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Im  übrigen  wird  es  wohl  mit  den  23  Millionen,
  die  aus  Sachsen  sollen  gezogen  sein,  etwas
ungenau  gerechnet  sein.  Anbei  ist  dieses  gewiß,
daß  wo  Se.  Königl.  Majestät  von  Schweden  daselbst
  große  Summen  erhoben,  haben  sie  auch  dieselben
  zum  Vorteil  der  Einwohner  im  Lande  herumgehen
  lassen,  indem  sie  die  schwedische  Armee
daselbst  kleiden,  ergänzen  und  wieder  beritten  machen

lassen;  alles  für  bare  Zahlung.  Eine  angenehme
Sache,  davon  Pommern  und  andere  schwedische

Länder,  welche  die  feindliche  Wut  verheeret,  nichts
wissen,  woselbst  anstatt  die  Bekleidung  und  andere
zur  Lebensnotdurft  und  Bequemlichkeit  nötige  Dinge
mit  den  aus  dem  Lande  erhobenen  Stleuergeldern
zu  bezahlen,  man  sich  vielmehr  belieben  lassen,  von
den  Einwohnern  zu  nehmen,  was  sie  gehabt,  und
sogar  die  Prediger  nicht  verschont,  deren  schwarze
Priesterröcke  die  Nacktheit  einiger  Soldaten  haben
bedecken  müssen.  Dem  sei  aber  wie  ihm  wolle,  so
sind  gleichwohl  beide,  Sachsen  und  Seeland,  Sr.
Königl.  Majestät  von  Schweden  Milde  und  Mäßigkeit
  allein  verpflichtet  wegen  der  gütigen  und  grosmütigen
  Manier,  womit  diese  beiden  Länder  durch
das  Kriegsvolk  Sr.  Majestät  behandelt  worden,  wie
gegenteils  selbst  zugestanden  wird:  Gebe  Goit,  daß
die  Künigl.  schwedischen  Minister  und  Generale
Ursache  hätten,  ein  Gleiches  von  den  hohen  Häuptern
  zu  sagen,  welche  gegen  Se.  Königl.  Majestät
von  Schweden  verbunden  sind.

Ad.  8.

Dies  scheint  nur  deswegen  angeführt  zu  sein,
damit  man  die  Wirkungen  des  Altonaischen  Brandes
  und  was  die  armen  Einwohner  gelitten  haben
mögen,  desto  besser  zu  vergrößern  Gelegenheit  hätte.
Es  ist  erweislich,  daß  einige  zusammengerottete
Einwohner  einige  schwedische  von  den  übrigen  entsernte
  Soldaten  übel  hantieret  und  getötet  haben.
Dennoch  aber  hat  der  Graf  Steinbock,  ob  er  wohl
dazu  befugt  gewesen,  die  übrigen  solches  nicht  entgelten
  lassen,  sondern  vielmehr  ausdrücklich  und
scharf  verboten,  den  Einwohnern  übel  zu  begegnen
oder  zu  plündern.  Und  diesem  ist  gar  genau  nachgelobet
  worden.  Sollten  auch  gleich  einige  etwas
erlitten  haben,  so  ist  es  wohl  doch  nicht  möglich,
in  solcher  Lage  alle  Zufälle  zu  verhüten.  Meinet
man,  daß  so  viel  tausend  schwedische  Unterthanen,
die  als  Sklaven  an  die  Ungläubigen  verkauft  und
nunmehr  in  die  entlegensten  Oerter  von  Afrika  und
Asien  zerstreuet  worden  oder  auch  unter  den  Plagen
  und  dem  ausgestandnen  Jammer  haben  versterben
  müssen;  meinet  man,  sage  ich,  daß  diese
weniger  unglücklich  sein  als  die  armen  Einwohner
von  Altona?  Ach,  wie  glücklich  sollten  sich  jene
schätzen,  wenn  sie  sich  in  einem  solchen  Zustande
wie  diese  befinden  möchten.  Ist  etwa  der  thränenwürdige
  Zustand  des  guten  Pommerlandes  weniger
zu  beklagen  als  der  Altonalsche?  Meinet  man,  daß
bei  der  Bombardierung  und  Verbrennung  der  Stadt
Stade  keine  schwangeren  Frauen,  keine  Wöchnerin-Unser

