der  sächsischen  Kriegsvölker,  Generalmajor  von  Saisan,
  ließ  darauf  den  Baron  von  Staff  in  Berhaft
nehmen,  wodurch  dieser  unvermutet  von  der  Vollziehung
  der  Einäscherung  Anklams  abgehalten
wurde.  Gleich  darauf  gab  der  russische  General
von  Buck  den  wiederholten.  Befehl,  daß,  wie  gedacht,
  die  Plünderung  am  1.  April  vorgenommen
wurde.  Indessen  verursachte  Carlsons  Tod  und
Staffs  Verhaftung,  und  die  daher  rührende  Verzögerung
  durch  göttliche  wunderbare  Regierung  das
Glück  der  Stadt  Anklam.

EX  TRRNG  L
eines
Briefes  aus  Lönningen,
von  vornehmster  glaubwürdiger
Hand.

*  2

2  **  *
Aus  dem  Französischem  überletzt.
Gedruckt  im  Jahre  17B.
Tönningen,  den  15.  Februar  1713.

Mein  Herr  wird  vermutlich  schon  aus  dem  ge—
meinen  Gerüchte  vor  Ankunft  dieses,  welches  ich  bei
einer  von  ungefähr  sich  bietenden  Gelegenheit  abge—
hen  lasse,  nicht  wissend,  ob  es  zur  Stelle  kommen
werde,  vernommen  haben,  daß  der  Kommandant
dieses  Ortes  auf  eine  Order  Sr.  Durchlaucht  des
Herzogs  Karl  Friedrich,  welche  Se.  Exzellenz  der
Herr  Graf  Steinbock  ihm  eingehändigt,  gestern  einige
Regimenter  zu  Fuß  allhier  zur  Besatzung  eingenommen
  hat.  Nachdem  solches  geschehen,  haben  Se.
Eracllenz  ihr  Lager  und  Quartier  in  der  Gegend
Gardingen  genommen;  allwo  ein  kleines  Feld  von
Geestland  ist,  gerade  von  der  Größe,  als  es  die
Notdurft  erfordert,  um  daselbst  nach  der  Anzahl
Ihrer  Armee  eine  Schlacht  zu  liefern.  Aber  ich
wein  nicht,  ob  die  Allilerten  die  Schweden  daselbst
angreifen  werden,  weil  dieser  Post  (Stellung)  sehr
vorteilhaft  ist.

Einige  Pöste  (Stellungen)  hat  der  Herr  Graf
vor  einigen  Tagen  verlassen,  weil  sie  von  der  Hauptarmec
  ein  wenig  zu  weit  entfernt  waren.  Unter  andern
  die  Stadt  Friedrichstadt,  welche  keineswegs  zu
beheupten  war;  deswegen  ist  denn  auch  kein  Schuß
dabei  geschehen.  Ein  Post  war  auf  einem  Deiche
ein  Stück  Weges  von  der  Stadt,  wo  einige  kleine
Scharmützel  vorgefallen.

Ich  glaube  doch  nicht,  daß  dabei  15  Mann  auf
beiden  Seiten  geblieben  sind;  aber  weil  dieser  Post
eben  so  wenig  als  die  Stadt  zu  behaupten  war  und
sehr  leicht  abgeschnitten  werden  konnte,  zu  geschweigen,
  daß  die  feindliche  große  Artillerie  fünfmal  stärker
  war  als  die  schwedische,  so  gaben  Se.  Exzellenz
Befehl  zum  Abzuge.  Diejenigen,  welche  den  An-Unser

  Dommerland

105

griff  tun,  haben  insgemein  den  Vorteil  in  Verfolgung
  der  andern;  uber  bei  dieser  Gelegenheit  hat
sich  das  Gegenteil  bewiesen.  Die  Angegriffenen
drangen  immer  auf  die  Feinde  und  warfen  sie  allemal
  zurück,  ob  es  gleich  in  den  schlechtesten  Wegen
der  Welt  war;  und  fanden  sich  bei  der  Hauptarmee
eine  halbe  Meile  von  dem  Post,  welchen  sie  soeben
verlassen  hatten,  wieder  ein  ohne  Verlust.

C(  0  JIR
Eines
Schreibens
von
Sr.  Königl.  Maseltät
in  Preußen

An
Se.  Kurfürstl.  Durchlaucht  zu
Braunschweig-Lüneburg
Berlin,  den  18.  November  1713.
Durchlauchtigster  etce.

Ewr.  Kurfürstl.  Durchlaucht  habe  ich  mit  voriger
  Post  Meine  Gedanken  wegen  der  bekannten  Holsteinischen
  Sache  eröffnet  und  bin  der  Ihrigen
(Meinung)  nach  Dero  Freund-Vetterlichen  Gefallen
binwieder  darüber  gewärtig.

Ich  kann  aber  Ewr.  Kurfürstl.  Durchlaucht  nicht
verhalten,  wie  daß  ich  in  Erfahrung  kommen,  daß
dte  Festung  Tönningen  in  nicht  geringer  Gefahr
sein  solle.  Durch  Mangel  nötiger  Lebensmittel  oder
auch  bei  einfallendem  harten  Frost  durch  eine  Erstürmung

  der  Krone  Dänemark  in  die  Hände  zu
fallen.
Und  weil  ich  nun,  wie  ich  Ewr.  Kurfürstl.

Durchlaucht  nicht  verhalten  kann,  Ihro  auch  ohne
dem  bekannt  ist,  durch  einen  mit  dem  Fürstl.  Hause
Holstein  geschlossenen  Traktat  verpflichtet  bin,  diesen
wichtigen  Ort  demselben  um  jeden  Preis  zu  erhalten
  und  alle  Meine  Kräfte  dazu  anzuwenden;  so
werden  Ewr.  Kurfürstl.  Durchlaucht  hochvernünftig
ermessen,  daß  dieses  Werk  (der  bevorstehenden  Eroberung)
  mich  nicht  in  geringe  Verlegenheit  setzet,
indem  ich  an  einer  Seite  Meinem  mit  dem  Fürstl.
Hause  Gottorff  genommenen  Engagement  absolut
ein  Genügen  tun  will  und  muß,  auch  Gott  Lob  die
dazu  erforderlichen  Mittel  an  der  Hand  habe.

Andererseits  aber  doch  auch  weit  lieber  durch  den
Weg  der  Güte  Meiner  Verpflichtung  gegen  ermeldtes
Haus  ein  Genügen  tun,  als  gewaltsame  und  zur
Weiterung  ausschlagende  Mittel  dazu  gebrauchen
wollte.

Ewr.  Kurfürstl.  Durchlaucht  werden  solche  Meine
Absicht  sonder  allen  Zweifel  prüfen  und  weil  ich
beredet  bin,  daß  Sie  durch  Ihren  bei  des  Königs
in  Dänemark  Majestät  habenden  Kredit  ein  Großes
dazu  beitragen  können,  oaß  derselbe  die  Festung