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tenbeschreibung  mit  besonderer  Rücksicht  auf  die
Kriegslage  von  Paul  Hage,  (Verlag  von  Peter
Hobbing,  Steglitz  1914).  So  habe  ich  behandelt  an
den  verschiedenen  Abenden:  Belgien,  Frankreich,
Ostpreußen  (Germanisierung  und  Leidensschicksale  in
den  vergangenen  Jahrhunderten)  Polen,  Oesterreich=Ungarn,
  Rußland  und  zuletzt  am  3.  Ostertage  die
Türkei.  Zum  nächsten  Male  ist  geplant:  Entstehung,
  Wachstum,  Blüte  und  Rückgang  des  Islam
  und  der  Islam  in  neuester  Zeit.

Als  Vorbereitungsstoffe  wurden  unter  anderen
benutzt:  Berliner  Abendzeitung  (Scherls  Verlag),
Kolberger  Zeitung  für  Pommern,  Illustrierte  Weltchronik
  der  Leipziger  Illustrierten  Zeitung,  Tert
vom  Paul  Schreckenbach,  Reklams  Universum,
Kriegsschriften  des  Kaiser-Wilhelm-Dank  (Bis  z.  Z.
16  Hefte).  Gute  Anschauungsbilder  für  die  Vorträge
  liesern  die  Kriegsberichte  der  Berichterstatter
der  Berliner  Abendzeitung  und  die  Briefe  meiner
Schüler,  die  mir  regelmäßig  zugehen.  Da  ich  am
1.  Mai  d.  J.  hier  25  Jahre  wirke,  so  sind  alle
Krieger  aus  Zwielipp  meine  Schüler,  und  sie  zeigen
mir  ihre  Liebe,  daß  sie  mir  Karten  oder  Briefe
übersenden,  manche  oft  interessant  und  wundervoll.
Daher  bin  ich  genau  unterrichtet,  wo  unsere  Zwielipper
  ihre  Quartiere  haben  und  wie  es  ihnen  ergeht.
  Die  besten  Briefe  lese  ich  dann  ganz  oder
teilweise  vor.  Jede  Familie  dieser  alteinfässigen
Geschlechter  fühlt  sich  geehrt,  wenn  ihr  Sohn  oder
Gatte  öffentlich  erwähnt  wird.  Deshalb  werden  mir
auch  die  Briefe  an  die  Angehörigen,  die  aus  dem
Felde  kommen,  zum  Durchlesen  übergeben.  Auf
meine  Bitte  werden  die  Briefe  von  jeder  Familie
sorgfältig  aufbewahrt  für  spätere  Zeiten  resp.  mit
Tinte  nachgeschrieben,  weil  die  Bleistiftschrift  bald
verlöscht.  Die  anziehendsten  und  den  Geist  der  Zeit
oder  die  betreffenden  Krieger  kennzeichnenden  Briefe
schreibe  ich  selbst  oder  lasse  sie  durch  andere  in
meine  Schul=  und  Dorfschronik  eintragen.  Die  besten
werde  ich  in  guten  Sammelschriften  über  den  Krieg
unterzubringen  suchen.

Von  hier  aus  werden  die  Soldaten  mit  Zeitungen
  versorgt,  die  mit  großem  Dank  angenommen
werden.  „Oftmals“,  schreiben  mir  meine  Schüler,
„ist  es  im  Schützengraben  so  langweilig,  da  ist  eine
Zeitung  sehr  erwünscht.  Man  weiß  auch  sonst  nicht,
was  in  der  Welt  vorgeht!“

Die  Vorträge  wurden  unterbrochen  durch  Deklamationen
  passender  Gedichte,  Gesang  von  patriotischen
  Liedern  und  Vorlesen  der  Berichte  der  Kriegsberichterstatter.
  An  ersteren  ist  zu  dieser  Zeit  kein
Mangel.  Die  Berichte  der  Augenzeugen  vom
Kriege  werden  teils  verlesen,  teils  dem  Sinne  nach
wiedergegeben.  Mit  Aufmerksamkeit  wurden  auch
Gedichte  unserer  Feinde  angehört  z.  B.  „Der  Gefangene
  von  Hohenasperg"  und  „Der  sterbende
Freund“  (von  einem  verwundeten,  Franzosen  im
Karlsvuher  Lazarett).  Gleichfalls  wurde  Sven  Hedins
  Bericht  über  das  deutsche  Heer  und  den  deutschen
  Kaiser  verkündet.  Drei  Abende  ähnelten  mehr

Unser  Dommerland

den  Kriegsbetstunden:  Weihnacht,  Silvesterabend  und
Kaisersgeburtstagsfeier.  An  diesen  nahmen  die
Schulkinder  mehr  Teil  durch  Aufsagen  von  Gebetsversen,
  Gedichten,  Liedern  2c.  Gemeinsam  wurden
die  Weihnachts=  und  Neujahrslieder  gesungen.

