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vorgelegt  worden.  Es  hieß  da  u.  a.:  .  Die
Krüppel  werden  in  Wagen  fahren.
Der  Kaiser  nahm  die  Feder,  strich  den  ganzen  Satz
aus  und  schrieb  nieder:  Denjenigen,  welche
  infolge  ihrer  im  Kriege  erhalkenen
  ehrenvollen  Wunden  an  der
Aufstellung  nicht  teilnehmen  können,
  werden  Wagen  zur  Verfügung
gestellt  werden.

Die  „ehrenvollen  Wunden“  unserer  heimgekehrten
Helden  sollen  uns  Tag  um  Tag  eine  Mahnung
sein,  die  Jugend  tiefste  Ehrfurcht  zu
lehren.  Vor  allem  sei  der  Name  „Kriegsbeschädigte“
  das  Wort,  das  wir  im  Umgange
gebrauchen.  Daran  knüpfen  sich  nun  auch  sofort  die
Fragen:  was  kann  in  unserer  Heimat  die  Schule,
was  kann  die  Kirche  tun  für  unsere  Kriegsbeschädigten,
  und  weiter:  was  kann  sie  zur
Ehrung  unserer  Gefallenen  tun?

Die  nachfolgenden  Ausführungen  haben  sich  nur  die

Aufgabe  gestellt,  darauf  hinzuweisen,  was  die
Landheimat,  auch  das  schlichteste  Dorf,  zur

Ehrung  unserer  Gefallenen  tun  kann.  Auch  hier  ist
häufig  der  innige  Wunsch  vorhanden,  die  Gefallenen
  draußen  in  Feindesland  jetzt  oder  später
ü|überführen  zu  können,  damit  er  in  der  Heimaterde
  sein  Grab  findet,  damit  trauernde  Liebe
es  schmücken  kann.  Immer  wieder  hat  die  Heeresverwaltung
  darauf  hingewiesen,  daß  von  diesem
Wunsche  möge  abgesehen  werden.  Mancher  Vater,
der  die  Leiche  vielleicht  des  einzigen  Sohnes  heimbolte,
  hat  nachher  doch  mit  dem  Bedenken  gekämpft,
  ob  er  wohl  die  Ueberreste  des  Sohnes  überführe.


Aber  eins  kann  sogleich  auch  im  Dorfe  nebeneinander
  bestehen:  die  Fürsorge  für  die  Kriegsbeschädigten
  und  ihre  Angehörigen,  und  die
schlichte  Ehrung  unserer  Gefallenen  in  ihrem
Heimatorte.  Einer  späteren  Zeit  ist  es  dann  vorbehalten,
  in  großen  Standbildern  von  Künstlerhand
die  Zeit  darzustellen,  wie  sie  war  in  ihrer  Gröse,
ihrem  erhabenen  Opfermute  und  ihrem  siegreichen
Vorwärtsdringen.  Der  Fürstensohn  und  der  Landmann,
  der  hochgebildete  Geistesarbeiter  und  der
schlichte  Handwerker,  sie  kämpften  Schulter  an  Schulter,
  im  gleichen  grauen  Rock,  draußen  den  schwersten
  Kampf.  So  gelte  auch  das  Gedächtnis  ihnen
gemeinsam  in  dem  Ort,  da  ihre  Wiege  stand.
Durch  weile  Kreise  des  deutschen  Vaterlandes  geht
das  Besinnen  auf  die  Denkmäler,  die  zum  Gedenken
aufzustellen  dem  deutschen  Herzen  von  jeher  teuer
waren,  die  nicht  Berge  von  Gold  nötig  hahen,  sondern
  die  der  Heimaterde  selbst  entstammen.  Die
Eiche  war  dem  Germanentum  der  Heldenbaumm,
die  Linde  wurde  der  Liebe  und  dem  Frieden
zum  Gedächtnis  gepflanzt.  Sie  sollen  es  auch  sein,
die  eine  Gedächtnisstätte  an  unsere  Gefallenen  auf
jedem  Friedhofe  umhegen.  Wie  diese  Pflanzung
aus  praktischen  und  ideellen  Gründen  am  besten  zu
geschehen  habe,  wie  sie  die  Namen  derer,  die  aus-Unuser

  Hommerland

zogen  und  nicht  wiederkehrten,  für  jetzt  und  ferne
Zeiten  vermelden,  darüber  gehen  nur  die  Erwägungen
  noch  auseinander.  Aber  es  ist  ja  auch  nicht
nötig,  daß  darin  Gleichmäßigkeit  herrsche.  Einige
Hauptmomente  werden  es  besonders  auf  dem  Lande
sein,  auf  die  man  hinweisen  kann.

