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aber  ebenso  verwegen  wie  vergeblich  gehandelt  sein
möchte,  durch  einige  unbewehrte  Bürger  einer  an—
dringenden  ungleich  stärkeren  feindlichen  Macht  sich
zu  widersetzen  und  dieselbe  aufzuhalten,  —  so  haben
sie  zwar  auf  guten  Glauben  die  Tore  geöffnet,  al—
lein  weil  die  Parole  der  Russen  bisher  in  Pom—
mern  wie  anderswo  von  geringem  Gehalt  gewesen,
haben  die  meisten  Einwohner  sich  über  die  Brücke
auf  den  Schloßplatz  retirieret,  die  Brücke  hinter  sich
aufgezogen  und  allgemach  über  den  vorbeifließenden
Peenestrom  nach  dem  Usedomschen  Lande  setzen
lassen.  Worauf  die  Russen  sich  selbst  einquartiert,
aus  del.  Häusern  alles,  was  ihnen  angestanden,  gemommen
  und  den  Leuten,  welche  noch  bei  dem  ihrigen
  geblieben,  aber  nicht  so  viel  Essen,  Trinken  und
Branntwein,  als  der  Schlingmagen  verlangte,  schaffen
  können,  die  Kleider  ausgezogen  und  erbärmlich
geprügelt,  welches  Traktament  bis  den  folgenden
Montag  Morgen  als  den  27.  März  gedauert.  Da
ist  gedachter  Baron  von  Staff  von  Greifswald  gekommen
  und  hat  sich  anfänglich  gestellt,  als  wollte
er  bessere  Ordnung  halten,  bald  darauf  aber  ansagen
  lassen,  daß  er  besonderen  Befehl  von  seinem
Herrn  dem  Zaren  hätte,  die  Stadt  anzusteden,  welches
  aufs  wehmütigste  und  beweglichste  zu  verbitten,
die  anwesenden  Prediger  und  einige  Glieder  des
Rates  samt  der  Bürgerschaft  sich  zwar  äußerst  angelegen
  sein  lassen  und  ihm  unter  andern  seine  eigne
Parole  vorgehalten,  welche  in  sich  hielte,  daß  —  wofern
  die  gute  Stadt  die  bevor  angelündigte  Brandschatzungs-Steuer
  an  ihn  würde  abgetragen  haben,
sie  vor  allen  anderen  Städten  erhalten  werden  sollte;
aber  alles  vergeblich.  Weil  er  vorgab,  so  strengen
Befehl  zu  haben,  daß  er  solchen  bei  Verlust  seines
Halses  ausführen  müßte;  daher  er  den  Einwohnern
mur  zwei  Stunden  Zeit  gab,  ihre  besten  Sachen  in
die  Kirche  zu  bringen,  welche  —  wie  er  heilig  versprochen
  —  nicht  anstecken  zu  lassen,  sondern  vielmehr
  vor  dem  Brande  zu  bewahren.  Inzwischen
ließ  er  beide  Vorstädte  anzünden  und  gänzlich  abbrennen;
  ja  er  schonte  nicht  einmal  der  Gärten  und
Garten-Häuser,  sondern  verhalf  allem  zu  seinem  vorigen
  und  ersten  Ursprunge.  Ueber  welche  Grausamkeit
  die  Bürger  so  bestürzt  geworden,  daß  sie
zu  nichts  mehr  fähig  waren;  und  wenn  ja  der  eine
oder  der  andere  noch  etwas  von  seinem  übrigen
Geräte  herausgetragen,  haben  die  Russen  alles,  was
ihnen  gelüstet,  davon  geraubet.  Zum  Teil  hat  auch
dies  heillose  Volk  das  Retten  und  Ausbringen  nicht
einmal  gestatten  wollen,  welches  auch  ohnedem  mehr
denn  zu  vergeblich  gewesen,  indem  von  allen,  was
vormals  sowohl  als  auch  jetzt  in  die  Kirche  gebracht,
  nichts  können  übrig  bleiben,  zumal  die
Kirche  —  wider  gegebene  Versicherung  —  zu  brennen
  angefangen,  ehe  noch  die  nächsten  Häuser  in
den  Brand  geraten.  Auch  ist  inwendig  gelegtes
Feuer  gefunden  worden,  welches  mit  solcher  Heftigkeit
  gebhrannt,  daß  auch  die  toten  Körper  in  verschiedenen
  Gräbern,  ja  die  Gebeine  der  Hochseligen
pommerschen  Herzoge  in  dem  Fürstlichen  Begräb-Unfer

