
zu Prag zwischen Napoleon und den Verbündeten einen Frieden 
zu vermitteln. Da aber kein Teil dazu Lust hatte, und Österreich 
bei einem Bunde mit Rußland und Preußen, denen auch Eng- 
land und Schweden beigetreten waren, nur gewinnen konnte, so 
erließ Franz l. (am 12. August) ebenfalls eine Kriegserklärung 
gegen Napoleon. 
§ 79. Napoleons Kunst bestand von jeher darin, an der ent- 
scheidenden Stelle die meisten Streitkräfte zu haben; hauptsächlich 
sein numerisches Ubergewicht errang ihm die zweideutigen Siege 
von Großgörschen (Lützen) und Bautzen. Denn die begeisterte 
Hingebung, die rasende Kampflust der Preußen wog die Fehler 
der russischen Oberleitung auf. Als daher Napoleon nach der 
Schlacht bei Bautzen fürchten mußte, bei weiterem Vordringen 
die Uberzahl nicht mehr zu behalten, bot er klüglich den Waffen- 
stillstand an — sein gewöhnliches Mittel, sich durch massenhafte 
Heranziehung von Ersatztruppen ein erdrückendes Ubergewicht zu 
verschaffen. Diesmal aber brachte die Frist dem Gegner die grö- 
ßere Masse, weil Preußen einen Volkskr ieg führte. Der große 
Erfolg des Frühlingsfeldzugs war also, daß er der Landwehr die 
Zeit gab, schlagfertig auf den Kampfplatz zu treten. 
Österreichs Aufnahme in die Koalition vermehrte deren 
materielle Streitmittel, aber machte sie zum Teil der Politik 
Franz I. und seines Ministers Metternich dienstbar. Franz I. 
verabscheute in der preußischen Volkserhebung einen „strafbaren 
Jakobinismus“", und als Ziel des Kampfes erstrebte er bloß seine 
und seiner Verbündeten Vergrößerung und die Demütigung, aber 
nicht den Sturz seines übermätigen Schwiegersohns. 
Die österreichischen Völker, nur zum kleinsten Teile deutsch, 
gingen 1813 ohne Begeisterung und Energie in den Kampf. Die 
volkstümliche Bewegung in Preußen fand im übrigen Deutschland 
keine Nachfolge; nur die Hansestädte erhoben sich (im März) beim 
Erscheinen der Kosaken, wurden aber von den Franzosen mit 
leichter Mühe wieder unterworfen; das reiche und stark bevölkerte 
Hamburg ergab sich am 30. Mai an Davoust ohne Wider- 
stand. Die Rheinbündischen, die Mehrzahl der Deutschen, kämpften 
auf Befehl ihrer Fürsten tapfer für Napoleon. 
In Preußen war auch die Literatur patriotisch und krie- 
gerisch (Schenkendorf, Rückerts geharnischte Sonette); dagegen
        <pb n="122" />
        — 119 — 
verhielt sich Goethe kalt. Der Bund mit Schweden (22. April) 
nützte Preußen nichts; England half mit Geld und Kriegsbedarf, 
doch im Verhältnis nur wenig. 
Der Sommerfeldzug. 
§ 80. Mitte August fing der Krieg wieder an. Die Ver- 
bündeten hatten jetzt 800 000 Streiter — nämlich 277 000 Preu- 
Kßen, 264 000 Osterreicher, 249 000 Russen, 18 000 Schweden —, 
Napoleon nur 500 000 (worunter ein Drittel Deutsche, die 
übrigen Franzosen, Italiener, Polen, Niederländer und Dänen). 
Aber jene Übermacht war auf der entscheidenden Stelle nicht so 
groß: zwischen Oder, Elbe und Saale verfügten die Verbündeten 
vorerst nur über 493 000 Mann gegen 440 000 des französischen 
Kaisers, und dieser war der größte Feldherr seiner Zeit. Sie 
teilten den Kern ihrer Streitmacht in drei Heere: 1) die soge- 
nannte Hauptarmee in Böhmen unter dem österreichischen Ober- 
befehlshaber Fürsten Schwarzenberg — 110 000 OÖsterreicher, 
60 000 Russen und (unter Kleist) 49 000 Preußen —; 2) das 
Schlesische Heer unter Blücher (beraten von Gneisenau), — 
38 000 Preußen unter Yorck und 61 000 Russen unter Sacken 
und Langeron —; 3) die Nordarmee in der Mark unter 
Bernadotte, Kronprinzen von Schweden, — 78 000 Preußen 
unter Bülow und Tauenzien, 29 000 Russen, 18 000 Schweden. 
Napoleon beschloß, während er selbst gegen die Böhmische 
Armee Dresden schützte, sollten seine Generale zu seiner Linken 
Berlin nehmen und die Nordarmee zersprengen und vor ihm 
das Schlesische Heer verjagen. Demgemäß marschierte Oudinot 
mit 73 000 Mann auf Berlin zu; der Kronprinz von Schweden 
wollte es im Stiche lassen. Aber die preußischen Generale hörten 
auf seine Weisungen nicht, sondern, als Oudinot bis Groß- 
beeren, zwei Meilen vor Berlin, gekommen war, griff ihn 
Bülow, unterstützt von Tauenzien, mit 52 000 Mann nachmittags 
den 23. August an. Nach heftigem Kampfe, wobei die preu- 
ßischen Landwehrleute des Regens wegen mit den Kolben drein 
hieben („so fluscht et better“), schlug er ihn mit Verlust von 4000 
Mann (meist Sachsen) in die Flucht. Mit unermeßlichem Jubel- 
seierte Berlin seine Errettung. Ein zur Seite stehendes feindliches 
Korps — 12 000 Franzosen, Italiener und Rheinbündner unter
        <pb n="123" />
        — 120 — 
Girard — wurde bei Hagelberg am 27. August von 11000 
kurmärkischen Landwehrleuten unter General v. Hirschfeld mit 
Kolbenschlägen niedergehauen. Auch Davoust, der von Hamburg 
aus vorgedrungen war (in einem Vorpostengefecht gegen ihn fiel 
am 26. August bei Gadebusch Theodor Körner) mußte sich nun 
unverrichteter Sache wieder zurückziehen. 
Zu derselben Zeit begann Blüchers großartiger Siegeslauf. 
Gebhard Leberecht von Blücher, geboren am 16. Dezember 1742 
zu Nostock, aus einer alten pommerschen Familie (y 1819), war 
schon unter Friedrich dem Großen preußischer Husarenoffizier 
gewesen. Von diesem Könige wegen trotzigen Benehmens verab- 
schiedet, wurde er Landwirt, trat unter Friedrich Wilhelm II. 
wieder in die preußische Armee, zeichnete sich in den Kriegen 
gegen die französische Republik aus, focht auch 1806 mit Ehren 
und war wegen seines volkstümlichen Wesens, seines leidenschaft- 
lichen Franzosenhasses und seiner ungestümen Tapferkeit der 
Liebling des gemeinen Mannes, während ihn die einsichtsvollsten 
Offiziere als einen Feldherrn schätzten, der sowohl kühne Tat- 
kraft als auch Geistesgegenwart und Verschlagenheit besaß. Auf 
Scharnhorsts Rat (der am 18. Juni zu Prag an einer bei 
Großgörschen empfangenen Wunde gestorben war) hatte der 
König den alten Blücher an die Spitze der Schlesischen Armee 
gestellt. 
Mit dieser stand Blücher am 26. August auf den Höhen 
hinter der Katzbach und Wütenden Neiße, als der französische 
Marschall Macdonald mit 100 000 Mann diese Flüsse überschritt. 
Sofort stürzte Blücher sich auf ihn. Auch hier geschah die 
Schlacht unter strömendem Regen und schlugen die Preußen mit 
dem Kolben drein. Die Russen unter Sacken halfen tapfer, und 
bald jagten Blücher und Yorck den Feind in die Flüsse hinab. 
Macdonald verlor 30 000 Mann und 100 Kanonen und brachte 
nur Trümmerhaufen seiner Armee nach der Lausitz zurück. 
Blücher aber ward von seinen Soldaten, weil er immer ohne 
Rast vorwärts trieb, Marschall Vorwärts benannt. 
Schwarzenberg, bei dessen Armee sich die drei Monarchen 
von Preußen, Rußland und Osterreich befanden, löste seine Auf- 
gabe nicht so gut. Er rückte aus Böhmen auf Dresden vor, 
ließ sich aber dort in einer zweitägigen Schlacht (26. und 27. Au- 
gust) von Napoleon eine harte Niederlage beibringen und führte
        <pb n="124" />
        — 121 — 
sein Heer dann ins Erzgebirge zurück. Hier geriet es in die 
größte Gefahr, von den nachdringenden Franzosen umzingelt und 
vernichtet zu werden. Da indes Napoleon die Nachrichten von 
Großbeeren und von der Katzbach erhielt, so überließ er die Ver— 
folgung seinen Generalen. Der vorderste derselben, Vandamme, 
war auch bereits bis nach Kulm auf der böhmischen Seite ge- 
langt, begierig der Schwarzenbergschen Armee den Rückzug zu 
verlegen. Aber die Tapferkeit eines russischen Korps unter dem 
Prinzen Eugen von Württemberg, vom Könige Friedrich Wil- 
helm angefeuert, hielt ihn hier in einer hartnäckigen Schlacht 
(29. August) auf, und als er am 30. den Kampf erneuerte, war 
ein abgeschnittener preußischer Heerhaufen unter Kleist, entschlossen 
sich durchzuschlagen oder zu sterben, ihm in den Rücken gekommen 
und fiel ihn von Nollendorf her an. So umzingelt mußte 
sich Vandamme mit 10 000 Mann gefangen geben, und die 
Böhmische Armee war gerettet. 
Am 3. September feierten die verbündeten Monarchen für 
alle diese Siege ein religiöses Dankfest zu Teplitz. Napoleon 
aber versuchte noch einmal, durch Eroberung Berlins dem Kriege 
eine günstige Wendung zu geben. Er schickte seinen besten Feld- 
herrn, den Marschall Ney, mit 65 000 Mann (Franzosen, Sach- 
sen, Bayern, Württembergern und anderen Rheinbündnern, auch 
Polen und Italienern) in die Mark. Aber schon bei Denne- 
witz am 6. September griffen ihn Bülow und Tauenzien 
an, und obwohl die Preußen nur 41 000 Mann zählten, so 
zertrümmerten sie doch in neunstündiger Schlacht das feindliche 
Heer vollständig. Es verlor allein an Gefangenen 15 000 Mann 
und floh aufgelöst der Elbe zu. 
§ 81. Ratlos zog nun Napoleon zwischen Dresden, dem 
Erzgebirge und der Lausitz hin und her; nur Schwarzenbergs 
und Bernadottes Zaudern gewährte ihm noch Frist. Da brachte 
Blücher den Feldzug zur Entscheidung, indem er die Elbe bei 
Wartenburg überschritt, wo Norck am 3. Oktober in einem 
blutigen Treffen den General Bertrand besiegte. Denn jetzt 
rückten auch die andern beiden Hauptheere der Verbündeten auf 
dem linken Elbufer in die sächsische Ebene vor, und Napoleon 
sah sich von ihnen bei Leipzig in die Mitte genommen. Sonn- 
abend den 16. Oktober begann die große Völkerschlacht. Die 
Verbündeten hatten, da Bernadotte pflichtwidrig ausblieb, nur
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        — 122 — 
Blüchers und Schwarzenbergs Heere (im ganzen 193 000 Mann) 
zur Stelle, Napoleon zählte 177 000 Mann. Blücher zog von 
Norden her mit 60 000 Mann auf Leipzig zu; Schwarzenberg 
stand im Süden der Stadt; er hatte seine 133 000 Mann zum 
kleineren Teil bei Lindenau, zum größeren bei Wachau aufgestellt. 
Auf beiden Punkten wurde er trotz heldenhafter Tapferkeit der 
Preußen unter Kleist und der Russen unter Prinz Eugen von 
Napoleon zurückgedrängt, und die Böhmische Armee vor einer 
Niederlage nur dadurch bewahrt, daß im entscheidenden Augen- 
blick Blücher im Norden angriff und den ihm gegenüberstehenden 
Marschall Marmont bei Möckern schlug. Dieser Kampf war 
der blutigste des Tages und wurde ausschließlich vom Yorckschen 
Korps, das sich hier wieder mit unsterblichem Ruhme bedeckte, 
durchgefochten. Es bezahlte den herrlichen Sieg mit 7700 
Mann an Toten und Verwundeten (fast einem Drittel seines 
Bestandes); hier fiel auch Major v. Krosigk, ein preußischer 
Winkelried. 
Am folgenden Tage wollte Napoleon unterhandeln; die Ver- 
bündeten ließen sich aber nicht darauf ein, und am 18. hub die 
Schlacht noch gewaltiger an. Napoleon hatte nur geringe Ver- 
stärkung, die Verbündeten aber die Nordarmee an sich gezogen; 
er führte jetzt 191 000 gegen 290 000 Mann. Das ontsetzlichste 
Gemetzel war um das Dorf Probstheida; doch konnte die Böh- 
mische Armee es nicht erobern. Dagegen schlugen die Preußen 
unter Bülow und die Russen unter Langeron den Feind bei 
Paunsdorf und Schönfeld. Am Abend zog sich Napoleon, 
der nur noch um einen sichern Rückzug gekämpft hatte, in die 
Stadt zurück. Während des Kampfes waren 4100 Sachsen und 
600 Württemberger zu den Verbündeten übergegangen; doch hatte 
der Ubertritt dieser Wenigen auf den Gang der ungeheuren 
Schlacht keinen Einfluß geübt. 
Am 19. Oktober vormittags erstürmten die Preußen und 
Russen die von den Franzosen noch kräftig verteidigte Stadt; 
Königsberger Landwehr unter Friccius und pommersche Füsiliere 
unter v. Borstell drangen zuerst hinein. Der Rückzug der 
Franzosen artete nun in wilde Flucht aus, wobei nach der ver- 
frühten Sprengung der Brücke über die Weiße Elster viele (dar- 
unter der polnische Fürst Poniatowski) in dem Flusse ertranken. 
Die Schlacht bei Leipzig kostete an Toten und Verwundeten
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        — 123 — 
im ganzen den Verbündeten 47000 Mann (16 500 Preußen, 
22 500 Russen, 8000 Osterreicher), Napoleon 30 000 Mann, 
außerdem ließ letzterer 15 000 Gefangene, 23.000 Verwundete 
oder Kranke und 300 Kanonen zurück. 
Deutschland war nun befreit; Napoleon floh dem Rheine 
zu. Bei Hanau stellte sich ihm am 30. Oktober der bayrische 
General Wrede (dessen König durch Osterreichs Vermittelung sich 
kürzlich den siegreichen Verbündeten angeschlossen hatte) in den 
Weg, wurde aber über den Haufen geworfen. So gelangte Na- 
poleon mit dem Rest seines Heeres nach Frankreich. Seine sehr 
zahlreichen Besatzungen in den deutschen Festungen mußten sich 
eine nach der andern ergeben: u. a. Stettin am 22. November, 
Danzig am 29. Dezember 1813, Wittenberg den 13. Januar 
1814 (an Tauenzien). Der Rheinbund löste sich auf, und die 
Fürsten desselben entgingen auf Osterreichs Verwendung der 
verdienten Strafe. Nur der König von Sachsen ward als 
Kriegsgefangener nach Preußen gebracht. Bis zum Rhein war 
Deutschland nun von den Franzosen frei. 
§ 82. Preußens Leistungen waren in dem ganzen Kriege bei 
weitem die bedeutendsten. Es stellte die meisten und tapfersten 
Krieger und die besten Feldherrn. Blücher wurde durch sein 
rastloses Vorwärtsdrängen die wirksamste Triebfeder des Feldzugs. 
Den Sinn des zu Trachenberg (12. Juli) verabredeten Planes — 
dasjenige Heer, gegen welches Napoleon in Person sich wende, 
solle ihn ohne Schlacht nach sich ziehen, die beiden andern sollten 
ihm in die Seite oder in den Rücken fallen — hielt Blücher allein 
von den drei Oberfeldherren fest zum Heile des Ganzen; er brachte 
Schwarzenberg aus Böhmen heraus und riß Bernadotte ins Ge- 
fecht. Seine Hauptstütze aber war immer Gneisenau. Nicht 
Geringeres leisteten die andern preußischen Feldherren. Bei der 
Ausführung hatte Borck durch seine Meisterschaft im Technischen, 
Fürsorge für sein Korps und Energie auf dem Schlachtfelde den 
größten Anteil an Blüchers Erfolgen. 
Die Nordarmee wurde von Bernadotte, dessen Hauptziel war, 
die Gunst seiner Landsleute von Napoleon ab auf sich zu wenden 
und seine Schweden zu schonen, absichtlich in Untätigkeit ge- 
halten; gegen seine Befehle wurden die Siege von ihr erfochten. 
Dieselben sind ausschließlich preußisches Verdienst. 
Friedrich Wilhelm von Bülow (geb. 16. Februar 1755 zu 
Falkenberg in der Altmark, 1 1816) diente seit 1769 in der
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        — 124 — 
preußischen Armee. Von Natur mehr für Kunst und Wissen- 
schaft beanlagt, ward er durch seinen Patriotismus zu der kühnen 
Tatkraft eines großen Feldherrn begeistert. Er ist der Retter 
Berlins gewesen und hat mit seinen, größtenteils aus Landwehr 
bestehenden Truppen 1813, 1814, 1815 die meisten Erfolge im 
Felde gehabt. Ihm gleich an Einsicht und Energie zeigte sich 
Graf Boguslaw Friedrich v. Tauenzien (geb. 15. September 
1760 zu Potsdam, + 1824). 
Den einzigen Sieg, den die Böhmische Armee gewann, bei 
Kulm, verdankte sie nur der patriotischen Entschlossenheit des 
preußischen Generals Emil von Kleist (F 1823), der auf Grol- 
mans Rat den gefährlichen Weg über Nollendorf antrat. Kleist 
zeichnete sich auch bei Leipzig (am 16. Oktober) aus, indem er das 
Dorf Markkleeberg erstürmte und behauptete. 
Die übrigen preußischen Feldherren leisteten ebenfalls Vorzüg- 
liches, besonders v. Hirschfeld, v. Borstell bei der Nordarmee, 
v. Horn, v. Hünerbein bei der Schlesischen. 
Desto weniger richtete die preußische Diplomatie aus: auch im 
Vertrage mit England, den Preußen am 14. Juni zu Reichen- 
bach schloß, ward letzteres übervorteilt, erhielt nur ½ Millionen 
Pfund Sterl. Hilfsgelder (Nußland das Doppelte) und ließ sich 
mit unbestimmten Vergrößerungsaussichten abfsinden, während 
Hannovers künftige Vergrößerung genau festgesetzt wurde. Im 
Vertrage mit Österreich zu Teplitz am 9. September gestanden 
Preußen und Rußland die unbedingte Unabhängigkeit der deut- 
schen Mittel- und Kleinstaaten zu. Hardenberg nahm auch den 
Vertrag zu Ried hin, in welchem Osterreich (8. Oktober) Bayern 
für dessen notgedrungenen Übertritt und für Rückgabe Tirols die 
Souveränität, den Besitz von Ansbach und Bayreuth und noch 
andere Entschädigung in Deutschland zusicherte. Auch jetzt unter- 
ließ es die preußische Regierung, sich genau bestimmte Entschädi- 
gungen auszumachen. 
Daß Deutschlands „Wiedergeburt“, die das Kalischer Manifest 
verheißen hatte, ausblieb, war nicht die Schuld Preußens und 
Rußlands, sondern Ssterreichs, welches nur einen Kabinettskrieg 
führen wollte, und des (außerpreußischen) deutschen Volkes, wel- 
ches so wenig wie seine Fürsten sich erhoben hatte. Diese mußten 
von den Preußen, Russen und Österreichern mit Gewalt von 
Frankreichs Seite gerissen werden. Noch bei Leipzig standen 
mehr Deutsche gegen als neben den Preußen. So ist denn 1813 
Deutschland nicht durch das deutsche Volk (dessen große Mehrzahl 
nach dem Willen seiner Fürsten sich still hielt und seine Söhne 
für Napoleon weiter fechten ließ), sondern durch die preußische
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        — 125 — 
Nation (die damals aus der Bevölkerung von Preußen, Litauen, 
Brandenburg, Schlesien, Pommern bis zur Peene bestand) im 
Verein mit den Russen und den meist slawisch- magyarischen Be- 
wohnern des damaligen Osterreichs befreit worden. Auch nach 
der Leipziger Schlacht fanden die Sieger im eroberten Deutschland 
nur laue Sympathie. Die unter Steins Vorsitz zur Verwaltung 
der eroberten Länder eingesetzte Centralkommission wurde von 
den früher rheinbündischen Fürsten auf jede Weise gehemmt: die 
anbefohlene allgemeine Volksbewaffnung kam nur in den früher 
preußischen Provinzen kräftig in Gang; anderwärts mußte man 
vielfach zur Werbung schreiten. Unter diesen Umständen konnte 
Metternich auf die Gestaltung der deutschen Verhältnisse um so 
leichter seinen schlimmen Einfluß üben. 
1814. 
§6*s 83. Nachdem Napoleon den ihm auf ÖOsterreichs Betrieb 
angebotenen Frieden, obwohl derselbe ihm die Rheingrenze ließ, 
abgelehnt hatte, beschlossen die Verbündeten, den Krieg nach 
Frankreich hineinzutragen. In der Neujahrsnacht 1814 über- 
schritt Blücher bei Kaub den Rhein und drang rasch bis 
Brienne an der Aube vor, wo er am 29. Januar ein hitziges 
Treffen mit Napoleon bestand. Dann mit der Schwarzen- 
bergischen Armee vereinigt, schlug er Napoleon in der Schlacht 
bei La Rothière am 1. Februar. Da aber Franz I. den 
Krieg nicht bis zum äußersten treiben wollte, so zog nur Blücher 
vorwärts, um sich an der Marne durch Vorck, Kleist und Lan- 
geron zu verstärken. Auf dem Wege nach Chalons, bei La 
Chaussée, schlug YBorck (3. Februar) den Marschall Macdonald, 
besetzte dann Chalons und stieß zu Blücher. Doch erlitt nun 
die Schlesische Armee durch Blüchers Unvorsichtigkeit und Schwar- 
zenbergs Nachlässigkeit mehrere Niederlagen: Napoleon schob sich 
geschickt zwischen ihre Abteilungen und schlug eine nach der an- 
dern, bei Montmirail (11. Februar), Chateau-Thierry 
(12. Februar), Vauchamps (14. Februar). Dann warf er sich 
auf Schwarzenberg und brachte ihm in derselben Weise eine 
Schlappe bei, so daß dieser den Rückzug anordnete. Da wen- 
dete Blücher das ganze Schicksal des Krieges, indem er mit der 
Schlesischen Armee, die der Feind zertrümmert wähnte, vorwärts 
auf Paris marschierte. Bei Soissons an der Aisne vereinigte
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        — 126 — 
er sich mit Bülow, der im November 1813 Holland erobert hatte, 
und verfügte nun über 100 000 Mann. Napoleon, der kaum 
die Hälfte hatte, versuchte ihn zurückzutreiben und griff ihn des- 
halb am 7. März bei Craonne, am 9. bei Laon an, aber 
vergebens; dort verlor er in hartem Kampfe mit den Russen 
viele Leute, hier zertrümmerte ihm Norck (beim Dorfe Athies) 
das ganze Korps Marmont. Auch von Schwarzenbergs Armee 
ward er dann bei Arcis fur Aube (20. März) zurückgeschlagen. 
Da an seinem Starrsinn die Bemühungen der Osterreicher, auf 
dem Kongreß zu Chatillon einen Frieden herbeizuführen, gescheitert 
waren, so vereinigten sich nun die Blüchersche und Schwarzen= 
bergsche Armee zum Marsch auf Paris. Napoleon, der mit 
seiner Hauptmacht nach Osten abmarschiert war, um die Ver- 
bündeten von der Hauptstadt ab und sich nachzuziehen, ward 
durch Nachsendung eines Reitertrupps in seiner Selbsttäuschung 
erhalten. Unterdessen langten die Verbündeten vor Paris an, 
schlugen am Montmartre den 30. März die Marschälle Mar- 
mont und Mortier und hielten (den 31. März) ihren Triumph= 
einzug in Paris. Beamte und Generale fielen nun von Napo- 
leon ab, der französische Senat erklärte ihn für abgesetzt, und 
da die Monarchen seine Unterhandlungsversuche ablehnten, so 
mußte er am 11. April abdanken. Die Verbündeten wiesen ihm 
die Insel Elba als Aufenthaltsort an und machten den Bourbon 
Ludwig XVIII., Bruder Ludwigs XVI., zum König von Frank- 
reich. Mit ihm schlossen sie am 30. Mai 1814 den Frieden zu 
Paris, in welchem Frankreich die Grenzen behielt, die es im 
Jahre 1792 gehabt. 
Seine Feldherrn belohnte Friedrich Wilhelm königlich: 
Blücher ward Fürst von Wahlstatt (so genannt von der Wahl- 
statt an der Katzbach), YVorck Graf von Wartenburg, Kleist Graf 
von Nollendorf, Bülow Graf von Dennewitz, Tauenzien Graf 
von Wittenberg; auch Gneisenau wurde in den Grafenstand, 
Hardenberg in den Fürstenstand erhoben. Die Gefallenen ehrte 
der König, indem er ihre Namen auf Ehrentafeln in den Kirchen 
verewigen ließ; die Heimkehrenden erhielten eine ehrende Denk- 
münze, aus dem Metall der eroberten Kanonen gegossen. 
§ 84. Nach der Schlacht bei Leipzig gab es bei den Ver- 
bündeten zwei Parteien: 1) die Kriegspartei, welche den zuerst 
von Gneisenau ausgesprochenen Gedanken, den Krieg auf der
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        — 127 — 
Stelle fortzuführen und nur in Paris zu endigen, verfocht; sie 
bestand aus den Preußen, insbesondere Gneisenau und Blücher, 
und dem Kaiser Alexander; 2) die Friedenspartei, die Frank- 
reichs Gebiet nicht verletzen, ihm sogar die fälschlich sogenannten 
natürlichen Grenzen lassen wollte und nach Napoleons Sturz 
Rußlands Ubermacht fürchtete; zu dieser gehörten hauptsächlich 
die Österreicher. Letztere hatten auf dem Friedenskongreß zu 
Frankfurt (9. November 1813) die Oberhaud. Aber die Leichtig- 
keit, mit der Bülow Holland eroberte, die Erfolge der Osterreicher 
in Oberitalien und der Engländer im südlichen Frankreich gaben 
Steins Ratschlägen beim Zaren noch mehr Gewicht, und da ihm 
Friedrich Wilhelm beistimmte, und Franz I1. durch Napoleons 
Verstocktheit beleidigt wurde, so entschloß man sich endlich zu dem 
Winterfeldzuge. 
Die Friedenspartei lähmte jedoch dessen Gang, wollte über das 
Plateau von Langres nicht hinaus, fürchtete eine französische 
Volkserhebung, während Napoleon in der Tat bei seinem er- 
schöpften Volke wenig Sympathie mehr hatte, und verschuldete 
(Anfang Februar durch Franz I. heimlichen Befehl an Schwarzen= 
berg, mit seiner Armee, in der doch auch Preußen und Russen 
waren, nicht auf das rechte Seineufer zu gehen) größtenteils die 
Unfälle der Schlesischen Armee. Nur die erftaunliche sittliche 
Kraft der letzteren machte, daß sie sofort schlagfertig wieder da- 
stand und aufs neue zum Angriff überging, und nur Blüchers 
rastlosem Vorwärtstreiben und der festen Entschlossenheit der 
Monarchen von Rußland und Preußen war es zu danken, daß 
endlich doch der allgemeine Marsch auf Paris geschah. 
Der Zar, hier um die Kriegführung hochverdient, brachte aus 
Eitelkeit in übel angewandter Großmut die Sieger um die 
reichsten Früchte dieses Feldzuges. Es wurden den Franzosen 
nicht einmal die Kunstschätze, die sie zusammengeraubt, geschweige 
denn die ehemals deutschen Länder Elsaß und Lothringen oder Er- 
satz für die Kriegsschäden abgefordert. Nur die vom Branden- 
burger Tore in Berlin entführte Viktoria nahmen die Preußen mit. 
Der Wiener Kongreß. 
§ 85. Die Verhältnisse Europas neu zu ordnen, hielten 
die verbündeten Fürsten zu Wien eine glänzende Versammlung. 
Dieser Kongreß (eröffnet am 1. November 1814) war in dem 
Grundsatz einig, den angestammten (legitimen) Fürstenfamilien ihre 
verlorenen Kronen wiederzugeben; aber über die Verteilung der 
Beute und über die künftige deutsche Verfassung entbrannte ein hef-
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        — 128 — 
tiger Streit. Im Felde hatte Preußen das meiste gethan; jetzt im 
Rat wurde es übervorteilt. Da der Zar ganz Polen und also 
auch das früher preußische zu haben wünschte, so sollte Friedrich 
Wilhelm als Entschädigung Sachsen nehmen. Aber Franz J. 
von Österreich und sein schlauer Minister Metternich arbeiteten 
im Bunde mit den deutschen Fürsten und mit Frankreich und 
England diesem Plane entgegen und suchten überhaupt Preußen 
nach Möglichkeit zu verkürzen. Friedrich Wilhelms Nachgiebigkeit 
verhinderte, daß es zwischen den Verbündeten zum Kriege kam, und 
man einigte sich (10. Februar 1815) dahin, Sachsen und Polen 
zu teilen und Preußen noch anderwärts in Deutschland einigen Er- 
satz zu geben. Es erhielt von den im Jahre 1805 besessenen 
Gebieten Danzig, Thorn, das Großherzogtum Posen und die 
deutschen Provinzen (doch mit Ausnahme von Ostfriesland und 
Hildesheim, welche an Hannover, und von Ansbach und Bay- 
reuth, welche an Bayern fielen) zurück und außerdem halb Sach- 
sen, Neuvorpommern, die Herzogtümer Jülich und Berg und die 
Erzbistümer Trier und Köln. Sein Gebiet ward dadurch auf 
5038 Quadratmeilen mit 10⅛ Millionen Einwohner gebracht, 
betrug also räumlich weniger als im Jahre 1805 und hatte 
eine noch zerstückeltere Gestalt; dagegen hatte es freilich für 
polnische Bevölkerungen deutsche eingetauscht. 
Noch weniger befriedigend wurde die Verfassung Deutsch- 
lands festgestellt. Die Wiederherstellung der deutschen Kaiser- 
würde im Hause Osterreich gab Friedrich Wilhelm nicht zu; aber 
doch kam Preußen in dem nun beschlossenen Bunde aller deut- 
schen Staaten nicht zu der ihm gebührenden Geltung. Die 
Deutsche Bundesakte (8. Juni 1815) sprach als Zweck des 
Bundes aus: die Bewahrung der Unabhängigkeit und Unver- 
letzlichkeit der im Bunde befindlichen Staaten, die alle gleichbe- 
rechtigt und souverän sein sollten, und die Erhaltung der inneren 
und äußeren Sicherheit Deutschlands, dessen gemeinsame Ange- 
legenheiten der Bundestag in Frankfurt a. M., eine immer- 
währende Versammlung der Gesandten aller deutschen Staaten, 
zu besorgen hatte. 
Selbst dies Ergebnis wäre vielleicht nicht so bald erreicht 
worden, wenn nicht Napoleons plötzliche Rückkehr die Hadernden 
rasch geeinigt hätte.
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        — 129 — 
§ 86. Auf dem Wiener Kongreß trieb England eine dynastische 
Politik; dem Hause Hannover zu Gefallen schuf es das König- 
reich Hannover und bereicherte dasselbe mit dem preußischen 
Ostfriesland, durchschnitt also Preußens Machtkreis in Nord- 
deutschland und drängte diesen Staat von der Nordsee ab. In 
der sächsischen Frage arbeitete es wegen deren Verknüpfung mit 
der polnischen Preußen ebenfalls entgegen, weil Rußland, wenn 
es ganz Polen bekommen hätte, allzu übermächtig geworden wäre. 
Von seinem alten Bundesgenossen verlassen, sah sich Preußen 
von seinem alten Gegner Osterreich desto entschlossener ange- 
griffen. Letzteres brachte am 3. Januar 1815 mit England 
und Frankreich einen Kriegsbund wider Preußen und Ruß- 
land zu stande. Voll Haß und Neid gegen Preußen, ver- 
sprachen Bayern und andere ehemalige Rheinbundstaaten freudig 
Hilfe. So erhielt Preußen für seine beispiellosen Leistungen von 
Deutschland und Europa schnöden Undank zum Lohne. Doch be- 
wirkte gerade die unfertige, zerstückelte Gestalt des preußischen 
Staates, daß für ihn stetes Wachstum in Deutschland zur Lebens- 
aufgabe wurde. 
Die Entschädigungen am Rhein (Besitzergreifung 15. Mai 
1815) machten Preußen zu Deutschlands Grenzwächter auch im 
Westen; daß es keinen größeren Teil Polens zurückempfing, war 
ein Glück, weil es nun wieder fast ganz deutsch wurde. Die neuen 
Gebiete waren größtenteils fruchtbare, reiche, hochkultivierte Län- 
der. Neuvorpommerns Erwerbung (80 O.-M. mit 124 000 
Einw.) erfüllte einen hohenzollernschen Lieblingswunsch: ganz Pom- 
mern zu besitzen. Im Kieler Frieden (14. Januar 1814) hatte 
Schweden jenes Gebiet für Norwegen an Dänemark überlassen. 
Durch Vertrag vom 4. Juni 1815 erwarb Friedrich Wilhelm es 
von den Dänen für Lauenburg, das er von Hannover erhalten, 
und für 8 Millionen Taler, wovon fast 3 an Dänemark, 5 an 
Schweden gezahlt wurden. 
Von sächsischen Landen erhielt er (durch Vertrag vom 18. Mai 
1815): die Niederlausitz und einen Teil der Oberlausitz; den 
Wittenberger „Kurkreis“; die Herzogtümer Weißenfels, Zeitz (Bis- 
tum 968, evangelisch 1564), Merseburg (Bistum 968, seit 1561 
evangelisch administriert), Grafschaft Henneberg, Grafschaft Mans- 
feld, Fürstentum Querfurt, Torgau, Delitzsch, Düben, Ziegenrück, 
Eilenburg — für diese bisher wettinischen Gebiete (378 O.-M. 
mit 864 000 Einw.) nahm der König die Titel an: Herzog 
zu Sachsen, Markgraf der Ober= und Niederlausitz, 
Landgraf zu Thüringen, gefürsteter Graf zu Henne- 
berg. 
Pierson, Leitf. d. preuß. Gesch. 9
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        — 130 — 
Am Rhein wurden außer den ehemaligen Herzogtümern Jülich 