Der  ehrende  Gedächtnisstein
der  Bäume  soll  nicht  fehlen.

Und  er  wird  in  den  meisten  Gegenden  auch
ohne  große  Kosten  zu  beschaffen  sein.  Hier  und
da  liegen  große  Findlingsblöcke,  die  jetzt
keinen  schöneren  Zweck  haben  bönnen,  als  so  an
einer  freien  Stelle  des  Friedhofes  den  Mittelpunkt
für  die  Gedächtnisstätte  zu  bilden.  Kleinere  Granitsteine
  aber  sind  auf  den  Aeckern  überall  oft
in  großer  Menge  gefunden  worden.  In  zahlreichen
Dörfern  wird  ein  solcher  Stein  vom  eigenen  Acker
seit  jeher  verwandt,  einem  Grabdenkmal  den  Stützpunkt
  zu  geben.  Diese  einfachen  Steine  können,  auf
billige  Weise  mit  dem  Namen  und  den  Gedenktagen

am  Fuhße

versehen.  mit  vorhandenen  Findlingsblöcken  vereint,
  oder  auch  ohne  diese,  zu  einem  Hügel  aufgeschichtet

  werden,  der  den  Hünengräbern
unserer  deutschen  Vorzeit  gleicht.
Um  den  Hügel  herum  aber  pflanzen  wir

die  Heldeneichen,  jedem  Gefallenen  im

Dorfe,  vom  Gutsherrn  an  bis  zum  Kätner,  einen
Baum,  und  über  den  Hügeln  mag  eine  große
Friedenslinde  ihre  Zweige  strecken.  Zu

den  Eichen  werden  meistens  junge  Stämme  genommen
  werden,  und  sie  wachsen  langsam.  Die  Kunst
des  Gärtners  aber  vermag  es  heute  schon,  große
starke  Bäume  mit  allen  Wurzeln  zu  versetzen,  wenn
im  Herbst  nur  der  entsprechende  Ballen  um  das
Wurzelgeflecht  gewahrt  bleibt.  So  brauchen  wir
uns,  wo  es  möglich  zu  machen  ist,  nicht  nur  auf
die  kleinen  Bäume  zu  beschränken;  um  sie  herum
mögen  noch  eine  Reihe  Linden  Platz  finden.  In
ihren  Zweigen  können  die  Bögel  schon  ihre  Nester
bauen,  und  so  wird  diese  Stätte,  was  im  Frieden
häufig  von  den  Freunden  unserer  Heimalpflege  erstrebt
  wurde,  ein  Schutzplätzchen  für  die  Vogelwelt,
für  die  wohl  kein  besserer  Platz  als  der  Dorffriedhof
  könnte  gesunden  werden.  „Es  steht  auf
dem  Friedhof  eine  Linde,  drin
pfeisen  die  Vögel  im  Abemd.
winde“,  ssingt  unser  altes  Volkslied.  So
manches  Lied,  das  in  der  Friedenszeit,  in  dem
Hasten  und  Drängen  nach  Gelderwerb,  in  der
Ueberkultur  der  modernen  Zeit  vergessen  war,  oder
zu  naiv  gefunden  wurde;  .  .  es  steht  eine
Lind'  im  tiefen  Tal,  ach  Gott,  was  tut  sie  da?  ..
das  haben  wir  jetzt  wieder  verstehen  gelernt,  wenn
es  fortfährt:  sie  soll  mir  helfen  klagen“,
  ja  sie  sollen  uns  helfen  klagen;  mit
ihrem  leisen  Wipfelrauschen,  mit  dem  Flüstern
ihrer  Blätter,  mit  dem  süßen  Duft  der
Lindenblüte  werden  sie  uns  leise  von  jenen  glücklichen
  Friedenstagen  erzählen,  als  die  in  fernen
Landen  Gefallenen  noch  unter  uns  weilten.  Zu