  Dommerland  —

nisse  unter  dem  Altar  in  einem  starken  Gewölbe  zur
Asche  geworden.  Und  damit  in  der  Stadt  ja  nichts
bleiben  noch  gerettet  werden  möchte,  ist  jedes  Haus
unten  und  oben,  ja  wohl  an  zehn  Orten  mit  untergelegtem
  Feuer  und  brennender  Materie  angesteckei,
welche  Ang#ündung  mit  dem  Winde  geschah  und
von  den  russischen  Offizieren,  welche  die  Straßen
auf  und  niederritten,  so  lange  bewacht  worden,  bis
alles  zur  Erde  gestürzt.  Wonach  sie  sich  durch  das
Anklamsche  Tor  aus  der  noch  brennenden  umd  rauchenden
  Stadt  begaben;  einige  Bürger,  die  noch  zurückgeblieben,
  haben  ein  am  Wassertor  und  ein  am
Bauwieckslhor  gestandenes  Häuschen,  so  zwei
Schustern  zugehöret,  gerettet,  weil  solches  die  Mordbrenner
  selbst  vor  großem  Rauch  nicht  wahrnehmen
konnten.  Die  übrigen  Häuser  insgesamt  und  also
die  ganze,  gute  und  wohlerbaute  Stadt  sind  nebst
dem  Nathause  und  den  Stadttoren  zum  Steinhaufen
  und  ein  ansehnlicher  Vorrat  an  aufgeschütteten
  Saatkorn  von  mehr  als  zweihundert  Lasten,
welche  man  ungeachtet  aller  feindlichen  genauen
Haussuchungen  dennoch  bis  dahin  durch  Gottes
Gnade  erhalten,  insgesamt  in  Staub  und  Asche  verwandelt
  zum  unsäglichen  Schaden  der  Landeseinwohner.


So  sind  also  überhaupt  nichts  anderes  als  betrübte
  Merkmale  einer  russischen  Grausamkeit  hinterlassen
  worden,  denen  Gott  der  gerechte  Richter  zu
seiner  Zeit  vergelten  wird,  was  sie  wider  ihre  erteilete
  Versprech=  und  Versicherung  an  den  armen
unschuldigen  schwedischen  Untertanen  und  insonderbeit
  der  so  unbarmherzig  und  auf  eine  crecht  unchristliche
  mordbrennerische  Art  eingeäscherten  pommerschen
  Städte  ausgeübet  haben;  ohngeachtet  dieselben
  die  von  ihnen  geforderten  Kontributionen
nach  äußzßerstem  Vermögen  abgetragen  haben.  Der
Bewohner  Seufzen  und  Tränen,  so  mit  dem  aufsteigenden
  Dampf,  Rauch  und  Flammen  gen  Himmel
  ansteigen,  werden  nicht  vergeblich  sein,  sondern

zu  seiner  Zeit  Gott  selbst  zum  Aufstehen,  und  die
Rute,  die  unserer  Sünden  halber  wider  uns  gebrauchet,

  in  das  Feuer  zu  werfen  bewegen  wird,
davon  leicht  die  Funken  in  ihr  eigenes  (der  Russen)
Vaterland  fliegen  können.  )

„Gedrohete  Cinäscherung
der  Stadf  AUnklam“.
(Erzählung  des  Chronisten  Stavenhagen.)
Endlich  kamen  die  Tage,  daß  unsere  Stadt  gänzlich
  aufgeopfert  und  in  Schutt  und  Asche  verwandelt
  werden  sollte.
Wir  wollen  hiervon

die  Umstände
zählen.

näher  er-*)

  Aumerlung:  Diese  Vergeltung  dürfte  wohl
in  dem  gegenwärkigen  Kriege  an  Rußland  vollzogen
werden.