Ueber  den  Urlprung  der  Familie  v.  Hindenburg.

Der  erfolgreichste  Heerführer  unserer  Zeit  heißt
mit  seinem  vollen  Familiennamen  v.  Beneckendorff
und  Hindenburg.  Im  Taschenbuch  der  uradligen
Häuser  wird  diese  Familie,  obwohl  sie  sich  wohl
ausschließlich  für  gewöhnlich  nur  v.  Hindenburg
nennt,  unter  Beneckendorff  geführt.  Mit  gutem
Grunde.  Denn  die  alte  Familie  v.  Hindenburg  ist
ausgestorben  und  ihr  Name  wurde  mit  königlich
preußischer  Genehmigung  am  2.  Januar  1789  von
Johann  Otto  Gottfried  v.  Beneckendorff,  dem  Großneffen
  und  Erben  des  Letzten  derer  v.  Hindenburg,
mit  dem  Namen  v.  Beneckendorff  vereinigt.  Die
Beneckendorffs  sind  wie  auch  die  Bismarcks  altmärkischer
  Uradel.  Ihr  Stammhaus,  heute  Benkendorf
  geschrieben,  liegt  bei  Salzwedel.  Sie  erscheinen
  urkundlich  zuerst  mit  Johannes  de  Benekendorpe
  1280.  Die  Familie  v.  Hindenburg  läßt  sich
weiter  zurückverfolgen.  Die  beiden  ältesten  nachweisbaren
  Vertreter,  die  Gebrüder  Friedrich  und
Reiner  v.  Hindenburg,  erscheinen  gleichfalls  in  der
Altmark,  und  zwar  schon  im  Jahre  1208,  also  zu
einer  Zeit,  bis  in  welche  sich  nur  wenige  Familien
des  altpreußischen  Adels  zurückverfolgen  lassen.

Bald  darauf  finden  wir  die  Familie  aber  auch
in  Pommern  und  zwar  treten  sie  dort  gleich  verhältnismäßig
  zahlreich  und  in  sehr  angesehener  Stellung
  auf.  So  kommt  in  den  Jahren  1266—1299
außerordentlich  häufig  in  der  Umgebung  Herzog
Barnims  I.  und  Bogislaws  IV.  ein  Ritter  Friedrich
  von  Hindenburg  in  den  Urkunden  vor,  1278
bis  1301,  auch  in  der  Umgebung  dieser  Herzöge,
ein  Ritter  Heinrich  v.  Hindenburg,  häufig  ferner
(1292—1313)  der  Ritter  Henning  (Johannes)  von
Hindenburg,  der  das  Amt  eines  Mundschenks  bei
den  pommerschen  Herzögen  Barnim  II.  und  Otto  I.
versah.  Ritter  in  der  Umgebung  Barnims  lI.  war

H.  v.  V.

ferner  Godikin  v.  Hindenburg  (1268),  in  der  Umgebung
  Bogislaws  IV.  (1280—1299)  Heidemann
v.  Hindenburg.  In  den  Jahren  1317—1322  findet
sich  ein  Ritter  Friedrich  v.  Hindenburg,  auch  Vicko
v.  Hindenburg  genannt,  und  im  Jahre  1325  ohne
Vornamen  ein  Knappe  von  Hindenburg.  Im  Jahre
1271  wird  ein  Frater  Johann  v.  Hindenburg  als
Lektor  in  Stettin  erwähnt,  der  also  eine  geistliche
Würde  inne  hatte.  Jener  Ministeriale  Friedrich  von
Hindenburg  in  der  Begleitung  Herzog  Barnims  l.

und  Bogislaws  IV.  schenkte  am  29.  August  1299,
vermutlich,  weil  er  sein  Lebensende  herannahen

fühlte,  dem  Kloster  Wollin  einen  Teil  der  Dörfer
Ganserin  und  Stepenitz.

Wie  in  der  Altmark  und  Uckermark  Ortschaften
nach  den  Hindenburgs  genannt  wurden,  so  erhielt
auch  im  Naugarder  Kreise  von  ihnen  ein  Dorf  den
Namen,  und  zwar,  wie  Klempin  im  Pommerschen
Urkundenbuche  (1  442)  wohl  richtig  angibt,  schon
von  dem  aus  der  Altmark  eingewanderten  Vater
jenes  Ritters  Friedrich  v.  Hindenburg  in  der  Begleitung
  Barnims  I.  und  Bogislaws  IV.,  der  nach
Klempins  Annahme  die  Burg  Hindenburg  bei  Naugard
  erbaute.  Im  Naugarder  Kreise  erwarb  das
Geschlecht  weiteren  Grundbesitz,  den  es  bis  ins  18.
Jahrhundert  behauptete.  Schon  im  Jahre  1317
wird  von  einem  „Lande  Hindenburg“  (territorium
Hyndenborch)  gesprochen.  Am  1.  September  1461
belehnte  Herzog  Erich  II.  die  Grafen  Albrecht  und
Ladewig  v.  Eberstein  mit  dem  Lande  Hindenburg.


Die  Wurzeln  des  durch  den  Vernichter  der  Heere
Rußlands  zu  höchstem  Ruhme  gelangten  Geschlechts
weisen  mithin  nicht  nur  nach  der  Altmark,  sondern
auch  nach  Pommern.

(Monatsbl.  der  Gesellsch.  f.  Pom.  Gesch.  u.  Aliertk.)

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