Wie  kann  die  Pommernheimat  ihre  Gefallenen  ehren?

Nachdruck  nach  Genehmigung  des  Verlages  gestattet.

Die  Gefallenen!?  —  Ach,  wir  wissen,  wenn  dieser
  blutigste  aller  Kriege  wird  zu  Ende  gegangen
sein,  und  uns  hoffentlich  einen  glorreichen  jahrzehntelangen
  Frieden  wird  ins  deutsche  Land  gebracht
  haben,  dann  wird  alle  Freude  über  das  Errungene
  doch  tief  verschleiert  werden  von  den  düsteren
  Schatten,  der  schweren  Trauer  um  diese  unendlich
  vielen  Opfer  an  jungem  Blut  und  Leben,
an  den  reifen  Kräften,  die  alle  um  des
Vaterlandes  Glück  und  Größe,  um  sein  Weiterbestehen
  und  seine  hohen  heiligen  Aufgaben  in  der
Welt  fallen  mußten.  Erst  wenn  die  Geliebten  da
drauzen  heimkehren  werden,  wenn  ihre  Fahnen  hereingetragen
  werden  in  die  Tore  unserer  Städte,
dann  werden  wir  erst  die  großen  schmerzlichen
Lücken  recht  erkennen,  die  in  den  Reihen  derer  entstanden
  sind,  die  so  stark  und  geschlossen  hinausgingen,
  froh  aus  den  geschmückten  Zügen  uns  zum
Abschiede  noch  zutvinkten.  Dann  erst  werden  zahlreiche
  Eltern,  Frauen,  Freunde,  Schwestern  und
Bräute  in  tiefster  Trauer  an  die  denken,  die  unwiderbringlich
  für  ihr  Erdenglück  dahin  sind,  und
in  fremder  Erde  ihr  Grab  fanden.  Ja,  fanden  sie
auch  immer  ihr  Grab?  —  Da  erhebt  sich  eine  der
Fragen,  die  dem  tiefen  Gemüt  unseres  Volkes  so
ganz  besondere  Unruhe  gebracht  haben.  Wieviele
Namen,  daneben  das  schwerwiegende  Wort  „ermißt
  “  geschrieben  wurde!  Besonders  unsere  Seelsorger
  wissen  es,  zu  welcher  schweren  Last,  welchem
  Druck  die  Gedanken  heute  schon  geworden  sind
und  fir  lange  bleiben  werden,  die  sich  an  dieses
Wort  knüpfen.

Was  besonders  unsere  schlichteren  Volkskreise,
auch  unsere  Pommern  der  Landheimat,  bei  diesem
Worte  bewegt,  das  hat  Detlev  von  Liliencron
  in  seinem  lleinen  Gedichte:  „Der  sterbende
  Soldat“  wiedergegeben:

Im  Weizenfeld,  in  Korn  umnd  Moahn,
liegt  ein  Soldat,  unaufgefunden,

zwei  Tage  schon,  zwei  Nächte  schon,
mit  schweren  Wunden,  unverbunden.

Durstüberquält  und  fieberwild,

im  Todeskampf  den  Kopf  erhoben.
Ein  letzter  Traum,  ein  letztes  Bild,
sein  brechend  Auge  schlägt  nach  oben.

Von  Karie  Luise  Bartz-Friedenau.

Die  Sense  rauscht  im  Aehrenfeld,

er  sieht  sein  Dorf  im  Arbeitsfrieden,

ade,  ade,  du  Heimatwelt  —

und  beugt  das  Haupt  und  ist  verschieden.

Dan  sie  nicht  aufgefunden  wurden
bei  diesem  Massensterben,  daß  ihr  Leib  nicht  „zu
der  Erde  kam,  davon  er  genommen  ist,“  das  ist
tiefer  Glaube  bei  unserm  Volke,  daß  dann  auch  die
Seele  „nicht  geht  an  ihren  Ort“.

Und  doch  können  wir  auch  für  dieienigen,  deren
Leiche  die  Treue  der  Kameraden  selbst  im  Kugelregen
  in  Sicherheit  brachte,  ihnen  ein  ehrendes
  Grab  im  Feindeslande  verschaffte,  ein
Kreuzlein,  ihren  Helm,  grüne  Büsche  und  sparsame
Blumen  zum  letzten  Gedächtnis  darauf  legie,  in  der
Heimat  kein  Plätzchen  haben,  da  man  ihrer  gedenken
  kann  und  sich  all  der  glücklichen  Stunden  erinnern,
  die  man  miteinander  verlebte?!  Das  ist
doch  dem  trauernden  Herzen  so  tiefes  Bedürfnis,
daß  wir  in  jedem  Stande  und  Range  da  nur  ein
Gefühl  kennen.

Wir  wollen  sie  ehren;  aller  Dank,  alle  Liebe
und  Treue  für  ihren  Opfertod  soll  ihnen  werden,
die  Menschenherzen  und  Hände  beweisen  können!

Aber  sollen  es  große  Heldendenkmäler
sein?  Soll  Marmor  und  anderes  edle  Gestein,  kostbare
  Erze  und  Künstlerschaffen  sich  gleich  am  Friedensschlusse
  verbünden,  um  der  Welt  zu  zeigen,  wie
deutsche  Treue  ihre  Gefallenen  ehrt?  —

Wir  werden  es  vielfach  nicht  können,  deun
unter  uns  werden  so  viele  umherwandeln,  die  uns
ein  lebendiges  ehrendes  Gedächtnis  an  die  schweren
  Opfer  sind,  die  für  uns,  die  Daheimgebliebenen
und  des  Valerlandes  Bestehen  gebracht  wurden,
daß  wir  den  größten  Teil  der  vorhandenen  Mittel
  gebrauchen,  unsere  Kriegsbeschädigten,  die  Witwen
  und  Waisen,  die  vereinsamten  Ellern,  zu  versorgen,
  die  den  gesunden  Ernährer  nicht  mehr  neden
  sich  haben.  Und  das  wird  unsere  erste
Pflicht  und  unsere  erste  Ehrung  sein!
Das  Wort  „Krüppel“  sei  allezeit  verbannt,  gekreu
  dem  Beispiele  des  alten  Kaisers.  Wir  werden
uns  erinnern,  daß  nach  dem  Kriege  1870  bei  der
Einweihung  eines  Denkmals  in  Berlin  zahlreiche
Invalide  eingeladen  waren.  Das  Schriftfstück,  das
die  Festordnung  regelte,  war  dem  kaiserlichen  Herrn