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infolge  der  neuen  Lehre

schon  mehr  denn  verzeih—

lich.  „Alle  Menschen  sind  Brüder“  lehren  ihre
Pfaffen.  Kann  es  uns  also  wundern,  wenn  man
da,  wie  ich  es  jüngst  zu  meinem  Gram  und  zu

meiner  Scham  erfuhr,  den  haarsträubenden  Ausdruck
hören  nurß  „Unsere  polnischen  Brüder“?  Denkt  nur
einmal  nach  über  diese  ungeheuerliche  Beschimpfung.
„Ein  Pole  unser  .“

Diesmal  hatte  Herr  Sambor  es  nicht  mehr  nötig,
  seine  Gäste  nach  ihrem  Urteil  über  eine  solche
Verunglimpfung  der  Pommernehre  zu  befragen.  In
einem  augenblicklichen,  fast  tobenden  Ausbruch  der
Gefühle  erhob  alles  in  schärfsten  und  derbsten  Ausdrücken
  entschiedensten  Einspruch  gegen  eine  das  innerste
  Bolksempfinden  so  gröblich  verletzende  und
kränkende  Lehre  und  gegen  das  dreiste  Ansinnen,
diese  Lehre  in  Wirklichkeit  zu  betätigen.

Herr  Sambor  schien  über  seine  bisherigen  Erfolge
  befriedigt  zu  sein  und  fuhr,  nachdem  er  mit
einigen  Scherzworten  der  Tafelrunde  zugetrunken
hatte,  in  seiner  Rede  fort:

„Es  sind  also  drei  Feinde,  deren  Ansturm  wir
augenblicklich  ausgesetzt  sind,  die  Polen,  die  neue
Lehre  von  dem  gekreuzigten  Gott  und  die  Deutschen.
  Alle  drei  sind  eng  mit  einander  verbündei,
denn  die  Polen  halten  es  mit  dem  Glauben  an  den
Gekreuzigten  ebenso  wie  die  Deutschen;  darum  sind
auch  beide  augenblicklich  ein  Herz  und  eine  Seele
nach  dem  Sprichwort  „Strauchdieb  ist  Straßenräubers
  Busenfreund"“.  Das  Opfer  ihrer  Raubsucht
aber  sind  wir,  liebe  Freunde,  ist  unser  armes,  umglückliches
  Pommernland.  Unser  Fürst  aber  ist
ebenso,  wie  es  Wartislav  war,  mit  Blindheit  geschlagen.
  Er  merkt  es  nicht,  worauf  es  jene  abgesehen
  haben,  nämlich  auf  die  Schwächung  unseres
Landes  zum  Zweck  seiner  späteren  Knechtung.  Die
Lehre  von  der  Bruderschaft  aller  Menschen  soll  uns
friedlich  gesinnt  und  zahm  machen.  Und  wenn  dann
musere  alte,  vielgerühmte  Volkskraft  erschlafft  ist,
menn  unsere  guten  Schwärter  verrostet  sind,  dam
setzen  sie  uns  Wehrlosen  den  Fuß  auf  den  Nacken.
Unsere  Fürsten  aber  sehen  mit  gleichgiltiger  Miene

dem  Raubzuge  zu.  Denen  nänlich  verschlägt  es
nichts,  ob  sie  über  Deutsche  herrschen  oder  über
Wenden.  Denn  ihr  müßt  nicht  etwa  meinen,  daß

es  ein  großer,  feindlicher  Heereszug  sein,  wird,  mit
dem  sie  gegen  uns  vorricken.  Keineswegs!  Mann
auf  Mann,  Schar  auf  Schar  werden  sie  kommen,
als  scheinbar  friedliche  Siedler,  Werkmeister  und
Kaufleute,  und  werden  das  Land  überschwemmen:
umd  schlieglich  werden  ihrer  so  viele  ansässig  sein,
dag  wir  selbst  in  einem  bewaffneten  Aufstande  uns
ihrer  nicht  mehr  werden  zu  erwehren  vermögen.
Denn  an  unseren  Fürsten  werden  sie  die  beste
Stütze  haben,  da  diese  wiederum  wähnen  werden,
ihrer  Herrschaft  gegenüber  den  polnischen  und  deutschen
  Fürsten  sicherer  zu  sein,  wenn  sie  zum  größten
  Teil  über  deren,  Volksangehörige  herrschen.
Und  darin  wird  ihre  Hoffnung  sie  nicht  täuschen,
denn  eine  Krähe  hackt  bekannslich  der  anderen  nicht

Unser  Dommerland

wünschungen  kund.