Am  aufregendsten  gestalteten  sich  die  Feiern  und

Abende,  wenn  eines  gefallenen  Kriegers  gedacht
wurde.  Zum  Glück  nur  zweimal.  Dann  gab  ich
ein  kurzes  Lebensbild  desselben,  zeigte  aus  den

Briefen  seine  Tätigkeit  in  dem  Feldzuge,  seine  Sorgen
  und  Mühen,  seine  Freuden  und  Hoffumgen,
seine  Todesahnungen  und  seinen  irdischen  und
himmlischen  Lohn  und  schloß  mit  einem  Liederverse,
der  gemeinschaftlich  gesungen  wurde,  z.  B.  „Was
Gott  tut,  das  ist  wohlgetan“  und  „Wenn  ich  einmal

soll  scheiden“  (O  Haupt  voll  Blut  und  Wunden,
Vers  9  und  10).  Es  wurden  viele  Tränen  geweint.
  Für  unsere  glaubensgewissen  Landleute  ist

die  Tröstung  auf  Grund  der  Religion  die  beste.
Das  zeigte  mir  unter  anderm  eine  Bauernwitwe.
Ihr  Sohn  hatte  aus  dem  Felde  wochenlang  nicht
geschrieben.  Sie  war  in  banger  Sorge.  Da,  so  erzählte
  sie  mir,  sagte  ihre  Tochter  zu  ihr:  „Mutter,
komm  mit  in  den  Kriegsabend!“  „Ich  ließ  mich
bereden!“"  Es  war  am  Gedenkabend  für  den  zweiten
  Gefallenen.  Nachher  sagte  sie  mir:  „Es  ist  doch
schön,  daß  ich  gekommen  bin,  vorher  hatte  ich  gar
keine  Ruhe.  Jetzt  ist  mir  ganz  wohl  ums  Herzl"“
Ihr  Sohn  ist  zum  Glück  nicht  tot,  aber  verwundet
in  einem  ostpreußischen  Lazarett.

Ganz  aufgelkst  vor  Schmerz  brachte  mir  eine
andere  Mutter  eine  Karte,  die  ihr  berichtete,  daß
ihr  zweiter  Sohn  (der  erste  war  schon  gefallen)  in
russöscher  Gefangenschaft  sei.  Sie  klagte,  dies  wäre
noch  schlimmer  wie  der  Tod.  Mit  Mühe  konnte  ich
ihr  die  Befürchtungen  ausreden.  Am  nächstfolgenden
  Abend  gab  das  Gelegenheik,  kurz  die  Fürsorge
für  unsere  Gefangenen  und  Verwundeten  in  Feindesland
  durch  die  Gesandten  der  neutralen  Mächte
zu  erwähnen  mit  der  Mahnung,  nur  hoffen  und
dulden,  aber  nicht  verzweifeln.

Rühmend  wurde  der  Helden
Eiserne  Kreuz  erhielten.

Die  erste  Kriegsanleihe  kam  so  schnell,  daß  darüber
  keine  Aufkbärung  gegeben  werden  konnte.  Desto
mehr  geschah  dies  aber  bei  der  zweiten  Anleihe.
In  einem  besonderen  Kriegsabend  wurde  die  Sache
allseitig  beleuchtet  und  beraten.  Der  Erfolg  war,
soviel  ich  beurteilen  kann,  ein  guter.

Das  ist  ein  kurzes  Bild  von  der  Tätigkeit  auf
dem  Lande  in  dieser  Kriegszeit.  So  ist  es  mehr
oder  weniger  in  den  meisten  Dörfern.  Ueberall
simd  treue  Helfer  an  der  Arbeit.  Jeder  Deutsche
sucht  heute  seine  Schuldigkeit  zu  tun  in  dieser  ernsten
  Zeit,  draußen  im  Felde  die  Krieger,  zuhause
die  Zurückbleibenden.  Die  einen  streiten,  siegen  oder
sterben,  die  andern  belehren,  ermuntern,  trösten,
nähren,  rüsten  und  versorgen.  Alle  aber  sind  erfüllt
  von  dem  Vertrauen  und  Verlangen,  daß  wir
doch  endlich  gewinnen  und  den  Sieg  behalten.

gedacht,  die  das