—  Unser  Dommerland  ——  17

MANIFEST
Ihre  Großz-Garischen  Majeslät  etc.
Welches  Sie  dem  hochlöblichen  Reichs-Collegio  zu
Kegensburg
Vor  dem  Einbruch  mit  Dero  Armee
In  das
Schwedische  Pommern
übergeben  lassen.

Anno  1711.

Den  berühmtesten  und  auf  dem  allgemeinen
Neichstage  zu  Regensburg  durch  dero  abgeordneten
versammelten  Ständen  des  H.  Röm.  Reichs  ist
schon  vorlängst  bekannt,  daß  der  König  in  Schweden
  den  im  Haag  geschlossenen  Neutralitätstraktat
und  die  von  den  hohen  wider  Frankreich  alliterten
Mächte  übernommene  Quarantie  desselben  nach  der
Zeit  völlig  verworfen  und  durch  eine  den  30.  Nov.
verwichenen  Jahres  oei  Bender  datierte  Deklaration,
wie  auch  ferner  durch  seine  am  Keiserlichen=  und
andern  Höfen  befindlichem  Abgesandten  öffentlich
dagegen  protestiert  und  sich  erkläret,  daß  er  an  die
Punkte  des  Neutralitätstraktates  nicht  im  geringsten
gehalten  sei;  sondern  vielmehr  alle  diejenigen,  so
sich  ihn  zur  Beobachtung  desselben  auf  einige  Weise
zu  forcieren  oder  das  schwedische  Corps  durch  ihre
Bölker  in  Ansehung  der  Neutralität  an  dessen  Vorbaben
  zu  verhindern  unterstehen  würden,  nicht  anders
  als  öffentliche  Feinde  ansehen  und  traktieren
wolle.  Gleichwie  nun  solches  aus  dessen  hochmütiger
Deklaration  deutlich  genug  zu  ersehen  ist,  also  erbellet
  auch  gar  augenscheinlich  daraus,  wie  wenig
der  König  von  Schweden  die  Gesetze  der  Neutralität
  zu  beobachten  gesonnen  gewesen,  ja  wie  schlecht
er  Sr.  Kaiserlichen  Majestät,  der  Durchlauchtigen
Stände  des  Röm.  Reiches  und  deren  sämtlichen  hoben
  Alliierten  Vermittelung  und  angewandte  Bemühllugen,
  die  doch  durchgehends  zu  seinem  Besten
unternommen  worden,  betrachtet  habe.  Jedoch  hat
er  gedachte  Deklaration  bisher  einigermaßen  heimlich
  gehalten  haben  wollen  und  zwar  aus  keiner  anderen
  Unsache,  als  daß  er  Seine  Zarische  Majestät
—  nachdem  er  sie  durch  eine  nichtig  gemachte  Hoffnung
  würde  hintergangen  haben  unvermutet
überfallen  und  unterdessen  gelegene  Zeit  gewinnen,
wie  auch  alles  in  solchen  Stand  setzen  möchte,  damit
  er  hernach  seine  gefährlichen  Anschläge  mit  mehr
Nachdruck  und  größerer  Kraft  ausführen  könnte.
Weil  nun  S.  Zarische  Majestät  und  deren  Alliierte,
welche  aus  guter  Freundschaft  und  geneigten  Willen,
  so  sie  gegen  die  berühmtesten  Stände  des  Heil.
Röm.  Reiches  und  deren  hohe  Bundesverwandte
tragen,  wie  nicht  weniger  aus  Beisorge  denselben
durch  einen  neuen  Krieg  in  dem  wider  Frankreich

—

geführten  Kriege  hinderlich  zu  sein,  in  vorgemeldete
  Neutralität  gewilliget,  solches  jetzt  mit  höchstem
  Nachteile  ihres  eigenen  Interesse  erfahren  müssen.

  Denn  wenn  sie  sich  ihrer  Freiheit  hätten  bedienen
  wollen,  so  hätten  sie  doch  gar  leichtiglich

ihre  Feinde  mit  allem  Rechte  verfolgen,  zerstreuen.
und  völlig  ruinteren  können,  wodurch  sie  für  ihre
Wohlfahrt  noch  besser  gesorgt  haben  konnten.  S.
Kaiserliche  Majestät  und  Ihre  Alliierten,  welche
S.  Zarische  Majestät  und  Ihre  Bundesgenossen  zur
Erhaltung  der  allgemeinen  Ruhe  und  Sicherheit  im
römischen  Reiche  inständig  ermahnet,  haben  versprochen,
  daß  der  König  von  Schweden  ein  gleiches
tun  und  man  Ihrer=  (Kaiserlicher-)  seits  zur  Bebhauptung
  der  Quarantie  eine  Armee  formieren,  dieselbige
  an  die  schlesische  Grenze  marschieren  zu  lassen
  und  mit  der  ausdrücklichen  Order  versehen
würde,  daß  sie  denjenigen,  welcher  sich  die  Neutralität
  zu  brechen  unterstehen  wollte,  als  einen  offenbaren
  Feind  traktieren  sollte.  Se.  Zarische  Mojestät
und  Deren  hohe  Alliierte  haben  in  diesem  Absehen
mit  Verabsäumung  ihres  eigenen  Nutzens,  wie  oben
gedacht,  von  der  Verfolgung  Ihrer  Feinde  abgestanden
  und  sich  auf  die  in  öffentliche  Schriften  von
so  viel  mächtigen  Potentaten  gegeben,  von  ihren
bevollmächtigten  Abgesandten  unterzeichnet,  und  von
ihnen  selbst  ratifizierte  Versicherung  verlassen.  Seine
Zarische  Majestät  und  Deren  Alliierte  haben  nun
erfahren,  daß  der  König  von  Schweden  sich  an  die
Neutralität  zu  binden,  niemals  gesonnen  gewesen,
sondern  vielmehr  wider  die  ausdrücklichen  Bedingungen,
  auf  welche  sich  Se.  Zarische  Moajestät  und
Deren  Alliierte  die  Neutralität  zu  beobachten  erkläret,
  vielfältig  gehandelt.  Denn  er  hat  in  Pommern
  neue  Regimenter  aufrichten,  die  alten  Eskadronen
  und  Bataillone  rekrutieren  und  über  dieses
noch  andere  Truppen  aus  Schweden,  überführen  lassen,
  wider  welches  doch  Se.  Zarische  Majestät  und
Deren  Alliierte  protestieret  und  bei  Sr.  Kaiserlichen
Majestät  und  Deren  hohen  Alliierten  wegen  der  am
bestimmten  Orte  zu  formierenden  Neutralitäts-Armee
  öfters  ob  zwar  vergeblich  Ansuchung  getan.
Der  König  von  Schweden  beabsichtigt  nun  —  nachdem
  er  alle  friedlichen  Vorschläge  verachtet  und  sein
Vertrauen  ungewöhnlicher  Weise  auf  die  Macht  seiner
  Alliterten,  nämlich  der  Türken,  Tartaren  umd
abgesagten  Feinde  des  christlichen  Namens  gesetzet,
ja  die  Neutralität  völlig  verworfen  und  in  der  Tat
selbst  gebrochen,  —  mit  seinen  in  Pommern  sehr
angewachsenen  Craussauischen  Truppen  entweder  in
die  Kgl.  dänischen  Provinzen,  in  Sachsen  oder,
welches  wahrscheinlich  ist,  in  Polen  einzubrechen:
woselbst  er  dann  Se.  Zarische  Majestät  in  die  Mitte
bekommen  und  im  Rücken  und  in  der  Front  angreifen
  könne.
(Fortsetzung  folgt.)

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