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rot  wie  die  Heide,  in  ihr  mit  seiner  Farbe  auf—
gehend,  am  Rande  des  größten  Loches.

Horch,  was  war  das!  Er  versammelte  sich,  die
Lauscher  spiellten,  sein  Blick  wurde  unruhig,  er
reckte  sich  förmlich  vor  Spanmnung.  Dal  wieder  ein
Ton,  der  Ton,  der  ihn  um  diese  Jahreszeit  stels
so  unruhig  gemacht,  die  Stimme  einer  Ricke.  Und
da  kam  es  schon  heran.  Die  Geis  in  langen  Fluchken,
  ab  und  zu  einen  Angstschrei  ausstobend,  dahinler
  vor  Aufregend  pfeifend  und  keuchend  ein  junger
Bock.  Auf  zehn  Schritte  sauste  die  Jagd  an  ihm
vorbei,  hinein  in  den  Bruch,  in  sein  Revier.  Ganz

verdutzt  ob  solcher  Frechheit  sah  er  ihnen  nach,
baun  packte  ihn  die  Wut.  Den  jungen  Bengel

w  irde  er  auf  die  Läufe  bringen,  daß  er  daran  denken
  sollte,  daß  er  —  weiter  kam  er  nicht  mit  Ueberlegen,
  denn  das  Paar  jagte  gerade  auf  ihn  zu.
Mit  blutunterlaufenen  Lichtern  nahm  er  den  Eindringling
  an,  rannte  ihn  über  den  Haufen  umd
fortelte  auf  ihn  ein.  Der  junge  Bock  war  so  sehr
mit  allen  Gedanken  bei  seiner  Schönen  gewesen,
daß  er  den  Alten  garnicht  bemerkt  hatte.  Der  Anprall
  war  ihm  überraschend  gekommen,  doch,  als
er  die  Enden  seines  Nivalen  spürte,  rafste  er  sich
auf,  und  der  Kampf  begann.  Hin  und  her  schoben
  sich  der  Sechser  und  der  Gabler,  suchten  sich
die  Dünnungen  abzugewinnen,  um  ihre  weißen
Spitzen  hinein  zubohren,  beide  gleich  flink,  gleich
mutig.  Nicht  lange  währte  das  Geforkel,  der  Alte
rückte  erst  einige  Gänge  zurück,  sprang,  wie  in  jungen
  Tagen,  eine  mächtige  Flucht  auf  den  Jungen
und  stießz  seine  Stangen  ihm  tief  in  die  Seite.  Der
stand  und  atmete  schwer,  zog  mit  krummem  Rücken
ab,  vom  Sieger  keines  Blickes  mehr  gewürdigt.  Im
spanischen  Tritt,  mit  funkelnden  Lichtern  trat  er
der  Ricke  näher  und  näher,  blieb  einige  Ellen  von
ihr  stehen,  sodaß  beide  wie  ein  Doppelstandbild  aus
##upferbronze  gegossen  erschienen.  Dann  sprang  er
plützlich  auf  sie  zu,  die  Ricke  tat  einige  schlanke
Fluchten,  er  hinterher  und  das  Jagen,  Röcheln  und
Pfeifen  begann  wieder.  Immer  im  Kreise,  immer
rund  um  die  Tümpel,  Löcher,  bis  sie  endlich  erschöpft
  und  matt  sich  ihm  ergab.

Müde  und  abgehetzt  ruhten  beide  dann  dicht  neben
  einander.  Sie  war  im  dunklen  Walde,  am
Ende  der  Heide,  gesetzt,  war  dort  aufgewachsen,
hatte  im  letzten  Jahre  zwei  Kitzen  gehabt  und  lebte
dort  ohne  Angst  und  sorge.  Die  Forst  war  königlich,
  Rehwild  wurde  in  ihr  gehegt.  Die  Heide
kannte  sie  wenig.  Der  Gabler  hatte  sie  seit  vorgestern
  hineingetrieben.  Da  es  hier  schön  sei,  wolle
sie  bleiben.  Der  Hetdebock  siimmte  ihr  zu,  sie  schien

Unser  Dommerland

für  ihn  zu  passen,  zu  jung  war  sie  nicht,  und  er
war  nicht  mehr  allein.  Vier  Lauscher  hören  mehr,
vier  Lichter  sehen  mehr  als  zwei,  ihm  war  es
recht.  Tagelang  blieben  sie  an  diesem  Platz,  verlebten
  da  die  Flitterwochen.

