Der  Dordische  Krieg
in  den  deutschen  Osffleeqebieten

(Fortsetzung.)

Wie  denn  besagter  König  in  Schweden
die  Türken  unter  anderen  Ursachen  eben  dadurch
  wider  Se.  Zarische  Majestät,  den  König  und
die  Republik  in  Polen  zum  Kriege  bewogen,  indem
er  sie  beredel,  daß  er  eben  zur  selbigen  Zeit,  wenn
die  tirkische  Armee  bemeldete  Fürsten  attaduieren
würde,  denselben  mit  einer  bedeutenden  Armee  von
Pommern,  aus  in  den  Rücken  gehen  wollte:  So  haben
  Se.  Zarische  Majestät  für  nötig  erachtet,  dieses
  alles,  so  wie  sie  es  schon  vorher  zu  Wien,  London
  und  im  Haag  tun  lassen  auch  den  hochwürdigsten,
  durchlauchtigsten  wie  auch  übrigen  berühmten

  und  deren  Abgesandten  allf  dem  allgemeinen
Reichstage  zu  Regensburg  versammelten  Ständen

des  heiligen  Römischen  Reiches  gebührend  zu  berichten.
  Und  ferner  die  Stände  aufs  beste  zu  ersiichen.
  damit  sie  dasjenige,  wozu  die  gegebene
Quarantie  sie  und  ihre  hohen  Alliierten  besonders
das  ganze  deutsche  Reich  verbindet,  in  der  Tat
leisten,  nämlich  die  versprochene  Armee  aufbrechen
lassen  und  mit  solcher  Order  versehen  möchten,  da#
sie  dem  feindlichen  Einbruch  der  Türken  und  Tarlaren
  auch  feindlich  begegnet.

Sr.  Königl.  Majestät  in  Polen  als  dem  beleidigten
  Teile  oder  einem  andern  Alliierten  Sr.  Majestät
  kennte  diese  Armee  zu  Kommandieren  übergeben

  werden,  doch  mit  der  völlig  verstatteten  Freiheit,

  solche  nicht  allein  mit  den  Truppen  Sr.  Zarischen
  Majestät  und  deren  hohen  Alliierten  auf  das
schleunigste  zu  verbinden  und  den  König  von  Schweden
  mit  selbigen  feindlich  anzugreifen  und  ihn  zum
wenigsten  so  weit  zu  zwingen,  daß  er  seine  Truppen
  im  Dienste  der  gegen  Frankreich  verbundenen
Mächte  lassen  müßte,  sondern  auch  wenn  das  schwe
dische  Korps  über  Vermuten  in  Polen,  Sachsen  oder
die  dänischen  Provinzen  einrücken  sollte,  dasselbe
mit  besagter  Neutralitätsarmee  zu  verfolgen,  mit  zusammengesetzten
  Kräften  als  einen  Feind  zurninieren
  und  ihm  alle  Mittel,  weiter  schaden  zu  können.
»u  benehmen.

Nunmehr  aber  ist  gewißlich  große  Gefahr  bei
längerer  Verzögerung  zu  besorgen.  Denn  sofern  man
dem  Feinde  so  viel  Zeit  lassen  will,  daß  er  den
vorgenommenen  Marsch  bewerkstelligen  kann,  so  wer-OI#I|1

  —I20)  in  Cuellen  dargestellt.

Von  TLud4cwig  Beyer,  Cal.  Seminarlehrer.

den  hernach  alle  wider  dessen  Einbruch  dienende
Mittel  zu  spät  in  die  Hand  genommen  werden,  da
auch  bekannt  ist,  daß  er  in  Bereitschaft  stehe,  mit
Hinterlassung  aller  Bagage  in  Polen  und  zwar
eben  zur  selbigen  Zeit  einzustellen,  wenn  die  Türken
  von  der  andern  Seite  her  ihren  Einbruch  unternehmen
  werden.  Und  deswegen  zweifelt  man  nich,
es  werden  Se.  Kaiserliche  Majestät  mit  Ihren  hohen
  Alliierten  nach  reifer  Ueberlegung  des  gerechten
  und  wichtigen  Verlangens  Sr.  Zarischen  Majestät
  solche  Mittel  vor  die  Hand  nehmen,  welche
Ihre  aufrichtige  Absicht  zu  erweisen  und  die  so  beilig
  versprochene  Sicherheit  wider  das  in  Pommern
stehende  feindliche  Korps  zu  halten  fähig  sind.  Wisich
  denn  Se.  Zarische  Maiestät  solches  um  so  viel
desto  gewisser  versprechen,  je  mehr  Sie  es  durch
Ihren  guten  Willen  um  das  Heilige  Römische  Reich
und  dessen  Hohe  Alliierten  verdienet  zu  haben  vermeinen.
  Sollte  man  aber  wider  alles  Hoffen  und
Vermuten  gegen  die  von  Sr.  Zarischen  Majestät  erzeigte
  Liebe  und  geneigten  Willen  fernerhin  gar
keinen  Blick  haben  und  sich  der  errichteten  Neutralität
  zuwider  das  oft  genannte  Neutralitäts-Korps
zur  Angreifung  der  Feinde  abzuschicken  weigern  —
auch  wenn  solches  an  einem  bestimmten  Orte  formiert
  worden,  dasselbe  nur  pro  forma  daselbst  zu
lassen  und  bei  der  Sache  selbst  einen  müßigen  Zuschauer
  abgeben  lassen  —  so  wollen  sich  Se.  Zarische
  Majestät  auf  solchen  Fall  hiermit  deutlich  erlläret
  haben,  daß  Sie  sich  mit  Ihren  hohen  Alliierken
  den  Königen  von  Dänemark  und  in  Polen  genötigt
  befinden  würden,  solche  Mittel  zu  ergreifen,
die  Sie  selbst  bei  dieser  gefährlichen  Begebenheil

Ihrer  Sicherheit,  Wohlfahrt  und  Ihrem  Interesse
dienlich  zu  sein  erachten  konnten,  mit  beigefügter
öffentlicher  Protestation,  daß  man  ihnen  bei  erfolgten

  üblen  Ausgang  der  Sache  keine  Schuld  beimessen
  möchte.

Erwarten  anbei  eine  geneigte  und  schleunige,
auch  der  Gerechtigkeit  der  Sache,  dem  erhaltenen
Versprechen  und  der  Billigkeit  gemäße  Resolution.
Sollte  aber  diese  verzögert  werden  oder  völlig  aus
bleiben,  so  wollen  es  Se.  Zarische  Moajestät  als  ein
augenscheinliches  Merkmal  einer  übelgesinmten  Neigung
  gegen  Ihre  Person  auf  und  annehmen.