42

nicht  brennen  und  die  Flamme  soll  Dich  nicht  anzünden;
  denn  ich  bin  der  Herr,  Dein  Gott,  der
Heilige  in  Israel,  Dein  Hetland.  —  Dies  werde
zum  ewigen  Gedächtnis  in  unsere  Herzen  geschrieben,
  auf  daß  der  Herr  allein  groß  bleibe,  wir  aber
in  Demut  ganz  zernichtet  werden  mögen.  Nun  sind
von  der  Menge  vieler  Tausend  Häuser  nicht  über
zweihundert  mehr  übrig  geblieben  in  dem  so  großen
  Altona.

Sr.  Königl.  Majestät
zu  Schweden  2c.  2c.  Meines  Allergnädigsten  Königs

Rat,  verordneter  General  en  Chef  und  Oberkommandeur

  über  Seine  in  Deutschland  stiehende
Armee,
Graf  Magnus  Steinbock.

Entbiete  allen  und  jeden  den  holsteinischen  Einwohnern
  meinen  freundlichen  Gruß.

Werteste  Glaubensgenossen!

Das  grausame  Kriegsfeuer,  welches  die  wider
Meinen  Allergnädigsten  König  und  Herrn  zusammen
venschworenen  Feinde  ohne  alle  auch  die  geringsten
ihnen  gegebenen  Ursachen  angezündet  und  von
vierzehn  ganzen  Jahren  her,  leider  Gottes,  jämmerlich
  gebrennet,  viele  weit  enlfernte  Lönder  durchstrichen,
  auch  großes  Blutvergießen  angerichtet,  nähert
  sich  auch  euren  bisher  ruhig  gewesenen  Grenzen.
  Gott,  dem  nichts  verborgen  ist,  weiß  es,  mit
was  vor  mitleidenden  und  erbarmungsvollen  Herzen
  ich  dieselbigen  jetzt  betreten  muß.  Ihr  wisset
aber  auch,  ja  es  ist  der  ganzen  Welt  bekannt,  wie
man  mich  mit  Sr.  Kgl.  Majestät  Waffen  wider  meinen
  Willen  in  dieses  Land  gezogen  hat;  denn  wem
ist  nicht  bewußt,  daß  Se.  Kgl.  Majestät  von  Dänemark,
  dessen  gekröntes  Haupt  ich  allezeit  im  tiefsten
Respekt  verehre,  durch  seinen  zweimaligen  Friedensbruch
  zu  dem  Land  und  Leute  verderblichen  Kriege
den  unglücklichen  Anlaß  gegeben  habe?

Mein  Allergnädigster  König  und  Herr  Karl  der
Zwölfte  von  Schweden  war  dazumal  mit  seinem
ganzen  Reiche  in  stiller  Ruhe;  seine  einzigen  Gedanken
  und  Absichten  gingen  dahin,  wie  er  die  von
Gott  ihm  anvertrauten  Länder  und  Untertanen  in
Frieden  und  Ruhe  regieren  könne:  mit  seinen  Nachbarn
  aber,  insonderheit  mit  denjenigen,  welche  das
zarte  Band  des  Geblütes  so  innig  an  ihn  bindet,
in  gutem  Verständnis  und  beständiger  festen  Liebe
und  Freundschaft  leben  möchte;  wohl  erwägend  den
sonderbaren  Gefallen,  den  der  Allerhöchste  daran
hat,  wenn  Bräder  einig  sind  und  Nachbarn  sich  lieb
haben;  wie  hingegen  die  unausbleibliche  Strafe
Gottes  über  denjenigen  schwebt,  der  solches  Band
der  Einigkeit  trennt.

