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liierten  waren  mit  Ausnahme  der  Festungen  Stettin
  und  Stralsund  im  Umkreis  der  schwedischen
Herrschaft  an  der  Südseite  der  Ostsee  Herren  der
Lage.

III.  Während  seiner  ganzen  Regierungszeit  hat
König  Friedrich  I1.  von  Preußen,  auch  als  der
Krieg  schon  an  den  Grenzen  seines  Landes  geführt
  wurde,  den  nordischen  Verwickelungen  gegenüber
  die  von  der  „Großen  Allianz“  *)  ihm  auferlegte
Neutralität  beobachtet,  und  auch  Friedrich  Wilhelm
  I.  hat  noch  unmittelbar  nach  seiner  Thronbesteigung
  einen  ihm  von  russischer  Seite  vorgelegten
Entwurf,  der  zwischen  den  nordischen  Mächten  und
Preußen  ein  gemeinsames  Vorgehen  bezweckte,  abgelehnt.
  Daß  der  König  später  doch  den  Entschluß
faßte,  in  die  Verwickelungen  einzugreifen,  das  war
den  erfolgreichen  Bemühungen  der  Männer  zu  danken,
  die  zur  Zeit  die  Leitung  der  holstein-gottorpschen
  Politik  in  den  Händen  hatten,  Bischof  Christian
  August  von  Lübeck  mit  seinen  Ratgebern  Ger
und  Bassewitz.  Ausschlaggebend  für  die  Stellung
des  Königs  mag  wohl  die  Aussicht  auf  die  Erfüllung
  eines  alten  Wunsches  brandenburgischer  Hauspolitik
  gewesen  sein,  die  Erwerbung  Stettins  mit
den  Odermündungen.

Die  Gottorper  Politiker  hofften  durch  das  Eingreisen
  Preußens  die  dänischen  Ansprüche  auf  die
Besitzungen  des  Hauses  Holstein-Gottorp  abzuwehren,
  die  gerade  in  der  Zeit  um  so  dringlicher  erhoben

  wurden,  seit  Steenbock  in  die  gottorpsche
Festung  Tönningen  eingelassen  war,  obgleich  die
Gottorper  Neutralität  zugesichert  hatten.  (Siehe  die

Quellenstücke.)  Was  dem  gottorpschen  Anerbieten
noch  mehr  Nachdruck  geben  konnte  war  der  Umstand,
  daß  der  junge  Herzog  von  Holstein-Gottorp,
ein  Neffe  des  unvermählten  Karl  XII.,  vermutlich
dessen  Nachfolger  auf  dem  schwedischen  Throne
wurde.  Dazu  kam,  daß  die  Regenten  in  Stockholm
bei  Karls  fortgesetzter  Weigerung  aus  der  Türkei
heimzukehren,  dem  Gedanken  Raum  gaben,  durch
Aufgabe  der  deutschen  Besitzungen  dem  Geschicke
Schwedens  eine  neue  Wendung  zu  geben.

König  Friedrich  Wilhelm  I.  griff  ein,  als  die
Dänen  auch  nach  der  Kapitulation  Steenbocks  die
Belagerung  Tönningens  fortsetzten,  trotzdem  es  die
Sachsen  und  Russen  nicht  billigten.  (Quellenstück.)
Darauf  übergab  Bassewitz  in  Berlin  einen  Vertragsentwurf,
  wonach  Preußen  an  England  und  Hannover
  erklären  sollte,  daß  es  bereit  sei,  diese  Mächte
in  allem  zu  unterstützen,  was  sie  zur  Wiedereinsetzung
  des  Gottorpers  tun  würden;  ferner  sollte  es
die  Ansprüche  des  jungen  Herzogs  auf  den  schwedischen
  Thron  unterstützen,  wofür  dieser  dafür  eintreten
  solle,  daß  Preußen  in  den  Besitz  Vorpommerns
  bis  zur  Peene  gelange.  An  diesem  Vertrage
war  nun  auch  Rußland  insoweit  interessiert,  als  sich
Preußen  verpflichtet  hatte,  für  den  Fall  der  Be-*)

  Bem.  Der  Bund  der  Seemächte  mit  Oesterreich
  und  Preußen  gegen  Frankreich.

