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den  Leuten  auf  der  Tortur  die  Wahrheit  abfragen
will.  Nochmals  läßt  man  die  Trietze  los,  so  daß
der  arme  Unglückliche  auf  einen  darunter  gelegenen
und  mit  spitzen  eisernen  Zacken  beschlagenen  Block
fallen  und  daselbst  probieren  muß,  ob  noch  Empfin—
dung  in  seinen  Füßen  übrig  sei.  Dieses  alles  hat
auch  der  unschuldig  angegebene  Bürger  in  Gartz  am
Tage  Caroli,  als  am  28.  Januar,  ausstehen  müssen,
  ohngeachtet  daß  so  viele  für  ihn  beweglich  gebeten.
  Ja,  es  hat  dieser  Marterakt  sollen  wiederholt
  werden,  allein  auf  inständige  Bitten  des  Predigers
  und  der  übrigen  Einwohner  ist  solches  Vorhaben
  noch  unterbrochen  worden.  Worauf  diese  so
elend  zugerichtete  Person  gerade  acht  Tage  darauf,
nachdem  sie  von  dem  mitleidigen  Prediger  besuchet
und  auf  den  gemarterten  Heiland  verwiesen,  selig
entschlafen.  Eben  dieser  böse  Bube,  der  vorher  erwähnte
  Sergeant,  hat  auch  zwei  Müllerburschen  angegeben,
  daß  sie  als  Spione  anzusehen  seien,  weil
ste  Freunde  in  Stettin  hatten,  mit  welchen  sie
Briefe  wechselten.  Worauf  diese  gleich  eingezogen,
dann  gefangen  mitgenommen  wurden,  obgleich  deren
armer  und  geängstigter  Bater  Geld  über  Geld  für
ihre  Befreiung  bot.  Hierbei  muß  der  geneigte  Leser
  beachten,  daß  wer  als  Spion  bei  ihnen  angeklagt
  worden,  nicht  auf  den  Angeber  oder  auf  den
Beweis  dringen  dürfe.  Es  ist  nach  russischem
Rechte  genug,  daß  man  angegeben  sei,  auf  gleiche
Art  wie  man  in  Spanien  die  Inquitsition  handhabt.
Was  den  Abmarsch  dieser  Quälgeister  anbetrifft,
hat  man  den  10.  März  solches  wohl  gemerkt.  Weil
aber  die  Nation  insonderheit  ihr  Vorhaben  geheim
hält,  so  konnte  man  nichts  Beständiges  vor  dem
13.  d.  Mts.  verspüren,  als  an  welchem  Tage  sie  die
Pallisaden  rings  um  die  Stadt  abgebrannt,  ihre
Wagen  mit  dem  noch  vorhandenen  Heu  beladen  und
sich  stündlich  marschfertig  gehalten;  bis  sie  endlich
am  15.  Tage  durch  einen  Kapitän  die  kategorische
Order  erhielten,  Gartz  völlig  in  Brand  zu  stecken
und  keines  einzigen  Hauses  zu  verschonen.  Etwa
drei  Tage  vorher  wurden  die  Tore  so  verschlossen
gehalten,  daß  weder  Große  noch  Kleine  aus  der
Stadt  kommen  konnten,  sogar  daß  nicht  einmal
Wasser  zu  holen  vergönnet  war.  Der  Prediger  ging
nebst  zween  Bürgern  zum  Kommandanten,  um  ihn
durch  flehentliche  Bitten  zu  bewegen,  das  große  Unglück
  zu  verhindern;  allein  vergeblich  unter  dem
Vorwande,  daß  nichts  sollte  verschonet  bleiben  außer
der  Kirche.

Die  Entzündung  geschahe,  nachdem  vorher  den
16.  März  früh  etwa  drei  Stunden  vor  Tage  die
Rebeille  geschlagen  wurde  und  die  Mannschaft  sich
vor  den  Türen  der  beiden  Obristen  versammelt
hatte.

