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zu  Ende  führen,  daß  ihr  unterdessen  meinem  Weine
die  ihm  gebührende  Ehre  erweist.  Meine  Knechte
werden  euch  fürsorglich  aufwarten.  So  hört  denn
meine  Gedanken:

Ein  jedes  Volk,  das  seine  Grenzen  schützen  will,
muß,  wenn  es  die  Macht  dazu  nicht  in  sich  selber
besitzt,  bei  befreundeten  Bölkern  Hilfe  suchen.
muß  auch  unsere  Aufgabe  sein.  Wer  aber  sind  die
uns  befreundeten  Völker?  Ja,  liebe  Freunde,  es
ist  eine  tieftraurige  Tatsache,  mit  der  wir  aber  rechmen
  müssen:  So  wie  wir  heute  dastehen,  besitzen
wir  Pommern  auch  nicht  einen  einzigen  ehrlichen
Freund  Wir  sind  ringsum  von  Feinden  umgeben.
Seitdem  wir  die  Christenlehre  annahmen,  haben
uns  unsere  einzigen  Freunde,  deren  wir  uns  noch
erfreuten,  die  Rügianer  und  Preußen,  tief  gekränkt
  verlassen.  Und  mit  ihnen  vereint  könnten

wir  unseren  Feinden  wirksamen  Trotz  bieten.  Aber,
wie  ich  noch  einmal  betone,  tronddem  ihr  alle  es

ebenso  gut  wizt,  wie  ich,  seitdem  wir  sie  durch  Annahme
  der  fremden  Lehre  in  ihren  heiligsten  Gefühlen
  verletzt  und  von  uns  gestoßen  haben,  stehen  wir
verlassen,  ohne  Hilfe  da,  wie  der  von  der  Meute
gestellte  Ur.  Unsere  früheren  Freunde  aber  können
wir  auf  keine  andere  Weise  wiedergewinnen,  als
wenn  wir  die  Ketten,  die  uns  hemmen,  zersprengen,
  die  Verkündiger  des  uns  vernichtenden  Glaubens
  vertreiben  und  wieder  zu  unseren  alten  Götlern
  zurückkehren.  Haben  wir  uns  zu  dieser  Tatl
aufgerafft,  so  werden  unsere  jetzigen  offemkumdigen
Feinde  unsere  treusten  Freunde  und  Bundesgenossen
sein.  Und  glaubt  mir:  Die  fünfundzwanzig  Jahre,
die  nun  seit  dem  Sturze  unserer  Götter  vergangen
sind,  haben  dem  altvertrauten  Glauben  unserer  Bäter
  noch  keineswegs  den  Garaus  gemacht.  Daß  ich
selbst  mich  noch  nicht  vor  den  fremden  Göttern  und
ihren  Priestern  gebeugt  habe,  ist  euch  bekannt.  Und
so  stehen  noch  viele  im  Lande  unentwegt  zu  unseren
  allen,  geliebten  Göttern.  Ja,  selbst  dort,  wo
der  neue  Glaube  angenommen  wurde,  ist  er  oft  nur

eine  oberflächliche  Tünche.  Gleich  der  Glut  unter
der  Asche  glimmt  die  Liebe  zu  den  alten  Göttern

unerkaltet  fort.  Und  deshalb  wird,  dem  dürren
Herbstlaube  gleich,  das  ein  Sturm  in  alle  Weiten
verstreut,  auch  die  uns  aufgezwungene  Götterlehre
metsamt  ihren  Verbreitern  in  alle  Winde  zerstieben,
sobald  nur  erst  von  berufener  Seite  das  Zeichen
gegeben  wird,  daß  die  Tage  der  Knechtschaft  der
Götter  ihr  Ende  erreicht  haben  und  daß  sie  wieder
in  altem  Glanze  und  alter  Würde  vor  dem  Volke
thronen  sollen.

Vielleicht  wirft  hier  jemand  ein:  „Wenn  nun
aber  der  Fall  eintritt,  daß  unsere  vermeintlich  wiedergewonnenen
  Freunde  versagen,  nachdem  wir  den
allgemeinen  Aufstand  erregt  haben?  Sind  wir
dann  nicht  vollends  dem  Untergange  geweiht?“
Nun,  liebe  Freunde,  ihr  wißt,  daß  mein  Bruder
lingere  Zeit  im  Lande  der  Preußen  geweilt  und
bei  ihren  Fürsten  wegen  seiner  Tapferkeit  und  klugen
  Raterteilung  in  hohem  Ansehen  gestanden  hat.