und Berg, einigen Teilen des Erzbistums Mainz und vielen 
kleineren Gebieten neu erworben: das Erzstift Köln (die Stadt 
Köln 36 v. Chr. durch die deutschen Ubier gegründet, von Agrip- 
pina, Gemahlin des Kaisers Claudius, 50 n. Chr. mit einer 
Kolonie Veteranen besetzt scolonia Agrippinal, Bischofssitz schon 
314, Erzstift seit 784); das Erzstift Trier (älteste deutsche Stadt, 
um 320 Hauptstadt von Gallien und Bischofssitz); die Städte 
Wetzlar (seit 1692 Sitz des Reichskammergerichts), Aachen (von 
813—1553 Krönungsstadt der deutschen Könige), Dortmund (im 
14., 15. Jahrhundert Hauptstuhl der Feme) — für diese Terri- 
torien und die schon seit 1802, 1803 säkularisierten Bistümer 
Paderborn (gestiftet 795) und Münster (gestiftet 791) und 
die Benediktiner-Abtei Corvey (gestiftet 820) nahm der König 
die Titel an: Großherzog von Niederrhein, Herzog 
zu Westfalen und Engern, Fürst zu Paderborn und 
Münster. 
Die neuen Erwerbungen bestanden hier größtenteils aus einem 
bunten Gemisch ehemaliger geistlicher und weltlicher Duodezstaaten; 
von letzteren erhielt sich ein schwacher Uberrest in den Vorrechten, 
die den mediatisierten Fürsten (z. B. von Wied) zu teil 
wurden. 
Preußen, seinem Kerne nach ein auf slawischem Boden er- 
wachsenes Neu-Deutschland, behielt 1815 von Land mit rein 
polnischen Bevölkerungen nur so viel, als zur Verbindung seiner 
baltischen Gebietsteile unter einander und mit Brandenburg und 
Schlesien durchaus nötig war. Um so erfolgreicher schritt nun 
bei jenen, besonders im Großherzogtum Posen, das Werk der 
Germanisierung fort. Zwar gaben der polnische Adel und die 
polnische (katholische) Geistlichkeit die Hoffnung auf eine Wieder- 
herstellung Polens nicht auf. Aber der polnische Bauer, der es 
unter preußischem Zepter unvergleichlich besser hatte, als seine 
Väter einst im polnischen Reiche oder als seine Brüder jetzt in 
Rußland und Osterreich, wurde bald ein guter Preuße. Wie 
1813—15 die preußischen Litauer und Kassuben es den deutschen 
Preußen an Heldenmut durchaus gleich thaten, so haben 1866 
und 1870 auch die preußischen Soldaten polnischer Zunge mit 
derselben Hingebung und Tapferkeit für Preußen gefochten, wie 
ihre deutsch redenden Kameraden.
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        — 131 — 
Der Feldzug von 1815. 
§ 87. Die neue bourbonische Regierung Frankreichs machte 
sich bei der Armee und Nation bald so verhaßt, daß Napoleon 
auf die Kunde vom Hader der Verbündeten seinen Thron wieder- 
zuerobern beschloß. Er verließ mit seiner kleinen Garde die 
Insel Elba und landete glücklich (1. März 1815) in der Pro- 
vence; die Truppen fielen ihrem alten Führer zu, König Lud- 
wig XVIII. entfloh, und triumphierend zog Napoleon am 20. März 
in Paris ein. Er versprach dem Ausland, fortan Frieden zu 
halten, und seinem Volke, nicht mehr willkürlich zu regieren; 
aber man glaubte ihm nicht. Der Haß der Monarchen, 
die er einst gedemütigt, wie der Nationen, die er beschädigt, 
war zu groß; sie erhoben sich auf dem Wiener Kongreß wie 
ein Mann gegen ihn und erklärten ihn als einen Ruhestörer in 
die Acht. Unter den Verbündeten war wieder Preußen, ohne 
sich einen Lohn auszubedingen, am eifrigsten; es setzte 246 000 
Mann in Bewegung, Rußland 168 000, Osterreich 210 000, 
England 100 000. 
Napoleon hatte dagegen vor der Hand nur 200 000 Sol- 
daten; aber er gedachte schnell die Gegner einzeln zu schlagen. 
In der Nähe waren nur erst ein preußisches und ein englisch- 
deutsches Heer; sie lagen in Belgien, jenes (116 000 Preußen) 
von Blücher, dieses (100 000 Briten, Deutsche, Niederländer) 
von Wellington befehligt, in weitgedehnter Stellung, ohne engen 
Zusammenhang. Mit dem Kern seiner Armee, 134 000 Mann, 
warf sich Napoleon zwischen sie und griff am 16. Juni bei 
Ligny mit 78 000 Mann den Feldmarschall Blücher an, der 
hier 86 000 Mann hatte, auch auf Wellingtons versprochene 
Hilfe rechnete. Dieser hielt aber nicht sein Wort, da er zu der- 
selben Zeit einen heftigen Kampf mit Ney bei Quatrebras zu 
bestehen hatte. Nach furchtbarem Gemetzel endete die Schlacht 
durch Napoleons Kriegskunst ungünstig für die Preußen. Fast 
wäre im Handgemenge der greise Feldmarschall selber umge- 
kommen; nur seines Adjutanten Grafen Nostitz Geistesgegenwart 
rettete ihn vor der Gefangenschaft. — Am 17. Juni führten 
Wellington und Blücher ihre Heere zurück. Napoleon, der die 
Preußen vernichtet glaubte, wendete sich nun mit 72 000 Mann 
gegen das britisch-deutsche Heer, welches in der Stärke von 
9
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        — 132 — 
68 000 Mann auf den Höhen von Mont St. Jean (unweit 
Brüssel) eine feste Stellung bezog. Hier nahm Wellington am 
18. Juni (mittags) die Schlacht an; denn er baute fest auf 
Blüchers Hilfe, und dieser hielt sein Versprechen. Schon wankte 
Wellingtons Heer, von Napoleon furchtbar bestürmt, nach hart- 
näckigstem Widerstande, und weil die Nacht noch fern, sah 
Wellington Rettung nur, wenn die Preußen kämen; — da, im ent- 
scheidenden Augenblick, um 5 Uhr nachmittags, erschien das preu- 
ßische Heer. Es hatte nach der Niederlage bei Ligny sich sofort zu 
einem neuen Angriff bereit gemacht und war seit dem grauenden 
Morgen auf dem Marsche nach Mont St. Jean. Von Blücher 
unaufhörlich angetrieben, arbeitete es sich mit fast übermenschlicher 
Anstrengung durch die von strömendem Regen grundlos aufge- 
weichten Wege heran; zu rechter Zeit war es da und fiel, das 
Korps von Bülow voran, Napoleon in die Seite. Nun hielt 
das englisch-deutsche Heer mit letzter Kraft fest, und als auch 
das preußische Korps von Zieten siegreich anstürmte, die Dörfer 
la Haye und Papelotte, wie Bülow das Dorf Planchenois, er- 
oberte, da löste sich das französische Heer, rings umklammert, in 
wilder Flucht auf. Bis tief in die Nacht hinein setzte Gneisenau 
mit den Preußen die Verfolgung des geschlagenen Kaisers fort; 
er zertrümmerte ihm die Armee bis zur Vernichtung. 
Diese Schlacht, von den Preußen nach Napoleons Haupt- 
quartier, der Meierei La belle Alliance (von den Engländern 
aber nach Wellingtons Hauptquartier Waterloo) genannt, machte 
dem Reiche Napoleons ein Ende. Er dankte notgedrungen noch 
einmal ab; die Preußen zwangen Paris zur Übergabe. Am 
7. Juli zogen die Verbündeten ein, und Blücher ließ die Fran- 
zosen jetzt auch das Los Besiegter fühlen. Als dann die Mon- 
archen anlangten, setzten sie Ludwig XVIII. wieder als König 
von Frankreich ein und schlossen mit ihm am 20. November 
1815 den zweiten Pariser Frieden. Vergebens forderten die 
deutschen Patrioten die Rückgabe der einst deutschen Länder Elsaß 
und Lothringen; Nußland und England widersprachen, und Oster- 
reich unterstützte Preußens Forderung fast gar nicht. So brauchte 
denn Frankreich nur kleine Landstriche an seinen Ostgrenzen ab- 
zutreten (das Saarbecken an Preußen); außerdem mußte es die 
geraubten Schätze der Kunst und Wissenschaft ausliefern, 700 
Millionen Francs Kriegskosten-Entschädigung zahlen (davon 145
        <pb n="136" />
        Millionen an Preußen), und drei Jahre lang 150 000 Mann 
verbündeter Truppen in seinem Gebiet ernähren. Napoleon aber 
wurde bis an seinen Tod (1821) auf der Felseninsel St. Helena, 
bewacht von den Engländern, in Gefangenschaft gehalten. 
Die großen Streitmassen, die Preußen 1815 rasch wieder ins 
Feld stellen konnte, verdankte es seinem Wehrsystem. Das Gesetz 
vom 3. September 1814 führte allgemeine Wehrpflicht 
(mit dreijährigem Dienst bei der Fahne) ein und verstärkte das 
stehende Heer außerordentlich durch die Landwehr. Sein Volk 
für die unvergleichlichen Opfer von 1813 und 14 zu belohnen 
und es zu den neuen Opfern von 1815 noch mehr zu befeuern, 
erließ Friedrich Wilhelm III. auf Steins und Hardenbergs Rat 
das Edikt vom 22. Mai 1815, in welchem er eine Repräsen- 
tativ-Verfassung zu geben versprach. Doch trieb auch ohne- 
dies die nationale Wut gegen Napoleon das Volk der alten Pro- 
vinzen zu den heroischen Leistungen dieses Feldzugs. 
Der Erfolg des Befreiungskrieges war hauptsächlich: die glor- 
reiche Wiederherstellung des preußischen Staates und der Beweis 
der Kraft seines Volkes. 
VIII. Vom Schluß des Wiener Kongresses 1815 
bis zur Thronbesteigung Wilhelms I. 1861. 
Friedrich Wilhelms III. spätere Negierungszeit 
(1815—1840). 
g 88. Am 26. September 1815 schlossen die Herrscher von 
Nußland, Preußen und Osterreich unter sich die Heilige Allianz, 
einen Bund, in welchem sie sich verpflichteten, ihre Völker wie 
Familienväter und gleichsam als Statthalter Gottes christlich zu 
beherrschen und Religion, Frieden und Gerechtigkeit aufrecht zu 
erhalten. Die meisten Fürsten Europas traten diesem Bunde 
bei, der indes fast nur die Verstärkung des unumschränkten 
Herrschertums zur Wirkung hatte. 
Auch den Untertanen einigen Einfluß auf die öffentlichen 
Dinge zu verschaffen, war das Bestreben des Staatskanzlers
        <pb n="137" />
        — 134 — 
Fürsten Hardenberg. Doch hemmte ihn darin das Mißtrauen, 
welches sich bald zwischen Fürsten und Völkern in Deutschland 
einschlich. Besonders in Mittel-- und Süddeutschland verlangte 
ein Teil der Bevölkerung heftig nach liberalen Verfassungen, die 
in vielen Mittel= und Kleinstaaten auch gewährt wurden. Am 
eifrigsten politisierten die Studenten. Schon das Wartburg- 
fest (1817), bei welchem Mitglieder der Jenaer Burschenschaft 
volksfeindliche Schriften verbrannt hatten, reizte den Unwillen 
der deutschen Regierungen. Als aber ein Student Karl Sand 
den für einen russischen Spion geltenden Schriftsteller v. Kotzebue 
(März 1819) ermordete, wurde auf Metternichs Antrieb durch 
die Karlsbader Beschlüsse im August 1819 eine Unter- 
suchung und Verfolgung der demagogischen Umtriebe ange- 
ordnet. 
Unter diesen Umständen kam die schon 1815 verheißene 
Verfassung Preußens nicht zu stande, und Friedrich Wilhelm 
führte statt „Reichsstände“ (d. h. statt eines allgemeinen Land- 
tags) nur Provinzialstände ein (5. Juni 1823). Diese wa- 
ren zur Hälfte aus Rittergutsbesitzern, als dem ersten Stande, 
zur Hälfte aus den Vertretern der Städte und Bauern gebildet 
und erhielten die Befugnis, über Gesetzentwürfe, die ihre Pro- 
vinzen angingen, ein Gutachten abzugeben. 
§ 89. Viel Befriedigung gewährte die Verwaltung des 
Königs. Er gab ihr feste Einheit, indem er das Staatsgebiet 
in 8 Provinzen, diese in Regierungsbezirke, diese in Kreise teilte, 
über die Landräte der Kreise den Regierungspräsidenten, über 
die Regierungspräsidenten den Oberpräsidenten der Provinz setzte, 
die Oberpräsidenten aber dem Staatskanzler unterordnete, der 
hinwieder von dem 1817 eingerichteten Staatsrat beaufsichtigt 
wurde. Da die Beamtenschaft mit großer Macht ausgerüstet 
war und sich in Preußen von jeher durch Geschicklichkeit und 
Pflichttreue, Ordnung und Arbeitsamkeit auszeichnete, so brachte 
sie in kurzer Zeit die durch den Krieg und die neuen Gebiets- 
verhältnisse sehr verwirrten Geschäfte in den rechten Gang und 
richtete die neuen Erwerbungen auf preußische Art ein. 
Um den Staatshaushalt erwarb sich Friedrich Wilhelm 
die meisten Verdienste. In den Jahren von 1806 bis 1815 
war der Staat in tiefe Schulden geraten, die im Jahre 1820
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        — 135 — 
sich auf 218 Millionen Taler beliefen. Um diese zu tilgen und 
zugleich die großen neuen Ausgaben für Festungen, Waffen, 
Schulen, Ämter bestreiten zu können, opferle der König groß- 
mütig seine Domänen und ließ den größten Teil derselben ver- 
kaufen, ersparte durch Beurlaubung viel beim Militär und setzte 
fest, daß die gesamten Staatsausgaben ein bestimmtes Maß nicht 
überschreiten dürften. Auf den Nat des Ministers v. Klewiz hob 
er 1818 die Toraccise auf und führte statt derselben in den größeren 
Städten die Mahl= und Schlachtsteuer, in den kleinen Städten 
und auf dem platten Lande die Klassensteuer ein. Dadurch 
erleichterte er den Verkehr, und Handel und Wandel hob sich. 
Denselben Zweck erreichte er im großen durch die Gründung 
des preußisch-deutschen Zollvereins (1834), dem mit Ausnahme 
von Osterreich, Mecklenburg und den Hansestädten alle deutschen 
Staaten beitraten. Durch ihn wurde nicht bloß die deutsche 
Industrie, da die Zollschranken zwischen den Zollvereinsstaaten 
wegfielen, mächtig gefördert, sondern auch ein großer Schritt zur 
Einigung Deutschlands unter Preußens Führung getan. 
Ebenso wohltätig erwies sich Friedrich Wilhelms Regierung 
für die geistige Bildung der Nation. Das höhere Schul- 
wesen wurde 1817 einem besonderen Ministerium „der geistlichen, 
Unterrichts= und Medizinal-Angelegenheiten“ untergeben und kam 
durch die weise Verwaltung des Ministers v. Altenstein sehr in 
Flor. Neben den Gymnasien blühten nun auch die Realschulen. 
Die Universitäten zu Halle und Wittenberg wurden in Halle 
vereinigt (1817), und für die Rheinlande die Universität zu Bonn 
gegründet (1818). Daß aber Preußen auch im Volksunterricht 
alle anderen Großstaaten weit überflügelte, war hauptsächlich 
eine Folge der allgemeinen Schulpflichtigkeit, die der Kö- 
nig durchführte. 
In den kirchlichen Dingen gelang ihm ein altüberliefertes 
Streben seines Hauses: er vereinigte die beiden evangelischen 
Bekenntnisse, das lutherische und das reformierte, in der Union 
(1817) zur „Evangelischen Landeskirche.“ Er selbst arbeitete für 
sie eine Agende aus, die jedoch bei manchen Lutheranern (Alt- 
Lutheranern) auf Widerstand stieß. — Der römischen Geistlichkeit 
verstattete er (durch Vertrag mit dem Papste 1821) großen Ein- 
fluß auf seine katholischen Untertanen. Als sie aber, von den 
Jesuiten geleitet, die Rechte der Evangelischen und des Staates
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        — 136 — 
verletzte (besonders in betreff der gemischten Ehen zwischen Pro- 
testanten und Katholiken), ja sogar das Volk am Rhein und in 
Posen wider die Regierung aufhetzte, ließ der König den unge- 
horsamen Erzbischof von Köln v. Droste-Vischering ver- 
haften und auf eine Festung bringen (1837). Ebenso erging es 
dem gleich aufsässigen Erzbischof von Posen, Martin Dunin 
(1839). Jener mußte in Minden, dieser in Kolberg als Staats- 
gefangener sitzen. Als Schutzherr der Evangelischen nahm auch 
der König 1837 die in Tirol wegen ihres Glaubens bedrückten 
lutherischen Zillertaler aufj; er siedelte sie bei Erdmannsdorf 
in Schlesien an. 
Unter seiner wahrhaft landesväterlichen Verwaltung machte 
das Land in jeder Art der Kultur die größten Fortschritte: der 
Wohlstand und die Bevölkerung wuchsen in den 25 Friedens- 
jahren von 1815—1840 um die Hälfte; die Wissenschaften nah- 
men einen solchen Aufschwung, daß Preußen hierin selbst die am 
weitesten vorgeschrittenen Nationen zu überholen begann. Er- 
halten wurde dieser segensreiche Frieden teils durch die Achtung, 
welche man vor Preußens militärischer Kraft hatte, da es nach 
seiner Landwehrverfassung bei einem Kriege immer sein ganzes 
Volk in Waffen stellen mußte und konnte, teils durch die Ab- 
neigung des Königs, Anlaß zu Störungen der europäischen und 
der deutschen Machtverhältnisse zu geben. Er schloß sich in betreff 
der ersteren gewöhnlich den Ansichten des ihm verschwägerten 
Kaisers von Rußland (seit 1825 Nikolaus, Gemahl Charlottens, 
der Tochter des Königs), in den deutschen Dingen meist den 
Maßregeln Osterreichs an. Da nun Kaiser Nikolaus und noch 
mehr der Minister Metternich überall das Aufkommen konstitu- 
tioneller Einrichtungen bekämpften, so übertrug sich ein Teil der 
dadurch bei den Liberalen erregten Mißstimmung auch auf die 
preußische Regierung. 
Dennoch war der König bis an seinen Tod beim Volke sehr 
beliebt; es freute sich seiner schlichten, bürgerlichen Art, die be- 
sonders in seinem Privatleben (auch nach seiner zweiten Verhei- 
ratung mit der zur Fürstin von Liegnitz erhobenen Gräfin 
Auguste v. Harrach 1824) gemütvoll hervortrat, und dankte ihm 
für die großen Erfolge seiner wohlgeordneten Verwaltung. 
Friedrich Wilhelm III. starb am 7. Juni 1840 zu Berlin. 
Der Staat, den er neu eingerichtet, hatte unter ihm eine Bevöl-
        <pb n="140" />
        — 137 — 
kerung von 15 Millionen auf 5049 Quadratmeilen erreicht (1834 
hatte er noch das kleine Fürstentum Lichtenberg erworben); die 
Einnahmen waren auf 89 Millionen Taler gestiegen; die Streit- 
macht bestand im Frieden aus 140 000 Mann Linie, dazu für den 
Kriegsfuß noch aus 280 000 Mann Reserve und Landwehr ersten 
und 110 000 Mann zweiten Aufgebots. 
5§ 90. Ein Artikel der Deutschen Bundesakte verhieß allen 
deutschen Staaten landständisohe Verfassung. Mehrere derselben, be- 
sonders Baden, Bayern, Württemberg, erhielten auch bald mehr 
oder minder liberale Konstitutionen; Frankreich hatte eine solche 
bereits durch die Charte von 1814. Hierauf, sowie auf das Ge- 
setz vom 22. Mai 1815 beriefen sich diejenigen, welche auch für 
Preußen eine moderne Konstitution wünschten. Zu diesen 
gehörten vornehmlich die liberalen Beamten, welche die Stein- 
Hardenbergsche Reform vollführt hatten, einige Führer des Be- 
freiungskrieges (z. B. Gneisenau, Grolman) und die meisten 
patriotischen Schriftsteller (z. B. Arndt) und Gelehrten (Schleier- 
macher). 
Den Verfassungsfreunden entgegen arbeiteten die Höflinge, ein 
Voher Teil der Bureaukratie und des Adels, besonders aber 
sterreich und Rußland, welche den Einfluß eines liberalen 
Preußens auf Deutschland fürchteten. 
Zwischen beiden Parteien vermittelte Hardenberg, immer be- 
müht, nach Möglichkeit die Grundsätze der Reformzeit von 1808 
bis 1812 durch die Verwaltung praktisch zu bethätigen. 
Der König hielt an seiner Überzeugung, daß die absolute 
Monarchie für den preußischen Staat die notwendige Form sei, 
um so fester, weil die Bewohner der neuen Provinzen, zumal 
die katholischen und die Polen, noch keineswegs gut preußisch gesiunt, 
vielmehr den wichtigsten Interessen des preußischen Staates ab- 
geneigt waren: die allgemeine Wehrpflicht und die straffe Ver- 
waltung waren in fast allen neuen Gebieten unbeliebt; die 
Gleichberechtigung der Konfessionen mißfiel besonders in den früher 
bischöflichen Teilen Westfalens und der Rheinprovinz; das Deutsch- 
tum war dem polnischen Adel und Klerus verhaßt. 
Die Einbuße an Geltung und Ansehen, welche Preußen beim 
deutschen Volke durch seine Nachgiebigkeit gegen die Politik 
Metternichs erlitt, brachte der König wieder ein durch die muster- 
hafte innere Verwaltung seines Staates und besonders durch seine 
deutschnationale Handelspolitik. Der Zollverein, den Preußen 
mit beträchtlichen eigenen Opfern gründete, gab der Industrie
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        — 138 — 
und dem Handel einen ungeahnten Aufschwung. Seine Grund- 
sätze waren eine gemäßigte Handelsfreiheit und die Einheit des 
deutschen Volkes. Osterreich konnte seiner verschiedenen Verkehrs- 
verhältnisse wegen in eine Zolleinigung mit Deutschland nicht tre- 
ten und mußte letzteres daher dieser preußischen Führerschaft über- 
lassen. Zuerst wurde der Zollverein 1827 mit einigen Enklaven 
geschlossen, 1828 mit Hessen-Darmstadt, 1831 mit Kurhessen, 
1833 mit Bayern, Württemberg, Sachsen und den thüringischen 
Staaten, 1835 mit Baden und Nassau, 1836 mit Frankfurt a. M. 
Die Finanzminister Motz und v. Maaßen und die Geheimräte 
Eichhorn und Kühne erwarben sich um dies Werk viele Verdienste. 
Durch den Zollverein, sowie durch die zahlreich gegründeten Real, 
Gewerbe-, Ackerbau= und Handelsschulen, wurde der Aufschwung 
der Industrie ungemein befördert. 
Das Aufblühen der materiellen Kultur beschleunigte der 
Umstand, daß man mehr und mehr die WMissenschaft auf das 
praktische Leben anwandte, Land- und Forstwirtschaft, wie städti- 
sches Gewerbe vernunftgemäß betrieb. 
In dieser Zeit machte der deutsche Geist die großartigsten Fort- 
schritte auf dem Gebiet des Wissens. Preußen hatte daran 
einen hervorragenden Anteil. Viele Gelehrte ersten Ranges, wie 
Alerander von Humboldt (geb. 1769 zu Berlin, 1859), 
Karl Ritter (geb. 1779 zu Ouedlinburg, 1 1859 zu Berlin), 
Leopold Ranke (geb. 1795 zu Wiehe i. Th., k 1886 zu Berlin), 
brachte es hervor; andere, wie Hegel und die Gebrüder Grimm, 
zog es an sich. — In der Poesie war bei Hofe vorzüglich 
die romantische Richtung beliebt, welcher Ludwig Tieck (geb. 
1773 zu Berlin, gest. 1853), v. Fouqué, v. Eichendorff, 
A. von Arnim folgten; allgemeinen Beifall hatten die Dich- 
tungen Adelberts von Chamisso (geb. 1781 zu Boncourt in 
der Champagne, als Knabe nach Berlin übergesiedelt, wo er 
1838 starb) und K. Immermanns (geb. 1796 zu Magde- 
burg, gest. 1840). Die mit dem Bestehenden Unzufriedenen 
fanden Geschmack an den Phantasien des sogenannten „jungen 
Deutschland“, dessen literarisches Haupt H. Heine war (geb. 
1799 zu Düsseldorf, aus jüdischer Familie, gest. 1856 zu Paris). 
Während in den oberen Kreisen der Gesellschaft verfeinerte 
Asthetik und ideale Philosophie gepflegt wurden, verbreitete die 
Pestalozzische Volkspädagogik, von der Regierung in Preußen 
eingeführt, eine gewisse Aufklärung selbst in den untersten Schich- 
ten des Volks.
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        — 139 — 
Friedrich Wilhelm IV. (1840—1861). 
§ 91. Auf Friedrich Wilhelm III. folgte dessen ältester 
Sohn, Friedrich Wilhelm IV., geb. am 15. Oktober 1795 
(seit 1823 vermählt mit Elisabeth von Bayern), ein geistreicher, 
frommer und deutschgesinnter Fürst. Auch er war überzeugt, 
daß die besondere Natur und die eigentümlichen Aufgaben des 
preußischen Staates das Fortbestehen des Absolutismus nötig 
machten; doch milderte er denselben (1842) durch Beschränkung 
der Zensur und durch langsamen Ausbau des Instituts der 
Provinzialstände, deren „Vereinigten Ausschuß“ er nach Ber- 
lin berief. — In den kirchlichen Dingen begünstigte er die 
Strenggläubigkeit, die auch in der Schule und im Staate 
herrschen sollte. Dennoch bildeten sich neue Sekten: 1842 die 
„Lichtfreunde“ und „freien Gemeinden“; 1844 (hervorgerufen 
durch den Widerwillen gegen den „heiligen Rock“, den die 
katholische Geistlichkeit in Trier ausstellte) die „Deutschkatholiken“. 
Um dem Wurnsche eines großen Teiles der Nation nach 
einer verfassungsmäßigen Mitwirkung an der Leitung des Staa- 
tes nachzukommen, errichtete der König durch Patent vom 3. Fe- 
bruar 1847 den „Vereinigten Landtag“, eine Ständever- 
sammlung für das ganze Reich, ohne deren Zustimmung fortan 
keine neuen Steuern oder Anleihen eingeführt werden durften. 
Doch war die liberale Partei mit diesem Zugeständnis nicht zu- 
frieden, und als im folgenden Jahre am 22. Februar in Paris, 
am 13. März in Wien eine siegreiche Revolution stattfand, ver- 
hieß Friedrich Wilhelm (den 18. März 1848 vormittags) auch 
Preußen eine freiere Verfassung, sowie eine Verbesserung des 
Deutschen Bundes. Gleichwohl kam es am Nachmittag des 
18. März in Berlin zu einem Straßenkampfe, infolgedessen hier 
monatelang Unordnung herrschte. Auch in Posen brach eine 
Empörung aus; die Polen, geführt von Mieroslawski, erhoben 
sich hier gegen die Deutschen, wurden aber von den preußischen 
Truppen bald bezwungen. 
Am 22. März berief der König eine „Preußische Na- 
tionalversammlung“ ein, um mit ihr eine neue Verfassung 
zu vereinbaren. Sie trat am 22. Mai in Berlin zusammen. 
Da aber die Unordnungen fortdauerten, und die Vereinbarung
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        — 140 — 
mit der Nationalversammlung nicht den erwünschten Fortgang 
nahm, so ernannte der König am 9. November konservative 
Männer — Graf Brandenburg, Otto v. Manteuffel — zu Mi- 
nistern, welche die volle Autorität der Krone wiederherstellen 
sollten. Nachdem er dann am 5. Dezember die Nationalver= 
sammlung aufgelöst hatte, verordnete („oktroyierte“) er eine Ver- 
fassung, die sehr freisinnig war. Am 30. Mai 1849 erließ er 
ein neues Wahlgesetz für die zweite Kammer, das Dreisteuer- 
klassen-Wahlsystem, vereinbarte sodann mit dem neuen Land- 
tag die „revidierte“ Verfassung und verkündete dieselbe am 
31. Januar 1850 als Staatsgrundgesetz. Durch Verordnung 
vom 12. Oktober 1854 baute er sie durch Schöpfung des Herren- 
hauses weiter aus. 
§5 92. Er versuchte auch Deutschland neu zu ordnen. Weil 
er aber den Rechten der deutschen Fürsten nicht zu nahe treten 
wollte, auch einen Krieg mit den eifersüchtigen Nachbarstaaten 
(besonders Osterreich und Rußland) scheute, so lehnte er die ihm 
von der deutschen Nationalversammlung am 3. April 1849 an- 
getragene deutsche Kaiserkrone ab; ohnehin mißfiel ihm die 
demokratische Verfassung, die er damit zugleich annehmen sollte. 
Obwohl er nun die deutschen Fürsten mit Waffengewalt be- 
schützte, die Revolution in Dresden (Mai 1849), in der Pfalz 
und in Baden (Juni 1849) niederschlagen ließ und den Be- 
herrschern Sachsens, Badens, Bayerns die abgefallenen Länder 
wiedergab, so gelang ihm doch die erstrebte preußisch-deutsche 
Union nicht. 
Eben so wenig richtete er in Schleswig-Holstein und 
in Kurhessen aus; dort hatte sich das Volk 1848 gegen die 
Dänen, hier 1850 gegen den Kurfürsten erhoben. An beiden 
Stellen wurde es in seinem guten Rechte von Preußen unter- 
stützt. Aber auf Rußlands und Osterreichs Drohung gab Fried- 
rich Wilhelm nach und nahm die Bedingungen an, die seinem 
Minister Manteuffel auf der Konferenz zu Olmütz (29. No- 
vember 1850) gestellt worden waren. Demnach erkannte er 1851 
den Frankfurter Bundestag (der sich im Juli 1848 auf- 
gelöst hatte und nun von neuem hergestellt wurde) wieder an, ließ 
zu, daß die Kurhessen von Bayern und Osterreichern unterworfen 
wurden, und unterzeichnete das Londoner Protokoll (8. Mai
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        — 141 — 
1852), welches Schleswig-Holstein an die Dänen überlieferte. 
Im Sommer 1852 wurde auch die kaum gegründete kleine 
deutsche Flotte durch Versteigerung wieder beseitigt. 
§6 93. Einen Zuwachs erhielt unter Friedrich Wilhelm IV. 
der Staat durch die Erwerbung der Fürstentümer Hohen- 
zollern-Sigmaringen und -Hechingen, deren Fürsten die- 
selben zum Nutzen deutscher Einheit an Preußen abtraten 
(6. und 8. April 1850), ferner durch den Ankauf des Jade- 
busens an der Nordsee (1853), wo der König den Bau eines 
Kriegshafens für die von ihm gegründete preußische Flotte 
begann. Dagegen verlor er das Fürstentum Neuschatel (Neuen- 
burg), welches jedoch, ein persönlicher Besitz der preußischen 
Könige, in den Staat nie einverleibt worden war. Es hatte sich 
1848 völlig als republikanischer Kanton der Schweiz eingerichtet. 
Um Krieg mit Osterreich, welches sich einmischte, zu vermeiden, 
verzichtete Friedrich Wilhelm 1857 auf seine ohnehin unbeden- 
tenden Rechte an dieses Ländchen. — Wenigstens den Nutzen 
hatte die auswärtige Politik des Königs, daß sie dem Lande den 
Frieden erhielt, in dessen Schutz der Nährstand immer mehr 
gedieh, und Volkszahl und Wohlstand rascher zunahmen als in 
den meisten andern deutschen und europäischen Staaten. 
Nach keiner Seite hin war Friedrich Wilhelms IV. Tätig- 
keit so ausdauernd wie in der kirchlichen Richtung. Die Be- 
lebung des christlichen Glaubens, wo derselbe schwach geworden, 
lag ihm vor allem am Herzen. „Ich und mein Haus“ (erklärte 
er feierlich) „wir wollen dem Herrn dienen“. Um die evan- 
gelische Kirche freier von der Gewalt des Staates zu machen, 
gründete er für sie 1850 den evangelischen Ober-Kirchenrat. 
Er förderte die „Innere Mission“; auch die „Evangelische Allianz“. 
Die Volksschule erhielt 1854 durch Einführung der „Regulative“ 
eine mehr auf das Religiöse gehende Richtung. 
Vielseitig und feingebildet, schätzte und liebte Friedrich Wil- 
helm die Wissenschaften und schönen Künste sehr. Auch die 
letzteren kamen nun, dank seiner Pflege, in Preußen zu hoher 
Blüte; von seiner Freigebigkeit und seinem Kunstsinn zeugt ins- 
besondere der Kölner Dom, dessen Riesenbau, im Mittel- 
alter begonnen, nach dreihundertjähriger Unterbrechung seit 1842 
weitergeführt wurde.
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        — 142 — 
8 94. Schon bei der ersten großen Industrieausstellung 
des Zollvereins, in Berlin 1844, zeigte sich der außerordentliche 
Fortschritt der Gewerbe. Dieser erhielt Flügel durch die Erfin- 
dungen der Neuzeit, besonders in der Benutzung der Dampfkraft 
und des Maschinenwesens, der Eisenbahnen und Telegraphen. 
Bei der Welt-Industrieausstellung im Krgystallpalast zu 
London 1851 mußten Engländer und Franzosen sich in manchen 
Stücken von dem Gewerbefleiß des Zollvereins übertroffen sehen. 
Gleichen Schritt damit hielt in Preußen der Ackerbau (von 
1849—1852 wurden 41/8 Million Morgen Landes urbar gemacht). 
Unter den Künsten hatten auch sonst Bildhauerei und Archi- 
tektur geblüht (Schinkel lgeb. 1781 in Neu-Ruppin, 1 18411, 
Gottfried Schadow (geb. 1764 in Berlin, 1850), Rauch); 
jetzt taten es die Malerei ihnen gleich (Berliner und Düssel- 
dorfer Schule) und die Musik (die Berliner Opernkomponisten 
Meyerbeer und Lortzing). In der Wissenschaft ging fortdauernd 
von Preußen viel neues Licht aus: Gründung der verglei- 