  Dommerland

nen,  keine  Kinder,  keine  alte  Unvermögende,  keine
Kranken  2c.  sich  gefunden  haben,  da  diese  arme
Stadt  zum  Uebermaß  ihres  Unglücks  mit  der  abscheulichen
  Pestseuche  eben  heimgesuchet  war.  Wie
viele  Weiber  und  Kinder  sind  nicht  durch  die  feindlichen
  Bomben  und  Kugeln  getötet  oder  zu  Krüppeln
  gemachet?  Sind  nicht  die  Kranken  in  den
Pest=  und  Krankenhäusern  von  den  ihnen  zugeordneten
  Wärtern  verlassen,  weil  der  Hagel  vom  Bomben
  und  Granaten  sie  von  ihnen  verjaget?  Und
sund  nicht  jene  kranken  erbarmungswürdigen  Leute
elendig  ums  Leben  gekommen  und  lebendig  verbramt
worden?  Was  für  ein  Abschen  muß  es  nicht  gewesen
  sein,  die  Kirchen  entweder  in  der  Asche  liegen
  oder  von  den  Bomben  zerschmettert,  und  die  toten
Körper,  Arme  und  Beine,  durch  die  Gewalt  solcher
Feuerwerke  aus  den  Gräbern  gerissen  umd  auf  die
Straßen  und  Kirchhöfe  zerstreuet  liegen  zu  sehen?
Das  jämmerliche  Schreien  und  Heulen  der  elenden
  Leute,  welches  himmelan  gestiegen,  um  Barmberzigkeit
  bei  den  Belagerern  zu  erwecken,  hat  man
mit  allen  feindlichen  Trompeten  und  Pauken  kaum
überstimmen  können,  welche  zu  dem  Ende  nur  im
feindlichen  Lager  sich  insgesamt  haben  müssen  hören
  lassen,  damit  Grausen  oder  Mitleiden  ja  bei
niemanden  erwecket  werden  möchte.  Dieses  sind  zum
wenigsten  keine  Beispiele  von  Humanität.  Der
Graf  Steinbock  hingegen  weit  entfernt  von  solchen
Entschließungen,  die  unmenschlich  heißen  können,
hat  in  diesem  Falle  bei  Altona  nicht  anders  denn
mit  dem  allergrößten  Leidwesen  nur  dasjenige  getan,
  wozu  ihn  der  Kriegsbrauch  unumgänglich  gedrungen.
  Nach  alledem  nun  so  sollte  doch,  den
Krieg  auf  eine  glimpflichere  Art  fortzusetzen  nach
dem  Gedanken,  die  das  Christentum  einflößet,  weit
dienlicher  und  der  hohen  im  Kriege  gegen  Schweden
  verwickelten  Häuptern  viel  anständiger  sein.
Cs  wird  nun  an  Ihnen  und  Ihren  Ministern
und  Generalen  liegen,  dieselbe  einzuführen  und  derfalls
  gute  Verfassung  zu  machen.  Und  dieses  ist  es
eben,  was  der  Graf  Steinbock  Sr.  Königl.  Majestät
zu  Däuemark  Geheimen  Rat  von  Wibe  in  seinem
Schreiben  vom  10.  Januar  empfohlen,  in  welchem
gar  keine  Bedrohungen  zu  finden  sind.  Es  erscheinet
  vielmehr  daraus  ein  aufrichtiges  Verlangen,  das

Uebel  zu  heben,  womit  die  Abscheulichkeit  eines.
grausamen  Krieges  die  armen  Unterthanen  überhäufet.


Ad.  9.

Nach  diesem  allen  bedarf  der  Altonaische  Brand
keiner  Rechtfertigung  mehr.  Bei  denen,  welche
durch  ein  Vorurteil  gegen  Schweden  nicht  eingenommen
  sind,  rechtfertigt  es  sich  selbst  durch  den
Grundsatz  allein,  welchen  der  Herr  Graf  Flemming
und  der  Herr  General  von  Scholten  selbst  festzusetzen
  belteben,  daß  nämlich  die  Urheber  der  ersten
Grausamkeiten  die  Verantwortung  aller  nachfolgenden,
  auf  sich  geladen  haben.  Und  wie  das  Tun  des
Grafen  Steinbock  (inbezug  auf  die  Verbrennung  Altonas)
  der  gegen  S.  K.  M.  von  Schweden  ver-