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ihren  schweren  Geschützen  die  Fahrstraße  nach  dem
Innern  der  Bucht.  Die  Hauptmasse  der  schwedi—
schen  Truppen  war  aber  in  Bergen  konzentriert;  sie
kotzstte  von  hier  aus  leicht  an  die  bedrohten  Orte
gebracht  werden.

Aber  die  verbündeten  Preußen  und  Dänen  blie—
ben  nach  glücklich  vollbrachter  Landung  nicht  untätig.
  Unter  den  Augen  des  Fürsten  Leopold  von
Dessau  wurden  sofort  im  Halbkreise  um  Groß-Stresow
  Schanzen  aufgeworfen  und  mit  Infanterie  und
Artillerie  besetzt;  dahinter  nahm  Kavallerie  Aufstellung.
  Am  frühen  Morgen  des  16.  November  griff
Karl  mit  1000  Mann  Fußvolk  und  2500  Mann
Reiterei  und  8  Geschützen  diese  feste  Stellung  an.
Drei  von  den  schwedischen  Truppen  mit  großer
Tapferkeit  ausgeführte  Sturmangriffe  wurden  abgeschlagen;
  ihre  Niederlage  vollendete  die  preußische
  Reiterei.  Der  Feind  hatte  sich  in  fluchtartigem
Rückzuge  nach  der  Schanze  bei  Altefähr  gewandt.
Da  Putbus  und  Bergen  unbesetzt  blieben,  so  konnten
  die  Verbündeten  schnell  auf  diese  letzte  Stellung,
der  Schweden,  die  sie  auf  Rügen  noch  hatten,  marschieren.
  Es  bedurfte  keines  Sturmes;  zwei  Generale
  und  2000  Mann  ergaben  sich  kriegsgefangen.

Die  vereinzelten  Posten  auf  der  Insel  wurden  bald

entwaffnet;  die  dänischen  Truppen  hielten  Rügen
besetzt,  die  preußischen  rückten  in  das  Belagerungskorps
  vor  Stralsund  ein.

Man  hoffte  nun  auch  bald  die  Festung,  die  letzte
Stellung  der  Schweden  auf  pommerschem  Boden,  in
die  Hand  zu  bekommen.  Allein  Stralsund  widerstand
  noch  über  sechs  Wochen  nach  dem  Falle  Rügens.
  Da  die  Verbündeten  weder  die  Anerbietung
Karl  XII.,  noch  die  des  französischen  Vermittlers
annahmen,  die  Festung  aber  länger  nicht  zu  halten
war,  so  entschloß  sich  der  König,  die  Stadt  zu  verlassen
  und  nach  Schweden  zurück  zu  kehren.  An
demselben  Tage  (22.  Dezember)  erfolgte  durch  den
General  v.  Dücker  die  Uebergabe.  Friedrich  Wilhelm
  zog  seine  Truppen  nun  aus  diesem  Teile
Pommerns  zurück,  behielt  aber  das  übrige  zwischen
Oder  und  Peene  gelegene  Gebiet  mit  Stettin  besetzt.
  Im  Jahre  1716  wurde  hier  die  Lehnsinvestitur
  der  Ritterschaft  vollzogen  und  1717  die
Vertreter  Stet  ins  durch  Handschlag  zum  Gehorsam
auf  den  König  von  Preußen  verpflichtet.

Eine  vertragsmäßige  Abtretung  der  besetzten  und
früher  bereits  garantierten  Gebiete  (stehe  Quellenstück)
  war  damit  freilich  noch  nicht  erreicht.  Aber
Preußen  beachtete  weder  die  Proteste  der  Wiener
Hofburg  und  des  Kurfürsten-Königs  von  Hannover-England,
  noch  die  Karls  XII.  und  hielt  vor  der
Hand  an  dem  Bündnis  mit  dem  Zaren  fest.  Als
aber  Karl  am  11.  Dezember  1718  in  den  Laufgräben
  vor  Friedrichshall  in  Norwegen  erschossen
wurde,  da  lenkte  seine  Nachfolgerin  Ulrike,  die  Gemahlin
  des  Prinzen  Friedrich  Karl  von  Hessen-Kassel,
  zu  Verhandlungen  ein,  die  zum  Frieden
von  Stockholm  am  20.  August  1719  führten.

