Bismarcks  pommersche  Heimak.

Wenn  bei  der  hundertsten  Wiederkehr  des  Geburtstages
  Bismarcks  die  einzelnen  deutschen  Gaue
sich  bemühen  werden,  ihre  Beziehungen  zu  ihm  aufzudecken,
  hervorzuheben,  was  er  ihnen  besonders
war,  was  er  ihnen  gab  oder  dankte,  dann  brauchen
wir  Pommern  nicht  zurückzustehen,  sondern  wir  können
  uns  mit  in  die  erste  Reihe  stellen.  Wenn  er
auch  in  der  Altmark  geboren  wurde,  wo  sein  Geschlecht
  seit  Jahrhunderten  ansässig  war,  so  ist  doch
in  recht  verstandenem  Sinne  von  Ernst  Moritz
Arndts  „Wo  dir,  o  Mensch,  Gottes  Sonne  zuerst
schien"  Pommern  seine  eigentliche  Heimat.  In  seinen
  frühesten  Kindheitserinnerungen  blaut  pommerscher
  Himmel,  blinkt  das  Wasser  pommerscher  Flüsse
und  Sümpfe,  rauschen  pommersche  Eichen,  wogt
pommersches  Korn,  jagen  pommersche  Rehe,  schnattern
  meinetwegen  auch  pommersche  Gänse,  schreitet
vor  allen  Dingen  aber  auch  mit  schweren  Schritten
ein  kernhaftes  Geschlecht,  wortkarg  und  kantig,  dessen
  soldatische  Tugenden  die  Grenadiere  lieferten,
auf  deren  Bajonette  er  sein  riesenhaftes  Lebenswerk
  aufbauen  konnte,  und  in  pommerschem  Nährboden
  wurzeln  die  Grundlagen  seines  Seins  und
Sinnens.

Wie  kam  das  altmärkische  Geschlecht  nach  Pommern?
  Im  Jahre  1727  kaufte  der  Oberst  August
Friedrich  von  Bismarck,  Chef  der  Gollnower
Schwadron  des  Regiments  Alt-Schulenburg,  späteren
  Regiments  Ansbach-Bayreuth  (heutigen  Kürassierregiments
  Königin),  ein  Schwiegersohn  Stephan

*)  Diese  Zeilen  stützen  sich  auf  die  vortreffliche
von  dem  Arzt  Dr.  G.  Rudolphson  und  dem  Lehrer
  E.  Kath  in  Naugard  bearbeitete  und  von  den
ersteren  herausgegebene  „Geschichte  Naugards,
  seiner  Umgebung  und  der
Grafen  v.  Eberstein“"  (Alg.  von  Mayer  u.
Müller  in  Berlin)  5  Mark.  Nicht  zuletzt  wegen  der
glänzenden  Geschichte  des  Ebersteiner  Grafengeschlechts,
  das  zur  Zeit  der  Greifenherzöge  das  angesehenste
  pommersche  Adelsgeschlecht  war,  verdieni
das  gründliche,  zuverlässtge  und  spannend  geschrie
bene  Buch  allen  Freunden  der  Vergangenheit  unse
rer  Heimatprovinz  für  öffentliche  Bibliotheken  und
den  eigenen  Bücherschrank  die  wärmste  Empfehlung.

Th.

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Von  Fritz  Thiele  in  Stettin.

Bernds  von  Dewitz,  die  bisherigen  von  Dewitzschen

Güter  Külz,  Jarchlin  und  Kniephof,  dicht  bei  dem
Städtchen  Naugard  gelegen,  für  den  Preis  von
23  000  Talern  *).  1739  erwarb  er  auch  noch

Schmelzdorf  (schon  zum  Kreise  Regenwalde  gehörig,)
hinzu.  Letzteres  blieb  Dewitzsches  Lehen,  d.  h.  die
Familie  behielt  das  Vorrecht,  es  jederzeit  wieder  an
sich  zu  bringen,  wogegen  die  Lehnsansprüche  der
übrigen  Güter  1751—53  ebenfalls  an  die  Bismarcks
übergingen.  Im  Jahre  1816  gelangten  die  drei
Güter  Külz,  Jarchlin  und  (Groß-)  Kniephof  durch
Erbschaft  in  den  Besitz  des  Rittmeisters  a.  D.  Ferdinand
  von  Bismarck,  des  Herrn  von  Schönhausen,
der  mit  seiner  Familie,  seiner  Gemahlin  Wilhelmine
  Luise,  geb.  Mencken  und  seinen  beiden  Söhnen
  Bernhard  und  Otto  im  Alter  von  6  und  1
Jahren  1816  nach  Kniephof  übersiedelte,  um  sich  der
Bewirtschaftung  der  drei  Güter  zu  widmen.  Hier
wuchsen  die  Kinder  —  in  Kniephof  gesellte  sich  noch
ein  Schwesterchen,  Malwine,  den  beiden  Brüdern
zu  —  heran,  und  Kniephof  war  das  Ziel  der
Sehnsucht  der  beiden  Knaben  während  der  Berliner
Schulzeit,  wenn  die  Ferien  die  strenge  Zucht  für
ein  paar  Wochen  aufhoben.  Der  alte  Fürst  erzählte
später,  daß  er  die  große  Wiese  im  Tiergarten  habe
ängstlich  meiden  müssen,  weil  ihm  dort  der  Gedanke
an  Kniephof  bis  zu  Tränen  gerührt  habe,  und  auch
die  Hühner  auf  dem  Hofe  der  Plamannschen  Erziehungsanstalt
  hätten  ihm  stets  Heimweh  gemacht.
Das  Glück,  die  Lust  und  Freiheit  des  Landlebens
in  vollen  Zügen  genießen  zu  können,  wurde  durch
die  mehrtägige  Reise  in  der  wackligen  Postkutsche
nicht  zu  teuer  erkauft.  Gern  plaudert  er  in  Briefen,
  und  Berichten  von  diesen  Ferienerlebnissen  in
seinen  Schülerjahren.  So  1829:

„Am  Freitag  sind  drei  hoffnungsvolle  junge
Leute,  ein  Brandstifter,  ein  Straßenräuber  und  ein
Dieb,  kurze  Zeit  vorher  zwei  gleichen  Gelichters,
aus  der  Anstalt  echappiert.  Die  ganze  Gegend  wimmelte
  von  Patrouillen,  Gensdarmen  und  Landsturm,
  man  war  seines  Lebens  nicht  sicher.  Am
Abend  rückte  die  Kniephofer  Reichserekutionsarmee
gegen  die  drei  Ungeheuer  aus,  bestehend  aus  25
Mann  Landsturm,  soviel  es  anging  mit  Schießge—
wehren,  Flinten,  Büchsen,  Musketen,  Pistolen,
übrigens  aber  mit  Forken  und  Sensen  bewafsffnet.