chenden Sprachforschung (Grimm, Bopp, Pott), der Infusorien- 
kunde (Ehrenberg), der Meteorologie (Dove), der neueren 
Geographie (Ritter), Erfindung des Augenspiegels (Helmholtz) 
und anderes. 
Die Regentschaft 1858—1861. 
§ 95. Im Herbst 1857 erkrankte der König so bedenklich, 
daß er in Ermangelung von Kindern seinen ältesten Bruder, den 
Prinzen Friedrich Wilhelm Ludwig (geboren am 22. März 1797 
zu Berlin, seit 1829 vermählt mit Augusta von Weimar) mit der 
Stellvertretung in den Regierungsgeschäften betrauen mußte. 
Da der König nicht genas, so trat der Prinz von Preußen am 
9. Oktober 1858 die selbständige Regentschaft an. Er entließ 
das Ministerium Manteuffel und bereitete eine neue Politik vor. 
Schon durch die Festigkeit, mit der er während des italienischen 
Krieges 1859 Preußens Interessen gegen Osterreich wahrnahm, 
sowie durch seine Erklärungen bei Gelegenheit einer Zusammen- 
kunft mit dem französischen Kaiser Louis Napoleon in Baden- 
Baden 1860 erwarb er sich allgemeines Ansehen. Die Hauptstütze 
der preußischen Macht zu verstärken, unternahm er eine Reorga- 
nisation des Heeres, wobei ihm sein Kriegsminister v. Roon 
treffliche Dienste leistete. Als Friedrich Wilhelm IV. am 2. Januar 
1861 seinen Leiden erlag, folgte er diesem nunmehr als König. 
–
        <pb n="146" />
        — 143 — 
IX. Wilhelm I. (1861—1888). 
§ 96. Am 18. Oktober 1861 nahm König Wilhelm in 
Königsberg feierlich seine Krönung vor. Mit seiner Thron- 
besteigung beginnt ein neuer großer Abschnitt in der Geschichte 
des preußischen Staates. So lange die Heeresreorganisation 
noch nicht ganz durchgeführt war, begnügte sich der König mit 
den Erfolgen, die auf friedlichem Wege zu erreichen waren. Zur 
Förderung des Verkehrs schloß er mit Frankreich am 2. August 
1862 einen Handelsvertrag und setzte dessen Annahme bei 
allen Staaten des Zollvereins durch. Ein ähnlicher Handels- 
vertrag wurde 1863 mit Belgien geschlossen. Um Preußens 
Ansehen in Deutschland wiederherzustellen, geschah im Mai 1862 
eine Mobilmachung gegen den Kurfürsten von Hessen, infolge 
deren dieser in seinem Lande die 1850 aufgehobene Verfassung 
wieder einführte. Als kleine Anbahnung einer deutschen Militär- 
einheit erfolgten 1862 Militärkonventionen mit Koburg-Gotha, 
Altenburg, Waldeck. 
Einen entscheidenden Schritt that der König in demselben 
Jahre 1862 durch Einsetzung des Ministeriums Bismarck. 
Otto v. Bismarck (geb. am 1. April 1815 zu Schönhausen 
in der Altmark), bisher preußischer Gesandter (in Frankfurt a. M., 
Petersburg, Paris), wurde am 24. September 1862 mit der 
Leitung der auswärtigen Politik Preußens betraut. Er über- 
nahm sie im Sinne der Überlieferungen Friedrichs d. Gr., wie 
er denn sofort es aussprach, „die deutsche Frage könne nur 
durch Blut und Eisen gelöst werden“, und bald zeigte, daß 
sein Grundsatz sei, ohne Vorurteil jedesmal das zum Besten des 
Staates Notwendige zu thun. 
Als im russischen Polen ein Aufstand ausbrach, ging die 
preußische Regierung eine Konvention mit Rußland ein (Februar 
1863), welche den Schutz Posens bezweckte. Das Reformprojekt 
des österreichischen Kaisers Franz Joseph, wonach Preußen die 
Führung Deutschlands an Osterreich überlassen sollte, lehnte der 
König ab (August 1863). Dagegen verband er sich nach dem 
Tode Friedrichs VII. von Dänemark (15. November 1863) 
mit Ssterreich zur Befreiung Schleswig-Holsteins. Der Dä- 
nische Krieg (1. Februar bis 1. August 1864), in welchem
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        — 144 — 
die Preußen ruhmvoll am 18. April die Düppeler Schanzen 
stürmten und am 29. Juni die Insel Alsen eroberten, endete 
mit der völligen Trennung der Herzogtümer Schleswig, Holstein 
und Lauenburg von der Krone Dänemark. Dieselben wurden 
im Wiener Frieden (nach den Präliminarien vom 1. August, 
definitiv am 30. Oktober 1864) von dem dänischen Könige 
Christian IX. an die beiden siegreichen deutschen Großmächte 
ohne Vorbehalt abgetreten. Letztere einigten sich im Vertrage 
zu Gastein (14. August 1865) dahin, daß vorläufig Schleswig 
unter preußische, Holstein unter österreichische Verwaltung ge- 
geben wurde; sein Mitbesitzrecht auf Lauenburg überließ Oster- 
reich dem Könige Wilhelm für 1⅜m Millionen Taler. 
Der Deutsche Krieg von 1866. 
§ 97. Damit Preußen aus seinem Rechte an Schleswig- 
Holstein möglichst wenig Nutzen ziehe, wollten Osterreich und die 
meisten deutschen Staaten aus jenen beiden Ländern einen neuen 
Kleinstaat unter dem Prinzen von Augustenburg bilden. Oster- 
reich überwies daher dem Gasteiner Vertrage zuwider eigen- 
mächtig die Entscheidung über Schleswig-Holsteins Besitz dem 
deutschen Bundestage (1. Juni 1866), und als nun Preußen 
seine Truppen in Holstein einrücken ließb, sprach der Bundestag 
auf Osterreichs Antrag am 14. Juni gegen Preußen die Exe- 
kution aus. Man gedachte den preußischen Staat klein zu machen 
und war voll hochmütiger Siegeszuversicht. Denn zu Osterreich 
standen alle mächtigeren deutschen Staaten (Bayern, Württemberg, 
Baden, Sachsen, Hannover, Kurhessen, Hessen-Darmstadt, Nassau 
u. a.); zu Preußen, welches sich indes mit Italien verbündet hatte, 
nur Mecklenburg-Schwerin, Oldenburg, Koburg und ein paar 
andere Kleinstaaten. Das österreichische Heer galt für stärker 
und tüchtiger, als es war, das preußische wurde unterschätzt. 
Unbeirrt durch das drohende Geschrei der Gegner, wie durch 
die Bedenken Kleinmütiger, gestützt auf die Armee, deren Zahl 
und Schlagfertigkeit er durch die Neugestaltung derselben unge- 
mein erhöht hatte, und beraten in den politischen Dingen von 
Bismarck, in den militärischen besonders vom General v. Moltke 
(geb. 26. Oktober 1800) ging König Wilhelm entschlossen in den 
Kampf für Preußens Ehre und Deutschlands Einheit. Schlag
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        — 145 — 
auf Schlag warf er rings die Feinde nieder. Am 17. Juni 
wurde Hannover, am 18. Dresden, am 19. Kassel von den 
Preußen besetzt: die sächsischen Truppen zogen sich nach Böhmen, 
die kurhessischen nach Süddeutschland zurück; die hannöverschen 
mußten nach einem rühmlichen Gefecht bei Langensalza (am 27.) 
kapitulieren (am 29.). 
Mit derselben Schnelligkeit ging es über die Osterreicher 
her, deren Hauptmasse unter dem Feldzeugmeister Benedek in 
Böhmen stand. Von drei Seiten brachen (23. bis 26. Juni) die 
Preußen hier ein, durch die Lausitz die „Erste Armee“ unter dem 
Prinzen Friedrich Karl (100 000 Mann), von Dresden her die 
„Elbarmee“ unter General Herwarth v. Bittenfeld (40 000 
Mann), von Landeshut und Glatz aus die „Zweite Armee“ unter 
dem Kronprinzen (116 000 Mann). Die entgegenstehenden Teile 
des österreichischen Heeres wurden zurückgeworfen: General Graf 
Clam-Gallas erlitt bei Münchengrätz (am 28.) und bei Git- 
schin (am 29.) von der Elb= und ersten Armee Nieder- 
lagen; drei andere österreichische Armeekorps wurden nach ein- 
ander von dem preußischen General v. Steinmetz geschlagen, 
bei Nachod (am 27.), bei Skalitz (am 28.), bei Schweinschädel 
(am 29.). 
Benedek zog nun seine Truppen (noch 220 000 Mann, dar- 
unter 20 000 Sachsen) in einer festen Stellung bei Königgrätz 
zusammen. Hier griff ihn König Wilhelm Dienstag den 3. Juli 
morgens 8 Uhr mit der „Elb-“ und „Ersten Armee“ an. Die 
Schlacht war hartnäckig und mörderisch; bis gegen Mittag stand 
der Kampf gleich. Da erschien die „Zweite Armee“ auf dem 
Schlachtfelde und erstürmte Chlum, den Schlüssel der österreichischen 
Stellung. Damit war der Sieg für die Preußen gewonnen; er 
kostete ihnen freilich 9000 Mann an Toten und Verwundeten. 
Mit einem Verlust von 5 Fahnen, 160 Kanonen, 44 000 Mann 
(darunter 20 000 Gefangene) trat Benedek den Rückzug an. 
Diese Schlacht, auch an Umfang (es standen hier 230 000 
Mann gegen 220 000) eine der größten aller Zeiten, entschied den 
ganzen Feldzug. Bis drei Meilen vor Wien drangen die Sieger 
nach und waren im Begriff, Preßburg zu nehmen, als Kaiser 
Franz Joseph den Frieden nachsuchte, der (nach den Prälimi- 
narien von Nikolsburg, 26. Juli) zu Prag am 23. August ab- 
geschlossen wurde. Kraft desselben schied Osterreich aus Deutsch- 
Pierson, Leitf. d. preuß. Gesch. 10
        <pb n="149" />
        — 146 — 
land aus, erkannte die Einrichtungen, die Preußen im Norden des 
Mains treffen würde, sowie die politischen Beziehungen, in welche 
der Süden Deutschlands zu dem Norden treten möchte, im voraus 
an, überließ sein Anrecht auf Schleswig-Holstein an Preußen 
und zahlte letzterem noch 20 Millionen Taler Kriegskosten. 
Italien erhielt den Besitz Venetiens. 
§ 98. Süddeutschland wurde unterdessen von einem kleinen 
preußischen Heere (von 45 000 Mann), der sogenannten „Main- 
armee“, bezwungen. Unter Führung des Generals Vogel v. Falcken- 
stein verhinderte die Mainarmee lange Zeit die Vereinigung der 
feindlichen Streitkräfte (40 O00 Bayern und 46 000 Mann von 
den andren Bundesstaaten), siegte bei Kissingen (am 10. Juli) 
über die Bayern, bei Aschaffenburg (am 14.) über deren Ver- 
bündete und besetzte Frankfurt a. M. (am 15.). Dann unter dem 
General v. Manteuffel siegte sie bei Tauberbischofsheim und 
Würzburg (am 24., 25. und 26.) über die Gesamtmacht der 
Feinde. Weitere Niederlagen wandte Süddeutschland ab, indem 
es um Frieden bat. Derselbe kam im August auf folgende Be- 
dingungen zu stande: Württemberg bezahlte an Preußen 8, Ba- 
den 6, Hessen-Darmstadt 3, Bayern 30 Millionen Gulden Kriegs- 
kosten; außerdem schlossen diese Staaten mit Preußen ein Schutz- 
und Trutzbündnis und stellten ihre Heere für den Kriegsfall unter 
den Oberbefehl des Königs von Preußen. Dagegen brauchten sie 
keine Landabtretungen zu machen (außer einigen kleinen Grenz- 
strichen von Hessen-Darmstadt und Bayern). 
Sachsen endlich zahlte kraft Friedensvertrages an Preußen 
10 Millionen Taler Kriegskosten und verzichtete, wie auch der 
Großherzog von Hessen-Darmstadt für Oberhessen tat, auf einen 
Teil seiner Souveränität. 
§ 99. Preußen ordnete nämlich die deutschen Dinge in 
folgender Weise. Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen, Nassau, 
Frankfurt a. M. und einige darmstädtische und bayrische Gebiets- 
teile (im ganzen 1309 O.-M. mit 4½ Mill. Einwohnern) wur- 
den in den preußischen Staat einverleibt. Die übrigen nord- 
deutschen Staaten (1320 Q.-M. mit 5⅛ Mill. E.) traten zu ihm 
in ein enges Bundesverhältnis, welches dem Könige von Preußen 
als „Präsidenten des Norddeutschen Bundes““ den Befehl 
über die Kriegsmacht zu Land und Wasser und viele andere
        <pb n="150" />
        — 147 — 
wichtige Rechte einräumte. Die Gesetzgebung für den nord- 
deutschen Bund übten der norddeutsche Bundesrat — eine Ver- 
sammlung der Bevollmächtigten der einzelnen Regierungen — 
und der norddeutsche Reichstag, den die Abgeordneten der Be- 
völkerungen bildeten. Der Zollverein mit Süddeutschland blieb 
bestehen, erhielt aber im Zollparlament auch eine Volks- 
vertretung. 
So hatte Preußen einen gewaltigen Zuwachs an Macht- 
mitteln, und Deutschland die feste Grundlage für seine Einigung 
gewonnen. 
Schleswig-Holstein. 
§ 100. Die cimbrische Halbinsel ist seit Urzeiten zwischen 
Deutschland und Skandinavien Brücke und Kampfplatz gewesen. 
Im 10. Jahrhundert n. Chr. saßen hier im Norden der Schlei 
Dänen, zwischen Schlei und Eider Friesen und Sachsen, südlich 
der Eider in der Mitte und im Westen Holsteins Sachsen und 
Ditmarschen, im Osten die slawischen Wagrier. Gegen die Dänen 
gründete König Heinrich I. der Sachse 934 die Mark Schleswig; 
ihrerseits befestigten jene die Grenze an der Schlei mit Wall und 
Graben („Danewerk"). Nachdem aber Kaiser Konrad II. der 
Franke die Mark Schleswig 1026 an Knut d. Gr. abgetreten, 
herrschten die Dänen bis zur Eider. Von Südosten her griffen 
die heidnischen Slawen um sich, die Wagrier, die Polaben (in 
Lauenburg), die Obotriten. Da setzte der Sachsenherzog Lothar 
v. Supplinburg 1111 den Ritter Adolf v. Schauenburg zum 
Grafen über die Grenzgaue Holstein und Stormarn. Wie die 
Anhaltiner Brandenburg, so haben die Schauenburger Schleswig- 
Holstein dem Deutschtum gewonnen. 
Nach Bezwingung der Wagrier und Polaben wurde Wagrien 
mit Holstein vereinigt, das Land der Polaben, Lauenburg mit 
der Feste Ratzeburg, eine eigene Grafschaft (1143); Ansiedler 
aus Holland, Friesland, Westfalen halfen das flawische Wesen 
verdrängen. Von der Dänenherrschaft, die nach dem Sturze 
Heinrichs des Löwen und begünstigt von dem Hohenstaufen Kaiser 
Friedrich II. sich über Transalbingien und bis zur Odermündung 
ausgedehnt hatte, wurden die Lande südlich der Eider durch die 
Schlacht bei Bornhöved (22. Juli 1227) befreit, wo die nächst- 
beteiligten niederdeutschen Stände (Holstein, Schwerin, Mecklen- 
burg, Bremen, Lübeck, Sachsen) mit vereinter Macht dem Könige 
Waldemar II. eine furchtbare Niederlage beibrachten. Seitdem 
schritt das Deutschtum wieder vor, gefördert besonders durch die 
107
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        — 148 — 
deutschen Bürgerschaften. Daher verliehen die Grafen von Hol- 
stein ihren Städten (Oldenburg, Plön, Itzehoe, um 1240 Kiel, 
dann Rendsburg) gern das reichliche Lübecker Recht. Auf dem 
Lande erhielt sich die Volksfreiheit am kräftigsten bei den Bauern 
in Ditmarschen (zwischen den Mündungen der Elbe und Eider). 
Zur Verteidigung der Eidergrenze hatten die dänischen Könige 
schon im 11. Jahrhundert Prinzen ihres Hauses als Herzöge 
von Süderjütland in Schleswig (dänisch Hedaby) eingesetzt. 
Diese nahmen allmählich eine unabhängigere Stellung an, und 
nachdem Herzog Erich von Schleswig mit Hilfe der Holsteiner 
die Truppen seines Vetters, des dänischen Königs Erich, in der 
Schlacht auf der Loheide bei Schleswig 1261 besiegt hatte, mußte 
sich Dänemark mit der Lehnshoheit über das Herzogtum Schleswig 
begnügen. Die Schauenburger hinderten auch ferner, daß Schles- 
wig an Dänemark fiel, und als König Christoph II. es an sich 
reißen wollte, schlug ihn der Graf Gerhard der Große von 
Holstein-Rendsburg wieder hinaus (1325) und eignete sich dann 
selber die Herrschaft hier an; unter seiner Regierung wurde das 
Deutsche in Schleswig die Amtssprache. Die Dänen wußten sich 
zuletzt seiner nicht anders zu erwehren als durch Meuchelmord 
(1340). Doch behaupteten sich Gerhards Söhne im südlichen Schles- 
wig, und sein Enkel Gerhard VI. erwarb 1386 von der dänischen 
Königin Margareta die Belehnung mit ganz Schleswig als einem 
erblichen Herzogtum. Gerhard VI. gelang es auch, die Frie- 
sen, die damals von schweren Fluten (den „Manntränken") gro- 
ßes Unglück litten, zu unterwerfen; als er aber ebenso den Dit- 
marschen die Freiheit nehmen wollte, wurde er von diesen besiegt 
und erschlagen (1404). Seine Nachkommen bestanden um Schles- 
wig harte Kämpfe mit den Königen der skandinavischen Union, 
behaupteten sich aber, besonders mit Hilfe der Hansa, in ihrem 
Besitz und Recht. 
Die Vereinigung Schleswigs mit Holstein war der Ver- 
breitung des Deutschtums in den dänischen Gegenden Schleswigs 
nützlich, gereichte aber auch den Ständen beider Lande zum gro- 
ßen Vorteil, da dieselben durch Zusammenhalten ihre Vorrechte 
und Freiheiten besser wahren konnten. Darum, als die Rends- 
burger Linie des Hauses Schauenburg 1459 mit Adolf VIII. aus- 
starb, und nun in Schleswig nach dänischem Lehnsrecht (welches 
weibliche Erbfolge zuließ) Adolfs Neffe, Christian von Olden- 
burg, den die Dänen 1448 zum Könige gewählt hatten, in 
Holstein aber, wo deutsches Lehnsrecht galt, ein anderer Ver- 
wandter erbberechtigt war, zogen die Stände der beiden Lande es 
vor, einen gemeinsamen Herrn zu wählen, und zwar entschieden
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        — 149 — 
sie sich für Christian, weil Adel und Geistlichkeit von der Herr- 
schaft eines fremden Königs mehr Vorteil für ihre Sonderinteressen 
erwarteten. Doch ließen sich die Stände vorher von ihm nicht 
bloß ihre Privilegien, sondern auch die staatsrechtliche Einheit 
Schlewig-Holsteins („up ewig ungedeelt") verbriefen und wählten 
dann (zu Ripen im März 1460) den König Christian I. zum 
Herzog von Schleswig und Grafen von Holstein. 400 Jahre 
lang hat seitdem die Kraft Schleswig-Holsteins zu Meer und 
Land dem dänischen Reiche gedient. Der dänische König aber 
war nun für Holstein, welches der Kaiser 1474 zum Herzogtum 
erhob, ein deutscher Reichsstand. 
Christians I. Söhne teilten die landesherrlichen Güter und 
Einkünfte in Schleswig-Holstein so, daß der ältere, König Jo- 
hann, den „Segeberger Anteil" (mit Rendsburg), der jüngere, 
Herzog Friedrich, den „Gottorper Anteil“ bekam; die Regierung 
der beiden Lande blieb gemeinsam. Zur Unterjochung der Dit- 
marschen-Bauern brachten der König-Herzog und der Herzog mit 
Hilfe der benachbarten niederdeutschen Fürsten und Edelleute ein 
Heer von 20 000 Mann ins Feld; sie erlitten aber zwischen den 
Gräben und Deichen der Marsch bei Hemmingstedt (Februar 
1500) von den Bauern (Isebrand und die tapfere Telse) eine 
harte Niederlage. Anderwärts in Schleswig-Holstein gelang es der 
Ritterschaft, begünstigt von den Königen, die Bauern zu Knechten 
herabzudrücken. 
Nachdem Johanns Sohn, König Christian II. (der Schwager 
Joachims I. von Brandenburg), 1523 von seinem Oheim Fried- 
rich vertrieben worden, regierte in Dänemark und Schleswig- 
Holstein die jüngere, gottorpsche Linie des Hauses Oldenburg. 
Mit ihr kam das Luthertum hier zur Herrschaft, welchem das 
Volk rasch zufiel. Völlig durchgeführt wurde die Reformation 
in Schleswig-Holstein 1542 mit Zustimmung der Stände und 
unter der geistlichen Leitung Bugenhagens. Das Hochdeutsche — 
die Sprache der lutherischen Bibel — wurde nun hier die Sprache 
der höheren Bildung. 
1544 wurden die Domänen der Herzogtümer wieder geteilt; 
der König nahm den „Sonderburger Anteil“, sein ältester 
Bruder den „Gottorper". Einig blieben die Zweige der Fa- 
milie im Haß gegen die Ditmarschen, und diese erlagen endlich 
der Ubermacht (besiegt in der Schlacht bei Heide 1559); fortan 
mußten die Ditmarschen den Herzögen von Holstein huldigen 
und zinsen. 
Die Greuel des Dreißigjährigen Krieges, an welchem König 
Christian IV. teil nahm, verheerten zweimal Schleswig-Holstein;
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        — 160 — 
nach der Schlacht bei Lutter am Barenberge (1626) kamen Tillys 
und Wallensteins Raubscharen, 1643 unter Torstenson die schwe- 
dischen. Die Nordseeküste verwüstete noch eine gewaltige Sturm- 
flut (11/12. Oktober 1634), welche weite, fruchtbare Landstriche 
in Hallige verwandelte. 
Die Ergiebigkeit des Bodens und die für den Handel so 
günstige Lage des Landes verhalfen den Herzogtümern bald wie- 
der zu Wohlstand. Dauernden Nachteil brachte das Streben der 
königlichen Linie, die Gottorper Herzöge von der Mitregierung 
in Schleswig-Holstein auszuschließen; denn diese suchten nun bei 
Schweden Schutz. Schweden bewirkte auch (1660), daß die dä- 
nische Lehnsgewalt über Schleswig beseitigt, und dem Gottorper 
Herzog für seinen Anteil an Schleswig die Souveränität zuge- 
sprochen wurde. Aber die Dänen nahmen dies Zugeständnis bald 
wieder zurück. Als Karl XlI. im Nordischen Kriege unterlag, be- 
raubte der König von Dänemark (1714) den Herzog von Gottorp 
seines Anteils an Schleswig völlig und regierte nun in diesem 
Lande allein. Zwar gelangte durch Verheiratung des Herzogs 
Karl Friedrich von Gottorp mit Anna, Tochter Peters d. Gr., 
der jüngere Zweig des Hauses Gottorp auf den russischen Thron; 
aber in einem Vertrage zwischen Rußland und Dänemark (1773) 
überließen die Gottorper Herzöge ihr Recht an Schleswig und 
Holstein den königlichen Oldenburgern, wogegen diese ihnen die 
deutschen Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst abtraten, welche 
der Oheim des Großfürsten Paul, der Herzog Friedrich August 
von Gottorp, erhielt. 
Die Sonderburger Linie, welcher nun ganz Schleswig-Holstein 
gehörte, hat um diese Lande einige Verdienste gehabt: Friedrich VI. 
hob 1805 die Leibeigenschaft auf, trat für Holstein und das Her- 
zogtum Lauenburg, welches er im Kieler Frieden 1814 erworben, 
1815 in den deutschen Bund und ordnete 1831 liberaler ein- 
gerichtete Provinzialstände an. Dagegen verletzte 1846 König 
Christian VIII. zu gunsten der Dänen die alten Rechte der Herzog- 
tümer und das Interesse der Deutschen, indem er (in seinem 
„offenen Brief") Schleswig-Holstein mit Dänemark zu einem 
Gesamtstaat zu verbinden unternahm. Als dann sein Nachfolger 
Friedrich VII. 1848 die Einverleibung Schleswigs in Dänemark 
versuchte, erhoben sich die Schleswig-Holsteiner mit den Waffen 
dagegen. Preußen half ihnen anfangs (1848 Zerstörung des 
Danewerkes, Sieg bei Düppel), überließ sie dann aber (1850) 
ihrem Schicksal. Die Dänen bezwangen nun die beiden Herzog- 
tümer und verhängten über die Deutschen in Schleswig harten 
Druck. Um so mehr waren die Schleswig-Holsteiner geneigt,
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        — 151 — 
nach dem Aussterben der älteren Linie des Hauses Sonderburg 
1863 den Prinzen Friedrich von Augustenburg (aus einer Son- 
derburger Nebenlinie) zu ihrem Herzog zu machen, um nur von 
Dänemark los zu kommen. Der Gefahr, daß hier ein neuer 
deutscher Kleinstaat entstand, machte indes Preußen, nachdem es 
1864 im Verein mit Osterreich die Herzogtümer den Dänen ab- 
genommen, bei Königgrätz 1866 ein Ende. 
Hannover. 
§ 101. Das alte Herzogtum Sachsen (zwischen Ems und 
Unterelbe, Nordsee und Harz), die Heimat Wittekinds, Heinrichs I., 
Ottos d. Gr., kam nach dem Tode Lothars v. Supplinburg 
1137 in den Besitz des ursprünglich welschen Geschlechts der 
Welfen, welches auch Bayern besaß. Aus diesem Hause war 
Herzog Heinrich der Löwe von Sachsen und Bayern; er gebot 
an der Nord-- und Ostsee wie ein König und erwarb sich um die 
Germanisierung der Slawen in Transalbingien, Mecklenburg, 
Pommern große Verdienste. Nachdem er in seinem Kampfe mit 
Friedrich Rotbart unterlegen war (1180), wurde das alte Sachsen 
in eine Menge von weltlichen und geistlichen Landesherrschaften 
zerstückelt. Die Welfen behielten nur ihre Familiengüter, welche 
1235 zum reichsunmittelbaren Herzogtum Braunschweig-Lüne- 
burg erhoben wurden. Durch häufige Erbteilungen zersplitterten 
sie noch ihre geringe Macht. Die Hauptlinien waren Braun- 
schweig-Wolfenbüttel und Braunschweig-Lüneburg. Das letztere 
Haus trat früh dem Luthertum bei; der Lüneburger Herzog Ernst 
der Bekenner gehörte zu den Unterzeichnern der Augsburger 
Konfession 1530 und zum Schmalkaldischen Bunde. Sein Sohn, 
Herzog Wilhelm, erwarb 1582 Hoya, 1585 Diepholz; sein Enkel, 
Georg, erbte Kalenberg (1634) und machte Hannover zu seiner 
Residenz. Georgs Söhne teilten 1648 ihren Besitz; so entstanden 
die Zweige Lüneburg-Celle und Lüneburg-Hannover. 
Zu größerer Bedeutung gelangten die Welfen, als Herzog Ernst 
August von Lüneburg--Hannover 1692 die Kurwürde erhielt; 
noch weit mehr aber, als Ernst Augusts Sohn und Nachfolger, 
Georg, der durch seine Mutter Sophie (eine Tochter des Böhmen- 
königs Friedrich v. d. Pfalz und der englischen Prinzessin Elisa- 
beth Stuart) von den Stuarts abstammte, 1714 den britischen 
Thron bestieg. Das Kurfürstentum Hannover, welchem 1705 
durch Erbschaft Celle und Lauenburg, 1719 im Stockholmer 
Frieden die ehemaligen Bistümer Bremen und Verden zufielen, 
hatte von jener Erhöhung der Welfen mehr Schaden als Nutzen;
        <pb n="155" />
        — 152 — 
es war nun ein Nebenland einer fremden Krone, und seine Söhne 
mußten für englisches Geld, welches zumeist den regierenden Stän- 
den zufloß, Englands Kriege mitfechten. Im Sieben jährigen 
Kriege fochten sie wenigstens für eine gute Sache, und nachdem 
an Stelle des unfähigen Herzogs von Cumberland, der über die 
hannöverschen Truppen die Niederlage bei Hastenbeck und die 
schmachvolle Kapitulation von Kloster Zeven (1757) gebracht 
hatte, der Prinz Ferdinand von Braunschweig getreten war, be- 
deckten sie sich mit Ruhm (bei Krefeld 1758, bei Minden 
1759, bei Wilhelmsthal 1762). Dann aber wurden die hannö- 
verschen Soldaten vom König-Kurfürsten Georg III. nach Amerika 
zum Kriege gegen die Vereinigten Staaten verkanft (1776—82) 
und bluteten dort ruhmlos für eine fremde und schlechte Sache. 
1803 führte die Untüchtigkeit der hannöverschen Regierung wieder 
eine Kapitulation des hannöverschen Heeres (vor den Franzosen 
bei Artlenburg) herbei. Von dem eroberten Lande schlug Napo- 
leon 1807 einen Teil zum „Königreich Westfalen", welches er 
seinem Bruder Jerome verlieh, den Rest (1810) zu Frank- 
reich selbst. 
Nachdem Preußens Siege 1813 das Land befreit hatten, 
wurde 1814 auf Betrieb Englands im Interesse der Welfen aus 
dem früheren Kurfürstentum Hannover und vielen anderen nord- 
westdeutschen Gebieten (die größtenteils, wie Ostfriesland, vordem 
preußisch gewesen) ein „Königreich Hannover“ gebildet. 
1837 hörte die Vereinigung Hannovers mit der englischen Krone 
auf. Letztere verblieb der weiblichen Linie des Welfenhauses, die 
männliche Linie erbte Hannover. 
Nach dem Tode des Königs Ernst August 1851 bestieg dessen 
Sohn Georg V., obwohl seiner Blindheit wegen zum Regieren 
unfähig, den Thron. Die Feindschaft, die er gegen den preu- 
ßischen Staat bewies, zog ihm 1866 den Verlust seines Landes 
zu, welches nun, wie die Lebensinteressen Preußens es geboten, in 
den preußischen Staat einverleibt wurde. 
Hessen-Nassau. 
§* 102. Das Volk der Katten (zwischen Taunus, Spessart, 
Habichtswald und Brocken), welches Tacitus unter den kriege- 
rischen Germanen als besonders tapfer rühmt, ging im 3. Jahr- 
hundert n. Chr. in den Völkerbund der Franken aufz; doch 
blieben Name und Sinnesart der Katten ihren Nachkommen 
zwischen Eder und Werra, den Hessen. Unter diesen verbrei- 
teten die Heidenbekehrer Bonifatius und Sturm eine höhere
        <pb n="156" />
        — 153 — 
Kultur, jener besonders durch Gründung der Kirchen zu Fritzlar 
und Amöneburg (740), dieser durch Gründung der Klöster Fulda 
und Hersfeld (744). Mit dem Christentum brachten diese Mis- 
sionen in die Waldwüsten Hessens auch einen besseren Anbau des 
Bodens. Bald entstand hier aber unter der fränkischen Herrschaft 
auch ein gebieterischer Adel, dessen Macht und Vorrecht in dem 
Grenzkriege mit den Sachsen und durch die Verleihungen der 
karolingischen Könige, dann der fränkischen Herzöge sehr zunahmen. 
Im nördlichen Hessen, dem eigentlichen „Hessen gau“, kam die 
Grafenwürde 1247 an einen Prinzen Heinrich v. Brabant, 
der 1292 vom Kaiser Adolf die Erhebung der Landgrafschaft 
Hessen zu einem erblichen Reichsfürstentum erlangte und in 
Kassel seine Residenz aufschlug. 
Nach dem Untergange der Hohenstaufen war Franken (das 
Land am Main), ebenso wie Schwaben, in eine Anzahl reichs- 
unmittelbarer Herrschaften zerfallen; auch hier gab es daher fort- 
während Fehden, bei denen sich die schwächeren Mitstände der 
stärkeren durch Verbündung zu erwehren suchten (Adelsbünde der 
„Sterner", „Schlegler“, „Löwen“ im 14. Jahrhundert). Doch auch 
hier wuchs immer die Fürstenmacht; so gewann der Landgraf von 
Hessen 1327 Gießen, 1450 Ziegenhain und Nidda, um 1500 
die Grafschaft Katzenellenbogen, 1505 Homburg. Eine sehr 
bedeutende Rolle spielte Hessen dann unter Philipp dem 
Großmütigen (geb. 1504, Sohn des Landgrafen Wilhelm II. 
und Annas v. Mecklenburg). Im Kampf mit dem Ritter Franz 
v. Sickingen (# 1523) und mit den aufständischen Bauern (1525) 
focht Hhilipp mutig und erfolgreich; von weit größerer Bedeutung 
aber war, daß er mit Feuereifer sich zum Schilde der lutherischen 
Reformation aufwarf. Er hat sich um dieselbe sehr verdient 
gemacht. 
Luther mit Zwingli zu einigen bemühte er sich vergebens; da- 
gegen vollendete er nach ihrem Religionsgespräch zu Mar- 
burg 1529 die Reformation in seinem Lande, indem er die 
Klöster aufhob; aus den eingezogenen Kirchengütern stiftete er die 
Universität Marburg und baute die Festung Ziegenhain. 
1531 schloß er mit Kursachsen und anderen protestantischen Reichs- 
ständen den Schmalkaldischen Bund, unter dessen Schutz die 
evangelische Sache mächtig erstarkte. Philipp war es auch, der 
Württemberg durch den Sieg bei Laufen 1534 den Osterreichern 
entriß und dem lutherisch gewordenen Herzog Ulrich wiedergab. 
Ebenso führte er Braunschweig dem Luthertum zu, indem er hier 
1542 den katholischen Herzog vertrieb. Im Schmalkaldischen 
Kriege befiegt, büßte er 1547 dem Kaiser Karl V. mit seiner
        <pb n="157" />
        — 154 — 
Freiheit; der Passauer Vertrag 1552 endete seine Haft und sicherte 
den Protestantismus in Deutschland. 
Den Fehler der meisten deutschen Dynastieen, ihre Macht durch 
Erbteilung zu schwächen, beging auch die hessische; dem Testament 
Philipps gemäß spaltete sich nach seinem Tode (1567) dies Fürsten- 
haus in mehrere Linien, von denen indes seit 1604 nur zwei be- 
standen: die ältere, nach ihrem Sitz Hessen-Kassel genannt, und 
die jüngere, Hessen-Darmstadt. Jene trat zur reformierten 
Kirche über und hatte daher im Dreißigjährigen Kriege die schwere 
Hand des Kaisers desto härter zu empfinden. Doch hielt die kraft- 