Anser  Pommerland

setzung  Stettins  den  Durchmarsch  schwedischer  Trup—
pen  aus  Pommern  nach  Polen  oder  Rußland  nicht
mehr  zu  gestatten.

Da  unter  dieser  Voraussetzung  sowohl  der  russische
  Gesandte  in  Berlin,  Golowkin,  als  auch  der
Oberbefehlshaber  der  zarischen  Truppen  in  Norddeutschland,
  Menschikoff,  sich  mit  den  preußischen
Plänen  einverstanden  erklärten,  wurde  der  Vertrag
am  22.  Juni  in  Berlin  unterzeichnet,  nach  welchem
preußische  und  holsteinische  Truppen  Stettin  und
Wismar  besetzen,  (S.  Quellenstück.)  und  gleichzeitig
Stralsund  und  Rügen  gegen  einen  feindlichen  Einmarsch
  decken  sollten.  Der  Herzog  gab  das  Versprechen,
  sein  Aeußerstes  zu  tun,  um  Preußen  bei
dem  künftigen  Frieden  in  den  Besitz  der  vorpommerschen
  Lande  bis  zur  Peene  zu  bringen.

Für  Preußen  war  aber  als  Vorbedingung  für
die  Erfüllung  des  Vertrages  die  Uebergabe  von
Stettin  durch  den  dort  kommandierenden  schwedischen
General  von  Meyerfeldt  gewesen.  Dieser  weigerte
sich  jedoch,  ohne  ausdrücklichen  Befehl  seines  Königs,
  auf  dessen  Heimkehr  er  immer  noch  hoffte,  die
Stadt  zu  übergeben.  Da  sich  die  „Nordischen  Alliierten“
  eben  anschickten,  Stettin  zu  belagern,  —  es
waren  in  erster  Linie  russische  Truppen,  —  so  sah
sich  Preußen  gezwungen,  dazu  Stellung  zu  nehmen.
Damit  begann  seit  Mitte  Juli  1713  die  Konferenz
zu  Schwedt  a.  O.  Die  Verbündeten  waren  zwar
bereit,  Preußen  den  Segquester  von  Stettin  einzuräumen,
  es  sollte  sich  aber  verpflichten,  dafür  die
Verpflegung,  Munition  und  Belagerungsgeschütze  zu
liefern.  Friedrich  Wilhelm  war  aber  nicht  zu  einem
Neutralitätsbruch  zu  bewegen  und  lehnte  ab.

Die  Uebergabe  von  Stettin  und  der  Ausmarsch
der  schwedischen  Truppen  führte  dann  zum  Abschluß
  des  Vertrages  vom  6.  Oktober,  der  im  Namen
  der  Verbündeten  von  Menschikoff  unterzeichnet
wurde.  Dieser  Schwedter  Vertrag  bestimmte,  daß
Preußen  Stettin  und  das  Land  bis  zur  Peene  bis
zum  eintretenden  Frieden  in  Sequester  nehmen  und
den  Verbündeten  eine  Kriegskostenentschädigung  von
400  000  Talern  zahlen  sollte.  Darauf  rückten  die
Preußen  in  Pommerns  Hauptstadt  ein,  und  die
Russen  marschierten  nach  Polen  ab.  Friedrich  Wilhelm
  erschien  selbst  in  Stettin  und  nahm  Stadt  und
Festung  in  Augenschein.

Allein  da  Karl  XII.  die  abgeschlossenen  Verträge
weder  für  seine  Person  noch  für  Schweden  überhaupt
  für  verbindlich  erachtete,  so  sah  sich  Friedrich
Wilhelm  gezwungen,  mit  Rußland  einen  zweiten
Vertrag  abzuschließen  (12.  Juni  1714).  Danach
sicherte  ihm  der  Zar  Vorpommern  von  den  Odermündungen
  bis  zur  Peene  mit  den  Inseln  Wollin
und  Usedom  nebst  Wolgast  als  Besitz  zu;  diesem
Vertrage  traten  im  Jahre  1715  auch  Dänemark  und
Hannover  bei.

Während  dieser  Vorgänge  war  Karl  XII.  am
22  November  1714  in  Stralsund  eingetroffen  und
mit  großer  Begeisterung  empfangen  worden.  Schweden
  und  seine  Freunde  hofften  noch  auf  Rettung.