Allein  welchen  unglücklichen  und  niemals  genug
zu  beweinenden  Strich  machte  man  wohl  durch  diesen
  so  schönen,  so  löblichen  und  so  christlichen  Vorsatz?
  Einerseits  brach  Se.  Majestät  der  König  von
Dänemark  den  mit  Sr.  Majestät  den  König  von
Schweden  errichleten  Frieden  durch  das  an  das  Her-Unser

  Dommerland

zogtum  Holstein  gerichtete  Unrecht;  andererseils  fiel
König  August,  Kurfürst  in  Sachsen,  eben  da  er
durch  Gesandte  um  beständige  Freundschaft  anhielt,
in  Liefland  ein.  So  unterließ  der  Zar  von  Moskau
  nicht,  mit  einer  unzähligen  Menge  bewaffneter
Völter  Ingermanland  zu  überschwemmen  und  dadurch

  das  ruhige  Königreich  Schweden  von  allen
Seiten  anzugreifen.  Was  meinet  Ihr  wohl,  werteste

  Glaubensgenossen,  wie  höchst  empfindlich  das
so  friedliebende  Herze  meines  Allergnädigsten  Königs
  damals  ist  gerührt  worden  und  um  wie  viel
heftiger  das  selbe  geschmerzet  hat,  als  auf  die  kurz
darauf  erfolgten  Travendalische  und  Alt-Ranstädtische
Friedensschlüsse  Se.  Majestät  von  Dänemark  mit  den
Nordischen  Alliierten  ohne  alle  die  geringste  ihnen
gegebene  Ursache  wiederum  aufs  neue  gebrochen,  die
durch  so  heilige,  abgetretene  und  dem  Königreich
Schweden  von  so  langen  Jahren  her  einverleibte
Provinz  Schonen  feindlich  angegriffen,  des  Herzoglums
  Bremen  sich  unbilliger  Weise  bemächtigk,  Stade
mit  Feuer  geängstigt,  Pommern  mit  den  verbündelen
  Russen  überschwemmt,  ausgesauget,  verheeret
und  verwüstet;  auch  alle  unter  der  Hand  gemachten
Friedensvorschläge  verworfen,  um  den  so  blutigen
Krieg  wider  Schweden  noch  weiter  fortzusetzen.
Was  dünket  Euch  bei  so  gestalten  Sachen  wohl,  ob
meines  Allergnädigsten  Königs  und  Herren  Waffen,
welche  ihm  die  Allmächtige  Hand  Gottes  zur  Beschützung
  seiner  Länder  verliehen  hat  und  die  bei
ihrer  gerechten  Sache  durch  Gottes  gnädigen  Beistand
  allemal  wunderlich  und  augenscheinlich  sind
gesegnet  worden,  ebenfalls  um  sich  zu  greifen  und
Eure  Länder,  so  wie  an  Pommern  und  Bremen  geschehen
  ist,  aufs  äußerste  zu  verwüsten  nicht  gleichemn
Fug  und  Recht  haben  können?  Jedoch  damit  nicht

allein  Ihr,  sondern  auch  die  ganze  Welt  sehen
möchte,  wie  glimpflich  man  unsererseits  mit  den
dem  Feinde  zugetanenen  Provingen  zu  verfahren

gesonnen,  wie  man  Euere  gänzlichen  Ruine  keineswegs
  verlanget,  sondern  der  aller  christlichen  Jutention,
  meines  Herrn  und  Königs  gemäß,  christlich
gegen  Euch  gesinnet  sei  und  auf  nichts  anderes  das
Absehen  gerichtet  habe,  als  wie  man  dem  vielen
Blutvergießen  Ziel  und  Maß  setze;  so  könnt  Ihr
versichert  sein,  daß  man  Euch  gewiß  nicht  mit  solcher
  Grausamkeit  —  wie  der  feindlichen  Truppen  in
Pommern,  Bremen,  Finnland,  Liefland  und  Ingermanland
  kläglich  verübet  begegnen  werde,  woserne
  Ihr  nur  nicht  selbst  durch  vorsätzliche  Wider-—



spenstigkeit  Euch  einiges  Unglück  über  den  Hals
ziehet.  Lasset  aber,  werteste  Glaubensgenossen,
dasjenige,  was  an  Altona  geschehen,  in  Eurem

Sinne  nicht  für  eine  unbillige  und  gegen  Kriegsgebrauch
  verübte  gewalttätige  Verheerung  und  Verwüstung
  angesehen  sein,  dieweil  solcher  aus  unwiderstreitlichen
  Kriegesrecht  geschehen,  vermöge
welches  man  allezeit  befugt  ist,  nicht  allein  seinem
Feinde  allen  hauptsächlichsten  Abbruch  zu  tun,  sondern
  auch  vollkommene  Vergellung  der  von  unsern
Feinden  verübten  Gewalttaten  zu  gebrauchen.  Cuch