Major  Modeus  vom  Ostgothischen  Regiment  folgen,
bei  welchem  die  Mannschaft  war,  so  die  Brücke
trug,  um  solche  über  die  tiefsten  Oerter  zu  werfen
umd  dann  das  Gewehr,  so  gut  sie  kénnten,  zu  gebrauchen.
  Hierauf  kamen  der  Herr  General-Major
Patkul  mit  den  Sudermämingen,  Dahlkerlen  und
Westgothen  Dahlregiment,  darauf  der  Graf  de  la
Gardie  mit  den  Ostgothen,  Westmanländigern,  Hällsingern,
  Närickes  und  Wermanländs  Regimentern.
Der  Herr  General-Major  Schommer,  der  die  Jour
hatte,  sollte  an  der  Spitze  bei  Sr.  Excellenz  und  bei
dem  Herrn  General-Leutnant  Taube  bleiben,  um
auf  alle  Vorkommnisse  gute  Acht  zu  haben.  Der
Obrist-Leutnant  Cronstädt  sollte  mit  der  Artillerie
der  Infanterie  folgen,  falls  es  vorteilhaft  sei,  wo
nicht  sollte  er  das  Fuhrwerk  auf  Damgarten  gehen
lassen  und  sich  an  die  Kavallerie  anschließen.  Die
Arriergarde,  so  aus  600  Reutern  und  500  Muskeltieren
  unter  dem  Herrn  Obrist-Leutnant  Gröning
bestand,  sollte  der  Herr  Obrist  Rose  anführen  und
die  Zugänge  auf  Damgarten  bestens  besetzen,  damit
der  Feind  uns  nicht  in  die  Bagage  einfallen  möchte,
welche  des  Weges  geführet  und  dort  untergebracht
werden  sollte,  falls  keine  andern  Order  einliefen.
Während  des  Marsches  sollte  der  Kapitän  Rommel
mit  seinen  Zimmerleuten  auf  der  Brücke  bei  Damgarten
  stehen  und  wohl  zusehen,  daß  alledem,  was
den  Marsch  aufhalten  könnte,  rechtzeitig  geholfen
würde.  Der  General-Adjutant  Loppeno,  welcher
Order  halte,  sobald  er  vernommen,  daß  die  Arriergarde
  passieret,  mit  seinen  200  Reitern  von  Franz-Lburg
  abzugehen  und  zur  Armee  zu  stoßen,  kam  denselben
  Abend  zu  uns,  und  berichtete,  der  Feind
hälte  sich  aus  seinen  Linien  noch  nicht  gezogen.
Von  Feindseligkeiten  hätte  er  nur  dieses  gehabt,  daß
eine  Husarenabteilung  seine  Vorwachen  überfallen,
wobei  er  nur  einen  Reiter  verloren,  dagegen  sechs
der  Feinde  niedergehauen.

Nach  dieser  Disposttion  und  Verordnung  geschah
des  Tages  darauf  der  Anmarsch;  die  Soldaten  trugen
  ihre  Bretter,  Tore  und  Türen  in  den  Händen,
um  sie  vor  sich  hinzuwerfen,  wo  es  nötig;  und  der
zweite  Mann  hatte  eine  Faschine,  um  die  tiefen
Oerter  auszufüllen,  so  daß  die  ganze  Infanterie
samt  der  Artillerie  an  einem  Ort,  wo  nicht  einmal
das  Vieh  grasen  noch  weiden  kann,  wohl  und  glücklich
  überkamen.  Und  wie  man  keinen  Feind  auf
der  andern  Seite  verspürte,  so  wurde  die  Kavallerie
  kommandiert,  jenen  bessern  Weg  über  die  Brüklen
  bei  Damgarten  zu  nehmen.  Sobald  wir  auf  der
mecklenburgischen  Seite  waren,  wurde  die  ganze  Armee
  aufgestellt,  unsere  acht  Feldstücke,  so  über  den
Morast  gekommen,  gelöset  und  Salve  von  allen  Regimentern
  gegeben.

