—  Anser  Dommerland

Donner,  wo  ist  siel  Er
wurde  hoch,  suchte  mit  dem  Windfang  die  Umgegend
  ab,  äugte  mit  seinen  scharfen  Lichtern  nach
allen  Seiten,  aber  keine  Geis  war  zu  sehen.  Horch!
wieder  der  Ton,  der  nicht  ganz  so  war,  wie  er  ibn
lannle,  aber  doch  so  ähnlich.  Da,  von  jenem
Machandelbusch  kam  er.  Etwas  mißtrauisch  war  er
im  Stechschritt  dahingezogen,  war  auf  hundert  Elverliebten

  Schmalrehs.

len  stehen  geblieben,  die  Kleine  konmie  ihm  doch
entgegenkommen
Plötzlich  krachte  es  im  Busch,  es  piff  und  hagelte

  um  ihn,  der  Schreck  ließ  ihn  blitzschnell  Kehrt
muchen,  bhinterher  krachte  es  nochmal,  wieder  sauste

der  Schuß  vorbei.  Ein  Glück,  daß  er  auf  den
Ton  nichi  in  hellen  Fluchten  dicht  herangekommen

war.

Danun  kam  alle  Jahre  ein  Mensch  aus  der  Stadt
zu  Besuch  auf  den  Hof,  er  nannte  sich  Jäger.  War
der  im  Revier,  mußte  er  immer  schrecken,  so  komisch
  sah  der  aus.  Ganz  grün  ging  der  Mann  angegogen,
  einen  Hut  mit  vielen  Federn  hatte  er  auf
dein  Kopfe,  ein  Glas,  womit  man  sehr  weit  sehen
konnte,  blitzte  ihm  umgehängt  auf  der  Brust,  einen
weißen  Kragen  und  bunten  Schlips  hatte  er  um  den
Hals,  seine  gelben  Stiefel  knarrten,  er  polterte
durch  die  Heide,  daß  auf  tausend  Gänge  alles  Gelier
  davonrannte.  War  es  heiß,  holte  dieser  Jäger
ein  großes,  rotes  Sacktuch  aus  der  Tasche,  wischte
damit  dauernd  sein  Gesicht  und  pustete  wie  eine
Lokomotive.  Der  schoß  auf  alles  und  auf  jede  Entsernung
  war  aber  sonst  harmlos.  Einmal,  als  der
Stadtmensch,  der  sich  Jäger  nannte,  hinter  einem
Strauch  lag  und  aus  einer  großen  Flasche  roten
Wein  trank,  war  er  lautlos  von  hinten  herangekommen,
  hatte  sich  ihn  gut  besehen,  dann  mörderisch
  ihn  ausgeschimpft.  Dem  Mann  war  die  Flasche
  entfallen,  er  halte  ein  sehr  dummes  Gesicht  gemacht
  und  nach  seiner  Flinte  gegriffen,  um  auf  ihn
zu  schießen.  Er  aber  war  davongerast,  hörte  aus
der  Ferne  noch  das  knak,  knak  der  leeren  Läufe,
Patronen  waren  nicht  drin,  die  hatte  der  „Jäger“
einzustecken  vergessen.

Der  Bock  dachte  weiter.  Wenn  er  noch  älter
wi#rde,  die  Lauscher  und  Lichter  ihre  Höhr=  und
Sehkraft  einbüßten,  das  Geäse  nicht  mehr  die  harte
Heide  beißen  konnie  und  die  Stangen  zurücksetzten,
daß  er  von  jedem  jungen  Fant,  als  nicht  mehr
zünflig  abgeschlagen  würde,  wenn  die  Liebe  ihn
doch  noch  einmal  packen  sollte,  was  dann?  Aergerlich
  erhob  er  sich.  Ach  was,  nicht  daran  denken,  wo
er  noch  in  den  besten  Jahren  war.

