waren,  aufgeschlagen  und  alles  herausgenommen,
auch  dasjenige  nicht  geschonet,  was  zum  heiligen
Altar  gehöret.  Die  Leute  in  der  Kirche  schrieen  in—
dessen  sehr  kläglich,  in  der  Meinung,  ihr  Prediger
wäre  schon  ermordet,  worauf  jene  die  Tür  geöffnet,
die  vorhandenen  Personen  geplündert  und  Geld  bei
ihnen  gesuchet,  von  welcher  Gewalt  sie  endlich  ver—
störet  wurden,  als  ein  Offizier  eilend  ankam  mit  der
Nachricht,  daß  die  Schweden  auf  dem  Berge  stän—
den.  Auf  daß  sie  mit  denen  in  keine  Begegnung
geraten  mochten,  nahmen  sie  das  Beste  und  ver—
schwanden  eiligst  aus  ihrer  Herberge,  die  sie  in
völliger  Flamme  hinterließen.

Nachdem  nun  diese  (die  Russen)  unter  Bedeckung
eines  starken  über  Pasewalk  detachierten  Korps  nach
Antlam  marschierten  und  die  in  Pommern  bisher
licht  durch  rechtschaffene  Kriegsaktionen,  Tugend
oder  Großmut,  sondern  durch  Raub,  Plünderung,
Mord,  Brand  und  sonstiger  Gewalttaten  berüchtigt
gewordenen  russischen  Truppen  —  diese  ganz  zu
Grunde  gerichtete  und  in  einem  höchst  elenden  Zustand
  gesetzte  Provinz  des  heiligen  römischen  Reiches
  zu  verlassen  sich  gestellet,  die  Städte  Anklam
und  Demmin  mit  Zarischer  und  Greifswald  mit
Königl.  und  kursächsischen  Soldaten  besetzt  gelassen,
die  Pässe  aber  nach  Mecklenburg  hinter  sich  teils
ruinieret,  teils  verbrannt:  —  so  hat  die  uralte
Fürstlich  pommersche  Residenz  Wolgast  nicht  minder
als  das  erbarmenswürdige  Gartz  dem  Mord=  und
Brandgeiste  durch  den  russisch-deutschen  Generalmajor
  Baron  von  Staff  aufgeopfert  werden  müssen.


Dieser  Ort  hatte  vormals  ein  festes  Schloß,  welches
  der  hochseligen  Herzoge  zu  Pommern  sowohl
als  der  Regierung  der  Wolgastischen  Fürsten  Hoflager
  gewesen.  Er  liegt  drei  Meilen  von  Greifswald
  und  vier  von  Anklam.  Er  ist  ein  sehr  alter
Ort,  und  das  Fürstliche  Schloß  daselbst  sehr  prächltig
  und  nett  vormals  ausgeführet  gewesen;  aber
nunmehr  die  Kriege  und  das  Alter  meistens  verfallen,
  daß  jetzt  nur  die  Mauern,  einige  Keller  und
Gewölbe  übrig  sind,  um  welche  eine  geringe  Befestigung
  mit  einem  kleinen  Wall  und  einer  Zugbrücke
  zu  finden  ist.  Der  Fluß  Peene  geht  an  der
Stadt  vorüber  und  ist  da,  wo  das  Haff  sich  in  das
Meer  ergießet,  gar  tief  und  zur  Schiffahrt  sehr  wohl
gelegen;  darum  auch  die  meisten  Schiffe,  die  aus
der  Ostsee  nach  Stettin  und  Anklam  wollen,  bei  Wolgast
  anlanden  und  Zoll  geben  müssen.  Die  Stadt
war  zwar  zu  jetziger  Zeit  nicht  groß,  doch  wohl
erbauet  und  hatte  eine  schöne  Pfarrkirche,  welche
wegen  der  Fürstlich  pommerschen  Begräbnisstätten
und  Manumenten  vor  allen  sehenswürdig  ist.  Ehe
wir  aber  weiter  gehen,  wolle  der  geneigte  Leser  die
Geduld  haben,  noch  mehr  von  den  Schicksalen  dieser
Stadt  entgegen  zu  nehmen.  Im  Jahre  1512  ist  die
ganze  Stadt,  1577  das  Schloß  größtenteils  durch
Feuer  eingeäschert.  Im  Jahre  1628  wurde  sie  von
dem  Könige  von  Dänemark  eingenommen.  Als  aber
die  Kaiserlichen  darauf  zugingen  und  gegen  400  Dä-Unser