Alles  schien  gut.  Dann  aber  kamen  Tage,  wo
seine  Erkorene  stand,  nach  dem  blauen  Streifen  am
Horizont  äugte  und  ihn  anstieß,  mitzukommen,  mit
ihr  in  ihre  Heimat.  Erst  hörte  er  nicht  auf  ihre
Bitten,  dann  wurde  er  grob,  nahm  sie  an,  wie  sie
Miene  machte,  ihn  zu  verlassen  und  brachte  sie  zurück.

  Schließlich  wurde  er  mübe,  gab  nach,  und
beide  trollten  davon,  hin  nach  der  Forst.  Oft  stand
er  still  von  jeder  Bodenerhebung  äugte  er  zurück

nach  seinem  Nevier,  seiner  Geburtsstätte  und  Heimat.
  Das  Scheiden  wurde  ihm  schwer.  Doch  sie
bat,  kam  immer  wieder,  ihr  weiches  Geäse  beraährte
  das  seine,  ihre  Lichter  sahen  ihn  bittend  an.
Da  gab  er  es  auf.

Weit,  unendlich  weit  hatten  sie  es  bis  zum
Holz,  fast  die  gange  Nacht  ging  dabei  drauf,  die
Sonne  war  schon  aufgegangen,  als  beide  an  ihre
Heimat  kamen.  Ein  unheimliches  Gefühl  beschlich
ihn,  das  Dunkel  des  Holzes  behagte  ihm  nicht,  er
war  ein  weites  Sehfeld  gewöhnt.  Er  verhoffte  und
überlegte.  Seine  Heide  wollte  er  aufgeben,  seine
rote,  schöne  Heide,  die  ihn  bis  dahin  beschirmt,
genährt!  Und  was  tauschte  er  dafür  ein!  Den
finstern  Wald,  hinter  dessen  jedem  einzelnen  Stamm
der  Tod  lauern  konnte.  Er  wendete  sich  noch  einmal

  um,  er  konnte  und  konnte  sich  nicht  trennen
von  Erika,  von  Porst  und  Luch,  von  Birke  und

Machandelgeblsch.  Auf  dem  hohen  Gehörn  mit  den

weiten  Enden  spielte  ein  Sonnenstrahl  und  traf
auch  seine  Lichter.  Sie  tränten.  War  es  Heimweh?


„Ich  komme  wieder,  Heide,  in  dir  will  ich  le—
ben,  auf  dir  will  ich  sterben,  was  frage  ich  nach
Ricke  und  Wald.  Ich  kommie!“

Schon  hob  er  den  Lauf,  da  erhielt  er  einen
Schlag,  ein  brennender  Schmerz  ging  ihm  durchs
Herz.  Sekundenlang  stand  er,  wie  festgebannt,  dann
riß  es  ihn  nieder.

Beim  Schwinden  der  Sinne  sah  er  die  Sonne
seine  Heimat  vergolden,  sah  sich  zurückeilen  dahin,
wo  er  bleiben  mußte,  in  die  Heide.  Doch,  noch
war  er  ja  in  ihr,  noch  war  er  nicht  im  Holzel
Der  Schuß  hatte  ihn  ins  rote  Kraut  geworfen,  in
dem  er  geboren.  Der  Heidebock  war  seinem  Namen,
  seiner  Heide  treu  geblieben,  sein  rotes  Herzblut
  färbte  im  Sterben  die  Glöckchen  der  Erika.

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