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St.  PHochgräfl.  E.  H.  C.  E.  L.  L.  E.  N.  Z.
des
Herrn  Kgl.  Rats  und  General  en  Chef
Herrn  Graf  Magnus  Steinbock.
Disposition  und  Veranstaltung
vermittelst  welcher  die  Kgl.  Schwedische  Armee  die
feindlichen  Linien  in  Pommern  vorbei  und  den  Paß  bei
23.  Oktober  »...
TNOVember  Ao.  1712  glücklich  passieret.


Domgarten  am

Nachdem  Ihrer  Königlichen  Moajestät  Truppen
mit  ihrer  Bagage  den  19.  (29.)  Oktober  um  den
Abend  von  der  Insel  Rügen  nach  Stralsund  transportiert
  und  Se.  Excell.  der  Herr  Königl.  Rat  und
General  en  Chef  am  folgenden  Tage  mittelst  einer
vortrefflichen  Anrede  und  vielen  Vermahnungen  von
der  Garnison  und  der  gesamten  Bürgerschaft  in
Stralsund  öffentlich  Abschied  genommen,  auch  darauf
  den  Herren  Generalen  insgesamt  die  nötige
Order  erteilet:  So  brach  die  ganze  Armee,  sich  stellend
  als  ob  sie  die  feindliche  Linie  attaquieren
wollte,  folgendermaßen  auf:  Der  Herr  General-Leutnant
  Dücker  hatte  die  Avantgarde,  so  da  aus
der  Bremischen  Kavallerie,  den  Mardefeldischen  und
Strömfeldischen  Dragonern  und  sechs  Feldstücken  bestand.
  Seine  Order  war,  so  viel  ihm  möglich  nach
Damgarten  zu  eilen,  daselbst  Posto  zu  fassen  und
eine  Brücke  über  die  Reckenitz  zu  schlagen,  ehe  der
Feind  sich  zusammenziehen  und  den  Unsrigen  zuvor
kommen  möchte.  Inzwischen  hatte  man  keinen  Menschen
  von  Stralsund  durch  das  Feldlager  gelangen
lassen,  damit  der  Feind  von  unserm  Aufbruch  nichts
erfahren  möchte.  Wohlgedachter  Herr  General-Leutnant
  stand  dieselbe  Nacht  mit  seinen  drei  Regimentern
  in  Redbars  und  war  der  General-Adjutant
Loppeno  mit  200  Pferden  gegen  Franzburg  abgeschickt,
  um  der  Feinde  Bewegung  in  ihren  Linien
zu  beobachten  und  davon  Sr.  Exrcellenz  zeitig  Bericht

  zu  erstatten.  Der  Herr  General-Leutnant
Taube  folgte  danebst  mit  der  Westergothländischen
Kavallerie,  desgleichen  der  Herr  General-Major

Aschenberg  mit  seinem  Kavallerie-Regiment  wie  auch
das  Pommersche  Regiment  zu  Pferde  und  des  Herrn
General-Major  Ekebladts  Regiment  zu  Juß,  welche
in  selbiger  Nacht  in  Carnin  standen.  Se.  Excellenz
marschierten  mit  der  ganzen  Artillerie  und  Infanterie
  und  waren  1500  Bretter  unter  die  Infanterie
ausgeteilet,  welche  sie,  um  Brücken  daraus  zu
bauen,  tragen  mußten;  weil  aber  bei  dem  anhaltenden
  regnerischen  Wetter  die  Wege  so  tief  waren,  so
konnte  diese  vom  Mittage  bis  zum  späten  Abende
nur  eine  Meile  von  Stralsund  bis  an  das  Dorf
Pütte  kommen.  Se.  Kgl.  Majestät  von  Polen  waren
  nebst  deren  Suite  beständig  bei  Sr.  Excellenz.
Die  Arrieregarde  kommandierte  der  Herr  General-Pattkull.
  Am  folgenden  22.  Oktober  (1.  Nov.)  crreichte
  der  Herr  General-Leutnant  Ducker  den  Paßg
bei  Damgarten,  setzte  sich  daselbst  und  trieb  die

AUnser  Dommerland.