Die  Sonne  brannte  ihm  seine  letzten,  nassen
Haare  trocken,  wohlig  wurde  ihm  zumute,  vor
Uebermut  forkelte  er  die  kleine,  magere  Kiefer  weiß
und  tanzte  dabei  um  sie  herum,  plätzte  mit  den
Vorderläufen  Heide  und  Moor  unter  sich  weg,  daß

sie  hinter  ihn  flogen.  Im  Troll  gings  dann  zum
Moorgraben,  wo  die  weichen  Gräser  wuchsen.  Die

großen,  grünen  Wasserfrösche  bekamen  einen  heil-91



losen  Schreck,  als  er  ans  Ufer  trat,  und  brachten
sich  mit  gewaltigen  Sätzen  in  braunem  Wasser  in
Sicherheit  vor  dem  roten  Bock.  Hier  blieb  er,
naschte  hier  und  da  aus  langer  Weile.  Das  wurde
ihm  über.  Faul  stand  er  auf  einer  erhöhten  Stelle
und  döste.  Ab  und  zu  äugte  der  Bock  nach  dem
Torfkahn,  der  einige  hundert  Meter  weiter  beladen
wurde,  klapperte  mit  den  Lauschern,  wenn  die
Mücken  zu  aufdringlich  um  den  Kopf  summten  und
knabte  sich  eine  Zwecke  ab,  wenn  sie  zu  sehr  ihn
juälte.  Dauernd  stehen  wollte  er  auch  nicht,  er  tat

sich  nieder.  So  richtig  faul  war  er.  Der  laue
Wind  spielte  mit  der  Heide,  ihr  feiner  Duft  be-Eruhigte

  seine  Bocknerven,  und  langsam  kam  der
Schlaf.  Der  Kopf  mit  den  langen  dünnen  Stangen
legte  sich  seitwärts,  die  Lichter  schlossen  sich,  seine
Heide  sang  mit  leisem  Klingen  ihm  das  Schlummerlied.


Mitrag,  Hundegebell!  Der  Heidebock  schrak  auf
und  wurde  hoch.  Doch  sah  er  gleich,  daß  keine
Gefahr  war.  Peter  Einkorn,  der  Schäfer  mit  dem
Hütespitz  und  seinen  Schnucken  zog  zum  Graben,
sie  zu  tränken.  Sie  kanmten  sich  gegenseitig  ja  all
die  Jahre.  Aber  der  Spitz  bekam  manchmal  seine
Launen  und  jagte  ihn  dann  ein  Stück  über  die  rote

Fläche.  Warum  sich  von  dem  ängstigen  lassen!
Der  Bock  trollte  fort  zu  den  Birkenbüschen  beim

stillen  Torfbruch.  Da  hatte  er  Nuhe.  Die  ausgetorften
  Löcher  fürchtete  der  Schäfer.  Ihm  waren
schon  einige  Schafe  in  dem  trügerischen  Sumpfgrün
geblieben.  Er  mied  den  Platz.  Der  Kiebitz,  des
Bockes  Freund,  hatte  da  gebrütet,  hatte  seine  Jungen
  dort  und  paßte  gut  auf,  wenn  Fremdes  sich
sehen  ließ.  Mit  surrendem  Flügelschlage  stieß  er
auf  jeden  Eindringling,  gewaltigen  Lärm  schlug  er,
wenn  Mensch,  Hund  und  anderes  Raubzeug  kam,
ruhte  nicht  eher,  bis  sie  ärgerlich  verschwanden  und
begleitete  sie  dann  mit  hellem  Geschrei  weit  über
die  Grenzen  der  Löcher.  Wenig  brauchte  man  hier
aufpassen.  Auch  Aesung  war  genug.  Brombeerranken
  zogen  sich  am  Boden  hin.  Feine  weiche
Moorgräser  wuchsen  an  den  trockenen  Stellen,  und
Heidelbeerstauden  bedeckten  die  freien  Plätze.  Es
war  seine  Zuflucht  für  ruhige  Stunden,  die  er  haben
  wollte.

Auf  dem  stehengebliebenen  Rand  zweier  Kuhlen
zog  er  zur  Mitte  nach  dem  Gebüsch,  tat  sich  zwischen
  drei  zusammenstehenden  Birken  nieder,  um  den
Abend  zu  erwarten.  Der  Nachmittag  verging,  die
Sonne  sank,  ihre  halbe  Scheibe  sah  mu  noch  über
den  Nand  der  Heide.  Da  bekam  der  Bock  Hunger.
Ein  leichter  Wind  war  aufgegangen  und  brachte
ihm  den  Duft  von  Klee  und  Seradelle.  Der  Großbauer
  vom  nahen  Pappelhof  hatte  auf  den  Schlägen
  solch  Futter  ausgesät,  verlockend  zog  es  in  seinen
  Windfang.  Doch  die  Gegend  war  gefährklich,
der  Mann  war  ganz  versessen  auf  die  Jagd  und
hockte  alle  Abend  draußen.  Nein,  da  nicht  hink  lieber
  auf  solche  Genüsse  verzichten.  Der  Bock  kam
hoch,  äste  sich  durch  Bruch  und  Moor  und  stand,