Vommersche  Bücherschau.

Unter  dieser  Rubrik  werden  alle  Neuerscheinungen
  des  Büchermarktes,  soweit  sie  für  unsere  Provinz
  von  besonderem  Interesse  sind,  angezeigt  und

die  wichtigeren  von  ihnen  ausführlich  besprochen
werden.

Eingegangen  sind  bisher:

1.  Prof  Dr.  Hermann  Klaje.  Pommern  im

Jahre  1813.  6  .  .
2.  D.  Hermann  Petrich.  Unser  Bismarck.  Ein
pommersches  Heimatbuch.

3.  Derselbe.  Das  Bismarckbüchlein.

4.  Theo  Malade.  Die  Geschichte  vom  lütten
Schnieder.

5.  Paul  Großkopf.  Otto  von  Bamberg,  der
Pommernapostel.

1.  Prof.  Dr.  Hermann  Klaje:  Pommern

  im  Jahre  1813.  Verlag  von  Dietz  u.
Maxerath,  Kolberg.  Preis  brosch.  1,50  M.

In  einer  vorzüglichen,  auf  umfassendstem  Quellenstudium
  beruhenden  Schrift  „Pommern  im  Jahre
1813“  hat  Prof.  Dr.  Hermann  Klaje,  Kolberg,  die
Geschichte  des  Pommerschen  National-Kavallerieregiments
  dargeboten,  deren  Lektüre  jedem  Freunde
einer  wahren,  ungeschminkten  Geschichtsdarstellung
hohen  Genuß  bereiten  muß.

Nach  einer  gewissenhaften  Quellenangabe  spricht
der  Verfasser  in  seinem  Buche  zuerst  von  der  Errichtung
  des  Regiments,  dann  von  der  Deckung  der
durch  dasselbe  entstandenen  Kosten.  Zwei  weitere
Kapitel  reden  von  der  Stellungnahme  der  pommerschen
  Juden  zu  den  Ereignissen  des  Frühlings
1813,  während  ein  Anhang  den  genauen  Abdruck
der  Listen  des  obengenannten  Regiments,  sowie
seines  Jägerdetachements  bringt.  Ein  später  erscheinender,
  zweiter  Teil  soll,  wie  das  Vorwort  bemerkt,
  von  „Landwehr  und  Landsturm  in  Pommern
  1813“  handeln.

Ostpreußen,  Schlesten  und  Pommern  waren  die
drei  Provinzen,  die  drei  National-Kavallerieregimenter
  errichteten  und  damit  eine  eigenartige  Neubildung
  im  preußischen  Heere  schufen,  deren  Andenken
  allerdings  rasch  verdunkelt  wurde,  ja,  die  sogar,
  vielleicht  mit  Ausnahme  des  ostpreußischen,  in
fast  völlige  Vergessenheit  gerieten.  —

Da  Stettin  damals  noch  in  den  Händen  der
Franzosen  war,  befand  sich  der  Sitz  der  Provinzialregierung
  in  Stargard.  Hinsichtlich  der  Truppenverteilung
  ist  zu  bemerken,  daß  in  Kolberg  die
Pommersche  Brigade  unter  General  Borstell  und  in
Neustettin  das  Korps  des  Generals  Bülow  stand.

von  Arnolc  Koeppen.

Von  diesen  beiden  Truppenteilen,  die  noch  in  sehr
bilfsbedürftigem  Zustande  waren,  sollte  der  letztere
von  Westpreußen,  der  erstere  aber  von  Pommern
Uunterstützt  werden.

Schon  hatte  man  auf  diese  Aufforderung  hin  in
einigen  Teilen  Pommerns  beträchtliche  Geldsummen
gesammelt,  als  plötzlich  im  der  Provinz  ein  neuer
Plan  auftauchte,  die  Bildung  eines  pommerschen
Freiwilligenregiments,  das  man  dem  Könige  zur
Verfügung  stellen  wollte.  Derartige  Angebote  liefen
aus  allen  Teilen  des  Reiches  so  zahlreich  ein,  daß
mnur  ein  geringer  Teil  von  allen,  unter  denen  sich
auch  viele  wenig  durchdachte  befanden,  von  Friedrich
  Wilhelm  III.  genehmigt  werden  konnte.

Die  Bemühungen  des  pommerschen  Präsidenten,
des  Staatsministers  von  Ingersleben,  der  Seele  des
Planes,  gelang  es,  die  Genehmigung  zur  Bildung
eines  solchen  Regiments  in  Pommern  an  höchster
Stelle  durchzudrücken.

Wenn  er  allerdings  in  begreiflichem  Optimismus
  am  27.  Februar  an  den  König  schrieb,  er
zweifle  nicht,  daß  die  ganze  Provinz  zustimmen
werde,  so  irrte  er  nicht  wenig,  denn  sechs  Kreise
verweigerten  unter  Hinweis  auf  die  schon  gebrachten
  übergroßen  Opfer  ihre  Beihilfe  zu  der  Bildung
und  zum  Unterhalte  des  geplanten  Kovallerie-Regiments.


Eine  Versammlung  von  Deputierten  der  einzelnen
  Kreise  wurde  nach  Stargard  einberufen,  denen
Kreisversammlungen  vorangingen.  Diese  wurden
aber  nur  schwach  besucht.  So  erschienen  in  Naugard
  von  25  Eingeladenen  nur  13,  und  Herr  von
Schöning,  der  damalige  Landrat  des  Pyritzer  Kreises,
  klagte  in  einem  Berichte  über  die  Versammlung
  in  seinem  Kreise,  am  14.  März,  über  die
„Abwesenden,  deren  Zahl  groß  ist“.

Das  waren  Zeichen  der  gedrückten  Stimmung,
die  noch  allenthalben  herrschte,  sowie  der  Furcht,
auch  das  letzte  noch  hingeben  zu  mütssen,  was  die
bitteren  Jahre  der  Not  und  des  Elends  einem  jeden
  gelassen  hatten.

Die  dem  vom  Könige  genehmigten  Vorschlage
Ingerslebens  zustimmenden  13  Kreise  der  Proving
hatlen  aber  auch  noch  mancherlei  auszusetzen.  Vor
allem  versprach  man  sich  nicht  viel  von  freiwilligen
Beiträgen,  sondern  schlug  eine  Repartition  der
Kosten  vor.  Dieser  Vorschlag  wurde  denn  auch  in
die  Tat  umgesetzt,  wodurch  allerdings  die  Beiträge
ihres  Charakters  einer  freiwilligen  Spende  entkleidet
  wurden.