ien  Polenfreunde  unter  ihnen  sein,  die  unser  Vor—
haben  vorzeitig  verraten  könnten.  Ist  die  große
Volkserhebung  längs  der  ganzen  Seeküste  erst  im
Gange,  so  werden  sie  von  selber  das  polnische  Joch
absch  tleln  und  gemeinsame  Sache  mit  uns  machen.
Tun  sie  es  aber  nicht,  so  müssen  sie  eben  die  Folgen
  tragen,  dann  müssen  eben  ihre  Fürsten  vor  den
unsrigen  als  Vasallen  den  Nacken  beugen,  oder  unser
  Reich  schlägt  seine  Grenzpfähle  an  der  Weichsel
ein.  Mir  persönlich  wäre  die  letztere  Lösung  die
angenehmere.  Ebenso  wenig  dürfen  wir  sogleich  die
Städte,  besonders  die  mit  firstlichen  Burgvögien
besetzten,  ins  Vertrauen  ziehen.  Nach  der  allgemeiwen
  Erhebung  werden  auch  sie  auf  unsere  Seite
trelen.“

Jetzl  wachte  der  Redner
und  trank  seinen  Gästen  zu.  Darauf  fuhr  er  fort:
„Selostoerständlich  werden  die  Polen,  sobald  wir
die  freinden  Priester  verjagt  haben,  sich  sofort  gegen
  uns  rüsten.  Denn  durch  unser  Vorgehen  haben
wir  ihnen  ja  ihr  Spiel  verdorben.  Vielleicht  auch
wird  der  märkische  Bär  mit  ihnen  gemeinsame
Sache  machen,  denn  auch  ihm  verstellen  wir  gleicherweise
  den  schon  vorgemerlien  Pag.  Von  dem  Dälem
  ist  nichts  zu  bef  irchten,  denn  dem  werden  sich
auf  mein  Betreiben  die  Rügianer  an  sein  Königsvlies
  hängen,  und  diese  haben  verdammt  scharfe
Zähne.  Der  also  mußz  froh  sein,  wenn  er  das
liebe  Leben  behhlt.  Der  deutsche  Kaiser  vollends
kann  uns  nichts  anhaben,  da  augenbliälich  das
Reich  durch  innere  Zwistigkeiten  in  zwei  große
Heerlager  gespalten  ist,  die  auf  lange  Jahre  hinaus
  zu  keinem  Friedensschluß  gelangen  werden.  So
bleiben  uns  nur  die  Polen  und  der  Brandenburger
Markgraf.  Aber  diesen  kommen  wir  zuvor,  indem
wic  nusere  und  unserer  Freunde,  der  Preußen,  Liu—
lizen  und  Obotriden  Heerscharen  auf  einen  bestimmen
  Tag  an  einen  bestimmten  Ort  rutbienn
und  dann  gemeinsam  sofort  den  Feldzug  eröffnen.
Darauf  schlagen  wir  die  Polen  so  fürchterlich  aufs
Haupt,  daß  ihnen  ein  für  alle  Mal  die  Lust  zum
Wiederkommen  vergeht.  Und  vermögen  werden  wir
es,  denn  schon  allein  wir  im  Verein  mit  den  Preussen
  werden  ihnen  an  Zahl  um  mehr  als  die
Hälfte  überlegen  sein.  Die  Tapferkeit  und  Kampfeslust
  unserer  Leute  kennt  ihr,  und  daß  die  Preußen
wie  angeschofsene  Eber  kämpfen  werden,  brauche  ich
euch  wohl  nicht  mehr  erklären.  Sie  stehen  sich  mit
den  Polen  wie  der  Wolf  mit  dem  Hunde  und  mässen.
  Ströme  Polenbluts  rinnen,  bevor  sie  die  von
jenen  ihnen  zugefügten  Frevel  nur  halbwegs  gesühnt
  sehen.  Ich  sage  euch,  liebe  Brüder,  es  wird
ein  furchtbares  Strafgericht  werden,  allerdings  nicht
von  der  Art,  wie  es  Herr  Dubnitz  in  seiner  Kurzsichtigkett
  und  Aengstlichkeit  sich  ausmalt,  sondern
ein  solches,  in  dem  wir  die  Richter  und  Vollstrecker
des  Urteils  sind.  Und  nun,  wie  gefällt  euch  mein
Plan?  Ich  für  meine  Person  meine,  daß  wir  nicht
das  Geringste  zu  befürchten  haben  und  daß  es  im
übrigen  keinen  anderen  Rettungsweg  gibt.  Wir

abermals  eine  Pause

Unser  Dommerland

89

mü  rttei  ja  statt  Pommerscher  Heldenherzen  Hasenherzen
  im  Busen  tragen,  wenn  wir  bei  einer  so
günstigen  Lage  der  Verhältnisse  unseren  Verbündeten
  vor  den  Kopf  stoßen  wollen,  indem  wir  die
trotz  unseres  Abfalls  vom  alten  Glauben  uns  so
freundlich  angebotene  Hilfe  verschmähten.“

