Der  Pommer  Ernst  Moritz  Arndt  und  der  gegenwärtige  Weltkrieg.

Den  gegenwärtigen  Weltkrieg  hat  schon  unser
landsmännischer  Dichter  Ernst  Moritz  Arndt  vor
100  Jahren  vorausgesagt.  In  seiner  Schrift:
„Ueber  Preußens  rheinische  Mark  und  über  Bunmdesfestungen"
  aus  dem  Jahre  1815  sagt  er:  „Zittere
ich  vor  dieser  neuen  Flut  von  Elend  (nämlich  wie
es  durch  einen  Krieg  hervorgerufen  wird)?  Als
Mensch  ja,  denn  es  jammert  mich  eines  Unglücks,
das  durch  Weisheit  hätte  vermieden  werden  könmen.
Fittere  ich  als  Deutscher?  Nein,  denn  mir  ist  nicht
bange,  daß  wir  alle  Kämpfe  ritterlich  bestehen  werden.
  Die  Not  wird  uns  weiter  führen,  als  die  Tugend
  und  Weisheit  derer  uns  hat  führen  können,
die  für  uns  das  Herz  und  der  Kopf  hätten  sein
sollemn.  Wir  müssen  wie  die  Feuersteine  von  Eisen
und  Stahl  ja  so  lange  geschlagen  werden,  bis  alle
Funken  aus  uns  herausfliegen;  aber  dann  werden,
wir  auch  eine  Flamme  anzünden,  daß  alle  Welt  erstaunen
  und  sich  freuen  wird.  O  braves  und  biederes
  doutsches  Volk,  verzage  nicht,  habe  guten  Mut.
Wie  schlecht  es  äußerlich  mit  dir  aussieht  und  wie
hinterlistig  man  auch  alles  stellt,  damit  du  dir  deiner
  jugendlichen  Riesenstärke  und  der  gewaltigen
Kraft  deitnes  Gemütes  nimmer  bewußt  werden
sollstt  Der  Gott,  der  mit  dir  war  und  so  Groges
mit  dir  vollbrachte,  wird  auch  ferner  mit  dir  sein
umd  Großes  vollbringen;  er  ist  noch  in  Dir,  er
lebt  und  wirkt  noch  lebendig  in  dir,  und  seine  allmächtigen
  Donner  und  Blitze  werden  aus  dir  herausgeschlagen
  und  alle  deine  Widersacher  vor  dir
zerschmettem,  wann  dich  die  Gefahr  wieder  anbrasst.
  —  —  Ja,  er  wird  kommen,  der  neue
Kampf,  sie  wird  aufblitzen,  die  neue  Flamme  der
deutschen  Begeisterung  und  des  deutschen  Ruhmes.
Wie  ein  Strom,  der,  anfangs  klein  und  namenlos,
von  Meile  zu  Meile  seines  Laufes  immer  von  neuen
Bächen  und  Quellen  vermehrt  und  geschwellt  wird
umd  endlich  in  freudiger  Fülle  dem  Meere  zubrausst,
so  wird  die  Meinung,  eine  öffentliche  und  deutsche
Meinung,  die  jetzt  kaum  hie  und  da  als  ein  stilles
Bächlein  rieselt,  das  von  vielen  frechen  Händen  mit
Unrat  besudelt  und  mit  Schutt  verstopft  wird,  als
ein  voller  und  mächtiger  Strom  durch  das  ganze
Volk  dahinbrausen  und  durch  keine  ängstlichen  Späher
  und  Auflaurer  mehr  zu  hemmen  sein.“  (S.
63—65.)

In  seiner  Schrift:  „Belgien  und  was  daran
hängt“  sagt  Arndt:  „Die  Schicksale  der  Völker  sind

Von  Dastor  Streurich-Öroß-icker  a.  Mönchguk.

in  Gottes  Hand,  doch  auch  in  der  Hand  der  Menschen.
  Ich  bete,  daß  Weltkrieg  und  Weltverwüstung

lange  nicht  gehört  werden.  Gesetzt  aber  —  was
ich  nicht  fürchle  —  es  könnte  durch  einen  höllischen
Schpoindelgeist  das  Fürchterlichste  geschehen  und  die
republikanische  Propaganda  siegen,  alle  Throne  niederweien,
  alle  Fürstentümer  verulgen,  alle  Ge—
schlechte  alten  Glanzes  mit  Stumpf  und  Stiel  ausrotten;
  es  könnte  ihr  gelingen,  die  reine  Damnokratie
  zu  verwirklichen,  die  Völker  gleichsam  zu  dem
geträumten.  Urzustande  wieder  herzustellen  —  was
wirde  in  solchem  Falie  zuleßt  geschehen?  Ein  verständiger
  Mam,  der  Volksbote  Gautier  von  der
Garonne,  hat  den  Verrückten  von  Paris  vor  drei
Jahren  von  der  Rednertribühne  herab  geweissagt,
was  dann  geschehen  würde.  Nicht  der  ewige  Friede
voll  lauter  Wonnesal,  den  sie  sich  und  anderen  vorträumen,
  würde  dann  da  sein,  nicht  der  große
Weltkuß,  die  große  Bölkerumarmung  der  allgemeinen
  Glückseligkeit  —  nein!  Sondern  eine  eiserne
Umarmung,  eine  so  klirrende  und  schallende,  dasf,
sie  über  die  Welt  hin  tönen  würde,  die  Urkräfte  der
entfesselten  Völker  würden  gegeneinander  stoßen  und
dann  in  solchem  schrecklichen  Kampfe  der  wilden,
losgelassenen  Kräfte  würden  die  Deutschen  wohl
eher  jenseits  der  Garonne  lagern  als  die  Franzosen
  jenseits  der  Oder“  (S.  149  f).  Diese  Weissagung
  stammt  aus  dem  Jahre  1834.

Aus  beiden  Stellen  geht  deutlich  hervor,  daß
Arndt  einen  Weltkrieg,  wie  wir  ihn  jetzt  zu  führen
haben,  längst  vorausgesehen  hat,  nur  scheint  er  die
Ursachen  dieses  Krieges  in  revolutionären  Sirömungen
  gesucht  zu  haben,  mit  denen  wir  Deutschen
zu  kämpfen  haben  würden.  Daß  er  nicht  die  politischen
  Auseinandersetzungen  mit  Dänemark,  Oesterreich
  und  Frankreich,  die  nach  seinem  1860  erfolgenden
  Tode  stattfanden,  gemeint  haben  kann,  geh
daraus  hervor,  daß  sie  keine  Weltkriege  waren,  dai
wir  es  in  ihnen  immer  nur  mit  einem  Bolke
zu  tum  hatten  und  daß  die  Wirkungen  dieser  Kriege,
so  bedeutend  sie  auch  an  sich  waren,  den  Rahmen
anderer  Kriegvdwirkungen  nicht  überschritten.

Daß  Arndt  in  der  Tat  an  einen  Krieg,  wie
wir  ihn  jetzt  erleben,  d.  h.  an  einen  Krieg  des
Deutschtums  gegen  die  gesamte  übrige  Welt  gedachi
hat,  geht  schon  daraus  hervor,  daß  er  Gott  einmal
den  „deutschen"“  Gott  nennt  zum  Unterschied  von
dem  Gott  anderer  Völker  („Gott  ist  unter  uns  der