Der  Kriegswinter  in  einem  pommerschen  Dorfe.“)

auch  für  unsere  Dorf-Acht

  Kriegsmonate  sind  »
Zwar  haben  wir  hier

bewohner  dahingegangen.
keine  Feinde  gesehen,  aber  doch  sind  die  Kriegsmöte
  auch  in  unser  stilles  Dorf  gekommen.  Sind
doch  bereits  fünfundvierzig  Krieger  aus  demselben
im  Felde.  Bei  260  Seelen  eine  große  Zahl.  Von
diesen  sind  zwei  gefallen,  elf  meistens  leicht,  zwei
schwer  verwundet  resp.  erkrankt,  und  einer  in  russischer
  Gefangenschaft.  Drei  Prieger  haben  das
Eiserne  Kreuz  erhalten.  Zu  Weihnachten  waren
sechs  verwundete,  aber  in  Genesung  befindliche
Feldgraue  bei  der  Weihnachtsfeier  in  der  Schule.
Ab  und  zu  kommt  auf  ein  paar  Tage  wieder  ein
Wehrmann  kurz  vor  seiner  Wiederabreise  ins  Feld
hierher  zum  Urlaub.  Alle,  die  hier  waren,  haben
aber  zuhause  keine  Ruhe.  „Was  sollen  wir  hier,“
haben  inir  verschiedene  Soldaten  gesagt:  „Alle  unsere
  Kameraden  kämpfen  draußen,  wir  wollen  auch
wieber  ins  Feld,  sobald  wir  hergestellt  sind,  sonst
müssen  wir  uns  ja  schämen!“  Sonst  wird  von  den
Eltern,  Gattinnen,  Geschwistern  viel  gebangt,  oft
geklagt  und  geseufzt,  viele  Briefe  geschrieben  und
Pakete  gepackt.  Man  freut  sich,  wenn  gute  Briefe
aus  dem  Felde  kommen  und  jubelt  und  lacht,  wenn
Siegesnachrichten  eintreffen.  Die  Arbeit  geht  still,
emsig  und  mit  verdoppeltem  Eifer  vor  sich.  Frauen
und  Jungfrauen  treten  in  die  Lücken  ein,  die  der
Krieg  an  Arbeitskräften  gebracht  und  jetzt  beginnen
die  ersten  Versuche,  daß  Jungfrallen  Dung  fahren,
eggen  und  pflügen  wollen.
Auch  für  Kriegsliebesgaben

hat  man  ein  teilnehmendes

  Herz  und  eine  milde  Hand.  Die  zweimalige
  Kriegssammlung  brachte  505  Mk.;  die
Kirchenkollekte  für  die  notleidenden  Ostpreußen

131  Mk.,  (diesmal  allerdings  die  ganze  Parochie,
vier  Dörfev).  In  der  Wollwoche  wurden  Zentner
von  alten  wollenen  Kleidern,  Unterröcken  2c.  abgeliefertt
  daneben  sind  reichlich  Strümpfe,  Kopfkappen
  2c.  gestrickt  worden.

Fleizig  wurden  die  täglichen  Zeitungen  studiert.
  Mehr  als  je  werden  solche  gelesen.  Auch
illustrierte  Blätter  vom  Kriege  sind  hier  zu  finden.

*)  Dieser  Artikel  ist  dem  9.  Hefte  der  Volksbildung
  entnommen.  Mit  Recht  rühmt  der  Herausgeber
  des  Blattes,  daß  diese  Zeilen  „ein  wirkliches
erquickliches  Bild  von  dem  Leben  eines  kleinen
Dorfes,  und  von  der  Teilnahme  seiner  Bewohner
an  dem  großen  Ringen  unserer  Tage“  geben.

Von  J.  Msmuszzwielipp

Karten  vom  Kriegsschauplatze  sind  in  den  meisten
Stuben  an  die  Wände  geheftet.  Man  will  wissen,
wo  der  oder  die  Hausgenossen  im  Kampfe  stehen.
Darum  ist  eine  rege  Begier  vorhanden,  vom  Kriege,
von  seinen  Fortschritten,  Siegen  2c.  etwas  zu  hören

  und  sich  von  der  Kriegslage  unterrichten  zu
lassen.  Das  ist  nun  die  Aufgabe,  die  ich  mir  in
den  Kriegsabenden  gestellt  habe.  Als  die  Erntearbeit

  im  Herbste  einigermaßen  beendet  war  und
die  langen,  dunklen.  Abende  begannen,  hielt  ich  am
14.  Oktober  1914  den  ersten  Kriegsvortrag.  Seitdem
  wurden  zuerst  alle  Mittwoch  abend,  später  alle
zwei  Wochen,  solche  Kriegsabende  veranstaltet.  So
simd  bisher  17  solcher  Versammlungen  gewesen.
Sie  waren  bisher  stets  sehr  gut  besucht.  Die
Schulstube,  in  der  sie  stattfanden,  war  gedrängt
voll.  Trotz  Dunkelheit  und  oft  schlechten  Wetters
kamen  die  Leute  doch.  Selbst  ein  „Ausgebauter“",  Fr.
K.  läßt  sich  niemals  abhalten.  Er  ist  stets  dagewesen.
  Ein  alter  Bauer  entschuldigte  sich  einmal
mit  den  Worten:  „Ich  konnte  gestern  nicht  kommen,
meine  Leute  vom  ganzen  Hofe  wollten  hin,  keiner
wollte  zuhause  bleiben.  Da  mußte  ich  schon!“  Es
ist  auch  keine  Verminderung  im  Frühjahr  eingetreten.
  Nun  werde  ich  aber  auf  Bitten  meiner  Dorfinsassen
  die  Sonntagnachmittage  nehmen,  alltags
drängt  die  Arbeit  zu  sehr,  und  die  Zeit  wird  knapp.

Die  Veranstaltung  dauert  etwa  1—17¼  Stunden.
  Jeden  Kriegsabend  beginne  ich  mit  Absingen
eines  passenden  Choralverses.  Bei  den  Vorträgen
kam  und  kommt  es  mir  darauf  an,  zu  zeigen:  Wie
ist  die  Kriegslage?  Wo  stehen  unsere  Heere?  nebenbei
  auch:  Wo  sind  umnsere  Krieger  aus  Zwielipp?
Als  der  Winter  herankam,  wurde  ich  oft  gefragt:
Werden  unsere  Soldaten  auch  in  Rußland  erfrieren
und  umkommen  wie  einst  1812  die  Frangosen?  Das
war  gute  Gelegenheit  zu  einem  Vortrage:  „1.  Warum
  ging  Napoleons  Heer  1812  zu  Grunde?
2.  Warum  brauchen  wir  davor  keine  Angst  zu  haben?“
Die  Angabe  über  die  Kriegslage  und  Kriegsmitteilungen
  genügen  aber  auf  die  Dauer  nicht,  um  das
Interesse  an  den  Abenden  wach  zu  erhalten.  Daher
  war  ich  von  Anfang  an  bestrebt,  die  Länder
und  Völker,  in  denen  und  mit  denen  wir  kämpfen,
genau  zu  schildern.  Z.  B.  geographische  Lage,
Bodenbeschaffenheit,  Klima,  Beschäftigung  der  Bewohner,
  Geschichte  (kurz)  und  Charakter  des  Volkes.
  Gute  Dienste  hat  mir  dabei  geleistet  das  Buch:
„Deutschlands  Freunde  und  Feinde“.  Kurze  Staa-