Aus  Pommerns  Tagen  im  Dreißigsährigen  Kriege.

Mitteilungen  aus  einer  pommerschen  Lirchenchronik.



Nicht  nur  Ostpreußen,  das  jetzt  so  schwer  heimgesuchte,
  sondern  auch  unser  Pommerland  weiß  davon
  zu  sagen,  welch  Zerstörungswerk  der  Krieg  in
seinem  Gefolge  hat.  Es  sei  uns  verstattet,  an  dem
Beispiel  zweier  kleiner  Gemeinden  aus  dem  Kreise
Nandow  darzutun,  wie  schwer  unser  Pommerland
in  den  Tagen  des  Dreißigjährigen  Krieges  gelitten
hat  und  wie  tief  dieser  Krieg  in  die  wirtschaftlichen
Verhältnisse  der  Provinz  hineingegriffen  hat.

Lange  war  das  Randower  Land  von
Kriegsfurie  verschont  geblieben,  ein  Geschlecht
herangewachsen,  das  sich,  wenn  auch  kärglich,  so
doch  nicht  hoffnungslos  von  seiner  Hände  Arbeit
ernährte.  Da  brach  das  Verhängnis  herein.  Bereits
  im  Jahre  1627  nach  mancherlei  schweren  Niederlagen
  der  protestantischen  Fürsten  waren  die  kaiserlichen
  Generale  von  Arnim  und  von  Goetze  mit
30  000  Mann  in  Pommern  eingefallen  und  hatten
dasselbe  drei  Jahre  gebrandschatzt.  1630  wurde
auch  Gartz  a.  O.  und  die  Umgegend  von  dem  Feldmarschall
  Torquato  Conti  aufs  furchtbarste  heimgesucht.
  Besonders  der  Oberst  Hans  Goetze  war
weit  und  breit  gefürchtet  und  wegen  seiner  unmenschlichen
  Grausamkeit  verflucht.  Als  sich  die
Kunde  vom  Herannahen  des  schwedischen  Heeres
unter  Führung  Gustav  Adolfs  verbreitete,  machten
die  Kaiserlichen  es  ebenso  wie  in  unseren  Tagen
die  Russen  in  Ostpreußen  beim  Herannahen  der
feindlichen  Heere:  sie  verließen  1630  das  Randower
  Land,  aber  nicht,  ohne  zuvor  eine  große
Reihe  blühender  Dörfer  in  Schutt  und  Asche  gelegt
zu  haben.  Dieses  Geschick  traf  in  diesem  Jahre
auch  die  beiden  in  der  Nähe  der  Oder  zwischen
Gartz  und  Stettin  gelegenen  Dörfer  Pargow  und
Staffelde,  die  der  weithin  um  Stettin  begüterten
Familie  von  Wussor  gehörten,  aber  an  Gutsbauern

der
war

verpachtet  waren.  Die  Kirchen  und  die  Bauernhöfe
  gingen  in  Flammen  auf,  das  Vieh  wurde

fortgetrieben,  das  Ackergerät  vernichtet.  Das  alles
geschah,  um  dem  nachrückenden  Gegner  den  Unterhalt
  zu  entziehen.  Um  das  Elend  der  schwer  geprüften
  Bevölkerung  erst  voll  zu  machen,  sahen  sich
die  nachrückenden  Schweden  gezwungen,  die  schtversten
  Kriegskontributionen  zu  erheben.  Ein  Jahr-Von

  Dalskor  Kietz,  Sark  a.  0.

zehnt  hindurch  tobte  der  Krieg  dann  weiter  im
Pommerlande.  Als  1648  endlich  der  heißersehnte
und  -erbetene  Friede  einkehrte,  da  wurde  das  Land
unmittelbar  darauf  von  einer  schweren  Hungersnot
heimgesucht.  Und  der  Friede  war  nicht  von  Dauer.
Bereits  1650  hausten  die  Polen  im  Randower
Lande  und  äscherten  manch  Dorf,  das  aus  den.  Tagen
  des  Dreißigjährigen  Krieges  übrig  geblieben
war,  ein.

An  den  Folgen  dieser
die  Bevölkerung  über
gehabt.  Zunächst  war
Pargow  und  Staffelde,
selbst,  deren  Reichtum  und  Besitz  durch  den  Krieg
schwer  erschüttert  ward.  Nachdem  der  pommersche
Adel  durch  den  Bankerott  des  Bankhauses  Loitz  bereits
  gegen  Ende  des  16.  Jahrhunderts  den  ersten
schweren  finanziellen  Stoß  erhalten  hatte,  vollendete
  der  30jährige  Krieg  den  Zusammenbruch  so
manchen  alten  Geschlechtes.  Die  Wussors  mußten
schon  während  des  Krieges  ihr  Gut  Pargow  verpfänden.
  Ein  Sproß  dieser  Familie  kann  die
Kosten  des  Begräbnisses  seiner  Schwiegermutter  nur
durch  Verpfändung  eines  Bauernhofes  aufbringen.
Die  Einnahmequellen  aus  all  den  blühenden
Bauernhöfen  um  Stettin  waren  infolge  der  Ferstörung
  der  landwirtschaftlichen  Betriebe  versiegt.
In  Pargow  und  Staffelde  lagen  Jahrzehnte  nach
dem  Dreißigjährigen  Kriege  die  Grenzhufen  unbeackert:
  Wälder  samten  sich  an,  wo  Jahrhunderte
der  Bauer  die  Scholle  gepflügt.  Die  Folge  war,
daß  die  Wussors  ein  Gut  nach  dem  anderen  aus
der  Hand  geben  mußten,  bis  sie  schließlich  im
18.  Jahrhundert  aus  dem  Randowlande  verschwanden.


Noch  schwereren  Schaden  erlitten  die  Bauern,
die  „armen  und  gänzlich  ruinierten  Untertanen“,
wie  sie  in  einer  Urkunde  jener  Tage  genannt  werden!
  Wie  sehr  der  Krieg  unter  ihnen  aufgeräumt
und  sie  von  der  heimatlichen  Scholle  gelöst  hat,  zeigen
  die  bäuerlichen  Familienregister,  die  uns  aus
den  Tagen  vor  und  nach  dem  Klriege  vorliegen.
Von  allen  in  Kirchenmatrikel  von  1609  genannten
34  Bauern=  und  Kossätenfamilien  in  Dargow  umd
Staffelde  finden  wir  in  dem  1654  begonnenen
Kirchenbuch  nur  eine  Familie  wieder.  Und  das

furchtbaren  Zeiten  hat
ein  Jahrhundert  zu  tragen
es  die  Grundherrschaft  in
die  Familie  von  Wussor