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kühle,  weiche,  feuchte  Luft,  die  so  frisch  war,  daß
man  bis  Messina  in  den  Strahlen  der  Mittagssonne
  saß,  ohne  ein  anderes  Gefühl  als  das  der
äuß#ersten,  Behaglichkeit  zu  empfinden.“  Was  Hans
Hoffmann  im  Eingangsverse  eines  seiner  Gedichte
sagt:  „Bon  Duft  und  Licht  und  Schönheit  heilig
trunken“",  das  durchlebt  er  mehr  als  einmal  im
Süden.  und  doch  vermag  ihn  die  südländische
Zauberwelt  nicht  dauernd  in  ihren  Bann  zu  schlagen,
  nein,  gerade  dort  erwachen  die  Erinnerungen
an  Geschichte  und  Natur  seiner  nordischen  Heimat
wieder  in  seiner  Seele,  dort  gibt  ihnen  der  Dichter
neues  Leben,  dort  wird,  so  darf  man  wohl  sagen,
der  pommersche  Heimatdichter  geboren.  Sein  Aufenthalt
  in  Pommern  ist  nach  der  Rückkehr  aus  dem
Süden  mur  noch  vorübergehend,  einmal  während  neuer,
mißglückter  Versuche  im  Lehrerberuf  in  Stolp,  und
dann  nur  vereinzelt  in  seiner  Vaterstadt,  wenn  er
die  lieben  Eltern  aufsucht,  oder  wenn  er  den  deutschen
  Philologentag  in  Stettin  (1880)  mit  seiner
Gegenwart  beehrt,  oder  als  ehemaliger  Schüler  und
gepriesener  Festdichter  das  350jährige  Jubelfest  des
Marienstiftsgymnasiums  (1894)  mitfeiert,  oder  bei
schlichter  Vorlesung  seiner  Ostseemärchen  alte  und
neue  Freunde  um  sich  schart,  wo  auch  ich  ihn  einige
Jahre  vor  seinem  Tode  sehen  und  hören  konnte.
Seine  Lebensarbeit  vollbringt  Hans  Hoffmann
forian  außerhalb  seiner  Heimat,  aber  der  Dichter
und  Erzähler  weiß  sich  im  Heimatlichen  auf  ureigenstem
  Gebiet,  dort  ruhen  die  starken  Wurzeln
seiner  Kraft,  sein  Wesen  hat  er  so  tief  erfaßt,  wie
kaum  ein  anderer.  Man  darf  es  daher  wohl  als
eine  glückliche  Fügung  ansehen,  daß  dieser  Dichter
in  der  Fremde  in  größerem  Lebens=  und  Berufskreise

  in  Berlin,  Wernigerode  und  vor  allem  in
Weimar  hat  wirken  können;  so  haben  seine  Dichtungen
  pommersche  Art  weit  über  ihre  Grenzen

hinaus  gekündet  und  der  großen  Welt  gezeigt,  wie
es  H.  Hoffman  selbst  einmal  ausdrückt  (in  der  Novelle
  „Der  Dialektforscher"):  „Pommern  ist  besser  als
sein  Ruf,  das  Land  sowohl  wie  die  Leute.“  Ohne
Zweifel  ragt  in  dieser  Beziehung  H.  Hoffmann
weit  hinaus  über  den  älteren  Ludwig  Giesebrecht,
doch  in  der  Liebe  zur  Heimat  sind  beide  gleich
stark.

Wird  aber  dem  Dichter  des  Pommernlandes
  von  seinen  Landsleuten  seine  Liebe  erwidert?
  Man  hat  es  manchmal  bestritten,  und  es
will  mir  scheinen,  als  ob  H.  Hoffmanns  Dichtungen
  in  seiner  Heimat  auch  heute  noch  nicht  genug
gelesen  und  gewürdigt  werden.  Nun,  wenn  je  etwas
eine  Kenntnis  H.  Hoffmanns  anbahnen  und  die
Beschäftigung  mit  seinen  Werken  vermitteln  kanm,
dann  sind  es  die  Aufsätze  und  Skizzen,  die  nummehr
  in  einer  stattlichen  Sammlung  unler  dem
Titel  „Länder  und  Leute“  1)  jedermann  zugänglich
sind.  Was  der  Dichter  in  großen  Zeitschriften  von
Zeil  zu  Zeit  einzeln  herausgegeben  hatte,  das

1)  München  1914,  bei  Georg  Miller.

