Alle  Uebergangspunkte  über  die  Zampel  wurden
besetzt.  Unser  Militär  war  aber  erschrecklich  in
Furcht,  wenn  sich  zwei  Abteilungen  begegneten,  riefen
  sie  einander  an;  aber  vor  Angst  wagte  niemand
zu  antworten,  die  Einen  liefen,  was  sie  konnten,
die  Andern  verkrochen  sich  hinter  die  Büsche.“"

In  seiner  pommerschen  Heimat  lernte  er  auch
den  Mann  kennen,  dessen  ernste  Vorstellungen  ihn
später  auf  den  Sessel  des  Ministerpräsidenten  brachken,
  den  damaligen  Leutnant  Albrecht  von  Roon:;
und  gern  erinnerte  er  sich  später,  wie  er  mit  ihm
und  seinem  Freunde  Moritz  von  Blanckenburg  aus
Zimmerhausen  auf  der  Sabower  Heide  der  Hühnerjagd
  obgelegen  habe.  —

Wie  bekannt,  befriedigte
amtenlaufbahn  nicht.  „Die  Personen  und  Einrichtungen
  unserer  Justiz  gaben  meiner  jugendlichen
Auffassung  mehr  Stoff  zur  Kritik  als  zur  Anerkennung.“
  (Gedanken  und  Erinnerungen.)  Als  nun
auch  noch  die  Vermögensverhältnisse  seiner  Familie
sich  verschlechterten,  und  die  Verwaltung  der  pommerschen
  Güter  eine  feste  Hand  erforderte,  wandte
er  seinem  bisherigen  Berufe  ohne  Kummer  den,
Rücken  und  kehrte  in  seim  geliebtes  Pommern  zurück,
  um  mit  seinem  Bruder  gemeinschaftlich  die
Bismarckschen  Güter  zu  bewirtschaften.  In  Jahren
angestrengter  Arbeit  hat  sein  Pflug  die  pommersche
Scholle  gebrochen,  seine  Sichel  die  pommerschen
Wiesen  geschnitten,  und  es  gelang  seiner  Arbeitsamkeit
  und  seiner  Sparsamkeit,  die  heruntergewirtschafihn

  nachher  die  Beteten

  Güter  in  die  Höhe  zu  bringen.  Aber  in
AKniephof  fanden  neben  ernster  Arbeit  auch  Frohsinn
  und  überschäumender  Lebensübermut  eine

Stätte,  und  man  verstand  es,  nach  sauren  Wochen
frohe  Feste  zu  feiern,  sehr  frohe  Feste  sogar,  wo
Büchsenknall  und  Becherklang  das  Binkbank  gedengelter
  Sensen  und  den  dumpfen  Drescherschlag  ablösten.
  Durch  manchen  übermütigen  Scherz  wurde
er  in  der  Umgegend  bekannt  und  erwarb  den  Namen
  „Der  tolle  Junker  vom  Kneiphof“,  und  in  jener
  Gegend  sind  noch  heutzutage  Anekdoten  aus
den  Brausejahren  des  Altreichskanzlers  im  Umlauf,
in  denen  krachende  Schießeisen,  knarrende  Sättel
und  geschwungene  Humpen  eine  Rolle  spielen,  und
die  noch  keine  geschwätzige  Druckerschwärze  in  weite
Kreise  trug:  Efeuranken  der  Sage  am  Granit  gewaltiger
  Persönlichkeiten.  Seine  Stadtbesuche  galien
  oft  dem  Hotel  Roloff  in  dem  benachbarten
Naugard,  und  gern  verblüffte  er,  wenn  er  vor  die
Tür  ritt,  dort  beim  Schoppen  sitzende  Bekannte,  indem
  er,  die  Hände  auf  den  Sattelknopf  gestemmt,
mit  kräftigem  Spreizsprung  über  den  Kopf  des
Pferdes  hinweg  absaß."“

Aber  man  würde  den  Bismarcks  Unrecht  tun,
wenn  man  ihnen  nachreden  wollte,  sie  hätten  ihren
Tatendrang  nur  in  tollen  Streichen  entladen.  Ihr
Feuergeist  trieb  sie  zu  höheren.  Taten.  Als  1841
der  Landratsposten  des  Naugarder  Kreises  frei
wurde,  traten  beide,  sein  Bruder  Bernhard,  der  sich
schon  1838  als  Kreisdeputierter  hatte  wählen  las-Unser