volle und kluge Landgräfin Amalie (Witwe Wilhelms V. und 
Regentin für ihren unmündigen Sohn Wilhelm VI.) standhaft 
am schwedischen Bündnis fest, und sie erreichte dadurch im West- 
fälischen Frieden 1648 für Hessen-Kassel manche Vorteile, 
namentlich den Besitz der Abtei Hersfeld. 
Im 138. Jahrhundert entehrten sich die Landgrafen von Hessen 
durch den Handel, den sie mit ihren Landeskindern trieben. Die 
hessischen Truppen, als tapfer und ausdauernd bekannt, waren eine 
gesuchte Ware. Landgraf Friedrich I. verkaufte sie an England und 
verwandte den Erlös in Schweden, dessen Krone er (1720) durch 
Heirat erhalten hatte. Seine Nachfolger in Hessen, Wilhelm VIII. 
(1751—1760) und Friedrich II. (1760—1785), setzten den Sol- 
datenhandel fort. Anfangs dienten die Verkauften wenigstens 
deutschen Zwecken, indem England sie im Siebenjährigen Kriege für 
Preußen fechten ließ, und so nahmen sie an den Siegen Ferdinands 
von Braunschweig (besonders bei Minden 1759) rühnlichst teil; 
dann aber verkaufte Friedrich II. sie nach Amerika zum Kriege 
gegen die englischen Kolonien (1776—1782). Auch sein Sohn 
Wilhelm IX. lieferte den Engländern Truppen und zwar gegen 
eine jährliche Summe von 36 000 Pfund Sterling ein stehendes 
Korps von 12 000 Mann. Von diesen Einkünften sammelten 
die Landgrafen Friedrich II. und Wilhelm IX. einen großen Schatz 
baren Geldes. 
1802 wurde die Landgrafschaft Hessen-Kassel durch einen 
Reichsdeputationsbeschluß zum Kurfürstentum erhoben, 1807 
aber von Napoleon mit andern mitteldeutschen Gebieten zu einem 
„Königreich Westfalen“ unter Jerome Bonaparte vereinigt. Je- 
rome gab in seiner Hauptstadt Kassel durch sittenloses Leben ein 
schlimmes Beispiel; doch schaffte die Franzosenherrschaft auch 
manche alte Mißbräuche im Staate ab. Diese wurden, als 
Kurfürst Wilhelm I. (früher Landgraf Wilhelm IX.), ein harter 
Despot, 1813 zurückkehrte, von demselben nach Möglichkeit 
wiederhergestellt. Auf dem Wiener Kongreß vergrößerte man
        <pb n="158" />
        — 155 — 
½ durch den Erwerb von Fulda und Isenburg 
1815). 
Willkür, Eigennutz und Starrsinn waren auch den Nachfolgern 
Wilhelms I. eigen. Die Verfassung, die Wilhelm II. (1821— 
1847) im Jahre 1831 notgedrungen gab und die sein Sohn 
Friedrich Wilhelm (Mitregent seit 1831) ausführen sollte, brach 
letzterer bald wieder (Ministerium Hassenpflug). Friedrich Wil- 
helm geriet dadurch mit seinem Volke in einen langen Streit. 
Auch die Interessen des preußischen Staates, zwischen dessen Län- 
dern Kurhessen wie ein eingeschobener Keil lag, wurden von ihm 
oft durchkreuzt, bis endlich Preußen 1866 diesem Kleinstaat ein 
Ende machte. 
§ 103. Die Grafen von Nassau, ein fränkisches Geschlecht, 
(seit 1149 namhaft) teilten sich 1255 in zwei Linien. Die ältere, 
Walramsche, herrschte links der Lahn (Nassau-Weilburg) — aus 
dieser war Kaiser Adolf (1292—98) —, die jüngere, Ottonische, 
rechts der Lahn; von letzterer siedelte im 15. Jahrhundert ein 
Zweig nach den Niederlanden über und erheiratete das Fürsten- 
tum Orange in Südfrankreich (Nassau-Oranien). Kaiser Adolfs 
Nachkommen brachten es über den Stand von Kleinfürsten nie 
hinaus, obwohl sie 1366 reichsunmittelbar wurden und durch 
manche Erwerbung ihr Gut mehrten. Der Reformation 
wandten sich die Nassauer Grafen früh zu und vertraten sie nach 
Kräften; Erbteilungen (Nassau-Weilburg, Nassau-Wiesbaden, 
Nassau-Saarbrücken, Nassau-Usingen) schwächten auch diese Dy- 
nastie. Beim Untergang des deutschen Reiches sicherten sie durch 
Beitritt zum Rheinbund ihren Besitz, der nun zu einem unteil- 
baren Herzogtum erhoben wurde (1806), und rundeten ihn 
(1815) durch Erwerbung der deutschen Besitzungen des Hauses 
Oranien (Dietz, Hadamar, Dillenburg u. a.) ab. 1816 vereinigte 
Herzog Wilhelm nach dem Aussterben der letzten Nebenlinie des 
Walramschen Hauses alle nassauischen Lande, unierte in ihnen 
auch die reformierte und lutherische Kirche und errichtete 1818 
allgemeine Landstände. Nach seinem Tode 1839 folgte ihm in 
der Regierung sein Sohn Adolf, welcher 1866 von Preußen ent- 
thront wurde. — 
Die Stadt Frankfurt am Main, schon zur Zeit der Karo- 
linger gegründet, wurde 1245 freie deutsche Reichsstadt. 
Ihre zumal für den Handel so günstige Lage zwischen dem Nor- 
den und Süden Deutschlands verhalf ihr zu Reichtum und poli- 
tischer Wichtigkeit; die Gunst der deutschen Kaiser förderte ihre 
Interessen (1330 Stiftung der jährlichen Messen durch Ludwig
        <pb n="159" />
        — 156 — 
den Bayer). Gegen Ende des Mittelalters wurde es Brauch, die 
deutschen Kaiser in Frankfurt zu wählen, seit Mitte des 16. Jahr- 
hunderts war Frankfurt auch die Krönungsstadt der Kaiser, 
obwohl sie sich dem lutherischen Bekenntnis zugewandt hatte. 
Nach dem Umsturz des deutschen Reiches errichtete Napoleon 1810 
ein „Großherzogtum Frankfurt" (unter dem Mainzer Fürst- 
Primas v. Dalberg). 1815 als freie Stadt wieder herge- 
stellt, wurde Frankfurt der Sitz der deutschen Bundesver- 
sammlung. 
Da die Frankfurter Patrizier 1866, ebenso wie der Herzog 
Adolf von Nassau, für Österreich Partei ergriffen, so besetzte 
Preußen beide Kleinstaaten und verband sie als „Regierungs- 
bezirk Wiesbaden“ mit Kurhessen („Regierungsbezirk Kassel"“) zu 
einer preußischen Provinz Hessen-Nassau. — 
Durch die Eroberungen v. J. 1866 wurde der preußische 
Staat um ein Viertel seines früheren Bestandes vergrößert und 
trefflich abgerundet; für seine Landmacht waren besonders die 
kriegstüchtigen Bevölkerungen von Hannover und Hessen, für 
seine Seemacht die vorzüglichen Seeleute Schleswig-Holsteins und 
Ostfrieslands eine sehr erhebliche Verstärkung. Zugleich wurde 
sein deutscher Charakter noch schärfer ausgeprägt, da jetzt nur noch 
ein Zwölftel seiner Bevölkerung nicht deutsch war. 
Auf 6400 O.-M. mit 24 Millionen Einw. angewachsen, hatte 
Preußen jetzt hinreichende Mittel, um mit eigener Kraft und ohne 
übermäßige Anstrengung den Rang eines der ersten Großstaaten 
Europas behaupten zu können. Weil ihm aber zugleich der 
Schutz des nichtpreußischen Deutschlands oblag, so hatte es den 
deutschen Mittel- und Kleinstaaten gewisse Verpflichtungen auf- 
erlegt. Die nördlich des Mains befindlichen waren mit ihm zum 
norddeutschen Bundesstaat fest vereinigt, die südlich des Mains ge- 
legenen standen mit ihm vorerst nur im Verhältnis eines Staaten- 
bundes. Da von dem Norddeutschen Bunde vier Fünftel und 
vom deutschen Zollverein fast zwei Drittel der Bevölkerung Preu- 
ßen waren, so bestand zwischen den Interessen des preußischen 
Staates und denen der großen Mehrheit des deutschen Volkes 
kein Unterschied. — 
Die Heeres-Reorganisation, ohne welche die Erfolge von 1866, 
sowie die späteren von 1870, nicht möglich gewesen wären, hatte 
der König gegen den Willen des Abgeordnetenhauses, welches 
die dafür nötigen Ausgaben ablehnte, durchgesetzt und war da- 
durch mit demselben in einen „Verfassungs-Konflikt“ gekommen. 
Dieser Streit wurde, nachdem das Werk des Königs sich
        <pb n="160" />
        — 157 — 
im Felde so glänzend bewährt hatte, dadurch beigelegt, daß 
der Landtag auf Antrag der Regierung (14. August 1866) 
beren Maßregeln nachträglich genehmigte (dafür „Indemnität" 
erteilte). 
Der Französische Krieg von 1870—1871. 
5 104. Die Franzosen sahen den Aufschwung Preußens 
mit Neid, die beginnende Einigung Deutschlands mit Besorgnis; 
sie wollten an Kriegsruhm und Macht die ersten sein und blei- 
ben. Aus Rücksicht auf die Stimmung seines Volkes und ge- 
drängt von seiner Umgebung, beschloß Napoleon III. Krieg 
gegen Preußen. Zum Vorwande nahm er, daß die Spanier 
dem Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen ihre Krone 
angetragen; er verlangte, daß dieser sie ablehne. Dann, als dies 
geschah, forderte er weiter, der König von Preußen solle ver- 
sprechen, daß der Prinz auch in Zukunft jenen Antrag niemals 
annehme. Solcher Anmaßung trat Wilhelm I. mit Würde ent- 
gegen (zu Ems, 13. Juli 1870); Napoleon erklärte ihm nun 
den Krieg (19. Juli). 
Frankreich rechnete auf den Abfall Süddeutschlands; aber 
dieses blieb seinen Verpflichtungen getreu; die Beherrscher Ba- 
dens, Bayerns und Württembergs stellten sofort ihre Truppen 
unter den Befehl des Königs von Preußen. Niemals hatte ein 
Fürst über ein so gewaltiges Kriegsheer verfügt wie jetzt Wil- 
helm I. Mehr als eine Million Streiter erhoben sich auf seinen 
Ruf; an Feldtruppen standen zunächst 600 000 Mann bereit 
(nämlich 440 000 Preußen und 160 000 Mann aus den 
übrigen deutschen Staaten). Frankreich dagegen brachte fürs 
erste nur 425 000 Soldaten ins Feld. 
Den Oberbefehl über die deutsche Kriegsmacht führte der 
König selbst, unter Beirat des Generals v. Moltke. Es wur- 
den drei Armeen zum Schutze des Rheins aufgestellt: die „Erste" 
unter Steinmetz bei Trier, die „Zweite“ unter Prinz Friedrich
        <pb n="161" />
        — 158 — 
Karl bei Mainz, die „Dritte“ (zu welcher die Süddeutschen und 
zwei preußische Korps gehörten) unter dem Kronprinzen von 
Preußen in der bayrischen Rheinpfalz. Gegen die beiden ersten 
stand Napoleon mit seiner Hauptmacht, gegen die dritte der 
Marschall Mac Mahon mit einem kleineren Heere. Letzterer er- 
litt am 4. August bei Weißenburg und am 6. August bei 
Wörth eine Niederlage, während ein Teil des französischen 
Hauptheeres ebenfalls am 6. in der Schlacht bei Spichern (un- 
weit Saarbrückens) besiegt ward. 
Napoleon zog sich nun mit der Masse seines Heeres auf 
die starke Festung Metz an der Mosel zurück und übergab den 
Oberbefehl an den Marschall Bazaine. Dieser hielt hier in fester 
Stellung mit 200 000 Mann der herandringenden „Ersten“ und 
„Zweiten“ Armee der Deutschen tapfer stand. Aber in zwei 
mörderischen Schlachten, den blutigsten des ganzen Krieges, bei 
Vionville am 16. August und bei Gravelotte und St. Pri- 
vat am 18. August bezwungen, mußte er mit seiner Armee sich 
in Metz einschließen lassen. Dieser große Erfolg entschied schon 
über das Schicksal des ganzen Feldzuges; man verdankte ihn 
vor allem der zähen Tapferkeit der Brandenburger, die bei 
Vionville stundenlang den Feind festgehalten, und dann dem 
Heldenmut der preußischen Garde bei St. Privat. Aber es sind 
dort auch von dem brandenburgischen Armeecorps fast 7000 
Mann (mehr als ein Viertel) und von der Garde 8100 Mann 
(ein Viertel) getötet oder verwundet worden. 
König Wilhelm ließ nun einen Teil der „Ersten“ und „Zweiten“ 
Armee unter dem Befehl des Prinzen Friedrich Karl rings um Metz 
stehen; den Rest entsandte er unter dem Befehl des Kronprinzen 
Albert von Sachsen an die Maas. Eben dorthin marschierte von 
Chalons her mit einem neugebildeten Heere der Marschall Mac 
Mahon, bei welchem sich auch der Kaiser befand; er wollte dem 
in Metz eingeschlossenen Bazaine Hilfe bringen. Aber inzwischen 
war ihm die Armee des Kronprinzen von Preußen bereits in 
den Rücken gekommen, und an der Maas stieß er auf die Armee 
des Kronprinzen von Sachsen. Von beiden am 1. September 
bei Sedan umzingelt und angegriffen, verlor er die Schlacht, 
und nun mußte sein ganzes Heer (83 000 Mann) samt der 
Festung Sedan und dem Kaiser Napoleon kapitulieren (2. Sep- 
tember). „Da es mir nicht vergönnt war, inmitten meiner
        <pb n="162" />
        — 159 — 
Truppen zu sterben, so übergebe ich meinen Degen Eurer Ma— 
jestät“, schrieb der Kaiser an seinen Besieger. Es wurde ihm 
zum Aufenthalt bis zum Frieden das Schloß Wilhelmshöhe bei 
Kassel angewiesen. 
§ 105. Auf die Nachricht von dem Unglück seines Kaisers 
fiel das Pariser Volk von ihm ab und rief die Republik aus. 
Die neue Regierung, welche es sich gab, wurde in ganz Frankreich 
anerkannt und setzte den Krieg fort. Denn die Franzosen konn- 
ten den Gedanken nicht ertragen, daß sie besiegt seien und den 
Frieden mit Landabtretungen erkaufen sollten. Wie sie früher 
auf ihre überlegene Bewaffnung mit Chassepots und Mitrailleusen 
und auf die Vorzüglichkeit ihrer Soldaten, zumal der wilden 
Zuaven und Turkos, gebaut, so verließen sie sich jetzt auf die 
Menschenmassen, die nun überall in Frankreich zu den Waffen 
griffen und teils große regelmäßige Heere, teils Banden von 
Freischärlern (Franctireurs) bildeten. Aber auch Deutschland 
entsandte zur Verstärkung seiner Streitkraft immer neue Scharen, 
besonders preußische Landwehr. 
Der Kampf war jetzt ein Festungskrieg. Es handelte sich 
für die Deutschen darum, die drei großen Bollwerke Frankreichs, 
Straßburg, Metz und Paris, einzunehmen. Straßburg, wel- 
ches General Uhrich tapfer verteidigte, wurde nach mehrwöchent- 
licher Belagerung von einem badisch-preußischen Korps unter 
General v. Werder am 27 September erobert. Aus Metz 
suchte sich Bazaine durch einen Ausfall am 31. August und 
1. September einen Weg zu bahnen; er wurde aber in dem 
Treffen bei Noisseville von ostpreußischer Linie unter General 
v. Manteuffel und preußischer Landwehr unter General v. Kum- 
mer zurückgeschlagen, und er hielt sich nun so lange, bis die 
drohende Hungersnot ihn zur Ergebung zwang. Am 27. Ok- 
tober kapitulierte auch er; Metz öffnete den Preußen die Tore, 
und das ganze Heer Bazaines (167.000 Mann und 6000 Offi- 
ziere) streckte die Waffen. 
Weit länger widerstand Paris, welches seit dem 19. Sep- 
tember von den Deutschen eingeschlossen war. Die ungeheure 
Stadt, mit einem Kranz von Festungswerken umgeben und von 
einem sehr zahlreichen Heere unter General Trochu verteidigt, 
sollte, wie Metz, durch Hunger bezwungen werden. Doch zeigte
        <pb n="163" />
        — 160 — 
es sich, daß sie mehr Lebensmittel enthielt, als man geglaubt 
hatte. Ausfälle, welche die Pariser unternahmen, wurden stets 
blutig zurückgeschlagen, am glänzendsten von der preußischen 
Garde bei le Bourget (30. Oktober). Schwieriger war es, 
alle die Heere abzuwehren, die aus den Provinzen von Süden, 
Westen und Norden zum Entsatz der Hauptstadt heranzogen. 
Besonders von der Loire her, wo sie Orleans erobert, drangen die 
Franzosen in großen Massen an. Sie erlagen jedoch dort den 
Truppen, mit denen nun Prinz Friedrich Karl herbeieilte, nament- 
lich dem 10. (hannöverschen) Korps unter dem General v. Voigts- 
Rhetz, welches am 28. November bei Beaune la Rolande einen 
entscheidenden Sieg erfocht, worauf am 5. Dezember Orleans wie- 
der von den Deutschen besetzt wurde. Dann trieb Prinz Fried- 
rich Karl mit dem 3., 9. und 10. Korps und mit Truppen, die 
dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin untergeben worden, 
den Feind in einer Reihe siegreicher Treffen (8.—12. Januar 
1871) bis nach Le Mans zurück. Um dieselbe Zeit wurde eine 
im nördlichen Frankreich gebildete Armee unter General Faid- 
herbe von dem preußischen General v. Göben mit dem 1. und 
8. Korps (Ostpreußen und Rheinländer) in einer großen Schlacht 
bei St. Quentin (19. Januar) zertrümmert. 
Inzwischen hatte König Wilhelm das Bombardement auf 
die Befestigungen von Paris beginnen lassen (27. Dezember), 
und da die Vorräte an Lebensmitteln in dieser Stadt nun zu 
Ende gingen, so sah sie sich endlich genötigt, zu kapitulieren 
(28. Januar). Gleich darauf ereilte auch die letzte Armee, 
welche die Republik noch besaß, das Verderben. Ein großes 
Heer unter General Bourbaki, unterstützt von einem Haufen 
Freischärler, welche der Italiener Garibaldi führte, drang über 
Dijon ostwärts vor, um die Verbindung der Deutschen mit der 
Heimat zu zerschneiden. Diese Gefahr wandte indes General 
v. Werder ab, der mit seinem badisch-preußischen Korps in 
einer festen Stellung vor Monbliard (Mömpelgard) der Uber- 
macht drei Tage lang (15., , 17. Januar) unerschütterlich 
stand hielt. Hierdurch Eueme andere preußische Korps unter 
Manteuffel Zeit, dem Heere Bourbakis in den Rücken zu 
kommen und dasselbe auf seinem Rückzug über den Jura so in die 
Enge zu treiben, daß es (noch 90 000 Mann stark) nach der 
Schweiz übertreten und dort die Waffen strecken mußte (1. Februar).
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        — 161 — 
Jetzt gaben die Franzosen die Unmöglichkeit längeren Wider- 
standes zu, und die französische Nationalversammlung nahm 
(2. März) den Frieden auf die Bedingungen an, welche Bis- 
marck den Bevollmächtigten der Republik (Favre und Thiers) 
gestellt hatte: Frankreich mußte das Elsaß und den deutsch- 
redenden Teil Lothringens mit Metz an Deutschland abtreten 
und sich verpflichten, 5 Milliarden Francs (4 Milliarden Mark) 
Kriegskosten zu zahlen. Die endgiltige Festsetzung des Friedens- 
vertrages erfolgte am 10. Mai 1871 zu Frankfurt a. M. 
Die deutschen Truppen, von denen ein Teil am 1. März in 
Paris eingezogen war, räumten nun allmählich das Land; nur 
die Champagne und einige andere Gebiete blieben bis zur völli- 
gen Abzahlung der Kriegskosten (im September 1873) besetzt. 
Dieser glorreiche Krieg hatte kaum 7 Monate gedauert, 
aber den Siegern so viele Trophäen gebracht, wie niemals einer; 
die Deutschen hatten in den zahlreichen gewonnenen Schlachten 
und Festungen im ganzen 370 000 Gefangene gemacht (darunter 
11.000 Offiziere) und 7400 Geschütze und 107 Adler und Fahnen 
erbeutet. Solche Siegeszeichen verherrlichten den Einzug, den 
Wilhelm I. am 16. Juni 1871 feierlich in Berlin hielt. 
§ 106. Auch der Wunsch nach Einheit wurde dem deut- 
schen Volke durch diesen Krieg erfüllt. Im November 1870 
vereinigten sich die süddeutschen Staaten durch Verträge, die 
sie im Hauptquartier Wilhelms I. zu Versailles mit dem nord- 
deutschen Bunde abschlossen, zu einem deutschen Reiche unter 
Führung des Königs von Preußen. Wilhelm I. nahm dann 
auf Gesuch der deutschen Fürsten und des norddeutschen Reichs- 
tags für sich und seine Nachfolger auf dem preußischen Throne 
den Titel „Deutscher Kaiser“ an; am 18. Januar 1871 ge- 
schah zu Versailles feierlich die Verkündigung dieses großen Er- 
eignisses. Ein allgemeiner deutscher Reichstag, der am 
21. März desselben Jahres in Berlin eröffnet wurde, genehmigte 
die neue Reichsverfassung, durch welche die damals 16 Mil- 
lionen zählende Bevölkerung der 25 deutschen Mittel= und Klein- 
staaten mit dem preußischen Volke (damals 25 Millionen) 
wenigstens dem Auslande gegenüber zu einer einzigen Nation 
verbunden wurde. 
Pierson, bLeitf. d. preuß. Gesch. 11
        <pb n="165" />
        — 162 — 
Wilhelm J. nach 1871. — Friedrich III. (1888). 
8 107. Nach der deutschen Reichsverfassung waren viele 
wichtige Dinge — insbesondere das Heer, die Flotte, die aus- 
wärtigen Angelegenheiten, das Post-, Telegraphen-, Münz= und 
Zollwesen, das Straf= und Handelsrecht — von den Einzelstaaten 
auf das Reich übergegangen. Der Bundesrat, aus Vertretern 
der Einzelstaaten, und der Reichstag, aus den vom deutschen 
Volke gewählten Vertretern bestehend, übten gemeinsam die 
Gesetzgebung; der Kaiser hatte die ausführende Gewalt. Da der- 
selbe zugleich König des fast zwei Drittel des ganzen Reiches 
ausmachenden Staates Preußen war, so leitete er tatsächlich 
alle der Verfassung gemäß gemeinsamen Angelegenheiten der 
deutschen Nation. Wilhelm I. hat während der langen Regie- 
rungszeit, die dem Hochbetagten noch beschieden war, rastlos 
tätig mit gleichem Pflichteifer für Deutschlands und für Preußens 
Wohl gesorgt. 
Mit Hilfe seines großen Kanzlers Bismarck, den er sich 
gewählt, und den er gegen alle Anfeindungen an seinem Posten 
erhielt, hatte er das neue Reich gegründet, und mit dessen Hilfe 
auch befestigte er es und baute es aus. Im Einvernehmen mit 
dem Bundesrat und dem Reichstag wurde das gesamte bürger- 
liche Recht und Rechtsverfahren zur Sache des Reiches gemacht 
(1873) und ein oberstes Reichsgericht eingesetzt (1878). Es wurde 
gleiches Maß, Gewicht und Geld eingeführt; es wurde (seit 1879) 
dem deutschen Gewerbe, sowie dem Ackerbau durch Zölle gegen 
das Ausland mehr Schutz verliehen, und, um der Nation für 
die Zukunft neue Erwerbsfelder zu eröffnen, die Gründung über- 
seeischer Kolonieen (Kamerun, Ostafrika,, Neuguinea 1884—86) 
begonnen. 
Zugleich machte sich Wilhelm I. an die schwere Aufgabe, 
die Lebenslage der unteren Volksklassen, der besitzlosen Arbeiter 
zu verbessern. Hiefür müsse — erklärte er (1881) — von Reichs- 
wegen gesorgt werden. Es kamen denn auch (1883 und 84) 
Gesetze zustande, welche den Arbeiter gegen Not durch Erkrankung 
und durch Unfälle versicherten. Ein Gesetz, welches demselben 
auch eine Versorgung im Alter gewährleistete, wurde vorbereitet; 
die Ausführung erlebte der greise Monarch nicht mehr; er hinter- 
ließ den Entwurf als sein Vermächtnis den Nachfolgern. 
Seine dringendste Sorge war indes, das Reich nach außen 
zu sichern und den Frieden zu erhalten; diesem Bemühen widmete
        <pb n="166" />
        — 163 — 
er sich mit dem äußersten Wirkeifer und dem größten Erfolge. 
Von Frankreichs unversöhnlicher Rachsucht bedroht, bekam Deutsch- 
land noch einen neuen Feind an Rußland, welches nach einem 
glücklich geführten Türkenkriege aus Furcht vor Englands und 
Osterreichs Einschreiten auf dem Berliner Kongreß (Juli 1878) 
einen Teil der Früchte seines Sieges aufgegeben hatte und dafür 
nicht sich, sondern Bismarck die Schuld zuschob. Dieser doppelten 
Gefahr zu begegnen, stellte Wilhelm I., unterstützt von Bismarcks 
Staatskunst, Schutzbündnisse mit Osterreich (1879) und mit Italien 
(1887) her. Auch legte er, damit Deutschlands innere Einigkeit 
nicht Schaden nehme, die Streitigkeiten bei, die 1872 zwischen 
dem preußischen Staate und der römischen Kirche über die 
Grenzen der beiderseitigen Machtbefugnis entstanden waren. Vor 
allem aber verstärkte und vervollkommnete er unablässig die 
deutsche Wehrmacht, Heer und Flotte. Eine gewaltige, für den 
Kampf zugleich nach West und Ost ausreichende Vermehrung 
der im Kriegsfall verwendbaren Wehrmänner — bis auf zwei 
Millionen — durch das Wehrgesetz vom 11. Februar 1888 war 
die letzte große Tat seines Lebens. 
Auch in den nur oder zunächst Preußen angehenden Dingen 
des öffentlichen Lebens hat die Regierung Wilhelms I. noch 
Großes geleistet: es wurden sämtliche Eisenbahnen in den Besitz 
und in die Verwaltung des Staates gebracht, was dem Verkehrs- 
wesen sehr nützte und den Staat reich machte; es wurde (1887) 
der Bau des Nordostseekanals begonnen (eröffnet: 1895); es 
wurde für Kunst und Wissenschaft viel getan. Aber das Haupt- 
verdienst dieses Königs um Preußen bleibt immer, daß er es bis 
zu den Grenzen seines natürlichen Machtgebietes vergrößert hat. 
In Krieg und Frieden ruhmgekrönt, von seinem Volke ge- 
liebt, von der Welt verehrt, starb Wilhelm I., 91 Jahre alt, 
am 9. März 1888 zu Berlin, ein würdiger Nachfolger des 
Großen Kurfürsten und Friedrichs des Großen und ihr glück- 
licher Vollender. 
§ 108. Zu den großen Erfolgen seiner Regierung hot Wilhelm I. 
selber sehr viel gethan. Er setzte das glänzende Ziel: die Erhöhung 
Preußens und die Einung Deutschlands; er schuf das gewaltige Macht- 
mittel: die verbesserte und vergrößerte Armee; er wählte die vortreff- 
lichen Gehilfen, mit denen er das Werk verrichtet hat: den Meister 
der Staatskunst Bismarck und die Meister der Kriegskunst Roon und 
Moltke. Es gelang ihm sein großes Werk, weil er pflichttren und mit 
seltener Sachlichkeit des Urteils stets alles, auch seine persönlichen Neigun-
        <pb n="167" />
        — 164 — 
gen, dem Staatswohl unterordnete, und weil er auch die wertvollste der 
Herrschergaben besaß, die, sich die rechten Männer zu Dienern zu wählen. 
Albert v. Roon (geb. am 30. April 1803 zu Pleushagen bei 
Kolberg, gest. am 23. Febr. 1879 zu Berlin), seit 1859 Kriegsminister, 
führte die vom Könige befohlene Neugestaltung des Heeres — Ver- 
doppelung der Regimenter, Verjüngung des Offizierkorps, bessere Be- 
waffnung der Truppen — schnell und gründlich durch. 
Helmuth v. Moltke (geb. am 26. Okt. 1800 zu Parchim in Meck- 
lenburg, gest. am 24. April 1891 zu Berlin), seit 1858 Chef des General= 
stabes, leitete 1866 und 1870 als rechte Hand Wilhelms I. den Krieg 
und erwies sich dabei als großer Feldherr, namentlich durch seine Kunst, 
so gewaltige Heeresmassen rasch und sicher zu bewegen und sie nach 
dem Grundsatz „Getrennt marschieren und vereint schlagen“ zu rechter 
Zeit an den rechten Platz zu schaffen. 
Bismarck, seit 1862 mit der Leitung der Regierung des preußischen 
Staates, seit 1871 auch mit der des Deutschen Reiches betraut, löste durch 
seine allen Gegnern überlegene Staatskunst erst die schleswig-holsteinische, 
dann die deutsche Frage mit staunenswertem Geschick und Erfolg — Be- 
freiung Schleswig-Holsteins von der Dänenherrschaft, Vergrößerung des 
preußischen Staatsgebietes, Errichtung des Norddeutschen Bundes, dann 
des Deutschen Reiches, Erwerbung Elsaß-Lothringens für Deutschland — 
und sicherte das Gewonnene durch glückliche Friedenspolitik und durch 
Stiftung des Dreibundes. In der inneren Politik sind besonders der 
Erwerb überseeischen Kolonialbesitzes für Deutschland, heilsame Verstaat- 
lichung der preußischen Eisenbahnen und Unternehmung der Sozialreform 
größtenteils sein Werk. Er starb am 30. Juli 1898. 
Wilhelm I. erkannte die Verdienste seiner drei „Paladine"“ mit den 
Worten an, die er am Tage nach der Schlacht bei Sedan sprach: „Sie, 
Kriegsminister v. Roon, haben unser Schwert geschärft; Sie, General 
v. Moltke, haben es geführt; und Sie, Graf v. Bismarck, haben seit 
Jahren durch die Leitung der Politik Preußen auf seinen jetzigen Höhe- 
punkt gebracht.“" Zum äußeren Zeichen seiner Dankbarkeit erhob er 1871 
Roon und Moltke in den Grafenstand, Bismarck (den er 1865 mit dem 
Grafentitel geschmückt hatte) in den Fürstenstand. Die Erkenntlichkeit 
der deutschen Nation gegen Bismarck äußerte sich unter anderem in der 
allgemeinen Ehrenfeier seines slebzigsten Geburtstages am 1. April 1885, 
ebenso ihre Verehrung Moltkes durch eine allgemeine Festfeier seines 
neunzigsten Geburtstages am 26. Okt. 1890. 
§ 109. Es folgte in der Regierung auf Wilhelm I. dessen 
Sohn Friedrich III. (geboren am 18. Oktober 1831 zu Potsdam, 
vermählt seit 1858 mit Viktoria von England). Er gehört zu den 
Mitbegründern des Deutschen Reiches: er führte in den Feldzügen 
von 1866 und 1870 mit Erfolg die ihm unterstellten Heere, und 
er trug bei zur Stärkung des Einheitsgefühles im deutschen Volke,
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        — 165 — 
indem er durch seine persönliche Liebenswürdigkeit die Herzen auch 
der nichtpreußischen Deutschen gewann. Auch hat er als Kron- 
prinz manches Verdienstliche getan für die Pflege der Künste 
und Wissenschaften. Mitten aus innerem und äußerem Glück riß 
ihn aber (1887) eine furchtbare Krankheit und raffte ihn wenige 
Monate nach seiner Thronbesteigung hin. Nach einem qualvollen 
Siechtum, welches er mit Heldenmut trug („Lerne zu leiden, 
ohne zu klagen“) starb er am 15. Juni 1888 zu Potsdam. 
Wilhelm II. (1888--Zjetzt). 
§5 110. Sein Sohn und Nachfolger Wilhelm II. (geboren am 
27. Januar 1859 zu Berlin), vermählt seit 27. Februar 1881 mit 
Auguste Victoria von Schleswig-Holstein (geboren am 22. Okto- 
ber 1858), erbte die großen Errungenschaften Wilhelms I. und 
überkam auch zur Weiterführung die große Unternehmung, welche 
dieser am Abend seines Lebens begonnen hatte: die Sozialreform. 
Da über die zu diesen und zu anderen politischen Zielen einzu- 
schlagenden Wege zwischen ihm und Bismarck Meinungsverschie- 
denheiten bestanden, so entließ er ihn (20. März 1890). — Durch 
Zugeständnisse in Afrika an England erwarb er von diesem die 
Insel Helgoland für Deutschland (1890) und von China den 
wertvollen Hafen von Kiautschou (1898). Doch mußte bald dar- 
auf gegen dieses Reich eine deutsche Expedition im Verein mit 
den Truppen anderer europäischer Mächte und Japans unter dem 
Gesamt-Oberbefehle des Grafen Waldersee ausgesandt werden, um 
Sühne wegen der Ermordung des deutschen Gesandten v. Ketteler 
und anderer Schandtaten der Chinesen zu nehmen (1900/01). 
Im Jahre 1904 erfolgte dann ganz plötzlich ein großer Aufstand 
der Hereros in Deutsch-Südwestafrika gegen die deutsche Herrschaft; 
er wurde 1907 nach schweren Opfern glücklich beendet. 
Im Mai 1889 wurde das schon unter Wilhelm I. geplante Gesetz 
behufs Alters= und Invaliden-Versorgung der Arbeiter von Kaiser und 
Reich beschlossen und trat am 1. Januar 1891 in Wirksamkeit. Danach 
gewährt das Reich allen Arbeitern und Arbeiterinnen, wenn sie dauernd 
erwerbsunfähig (invalid) geworden find, oder wenn sie das siebzigste 
Lebensjahr vollendet haben, eine jährliche Geldbeihilfe (Rente) zur Ver- 
sorgung. Die Kosten für die seit 1885 eingeführte Arbeiter-Unfall-Ver- 
sicherung werden von den Arbeitgebern allein, die der Krankenversicherung 
von diesen zu einem Drittel und von den Arbeitnehmern zu zwei Dritteln 
getragen; für die Alters= und Invaliden-Versorgung zahlen zu gleichen 
Teilen der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und das Reich. Diese gemein- 
nützigen Einrichtungen beziehen sich auf Millionen männlicher und 
weiblicher Arbeiter und find für diesen Stand eine große Wohltat.
        <pb n="169" />
        Wachstum des brandenburgisch-preußischen Staates. 
  
