Unser  Pommerland

5.  Jahrgang

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Nr.  2.

verbandsorgan

des  pommernbundes  in  Berlin,  des  Verkehrsverbandes  für  Hommern  und  die
Insel  Rügen  E.  V.,  des  Messenthiner  Waldvereins  und  des  Buchheidevereins.

Herausgegeben  von  Ludwmig  Hamann  und  flrnold  Koeppen  —-  12  —  —

Das  42.  Infanterie-Kegiment  vor  Lodz.

(5.  und  4.  Dezember  191  d.)

1.  Der  Stellungskampf.
Die  Ebene  von  Lodz,  flach  wie  ein  Tisch.
Seit  Tagen  weht  der  Nordwind  scharf  und  frisch
In  uns're  Gräben,  deren  schmales  Band
Sich  zwischen  Saat  und  ungepflügtem  Land
Hinzog  und  nah  dem  Dorf  Dobron  verlief.
Vor  uns  kein  Baum,  kein  Strauch.  Verlassen  schlief
Nur  ein  Gehöft  im  wintergrauen  Feld,
Als  sei  es  den  Patrouillen  für  die  Nacht
Vor  uns're  Front  als  Stützpunkt  hingestellt:
Von  hier  wird  auch  der  Feind  scharf  überwacht.
Denn  vor  uns,  kaum  zwölfhundert  Schritt  weit,  haben
Die  Russen  sich  wie  Hamster  eingegraben
Auf  sandigen  Höhrn,  die  gelb  wie  Dünen  schimmern.
Von  buschigen  Kiefern  ist  der  Kamm  bedeckt  —
Zwischen  den  Stämmen  manchmal  Waffen  flimmern:
Hier  hat  der  Feind  sich  sehr  geschickt  versteckt.
Wie  eine  Festung  drohen  die  Terrassen,
Beherrschend  Ebene  und  Dorf  und  Straßen.
Dazu  stand  eine  Mühle  auf  dem  Hügel
Abseits,  —  sie  drehte  ruhig  ihre  Flügel,
doch  lenkt  der  Feind  —  wir  merkten  es  sofort
Das  Feuern  seiner  Artillerie  von  dort.

So  lag  das  Regiment  in  seinen  Gräben,

Der  Hoffnung  auf  den  Angriff  hingegeben,  —
Doch  aussichtslos  schien  jede  frische  Tat
Allein  die  schwere  Artillerie  wußt’  Rat,

Sie  brachte  in  die  Stille  plötzlich  Leben:

Ein  Stündlein  war  nach  erstem  Schuß  verflossen,
Da  hatte  sie  sich  prächtig  eingeschossen.

Schon  klappt  die  Mühle  auf  dem  Berg  zusammen
Platt  wie  ein  Kartenhaus,  schon  steh'n  in  Flammen
Dahinter  Haus  und  Stall  .  .  Der  gelbe  Sand
Dort  drüben  auf  den  Höhen  wirft  Fontänen,
Granaten  fressen  sich  mit  scharfen  Zähnen

Tief  in  die  Hamsterlöcher  und  zerkauen
Blitzschnell  die  armen  eingegrab'nen  Grauen.

Von  Hans  Benzmann.

Nun  nimmt  des  Feindes  schwere  Artillerie

Das  Feuer  auf  auf  uns're  Schützengräben,

Doch  seine  Schüsse  treffen  uns  fast  nie.

Und  als  die  Abendnebel  sich  erheben,

Verstummt  das  Feuer  drüben  und  auch  hier.

Nur  einzeln  plappern  die  Gewehre  noch.  —
Als  sich  die  Nacht  herabsenkt,  senden  wir
Patrouillen  vor,  —  und  eine  schlich  und  kroch
Bis  zu  des  Feindes  Stellung  kühn  empor  —
Und  fand  sie  ler  .  Befehl  vom  Regiment
Kommt  froh  begrüßt:  heut  nacht  noch  geh'n  wir  vor.
lind  völlig  sinkt  die  Dunkelheit.  Fern  brennt
Ein  Dorf  und  färbt  blutrot  das  Firmament

2.  Der  Ueberfall.
uUm  Mitternacht.  Unheimlich  war  das  Schweigen,
Als  wir  des  Feindes  Stellung  schnell  ersteigen.
Und  kurze  Rast.  Und  morgens  gegen  drei.
Der  Wald  wird  abgesucht.  Vorwärts.  Vorbei.
Auf  Pobianice  zu.  Denn  offenbar
Bis  Lodz  der  Feind  in  schnellem  Rückzug  war.
Und  wir  marschieren.  Eine  Stunde  lang.
Dorf  Chechlo.  Vorwärts  durch!  Grad

Uhr.

Plötzlich  steht  lichterloh  ein  Haus  in  Flammen

ist's  fünf

Was  heißt  das?  —  Da  .  .  ein  Schuß!  .  .  llaut
hallt  die  FlurL

Noch  einer  biele  —  wo,  wo  sind  sie  nure?

Schwer  fällt  ein  Mann,  und  Reihen  brechen  zusammen


Wehe=  und  Wutgeschrei.  Befehle  und  Getümmel.
Und  dort  im  Dorf  in  allen  Fenstern  ein  Gewinmel,
Und  auf  das  durchmarschierende  Regiment
Ein  Hagel  von  Geschossen  niedersaut
Jedoch  gelingt's  am  Dorfrand,  wohin  alles  rennt,
Die  Kompagnien,  die  arg  gelichtet  und  zerzaust,
Zu  sammeln  und  die  Feinde  aufzuhalten
Das  erst  und  dritte  Bataillon  kann  sich  entfalten.