  Dommerland

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nen  bei  einem  Passe  vernichteten,  setzte  sich  der  König
  wieder  zu  Schiffe  und  ließ  die  Stadt  vorher
anzünden,  welchen  Brand  die  Koeiserlichen  zwar
löschten,  hingegen  aber  die  Bürger  ausplünderten
und  das  Schloß  endlich  eroberten.  Im  Jahre  1630
hat  der  glorwürdigste  schwedische  Held,  König
Gustav  Adolf,  diese  Stadt  mit  Gewalt,  das  Schloß
aber  durch  Vertrag  eingenommen,  dessem  Beispiel
die  Kaiserlichen  und  Kursächsischen  im  Jahre  1637
solgten;  doch  wurde  beides  im  Jahre  1638  den
schwedischen  Waffen  wieder  unterwürfig.  Im  Jahre
1675  nahmen  die  Kurbrandenburgischen  die  Stadt
ein,  beschossen  das  Schloß  dergestalt,  daß  eine  Granate

  die  Pulverkammer  in  Brand  steckte  und  den
dritten  Teil  des  Schlosses  der  Luft  zum  Opfer
brachte.  Im  Jahre  1679  wurde  Stadt  und  Schloß

wiederum  unter  Königl.  schwedische
gebracht.

Die  Einäscherung  aber  dieser  kürzlich  beschriebenen
  Stadt  Wolgast  ist  folgendermaßen  zugegangen:

Am  Marien-Verkündigungstage,  den  25.  März
1713  um  11  Uhr,  da  die  Gemeinde  aus  der  Kirche
kam,  hörte  man  rufen,  daß  ein  großer  Schwarm
Russen  von  Anklam  anmarschiert  käme  und  zwar
gerades  Weges  nach  Wolgast.  Worauf  die  Bürger
die  Tore  verschlossen  und  nach  Möglichkeit  besetzten.
Der  von  dem  Königl.  und  Kursächsischen  General=Major
  Marquis  de  Saissan,  Kommandant  zu
Greifswald,  dahin  gelegte  Leutnant  de  la  Croix
rückte  mit  seiner  Mannschaft  ihnen  entgegen  zu  vernehmen,
  was  für  Ordres  sie  hätten.  Es  ließ  sich
aber  der  kommandierende  russüsche  Obrist-Leutnant
Bordokevitz  nicht  lange  aufhalten,  sondern  eilte  mit
den  bei  sich  habenden  400  Mann  nach  der  Stadt,
forderte  Eröffnung  der  Tore  und  überreichte  ein
Schreiben  von  dem  General-Major  Staff  unter  der
akkuraten  Aufschrift:

An  den  sämtlichen,  Löblichen  Magistrat
der  Stadt  Wolgast.
Wohl--Edle  und  Feste
insgesamt  Hochgeehrte  Herren.

Weil  in  der  jetzigen  Lage  höchst  nötig  ist,  die
Stadt  Wolgast  wieder  zu  besetzen,  also  werdet  Ihr
ohne  Aufenthalt  dem  Herrn  Obrist-Leutnant  Bordokewitz
  mit  seinem  bei  sich  habenden  Kommando,
ohne  daß  er  Gewalt  brauchen  darf,  einnehmen  und
sich  vor  Schaden  zu  hüten  wissen,  und  so  er  nicht
gute  Order  halten  sollte,  können  Sie  sich  deswegen
bei  mir  in  Greifswald  oder  Anklam  melden,  da  ich
denn  Hilfe  erweisen  werde;  wie  ich  mit  Vergnügen
allezeit  sein  werde

Meiner  sämtlichen  Hochgeehrten  Herren

Anklam,  den  24.  März  1713

dienstfertiger  Diener
Baron  von  Staff.

Wie  nun  die  anwesenden  wenigen  Ratsglieder
hieraus  Hoffnung  geschöpfet,  daß  gute  Ordnung,
der  Versicherung  nach,  würde  gehalten  werden,  sonst

Botmäßigkeit