Der  Dordische  Krieg
in  den  deuffchen  Offleegebieten

(Fortsetzung.)
Kurze
Kelation:)
von
der  erbärmlichen  Cinälscherung  der
pommerschen  Städte
Gartz  und  Wolgalst,
als  dieselben
am  16.  und  27.  März  Anno  17|3
von  den  barbarischen  Molskowitern  kläglich
in  die  Asche  geleget  worden.
April  1713.

Wer  jetzt  mit  vernünftigem  Nachsinnen  dies  lläglich
  zerstörte  und  erbärmlich  zugerichtete  Pommern
anschauel  und  darin  den  unglückseligen  Effekt  von
grausamen  Kriegen  betrachtet,  der  wird  gar  leicht
und  von  selbst  auf  die  Ursachen  des  göttlichen
Eifers  und  des  darauf  erfolgten  Ruins  geraten.
Unsere  Untugend  hat  uns  und  unsern  Gott  von
einander  geschieden.  Es  ist  unsere  Bosheit  schuld,
daß  wir  so  gestrafet  werden.  O  weh  uns,  daß  wir
so  gesündiget  haben!  Denn  so  bald  man  von  der
Seite  des  Oderstromes  unsere  Grenzen  betritt,  ist
der  ersie  Anblick  von  der  in  seiner  Asche  jämmerlich
heulenden  und  wehklagenden  Stadt  Gartz  mehr  denn
zu  kläglich,  ja  mehr  denn  zu  entsetzlich,  von  deren
Beschaffenheit  und  den  darin  verübten  grausamen
Exzessen  gegenwärtige  Blätter  dem  geneigten  Leser
kurze  Nachricht  erteilen  werden.

Dieser  Ort  liegt  an  der  Oder,  vier  Meilen  von
Stettin,  drei  Meilen  von  Schwedt  und  fünf  Meilen
von  Prenzlau,  in  einer  gesegneten  Gegend,  davon
die  Einwohner  rühmen,  daß,  wenn  im  ganzen
Lande  Mißwachs,  daselbst  der  Segen  des  Herrn  im
Felde  und  im  Garten  sich  reichlich  und  zur  Verwunderung
  zeige.

Der  Fischfang,  Wiesen  und  Biehzucht  sind  kaum
zu  verbessern  Die  täglichen  Reisen  zu  Wasser  nach
Frankfurt  a.  O.,  Schwedt  und  anderen  dort  gelegenen
  Oertern  sehr  bequem  und  zu  vieler  Vergnügen
und  Nutzen  gerichtet.  Dieses  vormals  feine  Fürst-*)

  Relation  -Bericht.
*  *)  Reeidiv=  Rückfall;  Krieges-Recidiven  —
Einfälle  feindlicher  Scharen  in  ein  Gebiet.

(1711-1720)  in  Quellen  dargeftellt.

Von  Ludwig  Beyer,  Kal.  Seminarlehrer.

lich  pommersche  Städtlein  ist  ein  vornehmer  Paß
lüber  den  Oderstrom,  daher  alle,  die  Pommern  mit
Krieg  angreifen  wollen,  ein  Auge  auf  diesen  Paß
wegen  seiner  Lage  gemendet  und  denselben  desto
öfterem  Unglück  unterwürfig  gemacht:  wie  denn  das
daselbst  gewesene  feste  Schloß  im  Jahre  1478  geschleifet,
  im  Jahre  1577  fünfzig  Häuser  mit  dem
Kirchturm  und  allen  Glocken,  auch  allen  Scheunen,
umd  im  Jahre  1624  die  Kirche,  das  Fürstliche
Kloster,  die  Schule,  300  Häuser  und  die  Scheunen
vor  dem  Tore  abgebrannt  worden.  Im  Jahre  1630
muzte  dieser  Paß  den  Kaiserlichen  eingeräumet  werden.
  Als  aber  der  glorwürdigste  König  von  Schweden
  Gustav  Adolf  dafür  kam,  setzten  jene  das
Städtlein  in  Brand,  also  daß  es  ganz  und  gar  mit
vielem  Proviant  in  die  Asche  geriet.

Nochmals  ist  es  während  des  Deutschen  Krieges
bald  schwedisch,  bald  kaiserlich  gewesen  und  wurde
im  Jahre  1638  bis  auf  die  Kirche  und  Schule  geschleifet.
  Es  wurde  aber  dennoch  ziemlich  zwar
wieder  erbauet,  allein  im  Jahre  1659  mit  der
Kirche  und  allen  Häusern  abermals  eingeäschert,
1676  von  den  Kurbrandenburgischen  Truppen  ausgeplündert
  und  durch  schwere  Kriegs-Recidiven  *)  und
Feuersbrünste  öfters  ruiniert;  doch  ist  durch  Gottes
Güte  endlich  Gartz  nicht  gar  aus  geworden,  sondern
wieder  emporgekommen  und  zu  einem  feinen  wohlgebauten
  Städtlein  gediehen.

Diese  Stadt  nun  wurde  am  17.  Dezember  1711
von  den  Moskowitern  unter  dem  Kommando  des
Generals  Bauer  bezogen  mit  einem  Haufen  von
5000  schlecht  belkleideter  Mannschaft.  Bald  darauf,
als  diese  verleget  und  die  Kavallerie  meistens  draußen
  nach  Penkuhn  und  in  den  herumgelegenen
Dorfschaften  einquartieret,  hat  sich  sofort  ein  gewaltsamer
  Exzeß  von  diesen  Ankömmlingen  hervorgetan,
  indem  ein  Moskowitischer  Soldat  den  Prediger
  von  Schönfeld,  welches  Dorf  anderthalb  Meilen
  von  Gartz  gelegen,  attackieret,  gänzlich  ausgezogen
  und  dergestalt  tyrannisch  traktieret,  daß  er  in
einer  abscheulichen  Positur  sich  retirieren  muhte;
wiewohl  nicht  zu  leugnen,  daß  nach  eingebrachter
Klage  der  Täter  festgesetzet  und  an  den  Galgen  gebracht
  wurde.  Einige  Zeit  hernach  fiel  die  Moskowitische
  Butterwoche  ein,  so  wir  Deutschen  die