Regenten. 
Erwerbungen. 
Umfang. 
Bevölkerung. 
Einnahme. 
Truppenzahl. 
  
Kurfürst ried- 
rich n1 9. 
Friedrich II. 
Albrecht 
Achilles 
Johann Cicero 
Joachim I. 
Nestor 
Joachim II. u. 
Joh. v. Küstrin 
Joachim 
Friedrich 
ohann 
Jcham. 
erhält 1415 
einen Teil 
  
1442 Teile der Uckermark 
1450 Wernigerode 
1455 die Neumark 
1462 Kottbus, Peitz 
1482 Krossen, Züllichau, Som- 
merfeld 
Teile der Uckermark 
1490 Zossen 
1524 Ruppin 
1555 Beeskow und Storkow 
1614 Kleve, Mark, Ravensberg 
1618 Herzogtum Preußen 
die Altmark (81 Q.-M.), 
Mittelmark (230), Priegnitz (61), 
der Uckermark 
erwirbt 1420 Teile der Uckermark 
  
381 QO.-M. 
42 
*43 „ 
14 
5 
150 
22 
614 
34 
5 
653 
7 
660 
32 
692 
23 
715 
100 
657 
1472 
  
  
  
  
170 000 E. 
188 500 „ 
293 550 „ 17500 rhn. Gld. 
308750„ 35000 „ 
312 550, 
329 350 „ 
Joachim II.: 
342 05ö0, 80 000 rhn. Gld. 
355 400 „ 
300 000 Taler 
  
899 100 „ 
  
166
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        Georg Wil- 
helm 
Friedrich 
Wilhelm d. G. 
Friedrich III. 
(I.) 
rriedrich 
m Wilhelm 1. 
Friedrich II. 
der Große. 
Friedrich Wil- 
helm II. 
  
tritt 
erwirbt 
1793 1 
tritt 
1657 Lauenburg und Bütow 
1648 Magdeburg, Halberstadt 
1648 Minden 
1686 Schwiebus 
Bestand 1688;: 
1702 Mörs, Lingen 
1707 Tecklenburg 
(Neufchatel, nie dem 
Staate einverleibt) 
1694 Schwiebus ab 
Bestand 1713: 
1713 Ober-Geldern 
1720 Vorpommern b. z. Peene 
Bestand 1740;: 
1742 Schlesien mit Glatz 
1744 Ostfriesland 
1772 Westpreußen nebst Erm- 
land und dem Netzedistrikt 
Bestand 1786: 
1792 Ansbach-Bayreuth 
Danzig, Thorn 
Südpreußen (Posen) 
1795 Neuostpreußen (War- 
schau), Neuschlesien 
1795 das linksrhein. Gebiet ab: 
  
Bestand 1797: 
362 
149 
22 
10 
2015 
2145 
680 
54 
645 
3524 
159 
22 
1015 
860 
  
  
900 000 
1 500 000 „ 
1 731000 , 
2:486 000 „„ 
5 659 000 „ 
8 687 000 „ 
  
400 000 
2500 000 
4000 000 
7 000 000 
20 000 000 
30 000 000 
7y 
# 
* 
  
3000 Mann 
(im J. 1641). 
28 000 Mann 
30 000 
167 
83 000 „ 
200 O0dp „
        <pb n="171" />
        Regenten. 
Erwerbungen. Umfang.Bevölkerung. Einnahme. Truppenzahl. 
  
edrich Wil- 
Friehr III. 
  