feindliche  Vorwache,  welche  an  der  andern  Seite  des
Passes  bei  Ribnitz  stand  und  daselbst  eine  Schanze
vor  sich  aufgeworfen  hatte,  durch  unsere  Feldstücke
zurück.  Der  Herr  General-Leutnant  Taube  hatte  zu
Carnin  Se.  Ercellenz  abgewartet,  mit  welcher  er
die  Nacht  darauf  zu  Langen-Hanshagen  verblieb.
Sobald  am  23.  Oktober  (2.  Nov.)  der  Tag  anbrach,
  eilten  sie  nach  Damgarten,  wo  die  ganze
Armee  zu  Mittag  zusammenstieß.  Se.  Ercellenz  nahmen
  das  Hauptquartier  eine  Viertelmeile  davon  zu
Plummendorf,  wo  die  Recknitz,  die  an  Damgarien
vorbeigehet,  ein  wenig  unterwärts  läuft  und  an
beiden  Seiten,  besonders  nach  Mecklenburg  zu,  einen
langen  Morast  bildet,  welchen  mit  der  ganzen  Armee
  zu  passieren,  obgleich  er  für  unübeerschreitbar
und  bei  der  trocknesten  Sommerzeit  nicht  einmal  das
Bieh  darüber  pflegte  kommen  zu  können,  —  Se.
Ercellenz  doch  versuchen  wollte.  Deswegen  ließ  Se.
Ercellenz  Bretter  zusammenschlagen,  um  solche  daselbst,
  wo  es  am  sumpfigsten  und  tiefsten  wäre,
über  zu  legen;  auch  ließ  er  acht  Feldstücke  am
Rande  des  Flusses  aufpflanzen,  um  diejenigen  zu
decken,  welche  mit  Stutzern  versehen,  den  Versuch

machen  sollten,  an  welchen  Stellen  man  durch  den
Morast  am  besten  durchkommen  konnte.  Indessen

wurde  aus  den  acht  Feldstücken  auf  den  Feind,  der
mit  etwa  Tausend  Pferden  auf  der  andern  Seite
auf  festem  Lande  stand,  tapfer  gefeuert,  so  daß  man
sehen  konnte,  wie  seine  Eskadronen  getroffen  wurden
  und  selbige  sich  in  den  Wald  flüchten  mußten.
Da  inzwischen  auch  von  den  Unsrigen,  die  bei
Damgarten  standen,  nicht  minder  gefeuert  ward,
wobei  der  Feind  bis  90  Tote  und  Be.essierte  bekommen,
  welches  denn,  sowohl  als  der  unvermutete
Ort,  da  wir  übergehen  wollten,  ein  Schrecken  in  sie
gebracht,  wie  man  nachgehends  erfahren  hat.  Se.
Excellenz  ließ  des  Abends  darauf  die  Pontons,  die
Brückengerätschaft  und  was  sonst  nötig,  herbeibringen,
  wie  denn  die  Brücke  bei  Damgarten  selbigen
Abend  eben  auch  fertig  ward.  Darauf  beriefen  sie
die  sämtlichen  Herren  Generals  und  erteilten  folgende
  Dispositionen:  Der  Herr  General-Leutnant
Ducker  sollte  über  die  Brücke  bei  Damgarten  gehen
mit  sechs  Kanonen,  den  Strömfeldischen  und  Mardefeldischen
  Dragonern,  den  Westergothen  zu  Pferde,
der  Bremischen  Kavallerie  und  drei  Infanterie-Regimentern.
  Se.  Excellenz  selbst  nebst  dem  Herrn
General-Leutnant  Taube  und  der  gesamten  übrigen
Infanterie  auch  Feldstücken  wollten  über  den  Morast
  und  Fluß  bei  Plummendorf  gehen,  welchen
auch  der  Rest  der  Kavallerie  folgen  sollte,  wo  es
mur  immer  möglich,  wo  nicht,  so  sollten  sie  über  die
Brücke  bei  Damgarten  von  den  Herren  General-Majoren
  Grafen  Aschenberg  und  Marschalk  geleitet
werden  Bei  Plummendorf  unten  am  Fluß  sollten
zu  allererst  100  Mann,  aufs  beste  sie  könnten,  über
die  Brücke  durch  den  Morast  unter  dem  Obrist
Schlippenbach  und  dem  Major  Löwenhaupt  geben,
um  auf  der  Höhe  der  andern  Seite  Posto  zu  fassen;
  diesen  sollte  der  Herr  Obrist  Horn  und  der