Der  schwedische  General  Graf  Steinbock,  welcher
mit  17  000  Mann  aus  Schweden  auf  Rügen  angekommen
  war,  siegte  über  die  Dänen  bei  dem
Flecken  Gadebusch.  Er  rückte  ins  Holsteinische  und
ließ  die  Stadt  Altona  in  Feuer  aufgehen.  Der  Zar
Peter  hierdurch  zum  Zorn  gereizt,  wollte  das  Vergeltungsrecht
  gegen  einige  pommersche  Städte  tätig
werden  lassen.  Er  befahl  seinem  Jeldmarschall
Fürst  Menzikoff,  die  Städte  Gartz,  Wolgast,  Greifswald,
  Anklam  und  noch  einige  mehr  in  die  Asche
zu  legen.  Gartz  ward  angezündet;  Wolgast  ging  in
Brand  auf,  sein  glühender  Dampf  war  den  Anllamschen
  Einwohnern  ein  schaudernder  Anblick,  und
die  Nachricht,  ein  gleiches  Schicksal  zu  erdulden,
versetzte  sie  in  die  tiefste  Wehmut.  Die  Versicherung
des  russischen  Befehlshabers,  Obristen  Strikaloff,
daß  ein  falsches  Gerücht  diese  Nachricht  verbreite,
lonnte  sie  nicht  gänzlich  trösten.  Der  Trost  und  die
Hilfe  kam  von  Gott,  der  alles  wunderbarlich  lentet.

Es  war  der  1.  April,  wie  der  Oberst  Strikaloif
mit  zwei  Abgeordneten  des  Zaren  dem  Hauptmann
von  der  Garde,  Salavoye,  und  dem  Adjutanten
Pruschkin,  auf  dem  Rathause  vor  dem  versammelten
Rat  und  der  ganzen  Bürgerschaft  sich  einfand  und
ihnen  eröffnete,  wie  der  Zar  durch  gegenwärtige
Abgeordnete  ihm  den  Befehl  gegeben,  die  ganze
Stadt  rein  auszuplündern  und  sie  danach  einzuäschern,
  nur  die  Kirchen,  womöglich  dabei  zu  schomen.
  Einem  jeden  Einwohner  sei  erlaubt,  zwei
Hemden  anzuziehen  und  auf  vier  Tage  Speise  zu
sich  zu  nahmen;  alles  übrige  sollte  den  Soldaten
zur  Beute  gelassen  werden.  Bei  Strafe  der  Wegführung
  nach  Moskau  sollte  ein  jeder  anzeigen,  wo
er  etwa  noch  Geld  verstecket,  und  wo  er  seine  übrigen
  Güter  in  Verwahrung  gesetzt  habe.  Nach  verrichterer
  Plünderung  sollten  die  Bürger  ohne  Unterschied,
  alt  und  jung,  vornehm  und  gering,  durch
seine  Bedeckung  von  der  Garnison  aufs  Feld  geführet,
  und  bis  die  ganze  Stadt  in  Asche  gelegt
worden,  bewachet  werden.  Der  Kämmerer  Rhode,
welcher  zu  der  Zeit  das  Wort  im  Rate  führete,  beantwortete
  diesen  erschrecklichen  Vortrag  in  rührenden,
  wehmütigen  und  von  Tränen  begleiteten  Ausdrücken
  mit  der  Vorstellung,  wie  die  hiesigen  Einwohner
  das  ihrige  ohne  Vorbehalt  den  fremden
Völkern  hingegeben;  er  bezog  sich  auch  auf  das
von  Sr  Zarischen  und  Königl.  Polnischen  Majestäten
  ausgegebene  Manifest,  kraft  dessen  die  Einwohner
  bei  dem  ihren  gelassen  werden  und  kein
Leid  zu  befürchten  haben  sollten.  Man  möchte  erlauben,
  fügte  er  hinzu,  daß  man  aus  dieser  Sache
an  den  Fürsten  Menzikoff  schreiben  dürfte.  Diesem
allem  setzte  man  die  genaueste  Erfüllung  des  Zarischen
  Befehls  entgegen.  Es  war  weiter  nichts  zu
tun,  als  sich  der  Gnade  des  Höchsten  und  der  Gewalt
  des  Zaren  zu  überlassen;  nur  diese  wenigen
Punkte  waren  der  Inhalt  der  letzten  Bitte:

1)  daß  man  mit  den  armen,  Einwohnern  christlich
  umgehen  und  ihnen,  besonders  dem  weib-AUnser

  Dommerland

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lichen  Geschlechte,  keine  Gewalt  am  Leibe  widerfahren
  lassen  möge;

2)  daß  man  die  Schule  und  Spitäler  verschone.
3)  daß  man  vergönne,  das  Rathaus,  so  viel  als
möglich,  vor  dem  Feuer  zu  retten;

4)  daß  ein  jeder,  so  wie  er  könne,  sicher

weggehen  dürse;
5)  daß  diejenigen,  die  es  hätten,  nur  zwei  Taler

sofort

zum  Zehrpfennig  auf  die  Reise  mitnehmen
dürften,  und
6)  daß  kein  Einwohner  auf  dem  Felde  ausgezogen

  werden,  und  solchergestalt  mit  den  Seinigen
  elendiglich  umkommen  mge.

Auf  diese  klägliche  Kapitulation  gestand  man
den  ersten  Punkt  zu;  der  andere  ward  versprochen,
insoweit  solche  Gebäude  besonders  und  nicht  zwischen
  den  bürgerlichen  Häusern  stünden.  Das  Rathaus
  mußte  zuerst  angezündet  werden.  Die  Einwohner
  sollten  nicht  eher  aus  dem  Tore  gelassen
werden,  bis  die  Anzündung  geschehen.  Alsdann
müßten  sie  sich  alle  versammeln  und  alle  auf  einmal
  sollten  unter  einer  Bedeckung  von  50  Mann  zu
Fuß,  dem  Befehle  gemäß  aus  dem  Tore  geführet
werden.

Die  fünfte  Bitte  wollte  man  zur  Ueberlegung
nehmen  und  die  sechste  Bitte  wurde  gewährt.

Die  Soldaten  standen  sämtlich  auf  dem  Markte
zur  Plünderung  bereit,  und  nachdem  Strikaloff  sich
zu  denselben  vom  Rathause  weg  begeben  hatte,  redete
  der  Kämmerer  Rhode  der  versammelten  Bürgerschaft
  nachdrücklich  zu,  wie  sie  sich  bei  dem  bevorstehenden
  Unglück  christlich  beweisen,  nicht  verzagen,
  sondern  ihr  Vertrauen  unablässig  auf  Gott
setzen  sollten.  Der  Rat  müsse  bei  folchem  jämmerlichen
  Zustande  sein  Amt  wohl  niederlegen,  aber  er
würde  der  Bürgerschaft  bis  aufs  äußerste  und  letzte
beistehen  und  sie  nicht  verlassen.  Die  Bürger  sollten
sich  auch  unter  einander  treu  bleiben,  und  dem
Darbenden  auf  dem  Wege  mit  Brot  helfen;  sonst
aber  gewiß  versichert  sein,  Gott  werde  sie  nicht
versäumen,  sondern  ihnen  vielmehr  durch  fremde
Leute  Speise  zubringen  lassen.  Die  Bürgerschaft
wurde  hierauf  unter  Güssen  von  Tränen  vom  Rathause
  beurlaubet  und  ihr  Gottes  Gnade,  Trost  und
Segen  angewünschet.  Noch  selbigen  Tages,  vormittags
  um  8  Uhr,  machte  man  mit  der  Plünderung
  den  Anfang.  Man  besetzte  alle  Wohnplätze
der  Stadt  mit  doppelten  Schildwachen.  Bei  einigen
  wurde  so  grausam  geplündert,  daß  sie  nichts,
weder  Essen  noch  Trinken  behielten;  man  brachte  in
viele  Häuser  Stroh  und  Teer  zum  Brennen  und
besetzte  die  Kirchtürme  Tag  und  Nacht  mit  Soldaten.


Die  Häuser  der  Prediger  waren  die  ersten,  wo—
rin  die  Offiziere  alles  wegnahmen,  und  was  ver—
graben  oder  vermutet  war,  hervorsuchten.  Man  un—
tersuchte  sogar  die  Personen  selbst,  ob  sie  Geld  oder
andere  Kleinodien  bei  sich  führeten.  Diese  Plünderung
  dauerte  den  Sonnabend  und  den  Sonntag