Übertrag: 6537 Q.-M. 
erwirbt 1803 das Eichsfeld, Nordhausen, 
Mühlhausen, Erfurt, Paderborn, 
Münster, Hildesheim, Quedlinburg, 
Elten, Essen, Werden 173 „ 
Bestand 1806:7 5710 9 743 000 E.]6U00 O00 Tlr. 250 000 Mann 
* 
  
tritt im Tilsiter Frieden ab: die 
polnischen Erwerbungen von 11875 
1793, 1795; ferner: 
Danzig, Thorn, Teile des —2841 
Netzedistrikts, Kottbus, Peitz, 
Ansbach-Bayreuth, Altmark, O„4 
Wernigerode, Magdeburg, 66 
Halberstadt, Minden, Mark, 
Ravensberg, Kleve, Ostfries- 
land, Tecklenburg, Lingen, 
die Erwerbungen von 1803, 
Bestand 1807—18153: 2860 „ 4938000, 17000 000 
168 
  
2 
1815 zurũck von alten Gebieten: 
Danzig, Thorn, Kottbus, 
Peitz, Altmark, Wernigerode, 
Magdeburg, Halberstadt, 
Minden, Mark, Navensberg, 
Kleve, Tecklenburg, Eichs- 1062 
feld, Nordhausen, Mühl- 
hausen, Erfurt, Paderborn, 
Münster, Quedlinburg, Essen, 
Elten, Werden, Großherzog= 
tum Posen 1
        <pb n="172" />
        Dazu an neuen Gebieten: 
in Sachsen, Thüringen und # 378 
der Lausitz, 
Schwedisch-Vorpommern, 80 
am Rhein und in Westfalen 
Bestand 1815: 
Dazu 1834 Lichtenberg 
Bestand 1840: 
Friedri 
Wil- 
erwirbt 1850 Hohenzollern 
helm IV. 
Wilhelm I1. 
Wilhelm II. 
  
li 
— 
r 
1853 Jadebusen (¼/) 
Bestand 1861: 
1865 Lauenburg 
Bestand 1865 
1866 Hannover 
Kurhessen 
Nafsau 
Frankfurt 
Schleswig 
r* 
r—i 
699 
173 
165 
155 
Holstein 
Hessen-Darmstädtische 
Grenzberichtigung 
Homburnrege 
Bayrische Grenzberich- 
tigung 10 
Bestand 186: 
1 
  
2169 
5038 
11 
5049 
21 
5070 
21 
5091 
1309 
6400 
10 500 000 , 
14 929 000 „ 
18 492 000, 
19 400 000 % 
24 300 000 
89 000 000 
135 342 000 
150 715.000 
201 435.000 
Tlr.) 
  
1890 Helgoland 
Bestand 1890: 
  
6400 
  
30 000 000 „ 
  
1 730 000 000 Mk. 
140 000 Linie, 
280 000 Reser- 
veu. Landwehr 
I. Aufgebots, 
110 000 Land- 
wehr II. Auf- 
gebots. 
217 000 Linie, 
450 000 Reser- 
ve u. Ldw. I. 
114 000 „ II. 
—— 
2981 L # 
Norddeutsche 
Friedensstärke 
320 000 M., 
Kriegsstärke 
977 000 M. 
(Davon ⅜ 
Preußen.) 
6991 L## 
      
  
Deutsche Frie- 
densstärke etwa 
Kriegsstärke etwa 
4½ Mill. M. 
8681 1 
  
169
        <pb n="173" />
        Jeittasel der preußischen Geschichte. 
I. Bis zum Großen Kurfürsten (bis 1640). 
  
Gleichzeitiges 
Brandenburg. Preußen. in den später preuß. Prov. in dem übrigen Deutschland. 
  
325 v. Chr. Bericht des Mas- 
siliers Pytheas über 113 v. Chr. Cimbern und 
das Bernsteinland der Teutonen. 
Gutten. 9n. Chr. Schlacht 
Um 90 n Chr. Sueven (Semno-= 998 n. Chr. Tacitus über die im Teutoburger 
nen.) Astier. 50 n. Chr. Colonia Agrip- Walde (Her- 
bina. mann u. Varus). | 
320 Trier Hauptstadt von 
Gallien. 
. · 449Angeln·und,Sachse-s375VegimidekVöcker- 
Seit dem 6. Jahrh. Wenden. 500 Gestatast der Ästier nach Britannien. wanderung. 
an den Ostgotenkönig . . 481—511 Chlodwig Stifter 
Theoderich d. Gr. 744 Abtei Fulda gestiftet. chs. 
754 Bonifatius 7. des Frankenreichs 
» «732KarlMartell. 
7727e7de30chsmkr188 (th-751—768Pipindekmeine. 
784 Köln Erzbistum. 768—814 Karl der 
787 Bist. Osnabrückgestiftet. Große. 
791 Bist. Münster gestiftet, 800 Kaiserkrönung Karls 
795 Bistum Paderborn ge- des Großen zu Rom. 
stiftet. 
813—1553 Aachen Krö- 
nungsstadt der deutschen 
Könige. 
170
        <pb n="174" />
        928 Eroberung Branni— 
bors. 
Gründung der Nord— 
mark. 
946 Bistum Havelberg gestiftet. 
949 Bistum Brandenburg gest. 
Erste Erwähnung des Spree- 
gaus (Spriavani). 
965 Gero F. 
965—1133 Grafen der Nordmark 
aus den Häusern Haldens- 
leben, Walbeck, Stade u. a. 
983 Aufstand der Obotriten und 
Zutizen. 
  
Um 890 Wulfstans Reise- 
bericht. 
997 Bischof Adalbert v. Prag 
wird von den Pruzzen 
erschlagen. 
1009 Erzbischof Brun . 
814 Bist. Halberstadt gest. 
820 Abtei Corvey gestiftet. 
934 Gründung der Mark 
Schleswig. 
965 Bekehrung Mieskos I. 
von Polen. 
968 Stiftung des Erzbis- 
tums Magdeburg und 
der Bistümer Zeitz 
und Merseburg. 
1026 Schleswig von Kon- 
rad II. an Dänemark 
abgetreten. 
  
  
814—840 Ludwig der 
Fromme. 
843 Vertrag zu Verdun. 
843—876 Ludwig d. Deutsche. 
876—887 Karl der Dicke. 
887—899 Arnulf. 
899—911 Ludwig das Kind, 
letzter Karolinger in 
Deutschland. 
911—918 Konrad 1. 
919—1024 Sächsische Kaiser. 
919—936 Heinrich I. 
933 Schlacht bei Riade. 
936—973 Otto der Große. 
955 Schlacht auf dem Lech- 
felde bei Augsburg. 
962 Gründung des deutsch- 
römischen Kaiserreichs. 
973—983 Otto II. 
983—1002 Otto III. 
1002—24 Heinrich II. 
1024—1125 Salische Kaiser. 
1024—1039 Konrad II. 
1039—1056 Heinrich III. 
1056—1106 Heinrich IV. 
1077 in Canossa. 
171
        <pb n="175" />
        Gleichz 
Brandenburg. in den später preuß. Prov. 
Preußen. 
eitiges 
in dem übrigen Deutschland. 
  
1111 Adolf v. Schau- 
enburg Graf v. 
Holstein. 
1124 Otto von Bamberg, 
Apostel der Pommern. 
1128 Gründung des Bis- 
tums Kammin. 
1137 Heinrich der Stolze, 
Herzog von Sachsen. 
1143 Lauenburg wird eine 
eigene Grafschaft. 
1163 Abtrennung ?Schlesiens 
von Polen. 
1168 Zerstörung des Tem- 
pels von Arkona. 
1175 Zerstörung Julins 
(Wollins). 
1134—1319 Brandenburg 
unter den Ballen- 
städtern. 
1134—1170 Albrecht der 
Bär, erster Markgraf 
von Brandenburg. 
1150 Pribislaw v. Brandenburg kx. 
1157 Unterwerfung Jaczos von 
Köpenick. 
1170—1184 Otto I. 1178 Stiftung Olivas 
1181 Pommern wird Her- 
zogtum. 
1184—1205 Otto II. 
1205—1220 Albrecht II. 
1220—1266 Johann I. und 
1220—1267 Otto III. 
1212 Christian von Oliva- 
Bischof von Preußen. 
· 1227 Schlacht 
1228 Orden von Dobrin. 
Bornhöved. 
bei 
  
  
1 l100n 1920 ptann 1 
1106—1125 Heinrich V. 
1115 Schlacht am Welfes- 
holze. 
1125—1137 Lothar d. Sachse. 
1127 Konrad von Wettin, 
Markgraf v. Meißen. 
1138—1254 Staufische Kaiser. 
1138—1152 Konrad III. 
1140 Welfen u. Ghibellinen. 
1152—1190 Friedrich Rot- 
bart. 
1180 Sturz Heinrichs des 
Löwen. 
— OGtto v. Wittelsbach 
wird Herzog v. Bayern. 
1190 Gründung des 
deutschen Ritter- 
ordens. 
1190—1250 Blüte der mittel- 
hochdeutschen Literatur. 
(Nibelungenlied; Wal- 
ter v. der Vogelweide, 
Wolfram v. Eschenbach). 
1190—1197 Heinrich VI. 
1198—1208 Philipp von 
Schwaben. 
1208—1215 Otto IV. 
1215—1250 Friedrich II. 
1215—1233 Eike von Rep- 
  
kow (Sachsenspiegel). 
19186 Stifliunn dver Mottel- 
172
        <pb n="176" />
        1237 Erste Erwähnung Berlins. 
1250 Eroberung der Uckermark. 
1260 Eroberung der Neumark. 
1266—1309 Otto IV. mit dem 
Pfeile. 
1278 Treffen bei Frohse. 
1308—1319 Waldemar. 
1307 Berlin und Kölln vereinigt. 
1316 Schlacht bei Gransee. 
1319—1323 Interregnum. 
1320 Heinrich von Landsberg F. 
1324—1373 Brandenburg 
unter den Wittels- 
bachern (Bayern). 
1824—1351 Ludwig der Altere. 
1325 Nikolaus von Bernau f. 
(Berlin im Bann). 
1348 Der falsche Walde- 
mar (I 1357). 
  
ICGUV91COCGU Er·— 
rung Preußens 
durch den deut- 
schen Orden. 
1232 Thorn u. Kulm gegr. 
1237 Beitritt des Schwert- 
brüderordens. 
1255 Gründung 
Königs- 
bergs. 
1288—1294 Abdeichung des 
Danziger Werders. 
1309 Marienburg Residenz 
des Hochmeisters. 
— Erwerbung Danzigs. 
1329 Statuten Werners v. 
Orsele. 
1346 Erwerbung Esthlands. 
  
1240 Kiel erhält lübisches 
Recht. 
1241 Mongolenschlacht auf 
d. Wahlstatt b. Liegnitz. 
1245 Frankfurt a. M. wird 
freie deutsche Reichs- 
stadt. 
1247 Heinr. v. Brabant wird 
Graf v. Hessen. 
1261 Breslau erhält Magde- 
burger Recht. 
— Schlacht auf d. Loheide 
bei Schleswig. 
1292 D. Landgrafschaft Hessen 
wird reichsunmittel- 
bar. 
1325—1340 Graf gerser 
d. Gr. von Holstein 
herrscht in Schleswig. 
1330 Die Frankfurter Messe 
gestiftet. 
  
—.— — “ - 
orden. 
1230 Hermann v. Salza. 
1235 Braunschweig = Lüne- 
burg wird Herzogtum. 
1241 Hansabund. 
1250—1254 Konrad IV. 
1254— 1273 Interregnum. 
1273—91 Rudolfv. Habsburg. 
1273 Erwin v. Steinbach. 
1278 Schlacht auf d. March- 
felde (Ottokar von 
Böhmen P). 
1292—98 Adolf von Nassau. 
1298— 1308 Albrecht I. von 
Osterreich. 
1308 Aufstand der Schweizer. 
1308—1318 Heinrich VII. von 
Luxemburg. 
1314—1347 Ludwig 
der Bayer. 
1315 Schlacht b. Morgarten. 
1322 Schlacht bei Mühldorf 
(Friedrich v. Osterreich). 
1338 Kurverein zu Rense. 
1340 Die erste Schießpulver- 
fabrik in Augsburg. 
— 173 —
        <pb n="177" />
        Brandenburg. 
Preußen. 
in den später preuß. Prov. 
Gleichz 
  
eitiges 
in dem übrigen Deutschland. 
  
1351—1365 Ludwig der Römer. 
1365—1373 Otto der Faule. 
1373 Vertrag zu Fürstenwalde. 
1373—1415 Brandenburg 
unter den Luxem- 
burgern. 
1373—1378 Karl IV. (Wenzel). 
1378—1415 Sigmund. 
1388—1411 Jobst von Mähren. 
1411 Friedrich VI. Burggraf von 
Nürnberg, Statthalter in 
der Mark. 
1412 Treffen am Kremmer Damm. 
1414 Bezwingung der Quitzows. 
1415—1440 Friedrich I. 
von Hohenzollern, 
Kurfürst (belehnt 
1417). 
  
1432 (23. April) die Hussiten vor 
  
1351—1382 Winrich 
v. Kniprode. 
1370 Schlacht bei Nudau. 
1398 Eroberung Gotlands. 
1398 Eidechsenbund. 
1402 Kauf der Neumark. 
1410 Schlachtbei Tan- 
nenberg (Ja- 
gello v. Polen 
u. Litauen). 
1411 Friede zu Thorn. 
1412 Landesrat eingesetzt. 
1413 Absetzung Heinrichs 
von Plauen. 
1355 Einverleibung Schle- 
iens in die Krone 
öhmen. 
1357 Erhebung Jülichs zum 
Herzogtum. 
1380 Erhebung Bergs zum 
Herzogtum. 
1386 die Schauenburger mit 
Schleswig belehnt. 
1400 Größte Macht 
Femgerichte. 
1404 Gerhard VI. von Hol- 
stein u. Schleswig von 
den Ditmarschen er- 
schlagen. 
der 
1417 Adolf VI. Graf von 
Kleve wird Herzog. 
1423 Kursachsen-Wittenberg 
kommt nach dem Aus- 
sterben der Anhaltiner 
an die Wettiner. 
  
  
1347—1378 Karl IV. 
1348 Der schwarze Tod. 
1356 Die 
Bulle. 
1363 Die zollernschen Burg- 
grafen von Nürnberg 
(seit 1192) werden 
Reichsfürsten. 
1378—1400 Wenzel. 1 
1386 Schlacht bei Sempach. 
1388 Schlacht bei Döffingen 
(Eberhard der Greiner). 
1390 Erste Papiermühle in 1 
Nürnberg. 
1400—10 Ruprecht v. d. Pfalz. 
1410—1437 Sig- 
mund. 
goldene 
174 
1414—1418 Konzil zu 
Kostnitz. 
1415 Hus verbrannt. 
1419—1434 Hussiten- 
kriege. 
m — 
1131—43 CKauzil zu VBasel.
        <pb n="178" />
        Vernau. 
1440—1470 Friedrich II. 
der Eiserne. 
1442 Unterwerfung Berlins. 
1448 Schwanenorden. 
1450 Erwerbung v. Wernigerode. 
1455 Rückkauf der Neumark. 
1462 Erwerbung von Kottbus 
und Peitz. 
1470—1486 Albrecht Achil- 
es. 
11473 Dispositio Achillea. 
1482 Vertrag zu Kamenz. 
1486—1499 Johann Ci- 
cero. 
1490 Erwerbung von Zossen. 
1499—1535 Joachim I. 
Nestor. 
1506 Universität Frankfurt a. O. 
  
1440 Preußischer Bund (zu 
Marienwerder). 
1454—1466 Westpreußischer 
Städtekrieg. 
1463 Seesieg der Danziger 
auf dem Frischen Haff. 
1466 1 
Thorn. 
1469—1476 Paul Beneke, 
Danziger Seeheld. 
1473—1543 Koper- 
nikus. 
z u 
  
1456 Universität Greifs- 
wald gegründet. 
1460 Vereinigung 
Schleswig-Hol- 
steins. 
1460—1863 Schleswig-Hol- 
sein unter der Herr- 
schaft der dänischen 
Könige. 
1464 Pommerscher Erbfolge- 
krieg. 
1474 Erhebung Holsteins 
zum Herzogtum. 
1483—1546 Luther 
(geb. u. gest. zu 
Eisleben). 
1500 Schlacht bei Hemming- 
stedt. 
——.— 
  
U' 
1438—1740 Habsburgische 
Kaiser. 
1438—1439 Albrecht II. von 
Ssterreich. 
1440—1493 Friedrich III. 
1448 Graf Christian 
von Oldenburg 
wird König von 
Dänemark. 
1450 Gutenberg. 
1455 Der sächsische Prinzen= 
raub. 
175 
1493—1519 Maximilian 1. 
1495 Reichstag zu Worms. 
Ewiger Landfriede. 
Eberhard im Barte, 
Herzog v. Württemberg.
        <pb n="179" />
        Brandenburg. 
Preußen. 
Gleich; 
in den später preuß. Prov. 
eitiges 
in dem übrigen Deutschland, 
  
1510 Judenverfolgung. 
1515 Ordnung für die Städte. 
1516 Kammergericht gegründet. 
1517 Anwartschaft auf Schleswig- 
Holstein. 
1524 Heimfall Ruppins. 
1529 Vertrag zu Grimnitz. 
1535—1571 Joachim II. 
Hektor und Johann 
von Küstrin. 
1537 Erbvertrag mit Friedrich von 
Liegnitz. 
1539 1. Nov. Einführung 
der Reformation. 
1540 Hans Kohlhase hingerichtet. 
1550 Lampert Distelmeier. 
1555 Kaufv. Beeskow u. Storkow. 
  
1511 Albrecht von Branden- 
burg = Ansbach wird 
Hochmeister. 
1523 Reformat. i. Preußen 
(G. v. Polenz). 
1525 Vertrag zu Kra- 
kau. 
1525—1568 Albrechtl. 
Herzog von 
Preußen. 
1543 Universität Königs- 
berg gegründet. 
  
  
1510 Prinz Johann (III.) 
von Kleve u. Mark 
heiratet Maria, Erb- 
tochter v. Jülich, Berg, 
Ravensberg. 
1517 Die 95 Thesen. 
1518 Anfang des Luther= 
tums in Schlesien. 
1520 Luther verbrennt die 
Bannbulle 
1521 Jülich, Berg u. Ravens- 
berg mit Kleve u. 
Mark vereinigt. 
1526 Schlesien kommt mit 
Böhmen u. d. Lausitz an 
das Haus Habsburg. 
1529 Religionsgespräch zu 
Marburg. 
1530 Herzog Ernst der Be- 
kenner von Lüneburg. 
1534 Reformat. i. Pommern. 
— Philipp d. Großmütige 
siegt bei Laufen. 
1535 Wiedertäufer in Mün- 
ster. 
1542 Durchführung der Re- 
formation in Schles- 
wig-Holstein. 
  
1519—1556 Karl V. 
1521 Luther in Worms; auf 
der Wartburg (Bibel- 
übersetzung). 
1525 Bauernkrieg. 
— Kurf. Friedr. d. Weise 
von Sachsen F. 
1526 Böhmen und Ungarn 
kommen an Ssterreich. 
1528 Albrecht Dürer F. 
1529 Der Protest in Speier. 
1530 Augsburger 
Konfession (Me- 
lanchthon). 
1531 Bund zu Schmalkalden. 
— Schlacht bei Kappel. 
(Zwingli 41). 
1534 Georg Wullenweber. 
1545—1563 Konzil zu Tri- 
dent. 
1546—1547 Schmalkaldischer 
Krieg. 
1547 Schlacht b. Mühlberg. 
1552 Metz, Toul u. Verdun 
v. d. Franzosen besetzt. 
— Vertrag zu Pas- 
sau. 
(Moritz v. Sachsen). 
— 176
        <pb n="180" />
        Pierson, Leitf. d. preuß. Gesch. 
1569 Anwartschaft auf Preußen. 
1571—1598 Johann Ge— 
org. 
1580 Einführung der Konkordien- 
formel. 
1598— 1608 Joachim 
Friedrich. 
1598 Geraer Hausvertrag. 
1605 Geheimes Staatsrats-Kol- 
legium. 
1608— 1619 Johann Si- 
gismund. 
1609 Jülichscher Erbfolgestreit 
(Vertrag zu Dortmund). 
1613 Johann Sigismund wird 
reformiert. 
1614 Vertrag zu Kanten. 
1618 Vereinigung Preu- 
ßens mit Branden- 
burg. 
1619—1640 Georg Wil- 
helm. 
1635 Friede zu Prag. 
  
1568—1618 Albrecht II. 
Friedrich. 
1605 Joachim Friedrich von 
Brandenburg wird 
Statthalter. 
1611 Johann Sigismund 
erhält die Belehnung 
mit Preußen. 
  
1559 Schlacht bei Heide. 
1575—1624 Jakob Böhme. 
1597—1639 Martin Opitz. 
1604—1655 Friedr. v. Logau. 
1609 Wilhelm von Jülich- 
Kleve-Berg F. 
1616—1664 Andreas Gry- 
phius. 
1623 Achtung Georgs von 
Jägerndorf. 
1628 Wallenstein vor Stral-- 
sund. 
1630 Gustav Adolf landet 
auf Ruden. 
1631 Zerstörung Magde- 
burgs durch Tilly 
20. Mai (neuen Stils). 
1634 Hannover wird Resi- 
denz des Herzogs von 
Lüneburg-Kalenberg. 
1637 Bogislam XIV. von 
Pommern F. 
  
1555 Augsb. Religionsfriede. 
1556—1564 Ferdinand I. 
1564—1576 Maximilian II. 
1576 Hans Sachs k. 
1576—1612 Rudolf II. 
1582 Gregorianischer Kalend. 
1608 Enpangelische Union. 
1609 Mazestätsbrief. 
1610 Katholische Liga (Max 
von Bayern). 
1612—1619 Matthias. 
1618—1648 Dreißig- 
jähriger Krieg. 
1619—1637 Ferdinand II. 
1620 Schlacht am Weißen 
Berge bei Prag (Fried- 
rich V. von der Pfalz). 
1623 Tilly und Christian 
von Braunschweig. 
1626 Wallenstein und Ernst 
von Mansfeld. 
— Schlacht b. Lutter (Chri- 
stian IV. v. Dänemark). 
1629 Restitutionsedikt. 
— Friede zu Lübeck. 
1630 Kepler F. 
1631 Schlacht bei Leipzig. 
1632 Schlacht bei 
Lützen (Gustav 
Adolf K. 
1634 Wallenstein F. 
— Schlachtbei Nördlingen. 
1636 Schlacht bei Wittstock. 
— 177 —
        <pb n="181" />
        II. 1640 bis 1701. 
  
Brandenburg-Preußen. 
Gleichzeitige s 
in den später preuß. Prov. in dem übrigen Deutschland. in Europa. 
  
1640—1688 Friedrich 
Wilhelm der Große 
Kurfürst. 
1641 Adamvon Schwarzenberg#. 
1648 Erwerbung von 
Magdeburg, Hal- 
berstadt, Minden, 
Hinterpommern, 
Kammin. 
1649 Einrichtung der Post. 
1650 Otto von Guericke. 
1655 Universität Duisburg ge- 
gründet. 
1656 Verträge zu Königsberg und 
Marienburg. 
— 28.—30. Juli (nU. St.) 
Schlacht bei War- 
schau (Sparr). 
— Vertrag zu Labiau. 
1657 Verträge zu Wehlau und 
Bromberg. 
1659 Treffen bei Nyborg. 
1660 3. Mai (n. St.) Frie- 
de zu Oliva. 
  
1637—1657 Ferdinand III. 
1639 Bernhardv. Weimar T 
1614 Schlacht bei Jüterbog. 1642 Kichelien 1. 
1648 Wesefe lusn "v4 — Marin. . 
Friede. 1643—1715 Ludwig 
XIV. von Frank- 
reich. 
1649 Hinrichtung Karls 1. 
Stuart, Königs von 
England. 
1653 Reduktions = Kommis- 
sionen in Schlesien(Un- 1653—58 Cromwell, Pro- 
terdrückung des evan- tektor v. Großbritan- 
gel. Gottesdienstes). nien. 
1654— 1660 Karl X. 
Gustav von 
Schweden. 
1658 —1705 Leopold 1. 
  
  
178 —
        <pb n="182" />
        12* 
1661 Gründung der kurfürstlichen 
Bibliothek in Berlin. 
1662 Hieronymus Rode gefangen. 
1665 Paul Gerhardt. 
1666 Huldigung der Stadt Magde- 
burg. 
1667 Luise Henr. von Oranien . 
— Einführung der Accise. 
1668 Friedrich-Wilhelms-Kanal. 
1672 v. Kalckstein hingerichtet. 
— Der Große Kurfürst rettet 
Holland. 
— Stiftung der französischen 
Kolonie in Berlin. 
1673 Friede zu Vossem. 
1675 Gefecht bei Türkheim. 
— 25. Juni (n. St.) Überfall 
von Rathenow. 
— 28. Juni (nu. St.) 
Schlacht bei Fehr- 
bellin. 
1677 Eroberung Stettins. 
1678 Eroberung Stralsunds. 
1679 Winterfeldzug überdie Haffe. 
— Friede zu St. Germain en 
Laye. 
1681 Seetreffen am Kap St. 
Vincent. 
  
1675 Aussterben der Piasten 
von Liegnitz, Brieg, 
Wohlau. 
  
1663 Reichstag zu Regens- 
burg ständig. 
1681 Überfall Straßburgs. 
  
1664 Schlacht bei St. Gott- 
hard. 
1667—68 Erster und 
1672—78 Zweiter Raubkrieg 
Ludwigs XIV. 
1675 Turenne f. 
1678 Friede zu Nimwegen. 
1680 Reunionskammern. 
179 —
        <pb n="183" />
        Brandenburg-Preußen. 
Gle 
in den später preuß. Prov. 
ich ze i#ti 
in kem Arches Deutschlchde 
in Europa. 
  
