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len,  hat  sie  die  schwedischen  Bajonette  in  der  Seite
erwartet  und  sich  solchergestalt  lieber  alle  gefangen
geben  als  Reißaus  nehmen  wollen.  Es  war  die
schwedische  Armee  anfänglich  ziemlich  erbittert,  doch
ekelte  ihnen  zuletzt  ob  des  unzähligen  Mordens  und
schonte  die  Wehrlosen.  Deswegen  wurde  der  Feind
fast  eine  halbe  Meile  mit  dem  Degen  in  dem  Rücken
bis  an  das  Dorf  Radegast  verfolgt,  woselbst  man
wegen  hereinbrechender  Nacht  stille  zu  stehen  genöligt
  wurde,  zumal  da  auf  jener  Seite  schwere  und
große  Defileen  sich  gefunden.

So  ist  dann  Gott  der  Allerhöchste  des  kleinen
schwedischen  Haufens  mächtiger  Anführer  gewesen
und  hat  erwiesen,  daß  es  ihm  gleich  gelte,  große
Dinge  durch  Wenige  oder  Viele  auszurichten.  Ihre
Eccellenz  der  Herr  General  Steinbock  sowohl  als  der
Herr  General-Leutenant  Duker  haben  überall,  wo
es  am  schärfsten  hergegangen,  sich  finden  lassen.  Und
muß  man  gestehen,  wie  es  der  Feind  selbst  getan
hat,  daß  alle  von  dem  Vornehmsten  bis  zum  Niedrigsten
  mit  unerhörtem  und  unvergleichlichem  Mute
gefochten.

Die  Anzahl  der  Feinde  war  achtzehn  Bataillone
Dänische  und  zwei  Sächsische;  47  Eskadronen  Dämische
  und  32  Sächsische,  welche  letztere  umter  des
General-Feldmarschall  Graf  Flemmings  Kommando
eine  Stunde  vor  der  Schlacht  mit  der  dänischen  Armee
  sich  verbunden  hatte.  In  allem  waren  es  79
Eskadronen  und  20  Bataillone.

Die  Schweden  waren  19  Bataillone  und  58  Eskadronen,
  wobei  jedoch  zu  beachten  ist,  daß  von
jeglichem  schwedischen  Bataillon  an  Kranken,  Nachgelassenen
  und  denen,  so  bei  der  Bagage  kommandiert
  gewesen,  bis  zwei=  oder  drittehalbhundert
Mann  abgegangen.  So  daß  der  Feind  doppelt  so
stark  und  dazu  in  einem  ungemeinen  Vorteil  sowohl
der  Höhe  als  des  Windes  postieret  durch  Goltes
Hand  innerhalb  zweier  Stunden  Verlauf  zerstreuet
worden  und  alle  Artillerie  und  sein  ganzes  Lager
uns  im  Stiche  lassen  müssen,  wiewohl  sie  ganz  wenig
  Bagage  bei  sich  gehabt  und  das  Beste  bei  guter
Zeit  in  Sicherheit  gebracht.  Weiter  kann  zur  Nachricht
  dienen,  daß  von  schwedischer  Seite  nur  der
Herr  General-Leutenant  Duker,  zwei  Obristen,  einige
subalterne  Offiziere  und  300  Gemeine  blessieret:
während  an  Tolen  nur  zwei  Majore,  einige  subalterne
  Offiziere  und  100  Gemeine  geblieben  sind.
Hingegen  vom  Feinde  verschiedene  Generale,  Obristen
und  eine  große  Anzahl  subalterne  Offiziere  nebst
3000  Gemeinen  getötet  und  über  5000  Gemeine
ohne  die  Generale  und  Obersten  und  andere  Ofsfiziere
  von  Rang  gefangen  genommen  wurden.

Gott,  welche  Sr.  Königl.  Majestät  Waffen  so
mildiglich  gesegnet  und  diesen  herrlichen  Sieg  über
die  zahlreiche  Menge  der  Feinde  durch  eine  Armee
von  geringer  Anzahl,  deren  Bagage,  Vorspann,  Munition
  und  meiste  Notwendigkeit  in  Schweden  zurückbleiben
  mußte,  auf  fremden  Grund  und  Boden
so  gnädiglich  verliehen  hat,  sei  einig  und  allein  davor
  ewiglich  gepriesen.