Wie  nun  dieselben  um  7  Uhr  ausmarschierten,
sind  50  Mann  kommandieret  durch  dasjenige  Feuer,
welches  schon  auf  allen  Gassen  und  in  allen  Häusern
  angeleget,  diesen  zu  seinem  äußersten  Ruin  und
und  Unglück  bestimmten  Ort  gänzlich  einzuäschern.
Die  Höuser  haben  die  Feinde  mit  Pulver,  mit  al-Anser

  Dommerland

ten  von  Stroh  angefüllten  Säcken  und  andern  zum
Feuer  dienlichen  Sachen  angehäufet,  wodurch  desto
eher  die  Häuser  in  Brand  gerieten  und  das  Feuer
unauslöschlich  gemacht  wurde.  Vorher  hat  man
allen  Leitern  und  Treppen  nach  den  Böden  hinauf
die  Sprossen  und  Stufen  ausgeschlagen  und  sich  dahin
  bemühet,  den  unglücklichen  Ort  in  der  Eile  und
auf  einmal  in  der  Flamme  zu  sehen,  welches  auch
nach  ihrem  Wunsche  erfolget  ist.

Merkwürdig  ist,  daß  das  Haus  der  armen  Witwe,

deren  Mann  umgebracht  wurde,  mitten  in  den
Flammen  unbeschädigt  geblieben.
Die  übrigen  Einwohner  haben  als  ein  kläglich

verschüchteter  Haufe  sich  in  die  Kirche  geflüchtet,  weil
die  Stadt  so  lange  verschlossen  blieb,  bis  die  Arriergarde
  ausgezogen,  welche  die  Plünderung  bei  den
in  der  Kirche  befindlichen  Leuten  vornahm.  Der
vorerwähnte  Prediger  hielt  sich  anfangs  oben  im
Gewölbe  verborgen  aus  Furcht  mitgenommen  zu
werden,  davon  er  ziemliche  Beweise  von  seinem
redlich  gesinnten  und  ihm  einguartierten  deutschen
Obristen  gemerkt,  konnte  aber  wegen  großen  Rauches
  und  Dampfes  sich  nicht  länger  oben  halten  und
sonderlich,  da  man  besorgen  mußte,  daß  wegen  der
wütenden  Flamme  auch  die  Kirche  selbst  in  ein
gbeiches  Schicksal  verfallen  möchte.  Er  wurde  also
gezwungen  herabzusteigen,  da  denn  inzwischen  die
unersättlichen  Hände  dieser  Raubtiere  sich  bald  um
die  Kirche  versammelt,  mit  Flinten  an  die  Türen
gestoßen,  als  wenn  sie  selbige  mit  der  grausamsten
Gewalt  erbrechen  wollten,  davon  schon  am  Abend
vorher  eine  Probe  abgeleget  war,  die  man  aber  auf
Fürbitte  des  Predigers  und  gütige  Veranstaltung
des  christlich  gesinnten  deutschen  Obersten  durch  bestellte
  Wachen  verhinderte.  Endlich  hat  man  ihnen
die  Türen  freiwillig  geöffnet  und  um  Verschonung
kläglich  gebeten;  die  Plünderung  aber  an  heiliger
Stätte  nicht  zu  hindern  vermocht.  Der  Prediger,
ein  recht  frommer  Mann,  war  der  erste,  bei  welchem
  man  den  Zehrpfennig  suchte,  der  auch  so  viel
Geld,  als  er  zur  Hand  hatte,  gern  und  willig  hergegeben.
  Wurde  aber  darauf  in  die  Sakristei  gefordert,
  wohin  die  Soldaten  mit  geladenem  Gewehr
und  gezücktem  Degen  folgten,  die  Türe  hinter  ihm
verschlossen  und  auf  ihn  hielten  zu  bekennen,  wo  die
Gartzschen  Schätze  vergraben  lägen.  Als  er  die  Lebensgefahr
  zwar  vor  Augen  sah,  nichts  aber  bekennen
  konnte,  wurde  dieser  beliebte  und  von  allen
und  jeden  herzlich  bedauerte  getreue  Lehrer  seiner
Kirchen  von  diesen  Barbaren,  bei  denen  weder  die
Gründe  der  Natur,  noch  die  Befehle  Gottes,  wovon
sie  leider  wenig  wissen,  noch  die  Beispiele  der  vernünftigen
  Heiden  im  geringsten  beachtet  worden,
gänzlich  entkleidet,  sogar  daß  ihm  nicht  einmal  das
Hemd  auf  dem  Leibe  gelassen  wurde.  Wie  dieses
verrichtet,  hatten  sie  in  währender  Zeit,  da  der  bestürzte
  fromme  Mann  in  Ohnmacht  auf  der  Erde
gelegen  in  Erwartung  seines  stündlichen  Todes,
Kisten  und  Kasten,  so  den  armen  Einwohnern  zugehèret
  und  vor  diesen  Raubvögeln  hineingebracht