die  Augen  aus.  Wer  aber  bezahlt  bei  dem  ganzen
Handel  schlietzlich  die  Zecheo  Um  wessen  Haut  geht
es?  Wir  Besitzende  müssen  bluten,  uns  Landherren
wird  man  Stück  um  Stück  unserer  Aecker,  unserer
Wälder,  unserer  Gewässer  entreißen,  bis  wir  nicht
mehr  unser  Eigen  neunen,  als  etwa  unsere  Ziusbauern

  von  uns  zu  Pacht  haben.  Das  wird  das
Ende  des  stolzen,  pommerschen  Grundherrn  sein:

hier  werden  ihn  die  Deutschen  auffressen  und  im
Osten  die  Polen  verschlingen.  Eine  herrliche  Zukunft
  für  unsere  lieben  Kinder  und  Enkel!  Und  dabei
  habe  ich  noch  gar  nicht  die  Behandlung  in  Anschlag
  gedracht,  der  wir  ausgesetzt  sein  werden.
Ihr  habt  wohl  gehört,  wie  schändlich  im  Süden
und  Westen,  überall  wo  der  Deutsche  sich  eingeschlichen
  hat,  der  Slave  von  ihm  bedrückt  wird.
Sobald  er  nur  erst  die  Macht  in  Händen  hat,  tritt
der  Fremdling  dem  Einheimischen  herrisch  und
hochmütig  entgegen,  spreiztl  sich  als  Gebieter  und
lnechtet  und  verachlet  den  einstigen  Herrn.  Ein  beneidenswertes
  Loos,  das  unseren  Kindern  durch
ihrer  Eltern  Gleichgiltigkeit  und  durch  fürstliche
Herrschbegierde  dereinst  erblüht!  Wahrlich,  wenn
ich  als  Fürst  zu  Stettin  oder  Kammin  säße,  ich
wüßte  meine  Pflicht  zu  erkennen  und  zu  erfüllen,  so
lange  noch  der  Weg  zur  Rettung  offen  steht.  Doch
ich  habe  euch  schon  zu  lange  mit  meinen  Reden  behelligt,
  liebe  Brüder,  und  habe  euch  doch  zu  lustiger
  Jagd,  zu  fröhlichem  Schmause  und  Trank  geladen,
  nicht  zu  so  düsteren  Betrachtungen  über  unser
  und  unser  Lieben  Umergang  und  Verderben,
ein  Unheil,  gegen  das  wir  uns  bei  der  jetzigen
Lage  der  Dinge  nun  einmal  nicht  zu  wehren  vermögen.
  Darum  laßt  uns  die  trüben  Gedantken
unterdrücken  und  Zorn  und  Sorgen  in  einem
Trank  ersäufen,  wie  er  uns  als  Herren  gebührt.“

Während  der  Hausherr  mimehr  den  Knechlen
verschiedene  Weisungen  gab,  nahm  die  Unterhaltung
  an  der  Tafel  in  kurzer  Frist  ein  fast  stürmisches
  Gepräge  an.  Die  starke,  allgemeine  Erregung
gab  sich  in  wilden  Zornesrufen  und  grimmen  Ver-Auch
  wurde  hier  und  da  das
Vernommene  einer  Beurteilung  unterzogen,  die  aber
überall  in  dem  Sinne  ausfiel,  daß  der  Gastgeber
durchaus  nicht  in  zu  düsteren  Farben  gemalt  habe.
Schlie  zlich  richtete  sich  manches  Auge  auf  den  Wirt,
als  heische  es  Antwort  auf  die  Frage,  was  denn
in  dieser  dringlichen  Notlage  zu  beginnen  sei.

Doch  nun  schleppten  die  Knechte  ein  ansehnliches,
  mit  eisernen  Bändern  bewehrtes  Jaß  in  den
Saal,  in  das  der  Hausherr  mit  eigener  Hand  einen
hölzernen  Kran  einschlug,  während  der  eine  der
Knechte  zinnene  und  silberne  Trinkgefäße  verschiedener
  Form  und  Größe  vor  den  Gästen  aufstellte.
Nachdem  der  Wirt  wiederum  cigenhändig  die  Becher
gefüllt  hatte,  begab  er  sich  auf  seinen  Platz  und
rief  den  Gästen  zu:  „Ich  denke,  liebe  Freunde  und
Leidensgefährten,  dieser  Tropfen  wird  uns  in  unserm
  Kummer  wohltun.  Wer  schon  einen  besseren
genossen  hat,  mäge  es  ohne  Rückhalt  sagen.  Aber