Ueberzeugung“  erschien  1889;  es  folgten  „Wo  liegt
die  Schuld?“  (1892),  „Alte  Liebe“  (1903),  „Die  be—

rühmte  Frau“,  „Denn  alle  Schuld  rächt  sich  auf
Erden“,  beide  1904  erschienen,  letzterer  bei  Carl
Dunker.  Mit  hübschen,  vielgelesenen  Novellen  trat

unsere  Landsmännin  bereits  1884  an  die  Oeffent—
lichkeit;  „Was  wird  sie  tun?“  nahm  Paul  Hoyse  in
seinen  Novellenschatz  auf.  „Ideale  und  Dissonanzen“
  und  „Sohn  und  Richter“  (1900)  erfreuen  sich
gleichfalls  weitester  Verbreitung.  „Die  Andalusierin“
  (Der  Bräutigam  wider  Millen  und  anderes)
verdient  wegen  der  sehr  feinen  Menschenzeichnung
ernste  Beachtung.

Katharina  Zitelmann,  die  zum  Teil  unter  dem
Pseudonym  K.  Ninhart  geschrieben  hat,  versteht  es
auch,  durch  Vorträge  mit  Lichtbildern,  nach  persönlichen
  Aufnahmen  an  Ort  und  Stelle,  zu  fesseln;
ihre  Themen  sind  u.  A.  „Wanderungen  durch  Brilisch.
  Indien“,  „An  der  Grenze  von  Tibet“  (Der
Buddhismus  und  Brahmaismus,  Simla  und  Dar-Unser

  Dommerland

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jeeling  im  Himalaya),  „Im  lachenden  Birma  und
in  Ceylon",  „Von  den  Wunderbauten  Hambodjas
nach  Siam  und  Birma“,  „Im  Reiche  des  Zopfes
und  der  großen  Mauern",  „Im  heiligen  Lande  und
in  Syrien“,  „Das  alte  und  das  neue  Japan“,  „Auf
der  anatolischen  Bahn  durch  Kleinasien.“

Eine  lebenswahre  Büste  umnserer  Landsmännin
hat  kürzlich  übrigens  der  einheimische  Meister  Martin
  Meyer-Pyritz  geschaffen  noch  zu  Lebzeiten
obne  Anerkemmung,  die  die  überaus  anspruchslose
imd  bescheidene  alte  Dame,  die  mit  ihrer  als  Konzertsängerin
  und  Gesangslehrerin  sehr  geschätzten
jüngeren  Schwester  Valerie  zusammenlebt,  sicherlich
hoch  erfreut  haben  wird.  Auf  sie  trifft  zu,  was  sie
einmal  von  den  Menschen  gesagt  hat,  die  zugleich
geistreich  und  gütig  und  tief  sind:  „Das  sind  die
Leuchten,  die  vor  uns  einherziehen,  und  uns  das
Leben  lebenswert  machen,  die  über  dasselbe  hinausweisend
  uns  goldene  Fernen  erschließen.“

Sb

Ginst  —  und  jetzt.

Bei  Freunden  war  es.  Man  hatte  sie  zu  Tisch
eingeladen,  um  einen  Gast  unterhalten  zu  helfen,
einen  durchreisenden  Fremden,  der  geschäftliche  Beziehungen
  zum  Haushern  hatte  und  aus  derselben
Stadt  gebürtig  war  wie  sie.

„Wer  kommt  denn?“  fragte  sie  die  Hausfrau,  als
sie  sich  ein  wenig  vor  der  festgesetzten  Stunde  einfand.


„Arnstadt  heißt  der  Herr.“

Ihr  stockte  fast  der  Atem,  als  sie  den  Namen
hörte.  Alles  Schönste  und  Holdeste  und  Bitterste
und  Trostloseste,  das  sie  erlebt,  es  knäpfte  sich  an
ihn.  Der  Mann  war  ihr  Schicksal  gewesen,  der
Grund,  daß  sie  unverheiratet  geblieben.  Wie  hatte
sie  ihn  geliebt!  Und  auch  seiner  Liebe  sicher,  hatte
sie  Jahr  um  Jahr  auf  ihn  gewartet;  ihre  Jugend
wor  darüber  hingegangen.  Dann  hatte  er  eine  andere
  geheiratet.  Warum,  das  wußten  die  Götter.  —

Wie  lange  war  das  nun  her?  Ein  Vierteljahrhundert
  bald,  seit  sie  zum  letztenmal  ihre  Hand  in
die  seine  gelegt  —  eine  lange,  lange  Zeit!  Und
doch  schien  es  ihr,  als  set  es  gestern  gewesen;  sie

Von  Katlkarina  zitelmann.

hörte  noch  den  weichen  Laut  seiner  Stimme,  sah
sein  schönes  Angesicht  sich  zu  ihr  neigen,  fühlte  den
warmen  Druck  seiner  Rechten  jede  Kleinigkeit
stand  zum  Greisen  deutlich  vor  ihrer  Erinnerung.
Und  nun  sollte  sie  ihn  wiedersehen!

–

„Sie  kannten  sich,  nicht  wahr,  Frida?  Ich
brauche  ihn  nicht  vorzustellen?“  fragte  die  Hausfrau.


Sie  bejahte  in  einer  so  gleichgültigen  Art,  als
ob  sie  nur  mechanisch  antworte  und  an  ganz  etwas
anderes  dächte.  Das  tat  sie  auch.  Sie  dachte  zurück
  an  ihre  Jugend,  an  ihre  große,  große  Liebe,
an  all  das  Glück  und  das  Herzeleid,  das  er  ihr  bereitet,
  an  all  die  blutigen  Tränen,  die  sie  geweint
um  seinelwillen.  Aber  fort  damit!  Das  lag  ja  so
weit  hinter  ihr.  Gekämpft  und  gerungen  hatte  sie,
sich  frei  gerungen  und  war  gesundet  umd  hatte  ihre
Kräfte,  die  sie  jahrelang  in  der  unseligen  Leidenschaft
  vergeudet,  brauchen  gelernt.  Warum  ihr  nur
das  Herz  so  klopfte!  Ein  seltsames  Gefühl  ist's
doch,  den  wiederzusehen,  der  einem  einst  so  nahe
gestanden!  Wie  er  wohl  aussehen  mochte?  Ob  er
erschrocken  sein  würde,  sie  zu  treffen?  Er  war  nicht