sächsischen  Heere  in  Livland  einfielen,  warf  fich  der
König  von  Dänemark  auf  Schleswig,  um  dort  die
Besitzungen  des  Herzogs  von  Holstein-Gottorp,
eines  Schwagers  Karls  VII.,  der  den  Gottorper  in
seinen  Rechten  gegen  Dänemark  geschützt  hatte,  anzugreifen.


Aber  Karl  XII.,  ein  18jähriger  Jüngling  von
kühnem  Geist  und  entschlossenem  Willen,  wandte  sich,
gedeckt  durch  ein  Bündnis  mit  Brandenburg,  England
  und  Holland,  schnell  gegen  Seeland  und
zwang  den  Dänenkönig  zum  Frieden  von  Travendal
  (1700),  in  welchem  dieser  die  Rechte  des  Herzogs
  von  Holstein-Gottorp  anerkennen  und  dem
Bündnis  mit  Rußland  entsagen  mußte.

Nun  wandte  sich  Karl  gegen  den  Zaren,  der
Narva  in  Ingermanland  belagerte,  siegte  dort
(1700)  gegen  eine  zehnfache  russische  Uebermacht,
schlug  bald  darauf  König  August  bei  Riga  und  vertrieb
  die  Sachsen  aus  Livland,  Kurland  und  Litauen.
  Dann  rückte  der  siegreiche  Schwedenkönig  in
Polen  ein,  eroberte  Warschau,  schlug  das  sächsischpolnische
  Heer  bei  Clissowa  (1702)  und  bei  Pultusk
  (1703),  worauf  der  polnische  Reichstag  sich
seinem  Willen  fügen  mußte,  König  August  abzusetzen
  und  den  Woiwoden  von  Posen,  Stanislaus
Lescinski,  zum  König  zu  wählen.  Mit  solchen  Erfolgen
  noch  nicht  zufrieden,  ging  Karl  durch  Schlesien,
  setzte  bei  Steinau  über  die  Oder  und  brach  in
Sachsen  ein,  wo  er  den  König-Kurfürsten  nach  einer
schweren  Züchtigung  seines  Landes  zum  Frieden
von  Alt-Ranstädt  nötigte,  in  welchem  dieser  der
polnischen  Krone  selbst  entsagte  und  das  Bündnis
mit  Rußland  aufgab.  (1706.)  Nun  wandte  sich
Karl  von  neuem  gegen  den  Zaren,  der  unterdessen
die  Ostseeländer  erobert,  dort  Petersburg  und  Kronstadt
  gegründet  hatte,  und  nun  Littauen  besetzt  hielt.

Nachdem  ihn  Karl  von  dort  vertrieben  hatte,
faßte  er  den  abenteuerlichen  Plan,  nach  der  Ukraine
zu  ziehen,  um  dort  die  Verbindung  mit  dem  Kosakenhetman
  Mazeppa  herzustellen.  Da  trafen  ihn
schwere  Unglücksschläge.  Sein  eignes  Heer  erlitt
durch  Krankheiten  in  den  öden  und  sumpfigen  Gegenden
  schwere  Verluste,  Mazeppa  konnte  die  versprochene
  Hilfe  nicht  leisten  und  der  schwedische  General
  Lewenhaupt,  der  seinem  Könige  mit  einem
Korps  von  11  000  Mann  sowie  reichlichen  Lebensmitteln
  folgen  sollte,  büßte  unterwegs  den  größten
Teil  seiner  Armee  ein.
auf  das  feste  Poltawa;  er  wurde  dort  vom  Zaren
entscheidend  geschlagen.  (1709.)  Mit  einem  geringen
  Reste  seines  Heeres  erreichte  der  Kenig  den
Bug  und  erhielt  vom  Pascha  von  Bender  Aufnahme
und  auf  Befehl  des  Sultans  Achmed  III.  Unterhalt
  und  Unterstützung.

Nun  bemühte  sich  Karl  um  ein  Bündnis  mit
dem  Sultan.  Die  Furcht  der  Alliierten,  von  Süden
  her  von  den  Türken,  von  Norden  her  von  dem
in  Pommern  stehenden  schwedischen  General  Crassau
angegriffen  zu  werden,  bewog  sie  zu  außerordentlichen
  Maßnahmen.

