Katharina  Zitelmann.

Wir  grüßen  Dich  zum  siebenten  Jahrzehnt,

Im  Wellkriegsjahr,  da  alles  wankt  hinieden,
In  heißem  Ringen  sich  die  Menschheit  sehnt
Nach  einem  wonnevollen  Bölkerfrieden:

Da  feiern  wir  den  Tag,  wo  Du  erwacht

Zu  einem  reichgesegnet  langen  Leben,

Das  unter  Weihnachtsklängen  Dir  gelacht,

Die  ihm  ihr  festliches  Gelelt  gegeben

Und  die  gestimmt  von  seinem  Anbeginn

Auf  Fried'  und  Freude  Deines  Herzens  Saiten,
Daß  ruhevoll  mit  sich'rem  klarem  Sinn

Du  lonntest  froh  durch  die  Jahrzehnte  schreiten.

So  schau'n  wir  Dich,  des  Bundes  teures  Haupt,
Das  ferner  nie  ein  Ungemach  mehr  streife,

In  einer  Jugend,  die  kein  Alter  raubt

Und  ihren  Goldhauch  webt  um  Erntereife.

Wir  schaun  Dich  noch  in  Deiner  vollen  Kraft,
Die  einst  zum  Werk  der  Feder  Dich  getrieben,
Und  alles,  was  Du  je  voll  Geist  geschafft,

Für  Recht  und  Wahrheit  hast  Du  es  geschrieben,
Und  hälst  noch  heut'  in  pflichtgetreuer  Hand
Mit  Unermüdlichkeit  des  Bundes  Zügel,

Ob  auch  die  Sehnsucht  nach  entfernlem  Strand
Oft  in  Dir  regte  ihre  Wanderflügel.

Sie  trugen  manches  Mal  Dich  über's  Meer,
Und  Indiens  Wunder,  Japans  Blumenauen,
Egyptens  Sonne,  Chinas  Bauten  hehr,

In  Wort  und  Bild  Du  ließest  sie  uns  schauen.
Nun  steht  die  Welt  in  Brand:  zum  Ferngefild
Nicht  zieht's  Dich  mehr  an  tropische  Gestade,
Der  Heimaterde  all  Dein  Wünschen  gilt,

Dem  großen  Frieden  und  der  Siegergnade.
Der  Spruch,  der  über  Deiner  Wiege  stand:
„Ehre  sei  Gott  und  Friede  auf  der  Erden,
Und  an  den  Menschen  Wohlgefall'n"“  —  dem  Land,
Dem  ganzen  Volk  soll  er  Erfüllung  werden.

Wohl  schweigen  ob  dem  Ziel  so  heiß  ersehnt

Die  eig'nen  Wünsche,  doch  den  einen  legen

Wir  Dir  an's  Herz:  im  kommenden  Jahrzehnt
Den  Bund  noch  lang  zu  schirmen  und  zu  pflegen.
Spür'  unsern  Dank  für  alle  Deine  Treu-'

Und  unsre  warme  Liebe  herzerlabend:

Gesegnet  sei  an  jedem  Morgen  neu

Und  immer  lichter  werd's  um  Deinen  Abend!“

Von  Crich  müller  -Steglitz.

Dieser  warm  empfundene  Prolog  Erika  Kraft's

war  der  Auftakt  zu  einer  stimmumgsvollen
Feier,  die  der  Deutsche  Schriftstellerinnenbund  in
Verlin  zum  70.  Geburtstage  seiner  langjährigen
und  verdienstvollen  Vorsitzenden,  Katharina  Zitelmann,
  am  27.  Dezember  veranstaltete  und  die  so

recht  Zeugnuis  ablegt  von  der  großen  #ebe  und
Zuneigung,  deren  sich  die  Jubilarin  in  ihrem  Wirkungs
  und  Freundeskreise  erfreut.  Aber  nicht  nur
die  Verdienste  und  Erfolge  auf  diesem  engeren  Gebiete
  veranlassen  mich  heute  zu  einem  Aufsatze  über
muusere  hochgeschätzte  Landesmännin  —  wir  wollen
vor  allem  hören,  was  ihr,  der  Vielgereisten,  die  geblldete
  Welt  außerdem  noch  zu  verdanken  hat.

Die  Zitelmann's  sind,  wie  die  Dolau's  und
Graßmann's  ein  Patrizicrgeschlecht  Stettins,  eine
Gelehrten=  und  Künstlerfamilie,  aus  der  außer  Ka—
tharina  besonders  ihr  in  Bonn.  lebender  Bruder,
der  Rechtsprofessor  und  Dichter  Ernst  Zitelmam,
und  ihr  Neffe  Conrad  Telmann  hervorragen.  Katharina
  Zitelmann  erblickte  am  26.  Dezember  184.1
zu  Stettin  das  Licht  der  Welt  als  Tochter  des  Geh.
Regierungsrates  Otto  Conrad  Z.,  Verfassers  des
von  Prof.  Dr.  C.  Ad.  Lorenz  vertonten  Oratoriums
  „Otto  der  Große“,  der  „Norddeutschen
Bauerngeschichten"“,  des  Pfarrers  von  Buchendorf“
und  der  „Bilder  aus  der  Beamtenwelt“;  ihre  Mutter
  war  eine  geborene  von  der  Marwitz.  Bis  zum
Tode  des  Vaters  (1889)  verblieb  Katharina  in
Stettin  und  begab  sich  dam  auf  Reisen;  mehrere
Jahre  brachte  sie  in  Nom,  Paris  und  London  zu
und  wählte  nach  ihrer  Rückkehr  Berlin  zu  ihrem
ständigen  Wohnsitze.  1894  machte  sie  eine  größere
Reise  nach  Italien,  Aegypten  und  Griechenland,  besuchte
  etwa  zehn  Jahre  später  Vorder=  und  Hinterindien
  sowie  Tibet  und  1907—8  China,  Japan
und  Amerika.  Die  Früchte  dieser  stets  allein  unternommenen
  Reisen  sind  zahlreiche  anschauliche  umd
packende  Schilderungen  von  Land  und  Leuten  und

mehrere  Romane,  die  zu  den  besten  der  Frauenliteratur
  gezählt  werden.  So  „Unter  ägyptischer

Some“  (Carl  Dunkers  Verlag  1900)  und  „Vor  den
großen  Mauern“  —  aus  Chinas  jüngster  Vergangenheit
  —  (Engelhorns  Verlag  1910);  ferner  das

treffliche  „Indien,  ein  BuMch  für  Reisende  und
Nichtreisende“  (Leo  Woerls  Verlag).  Katharina
Zitelmanns  erster  Roman  „Im  Kampf  um  die