Der  Nordische  Krieg
in  den  deutschen  Ostseegebieten

Vorwort.

Die  dargebotenen  Quellenstücke  sollen  zwar  in  er—
ster  Linte  ein  Beitrag  zur  Heimatkunde  Pommerns
fein;  aber  sie  greifen  doch  auch  wesentlich  ein  in
eine  große  Epoche  preußischer  und  europäischer  Geschichte.
  Damit  erweckt  die  Stammesgeschichte  nicht
nur  Interesse  für  die  engere  Heimat,  sondern  sie
verbindet  dieses  mit  dem  allgemeinen  Interesse  für
große  politische  Fragen  der  Vergangenheit.  Daß
gerade  derartige  Stoffe  von  hervorragendem  bilden—
den  Werte  sind,  bedarf  keiner  weiteren  Erörterung.

Die  Darstellung  der  gebotenen  Quellenstücke  ist,
was  den  Inhalt  betrifft,  so  gegeben,  daß  sie  alle  in
einem  inneren  Zusammenhange  stehen,  im  ganzen
also  Höhepunkte  einer  geschlossenen  Einheit  sind.
Inbezug  auf  die  Form  ist  die  ursprüngliche  Eigen—
apt  so  viel  als  möglich  gewahrt  geblieben;  nur  die
Satzkonstruktion  ist,  wenn  es  nötig  war,  zu  gunsten.
einer  leichteren  Auffassung  mit  Vorsicht  abgeändert.

Die  innere  Verbindung  der  Quellenstücke  ist  aus
der  voranstehenden  „Einleitung“  leicht  zu  ersehen.

Für  das  freundliche  und  bereitwillige  Entgegenkommen,
  welches  mir  von  der  Verwaltung  der
Königl.  Bibliothek  zu  Greifswald,  sowie  derjenigen
des  Königl.  Staats-Archivs  zu  Stettin  zu  Teil  geworden
  ist,  gestatte  ich  mir  an  dieser  Stelle  meinen
herzlichen  Dank  zu  sagen.  So  darf  ich  auch  dem
Direktorium  der  Kriegsgeschichtlichen  Abteilung  des
Großen  Generalstabes  in  Berlin  danken  für  die
wertvollen  Hinweise,  die  ich  von  dort  erhalten  habe.

Anklam,,  den  2.  Mai  1914.

Der  Verfasser.

Einleitung.

Schweden  hatte  durch  den  Westfälischen  Frieden
seine  Machtstellung  unter  den  nordischen  Staaten  bedeutend
  verstärkt;  denn  die  Erwerbung  der  deutschen
  Ostseeküste  mit  der  Odermündung  bot  ihm  in
politischer,  militärischer  und  wirtschaftlicher  Hinsicht
Vorteile  dar,  wie  sie  seine  Nachbarn  nicht  aufzuweisen
  hatten.

Kein  Wunder,  daß  auch
Adolfs  und  seiner  Tochter

1  Q  T
der  Nachfolger  Gustav
Christine,  Karl  X.

(I711—1720)  in  CQuellen  dargestellt.

Von  TLudwig  Beyer,  ksl.  Seminarlehrer.

Gustav  von  Pfalz-Zweibrücken,  ein  Schwestersohn
des  großen  Schwedenkönigs,  in  die  Bahnen  schwedischer
  Eroberungs=  und  Machtpolitik  eintrat.  Er
warf  im  Jahre  1656  das  polnische  Reich  nieder,
wurde  aber  an  der  weiteren  Ausführung  seiner
Pläne  gehindert,  da  der  Kurfürst  Friedrich  Wilhelm
  von  Brandenburg  sich  nach  der  Schlacht  von
Warschau  1656  von  dem  Bunde  mit  Schweden  lossagte.
  Zu  gleicher  Zeit  drohte  Dänemark.  Karl  X.
wandte  sich  dem  neuen  Feinde  zu  und  zwang  ihn

im  Frieden  zu  Roeskild  1658  die  Landschaften
Schonen,  Blekingen,  Halland,  sowie  die  Insel
Bornholm  und  einen  Teil  von  Norwegen  an

Schweden  abzutreten.

Der  unerwartete  Tod  Karl  Gustavs  führte  nichl
nur  den  Frieden  von  Kopenhagen  (1660),  der  mit
Ausnahme  von  Bornholm  und  Drontheim  den
Noeskilder  Vertrag  bestätigte,  sondern  auch  den
Frieden  von  Oliva  (1660)  herbei,  in  welchem  Johann
  Kasimir  von  Polen,  als  Sproß  aus  dem
Hause  Wasa,  seinen  Ansprüchen  auf  Schweden  entsagte
  und  Esthland,  Livland  mit  der  Insel  Oesel
an  dasselbe  abtrat.

Unter  dem  tüchtigen,  staatsklugen  Karl  XI.
(1660—1697)  hatte  Schweden  nicht  nur  seine  äußere

Macht  erhalten,  sondern  es  war  auch,  im  Innern,
gefestigt  durch  eine  beherrschende  Krongewalt,  zu

einer  hohen  Blüte
kommen.  6

Die  feindlichen  Nachbarn,  vor  allen  Rußland,
warteten  nur  auf  eine  günstige  Gelegenheit,  Schweden
  aus  dieser  gebietenden  Stellung  zu  werfen:
und  diese  bot  sich,  als  Karl  XI.  unerwartet  starb
und  ihm  sein  minderjähriger  Sohn  Karl  XII.
folgte.  (1697.)

Der  Zar  Peter  I.  von  Rußland  schloß  mit
August  II.,  dem  Starken,  von  Polen,  und  dem  Kö—
nig  Friedrich  IV.  von  Dänemark  ein  Bündnis,  das
den  bestimmten  Zweck  hatte,  die  schwedischen  Ostseeländer
  mit  Waffengewalt  zu  nehmen  und  damit  die
herrschende  Stellung  des  mächtigen  Nachbarreiches
für  immer  zu  brechen.

So  begann  der  nordische  Krieg  1700.  Während
der  Zar  in  Ingermanland,  König  August  mit  einem

wirtschaftlichen  Lebens  ge-