himmelhohe  Gottesund
  Kauf—

stolze  Städte  und  Burgen,
häuser,  Hausgerät  des  Handwerkers
herrn,  wie  es  unsere  Fürsten  kaum  besitzen,  die
Frauen  prangend  in  kostbaren  Tracht  und  im
Schmuck  kunstvoller  Kleinodien,  und  dabei  alles
Volk  zufrieden,  glücklich  und  verträglich.  Ihr  könnt
es  mir  glauben,  daß  ich  aus  dem  Staunen  und
Bewundern  nicht  herauskam.  —  Und  all  das  Glück
können  auch  wir  haben,  wenn  wir  es  nur  annehmen
  wollen.“

„Wir  haben  alles,  was  wir  brauchen,“  rief  bei
diesen  Worten  Herr  Jakzo  von  Drosedow  über  den
Tisch.  Doch  Herr  Dubnitz  fuhr  fort:

„Nein,  ihr  tut  mit  euren  Spötteleien  und  eurer
Unzufriedenheit  bitteres  Unrecht.  Ich  hätte  nicht
so  viel  Worte  gemacht,  wenn  ich  nicht  ein  Vöglein
hätte  singen  hören,  daß  über  die  Einführung  der
neuen  Lehre  bereits  vielerorten  Unzufriedenheit
berrscht,  daß  es  schon  hier  und  da  gärt  und  man
das  Kirchenjoch,  wie  man  es  nennt,  am  liebsten
wieder  abwerfen  möchte  und  nur  auf  eine  passende
Gelegenheit  wartet,  das  Vorhaben  auszuführen.  —

Ich  warne  euch.  Macht  euch  und  die  eurigen
nicht  unglücklich!  Das  Strafgericht  könnte  fürchterlich
  sein.  Denkt  an  den  Schreckenstag  von  Damm
und  der  umliegenden  Landschaft  vor  ungefähr  einem
Menschenalter.  Noch  nach  Jahren  fand  ich,  mit
dem  Herzoge  über  die  Kampfstätte  reitend,  die  gebleichten
  Knochen  der  Erschlagenen  in  Wald  und
Feld  zerstreut,  wie  Wolf  und  Fuchs  einmal  die
Glieder  verschleppt  hatten.  —

Und  das  war  der  Pole  allein,  der  damals  die
gegen  Herrn  Wartislav  Aufsässigen  bestrafte.  Heute
aber  stände  die  ganze  Christenheit  wider  uns,  wenn
wir  uns  in  solche  Fährnis  begäben,  die  Polen  mit
ihren  Vasallen,  den  Pomerellen,  unseren  Volksgenossen
  zwischen  Persante  und  Weichsel,  ferner  der
märkische  Bär,  der  deutsche  Kaiser,  die  Dänen.  Im
Liutizenlande  erzählen  sie  heute  noch  nach  fast
zweihundert  Jahren  mit  Grauen  von  dem  furchtbaren
  Strafgerichte,  das  Kaiser  Otto,  den  sie  den
Großen  nennen,  über  die  besiegten  aufrührerischen
Liutizen  ergehen  ließ.  Siebenhundert  in  der
Schlacht  gefangene  Edle  und  andere  Männer  ließ
er  neben  dem  abgeschlagenen  Haupte  ihres  Fürsten
Stoinev  hinrichten  und  dessen  Ratgeber  die  Augen
ausstechen  und  die  Zunge  abschneiden.  Darum  hütet
  euch!“

Die  eindringliche  Rede  des  alten  Kämpen  schien
einen  wunden  Punkt  im  Gewissen  der  Edlen  berührt
  und  die  beabsichtigte  Wirkung  nicht  verfehlt
zu  haben.  Denn  einige  Minuten  lang  vernahm  man
kein  anderes  Geräusch  als  nur  hier  und  da  das
Aufstoßen  einer  Kanne  und  das  Rauschen  des  Metstroms,
  wenn  einer  der  bedienenden  Knechte  den
Kran  des  Fasses  öffnete.  Nun  aber  räusperte  sich
der  Zirkwitzer  Herr  und  nahm  mit  einem  Lächeln,
das  kein  gutes  Gewissen  andeutete,  noch  einmal  das
Wort,  indem  er  sich  an  Herrn  Dubnitz  wandte.
„Du  siehst  Nachtgeister,  Böäterchen,“  begann  er.  „An