  Dommerland  3

sen,  und  er  selbst  als  Kandidaten  für  diesen  Posten
auf,  „vielleicht,  wie  Marcks  meint,  ein  taktischer
Zug  zur  Fernhaltung  eines  unbequemen  Mitbewerbers.
  vielleicht  nur  zur  Anmeldung  Ottos  auf
die  Erbschaft  des  aufrückenden  Bruders  als  Deputierten.“
  Bernhard  wurde  von  der  Ritterschaft  des
Kreises  mit  31  Stimmen  gewählt  und  von  der  Regierung
  bestätigt,  und  er  hat  dieses  Amt  während
des  ganzen  ungeahnten  Aufstieges  seines  jüngeren
Bruders  fast  ein  halbes  Jahrhundert  hindurch  bis
1888  inne  gehabt.  Er  hat  mit  seinem  Bruder  stets
in  enger  Fühlung  gestanden,  er  ist  es  auch  gewesen,
  der  ihn  immer  von  neuem  gedrängt  hat,  in
den  Staatsdienst  zu  treten,  für  den  er  geboren  sei.

Otto  von  Bismarck  hatte  bei  jener  Landratswahl
  18  Stimmen,  ein  andrer  dritter  Bewerber
19  Stimmen  erhalten.  Zum  Kreisdeputierten  wurde
Bismarck  dann  aber  1842  mit  allen  Stimmen  —
außer  der  eigenen  —  gewählt,  nachdem  eine  andere
Wahl  für  ungiltig  erklärt  worden  war,  in  der  er
auch  schon,  allerdings  nur  mit  einer  Stimme  Mehrheit,
gewählt  worden  war.  Die  bisher  gemeinschaftlich
verwalteten  Güter  wurden  nun  so  unter  die  beiden
Brüder  verteilt,  daß  der  Landrat  Bernhard  Kül:
erhielt,  während  der  Kreisdeputierte  Otto  Jarchlin
und  Kuiephof  bewirtschaftete.

Ueber  sein  erstes  selbstständiges  Wirken  im
Staatsdienst,  als  er  in  seiner  Eigenschaft  als  Kreisdeputierter
  seinen  abwesenden  Bruder  Landrat  vertreten
  mußte,  schreibt  er  —  Frühjahr  1844  —  „Ich
habe  seit  bald  nach  dem  Wollmarkt  unsern  vagabondierenden
  Landrat  zu  vertreten,  viel  Feuer,  viel
Termine  bei  starker  Hitze  und  viele  Reisen  in  sandigen
  Kienheiden  gehabt,  so  daß  ich  des  Landratspielens
  vollkommen  überdrüssig  bin  und  mein,
Pferd  auch.“  Humorvoll  schildert  er  auch  einen  Zusammenstoß,
  den  er  in  dieser  Zeit  mit  der  Regierung
  hatte,  in  den  „Gedanken  und  Erinnerungen“:
„Ich  erhielt  von  der  Regierung  den  Auftrag,  den
„Patron  von  Külz,  der  ich  selbst  war,  zur  Uebernahme
  gewisser  Lasten  zu  bewegen.  Ich  ließ  den
Auftrag  liegen,  um  ihn  dem  Landrate  bei  seiner
Rückkehr  zu  übergeben,  wurde  wiederholt  erxzitiert
und  eine  Ordnungsstrafe  von  einem  Taler  wurde
mir  durch  Postvorschuß  auferlegt.  Ich  setzte  nun
ein  Protokoll  auf,  in  welchem  ich  erstens  als  stellvertretender
  Landrat,  zweitens  als  Patron  von
Külz  als  erschienen  aufgeführt  war.  Komparent
machte  in  seiner  Eigenschaft  ad  1  sich  die  vorgeschriebene
  Vorhaltung,  entwickelte  dagegen  in  der
ad  2  die  Gründe,  aus  denen  er  die  Zumutung  ablehnen
  müsse,  worauf  das  Protokoll  von  ihm  dodpelt
  genehmigt  und  unterschrieben  wurde.  Die  Regierung
  verstand  Scherz  und  ließ  mir  die  Ordnungsstrafe
  zurückzahlen."

Mit  galligem  Humor  äußert  er  sich  auch  sonst,
wenn  er  mal  wieder  gezwungen  war,  seinen  Bruder
  zu  vertreten.  So  1845  an  seine  Schwester:  „In
Naugard  fand  ich  viel  Schnee,  viel  Akten  und  viel
Kinder,  die  Zähne  bekommen.  Schnee  liegt  hier