Unser  Pommerland.

Ihrer  Königl.  Majestät  in  Polen“)
und
Kurst.  Durchl.  zu  Sachsen  etc.
MANDAT
Wegen  eines  besorgenden  gewaltsamen  feindlichen
Einbruchs  mit  der  Stellung  des  Landvolkes  zu
halten.  Im  Jahre  1711.

Wir  Friedrich  Augustus  von  Gottes  Gnaden
König  in  Polen  2c.,  Herzog  zu  Sachsen  und  Kurfürst
  2c.  Entbieten  allen  und  jeden  Unsern  Prälaten,
  Grafen,  Herren,  denen  von  der  Ritterschaft,
Bürgermeistern  und  Räten  in  Städten,  Richtern,
Schultheißen  in  Flecken  und  Dörfern,  auch  insgemein
  allen  Unsern  Unterthanen  Unsern  Gruß,
Gnade  und  geneigten  Willen,  und  setzen  hiernächst
außer  Zweifel,  es  werde  denselben  noch  erinnerlich
sein,  welcher  Gestalt  Wir  bisher  aus  landespäterlicher
  Sorgfalt  unterschiedene  gute  Anstalten  zu
einem  sichern  und  zulänglichen  Verteidigungsstande
wider  ungerechte  Gewalt  und  feindliche  Einbrüche
zu  machen  gesuchet.  Daher  Wir  denn  nicht  nur  im
Jahre  1709,  als  damals  die  Vermutung  eines  Einfalles
  von  den  Schwedischen,  unter  dem  Generalmajor
  Crassau  stehenden  Corps,  aus  Polen  vermutet
  wurde,  ein  öffentliches  Mandat  unterm  21.
September  selbigen  Jahres  ins  Land  publicieren
lassen,  auch  darüber  in  einem  andern  Restkript  Erläuterung
  getan,  wie  sich  auf  selbigen  Fall  mit  dem
Aufgebot  des  Landesvolkes  und  sonst  allenthalben
zu  verhalten,  sondern  auch  noch  unlängst  durch  ein
abermaliges  Patent  unterm  25.  Juli  des  jüngsthin
verflossenen  Jahres  1710  und  darauf  erfolgte  fernere
  Deklaration  in  einem  Restript  vom  17.  September
  und  dazugehöbriger  Instruktion  verordnet,
daß  die  in  Unsern  Landen  befindliche  junge  Mannschaft
  von  20  bis  40  Jahren  in  den  Waffen  auf
den  bestimmten  Sammelplätzen  von  den  hierzu  geordneten
  Ober=  und  Unter-Offizieren  zu  gewisser
Zeit  geübt  werden  sollen,  welches  auch  bisher  mit
autem  Erfolg  geschehen.  Nun  dann  wieder  eine
neue  Besorgnis  entstehen  will,  indem  mehr  als  zu
gewiß,  daß  König  Karl  XII.  in  Schweden  auf
eine  nimmermehr  vermutete  und  unter  Christen
bisher  unerhörte  Weise  mit  der  Ottomanischen
Pforte  ein  Bündnis  getroffen,  um  mit  Türken  und
Tartaren  in  unser  Königreich  Polen  einzufallen,
nicht  minder  von  dem  Crassauischen  in  Pommern
gewesenen  Corps  gleicher  Maßen  alles  Feindliche
zu  erwarten  ist,  so  haben  Wir  zwar  deswegen  kürz-*)

  Anmerkung:  Das  „Mandat“  des  Kurfürsten
  von  Sachsen  und  das  „Manifest“  des  Zaren
Peter  d.  Gr.  enthalten  die  außerordentlichen  Maßnahmen
  der  Verbündeten  wegen  des  drohenden
schwedischen  Angriffs.  In  Wirklichkeit  rechtfertigen
ste  deren  Angriff  auf  Pommern;  wozu  man  nunmehr
  Ursache  zu  haben  glaubte.  Von  diesem  Standpunkte
  aus  ist  der  Wert  dieser  Dokumente  für  die
pommersche  Geschichte  dieser  Zeit  anzusehen.