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Dichten  überhaupt  in

der  humordurchwürzten  Betrachtung
  „Mit  sechzig  Jahren.  Zum  27.  Juli
1908“  (sie  erschien  s.  Z.  in  der  Ostseezeitung  in
Stettin)  wo  er  sagt:  „Das  Dischten  ist  ja  eine  so
umheimlich  leichte  Sache,  wie  die  ungezählten  Scharen
  der  Gräfinnen,  Weichensteller,  abgedankten  Offiziere,
  Volksschullehrer,  Baronessen,  Schutzleute,
Umiversilätsprofessoren,  Schneidergesellen,  ja  sogar
Juristen  beweisen,  die  aus  diesem  Berufe  zum  mindesten
  im  Nebenamt  einen  erfreulichen  Lebensumterhalt
  gewinnen“,  und  daun  Faulheit  als  die  höchste
Tugend  des  Dichters  preist.  „Träumen,  soll  er,  träumen
  und  wieder  träumen,  wenn  er  sich  wenigstens
nicht  damit  begnügen  will,  eim  wobllbelobler
Strumpfwirker  in  Sprachstoff  zu  sein.  Nur  bei  so
gesegneter  Riesensaulheit  kann  sich  die  Masse  der
ihn  übersprudelnden  Eindrücke  im  stillen  Kämmerlein
  des  Unbewußten  heimlich  setzen  und  klären
  .  und  künftige  Phantasiebilder  vorbereiten.“
Den  tiessten  Einblick  in  seine  eigene  Dichterwerkstatt
  aber  gewährt  uns  Haus  Hoffmann  in  seiwer
  Skizze  „Meine  Stoffe  und  Modelle“.  Da  sehen

wir  an  wenigen,  treffenden  Beispielen,  wie  scheinoder


bar  unbedeutende

Berichte  einer  Chronik,

Unser  Dommerland

kleinste  Selbsterlebnisse  den  Urstoff  (oder  die  „Keimzelle"!)
  einer  Dichtung  hergegeben  haben,  der  sich
oft  wunderbar  durch  Verschmelzung  mit  anderem  erweiterte.
  Mit  geradezu  verblüffender  Offenheit  entfaltet
  Hoffmann  hier  einige  Seilen  seines  Dichiergeistes


So  wirft  der  neue  Hans  Hoffmann  eine  Fiillle
von  Licht  auf  sein  Leben,  seine  Persönlichkeil  und
seine  Dichtungen.  Möge  es  sich  über  weite  Kreise
unseres  Pommernlandes  verbreiken  und  neue  Liebesglut
  fir  den  Dichter  und  seine  Heimat  entzünden!

Denu  es  bleibt  wahr,  was  Walter  Baette
Hans  Hoffmam  im  Hinblick  auf  seine
sang:

von
Hcimat

„Er  hat  in  deinem  Angesicht

Sein  Lebtag  sich  nicht  satt  gelesen,
Und  keine  Falte,  die  ihm  nicht
Vertraut  und  herzlich  lieb  gewesen.
Aus  deinen  herben  Zügen  ist

Ihm  höchste  Schönheit  aufgegangen.
Mir  haben  erst,  wie  schön  du  bist,
Durch  ihn  zu  sehen  angefangen."

GAm  Ostseestrand  im  Winter  (1887).

„Immer  noch  nach  Swinemünde?“  fragte  der
Schaffner  in  Pasewalk,  in  Jaßnick  und  zu  allerletzt
  noch  einmal  in  Ducherow.  Der  schalkhafte

Mann  wußte,  warum  er  seine  Frage  mit  dem
Nebenton  leiser,  mitleidsvoller  Warnung  so  oft  wiederholt
  auf  der  Strecke  von  Ducherow  bis  Swinemünde
  feiert  die  moderne  Eisenbahntechnik  tägliche
Triumphe,  für  sie  selbst  ebenso  rühmlich  als  für  das
Gemüt  des  unvorbereiteten  Reisenden  tief  bedrohlich,
  indem  sie  durch  irgendwelche  geheimnisvolle
Hilfsmittel  eine  Langsamkeit  der  Bewegung  möglich
zu  machen  weiß,  welche  geradezu  etwas  Spukhaftes
an  sich  hat;  eine  wahre  Massenproduktion  von
Trägheit,  ein  souveräner  Hohn  auf  alle  landläufigen
  Vorstellungen  von  Ortsveränderung,  eine  absolute
  Negation  von  Zeit  und  Raum,  eine  radikale
Aufhebung  der  natürlichen  Wirkung  der  Dampftraft,

Von  Hans  Hoffmuann

vielleicht  nur  der  vor  einigen  Jahren  versuchten  —
leider  noch  nicht  durchgeführten  —  Aufhebung  der
Schwerkraft  vergleichbar.

Die  verwirrenden  Eindrücke  dieses  klappernden
Stillstehens  durch  ungemessene  Zeiträume  bereiten  in
glücklicher  Fürsorge  das  menschliche  Gemüt  auf  ein
weiteres  Winder  vor,  dessen  Anblick  in  Swinemünde
  selbst  seiner  harrt:  das  sonst  so  herzhaft  unansehnliche
  Hafenstädtchen  strahlte  —  noch  um  die
mitternächtige  Stunde  —  in  schönster  und  vollständigster
  elektrischer  Beleuchtung.  Stolz  und  prächtig
schaukeln  die  elektrischen  Lampen  an  langen  Ketten
über  allen  Straßen  und  scheinen  dem  beschämten
Residenzler  mit  spöttischem  Glanz  zuzurüfen:  „Seht,
wir  Wilden  sind  doch  bessere  Menschen!“

Andere  diesem  Lichtphänomen  gleichwertige
Symptome  einer  ungewöhnlich  hohen  Kulturstufe