—  Unser  Dommerland:n

55

eine  Verschwörung  oder  einen  Abfall  vom  Christenglauben
  denkt  niemand.  Aber  man  darf  füd  sein
teures  Geld  und  Gut  doch  einmal  frisch  von  der
Leber  reden.  Freie  Männer  im  Herrensaal  sind
leine  Zinsbauern,  die  nur  die  Faust  in  der  Tasche
ballen  und  in  ihrem  machtlosen  Aerger  hinter  dem
Grundherren  ausspucken.  Frei  und  offen  reden  wir
Pommnernherren  zu  unseren  Fürsten  und  tun  nicht
gleich  den  knechtischen  Polen,  die  nur  sagen:  „Wie
der  Herr  Herzog  befehlen,“  oder  „Euer  Gnaden
umtertänigster  Knecht,“  wobei  sich  die  edlen  Herren
noch  zwei  Spannen  unter  den  Gürtel  bücken  und
ihre  schmierigen  Samtlappen  bis  auf  die  Erde
schwenken.  —  Im  übrigen  will  ich  aus  meinem
Herzen  keine  Mördergrube  machen  und  kann  nur
sagen,  daß  ich  als  einer  der  ersten  mittäte,  wenn
wir  uns  bei  unserem  lieben  Erbfeinde  einmal  für
das  herrliche  Geschenk  bedanken  würden,  das  er  uns
auf  Bitten  unferes  vorigen  Fürsten,  des  schlappen
und  ängstlichen  Herrn  Wartislav,  gemacht  hat,  oder
wenn  wir  uns  gelegentlich  erkundigen  würden,  wie
es  unseren  achttausend  armen  Volksgenossen  ergeht,
die  Boleslav  Schiefmaul  damals  nach  der  großen
Menschenschlächterei,  von  der  du  sprachst,  als  Gegengeschenk
  Wartislav  mitnahm  und  in  seinem  Lande
als  Prellbock  gegen  uns  längs  unserer  Grenze  ansiedelte.
  —  Denn  das  lasse  ich  mir  nicht  ausreden:
Es  war  dazumal  nichts  Besseres  und  nichts
Schlechteres  als  ein  ganz  gewöhnlicher  Menschenhandel!
  Der  Pole  half  Herrn  Wartislav  seinen
dazumal  noch  recht  wackeligen  Herrschersitz  befestigen
  und  dieser  überantwortete  jenem  in  gehorsamer
Erkenntlichkeit  seine  eigenen  Landeskinder.  Ein
schlauer  Fuchs,  der  Pole!  So,  da  sitzt  ihr  nun
hübsch  an  der  Grenze,  und  wenn  eure  Landsleute
wieder  einmal  in  mein  Land  einbrechen,  so  habt
ihr's  zunächst  auszuladen!  —  Ich  bin  Christ,  aber
den  Polen  hasse  ich,  hasse  ihn  tausendmal  mehr  als
den  Dänen,  Rügianer  und  Preußen  zusammen,  alles
  Feinde,  die  uns  Pommern  doch  auch  nicht  allzu
glimpflich  behandelt  haben.  Der  Pole  aber  hat  zu
viel  auf  dem  Kerbholz.“

Beifällige  Zurufe  lohnten  den  Sprecher  und  allerlei
  böse  Verwünschungen  gegen  die  Polen  ertönten
  in  der  Runde,  wobei  manche  Hand  nach  der
Stelle  fuhr,  wo  an  dem  gelockerten  Ledergurt  der
breite  Dolch  in  der  Scheide  saß.  Als  die  Beifallsäußerungen
  allmählich  verstummten,  erwiderte  Herr
Dubnitz:  „Freie  Männer  schimpfen  nicht  wie  die
Rohrspatzen  aus  sicherem  Versteck.  Wenn  euch  der
als  Leistung  an  die  Kirche  festgesetzte  Zehnte  zu
hoch  bedünkt,  so  ermächtigt  einige  der  Unsern,  daß
sie  zu  Fürst  Ratibor  gen  Kammin  ziehen  und  ihm
eure  Beschwerden  vorbringen.  Ich  für  mein  Teil
gebe  allerdings  meinen  Namen  nicht  dazu  her,  weil
ich  meine,  daß  uns  noch  reichlich  zu  essen  und  zu

kleiden  übrig  bleibt.  Aber  daß  mir  mein  alter
Herr  und  Freund  Wartislav  verunglimpft  wird,
kann  ich  nicht  unwiderlegt  lassen.  Von  meinem

dreißigsten  bis  zu  meinem  fünfundvierzigsten  Jahre,