auch

Unser  Dommerland

wollte  er  selbst  noch  unter  gemeinsamem  Titel  zusammenfussen;
  doch  sein  frliher  Tod  zerstörte  ihm
auch  diesen  schönen  Plan  (1909).  Um  so  mehr
Dank  gebührt  C.  Schüddekopf,  dem  Weimarer
Freunde  H.  Hoffmanns,  der  des  Dichters  unvollendeten
  Plan  ausgeführt  hat,  wie  er  schon  1910
aus  dem  Nachlaß  des  Freundes  eine  Anzahl  Erzählungen
  unter  dem  Titel  „Das  Sonnenland  und
neun  andere  Erzählungen"  2)  herausgegeben  hatte.

Zwar  besitzen  wir  in  der  Arbeit  von  Ladendorf
eine  Biographie  unseres  Dichters,  nicht  schlechter
und  nicht  besser,  als  sie  bei  einem  ersten  Versuch

werden  kann,  aber  dieser  neue  Hans  Hofsmann
bietet  uns,  wenn  auch  keine  abgeschlossene  Lebensgeschichte,
  so  doch  viel  mehr:  in  stets  fesselnder  Darstellung
  seine  eigene  Entwicklung  in  bedeutsamen
Abschnitten  seines  Lebens,  insonderheit  seiner  Jugend,
  Reiseerlebnisse  und  -zerfahrungen  in  Heimat
und  Fremde,  Würdigungen  befreundeter  Dichter  und
anderer  großer  Männer  (Bismarck).  Auf  froher
Wanderung,  auf  weiter  Fahrt  nach  dem  Süden  und
dem  Norden  begleiten  wir,  um  mit  Schüddekopf  zu
reden,  den  elastischen  Wanderer,  den  fröhlichen  Erzähler
  und  den  überlegenen  Menschenkenner.

Hans  Hoffmanns  Heimatdichtung  hat  einmal  die
pommersche  Geschichte,  sodann  die  pommersche  Landschaft
  und  seine  Bewohner  zum  Gegenstand.  Wie
er  aber  als  Stadtkind  in  Vaterhaus  und  Vaterstadt
  aufwuchs  und  schon  früh  über  das  Weichbild

der  Festung  Stettin  hinaus  in  Landschaft  und
Kleinstadt,  an  Haff  und  Ostsee  Umschau  halten

konnte,  wie  er  der  orts=  und  heimatskundige  Kenner
  Pommerns  wurde,  der  dann  manchmal  über
heimische  Rückständigkeit  und  Unart  schalkhaft  spottet,
  während  er  doch  mit  heißer  Liebe  an  seinem
Pommernlande  hängt,  das  zeigt  sein  mit  köstlicher
Selbstironie  gewürzter  Aufsatz  „Aus  jungen  Tagen.“
  Er  verfaßte  ihn  im  Jubeljahr  seines  60.  Geburtstages
  (1908),  und  er  war  den  Freunden  des
Dichters  aus  der  Veröffentlichung  im  „Eckart“  wohl
bekannt.  Nun  aber  liegt  er  in  ursprünglicher  Vollständigkeit
  vor,  wie  ihn  C.  Schüddekopf  aus  der
Handschrift  ergänzt  hat.  Gerade  diese  Zusätze  enthalten
  wertvolle  Züge  und  Kleinbilder  aus  Stettin
  und  dem  übrigen  Pommern.  Hier  charakterisiert
  Hoffmann  seine  Heimat  mit  folgenden  Strichen:
„In  der  Poesie  und  sonstiger  schönen  Künste  Pflege
und  Verständnis  —  die  Musik  leider  ausgenommen
—  haben  wir's  freilich  im  allgemeinen  noch  nicht
sehr  weit  gebracht;  dafür  wird  vortvefflich  gekocht
und  willig  gegessen,  beinahe  so  gut  wie  im  nachbarlichen
  Mecklenburg.  An  Volkssagen  und  Märchen,
  die  frisch  von  Seeluft  durchweht  sind,  ist
Pommern  reich  genug,  und  ein  gesunder,  in  strammer
  Derbheit  und  kraftvoller  Bildlichkeit  echt  niederdeutscher
  Humor  ist  überall,  besonders  auch  bei  Schiffern
  und  Fischern  zu  Hause.“  Mit  einer  gewissen
Wehm  ur  lesen  wir  die  treffliche  Schilderung  jenes

2)  Ebenda.