Unser  Dommerland

Auf  dessen  Wort  baue  ich  fest,  und  er  hat  mir  unter
  heiligem  Eide  erklärt,  daß  die  tapferen  Preußen

mur  des  Winkes  harren,  un  mit  uns  vereint  die
verhaßten  Polen  einmal  gründlich  aufs  Haupt  zu

schlagen.  In  gleicher  Weise  haben  sich  auch  die
Fürsten  Rügens  geäußert,  und  die  von  uns  unterworfenen
  und  mit  Gewalt  zum  Christenglauben  getriebenen
  Cintizen  brennen  schon  in  der  Hoffnung
und  dem  Wunsche,  mit  uns  gemeinsame  Sache  zu

machen.  Auch  dies  ist  mir  durch  sichere  Botschaft
bekannt.  Ich  selder  habe  in  Stettin,  Damm  und
in  anderen  Städten  die  Stimmung  der  Geister  erforscht

  und  ihr  könnt  es  mir  aufs  Wort  glauben:
Es  bedarf  nur  einer  unzweideutigen  Aufforderung,
umnd  Ost  und  West  stehen  auf  wie  ein  Mann.  Eine
herrliche  Heerschar  wird  es  werden  und  eine  furchtbare
  Strafe  wird  sie  an  unseren  Feinden  vollziehen.


Wenn  uns  vielleicht  dennnoch  irgend  welche
Schwierigkeiten  entstehen  dürften,  so  möchken  diese
nur  in  dem  zögernden  oder  unschlüssigen  Verhalten
einiger  unserer  Landsleute  selber  bestehen.  Sobald
diese  jedoch  wahrnehmen  werden,  wie  das  übrige
Land  wie  ein  Mann  sich  erhebt,  so  werden  auch  sie
notgedrungen  dem  allgemeinen  Nufe  folgen  und  zu
unseren  Fahnen  stoßen  müssen.“

Hier  unterbrach  Herr  Sambor  seine  Rede  und
trank  seinen  Gästen  mit  kräftigem  Zuge  vor,  worauf
  alle  ihm  in  gleicher  Weise  Bescheid  taten.  Als
Gnirko  und  Plietzka  die  Becher  aufs  neue  gefälli
hatten,  fuhr  der  Redner  fort:

„Ein  weiser  Mann  übereilt  sich  in  einer  wich#igen
  Sache  nicht  und  trisst  vor  der  Tat  sorgsam
seine  VBorbereitungen.  Deshalb  müssen  zunächst  Boten
  an  unsere  Nachbarn  gesandt  werden,  um  zu  erkunden,
  ob  sie  noch  dieselben  Gesinnungen  hegen
wie  früher.  Sagen  sie  uns  unbedingt  Hilfe  zu,  so
haben  wir  bereits  den  halben  Sieg.  Ich  denke,  zu
den  Preußen  senden  wir  am  besten  meinen  Bruder
und  zu  den  Rügianern,  Obotriden  und  Wilzen  gehe
ich  selber.  Beginnen  wir  unsere  Reise  im  ersten
Frühjahr,  so  können  wir  im  Mai  spätestens  wieder
daheim  sein.  Inzwischen  bereiten  wir  unsere  Nachbarn
  in  der  Umgegend  vor,  jedoch  in  der  Weise,
dag  ein  jeder  von  uns  nur  diejenigen  ins  Geheimnis
  zieht,  deren  Zuverlässigkeit  und  Verschwiegenheit

  er  bestimmt  versichert  ist.  Deutschen=  und
Christenknechte,  wie  wir  deren  einen  heute  gehört
haben,  behelligen  wir  nicht.  Ein  jeder  der  von

uns  über  unser  Vorhaben  Unterrichteten,  muß  sich
verpflichten,  seinerseits  bestimmte  Männer  seiner  Bekanntschaft
  oder  Freundschaft  für  unseren  Bund  zu
gewinnen.  Auf  diese  Weise  kann  noch  vor  Beginn
des  Sommers  unser  ganzes  Pommernland  zwischen
Randow  umd  Persante  vorbereitet  sein,  denn  jeuseits
  der  Oder  werde  ich  bei  meiner  Anwesenheit
die  nötigen  Abmachungen  treffen.  Die  Pomerellen,
unsere  unglücklichen  Stammesgenossen  jenseits  der
Persanke,  die  in  polnischer  Knechtschaft  schmachten,
dürfen  wir  nicht  ins  Vertrauen  ziehen.  Es  möch-