1682 Besetzung Emdens. 
1683 Kolonie in Guinea. 
1685 Potsdamer Edikt. 
1686 Das Testament des Großen 
Kurfürsten. 
1688—1713 Friedrich III. 
(I. König). 
1689 Eroberung von Bonn. 
1692 Universität Halle gegründet 
(Thomasius). 
— Erboergleich zu Potsdam. 
1694 Sam. Pufendorf . 
— Rückgabe von Schwiebus. 
1695 Anwartschaft auf Ostfries- 
land. 
1697 Danckelmans Sturz. 
Kolbe v. Wartenberg. 
1698 Erwerbung von Quedlin= 
burg und Nordhausen. 
— Francke gründet das Hallesche 
Waisenhaus. 
1699 Akademie d. Künste (Schlü- 
ter, E. v. Göthe). 
1700 Societät (Akademie) der 
Wissenschaften (Leibniz). 
— 18. Februar. Einführung 
des neuen Kalenderstils. 
— Miener Krontraktat. 
  
1692 der Herzog von 
Kannover wird 
Kurfürst. 
1693 Wetzlar Sitzde Reichs- 
Kam mergeri ichts. 
  
1683 Die Türken vor Wien. 
(Johann Sobieski). 
1689 Verwüstung der Pfalz. 
1697 Kurfürst August der 
Starke von Sachsen 
wird katholisch und 
König von Polen. 
  
1685 Aufhebung des Edikts 
von Nantes. 
1686 Erstürmung von Ofen 
(v. Schöning). 
1688 Wilhelm III. 
von Oranien, 
Erbstatthalter Hol- 
lands, stürzt Jakob II. 
Stuart vom englischen 
Thron. 
1688—97 Dritter Raubkrieg. 
1689—1725 Peter der 
Große. 
1691 Schlacht bei Salan- 
kemen. 
1697—1718 Karl XlII. 
von Schweden. 
1697 Schlacht bei Zenta. 
— Friede zu Ryswick. 
1699 Friede zu Karlowitz. 
1700 Karl II. von Spanien x. 
180
        <pb n="184" />
        III. Seit 1701. 
  
Preußen. 
Gleichzeitiges 
außerhalb Deutschlands. 
  
1701 17. Jan. Schwarzer Adlerorden gestiftet. 
— 18. Januar. Erhebung Preu- 
ßens zum Königreiche. 
1702 Oranische Erbschaft (Lingen, Mörs). 
1705 Königin Sophie Charlotte k. 
1707 Erwerbung von Neuschatel (Neuenburg) 
und Valengin. 
— Erwerbung von Tecklenburg. 
1709—1711 Pest in Preußen. 
1711 Wartenbergs Sturz. 
1713—1740 Friedrich Wilhelm I. 
1713 Erwerbung von Obergeldern. 
— Gründung des Lagerhauses in Berlin. 
— Vertrag zu Schwedt. (Vorpommernsegquest.) 
1715 Eroberung von Rügen. 
1717 Verwandlung des Lehnpferdes in eine 
feste Steuer. 
1720 Verkauf der afrikanischen Kolonieen. 
1720 Friede zu Stockholm. Erwer- 
ung Vorpommerns bis zur 
Peene. 
  
in Deutschland. 
1704 Schlacht bei Höchstädt und 
Blenheim. (Prinz Eugen von 
Savoyen. Marlborough. Leo- 
pold von Dessau)g. 
1705—1711 Joseph 1. 
1706 Karl XII. bei Steinau. 
1707 Altranstädter Konvention. 
1711—1740 Karl VI. 
1714 Friede zu Rastatt und Baden. 
— Karl XII. in Stralsund. 
  
1700—1721 Nordischer 
Krieg. 
1700 Friede zu Travendal. 
— Schlacht bei Narwa. 
1701—1714 Spanischer Erb- 
folgekrieg. 
1706 Schlachten bei Ramillies und 
Turin. 
1708 Schlacht bei Oudenarde. 
1709 Schlacht bei Malplaquet. 
— Schlacht bei Pultawa. 
1713 Utrechter Friede. 
— Pragmatische Sank- 
tion. 
1714—1727 Georg I. (v. Hannover) 
König von England. 
1715—1774 Ludwig XW.v. Frankreich. 
1717 Schlacht bei Belgrad. 
1718 Friede zu Passarowitz. 
— Derßerzog von Savoyen wird 
König von Sardinien. 
1721 Nystädter Friede. 
181
        <pb n="185" />
        Preußen. 
Gleich zeitiges 
in Deutschland. 
außerhalb Deutschlands. 
  
1721 Stiftung des Potsdamer Waisenhauses. 
1723 Errichtung des Generaldirektoriums und 
der Oberrechenkammer. 
1725 Vertrag zu Herrenhausen. 
1726 Vertrag zu Wusterhausen. 
1727 Gründung der Charité in Berlin. 
1728 Vertrag zu Berlin. 
1730 Fluchtversuch des Kronprinzen Friedrich; 
— Dessen Haft in Küstrin. 
1732 Die protestantischen Saljz- 
burger. 
1733 Einführung des Kantonsystems. 
1733—1740 Kronprinz Friedrich in Neu-Ruppi 
und Rheinsberg. « 
1739 “ ]* gedruckt (1741 veröffent- 
icht). 
1740—1786 Friedrich II. der Große. 
1740—1742 Erster schlesischer Krieg. 
1741 3. Januar. Einzug Friedrichs des Gro- 
ßen in Breslau. 
— 10. April Schlacht bei Mollwitz. 
— 9. Okt. Vertrag zu Klein-Schnellendorf. 
— 7. Nov. Huldigung in Breslau. 
1742 17. Mai Schlacht bei Czaslau 
und Chotusitz. 
  
1738 Wiener Frieden: Lothringen an 
Frankreich abgetreten. 
1740—1780 Maria The- 
resia. 
1741—1748 Österreichischer Erbfolge- 
krieg. (Marschall Moritz von 
Sachsen). 
1742—1745 Karl VII. (v. Bayern). 
  
1724 Thorner Blutgericht. 
1727 Newton kf. 
1727—1760 Georg II. von England. 
1733—1735 Polnischer Erbfolgekrieg. 
1734 Eroberung Danzigs durch die 
Russen (Stanislaus Lesczinski). 
182 
1741—1762 Elisabeth von 
Rußland.
        <pb n="186" />
        1742 11. Juni Friede zu Breslau: 
Erwerbung von Ober= und Nieder- 
schlesien und Glatz. 
1743—1745 Plauenscher Kanal. 
1744 Erwerbung von Ostfriesland. 
1744—1746 Finow#kanal. 
1744—1745 Zweiter schlesischer 
Krieg. 
1745 4. Juni Schlacht bei Hohen- 
friedberg und Striegau. 
— 30. Sept. Schlacht bei Soor. 
— 23. Nov. Treffen bei Katholisch-Hennersdorf. 
— 53 De- Schlacht bei Kessels- 
Orf. 
— 25. Dez. Friede zu Dresden. 
1746 Swinemünde gebaut. 
— Friedrichs d. Gr. „hist. de mon temps.“ 
1747—1756 Entwässerung des Nieder-Oder- 
bruchs. 
1747 Codex Fridericianus (Cocceji). 
— Gründung der ersten Realschule (durch 
Hecker in Berlin). 
1750—1753 Voltaire in Berlin 
1756—1763 Siebenjähriger Krieg. 
1756 16. Jan. Vertrag zu Westminster. 
— 29. Aug. Einfall in Sachsen. 
— 1. Okt. Schlacht bei Lobasitz. 
— 16. Okt. Kapitulation zu Pirna. 
1757 10. Jan. Friedrichs Ordre an Finckenstein. 
— 6. Mai Schlacht bei Prag 
(Schwerin F). 
  
1743 Schlacht bei Dettingen. 
1744 Frankfurter Union. 
1745 Vertrag zu Füssen. 
1745—I6 Franz I. (von Lothrin- 
gen). 
1747 7. April Leopold v. Dessau 1. 
1748 Friede zu Aachen. 
— Klopstocks „Messias“. 
1750 Sebastian Bach . 
1757 Reichsexekutionskrieg gegen 
Preußen. 
— Schlacht bei Hastenbeck. 
— Konvention zu Kloster Zeven. 
  
1745 Vertrag zu Warschau. 
1746 Schlacht bei Culloden. 
1755 Erobeben zu Lissabon. — Pom- 
al. 
1756 1. Mai Vertrag zu Versailles. 
183
        <pb n="187" />
        Preußen. 
Gleichzeitiges 
in Deutschland. 
1 außerhalb Deutschlands. 
  
1757 18. Juni Schlacht bei Kolin 
(Daun). 
— 30. Aug. Schlacht bei Großjägersdorf. 
— 7. Sept. Gefecht bei Moys (Winterfeld 1). 
— 16. Okt. Hadik vor Berlin. 
— 5. Nov. Schlacht bei Roßbach. 
— 22. Nov. Treffen bei Breslau (Bevern 
gefangen). 
— 5. Dez. Schlacht bei Leuthen. 
Friedrich d. Gr. in Lissa. 
1758 Belagerung von Olmütz. 
— 25. Aug. Schlacht bei Zorndorf 
(Seydlitz.) 
— 14. Okt. Schlacht bei Hochkirch. 
(Keith P). 
1759 Treffen bei Kay. — Graun . 
— 12. Aug. Schlacht bei Kuners— 
dorf. 
— (E. v. Kleist). 
— Verlust von Dresden. — Finck bei Maxen 
gefangen. 
1759—65 Nicolais „Literaturbriefe“. 
1760 23. Juni Schlacht b. Landeshut (Fouquc). 
— 15. Aug. Schlacht b. Liegnitz 
(Laudon). 
— 9. Okt. Tottleben und Lascy in Berlin 
(Gotzkowski). ç 
— 3. Nov. Schlacht bei Torgau 
(Zieten). 
  
1758 Schlacht bei Krefeld 
(Ferd. von Braun- 
schweig). 
1759 Gefecht bei Bergen. 
— Schlacht bei Minden. 
184 
1759 Händel 1. 1 
1760 Die Encyklopädisten. Voltaire 
und Rousseau. 
1760—1820 Georg III. von England.
        <pb n="188" />
        1761 Lager bei Bunzelwitz. 
— Fall von Schweidnitz; von Kolberg 
(v. d. Heyde). 
— WMarkotsch’ Verräterei. 
1762 5. Mai Friede mit Rußland. 
— 2. Nai Friede mit Schweden (zu Ham- 
urg). 
21. Juli Schlacht bei Bur- 
kersdorf. 
— 156. Aug. Treffen bei Reichenbach. 
— 9. Okt. Eroberung von Schweidnitz. 
29. Okt. Schlacht bei Freiberg 
(Prinz Heinrich). 
1763 15. Febr. Friede zu Hubertus- 
burg. 
1763 Einführung der königlich preußischen 
Lotterie. 
1764 Bund mit Rußland. 
1765 Gründung der Königlichen Bank in 
Berlin. 
— Nicolais „Allg. deutsche Bibliothek“. 
1766 Regie. 
1769 Joseyh II. in Neiße. 
1772 Erste Teilung Polens: Erwer- 
bung Westpreußens, Erm- 
lands und des Netzedistrikts. 
— Gründung der Seehandlungs-Gesellschaft. 
1772 27. Sept. Friedrich 1I. wird als König 
von Preußen in Marienburg gehuldigt. 
1778—74 Bromberger Kanal. 
1778—79 Bayrischer Erbfolgekrieg. 
  
1762 Treffen bei Wilhelmsthal. 
1765 Lessings „Minna v. Barnhelm“. 
1765—90 Joseph II. 
1768 Winckelmann f. 
1773 Goethes „Götz“ u. „Werther“. 
1778 Herders, Stimmen der Völker“. 
  
1761 Pitts Entlassung. 
1762 Peter III. von Rußland. 
— Friede zu Fontainebleau. 
1762—1796 Katharina II. 
von Rußland. 
— 185 
1764—1795 Stanislaus Ponia= 
towski König von Polen. 1T 
1768 Konföderation zu Bar. 
1768—1774 Russisch-türkischer Krieg. 
1768 James Watt (Damfmaschinc 
1770 Schlacht bei Tschesme. 
1773 Vertrag zwischen Rußland und 
Dänemark über das Haus 
Gottorp. 
1774—1793 Ludwig XVI. 
1775—1782 Nordamerikanischer Frei- 
feiherrieg (Washington. Frank- 
in). 
1778 Linné .
        <pb n="189" />
        Preußen. 
Gleichzeitiges 
in Deutschland. I 
außerhalb Deutschlands. 
  
1779 Friede zu Teschen. 
1780 Erwerbung eines Teils von Manzsfeld. 
1781 Kants „Kritik der reinen Vernunfté". 
1784 Entwurf des allgem. preuß. Landrechts 
(Carmer). 
1785 Deutscher Fürstenbund. 
1786—97 Friedrich Wilhelm II. 
1787 Eroberung Hollands. 
1788 Wöllners Religionsedikt. 
1790 Vertrag zu Reichenbach. 
1791 Entlassung Hertzbergs Zusammenkunft 
in Pillnitz. 
1792 Erwerbung von Ansbach-Bayreuth. 
— Aufnahme des Roten Adlerordens. 
— Bund mit Osterreich. 
— Feldzug in die Champagne. 
— Kanonade von Valmy. 
1793 Eroberung von Mainz. 
— Schlachten bei Pirmasens und in den 
Weißenburger Linien. 
— Zweite Teilung Polens: Er- 
werbung von Danzig, Thorn, 
Posen. 
1794 Schlachten bei Kaiserslautern. — Ein- 
führung des allgem. Landrechts. 
— Schlacht bei Szczekocyn. 
r 
  
  
1780 Wielands „Oberon“". 
— Mozart. Haydn. 
1781 Toleranzedikt Josephs II. 
1790—92 Leopold II. 
1792—1806 Franz II. (als Kaiser 
Franz I. von Osterreich 1804 
bis 1835). 
  
1779 Cook. (G. Forster). 
1780 Galvani. 
1789 Französische Revolu- 
tion. (Mirabeau). 
1792 Targowitzer Konföderation. 
— Frankreich Republik. 
1793 Hinrichtung Ludwigs XVI. 
— Erste Koalition. 
1794 Sturz Robespierres 
— Schlacht b. Maciejowice (Kos- 
ciuszko). Ende Polens. 
186
        <pb n="190" />
        1795 Dritte Teilung Polens: Er— 
werbung von Warschau. 
— Friede zu Basel. 1797 Volta. 
1796 Besetzung von Nürnberg. — Friede zu Campo-Formio. 
1797—1840 Friedrich Wilhelm III. 1798 Bonapartes Feldzug nach Agyp- 
il ten. — Schlacht bei Abukir. 
798 lUers „W tein“. 
1798 Schiller allenstein 1799 Zweite Koalition (Suworow). 
— Napoleon Bonaparte erster 
Konsul. 
1800 Nordische Neutralität. — Alex. v. Humboldts Reise nach 
Südamerika. 
1802 Die Landgrafschaft 1800 Schlacht bei Marengo. 
Kelten u assel) wird 1801 Friede zu Lünevile. 
1803 Gleim f. — Sakularisation von Paderborn. 1801 * .w.Z a lexan der I. 
1803 Säkularisation von Münster. 1804 Napoleon I. Kaiser 
— Reichsdeputations-Hauptschluß. der Franzosen (905 
— Kapitulation von Artlenburg. 1769 1 1 1) geb. 
1805 Haugwitz schließt den Vertrag zu Schön- 1805 Schlacht b. Austerlitz. 1805 Dritte Koalition. 
brunn. 
Friede zu Preßburg. — Schlacht bei Trafalgar (Nel- 
1806 Besetzung Hannovers. 1806 Stiftung des Rheinbundes. son 4). 
10. Okt. T Saalfeld .. 
Louis Ferd aehen bei aclfe (eim — Auflösung des deut- 
— 14. Okt. Schlacht bei Jena und schen Reichs. 
Auerstädt. — Nassau wird Herzogtum. 
— 156. Okt. Kapitulation von Erfurt. 
— 27. Okt. Napoleons Einzug in Berlin. 
— 28. Okt. Pr in Hohenlohe kapituliert bei 
Prenzlau. 
  
  
187
        <pb n="191" />
        Gleichzeitiges 
Preußen. in Deutschland. außerhalb Deutschlands. 
  
1806 20. Skt. Kapitulation von Stettin. 
— 1. Nov. Kapitulation von Küstrin. 
— 7. Nov. Kapitulation bei Ratkau. 
— 8. Nov. Kapitulation von Magdeburg. 
— 21. Nov. Kontinentalsperre. 
1807 4. Jan. Entlassung Steins. " 
— I., 8. Febr. Schlacht b. Preuß. 1807—1813 Königreich Westfalen. 
Eylau. 
— 26. April Vertrag zu Bartenstein. 
— Verteidigung Kolbergs (Net- 
telbeck, Gneisenau). ! 
— Verteidigung von Graudenz (Courbière). 
— Fall Danzigs. 
— 10. Juni Treffen bei Heilsberg. 
— 14. Juni Schlacht bei Fried- 
land. *#•- 
— 9. Juli Friede zu Tilsit: Ab- 
tretung des halben Gebietes. 
— 4. Okt. Stein erster Minister. 
— 9. Okt. Edikt über das Grundeigentum. 
1807—8 Fichtes „Reden an die deutsche Nation“". 
1 n 8 
1808 Klrins „und Scharnhorst 1808 Aufstand der Spanier. 
— 1. Juni Aufhebung der Erbuntertänigkeit. 
— 3. Aug. Die neuen Kriegsartikel. Q„ 
1809 Auflösung des deutschen Ordens. 
— 19. Nov. Städteordnung. — Sähost bei Aspern (Erzherzog 
— 16. Dez. Steins Achtung. " 
1809 W*“3 '° — Schlacht bei Wagram. 
— Schill fällt in Stralsund. — Friede zu Wien. — Hofer. 
188 —
        <pb n="192" />
        1810 Universität Berlin gegründet. 
1812 
1813 
6. Juni Hardenberg Staats- 
kanzler. 
19. Juli Tod der Königin Luise. 
30. Okt. Einziehung der geistlichen Güter. 
2. Nov. Gewerbefreiheit. 
Universität Frankfurt a. O. nach Bres- 
lau verlegt. 
Erste Turnanstalt (durch Jahn in Berlin). 
14. Sept. Edikt über die gutsherrlichen 
und bäuerlichen Verhältnisse. 
Heinrich von Kleist K. 
11. März die Juden erhalten Staats- 
bürgerrecht. . 
30. Dez. Yorcks „Konvention“. 
zu Tauroggen. 
11.Jan.Ostpreußische Ständeversammlung. 
22. Jan. Friedrich Wilhelm nach Breslau. 
3. Febr. Aufruf der Frei- 
willigen. 
5. Febr. ost= und westpreußischer #udtag, 
28. Febr. Vertrag zu Kalisch. 
10. März Stiftung des eisernen Kreuzes. 
17. März Aufruf „an Mein 
Volk“. „ 
2. April Gefecht bei Lüneburg. 
5. April Treffen bei Möckern. 
2. Mai Schlacht bei Groß- 
görschen. 
19. Mai Treffen bei 13 
20., 21. Mai Schlachtb. Bautzen. 
26. Mai Gefecht bei Hainau. 
4. Juni Treffen bei Luckau. 
  
1810—13 Großherzogtum Frankfurt. 
1813 30. Mai Fall Hamburgs. 
— 17. Juni Überfall bei Kitzen. 
  
1811—1828 Unabhängigkeitskriege 
der mittel-- und südamerika- 
nischen Kolonieen. 
1812 Brand von Moskau. 
— Schlacht an der Beresina. 
189 —
        <pb n="193" />
        Preußen. 
Gleichzeitiges 
in Deutschland. 
außerhalb Deutschlands. 
  
1813 4. Juni Waffenstillstand zu 
— 
Poischwitz. 
28. Juni Scharnhorst . 
14 Juli Vertrag zu Reichenbach mit England. 
23. Aug. Schlacht bei Groß- 
beeren (Bülow). 
26. Aug. Körner 1f. 
— Schlacht an der Katzbach 
(Blücher). 
26., 27. Aug. Schlacht bei 
Dresden. 
27. Aug. Schlacht b. HagelbergHirschfeld). 
29., 30. Aug. Schlacht bei Kulm 
(Kleist v. Nollendorf). 
6. Sept. Schlacht bei Denne- 
witz (Bülow, Tauenzien). 
9. Sept. Vertrag zu Teplitz. 
3. Okt. Schlacht bei Warten- 
burg (Vorck). 
16. bis 19. Okt. Schlacht bei 
Leipzig. (16. Okt. Schlacht 
bei Möckern, Yorckk. 
22. Nov. Eroberung von Stettin. 
29. Dez. Eroberung von Danzig (Rapp). 
1814 1. Jan. Blüchers Rheinübergang. 
29. Jan. Schlacht bei Brienne. 
1. Febr. Schlacht bei La Rothiere. 
3. Febr. Treffen bei La Chaussse. 
  
1813 11. Aug. Abbruch des Kon- 
gresses zu Prag. 
— 12. Aug. Österreichs Kriegs- 
erklärung an Frankreich. 
— 16. Sept. Gefecht a. d. Göhrde. 
— 1. Okt. Tschernyschew in Kassel. 
— 8. Okt. Vertrag zu Ried. 
— 30. Okt. Schlacht bei Hanau. 
— 9. Nov. Kongreß zu Frankfurt. 
  
190 
1814 Stephenson (Lokomotive). 
— 14. Jan. Kieler Friede.
        <pb n="194" />
        1814 11., 12. u. 14. Febr. Treffen bei Mont- 
—.— 
— 
mirail, Chateau Tierry Vauchamps. 
27. Febr. Schlacht bei Bar sur Aube. 
9. März Schlacht bei Laon 
(Athies). 
20. März Schlacht bei Arcis sur Aube. 
30. März Schlacht bei Paris 
(Montmartre). 
31. März Einzug in Paris. 
30. Mai Erster Pariser Friede. 
M3. Sept. Landwehrgesetz (allgemeine Wehr- 
pflicht). 
10. Febr. Erwerbung halb 
Sachsens und der übrigen 
neuen Gebiete (am Rhein und 
in Vorpommern). 
15. Mai Besitzergreifung der Rheinlande. 
22. Mai Verheißung einer Verfassung. 
16. Juni Schlacht bei Ligny. 
18. Juni Schlacht bei Belle- 
alliance. 
3. Juli Gefecht bei Issy. 
7. Juli Blüchers Einzug in Paris. 
20. Nov. Zweiter Pariser Friede. 
1816 Bülow v. Dennewitz . 
1817 Union der lutherischen und reformierten 
Kirche. 
Einrichtung des Staatsrates. — Univer- 
sität Halle-Wittenberg. 
1818 Mahl= und Schlachtsteuer, Klassensteuer 
eingeführt. 
Universität Bonn gegründet. 
  
1814 1. Nov. Wiener Kon- 
greß eröffnet (Metternich). 
1815 8. Juni deutsche Bun- 
desakte. 
— 9. Juni Wiener Kongreßakte. 
1817 Wartburgfest. 
1818 Kongreß zu Aachen. 
  
1814 5.—18. Febr. Kongreß zu Cha- 
tillon. 
— 1. März Vertrag zu Chaumont. 
— 2. April Napoleons Absetzung. 
1814—1824 Ludwig XVIII. von 
Frankreich. 
1815 3. Jan. Bund in Wien zwischen 
Osterreich, England, Frankreich 
gegen Preußen und Rußland. 
— 1. März Napoleons Rückkehr 
von Elba. 
— Gründung des Königreichs der 
Niederlande. 
26. Sept. Heilige Al- 
lianz. 
191
        <pb n="195" />
        Preußen. 
Gleichzeitiges 
in Deutschland. 
außerhalb Deutschlands. 
  
1819 Blücher . 
1821 Vertrag mit dem Paypste. 
1822 Hardenberg . 
1823 Einführung von Provinzialständen. 
1824 Verheiratung des Königs mit der Gräfin 
Aug. v. Harrach (Fürstin v. Liegnitz). 
1830 Vorck v. Wartenburg . 
1831 Hegel Kx, Gneisenau 1, Stein F. 
1833 Abschluß des preußisch-deut- 
schen Zollvereins. 
1834 Erwerbung des Fürstentums Lichtenberg. 
1837 Ansiedlung der lutherischen Zillertaler. 
— Kölner Kirchenstreit. — Verhaftung des 
Erzbischofs von Köln. 
1838 Eröffnung der ersten preuß. Eisenbahn 
(Berlin-Potsdam). 
1839 Verhaftung des Erzbischofs von Posen. 
1840—1861 Friedrich Wilhelm IV. 
1842 Vereinigter Ausschuß. 
— Kölner Dombaufest. 
  
1844 Der heilige Rock in Trier. Joh. Ronge. 
1819 Kotzebues Ermordung durch 
Sand. 
— Karlsbader Beschlüsse. 
1820 Wiener Schlußakte. 
1821 Webers „Freischütz“. 
1827 Beethoven f. 
1831 Kurhessen erhält e. Verfassung. 
1885—1848 Ferdinand I. v. Ssterreich. 
1837 Die Verbindung Han- 
novers mit der eng- 
lischen Kronehört auf. 
1842 Brand von Hamburg. 
  
1821 Kongreß zu Laibach. 
— Napoleon Fauf St. Helena. 
1822 Kongreß zu Verona. 
1824—1830 Karl X. von Frankreich. 
1825— 1855 Nikolaus I. 
Kaiser von Rußland. 
1830 Eroberung Algiers durch die 
Franzosen. 
— Julirevolution in Paris. 
1830—1848 Louis Philipp König der 
Franzosen. 
1831 Gründung des Königreichs 
Belgien. 
1837 Viktoria Königin von Groß- 
britannien. 
192 —
        <pb n="196" />
        Pierson, Leitf. d. preuß. Gesch. 
1— 
1850 6. u. 8. April Erwerbung der 
hohenzoller schen Lande. 
— 8. Nov. Rückzug aus Hessen (Bronzell). 
— 29. Nov. Vertrag zu Olmütz. 
1844 Berliner Industrieausstellung. 
1847 Vereinigter Landtag. 
1848 18. März Patent des Königs. 
Straßenkampf in Berlin. 
— 209., 30. April Besiegung der Polen bei 
Tions, bei Mieloslaw. 
— 22. Mai Eröffnung der National-Ver- 
sammlung in Berlin. 
— 6. Juni Gefecht bei Düppel. 
— 26. Aug. Waffenstillstand zu Malmö. 
— 0. Nov. Ministerium Brandenburg-Man- 
teuffel. 
— 5. Dez. Auflösung der Nat.-Versammlung. 
— — Oktroyierte Verfassung. 
1849 Elektrischer Telegraph eingeführt. 
— 3. April Ablehnung der deutschen Kaiser- 
würde. 
— 6. bis 9. 
Aufstandes. 
— Juni Unterdrückung des Aufstandes in 
der Pfalz und in Baden. 
1850 31. Jan. Revidierte Verfas- 
sung. 
Mai Unterdrückung des Dresdner 
  
1848 13. März Revolution in Wien. 
— Sturz Metternichs. 
1848 18. Mai Eröffnung der deut- 
schen National-Versammlung 
in der Paulskirche zu Frank- 
furt a. M. 
— 29. Juni Erzherzog Johann 
Reichsverweser. 
1819 27. März Reichsverfassung. 
— 28. März Wahl des Königs 
von Preußen zum erblichen 
deutschen Kaiser. 
1850 Mai Wiedereröffnung des Bun- 
destages. 
  
1846 Krakau österreichisch. 
Christians VIII. 
Brief“. 
1848 Februarrevolution 
in Paris. 
— Goldlager in Kalifornien ent- 
deckt. 
— Franz Joseph Kaiser 
von ÖOsterreich. 
„Offener 
1851 Erste Weltindustrie-Ausstellung 
zu London.
        <pb n="197" />
        Preußen. 
Sreichzeitigesn 
in Deutschland. 
außerhalb Deutschlands. 
  