Karl  warf  sich  vergeblich

Unser  Dommerland  1

Kurfürst  Friedrich  August  erließ  in  seinen  sächsischen
  Erblanden  ein  umfangreiches  Aufgebot  und
der  Zar  suchte  durch  ein  Manifest  an  den  Regensburger
  Reichstag  die  deutschen  Reichsstände,  in  erster
  Linie  den  Kaiser  zu  bewegen,  durch  Aufstellung
eines  Neutralitätskorps  an  den  schlesischen  Grenzen
die  Türkengefahr  zu  bannen.  (Siehe  die  beiden
ersten  Quellenstücke.)

Während  Karl  XII.  fernab  in  der  Türkei  weilte,
einigten  sich  die  Gegner  zu  neuem  Bunde.  August
von  Sachsen  hatte  die  polnische  Krone  wiedergewonmen,
  der  Zar  alle  schwedischen  Gebiete  an  der
Ostsee  besetzt  und  Dänemark  von  den  schwedischdeutschen
  Ländern  Bremen  und  Verden  in  Besitz
genommen.  Nur  Schleswig-Holstein  war  noch  gesichert
  durch  das  Neutralitätsbündnis  (das  sogenannte
  Haager  Concert)  zwischen  Preußen,  England,
  Frankreich  und  Holland.  Sowohl  in  London,
al,s  auch  im  Lager  der  nordischen  Alliterten  erkannte
  man,  daß  der  Ausgang  dieses  Krieges  von
der  Stellung  Preußens  abhängig  sei.  Seit  dem
Jahre  1711  lagerte  auf  deutschem  Reichsboden  und
zwar  in  Mecklenburg  und  Schwedisch-Vorpommern
ein  starkes  Heer  der  nordischen  Verbündeten  mit  der
Aufgabe,  Stettin,  Stralsund  und  Wismar  einzunehmen.
  Russen  und  Sachsen  hatten  ihren  Weg
durch  das  neutrale  preußische  Gebtet  genommen,
während  die  preußischen  Truppen  in  Italien  und
Brabant  im  spanischen  Erbfolgekriege  siegreich  für
Kaiser  und  Reich  kämpften.  Trotzdem  nun  auch  die
schwedischen  Besitzungen  in  Deutschland  bedroht
wurden,  wich  Karl  XII.  nicht  aus  der  Türkei.

Unterdessen  machte  der  schwedische  Reichsrat  verzweifelte
  Anstrengungen,  das  drohende  Unheil  noch
einmal  abzuwenden.  General  Steenbock  landete
1712  mit  einer  ansehnlichen  Truppenmacht  auf  Rügen,
  setzte  Ende  Oktober  desselben  Jahres  nach
Stralsund  über  und  öffnete  sich  am  3.  November
gewaltsam  den  Paß  bei  Damgarten  (siehe  Quellenstück);
  der  Weg  nach  Mecklenburg  und  Holstein  war  frei.

Steenbock  rückte  unverzüglich  in  Mecklenburg  ein
und  schlug  Sachsen  und  Dänen  entscheidend  bei
Gadebusch  am  12.  Dezember  1712.  (Siehe  Quellenstück.)
  Russische  und  sächsische  Truppenteile,  die  vor
Stettin  lagerten,  gingen  nach  dem  neuen  Kriegsschauplatze
  ab.  Der  Zar  selbst  kam  nach  Vorpommern
  und  nahm  in  Greifswald  und  Demmin
Aufenthalt.  General  Steenbock  aber  drang  mit  seinem
  Heer  in  Holstein  ein  und  ließ  Altona  verbrennen;
  darauf  ergriff  der  Zar  eigenmächtig  Gegenmaßregeln
  und  gab  den  Befehl,  die  Städte
Gartz  a.  O.,  Wolgast  und  Anklam  zu  plündern  und
einzuäschern.  Die  beiden  ersten  Städte  gingen  in
Flammen  auf,  Anklam  wurde  vor  dem  gleichen
Schicksale  bewahrt.  (Siehe  die  Quellenstücke.)

Während  dessen  ging  Steenbock  nach  Tönningen
in  Schleswig,  wurde  dort  von  den  Dänen  eingeschlossen
  und  am  20.  Mai  1713  zur  Kapitulation
gezwungen.  Damit  war  die  letzte  schwedische  Feldarmee
  unschädlich  gemacht,  und  die  Nordischen  Al-