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Macht  vor  Herrn  Ratibor  stehen,  so  zwingen  wir
ihm  unseren  Willen  auf.  Die  Preußen  sind  ohnedies
  nicht  gul  auf  ihn  zu  sprechen.  Wie  ihr  wißt,
hat  er  während  der  Regierungszeit  seines  Bruders
lange  Jahre  dort  am  Fürstenhofe  verweilt  und  soll
dem  damaligen  Herrscher  das  Versprechen  gegeben
haben,  die  Einführung  des  Christenglaubens  bei
umns  verhindern  zu  helfen.  Und  nun  ist  er  einer
der  ersten  gewesen,  die  sich  dazumal  in  Usedom
laufen  ließen.  Von  deren  Seite  findet  er  also  nicht
den  geringsten  Beistand.  Das  Gleiche  gilt  von  den
Rügianern.  Haben  wir  die  Polen  aber  erst  einmal
  aufs  Haupl  geschlagen,  so  verbietet  sich  diese
Freieret  von  selbst.  Unsere  jungen  Herrscher  mögen
  unter  den  Fürstentöchtern  unserer  Stanmmesverwandten
  wählen  oder  bei  den  Edlen  im  eigenen
Lande  vorsprechen.  Wir  sind  von  gleich  edlem  Geschlecht
  wie  sie,  Uund  ste  würden  ihren,  Fürstenthron
nicht  schänden,  wenn  sie  ihn  mit  unseren  Töchtern

Unser  Dommerland

teilten.  Ihre  Mutter  war  auch  nicht  unter
Throndach  groß  geworden.“

„Du  hast  Recht,  Nachbar  Bertkow,“  nahm  jetßzt
wieder  der  Hausherr  das  Wort.  Bei  unserer
trachtung  scheint  mir  der  von  dir  gewiesene  Weg
der  einzige  zu  sein,  den  wir  gehen  können.  Der
alle  Polenfreund  darf  nicht  in  unseren  Plan  eingeweiht
  werden,  die  vollendete  Tatsache  muß  ihn
entwaffven.  Und  dann  sind  wir  freien  Pommernherren
  es,  die  wir  unser  Schicksal  bestimmen  und
den  Fürsten  zwingen,  unseren  reiflich  erwogenen
Forderungen  zu  unser  aller  Wohl  zu  gehorchen.  —
Oder  vermag  jemand  uns  noch  einen  besseren  Vorschlag
  zu  machen?“

Niemand  wußte  besseren  Nat,  vielmehr  stimmten
alle  darin  üeberein,  daß  Herrn  Berlkows  Ratschlag
unter  den  obwaltenden  Umständen  allein  ein  gelingen
  des  Planes  verbürge.

einem

Be-(Fortsetzung

  folgt.)

Der  HPeidebock.

So  weit  das  Auge  reichte  —  Heide,  nichts  wie
Heide!  Doch,  da  ganz  hinten,  dort  hinüber,  wo
das  ewige  Rot  und  das  bieischen  hervorlugende
Grün  von  einigen  Machandelbüschen  und  verkrüppelten
  Birken  unterbrochen  wurde,  lag  ein  blauer
Streifen.  Wald  sollte  das  sein,  was  in  unendlicher
Ferne  wie  eine  leichte  Wolke  am  Horizont  lag.

Die  Heide  war  sein  Reich.  Wo  er  gesetzt,  wo
seine  Mutter  geblieben,  er  wußte  es  nicht.  Schon
zuviele  Jahre  hatte  er  hinter  sich.  Der  Heidebock
stand  allein,  nur  wenn  die  Sonne  warm  wurde,
we#n  sein  altes,  kaltes  Bockherz  merkte,  daß  da,
wo  es  blau  am  Ende  der  rotblühenden  Gegemd
schien,  empfängliche  Schmalrehchen  und  Ricken  ihr
leises  Fiepen  hören  ließen,  suchte  er  sie  auf.  Dann
verließ  ihn  die  Vorsicht,  die  die  Zeit  ihn  gelehrt,
die  Kniffe,  die  er  erprobt.  Zweimal  hatte  er  dem
Tode  ins  Auge  geschaut  auf  seinen  Minnefahrten.
Er  wollte  sie  nun  endgültig  aufgeben.

Die  Heide  konnte  er  überäugen,  er  kannte  Baum
und  Strauch,  die  Deckung  boten,  und  der  Tritt  des
Jägers  war  im  knackenden  Kraut  weit  vernehmbar.
Die  Büsche  boten  ihm  Schutz  gegen  Sonne  und
Kälte,  und  lag  die  Heide  verschneit,  klirrte  der
Frost  in  den  Torfkuhlen,  zog  der  kalte  Nordost  hin-Von

  Curt  Bloedorn.

über,  war  er  abgehärtet  genug,  es  zu  überstehen.
Die  Heuhaufen  des  Heidgers  halfen  über  die  bitterste
  Not  hinweg.

In  meterhoher  Erika  lag  er,  wie  er  alles  dies
dachte  und  ließ  die  Sonne  auf  seine  taufeuchte
Decke  scheinem;  so  wohl  fühlte  er  sich,  daß  er  sich
ordentlich  rekelte  und  mit  dem  langen  dümstangigen
Gehörn  die  Strempen  und  Blüten  zusammengauste.
Bis  auf  die  Menschen  war  die  Welt  schön.  Da  war
der  alte  Torfbauer,  der  mit  seinem  verhutzellen
Weib  und  der  Tochter  sich  kümmerlich  auf  dem
bischen  abgebraunte  Heide  von  wenigem  Korn  ernährte,
  der  tagsüber  arbeitete,  abends  und  morgens
  aber  mit  dem  alten  verrosteten  Vorderlader
igemdwo  saß,  um  seinen  Topf  an  Fleisch  zu  bereichern.
  Oder  der  Schäfer,  ein  kräftiger  Kerl,  der
lieber  arbeiten  sollte,  als  hinter  den  ewig  plärrenden
  Schnucken  zu  gehen  und  der  mit  seinem  harmlos
  aussehenden  Stock  mehr  Hasen  totschlug,  wie
der  junge  Heidbauer  des  großen  Hofes  mit  der
neuen  Flinte  schoß.  Ja  der!  Vor  Jahren  einmal,
er  war  noch  jung  und  der  auch,  lag  es  sich  auch
so  schön  wie  heule  im  Kraut,  als  erst  ein  Mal,
dann  öfter  der  Ton  an  seine  Lauscher  schlug,  der
ihm  sein  Bockblut  schneller  rollen  ließ,  der  Ton  des