Marterwoche  nennen,  worinnen  die  größten  Greuel,
Sunden  und  Schanden  bei  diesem  ungehcuren  Volke
derübet  werden.  Gartz  kann  diese  Heiligkeit  der
Mookowilischen  Fasten  oder  bachanalischen  Marterwochen
  bekräftigen  helfen.  Denn  in  derselben  haben
sie  einen  Bürger  und  Kleinschmied,  namens  Joachim
Bösler,  einen  Mann  sehr  guten  Gerüchtes,  bei  welchem
  20  bis  30  dieser  Unmenschen  einquartieret  gelegen,
  grausamer  Weise  ums  Leben,  gebracht.  Es
hat  dieses  erboste  Volk  gemerket,  daß  bei  dem  ehrlichen
  Manne  30  bis  10  Dukaten  vorhanden,  wesfalls
  sie  denselben  in  der  Raserei  bei  später  Nacht
berfallen,  mit  einem  Beil  den  Kopf  zerschlagen,
bernach  dreimal  mit  dem  Degen  durchstochen,  davon
das  Blut  in  seinem  Bette  geschwommen  und  endlich
  den  grausam  entseelten  Körper  aus  dem  Angesichte
  und  Andenken  gebracht.  Alt  Tage  ist  der
Nord  verborgen  geblieben;  als  aber  seine  Mitbürner
  und  guten  Freunde  Unrat  gemerket,  haben  sie
erstlich  an  seine  Ehefrau,  so  mit  drei  Kindern  sich
in  das  Brandenburgische  gerettet,  es  gelangen  lasjen,
  zu  erforschen,  ob  er  etwa  aus  Furcht  nachfolsichte
  und  Andenken  gebracht.  Acht  Tage  ist  der
andere  Nachricht  eingelaufen,  hat  man  bei  dem  vom
General  veranstalteten  Gericht  gefunden,  daß  sie  die
arme  Leiche  unten  im  Keller  desselbigen  Hauses  eingescharrt

  und  mit  einem  großen  Feldstein,  so  auf
ber  entseelten  Brust  gelegen,  bedecket.  Worauf  soimwohl

  von  den  Chirurgis  der  Milice,  als  auch  der
Stad!  (Gericht  oder  Polizei)  die  geschlagenen  Wunden
  des  Toten  besichtigt  und  von  beiden  Teilen
imehr  denn  zu  lethal)  befunden  worden.  Der  Emtleibte
  ist  auf  Fürbitte  der  Herren  Prediger  und  Erlaubnis
  des  Generals  öffentlich  mit  Prozession  beerdigt
  worden.  Die  Uebeltäter  setzte  man  indessen
fest;  die  Erekution  aber  blieb  bis  zur  Ankunft  des
Fürsten  Menzikoff  verschoben.  Sobald  derselbe  am
letzten  Pfingsttag  dahinkam  und  mit  aller  Solennitüt
  der  Soldaren  und  Lösung  des  Gewehrs  eingeholet
  worden,  wurden  die  beiden  Täter,  so  hauptsächlich
  den  Mord  verübet,  gehangen;  der  Dritte
aber,  weil  er  nur  das  Licht  gehalten,  pardonnieret,

nachdem  er  mit  Podoggen  abgestrafet  worden.  Inzwischen
  wurde  in  Gartz  zum  Kommandanten  bestellet

  Bolobbonoff,  ein  russischer  Oberst,  welcher  wemig
  Liebe  bei  den  dortigen  Einwohnern  erworben,
indem  er  das  „Neminem  laedere“  und  das  „Suum"
cuidue  tribuere  gar  übel  prakticierte.)
alles

Es  blieb  aber  auch  jetzt  noch  still  und

ruhig,  außer  daß  sie  zwei  Brücken  über  die  Oder
schlugen  und  solche  bis  nach  dem  Dorfe  Marwitz
führten  welches  gar  leicht  war,  indem  noch  alte

Pfähl:  im  Wasser  vorhanden  waren.  Die  Absicht  ist
gewesen,  teils  einen  Rückzug  zu  finden,  wenn  ihnen
bei  unglücklicher  Begebenheit  das  Hasenpannier  an-*)

  lethal  =  tödlich.
Q„Jeminem  laedere“  =  Niemanden  verletzen.