Wir  waren  alle  von  Herzen  froh,  daß  ohne  eines
Mannes  Verlust  mit  des  Feindes  Nachteil  wir  so
glücklich  dessen  starke  und  doppelte  Linien  vorbeipassiert,
  an  welchen  er  nun  ein  Jahr  mit  so  vieler
Mannschaft  gearbeitet.  Derselbe  hat  auch  wegen  unserer
  Bewegungen,  so  tags  vorher  vorgingen,  und

Anser  Pommerland

liche  Ungelegenheiten  hätte  verfallen  müssen.

37

den  geschlossenen  Anstalten,  so  sie  vermerket,  es  bedenklich
  gesunden,  diesseits  Stand  zu  halten,  sonderm

  ist  viel  lieber  bei  Zeiten  abgezogen.  Der
Prinz  von  Weißenfels  als  General-Major  ist  mit

300  Pferden  durch  Ribnitz  nach  Rostock  gegangen:
heute  aber  ist  bereits  Nachricht  eingelaufen,  daß  sie
auch  Rostock  verlassen,  weswegen  Se.  Excellenz  den
Obristen  Bassewitz  mit  500  Pferden  dorthin  gesandt
hat,  um  daselbst  Posto  zu  fassen.
Im  Hauptquartier  Nibnitz,  den  25.  Oktober
5.  November
Ao.  1712.

Ausführliche
KETALULOE

Von  den  untier  göttlichen  Beistand  erlangten
glücklichen  Prozessen,  und  ohnweit  Gadebusch  den
20.  Dezember  1712  erfochtenen  vollkommenen  Siege

der  Königl.  schwedischen  Armee
unter  Anführumg  Sr.  Excellenz  des  Herrn  Grafen
Steinbock.

Nachdem  der  Transport,  welcher  den  14.—24.
September  unter  Rügen  glücklich  angelangt,  in  zwei
Tagen  ausgeschifft  worden,  ward  bald  darauf  gut
gefunden,  nach  Pommern  aus  besagter  Insel  mit  der
Armee  hinüber  zu  gehen,  um  nach  Befinden  und
unter  dem  Beistand  und  Geleite  Gottes  den  Feind
himer  dessen  verschanzten  Linien  anzugreifen.

Aber  gleichwie  derselbe  an  allen  Orten,  wo  dile
Natur  dessen  innehabende  Stellung  ganz  unangreifbar
  gemacht  hatte,  mit  Schanzen,  Redouten  und  drei
doppelten  Linien  sich  in  Verteidigung  gesetzt  hatte,
daß  ohne  viel  aufs  Spiel  zu  setzen,  denselben  anzugreifen
  nicht  möglich  war.  So  wurde  darauf  um
so  mehr  Bedacht  genommen,  als  man  sich  vorzustellen
  hatte,  daß,  wenn  man  auch  mit  allem  Erfolg
durch  die  feindlichen  Linien  hätte  dringen  mögen,
man  dennoch  in  ein  vom  Feinde  gänzlich  ausgeplündertes,
  verwüstetes  und  ausgesogenes  Land  und
zugleich  in  alle  bei  solchen  Umständen  leicht  begreif-Den-

  entschlossen  wir  uns,  den  Paß  bei  Dammgarten,
  welcher  mit  dänischen  und  sächsischen  Truppen
besetzt  war,  anzugreifen,  um  eines  Teiles  sich  besser
ausbreiten  zu  können,  anderen  Teiles  um  den  Feind
aus  Pommern  und  aus  seinen  Verschanzungen  zu
locken.  Dieser  Paß,  wie  schwer  es  auch  war,  ward
doch  unter  Gottes  Beistand  ohne  einen  Mann  zu
verlieren,  dergestalt  passiert,  daß  an  den  Orten,  wo
nach  dem  Bericht  der  Einwohner  nimmer  das  Vieh
überzugehen  vermochte,  nunmehr  eine  Armee  mil
Kavallerie  und  Kanonen  durchgedrungen.  Weil  aber
indessen  die  Sachsen  mit  ihren  nordischen  Alliierten
noch  das  Sülzer  Moor  mit  dem  ganzen  Rechnitzstrom
  zur  Bedeckung  vor  sich  hatten,  welchen  Vor-Gedruckt

  im  Jahre  1712.