1852 8. Mai Londoner Protokoll. 
— Zolleinigung mit Hannover und Olden- 
burg. 
3 Handelsvertrag mit Ssterreich. 
— Erwerbung des Jadebusens. 
1854 Schulregulative. 
— Gründung des Herrenhauses. 
1857 Verzicht auf Neuschatel. 
— Der Prinz von Preußen wird 
Stellvertreter des Königs. 
1858—1861 des Prinzen Wilhelm 
Regentschaft. 
— Militär-Reorganisation. 
1859 Alexander v. Humboldt . 
1861 König Wilhelms I. Krönung. 
1862 Preußisch-französischer Handelsvertrag. 
24. Sept. v. Bismarck wird 
Minister (bis 1890). 
Konvention mit Rußland. 
Dänischer Krieg. 
18. April Erstürmung von 
Düppel. 
— 29. Juni Eroberung von Alsen. 
— 30. Okt. Friede zu Wien. 
— 
1863 
1864• 
128 Kenkchor Grieon 
  
1866 14 J uNMi- 
1852 Versteigerung der deutschen 
Flotte. 
1859 Schillerfest. 
1860 Bunsen und Kirchhoff ent- 
decken die Spektralanalyse. 
1863 Franz Josephs Reformprojekt. 
Fürstentag in Frankfurt a. M. 
1865 Vertrag zu Gastein. 
  
Auflösuna? 
1852—1870 Napoleon III. 
Kaiser der Franzosen. 
1855—1881 Alexander II. 
Kaiser von Rußland. 
1856 Der orientalische 
Krieg durch den Frie- 
den von Paris be- 
endet. 
1859 Italienischer Krieg. 
— Friede zu Villafranca. 
1861—1878 Viktor Ema- 
muel König von Ita- 
lien. 
1861 Befreiung der Bauern in Ruß- 
land. 
1861— 1865 Nordamerikanischer Bür- 
gerkrieg. 
1861—1867 Französische Expedition 
nach Mexiko. 
1863 Tod Friedrichs VII. von Däne- 
mark. 
1864 (13. Mai bis 26. Juni) Lon- 
doner Friedenskonferenz. 
1865 Aufhebung der eklaverei in 
den Verein. Staaten von Nord- 
amerika. 
— Lincoln Pf.
        <pb n="198" />
        . V LC0#1#G .·. n—.— —— — N# — 
— 17. Juni Besetzung Hannovers. des deuts ch en Bundes. 
— 18. Dresdens. 
— 19. — — — Kassels. 
— 27. — Tresffen bei Langensalza. 
— — — — — Nachod. 
— 28. — — — Münchengrätz. 
— — — — — Skalitz. 
— Kapitulation bei Langensalza. 
— DTreffen bei Gitschin. 
— 3. Juli Schlacht bei König- 
— 14. — — — Aschaffenburg. 
— 25. — — — Tauberbischofs- 
heim. · 
— 26. Juli Präliminarien zu 
Nikolsburg. 
— 23. Aug. Friede zu Prag. — 
Einverleibung von Hannover, 
Kurhessen, Nassau, Frank- 
furt a. M. und Schleswig- 
Holstein in den preußischen 
Staat. 
1867 Einführung der Freizügigkeit 1867 Norddeutscher Bund 187 r kurger Wrage. zu 
im Norddeutschen Bunde. errichtet. Paris. 
— Kaiser Max von Mexiko hin- 
, gerichtet. 
1869 Einführung der Gewerbefrei— 1868 Vertreibung der Königin Isa- 
heit im Norddeutschen Bunde. bella von Spanien. 
  
  
  
195
        <pb n="199" />
        Preußen und Dentschland. Gleichzeitiges außerhalb Deutschlands. 
  
1870—71 Französischer Krieg. 
1870 13. Juli Benedetti in Ems. 6 
— 19. — Frankreichs Kriegserklärung. 1870 18. Juli. Das Konzil zu Rom 
erklärt den Papst in Sachen des 
— 4. Aug. Treffen bei Weißenburg. Glaubens und der Moral für un- 
— 6. Aug. Schlachten bei Wörth und bei Spichern. fehlbar. 
— 14. Treffen bei Courcelles. 
— 16. — Schlacht bei Vionpille. . 
— 18. — Schlacht bei Gravelotte (St. Privat). 
— 30. Treffen bei Beaumont. 
— 31. August und 1. Sept. Treffen bei Neisseville. 
— I. Sept. Schlacht bei Sedan. 
— 2. — Kapitulation von Sedan. — 4. Sept. Frankreich Republik. 
19 Einschließung von Paris. Muliener ee Rams hurch de 
— 27. — Fall Straßburgs. Herrschaft des Papstes. 
27. Oktbr. Kapitulation von Metz. 
— 30. — Treffen bei le Bourget. 
196 
— 27. Nov. Treffen bei Amiens. 
— 28. — Schlacht bei Beaune la Rolande. 
. bis 3. Dez. Treffen bei Champigny. 
  
— 
1 
1
        <pb n="200" />
        1870 6. Dez. Einnahme von Orleans. 
— 8. — Treffen bei Nutts. 
— 27. — Beginn des Bombardements auf Paris. 
1871 3. Jan. Treffen bei Bapaume. 
— 9. — Treffen bei Villersexel. 
— 15. bis 17. Jan. Schlacht bei Belfort (Montbsliard). 
— 18. Jan. Proklamation Wilhelms I. von 
Preußen zum deutschen Kaiser. 
— 19. — Schlacht bei St. Quentin. 
— 28. — Kapitulation von Paris. 
— 1. Febr. Bourbakis Heer tritt nach der 
Schweiz über. 
— 1. März Einzug deutscher Truppen in Paris. 
— 2. — Annahmeder Friedenspräliminarien 
durch die französische Nationalversammlung in 
Bordeaux. 
— 21. März Erster deutscher Reichstag zu 
Berlin. 
— 10. Mai Friede zu Frankfurt a. M. 
1872 Vertreibung der Jesuiten aus Deutschland. 
— Dreikaiserbün dnis. 
1873 Mai Kirchengesetze. 
  
1871 18. März Aufstand der Pariser 
„Kommune“. 
— 8. Sept. des Kaisers von Sster- 
reich Zusammenkunft mit dem 
deutschen Kaiser zu Salzburg. 
1873 Mai: Sturz Thiers'; Mac Mahon 
wird Präsident der französischen 
Republik. 
— Industrie-Weltausstellung zu Wien. 
197
        <pb n="201" />
        Preußen und Deutschland. 
Gleichzeitiges außerhalb Deutschlands. 
  
1874 13. Juli Mordversuch auf Bismarck. 
1875 Neue Kirchengesetze. 
1876 Justizreform. 
1878 Mordversuche auf Kaiser Wilhelm (11. Mai, 
2. Juni). 
— 13. Juni bis 13. Juli Berliner Kongreß. 
— 13. Juli Berliner Friede. 
— 21. Okt. Sozialistengesetz. 
1879 Gewerbeausstellung zu Berlin. 
— Zollreform. 
— 15. Oktbr. Bündnis zwischen Deutschland 
und Osterreich. 
1880 Vollendung des Kölner Domes. 
1881 17. Nov. Erklärung Kaiser Wilhelms be- 
treffend soziale Reformen. 
1882 Anschluß Hamburgs an den Zollverein. 
1883 Krankenversicherungs-Gesetz. 
1884 Unfallversicherungs-Gesetz. 
1884—86 Erwerbung von Kolonieen in Afrika 
und Australien. 
1886 Abänderung der Kirchengesetze von 1873, 1875. 
1887 Bund Deutschlands und ÖOsterreichs mit Italien. 
— Beginn des Nordostseekanal-Baues. 
1888 Friedrich III. — Wilhelm II. 
  
1877—1878 Russisch-türkischer 
Krieg. 
878 Humbert I. König von Ztalien. 
— Tod Pius'’' IX. — Leo XIII. wird 
Papst. 
— Industrie-Weltausstellung zu Paris. 
198 
1881 13. März. Ermordung 
Alexanders II. von Nuße 
land durch die Nihilisten. — 
Alexander III. wird Kaiser.
        <pb n="202" />
        1890 Kaiserin Augusta #6 
— Erwerbung Helgolands. 
1891 Moltke 1. 
1895 Eröffnung des Kaiser Wilhelm-Kanals. 
1898 Erwerbung von Kiautschou. 
— Bismarck f. 
1900 1. Jan. Inkrafttreten des Bürgerl. Gesetzbuches. 
1900—01 Chinesische Expedition. 
1904—07 Südwestafrikanischer Krieg. 
1908 Reichssteuerreform. 
1909 Erfindung des lenkbaren Luftschiffes 
durch Graf Zeppelin. 
  
1889 
1897 
1898 
Pariser Weltausstellung. 
Griechisch-türkischer Krieg. 
Spanisch-amerikanischer 
Krieg. 
1899—1902 Südafrikanischer Krieg 
1904 
1905 
Englands gegen die Buren. 
Russisch-japanischer Krieg. 
Aufhebung der Union zwischen 
Schweden und Norwegen. 
1905—08 Revolution in Rußland. 
1906 
1908 
1909 Vereinigung von Bosnien und 
Vertrag von Algeciras wegen 
Marokkos. 
Ermordung Karls I. von Portugal. 
Revolution in der Türkei. 
Unabhängigkeits-Erklärung Bul- 
gariens. 
Herzegowina mit Osterreich-Ungarn. 
199
        <pb n="203" />
        <pb n="204" />
        Die Standbilder der LSieges-Allee in Berlin. 
1134—1170 Markgraf Albrecht der Bär (Wigger, Otto). 
1170—1184 
1183—1205 
1205—1220 
1220—1266 
1266—1281 
1266—1308 
1308—1319 
1319—1320 
1324—1351 
1351—1365 
1365—1373 
tto I. (Sibold, Pribislaw). 
Otto II. (Johann zu Putlitz, Heinrich von Antwerpen). 
Albrecht II. (Eike von Repkow, Hermann von Salza). 
Johann I. und Otto III. (Simeon, Marsilius). 
Johann II. (Günther I. von Lindow und Ruppin, 
Conrad Belitz). . 
Otto IV. mit dem Pfeil (Droiseke von Kröcher, Johann 
von Buch). 
Waldemar der Große (Siegfried von Feuchtwangen, 
Heinrich von Meißen). 
Heinrich (Wartislaw IV. von Pommern, Wedigo von 
Plotho). 
Ludwig I. (Johann von Buch, Johann II. von Nürnberg). 
Ludwig II. der Römer (Hasso von Wedel, Friedrich 
von Lochen). 
Otto der Faule (Thilo von Brügge, Thilo von Warden- 
berg). 
1373—1378 Kaiser Karl IV. (Dietrich Portitz, Klaus von Bismarck). 
1378—1415 König Sigmund (Lippold von Bredow, Bernd Ryke). 
1415—1440 Kurfürst Friedrich I. (Hans von Hohenlohe, Wend von Ileburg). 
1440—1470 
1470—1486 
1486—1499 
1499—1535 
* 
Friedrich II. der Eiserne (Friedrich Sesselmann, Wilke 
Blankefelde). 
Albrecht Achilles (Werner v. d. Schulenberg, Ludwig 
von Eyh). 
Johann Cicero (Eitelwolf vom Stein, Busso von 
Alvensleben). 
Joachim 1. Nestor (Albrecht von Magdeburg u. Mainz, 
Dietrich von Bülow). ·
        <pb n="205" />
        202 
— — 
1535—1571 Kurfürst Joachim II. Hector (Georg von Ansbach, Mathias von 
1571—1598 
1598—1608 
1608—1619 
1619—1640 
1640—1688 
1688—1713 
1713—1740 
1740—1786 
1786—1797 
1797—1840 
1840—1861 
1861—1888 Kaiser 
Jagow). 
Johann Georg (Rochus von Lynar, Lampert Distel- 
meier). 
Joachim Friedrich (Hieronymus Schlick, Johann von 
Löben). 
Fohann Sigismund (Fabian zu Dohna, 
v. d. Knesebeck). 
Georg Wilhelm (Konrad von Burgsdorff, Adam von 
Schwartzenberg). 
Friedrich Wilhelm der Große (Georg von Derfflinger, 
Otto von Schwerin). 
Friedrich I. (Kurfürst Friedrich III.] (Andreas Schlüter, 
Eberhard von Dankelman). 
Friedrich Wilhelm I. (Leopold von Anhalt-Dessau, 
Rüdiger von Ilgen). 
Friedrich II. der Große (Kurt Chr. von Schwerin, 
Joh. Sebastian Bach). 
Friedrich Wilhelm II. (Joh. Heinr. Kasimir v. Karmer, 
Immanuel Kant). 
Friedrich Wilhelm III. (Gebhard Leberecht von Blücher, 
Karl Freiherr vom Stein). 
Friedrich Wilhelm IV. (Alexander von Humboldt, 
Christian Nauch). 
Wilhelm der Große (Oitto von Bismarck, Helmuth von 
Moltke). 
Thomas 
iSN VEMLI-ZOS ERCSO Släi NS., BERLIN WST.
        <pb n="206" />
        ITarkgraf Hlbrecht der Bär (1134 -1170). 
  
Wigger, Bischof von Brandenburg, Otto von Bamberg, 
wirkte zur Zeit Albrechts des Bären. Freund Albrechts des Bären, 
ist der „Apostel der Pommern“.
        <pb n="207" />
        IHarkgraf Otto I. (1170—1184). 
  
  
Abt Sibold von liehnin, Fürst Dribisla#d, 
leitete das von Otto I. gegründete ein den Askaniern befreundeter Wenden- 
Kloster Lehnin. l häuptling, war Pate Ottos I.
        <pb n="208" />
        ITlarkgrat Ötto II. (1184—1205). 
otcchn 2 
* W 
GGAnCEISO 
  
  
  
  
  
  
  
  
Johaoann Sans Ecler zu Dutlitz, Peinrich von Hntwerpen, 
ein Vasall Ottos II., Prior des Domkapitels von Branden- 
gründete das Nonnenkloster Marienfließ burg zur Zeit Ottos II., gehört zu den 
bei Pritzwalk. ältesten märkischen Geschichtsschreibern.
        <pb n="209" />
        Iarkgraf Hlbrecht II. (1205—1220). 
  
Eike von Repkow, Hermann von Salza, 
Zeitgenosse Albrechts II., verfaßte das Hochmeister des Deutschen Ordens zur 
berühmte norddeutsche Rechtsbuch den Zeit WMbrechts II., begann die Unter- 
„Sachsenspiegel“. werfung der heidnischen Preußen.
        <pb n="210" />
        Markgrafen Johann I. und Otto III. (1220- 1266). 
2 * r 
  
Simeon, Propft von Berlin, HMilarlilius, Schulfheiß von Berlin, 
wirkte zur Zeit der erste bekannte Inhaber dieser Würde, 
Johanns Il. und Ottos III. lebte unter Johann I. und Otto III.
        <pb n="211" />
        Iarkgraf Johann II. (1266—1281). 
  
Graf Süntlier I. von Lindow Konrad Belitz, 
und Ruppin, Rafsmann von Berlin, 
war ein hervorragender Vasall lebte zur Zeit Johanns II. 
Johanns II.
        <pb n="212" />
        Iarkgraf Otto IV. mit dem Pfeil (1266—1308). 
  
  
  
  
Droiseke von Kröcher, Johann von Buch der Hltere, 
stand als kluger Ratgeber und tapferer erlöste Otto IV. aus der Gefangen- 
Krieger Otto IV. zur Seite. 1 schaft der Magdeburger.
        <pb n="213" />
        ITlarkgrat Valdemar der Große (1308—1319). 
  
Siegfried von Feuchtwangen, 1 Seinrich von leißen, 
Hochmeister des Deutschen Ordens und # genannt Frauenlob, 
Zeitgenosse Waldemars des Großen, war einer der berühmtesten Dichter 
machte die Marienburg zum Hauptsitz zur Zeit Waldemars des Großen. 
des Ordens.
        <pb n="214" />
        INarkgrat Seinrich (1319—1320). 
  
  
  
PHerzog Wartislaso IV. Wedigo von Plotho, 
von Pommern, Retter Waldemars des Großen in der 
ein gefürchteter Krieger, wurde zum Schlacht bei Gransee, lebte zur Zeit 
Vormund des Markgrafen Heinrich des Markgrafen Heinrich. 
bestellt.
        <pb n="215" />
        (Tlarkgraf Luduwig I. (1324 - 1351). 
  
  
  
  
— — 
Johann von Buch der Jüngere, ZBurggraf Johann II. von Itürnberg, 
war ein hervorragender Rechtsgelehrter ein Hohenzoller, verwaltete die Mark 
unter Ludwig l. als Landeshauptmann Ludwigs I.
        <pb n="216" />
        Markgraf Luduwig II. der Römer (1351- 1365). 
  
Halso der Rote von Wedel, friedrich von hochen, 
unterstützte Ludwig II. den Römer im galt als einer der tapfersten Helden 
Kampfe gegen den falschen Waldemar. Ludwigs II. des Römers.
        <pb n="217" />
        I#Rkgraf Ofto der Faule (1365—1373). 
  
Thilo von Brügge, Thilo von Wardenberg, 
Schultheiß von Berlin, bekleidete zu: Ratsherr von Berlin, verfocht energisch 
gleich das Amt eines Vogts Ottos die Rechte Ottos des Faulen gegen die 
des Faulen. Luxemburger.
        <pb n="218" />
        Kailer Karl IV. (1373—1378). 
  
Dietrich Dortitz, Klaus von Bismarckh, 
Erzbischof von Magdeburg, zeichnete Landhofmeister der Mark, tat sich als 
sich als kluger Ratgeber Karls IV. aus. Gegner Kaiser Karls IV. hervor.
        <pb n="219" />
        König Sigmund (1378—1415). 
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Lippold von Bredo, Bernd Ruke, 
kämpfte als Landeshauptmann der war ein Vertreter des alten Berliner 
Mittelmark für König Sigmund gegen Patriziergeschlechts der Rykes zur Zeit 
Magdeburg. # König Sigmunds.
        <pb n="220" />
        Kurfürst Friedrich I. (1415—1440). 
—. . . — -- 
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Smköansoonöobenlohe, Vend von Ileburg, 
galt als einer der vornehmsten Waffen= unterstützte Friedrich l. bei der Besitz- 
Henossen Friedrichs I. und fiel in der ergreifung der Mark Brandenburg. 
Schlacht am Kremmer Damm (1412). I
        <pb n="221" />
        Kurfürit Friedrich II. der Siserne (1440—1470). 
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friedfichsellelmamh Vilke Blankefelde, 
Bischof von Lebus, wird genannt als Bürgermeister von 
bekleidete das Amt eines Kanzlers Berlin zur Zeit Friedrichs II. 
Friedrichs II. des Eisernen. des Eisernen.
        <pb n="222" />
        Kurfürslt Elbrecht Hchilles (1470 - 1486). 
  
Werner von der Schulenburg, # liudig von Syb, 
leistete Albrecht Achilles als tapferer war ein treuer Feldhauptmann des 
Krieger und humorvoller Unterhändler Kurfürsten Albrecht Achilles und 
nützliche Dienste. märkischer Geschichtsschreiber.
        <pb n="223" />
        Kurfürst Johann Eicero (1486 —1499). 
  
  
Eitelwolf vom Sstein, 6 Busso von Hloensleben, 
ein gelehrter Ratgeber Johann Ciceros, kurfürstlicher Obermarschall, diente 
machte sich um die Gründung der Johann Cicero als tüchtiger Staats- 
Universität Frankfurt a. O. verdient. 1 mann.
        <pb n="224" />
        Kurfürst Joachim I IIestor (1499 -1535). 
  
Erzbilchot Albrecht von Magdeburg Dietrich von Büloi, 
und Mainz, Bischof von Lebus, Erzieher Joachims J. 
der Bruder Joachims I. Nestor, war Nestor, stand diesem auch später als 
ein Gönner Peter Vischers und ein Ratgeber zur Seite. 
Gegner Luthers.
        <pb n="225" />
        Kurfürst Joachim II. Hector (1535 - 1571). 
  
IIlarkgraf Seorg von Ansbach, Ilathias von Jagow, 
ein Verwandter Joachims II. Hector, letzter Bischof von Brandenburg, reichte 
zeigte sich als treuen Bekenner des dem Kurfürsten Joachim II. Hector den 
Evangeliums. Kelch bei dessen Ubertritt zur lutherischen 
Lehre.
        <pb n="226" />
        Kurfürft Johann Seorg (1571—1598). 
  
——— 
7 
  
Rochus Sraf von Lynar, Lampert Dütelmeier, 
bedeutender Baumeister und Artillerist, der berühmteste märkische Staatsmann 
baute für Johann Georg die Festungs- und Rechtsgelehrte im Zeitalter der 
werke von Spandau und Cüstrin und Reformation, diente Johann Georg als 
einen Teil des Berliner Schlosses. Kanzler.
        <pb n="227" />
        Kurfürft Joachim Friedrich (1598—1608). 
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Graf Hieronymus öchlich, i Johann von Uöben, 
war Oberkammerherr Joachim Friedrichs bekleidete unter Joachim Friedrich das 
und sein vertrautester Freund. „ Amt des Kanzlers.
        <pb n="228" />
        Kurfürst Johann Sigismund (1608—1619). 
  
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verteidigte seinen Herrn gegen die An 
griffe der Protestanten 
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Landeshauptmann Johann Sigi 
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Preußens. 
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Graf Fabion zu Dohna, 
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        Kurfürft Seorg Wilhelm (1619—1640). 
  
  
  
  
Konrad von Burgsdorff, Graf Adam von Schwartzenberg, 
war ein kluger brandenburgischer Kriegs= erster Minister Georg Wilhelms, trat 
oberster zur Zeit Georg Wilhelms. für Anschluß Brandenburgs an den 
Kaiser ein.
        <pb n="230" />
        Kurfürft Friedrich Wilhelm der Sroße (1640—1688). 
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ühmte Generalfeldmarschall 
des Großen Kurfürsten. 
Georg Reichsfreiherr von Derfflinger, 
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        <pb n="231" />
        König Friedrich I. (Kurfürft Friedrich III.] (1688 —1713). 
  
Hndreas sSchlüter, 
ein berühmter Bildhauer und Bau- 
meister unter Friedrich I., schuf das 
Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten, 
erbaute die Schlösser von Berlin und 
Charlottenburg und schmückte das 
Zeughaus. 
  
Eberhard Freiherr von DancRelman, 
war Erzieher und erster Minister 
Friedrichs l.
        <pb n="232" />
        König Friedrich Wilhelm I. (1713—1740) 
  
  
  
  
fürft Leopold von Hnhalt-Dellau, Peinrich Rüdiger von Ilgen, 
Feldmarschall Friedrich Wilhelms l., der größte Staatsmann Preußens zu 
ist bekannt als der Lehrmeister des Anfang des 18. Jahrhunderts, wirkte 
preußischen Heeres. unter Friedrich Wilhelm I.
        <pb n="233" />
        König Friedrich II. der Srobe (1740—1780). 
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1 — n 1 
  
Graf Eurt Ehristoph von Schverin, Jchann Lebastian Bach, 
Generalfeldmarschall Friedrichs des war einer der bedeutendsten Musiker 
Großen, siel mit der Fahne in der aller Zeiten und wurde darum auch 
Hand in der Schlacht bei Prag (1757). von Friedrich dem Großen hochgeschätzt.
        <pb n="234" />
        König Friedrich Wilhelm II (1786—1797). 
  
Graf Johann Heinrich Sasimir Immanuel Kant, 
von Carmer, Zeitgenosse Friedrich Wilhelms II., 
Großkanzler der Justiz unter Friedrich gilt als der größte Philosoph der 
Wilhelm II., ist der Verfasser des Neuzeit. 
„Allgemeinen preußischen Landrechts“.
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        König Friedrich Wilhelm III (1797—1840). 
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Sebhard Leberecht Fürlt Blücher Karl Freiherr vom und zum Stein, 
von Wahlltatt, der bedeutendste Minister Friedrich 
war der berühmteste Heerführer Wilhelms III., legte den Grund zur 
Friedrich Wilhelms III. im Befreiungs= Wiedergeburt des preußischen Staates 
kampfe. nach seinem Zusammenbruche 1806.
        <pb n="236" />
        König Friedrich Wilhelm IV. (1840 —1861). 
  
Hlexander von Humboldt, Ehristian Rauck, 
lebte unter Friedrich Wilhelm IV. und der hervorragendste deutsche Bildhauer 
ist der Altmeister der neueren Natur= zur Zeit Friedrich Wilhelms IV., schuf 
forschung. das Reiterstandbild Friedrichs des 
Großen in Berlin und die Figur der 
Königin Luise im Mausoleum zu 
Charlottenburg.
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        Kailer Wilhelm der Sroße (1861— 1888). 
  
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F. 
1 AA# 
* 4% 6# . 
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Graf bSelmuth von Hloltke, 
der größte Feldherr des 19. Jahr- 
hunderts, führte das preußische Heer 
in den siegreichen Kriegen Kaiser 
Wilhelms I. 
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fürlt Otto von Bismarc, 
der größte Staatsmann des 19. Jahr- 
hunderts, bewirkte die Einigung 
Deutschlands durch Kaiser Wilhelm I.
        <pb n="238" />
        Das Haus H5G 
Friedrich VI., Burggraf von Nürnberg, J. 
Friedrich II. 1 171. Ar 
Johann Cicero f 1499. 
Joachim I. Nestor 1 1535 (Gemahlin Elisabeth von Schleswig-Holstein). Albrecht, Erwischof von Mainz und Magde 
Joachim II. Hektor 1571. Johann von Küstrin 1571. Alk 
  
  
I 
Johann Georg 1568. 
Joachim Friedrich 1608. Christian von Bayreuth (das Haus erlischt 1769). Joachim Ernst von Ansbach (das Haus 
Johann Sigismund 1619. (Gem. Anna von Preußen). Johann Georg von Jägerndorf. Christian, Administrator 
l 
Georg Wilhelm 1 1640. 
Friedrich Wilhelm der Große 1688 (1. Gem. Luise von Oranien). (2. 
Karl Emil +F 1674.Friedrich (III.) I. König von Preußen 1 1713 (Gem. Charlotte von Hannover). Ludwig 1 1687. 
Friedrich Wilhelm I. + 1740 (Gem. Sophie von Hannover). 
Wilhelmine driedri de Große August Wilhelm 1758. Heinrich 1802. 
  
  
  
  
  
  
v. Bayreuth — 
t17s8. Friedrich Wilhelm II. 1797. (Gem. Friederike von Hefsen-Darmstadt). " 
Friedrich Wilhelm III. 1 1840 (Gem. Luise von Mecklenburg-Strelitz). 
Friedrich Wilhelm IV. 1S (Gem. Elisabeth von Bayern). Wilhelm I. 1 1888 (Gem. Augusta von Weimar). 
Friedrich III. 1 1888 (Gem. Victoria von England). Luise (Gem. Friedrich von Baden). Fri 
Is · 
Wilhelmll.(Gem.AugusteVictoriavonSchleswig-Hocstein);Charlotte.Heinrich.SigismundinVictorimWal 
Wilhelm. Eitel Friedrich. Adalbert. August Wilhelm. Oskar. Joachim. Victoria= Luise.
        <pb n="239" />
        benzollern. 
Kurfürst von Brandenburg, 1 1440. 
erecht AUchilles K. 1486. 
Friedrich Markgraf von Ansbach. Sigismund von Bayreuth. 
  
  
  
burg. — Kasimir. Georg von Jägerndorf. Albrecht I. von Preußen. 
l l l 
recht Alcibiades von Bayreuth (Kulmbach). Georg Friedrich 1# 1603. Albrecht II. Friedrich 1618. 
+ 1557. (Gem. Marie Eleonore von Kleve.) 
— —— — — —— 
Anna. 
erlischt 1806). nna. Eleonore. 
von Magdeburg. 
Gem. Dorothea von Holstein). 
— 
lipp von Schwedt (das Haus erlischt 1788). Albrecht. Karl. Christian. 
— — 
l 
— — 
Friedrich (1 1741 bei Mollwit). Wilhelm (1 1744 vor Prag). Kark. 
  
  
  
Ferdinand. 
ouis Ferdinand (1 1806 bei Saalfeld). August. 
  
  
  
  
Ludwig. Heinrich. Wilhelm. 
— — — —— 
Karl. Albrecht. Fricdrich. Adalbert. Waldemar. 
— — — — — n 
drich Karl. Albrecht. Alexander. Georg. 
  
demar . Sophie. Margarete.
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