Suum  cuique  tribuere“  =  Jedem  das  Seine  zuerteilen.
7  1  0

—  —  Unser  Dommerland  —

99

geraten  würde;  teils  damit  aus  dem  Brandenburgischen
  desto  bequemere  Zusuhr  erfolgen  möchte.
Nicht  lange  hernach  zog  sich  die  größte  Macht
von  der  Stadt  Gartz  und  dem  ganzen  Distrikt  nach
Stralsund  und  hob  auch  die  Blokade  vor  Stettin
auf,  davon  man  ganz  andere  Gedanken  geheget,
nämlich  Stettin  bei  Spiel  und  Scherz  mit  dem  Degen
  in  der  Faust  einzunehmen.  Die  Ursache  des
schleunigen  Aufbruches  verursachte  die  Furcht  wegen
des  schwedischen  Transportes,  welcher  damals  sich
eingefunden.  Indessen  wurde  dem  Obristen  Bolobbonof,
  wie  auch  dem  Lutherischen  Obristem  Petro
Haßenio,  das  Kommando  über  die  zurückgebliebene
Garnison  gegeben.  In  währender  Zeit  haben  diese
guten  Leute  sich  ziemlich  eingezogen  gehalten.  Nachmals
  aber  hat  der  Kommandant,  welcher  in  Gartz
die  Zeir  über  sehr  dünnrüchtig  geworden,  weil  er
keine  Nachricht  von  der  Armee  bekommen,  alles,
was  er  gewollt,  auf  gut  moskowitisch  ausgeübet.
Er  verkaufte  allen  Hausrat,  so  noch  in  den  Häusern
  der  geflüchteten  Leute  vorhanden.  Er  suchte
alles  auf,  woraus  nur  irgend  ein  Profit  zu  machen
und  verhandelte  solches  an  brandenburgische  Marketender
  und  andere  mehr,  die  Geld  hatien.  In
Summa.  Bei  seinem  Handel  und  Wandel  war  das
Geld  die  Hauptsache  und  die  gelöseten  Guldenstücke
hatten  vom  Geruch  des  verhandelten  Misthaufens
nichts  an  sich.  Kurz  vor  Caroli  Tag  desertierte  ein
Sergeant  aus  Stettin,  welcher  in  Gartz  bei  dem
Kommandanten  viele  unschuldige,  ehrliche  Leute  und
Einwohner  angegeben  und  fälschlich  beschuldigt,  dah
sie  an  den  Moskowitern  Verräterei  begangen,  besonders
  einen  Bürger  namens  Quade,  daß  er  bei  der
Beschießung  der  Stadt  sich  heimlich  herausgeschlichen
  und  zu  unserm  Kommando,  so  diesen  Ort
ängstigte,  hinbegeben  und  die  Anschläge  schmieden
helfen;  obgleich  alle  Einwohner  das  Gegenteil  bezeugten
  und  nicht  allein  diese  sondern  auch  der  Prediger
  ein  gleiches  bekräftigte  und  für  denselben  eintraten.
  Allein  es  hat  beim  Kommandanten  so  gut
wie  nichts  verfangen,  sondern  es  wurde  der  unschuldig
  Verklagte  ganz  tyrannisch  zur  Kunte  verurteilt.
  Ich  kann  hierbei  nicht  unterlassen,  von  dieser
Strafart  den  Unwissenden  eine  kurze  Nachricht  zu
erteilen.  Die  genannte  Strafe  ist  also  eingerichtet.
Die  Beklagten  werden  etwa  anderlhalb  Stockwerk
hoch  durch  eine  Trietze  in  die  Höhe  gezogen;  vorher
  aber  von  zwölf  herumgestellten  Kriegsknechten
mit  der  größten  Kraft  und  heftigen  Marter  die
Beine  und  Knöchel  auseinander  gelenket,  so  daß  die
Füße  auswärts  gegen  einander  stehen.  An  dieselben
  wird  ein  schwerer  Klotz  gebunden,  damit  die
Verbrecher  mit  desto  größerer  Kraft  herabfallen  mögen.
  Beim  Aufziehen  peitschen  die  zwölf  Kerle  den
ganz  nackten  Menschen  mit  Peitschen,  die  aus
Riemendraht  und  Zacken  verfertigt  und  in  das  dabei
  auf  Kohlenfeuer  gesetzte  Pech  getumket  werden.
Auch  werden  beim  Hinaufziehen  die  Arme  hinten
auf  dem  Rücken  und  über  dem  Kopfe  dergestalt  ausgerecket,
  daß  es  nichts  anderes  ist,  als  wenn  man