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Er  hatte  bisher  nicht  in  den  Wortstreit  eingegriffen,
sondern  nur  hin  und  wierder  ein  paar  gleichgültige
Worte  mit  seinem  Nachbarn,  Herrn  Gützlav  von
Gützelfitz,  gewechselt.  Dabei  aber  war  ihm  lein
Wort  der  verschiedenen  Sprecher  entgangen.

Nun  erhob  er  sich  aus  seinem  eichenen  Lehnsessel,
schlug  mit  der  Kanne  auf  den  Tisch  und  rief  Herrn
Jakzow  ernst,  wenn  auch  nicht  unfreumdlich,  zu:
„Herr  Dubnitz  ist  mein  Gast  hier  am  Tische  wie  Du,
Jakzow.  Und  wenn  ich  ihm  auch  nicht  in  allem,
was  er  sprach,  beipflichte,  so  kann  ich  doch  nicht
dulden,  daß  er  von  dir,  noch  dazu  einem  so  jungen
Manne,  beschimpft  wird.  Darum  halte  Frieden  und
spüle  deinen  Aerger  lieber  mit  einem  kräftigen  Trunk
auf  unser  Pommerland  hinunter!  —  Plietzka,  eine
frische  Kanne  für  Herrn  Jakzow!"

Alleim  diese  milde  Zurechtweisung  war  Herrn
Dubnitz  durchaus  nicht  nach  dem  Sinne,  und  während
  sein  Widerpart  sich  brummend  auf  seinen  Schemel
  zurückvarf,  daß  das  Binsengeflecht  des  Sitzes
erkrachte,  erhob  er  sich  und  schritt  auf  den  Hausherrn
  zu,  um  sich  zu  verabschieden.  Zwar  versuchte
dieser,  ihn  durch  gütliche  Zurede  zu  weiterem  Verweilen
  zu  bewegen,  allein  Herr  Dubnitz  verharrte
dei  seinem  Entschluß,  zumal  ihm  die  Einladung
zum  Bileiben  nicht  allzu  dringlich  geklungen  hatte
und  es  ihn  bedünkte,  als  habe  Herr  Sambor  dabei
mehr  dem  Gebot  der  Hoöflichkeit  und  Gastfreundschaft
  als  einem  aufrichtigen  Verlangen  nach  seiner
Gesellschaft  nachgegeben.  So  sah  er  sich  zugleich
verletzt  und  gekränkt  und  antwortete  deshalb  in  gereiztem
  Tone:  „Meine  Anwesenheit  scheint  hier  als
umbequem  empfunden  zu  werden.  Darum  räume  ich
das  Feld.  Dich  aber,  Nachbar  Sambor,“  fügte  er,
nur  dem  Hausberrn  verständlich,  bedeutungsvoll
binzu,  „warne  ich.  Mach  dich  und  deine  Kinder,
mach  unser  ganzes  Volk  nicht  unglücklich!  Man
munkelt  gar  mancherlei.  Gib  denen  hier  zu  trinken,
  so  viel  sie  wollen,  aber  mißbrauche  nicht  ihre
Trunkenheit!“

Der  Wirt  hatte  eine  scharfe  Antwort  auf  der
Zunge,  aber  er  bezwang  sich  und  erwiderte  in  anscheinend
  größter  Seelenruhe  und  harmlosester  Gutmütigkeit:
  „Redereien,  Nachbar,  nichts  als  Redereien!
  Was  sollte  ich  im  Schilde  führen?  Weil  ich
mich  noch  nicht  der  neuen  Lage  gebeugt  habe  und
meinen  geraden  Weg  gehe,  werde  ich  verleumdet  und
schiebt  man  mir  Gedanken  unter,  die  ich  nie  gehegt
  habe.  Sei  ohne  Sorgel  Eurem  Gotte  geschieht
  kein  Unglimpf  und  den  frommen  Bätern,  wie
ihr  seine  Priester  nennt,  keine  Unbill.  Wüßtest  du
überhaupt,  wie  ich  zu  unsern  alten  Göttern  stehe,
so  würdest  du  mir  nicht  zutrauen,  daß  ich  ihrerhalb
auch  nur  einen  Finger  rührte.“  —

Anser  HPommerland

Herr  Dubnitz  schüttelte  sein  graues  Haupt.  Die
Antwort  Herrn  Sambors  schien  ihn  nicht  zu  befriedigen.
  „Ich  habe  meine  Schuldigkeit  getan,“  sagte
er,  „tu  du  die  deinel“

„Auch  mein  ganzes  Sinnen  und  Streben  gilt
dem  Vaterlande,“  erwiderte  der  Angeredete.