Herr  Sambor  wugte,  daß  in  diesen  Pommernedelingen
  eine  unbezwingliche  Freiheitsliebe  neben
einer  ununterdrückbaren  Kriegslust  umnd  einem  milden
  Nachegefühl  lebte.  Herr  Sambor  aber  hatie
auch  die  Macht  der  Stunde,  die  Begeisterungskraft
seines  Weines  mit  in  Rechnung  gezogen  und  hierauf
  seine  Hoffnungen  gesetzt.  So  täuschte  er  sich
denn  in  seinen  Erwartungen  nicht.  Von  allen  Seilen
  tönten  ihm  freudige  Beifallsrufe  entgegen,  die
mit  Hochrufen  auf  seine  Person  abewechselten.
Scheinbar  bescheiden  wehrte  er  die  letzteren  ab,  indem
  er,  das  verworrene  Geräusch  mit  erhobener
Stimme  durchdringend,  beteuerte,  daß  er  ja  nur
seine  Pflicht  und  Schuldigkeit  getan  habe.  Ebenso
gut  wie  er  hätte  auch  irgend  einer  seiner  lieben

Freumde  die  ganze  Angelegenheit  in  die  Hand  nehmen
  können.  Ihm  selbst  kämen  ja  nur  seine  und
seines  Bruders  nützliche  Beziehungen  zu  ihren  Terbündeten
  zugute,  und  dies  sei  kein  besonderes,  eigenes
  Verdienst.  Ein  solches  werde  er  gleich  allen
sich  erst  auf  der  Wahlstatt  erwerben.  —  Dann

fragte  er,  ob  sich  nun  auch  jedermann  der  gemeinlamen
  Sache  widmen  und  seinen  Teil  an  der  Aufgabe
  ausführen  wolle.  Als  alle  ihn  mit  lebhaften
Zurufen  dessen  versicherten,  bemerkte  er,  nicht  ohne
vorhergehenden  neuerlichen  Zutrunk,  wie  beiläufig:
„Uebrigens  wird  sich,  wie  ich  euch  bereits  angedentet
  habe,  Fürst  Ratibor  hächstwahrscheinlich  umserem
  Willen  widerseitzen.  Ich  meine  aber,  das  kanm
uns  von  unserem  Beginnen  nicht  abhalten.  Ist  er
auch  unserem  alten  Glauben  nicht  gerade  feindlich
gesinnt,  so  wird  er  doch  seinen  schönen  Heiratsplan,
  den  Herr  Dubnitz  ja  bereits  so  harmlos  ofsenkundig
  ausplauderte,  nicht  gern  vereiteilt  sehen.
Denn  falls  dies  Vorhaben  verwirklicht  wird,  besitzt
der  junge  Fürst  eine  Waffe,  mit  der  er  unsere
Macht  völlig  zu  brechen  vermag.  Der  Herr  Polenherzog
  würde  nat  mlich  sofort  auf  den  ersten  Ruf
hin  erscheinen  und  dem  Tochtermanne  helfen,  jeden
Widerstand,  den  wir  ihm  wegen  seiner  pommernfeindlichen
  Gesinnung  etwa  entgegensetzen  mächten,
im  Keime  zu  ersticken.  Dies  ist  noch  ein  schwieriger
  Punkt,  über  den  wir  uns  Klarheit  verschaffen
müßten.  Weiß  vielleicht  jemand  von  euch  da  einen
heilsamen  Rat?“

„Nichts  leichter  als  das!“  meinte  sogleich  Herr
Berthow.  Er  darf  natürlich  nicht  srüher  etwas  von
dem  ganzen  Plane  erfahren,  als  bis  unsere  Freunde
im  Anrücken  begriffen  sind.  Deshalb  müssen  diese
über  seine  Polenfreundlichkeit  und  seine  Absichten
unterrichtet  werden  und  er  selber  muß  bei  der  Erhebung
  vollständig  aus  dem  Getriebe  bleiben.  Den
Oberbefehl  über  unsere  Heerhaufen  übernimmst  Du,
Sambor,  und  wenn  wir  insgesamt  als  gebietende