Unser  Dommerland

Cop  yn
eines  wakrhaften  Briefes  von  der  erbärmlichen
Einäscherung  der  Stadt  MHlfona,

geschrieben  an  einen  guten  Freund.
Dato  den  12.  Januar  1713.

In  Jesu  Heill
Herzlicher,  geliebter,  werter  Freund!

Wenn  ich  anstatt  der  Tinle  mit  Blut  schriebe,
wäre  es  kein  Wunder;  denn  was  unsere  Augen  gesehen
  und  unsere  Ohren  gehöret,  ist  erschrealicher  als
es  Worte  ausdrücken  können;  doch  will  ich  so  viel
als  möglich  eine  wahrhafte  Erzählung  davon  stellen.

Die  Schlacht  bei  Gadebusch  zwischen  Pommern
und  Mecklenburg  wird  aus  den  Nachrichten  schon
bekannt  sein;  auch  wie  die  Schweden  den  bölligen
Sieg  erfochten  und  an  den  Dänen  und  Sachsen  ein
großes  und  greuliches  Massakre  getan.  Zwar  anfangs
  ward  es  hier  ziemlich  verborgen  gehalten  und
durch  so  unterschiedliche  Erzählungen  noch  viele  an
diesem  Siege  zweiselhaft  gemacht;  bis  man  erdlich
mit  Entsetzen  gewahr  ward,  daß  die  Schweden  ungehindert
  ins  Holsteinische  eingedrungen.  Darauf
ging  das  Flüchten  von  allen  Orten  an,  doch  rasete
man  hier  in  Altona,  vielleicht  aus  aufswachendem
Gewissen  getrieben,  am  greulichsten.  Denn  am
Sonnabend  vor  dem  neuen  Jahr  fing  man  an  auszuräumen
  und  machte  es  in  drei  bis  vier  Tagen  so
ledig,  daß  in  den  meisten  Häusern  nicht  ein  Strohhalm
  übrig  blieb;  dabei  ließ  man  es  aber  nichl,
sondern  die  Leute  machten  die  Häuser  zu  und  gingen
  davon,  ungeachtei  noch  keine  gewisse  Nachricht,
wo  die  Schweden  vorhanden  waren,  eingetroffen
war.  Dies  schien  nun  traun  so  graulich,  als  wenn
ganz  Altona  ausgestorben  wäre,  und  obgleich  viele
mutmaßten,  daß  die  Schweden,  wenn  sie  kommen
sollten,  solches  notwendig  übel  empfinden  würden,
ich  auch  zu  vielen  Freunden  sagte:  Gott  behüte  die
armen  Menschen,  daß  sie  nur  nicht  zum  Brande
aufgeräumet  haben,  so  ward  doch  wenig  auf  alles
reflektiert.

Endlich  marschierten  die  Schweden  in  der  Sonnabends-Nacht
  nach  dem  neuen  Jahre  1500  Mann
stark  zwischen  10  und  11  Uhr  ein;  bei  ihnen  war
der  Herr  Graf  Steinbock  und  der  bekannte  Parteigänger
  Obrist  Bassewitz  in  Person.  Dabei  ist  bemerkenswert,
  daß  gleich  bei  ihrer  Ankunft  und  ihrem
Einmarsch  ein  Haus  allhier  in  der  Langen-Straße
von  ungefähr  aus  Verwahrlosung  des  Feuers  im
Brande  aufging,  wobei  sie  noch  mit  Löschen  halfen;
  wie  sie  denn  des  Sonntags  ziemlich  freundlich
mit  den  Leuten  umgingen.  Doch  da  sie  der  ledigen
Häuser  gewahr  wurden,  auch  für  Geld  weder  Tabat
noch  Bier  oder  Brot  bekommen  konnten,  fingen  sie
an  zu  fluchen.  Darauf  hat  der  Herr  Graf  Steinbock
50  000  Thaler  Brandschatzung  gefordert;  hingegen
haben  die  Deputierlen  der  Stadt  40  000  Thaler  geben
  wollen,  und  als  er  es  geweigert,  etliche  Stunden
  Bedenkzeit  gebeten.  Danach  sind  sie  wieder
kommen  und  die  Summe  eingewilligt,  die  er  aber