„Möchte  es  nur  auf  rechtem  Pfade  wandeln!“
schloß  Herr  Dubnitz  ernst,  dann  langte  er  seinen
pelzgefütterten  Mantel  vom  Riegel  und  verließ,  vom
Wirte  geleitet,  nach  kurzem  Gruß  den  Saal.  Draußen
  hörte  man  ihn  nach  seinen  Knechten  rufen  und
bald  erklang  auf  der  vom  Frost  gehärteten  Grabenbrücke
  der  Hufschlag  der  Pferde.  —

Als  Herr  Sambor  in  den  Saal  zurückkehrte,  bemerkte
  er  mit  Befriedigung,  daß  der  unliebsame
Zwischenfall  bereits  vergessen  zu  sein  schien  und  die
ursprüngliche  fröhliche  Stimmung  wieder  eingekehrt
war.  Nur  Herr  Jakzo  saß,  finster  blickend,  vor  seinem
  Kruge.  Herr  Sambor  trat  hinter  seinen  Stuhl
und  sagte,  indem  er  die  Hand  auf  des  Gastes
Schultern  begte:  „Weshalb  so  schweigsam,  Jakzo?
Du  bist  doch  nicht  etwa  mißgestimmt  wegen  der
Vorhaltung,  die  ich  dir  scheinbar  machte.  Aber  das
ließ  sich  beim  besten  Willen  nicht  umgehen,  sollte  der
alte  Fuchs  nicht  noch  mehr  Witterung  bekommen,
als  er  schon  ohnedies  hatte.  Doch  jetzt  kann  ich  es
ohne  Gefahr  aussprechen:  Du  hast  mir  und  der  gauzen
  Gesellschaft  einen  großen  Gefallen  erwiesen,  indem
  du  uns  den  unleidlichen  Deutschen=  und
Christenfreund  vom  Halse  schafftest.  Also  nichts  für
ungut!  Mein  erster  Zutrumk  gilt  dir  und  der  Erfüllung
  deiner  Wünsche!"

Bei  den  letzten  Worten  seines  Wirtes  erhellte  sich
zusehends  Herrn  Jakzos  mürrische  Miene,  doch
fragte  er  den  Hausherrn  noch  in  ziemlich  verdrossemem
  Tone:  „Warum  hast  du  denn  den  alten  Schleicher
  überhaupt  geladen?  Er  ist  mit  seinen  volksfeindlichen
  Ansichten  doch  keinem  von  uns  genehm.“

Wiederum  überflog  ein  Lächeln  der  Befriedigung
des  Hausherrn  Antlitz,  während  er  dem  Frager
antwortete:  „Hierüber,  mein  lieber  Jakzo,  sollst  du
sofort  unterrichtet  werden.  Doch  ist  die  Antwort,
die  ich  geben  werde,  für  alle  Anwesenden  von  Bedeutung.
  Darum  gestatte,  daß  ich  mich  an  die  gesamte
  Gesellschaft  wende."“

Nachdem  Herr  Sambor  sich  durch  einige  Zurufe
Gehör  verschafft  hatte,  begann  er:  „Ich  habe  soeben
unserem  lieben  Jakzo  meinen  Dank  dafür  ausgesprochen,
  daß  er  uns  den  Alten  vom  Leibe  geschafft
hat.  Ich  hoffe,  daß  niemand  darum  Herrn  Jakzo
tödliche  Feindschaft  schwört.  Oder  ist  jemand  unter
  uns,  der  den  Dresower  lieber  hätte  bleiben  als
gehen  sehen?“

(Fortsetzung  folgt.)